{"id":12096,"date":"2015-11-19T23:16:15","date_gmt":"2015-11-19T23:16:15","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=12096"},"modified":"2018-01-19T08:53:23","modified_gmt":"2018-01-19T08:53:23","slug":"das-verschlingen-von-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/das-verschlingen-von-europa\/","title":{"rendered":"Das Verschlingen von Europa"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\"><em>von Wladimir Pastuchow<\/em><\/p>\n<p>Die Behauptung, Russland entferne sich von Europa ist falsch. Russland n\u00e4hert sich Europa an&#8230;<\/p>\n<p>Die Rede von Wladimir Putin in Sotschi beim Treffen des Waldai-Clubs wurde mehrfach kommentiert, auch auf den Seiten von &#8222;Novaya Gazeta&#8220;. Dennoch, es wurde keine ernsthafte kritische Analyse gemacht und, zweifelsohne, Die Rede verdient eine. Putins Fans sind \u00fcberzeugt, dass es nichts zu kritisieren gibt, w\u00e4hrend seine Gegner sicher sind, dass es nichts zu analysieren gibt.<\/p>\n<p>Die Wahrheit, wie es oft geschieht, ist eine zerbrechliche Blume, die in einer neutralen Zone w\u00e4chst: Sowohl Russland als auch die Welt haben etwas, \u00fcber was sie nachdenken sollten, und was sie in einer Rede des russischen Staatschefs kritisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nur wenigen ist bewusst, dass in Sotschi in der Tat das Manifest eines alternativen Europas verk\u00fcndet worden ist, an dessen Bau Russland beabsichtigt aktiv und direkt teilzunehmen.<\/p>\n<p>Irren diejenigen, die denken, dass Russland vor hat, sich aus Europa zur\u00fcckzuziehen? Im Gegenteil, wie es in Sotschi offensichtlich wurde, bewegt sich Russland sprunghaft in Richtung Europa, um den &#8222;Russischen Fr\u00fchling&#8220; zu verwirklichen.<\/p>\n<h2><b>Der Raub von\u00a0Europa<\/b><\/h2>\n<p>Eine gemeinsamer Punkt im Diskurs \u00fcber das politische Regime, das sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR in Russland etabliert hat, war die Behauptung, dass, obwohl das Regime autorit\u00e4r ist, es nicht einmal mittelfristig stabil sein kann, da es anders als das kommunistische Regime nicht auf einer Ideologie basiert ist. Und zum Teil &#8211; zumindest bis vor kurzem &#8211; war es so. Selbst die rasende Propagandakampagne, deren Anfang durch den Konflikt mit der Ukraine eingeleitet wurde, ist nicht zum Beweis des Gegenteils geworden, da ein primitiver tribalistischer Chauvinismus, welcher selbst sehr expressiv ausgedr\u00fcckt wird, keine Meta-Ideologie sein kann, die dazu f\u00e4hig w\u00e4re, eine langfristige Stabilit\u00e4t der Landesf\u00fchrung zu gew\u00e4hren. In der Regel verfl\u00fcchtigen sich die Emotionen sehr schnell, lange bestehen nur Ideen. In dem breit umworbenen &#8222;Russischen Fr\u00fchling&#8220; gab es so gut wie keine Idee.<\/p>\n<p>Diejenigen, die nicht glaubten, dass das Regime dazu f\u00e4hig ist, eine Ideologie zu schaffen, hatten recht, dass Ideologien nicht wie Socken gestrickt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr ihre Entstehung werden kulturelle Gr\u00fcnde, historische Tradition, die Bem\u00fchungen von mehreren Generationen und viele andere Dinge ben\u00f6tigt. Das alles existierte im postkommunistischen Russland nicht.<\/p>\n<p>Genau deshalb endeten die unz\u00e4hligen Versuche der Kreml-Administrationen eine Ideologie zu kreieren immer in einem gro\u00dfen Fiasko. Aber das, was man nicht schaffen kann, das kann man ausleihen.<\/p>\n<p>Mit dem Lieferverbot von K\u00e4se und Wurstwaren aus Europa verzichtete Russland nicht auf den Hauptimportartikel &#8211; auf den Erwerb von Ideen. Nun kommen nach Russland andere Ideen, nicht wie fr\u00fcher. Fr\u00fcher waren liberale Ideen in Mode, nun sind es reaktion\u00e4re.<\/p>\n<p>Der Ideologieimport ist eine traditionelle Art der L\u00f6sung von Problemen mittels eines \u201egeistigen Korsetts&#8220; in Russland. Das Russische nimmt zuerst etwas Fremdes und weitgehend nicht Gefragtes aus Europa auf und ver\u00e4ndert es bis zur Unkenntlichkeit, um es schlie\u00dflich als sein eigenes neues Produkt zu verkaufen.<\/p>\n<p>So wurde der europ\u00e4ische Marxismus von einer Handvoll Enthusiasten nach Russland gebracht, aber nachdem er mit der &#8222;Volkst\u00fcmlerbewegung&#8220; gekreuzt wurde, ist er zum &#8222;russischem Kommunismus&#8220; (Bolschewismus) geworden, der lange Zeit demselben Europa einen Schrecken einjagte. Heute gibt Russland seine europ\u00e4ische Identit\u00e4t nicht auf, sondern \u00e4ndert einfach ihr Profil, indem es neue &#8222;spirituelle Munition&#8220; importiert.