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Wahre Identität des Kommandeurs der „Speznasgruppe Neurusslands“ unter dem Rufzeichen „Olchon“ festgestellt

Blogger haben bereits mehrmals versucht, die wahre Identität des Staatsbürgers Russlands festzustellen, der als Kommandeur der sogenannten Gruppe „Speznas Neurussland“ unter dem Rufzeichen „Olchon“ agierte. Jedes mal blieben aber Zweifel an der Zuverlässigkeit der einen oder anderen Analyse. Heute präsentieren die Aktivisten Dmitry Lisunow [1] und Oleh Baturin [2] in ihrer OSINT-Untersuchung ihre eigene Version hinsichtlich der Identität des Kriegsverbrechers „Olchon“. Trotz der Tatsache, dass Olchon das Territorium von Donbass bereits verlassen hat und nun Geschäfte in Moskau macht, bleibt er eine Medienperson und trifft sich mit dem ominösen Propagandisten Graham Philipps [3], der des Öfteren Interviews mit ihm macht. Die Identifizierung von „Olchon“ ist nicht nur fürs ukrainische Publikum interessant, sondern auch für die Marionettenregierung der „L/DVR“, zu der Olchon in harter Opposition steht und diese genauso wie Igor Girkin aus Entfernung kritisiert.


Im November 2016 veröffentlichte die russische Ausgabe „Moskowski Komsomolez“ den Artikel „Ein Tresor mit der „Donbass-Bombe“: Wie die Angaben über die Freiwilligen aus Russland aufbewahrt werden“ [4], in dem die Autoren die Informationslöcher zuzuflicken versuchten. Russische Journalisten haben dabei aber ungewollt das Geheimnis rund ums Thema der „Urlauber“ und russischer Söldner im Donbass ein wenig gelüftet. Der Informationsleak aus der Organisation „Verein der Donbass-Freiwilligen“ gab einen neuen Anstoß für weitere Untersuchungen. Die Resultate von einer davon haben geholfen, die Identität eines weiteren Kriegsverbrechers festzustellen, des Kommandeurs des sogenannten „Speznas Neurusslands“.

Mit dem Beginn der Militäraggression Russlands wurde die Abteilung nicht nur dank der „finanziellen Hilfe“ von den Russen zur Unterstützung der terroristischen Tätigkeit auf dem Territorium der Ukraine, oder der Rekrutierung und Training von frischgebackenen Söldnern bekannt, sondern auch „dank“ ihrer zahlreichen Verbrechen gegen die Menschheit. Die Söldner von „Olchon“ waren an zahlreichen Leichenfledderei- und Folterfällen gegenüber Zivilisten im besetzten Donbass beteiligt. Vor einem Jahr wurde im Internet ein Video [5]veröffentlicht, in dem „Olchon“ einen Einwohner des Dorfes Kommunar (Donezker Gebiet) Alexey Frumkin, der Ende 2014 verschwunden war, zu Tode prügelt,

Seine Identität hat der Söldner „Olchon“ sorgfältig verheimlicht und trat ausschließlich in einer Maske in der Öffentlichkeit auf. Auf der Webseite „Myrotworez“ [6] wurden auch Fotos und Angaben von „Olchon“ veröffentlicht, sein Name wurde aber falsch angegeben.

Nach einer zusätzlichen Aufklärung und Präzisierung der Information haben wir festgestellt, dass sich hinter dem Rufzeichen „Olchon“ ein Staatsbürger Russlands versteckt, Maxym Petrowitsch Tchorschewskij, geb. 31.12.1974, gebürtig aus Ust-Kamenogorsk (Kasachstan). Links: sein VK-Profil [7], seine VK-Gruppe [8].

Nahm an Kampfhandlungen in Tschetschenien 1995, 2000-2003 und 2005 teil. Seine „Dienstreisen“ dauerten meist von 3 bis 6 Monaten an. 2005-2008 diente er in der 24. selbstständigen Speznas-Brigade GRU des Generalstabs Russlands (Einheit 55433), als Kommandeur der Aufklärungsabteilung im Dienstrang eines Oberfeldwebels. Er ist ein Militärangehöriger des Speznas GRU Russlands, zurzeit gekündigt.

[9] [10]

Der Söldner „Alabai“ hat einmal den Wunsch von „Olchon“ erwähnt, aus der 24. Speznas-Brigade GRU ins 45. selbstständige Garde-Regiment zur besonderen Verwendung zu wechseln, und veröffentlichte 2016 ein Foto von „Olchon“ in einem sozialen Netzwerk, was seine Identität festzustellen erlaubte.

