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Wer sprengt Autos der Terroristen im besetzten Teil des Donbass?

Am 10. März 2017, anschließend an die in Den Haag abgehaltene Anhörung der Klage der Ukraine gegen Russland [1] wegen Verstoß gegen das internationale Recht und der Aggression gegen das ukrainische Volk, sind die russischen Medien und Terroristen zu einer massiven Spezialoperation zur Beschuldigung der Ukraine wegen Terrorismus übergegangen. Zu diesem Zweck haben sie gefangene ukrainische Militärangehörige benutzt, die man beschloss [2], für die Sprengung des Autos des am 4. Februar 2017 ermordeten Verwaltungsleiters der „LVR-Volksmiliz“ Obersts Oleg Anaschtschenko verantwortlich zu machen.

Aber derartige Sprengungen von PKWs mit Söldnern und Funktionären terroristischer Gruppierungen „D/LVR“ passieren ziemlich oft. In nachfolgender Untersuchung werden Beweise zu einem weiteren Vorfall präsentiert, der einige Geheimnisse der Auftraggeber und Vollstrecker der Liquidierung von Terroristen lüftet und den Konkurrenzkampf auf den von durch Russland besetzten Territorien der Ukraine ans Licht bringt.

Am Morgen des 14. Juli 2015 haben unbekannte Personen in der Nähe des Werkes „Topas“ im besetzten Donezk den PKW von Elena Filippowa, der Sekretärin des Anführers der terroristischen Organisation „Donezker Volksrepublik (DVR)“ Alexander Sachartschenko, in die Luft gesprengt. Die Betroffene wurde im schweren Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Schlussmeldungen wurde die Bombe unter dem Beifahrersitz angebracht. Augenzeugen berichteten, dass das Auto während der Fahrt explodiert ist.

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Am selben Tag wurden Haftbefehle gegen Offiziere des Verteidigungsministeriums erteilt, zusätzlich wurde die Basis der sogenannten „Aufklärungsverwaltung der DVR-Republikgarde“ umzingelt. Viele Informationsportale – sowohl ukrainische als auch russische – waren der Auffassung, dass es sich um interne Zusammenstösse zwischen den Gewaltbehörden der Marionettenrepublik handelte. Jedoch gab es keine einheitliche Meinung dazu, wer und weswegen das Auto von Filippowa gesprengt hatte.

Dank den von den ukrainischen Hacktivisten der UCA [4] (Zur Cyberallianz haben sich die Hackergruppen FalconsFlames, Trinity, Ruh8, CyberJunta zusammengeschlossen) weitergeleiteten Informationen konnten die Freiwilligen der internationalen Gemeinschaft InformNapalm verlässliche Angaben zu diesem Vorfall ermitteln. Dem gehackten E-Mail-Account ([email protected]) des Terroristen, Offiziers der Aufklärungsverwaltung der Republikgarde „DVR“ mit dem Decknamen „Kapa“ wurden Einzelheiten abgewonnen, die mit dem oben beschriebenen Ereignis in Verbindung stehen. Die Analytiker von InformNapalm haben die Daten studiert und konnten Antworten auf eine Reihe wichtiger Fragen finden:

Wer ist „Kapa“?

Alexey Alexejewitsch Kuprijew, geboren am 12. Juni 1974 in Schewtschenko (Aktau), Republik Kasachstan. Zum Oktober 2015 bekleidete er im Rang eines Majors das Amt des Vorsitzenden der ersten Aufklärungsverwaltung der Republikgarde der „DVR“. In einer der Mails vom Jahr 2012 im Kupriejews Account wurden Passfotos in der Uniform eines Kapitäns der Streitkräfte RF gefunden. Außerdem wurde in der Mailbox eine große Anzahl gescannter Dokumente von Unternehmen gefunden, die Großhandelslieferungen von Kraftstoff an den Präsidenten von „Rosneft“ Igor Setschin betreiben. Nach unserer Vermutung hatte Kuprijew bis zum Herbst 2014 einen Bezug zum Wirtschaftssicherheitsdienst des Ölkonzerns „Rosneft“.