<\/p>\n<h2><b> Die Spaltung Europas<\/b><\/h2>\n<p>Die meisten Beobachter, die aus einem oder anderen Grund das Geschehen auf dem Forum in Sotschi verfolgten, beschr\u00e4nkten sich auf die Anh\u00f6ren von Putins Rede (viele nahmen \u00fcberhaupt nur seine Thesen in der Auslegung f\u00fchrender Nachrichtenagenturen wahr). Putin war jedoch weder der interessanteste noch der eifrigste von allen Referenten. Er hat, \u00fcbrigens, nicht ein bisschen gelogen als er sagte, er sei eine &#8222;Taube&#8220;, denn der \u201eFalke\u201c in Sotschi war V\u00e1clav Klaus, dessen Rede weit weniger Menschen gelesen haben, als sie es verdient.<br \/>\nV\u00e1clav Klaus ist ein Europ\u00e4er schlecht hin. Dar\u00fcber hinaus ist er einer der Co-Autoren der &#8222;samtenen Revolution&#8220;. Es sieht nicht aus wie ein &#8222;politischer Gesch\u00e4ftsreisender&#8220;, wie Schr\u00f6der oder Berlusconi. Es ist schwierig ihn des Merkantilismus zu bezichtigen. Und wenn er schon in Sotschi erschienen war, dann muss es daf\u00fcr gewichtige ideologische und politische Gr\u00fcnde gegeben haben. Seine Ankunft an sich, geschweige denn seine Rede, spiegelt die tiefe Spaltung von Europa wider und es wird zunehmend schwieriger diese zu ignorieren, selbst f\u00fcr die hartn\u00e4ckigsten Verfechter des &#8222;europ\u00e4ischen Weges&#8220; und der &#8222;europ\u00e4ischen Wahl&#8220;.<\/p>\n<p>Ein vereintes Europa, ebenso wie eine gemeinsame europ\u00e4ische Politik oder einen einheitlichen europ\u00e4ischen Blick auf die Welt gibt es nicht mehr. Deshalb ist es heute nicht genug, wenn man dem russischen Volk sagt: &#8211; Geht nach Europa. Man muss pr\u00e4zisieren, um welches \u201eEuropa\u201c es geht&#8230;<\/p>\n<p>Europa ist in der Frage \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zu den Auswirkungen der Globalisierung gespalten, die es selbst so sch\u00e4tzt. Denn die &#8222;Globalisierung&#8220; zeigte, dass es neben den s\u00fc\u00dfen &#8222;Bl\u00fcten&#8220; auch noch bittere &#8222;Wurzeln&#8220; gibt (Fl\u00fcchtlinge, lokale Kriege, dauerhafte wirtschaftliche Instabilit\u00e4t und so weiter). Europ\u00e4er haben sich in solche aufgeteilt, die glauben, noch mehr Gas geben zu m\u00fcssen, und solche, die stark auf die Bremse treten wollen.<\/p>\n<p>Das Liebesboot des europ\u00e4ischen Liberalismus zerschellte am Fl\u00fcchtlingsstrom. Die Folge der Spaltung der europ\u00e4ischen Liberalen ist die Bildung von zwei politischen Polen in Europa geworden: Von linken &#8222;Euro-Optimisten&#8220; mit ihrer dogmatischen Polit-Korrektheit und scheinheiliger Multikulturalit\u00e4t und von Rechten &#8222;Euroskeptikern&#8220; mit ihrem klassischen Nationalismus und zynischem Pragmatismus. In einer f\u00fcr den Kreml schweren Zeit streckten die &#8222;Euroskeptiker&#8220; ihm die helfende Hand entgegen und wurden zu neuen geistigen Freunden von Russland.<\/p>\n<h2><b>Der letzte Lehrer<\/b><\/h2>\n<p>Im Laufe seiner Geschichte hat Russland verschiedene Lehrer aus Europa gesehen, aber solche gab es wahrscheinlich noch nie. Die europ\u00e4ischen Globalisierungsgegner, die in Europa in Unterzahl sind, blicken nach Russland mit Hoffnung, deshalb f\u00e4hrt Klaus nach Russland und \u00fcberwindet damit alle Hindernisse und Sanktionen. Lassen Sie uns das anh\u00f6ren, was er \u00fcber das heutige Europa sagt:<br \/>\n&#8222;Die aktuellen Probleme&#8230; kommen eher aus dem Westen als aus dem Osten&#8230; Ausgerechnet in Europa ist das Versagen in dieser Entwicklung st\u00e4rker als in anderen Teilen der Welt&#8230; Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr unseren Frieden, Freiheit und Demokratie kommt nicht von dem &#8222;Islamischen Staat&#8220;, &#8222;Al Kaida&#8220; oder irgendwelchen arabischen M\u00f6rdern aller Couleur, die wir in allen L\u00e4ndern der Welt sehen&#8230; Das Problem liegt vor allem in der Tatsache, dass wir selbst z\u00f6gerlich und nicht bereit sind, uns an\u2018s Leben anzupassen&#8230; Wir sind zum Opfer von neuen irrt\u00fcmlichen modischen Begriffen geworden: Das ist entsprechend die Bewegung f\u00fcr Menschenrechte, Multikulturalit\u00e4t, Environmentalismus, Homosexualit\u00e4t, Kosmopolitismus und Transnationalismus&#8230; Wir sind nicht bereit&#8230; unser bequemes Leben zu opfern und unsere Vorurteile loszuwerden. Wir haben keine starken Meinungen. Es ist eine gewisse \u00f6ffentliche Apathie zu verzeichnen, Bildung wird ausgeh\u00f6hlt, wir sprechen schon gar nicht \u00fcber die ideologische Indoktrination, das Aufzwingen bestimmter Ansichten, das erinnert mich an die kommunistische \u00c4ra. Wir ersetzen Bildung durch die Politkorrektheit und Aufzwingen einer bestimmten Ideologie&#8220;.