Fotos zum Vergleich:

[11]

Interessant an der Biographie von Maxim Tchorschewski ist die Tatsache, dass er aus einer Soldatenfamilie kommt – sein Vater diente auf einem U-Boot, sein Großvater war ebenfalls ein Militärangehöriger, sein Onkel war als Panzerfahrer am Afghanistan-Krieg beteiligt, war dort Kommandeur eines Zugs und später einer Kompanie. Das Rufzeichen „Olchon“ wählte sich Maxim wohl nach dem Namen einer Insel am Baykal – bis zum Ausbruch des Krieges in der Ukraine lebte er in Nowosibirsk. Seine Betreuer aus dem GRU schickten ihn in den Donbass im Mai-Juni 2014. Die allerersten Erwähnungen von „Olchon“ beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 10. August und Dezember 2015. Anfang Dezember 2015 wurde auf Olchon ein Attentat organisiert – seine Schutzweste hatte ihn aber gerettet. Die Organisatoren des damaligen Attentats gehörten zum engsten Umkreis des „DVR“-Anführers Alexander Sachartschenko. Auf Olchon wurde abends in der Dunkelheit aus einem Auto ohne Kennzeichen geschossen. „Olchon“ beschloss wohl, nicht auf seinen eigenen „Fahrstuhl“ zu warten und kehrte Anfang 2016 nach Russland zurück. Seitdem wohnt er in Moskau. Am 5. Dezember 2016 erklärte er über die Gründung seines eigenen „Bauunternehmens“ zu Ausführung der Staatsverträge in Moskau und Umgebung (Baufirma „Olchon“). Zum Unternehmensgründer wurde sein Vater, Pjotr Tchorschewskij.

„Olchon“ kennt „Wagner“ höchst persönlich – den ehemaligen russischen „Offizier“, der das grösste private Militärunternehmen Russlands [12] gründete. Dieser Organisation wird die Liquidierung von einigen widerspenstigen Feldkommandeuren der „D/LVR“ zugeschrieben, darunter von Alexey Mosgowoj [13] und Pawel Dremow [14]. Nach Informationen der russischen Webseite „Fontanka“, versteckt sich unter dem Namen „Wagner“ der Oberstleutnant der Reserve Dmitry Utkin.

All das würde womöglich noch immer ein versiegeltes Geheimnis bleiben, wenn „Olchon“ nicht kürzlich den Reihen des „Vereins der Donbass-Veteranen“ beigetreten wäre. Über den Datenleck wurde im Sommer 2016 bekannt, als die Webseite „Myrotworez“ den Dump des E-Mail-Acccounts [15] einer Mitarbeiterin des „Vereins“, Marija Koleda, veröffentlichte. Darin befanden sich Angaben zu einigen russischen Söldnern, die an den Kampfhandlungen gegen die Ukraine im Donbass teilnahmen und einen Antrag auf Mitgliedschaft beim „Verein der Donbass-Veteranen“ stellten. Dieses Faktum hat eine Empörungswelle unter den Vereinsmitgliedern hervorgerufen und seine Folge war der Ausschluss eines Mitglieds – des ehemaligen FSB-Offiziers Igor Maschkow – aus der Organisation. Später hatte sich der Verein damit rechtfertigt, dass der Datenleak nicht sein Verschulden gewesen ist, da die Angaben der Freiwilligen angeblich „ausschließlich auf Papier“ aufbewahrt wurden, was aber nicht der Wirklichkeit entsprach. Davon konnten wir uns überzeugen, als wir die persönliche Angaben von „Olchon“ mit den Beweisen seiner Zugehörigkeit zum GRU Russlands erhalten haben, und später – auch die Beweise seiner Zugehörigkeit zum „Verein der Donbass-Veteranen“.

Zum jetzigen Zeitpunkt steht fest, dass Abteilungen wie „Olchon“, „Troja“ [16] und ähnliche zur Tarnung der Tätigkeit von GRU-Strukturen des Generalstabs Russlands im Donbass erschafft worden waren.

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Als lyrisches Intermezzo sollte man erwähnen, dass die Idee des ehemaligen „Premierministers“ der terroristischen Enklave „DVR“, FSB-Generalmajors Russlands und Polittechnologen Alexander Borodaj, die gesellschaftliche Organisation „Verein der Donbass-Freiwilligen“ in Russland zu gründen, grandios gewesen ist. Es ist bislang sonst niemandem gelungen, eine vollständigere Datenbank mit Personalbogen der russischen Terroristen, die in der Ukraine unter Kontrolle der russischen Geheimdienste am Krieg teilnahmen, zusammenzustellen. Der Leak dieser Daten [18] hat zur vollständigen Kontrolle über persönliche Daten aller Personen beigetragen, die an dem abenteuerlichen Projekt des russischen Präsidentenberaters Wladislaw Surkow [19] „Neurussland“ teilnahmen.


Dieses Material wurde von Oleh Baturin [2] und Dmitry Lisunow [1] („Europrostir“) exklusiv für InformNapalm [20] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [21]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [22] )

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