Im Herbst 2014 taucht Kuprijew im Donbas auf, wo er gleich eine Offiziersstellung bei der Hauptaufklärungsverwaltung (GRU) der „DVR“ und später – bei der neugegründeten Aufklärungsverwaltung der Republikgarde (RG) der „DVR“ bekommt. In seiner Korrespondenz wurden Dienstunterlagen des Verteidigungsministeriums der Ukraine, Personalbestandslisten der Luftsturmbrigaden der Streitkräfte der Ukraine, des Regiments des ukrainischen Innenministeriums „Asow“ und des Kampfflügels des „Rechten Sektors“ gefunden. Ein Großteil der Korrespondenz ist der operativen Information über die Stationierung und Bewegung ukrainischer Truppenverbände in der ATO-Zone gewidmet, die wir aus verständlichen Gründen nicht veröffentlichen können. Kuprijews Informiertheit und Fahrlässigkeit hinsichtlich Berufsgeheimnisse und der Aufbewahrung von Dienstinformationen erlaubte es, die Personalbestandslisten der 1. Abteilung der Aufklärungsverwaltung der „DVR-Republikgarde“ und weitere interessante Informationen zu beschaffen…

 

Wer hat das Auto von Filippowa gesprengt?

Die Ausführer: Söldner mit den Decknamen „Topas“ und „Lis“ (zu dt. „Fuchs“). Auftraggeber: ehemaliger Vorsitzender des GRU „DVR“ Generalmajor Sergei Nikolajewitsch Petrowskij  alias „Hmuryj“, auch „Plohoj Soldat“ (zu dt. „schlechter Soldat“) genannt. Petrowskij war für die Lieferung des Feuerkontrollsystems des Buk-M1-Komplexes aus Russland verantwortlich, aus dem später die MH17-Boeing im Himmel über Donbass abgeschossen wurde. Näheres über ihn finden Sie in unserer Untersuchung „Detaillierte Informationen zum Generalmajor der russischen Streitkräfte, der der Vernichtung von MH17 verdächtigt wird“ [21]. Die Annahme, dass Petrowskij der Auftraggeber der Sprengung von Filippowas Auto war, wurde aufgrund einer dienstlichen Meldung gemacht, die Kuprijew am 24.07.2015 an die E-Mail-Addresse des ständigen Vertreters RF in der „DVR“ von der Partei „Gerechtes Russland“ Alexej Iwanowitsch Plotnikow [22] ([email protected]) abschickte.

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Text des Schreibens:

„Am 22 Juli wurde der Offizier der Aufklärungsverwaltung der Republikgarde mit dem Decknamen „Nosch“, der den Anschlag auf die Sekretärin des DVR-Oberhauptes ermittelte, als vermisst gemeldet. Nach vorläufigen Angaben wurde er um 23:05 Uhr im Treppenflur seines Hauses von mehreren Personen angegriffen, es wurden Kampf- und Blutspuren gefunden, anschließend wurde er in unbekannte Richtung entführt. Dieser Mensch ermittelte unmittelbar den Anschlag vom 14. Juli auf Elena Iwanowna Filippowa, die Sekretärin des Oberhauptes der Donezker Volksrepublik. Im Laufe der Ermittlungen wurden folgende Informationen beschaffen: Im Auto mit Elena Filippowa musste auch ihre Tochter Alexandra Filippowa anwesend sein, die stellvertretende Vorsitzende der Aufklärungsverwaltung. Vermutlich war das Ziel des Anschlags die Schwächung der Geheimdienstunterstützung des DVR-Oberhauptes Alexander Sachartschenko. Mittels einer Explosion wollte man zwei vertraute Personen von Alexander Sachartschenko eliminieren, mit seiner anschließenden Amtsenthebung vom Posten des Oberhauptes der DVR. Der Veranlasser dieser Bewegung ist ganz offensichtlich der ehemalige Vorsitzende des GRU DVR Petrowskij, der nach bestätigten Angaben seinem Genossen unter dem Decknamen „Topas“ 2 Millionen Euro zugeteilt hat. Für diesen Betrag hat sich Topas bereit erklärt, zum Mittäter dieses Gewaltakts gegen die Vertrauten des DVR-Oberhauptes zu werden, und organisierte die Sprengung von Filippowas PKW mit Hilfe des außerehelichen Sohnes vom „Hmuryj“ unter dem Decknamen „Lis“. Buchstäblich am nächsten Tag nach dem Anschlag auf Filippowa erschien dieser „Lis“ bei der Aufklärungsverwaltung mit der Forderung, die Verwaltung an ihn zu übergeben. Selbstverständlich wurde ihm bei dieser anmaßenden Forderung abgesagt. Die Person, die die Absage erteilte, war der Ermittler „Nosch“. Zum heutigen Zeitpunkt hat sich folgende Struktur der Verschwörung herauskristallisiert: Als Mittelsmann zwischen „Hmuryj“ und „Topas“ diente ein gewisser „Krot“ (zu dt. „Maulwurf“), der im engen Kontakt mit dem „Sloj“ („Böser“) stand (Staatssicherheitsministerium, das zu 80% aus ehemaligen Mitarbeitern des ukrainischen Staatssicherheitsdienstes (SBU) besteht). Die Liquidierung von zwei oben genannten Personen sollte in Mittäterschaft von Leuten des „Hmuryj“, „Hunter“ und „Cash“ ablaufen, in diesem Fall würde „Hmuryj“ die Kontrolle über die Aufklärungsverwaltung bekommen, und „Topas“ – die Möglichkeit, das Amt von Sachartschenko zu besetzen. Da der Gewaltakt keine gewünschten Ergebnisse gebracht hat, wurde die Konfrontation ins Internet verlegt, wo der Hauptschlag gegen die Stellvertreterin des Vorsitzenden der DVR-Aufklärungsverwaltung Alexandra Filippowa gerichtet ist“.