<br \/>\nHier sahen sogar Dugin mit Milonow blass aus. Ideologisch war Putin in Sotschi zweitrangig und Klaus war prim\u00e4r. Zur \u00dcberraschung vieler wurde die ideologische Matrix der &#8222;Macht der Krim-Periode&#8220; nicht der einheimische Eurasianismus mit seiner zweifelhaften geistigen F\u00fcllung, sondern etwas anderes. Der Kreml beschloss \u00fcber Russland die Flagge &#8222;der europ\u00e4ischen Reaktion&#8220; wehen zu lassen.<br \/>\nNun wird er lange und schmerzhaft an einer Legierung aus &#8222;Europ\u00e4ismus&#8220; und &#8222;Eurasianismus&#8220; schmieden, bis ein Explosionsgemisch wie der &#8222;russische Kommunismus&#8220; entsteht. Das kann nur ein historischer Zeitmangel verhindern.<\/p>\n<h2><b>Die Internationale der Globalisierungsgegner<\/b><\/h2>\n<p>Es ist geschehen, was aus meiner Sicht schon lange h\u00e4tte geschehen m\u00fcssen &#8211; Russland ist weltweit zum Anf\u00fchrer des Anti-Globalisierung zu werden. Wer sonst k\u00f6nnte sich der Mission verpflichten au\u00dfer Russland mit seinem starken antikapitalistischen sozialen Codex? Politisch ist Putin prim\u00e4r und Klaus sekund\u00e4r. W\u00e4hrend Klaus spricht, handelt Putin: Er baut eine Br\u00fccke, die Globalisierungsgegner innerhalb und au\u00dferhalb Europas verbinden soll. Er schafft seine eigene Anti-Globalisierungs-Internationale, die Russland helfen soll, aus einer weiteren &#8222;feindlichen kapitalistischen Umzingelung&#8220; auszubrechen.<br \/>\nAber manch einer in Europa wird sich nat\u00fcrlich freuen. Der Kreml hat seine &#8222;F\u00fcnfte Kolonne&#8220; im Westen. Und ihre Zahlenst\u00e4rke nimmt stetig zu. Mit Anti-Globalisierung als einer beinahe offiziellen Ideologie des postkommunistischen Russlands hat der russische Staatschef eine Goldader gefunden, aus der es im Prinzip m\u00f6glich ist, politische Dividenden \u00fcber Jahrzehnte hinweg zu ziehen.<br \/>\nRussland verwandelt sich schnell in ein Zentrum des europ\u00e4ischen Reaktionismus (der Begriff wird nicht von allen mit negativer Konnotation wahrgenommen). Vom Isolationismus kann hier kaum ernsthaft die Rede sein.<br \/>\nDie russische Au\u00dfenpolitik wird scheinbar nicht nach Schnittmuster des XX., sondern des XIX. Jahrhunderts geschnitten. Russland bereitet sich aktiv f\u00fcr die Freigabe der zweiten Ausgabe der Heiligen Allianz vor, die jedoch in den gleichen alten &#8222;Buchumschlag&#8220; eingewickelt, auf dem ein russischer Ritter dargestellt wird, der der Hydra der Revolution den Kopf abschl\u00e4gt. Nur das Ausma\u00df des derzeitigen Ph\u00e4nomens passt nicht mehr in den Rahmen Europas, sondern ist global. Bei diesem neuen &#8222;Spaziergang nach Europa&#8220; k\u00f6nnte der Kreml sicherlich auch scheitern. Aber vorher wird Russland in den reaktion\u00e4ren europ\u00e4ischen Blasebalg frischen skythischen Wein eingie\u00dfen und es gibt keine Garantie, dass dabei keine Geistesverwirrung in der alten Welt eintritt.<br \/>\nDas, was gerade geschieht, passt sehr genau in das zyklische Modell des &#8222;Verschlingens von Europa&#8220;, das von dem genialen russischen Philosoph namens Wadim Tsymburskij vorgeschlagen wurde. Seine Annahme war, dass in der Beziehung mit Europa f\u00fcr Russland eine Wechselspiel von &#8222;Flut&#8220; (wenn Russland nach Europa marschiert) und &#8222;Ebbe&#8220; (wenn Russland aus Europa geht) charakteristisch ist. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung ist derzeit f\u00fcr Russland die Zeit f\u00fcr eine &#8222;Flut&#8220; und nicht f\u00fcr eine &#8222;Ebbe&#8220; gekommen.<br \/>\nHeute mischt sich Russland wieder aktiv in die europ\u00e4ischen (nicht seine) Angelegenheiten ein und versucht, an der Seite einer der europ\u00e4ischen Parteien gegen die andere (n) Partei(en) zu spielen und verpulvert in diesem Kampf f\u00fcr Russland so notwendige Ressourcen. Bis jetzt endeten alle solche &#8222;Fluten&#8220; mit einer weltweiten Ersch\u00f6pfung der Kr\u00e4fte, gefolgt von einer starken &#8222;Ebbe&#8220;, w\u00e4hrend der Russland seine Wunden leckte. