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Wo und wann ist der KrAZ-LKW verlorengegangen?

Im Laufe einer InformNapalm-Untersuchung zur Identifizierung von Konzentrationsstellen russischer Militärtechnik [1] und Soldaten der Okkupationsstreitkräfte Russlands wurden Photos eines ukrainischen LKWs KrAZ [2] „Burg auf Rädern“ in Altschewsk entdeckt.

Dieser „Burg“-LKW wurde in 2014 von der Kiewer Forschungs- und Produktionsgesellschaft „Praktika“ entwickelt. Erstmals wurde dieser gepanzerte LKW dem breiten Publikum im Rahmen der 11. internationalen Ausstellung „Waffen und Sicherheit“ präsentiert. Der Wagen wurde auf der Basis eines KrAZ mit Allradantrieb gebaut. Zum Hauptunterschied des neuen gepanzerten LKWs von den traditionellen LKWs wurde die besondere Platzierung der Sitze im gepanzerten Kombiaufbau: die Sitze sind in der Mitte platziert. Die Kämpfer sitzen somit Rücken an Rücken und haben die Möglichkeit, während der Bewegung Feuer durch die Fenster-Schießscharten zu führen, wie aus einem Wehrturm. Darin besteht die Ähnlichkeit dieses Wagens mit einer Burg, weswegen auch seine Bezeichnung entstanden ist, berichtet [3] die Ausgabe „Moja Sloboschanschina“.

Der LKW „Burg auf Rädern“ wird für den Transport von Kampfgruppen verwendet (bis zu 23 Menschen). Die Ummantelung beschützt nicht nur das Fahrerhaus, sondern auch den Motorraum, Akkumulator, Betriebsstoffbehälter und den Zwischenbehälterblock. Statt einer Karosse wurde der Wagen mit einem Panzergehäuse für die Kämpfer ausgerüstet. Die Wände des Kombiaufbaus haben eine zusätzliche splittersichere Unterlage, und der Boden – eine vielschichtige Struktur. Das gepanzerte Fahrzeug ist vor modernisiertem Kalaschnikow, dem Sturmgewehr AK-74, dem Dragunow-Scharfschützengewehr, Minen und selbstgemachten Sprengsätzen geschützt. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen diese Wagen im Dienst der Nationalgarde der Ukraine.

Die Feuertaufe des LKWs fand im Herbst 2014 im Osten der Ukraine statt, als einer der Wagen in einen Hinterhalt der Söldner geriet und von drei Seiten beschossen wurde. An jenem Tag regnete es sehr stark. Der Wagen war im schrecklichen Zustand: die hinteren Räder wurden vollständig zerschossen und der Wagen fuhr auf Felgen. Am Ende schaffte der LKW vom Kampffeld auszufahren und niemand darin ist gestorben. Weder das Glas, noch der Panzerstahl haben eine Kugel ins Fahrerhaus durchgelassen.

Es entsteht die Frage, wo und wann der ukrainische gepanzerte KrAZ „Burg auf Rädern“ im Wert von 75 000 Dollar verloren wurde. Der heutige Wechselkurs beträgt 22 Griwna/Dollar, was bedeutet, dass sich der Wert so eines LKWs auf 1 685 000 Griwna beläuft.

Die Photos wurden bei den Söldnern der Okkupationsstreitkräfte Russlands, die sich zurzeit in Altschewsk befinden [1], gefunden:

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k2015-09-25_120423 [5]k2015-09-25_120222 [6]

k2015-09-25_120510 [7]


Die ersten Photos des verlorengegangenen KrAZ „Burg auf Rädern“ tauchten im Netz auf den prorussischen Websiten [8] am 1. März 2015 auf. Darauf wurde ein russischer Söldner aus der „Prisrak“-Brigade abgelichtet, der vor dem KrAZ posiert.

Dass es ein- und der gleiche KrAZ ist, wird durch die vollständige Übereinstimmung in Bemalung bestätigt, wie auch durch den Schaden am Wagen: ein etwas beschädigtes Fenster im Fahrerhaus des Wagens auf der rechten Seite:

Raptor-03-2 [9]

Raptor-02 [10] Raptor-01 [11]

Auf einer Website wurden vor vier Tagen noch ein paar frische herbstliche Photos des LKWs KrAZ in den Kommentaren gepostet [8]. Auf den Herbstphotos sieht man einen Rhombus mit dem Buchstaben „P“  (russ. „П“) darin.

6Vrp-k-K9y8 [12]

Wenn man sich den ukrainischen LKW von allen Seiten und von innen [13] anschaut, so finden wir keine gross sichtbaren Schäden, also kann man sagen, dass dieser Wagen im arbeitsfähigen Zustand ist.

Wo und wann ist denn der ukrainische Wagen verlorengegangen und warum hat man ihn dem Feind überlassen? Es ist kein Einzelfall, was den Verlust arbeitsfähiger Militärtechnik an den Feind angeht.

Nun hören wir ständig vom Kampf der ukrainischen Geheimdienste gegen die Finanzierung des Terrorismus, die Liste ist gross und mit dieser kann man sich in verschiedenen Medien bekanntmachen. Hier ein Beispiel: „Ein Charkiw-Einwohner bekam fünf Jahre Haft für die Finanzierung der Terroristen“- berichtet [14] „Obozrevatel“. Also hat ein Mann „eine Probetranche im Wert von 20 000 Griwna über ein Konvertierungszentrum in Bargeld umgewandelt“ und bekam dafür 5 Jahre Haft. Und kampffähige Militärtechnik im Wert von 1 650 000 Griwna an den Feind abgeben ist normal? Wurde jemand dafür verhaftet? Wo ist die Verantwortlichkeit der Militärs auf allen Ebenen der Befehlskette, oder sollen die Sündenböcke immer nur die gemeinen Soldaten sein?

 

Dieses Material wurde von @BuTaJIu4eK [15] exklusiv für InformNapalm [16] vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel [17]. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.