Es ist bemerkenswert, dass Kuprijew einen Monat vor dem Anschlag eine dienstliche Meldung an die E-Mail-Adresse [email protected] verschickt (die Mailadresse  gehört einem 36-jährigen Mann aus Krasnodar. Nutzt Prostituiertenleistungen – die genannte Mailadresse gab er nämlich bei einem spezialisierten Forum [24] in Krasnodar an). An die gleiche Adresse wird auch die gesamte operative und analytische Information verschickt, über die Kuprijew verfügt. In dem Schreiben geht es um die Drohungen seitens Petrowskij an die Tochter von Filippowa – Alexandra, die zu damaligem Zeitpunkt das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden der „DVR“-Aufklärungsverwaltung besetzte.

Text des Schreibens:

01.06.2016. Die stellvertretende Verwaltungsleiterin Alexandra Grigorjewna Filippowa bekommt direkte Drohungen von Sergej Nikolajewitsch Pertrowskij  alias „Hmuryj“ (oder „Plohoj Soldat“). Anbei – Informationen aus einem Telefonat.
Hmuryj: – Guten Tag, Alexandra!
A.: – Guten Tag, Sergej Nikolajewitsch
Hmuryj: – Alexandra, hören Sie mir zu und merken Sie sich alles: wenn mit meinem Mann „Tor“ etwas passiert, dann haben Sie mit dem „Staryj“ einige Optionen. Die erste: wenn ich komme und ich komme vor dem 10. – momentan findet in Moskau ein Gespräch meines Menschen mit dem Priester statt, bei dem WWP (Wladimir Putin) persönlich beichtet, ihr habt immer noch nicht verstanden, dass ich sogar von hier aus Einfluss üben kann – also dann werdet ihr bei meiner Ankunft verhaftet. Die zweite Option: wenn ich nicht durchkomme (obwohl ich mir sicher bin, dass ein unmittelbarer Vertrauter Putins mich durchbringt), aber wenn ich nicht anreise, dann wird euch mit dem „Staryj“ die Einreise nach Russland gesperrt, ich habe genug Kräfte und Möglichkeiten, dies zu machen, dementsprechend könnt ihr dann weder nach Rostow noch auf die Krim einreisen. „Tor“ ist mein Mann, und wenn ihr ihn oder einen anderen meiner Männer in der Verwaltung anfasst oder etwas bei ihnen zu erfahren versucht, dann wird Blut fließen. Bis heute habe ich Tor und allen meinen Männern immer zugeredet, dass ihr die Verwaltung nur mit ihnen zusammen behalten könnt, ohne sie lasse ich euch die Verwaltung nicht behalten; und was Alexander Wladimirowitsch Sachartschenko angeht, hat man in Moskau schon die Entscheidung getroffen, dass er nicht mehr von Nutzen ist und bald weggeräumt wird, und dann komme ich an. Alexandra, sind Sie da?
A.: – Ja, ich höre zu.
Hmuryj: – Hören Sie zu und merken Sie es sich, und begreifen Sie, dass Tor mein Mann ist. Und jeder, dem Sie in die Quere kommen. Und das, was man Ihnen da erzählt, dass mein Einkommen 170 Millionen oder 170 Tausend beträgt, da kann ich Ihnen nur sagen, dass das, was ich verdient habe und jetzt meine Männer verdienen, ich für den Truppenverband ausgebe. Haben Sie mich gehört? Jawohl.
A.: – Aha.
Hmuryj: – Merken Sie sich, ob ich ankomme oder nicht, Sie werden bluten. Tor und Goga habe ich gewarnt. Richten Sie übrigens einen Gruß an Elena Iwanowna aus. Haben Sie mich gehört?
A.: – Ja.
Hmuryj: – Zu meinen Geschäften dort gehören Verkehr und Geldwechsel, und nur meine Leute werden davon profitieren, und wenn ich ankomme, werdet ihr bluten. Nochmal einen Gruß an Elena Iwanowna. Alles Gute, auf Wiedersehen.
A.: – Auf Wiedersehen.