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass dieses Mal alles anders laufen wird.<\/p>\n<h2><b>Der gro\u00dfe Pr\u00e4sidentor<\/b><\/h2>\n<p>Wenn man genau dar\u00fcber nachdenkt, liegt Putin im historischen Trend. F\u00fcr russische Zaren war das Ausland schon immer interessanter als ihr eigenes Land. Dort gelang ihnen vieles, im Gegensatz zu inneren Angelegenheiten. Putin ist nat\u00fcrlich noch kein russischer Kaiser, aber definitiv nicht mehr nur Pr\u00e4sident von Russland. So wie die meisten seiner Vorg\u00e4nger ist er tief in die Geopolitik eingetaucht und sieht sich als Europas Befreier (was ist schon Europa \u2013 als Befreier der ganzen Welt) von der Revolutionsseuche. Ich denke, dass ironische Kommentare zu seinen &#8222;napoleonischen&#8220; Pl\u00e4nen nicht ganz angemessen sind. Der russische &#8222;Pr\u00e4sidentor&#8220; ist durchaus in der Lage f\u00fcr eine Weile die politische Landschaft auf dem Kontinent zu \u00e4ndern.<br \/>\nDie innere Spaltung der europ\u00e4ischen Gesellschaft wird der EU kaum erlauben Russland \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit frontal zu widerstehen. Gerade jetzt (Achtung: der Text erschien VOR den Terroranschl\u00e4gen in Paris am 13.11.2015, Anm. d. \u00dcbers.) durchbricht Russland die europ\u00e4ische Verteidigungslinie auf dem franz\u00f6sischen Abschnitt. Italien, Ungarn, \u00d6sterreich, Spanien und viele andere warten nur darauf, dass eines der Hardliner-L\u00e4nder (USA, UK, Deutschland und &#8211; zum Teil &#8211; Frankreich) eine Schw\u00e4che zeigen, um selbst mit der Sabotage der &#8222;harten Linie&#8220; in Bezug auf Russland zu beginnen. Europa ist offensichtlich m\u00fcde von seiner eigenen &#8222;G\u00fcte&#8220; und &#8222;Gro\u00dfz\u00fcgigkeit&#8220; gegen\u00fcber der Ukraine geworden und m\u00f6chte seine Unterst\u00fctzung in Zukunft auf den Ausdruck des allgemeinen Mitleids begrenzen. Somit kann man Putin f\u00fcr Gewinner dieser Runde halten.<br \/>\nAber w\u00e4hrend Putin durch Europa auf einem &#8222;silbernen Pferd&#8220; reitet, ist in seinem Land, das sich in der Obhut des kollektiven Araktschejew (Anm. d. \u00dcbers.: Aleksej Araktschejew war ein einflussreicher russischer Kriegsminister im 18. Jahrhundert) befindet, immer noch nicht alles in Ordnung. Und die Ursache liegt nicht in der Furcht vor einer Revolution, die man lange und erfolgreich vermeiden kann, wenn man sich im Zustand eines &#8222;permanenten Krieges&#8220; mit unendlichen virtuellen Feinden von Russland befindet, (es sei denn alles endet in einem gro\u00dfen Krieg).<br \/>\nDer Pr\u00e4sident kann alles: In den sibirischen Fl\u00fcssen Brustschwimmen gehen, sich mit den Staatschefs der Welt mit tiefer Stimme streiten, Terroristen in Syrien bombardieren und mit Depardieu kuscheln, aber viel schwieriger ist es, wenn es darum geht, die Dinge in einer bestimmten kommunalen Wohnungsverwaltung, bei der Polizei oder in einem Krankenhaus in Ordnung zu bringen. Der Kreml baut an der neuen Weltordnung und dabei ist er nicht in der Lage im eigenen Land die allt\u00e4gliche Ordnung zu gew\u00e4hrleisten. Diebstahl, Chaos und Gier ruinieren seine Pl\u00e4ne in Russland. Manchmal denke ich, dass der Pr\u00e4sident ebenfalls ein Fl\u00fcchtling ist: Er ist mit dem Kopf in die Geopolitik eingetaucht&#8230;<br \/>\nF\u00fcr Putin gibt es derzeit keine sichtbaren \u00e4u\u00dferen Bedrohungen. Er befindet sich auf dem H\u00f6hepunkt seiner politischen Karriere, er ist der alleinige Herrscher von Russland und der Anf\u00fchrer der neuen Heiligen Allianz, er stellt f\u00fcr sich selbst eine Gefahr wegen der wachsenden Einsamkeit und Frustration dar. Etwas \u00c4hnliches geschah vor zweihundert Jahren mit seinem gro\u00dfen Vorg\u00e4nger, dem Sieger \u00fcber Europa, der Sch\u00f6pfer der ersten der Heiligen Allianz, dem glanzvollen Zar Alexander I. Bis heute gibt es Ger\u00fcchte, dass er nicht in Taganrog gestorben war, sondern untertauchte und den Rest seines Lebens in Sibirien als Einsiedler verbrachte. So sieht es auch mit Putin aus: Man wird ihn nie absetzen und er wird einfach verschwinden und sein Geheimnis mit ins Grab nehmen&#8230;<\/p>\n<hr \/>\n<p><i>Autor: <strong>Wladimir Pastuc<\/strong><\/i><i><strong>how,<\/strong> Doktor der Politikwissenschaften, St. Antony College, Oxford; Quelle: <a href=\"http:\/\/www.novayagazeta.ru\/politics\/70726.html\">Novaya Gazeta<\/a>; \u00fcbersetzt\u00a0von <a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/profile.php?id=100007350935478\">Andrij Topchan<\/a>; editiert von <a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/profile.php?id=100001242913692\">Viktor Duke<\/a>.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wladimir Pastuchow Die Behauptung, Russland entferne sich von Europa ist falsch. 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Russland n\u00e4hert sich Europa an...\r\n\r\nDie Rede von Wladimir Putin in Sotschi beim Treffen des Waldai-Clubs wurde mehrfach kommentiert, auch auf den Seiten von \"Novaya Gazeta\". Dennoch, es wurde keine ernsthafte kritische Analyse gemacht und, zweifelsohne, Die Rede verdient eine. Putins Fans sind \u00fcberzeugt, dass es nichts zu kritisieren gibt, w\u00e4hrend seine Gegner sicher sind, dass es nichts zu analysieren gibt.\r\n\r\nDie Wahrheit, wie es oft geschieht, ist eine zerbrechliche Blume, die in einer neutralen Zone w\u00e4chst: Sowohl Russland als auch die Welt haben etwas, \u00fcber was sie nachdenken sollten, und was sie in einer Rede des russischen Staatschefs kritisieren k\u00f6nnen.\r\n\r\nNur wenigen ist bewusst, dass in Sotschi in der Tat das Manifest eines alternativen Europas verk\u00fcndet worden ist, an dessen Bau Russland beabsichtigt aktiv und direkt teilzunehmen.\r\n\r\nIrren diejenigen, die denken, dass Russland vor hat, sich aus Europa zur\u00fcckzuziehen? Im Gegenteil, wie es in Sotschi offensichtlich wurde, bewegt sich Russland sprunghaft in Richtung Europa, um den \"Russischen Fr\u00fchling\" zu verwirklichen.\r\n<h2><b>Der Raub von\u00a0Europa<\/b><\/h2>\r\nEine gemeinsamer Punkt im Diskurs \u00fcber das politische Regime, das sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR in Russland etabliert hat, war die Behauptung, dass, obwohl das Regime autorit\u00e4r ist, es nicht einmal mittelfristig stabil sein kann, da es anders als das kommunistische Regime nicht auf einer Ideologie basiert ist. Und zum Teil - zumindest bis vor kurzem - war es so. Selbst die rasende Propagandakampagne, deren Anfang durch den Konflikt mit der Ukraine eingeleitet wurde, ist nicht zum Beweis des Gegenteils geworden, da ein primitiver tribalistischer Chauvinismus, welcher selbst sehr expressiv ausgedr\u00fcckt wird, keine Meta-Ideologie sein kann, die dazu f\u00e4hig w\u00e4re, eine langfristige Stabilit\u00e4t der Landesf\u00fchrung zu gew\u00e4hren. In der Regel verfl\u00fcchtigen sich die Emotionen sehr schnell, lange bestehen nur Ideen. In dem breit umworbenen \"Russischen Fr\u00fchling\" gab es so gut wie keine Idee.\r\n\r\nDiejenigen, die nicht glaubten, dass das Regime dazu f\u00e4hig ist, eine Ideologie zu schaffen, hatten recht, dass Ideologien nicht wie Socken gestrickt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr ihre Entstehung werden kulturelle Gr\u00fcnde, historische Tradition, die Bem\u00fchungen von mehreren Generationen und viele andere Dinge ben\u00f6tigt. Das alles existierte im postkommunistischen Russland nicht.\r\n\r\nGenau deshalb endeten die unz\u00e4hligen Versuche der Kreml-Administrationen eine Ideologie zu kreieren immer in einem gro\u00dfen Fiasko. Aber das, was man nicht schaffen kann, das kann man ausleihen.\r\n\r\nMit dem Lieferverbot von K\u00e4se und Wurstwaren aus Europa verzichtete Russland nicht auf den Hauptimportartikel - auf den Erwerb von Ideen. Nun kommen nach Russland andere Ideen, nicht wie fr\u00fcher. Fr\u00fcher waren liberale Ideen in Mode, nun sind es reaktion\u00e4re.\r\n\r\nDer Ideologieimport ist eine traditionelle Art der L\u00f6sung von Problemen mittels eines \u201egeistigen Korsetts\" in Russland. Das Russische nimmt zuerst etwas Fremdes und weitgehend nicht Gefragtes aus Europa auf und ver\u00e4ndert es bis zur Unkenntlichkeit, um es schlie\u00dflich als sein eigenes neues Produkt zu verkaufen.\r\n\r\nSo wurde der europ\u00e4ische Marxismus von einer Handvoll Enthusiasten nach Russland gebracht, aber nachdem er mit der \"Volkst\u00fcmlerbewegung\" gekreuzt wurde, ist er zum \"russischem Kommunismus\" (Bolschewismus) geworden, der lange Zeit demselben Europa einen Schrecken einjagte. Heute gibt Russland seine europ\u00e4ische Identit\u00e4t nicht auf, sondern \u00e4ndert einfach ihr Profil, indem es neue \"spirituelle Munition\" importiert.