Die Motive des Anschlags sind nun klar. Sie liegen in der Verteilung der Kontrolle über das Transportgeschäft und den Geldwechsel. Auf einer Seite ist Filippowa mit ihrer Tochter und dem „Staryj“ (alias Andrej Borissowitsch Fadejew, verurteilt in 2007 zu 15 Jahren Haft wegen Mord, flüchtete aus der Slawjanoserbsker Haftanstalt während der dortigen Kampfhandlungen) unter der Vormundschaft von Sachartschenko. Auf der anderen Seite sind Petrowskijs Menschen „Tor“ und „Goga“ in der Aufklärungsverwaltung. Allem Anschein nach zeigten die Drohungen keine Wirkung, und Petrowskij und seine Mittäter entschieden sich, Filippowas Auto in die Luft zu sprengen. Aber der Plan, die Mutter zusammen mit der Tochter zu erwischen, lief schief. Selbst Filippowa ist nach dem Anschlag am Leben geblieben. Am 20.07.2015, 6 Tage nach dem Vorfall, begann die Säuberung der Aufklärungsverwaltung von Petrowskijs Leuten durch den Staatssicherheitsdienst der „DVR“. Der Vorsitzende der „DVR“-Aufklärungsverwaltung, Oberst W.N Lessowoj bat den Minister der Staatssicherheit S.I.Lukaschewitsch um Hilfe bei der Festnahme von 35 Menschen aus der ihm anvertrauten Verwaltung. Die entsprechenden Dokumente wurden wie gewohnt an die Adresse [email protected] verschickt.

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Schlussfolgerungen

Russland nutzt die besetzten Territorien der Luhansker und Donezker Gebiete als Spannungspunkt für den Einfluss auf den politischen Kurs der ganzen Ukraine aus. Parallel dazu findet das Testen modernster Waffenmodelle und Militärgeräts, aber auch die Bereicherung ausgewählter Oligarchenklans RF statt. Wie man sehen kann, war in 2015 die „DVR“-Aufklärungsverwaltung für Transportgeschäfte und Währungswechsel auf den besetzten Territorien des Donezker Gebietes verantwortlich. Wie sehr die russische Kriegspropagandamaschine auch versucht, die Verantwortung für Attentate auf mediale Kriegsherren der „Volksmiliz“ auf die ukrainischen Streitkräfte und SBU zu verschieben, sind es in Wirklichkeit nur banale Bandenkriege, die oft im Rahmen der Operationen zur Beseitigung der fürs Regime unbequemen Zeugen von Kriegsverbrechen durch Russlands Geheimdienste ausgeführt werden.


Dieses Material wurde von Michail Kusnezow [28] exklusiv für InformNapalm [29] vorbereitet; übersetzt von Volodymyr Cernenko [30]; editiert von Irina Schlegel [31]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zwecks Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm trägt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 [32] )

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