\r\n<h2><b> Die Spaltung Europas<\/b><\/h2>\r\nDie meisten Beobachter, die aus einem oder anderen Grund das Geschehen auf dem Forum in Sotschi verfolgten, beschr\u00e4nkten sich auf die Anh\u00f6ren von Putins Rede (viele nahmen \u00fcberhaupt nur seine Thesen in der Auslegung f\u00fchrender Nachrichtenagenturen wahr). Putin war jedoch weder der interessanteste noch der eifrigste von allen Referenten. Er hat, \u00fcbrigens, nicht ein bisschen gelogen als er sagte, er sei eine \"Taube\", denn der \u201eFalke\u201c in Sotschi war V\u00e1clav Klaus, dessen Rede weit weniger Menschen gelesen haben, als sie es verdient.\r\nV\u00e1clav Klaus ist ein Europ\u00e4er schlecht hin. Dar\u00fcber hinaus ist er einer der Co-Autoren der \"samtenen Revolution\". Es sieht nicht aus wie ein \"politischer Gesch\u00e4ftsreisender\", wie Schr\u00f6der oder Berlusconi. Es ist schwierig ihn des Merkantilismus zu bezichtigen. Und wenn er schon in Sotschi erschienen war, dann muss es daf\u00fcr gewichtige ideologische und politische Gr\u00fcnde gegeben haben. Seine Ankunft an sich, geschweige denn seine Rede, spiegelt die tiefe Spaltung von Europa wider und es wird zunehmend schwieriger diese zu ignorieren, selbst f\u00fcr die hartn\u00e4ckigsten Verfechter des \"europ\u00e4ischen Weges\" und der \"europ\u00e4ischen Wahl\".\r\n\r\nEin vereintes Europa, ebenso wie eine gemeinsame europ\u00e4ische Politik oder einen einheitlichen europ\u00e4ischen Blick auf die Welt gibt es nicht mehr. Deshalb ist es heute nicht genug, wenn man dem russischen Volk sagt: - Geht nach Europa. Man muss pr\u00e4zisieren, um welches \u201eEuropa\u201c es geht...\r\n\r\nEuropa ist in der Frage \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zu den Auswirkungen der Globalisierung gespalten, die es selbst so sch\u00e4tzt. Denn die \"Globalisierung\" zeigte, dass es neben den s\u00fc\u00dfen \"Bl\u00fcten\" auch noch bittere \"Wurzeln\" gibt (Fl\u00fcchtlinge, lokale Kriege, dauerhafte wirtschaftliche Instabilit\u00e4t und so weiter). Europ\u00e4er haben sich in solche aufgeteilt, die glauben, noch mehr Gas geben zu m\u00fcssen, und solche, die stark auf die Bremse treten wollen.\r\n\r\nDas Liebesboot des europ\u00e4ischen Liberalismus zerschellte am Fl\u00fcchtlingsstrom. Die Folge der Spaltung der europ\u00e4ischen Liberalen ist die Bildung von zwei politischen Polen in Europa geworden: Von linken \"Euro-Optimisten\" mit ihrer dogmatischen Polit-Korrektheit und scheinheiliger Multikulturalit\u00e4t und von Rechten \"Euroskeptikern\" mit ihrem klassischen Nationalismus und zynischem Pragmatismus. In einer f\u00fcr den Kreml schweren Zeit streckten die \"Euroskeptiker\" ihm die helfende Hand entgegen und wurden zu neuen geistigen Freunden von Russland.\r\n<h2><b>Der letzte Lehrer<\/b><\/h2>\r\nIm Laufe seiner Geschichte hat Russland verschiedene Lehrer aus Europa gesehen, aber solche gab es wahrscheinlich noch nie. Die europ\u00e4ischen Globalisierungsgegner, die in Europa in Unterzahl sind, blicken nach Russland mit Hoffnung, deshalb f\u00e4hrt Klaus nach Russland und \u00fcberwindet damit alle Hindernisse und Sanktionen. Lassen Sie uns das anh\u00f6ren, was er \u00fcber das heutige Europa sagt:\r\n\"Die aktuellen Probleme... kommen eher aus dem Westen als aus dem Osten... Ausgerechnet in Europa ist das Versagen in dieser Entwicklung st\u00e4rker als in anderen Teilen der Welt... Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr unseren Frieden, Freiheit und Demokratie kommt nicht von dem \"Islamischen Staat\", \"Al Kaida\" oder irgendwelchen arabischen M\u00f6rdern aller Couleur, die wir in allen L\u00e4ndern der Welt sehen... Das Problem liegt vor allem in der Tatsache, dass wir selbst z\u00f6gerlich und nicht bereit sind, uns an\u2018s Leben anzupassen... Wir sind zum Opfer von neuen irrt\u00fcmlichen modischen Begriffen geworden: Das ist entsprechend die Bewegung f\u00fcr Menschenrechte, Multikulturalit\u00e4t, Environmentalismus, Homosexualit\u00e4t, Kosmopolitismus und Transnationalismus... Wir sind nicht bereit... unser bequemes Leben zu opfern und unsere Vorurteile loszuwerden. Wir haben keine starken Meinungen. Es ist eine gewisse \u00f6ffentliche Apathie zu verzeichnen, Bildung wird ausgeh\u00f6hlt, wir sprechen schon gar nicht \u00fcber die ideologische Indoktrination, das Aufzwingen bestimmter Ansichten, das erinnert mich an die kommunistische \u00c4ra. Wir ersetzen Bildung durch die Politkorrektheit und Aufzwingen einer bestimmten Ideologie\".\r\nHier sahen sogar Dugin mit Milonow blass aus. Ideologisch war Putin in Sotschi zweitrangig und Klaus war prim\u00e4r. Zur \u00dcberraschung vieler wurde die ideologische Matrix der \"Macht der Krim-Periode\" nicht der einheimische Eurasianismus mit seiner zweifelhaften geistigen F\u00fcllung, sondern etwas anderes. Der Kreml beschloss \u00fcber Russland die Flagge \"der europ\u00e4ischen Reaktion\" wehen zu lassen.\r\nNun wird er lange und schmerzhaft an einer Legierung aus \"Europ\u00e4ismus\" und \"Eurasianismus\" schmieden, bis ein Explosionsgemisch wie der \"russische Kommunismus\" entsteht. Das kann nur ein historischer Zeitmangel verhindern.\r\n<h2><b>Die Internationale der Globalisierungsgegner<\/b><\/h2>\r\nEs ist geschehen, was aus meiner Sicht schon lange h\u00e4tte geschehen m\u00fcssen - Russland ist weltweit zum Anf\u00fchrer des Anti-Globalisierung zu werden. Wer sonst k\u00f6nnte sich der Mission verpflichten au\u00dfer Russland mit seinem starken antikapitalistischen sozialen Codex? Politisch ist Putin prim\u00e4r und Klaus sekund\u00e4r. W\u00e4hrend Klaus spricht, handelt Putin: Er baut eine Br\u00fccke, die Globalisierungsgegner innerhalb und au\u00dferhalb Europas verbinden soll. Er schafft seine eigene Anti-Globalisierungs-Internationale, die Russland helfen soll, aus einer weiteren \"feindlichen kapitalistischen Umzingelung\" auszubrechen.\r\nAber manch einer in Europa wird sich nat\u00fcrlich freuen. Der Kreml hat seine \"F\u00fcnfte Kolonne\" im Westen. Und ihre Zahlenst\u00e4rke nimmt stetig zu. Mit Anti-Globalisierung als einer beinahe offiziellen Ideologie des postkommunistischen Russlands hat der russische Staatschef eine Goldader gefunden, aus der es im Prinzip m\u00f6glich ist, politische Dividenden \u00fcber Jahrzehnte hinweg zu ziehen.\r\nRussland verwandelt sich schnell in ein Zentrum des europ\u00e4ischen Reaktionismus (der Begriff wird nicht von allen mit negativer Konnotation wahrgenommen). Vom Isolationismus kann hier kaum ernsthaft die Rede sein.\r\nDie russische Au\u00dfenpolitik wird scheinbar nicht nach Schnittmuster des XX., sondern des XIX. Jahrhunderts geschnitten. Russland bereitet sich aktiv f\u00fcr die Freigabe der zweiten Ausgabe der Heiligen Allianz vor, die jedoch in den gleichen alten \"Buchumschlag\" eingewickelt, auf dem ein russischer Ritter dargestellt wird, der der Hydra der Revolution den Kopf abschl\u00e4gt. Nur das Ausma\u00df des derzeitigen Ph\u00e4nomens passt nicht mehr in den Rahmen Europas, sondern ist global. Bei diesem neuen \"Spaziergang nach Europa\" k\u00f6nnte der Kreml sicherlich auch scheitern. Aber vorher wird Russland in den reaktion\u00e4ren europ\u00e4ischen Blasebalg frischen skythischen Wein eingie\u00dfen und es gibt keine Garantie, dass dabei keine Geistesverwirrung in der alten Welt eintritt.\r\nDas, was gerade geschieht, passt sehr genau in das zyklische Modell des \"Verschlingens von Europa\", das von dem genialen russischen Philosoph namens Wadim Tsymburskij vorgeschlagen wurde. Seine Annahme war, dass in der Beziehung mit Europa f\u00fcr Russland eine Wechselspiel von \"Flut\" (wenn Russland nach Europa marschiert) und \"Ebbe\" (wenn Russland aus Europa geht) charakteristisch ist. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung ist derzeit f\u00fcr Russland die Zeit f\u00fcr eine \"Flut\" und nicht f\u00fcr eine \"Ebbe\" gekommen.\r\nHeute mischt sich Russland wieder aktiv in die europ\u00e4ischen (nicht seine) Angelegenheiten ein und versucht, an der Seite einer der europ\u00e4ischen Parteien gegen die andere (n) Partei(en) zu spielen und verpulvert in diesem Kampf f\u00fcr Russland so notwendige Ressourcen. Bis jetzt endeten alle solche \"Fluten\" mit einer weltweiten Ersch\u00f6pfung der Kr\u00e4fte, gefolgt von einer starken \"Ebbe\", w\u00e4hrend der Russland seine Wunden leckte. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass dieses Mal alles anders laufen wird.\r\n<h2><b>Der gro\u00dfe Pr\u00e4sidentor<\/b><\/h2>\r\nWenn man genau dar\u00fcber nachdenkt, liegt Putin im historischen Trend. F\u00fcr russische Zaren war das Ausland schon immer interessanter als ihr eigenes Land. Dort gelang ihnen vieles, im Gegensatz zu inneren Angelegenheiten. Putin ist nat\u00fcrlich noch kein russischer Kaiser, aber definitiv nicht mehr nur Pr\u00e4sident von Russland. So wie die meisten seiner Vorg\u00e4nger ist er tief in die Geopolitik eingetaucht und sieht sich als Europas Befreier (was ist schon Europa \u2013 als Befreier der ganzen Welt) von der Revolutionsseuche. Ich denke, dass ironische Kommentare zu seinen \"napoleonischen\" Pl\u00e4nen nicht ganz angemessen sind. Der russische \"Pr\u00e4sidentor\" ist durchaus in der Lage f\u00fcr eine Weile die politische Landschaft auf dem Kontinent zu \u00e4ndern.\r\nDie innere Spaltung der europ\u00e4ischen Gesellschaft wird der EU kaum erlauben Russland \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit frontal zu widerstehen. Gerade jetzt (Achtung: der Text erschien VOR den Terroranschl\u00e4gen in Paris am 13.11.2015, Anm. d. \u00dcbers.) durchbricht Russland die europ\u00e4ische Verteidigungslinie auf dem franz\u00f6sischen Abschnitt. Italien, Ungarn, \u00d6sterreich, Spanien und viele andere warten nur darauf, dass eines der Hardliner-L\u00e4nder (USA, UK, Deutschland und - zum Teil - Frankreich) eine Schw\u00e4che zeigen, um selbst mit der Sabotage der \"harten Linie\" in Bezug auf Russland zu beginnen. Europa ist offensichtlich m\u00fcde von seiner eigenen \"G\u00fcte\" und \"Gro\u00dfz\u00fcgigkeit\" gegen\u00fcber der Ukraine geworden und m\u00f6chte seine Unterst\u00fctzung in Zukunft auf den Ausdruck des allgemeinen Mitleids begrenzen. Somit kann man Putin f\u00fcr Gewinner dieser Runde halten.\r\nAber w\u00e4hrend Putin durch Europa auf einem \"silbernen Pferd\" reitet, ist in seinem Land, das sich in der Obhut des kollektiven Araktschejew (Anm. d. \u00dcbers.: Aleksej Araktschejew war ein einflussreicher russischer Kriegsminister im 18. Jahrhundert) befindet, immer noch nicht alles in Ordnung. Und die Ursache liegt nicht in der Furcht vor einer Revolution, die man lange und erfolgreich vermeiden kann, wenn man sich im Zustand eines \"permanenten Krieges\" mit unendlichen virtuellen Feinden von Russland befindet, (es sei denn alles endet in einem gro\u00dfen Krieg).\r\nDer Pr\u00e4sident kann alles: In den sibirischen Fl\u00fcssen Brustschwimmen gehen, sich mit den Staatschefs der Welt mit tiefer Stimme streiten, Terroristen in Syrien bombardieren und mit Depardieu kuscheln, aber viel schwieriger ist es, wenn es darum geht, die Dinge in einer bestimmten kommunalen Wohnungsverwaltung, bei der Polizei oder in einem Krankenhaus in Ordnung zu bringen. Der Kreml baut an der neuen Weltordnung und dabei ist er nicht in der Lage im eigenen Land die allt\u00e4gliche Ordnung zu gew\u00e4hrleisten. Diebstahl, Chaos und Gier ruinieren seine Pl\u00e4ne in Russland. Manchmal denke ich, dass der Pr\u00e4sident ebenfalls ein Fl\u00fcchtling ist: Er ist mit dem Kopf in die Geopolitik eingetaucht...\r\nF\u00fcr Putin gibt es derzeit keine sichtbaren \u00e4u\u00dferen Bedrohungen. Er befindet sich auf dem H\u00f6hepunkt seiner politischen Karriere, er ist der alleinige Herrscher von Russland und der Anf\u00fchrer der neuen Heiligen Allianz, er stellt f\u00fcr sich selbst eine Gefahr wegen der wachsenden Einsamkeit und Frustration dar. Etwas \u00c4hnliches geschah vor zweihundert Jahren mit seinem gro\u00dfen Vorg\u00e4nger, dem Sieger \u00fcber Europa, der Sch\u00f6pfer der ersten der Heiligen Allianz, dem glanzvollen Zar Alexander I. Bis heute gibt es Ger\u00fcchte, dass er nicht in Taganrog gestorben war, sondern untertauchte und den Rest seines Lebens in Sibirien als Einsiedler verbrachte. So sieht es auch mit Putin aus: Man wird ihn nie absetzen und er wird einfach verschwinden und sein Geheimnis mit ins Grab nehmen...\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<i>Autor: <strong>Wladimir Pastuc<\/strong><\/i><i><strong>how,<\/strong> Doktor der Politikwissenschaften, St. Antony College, Oxford; Quelle: <a href=\"http:\/\/www.novayagazeta.ru\/politics\/70726.html\">Novaya Gazeta<\/a>; \u00fcbersetzt\u00a0von <a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/profile.php?id=100007350935478\">Andrij Topchan<\/a>; editiert von <a href=\"https:\/\/m.facebook.com\/profile.php?id=100001242913692\">Viktor Duke<\/a>.<\/i>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12096"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12096\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26752,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12096\/revisions\/26752"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}