{"id":13826,"date":"2016-01-03T17:54:50","date_gmt":"2016-01-03T17:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=13826"},"modified":"2017-09-18T18:49:44","modified_gmt":"2017-09-18T18:49:44","slug":"menschen-wie-menschen-es-eben-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/menschen-wie-menschen-es-eben-sind\/","title":{"rendered":"Menschen wie Menschen eben sind?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\">von <a href=\"https:\/\/rufabula.com\/author\/alexey-shiropaev\">Alexey Schiropajew<\/a><\/p>\n<p>Ich denke dar\u00fcber nach, was w\u00e4re, wenn Voland heute nach Moskau kommen w\u00fcrde. Also, nicht nach Stalins Moskau, sondern nach Putins Moskau (<em>Anm.d.\u00dcbers. Der Autor spielt auf den Roman von Michail Bulgakow <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Meister_und_Margarita\">&#8222;Der Meister und Margarita&#8220;<\/a> an, und auf einen seiner Haupthelden &#8211; Voland, den Teufel h\u00f6chstpers\u00f6nlich).<\/em><\/p>\n<p>Wie Ihr euch erinnern k\u00f6nnt, macht der &#8222;Professor&#8220; w\u00e4hrend des Auftritts seiner Gefolgschaft auf der Moskauer B\u00fchne eine Art philosophischer Abschweifung, als er sich die Zuschauer genauer anschaut:<\/p>\n<blockquote><p>Na, was sonst: Menschen wie Menschen eben sind. Lieben das Geld, aber das gab es doch schon immer&#8230; Die Menschheit liebt das Geld, egal woraus es gemacht ist, ob aus Leder, Papier, Bronze oder Gold. Ja, sie sind leichtsinnig&#8230; aber naja&#8230; auch Mitleid klopft manchmal an ihr Herz&#8230;. gew\u00f6hnliche Menschen&#8230; erinnern mich im Grunde an die alten&#8230; nur die Wohnfrage hat sie ein wenig verdorben&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn manche moderne Analytiker unsere Epoche mit den 1930ern vergleichen, liegen sie nicht ganz richtig. Jene Menschen, Menschen der 30er, erinnerten tats\u00e4chlich an die &#8222;alten&#8220;, an die vor-revolution\u00e4ren. Durch ihre Manieren, ihren Alltag, ihre Vorstellungen. Bulgakow zeigt es sehr gut. Mit den heutigen Russen verbindet die Menschen der 1930er nur eins: Die Liebe zum Geld. Wieso das denn, wird mir jemand widersprechen. Was ist mit der Beziehung zur Macht, mit diesen lakaienhaften Lobges\u00e4ngen, mit der allgemeinen Unterst\u00fctzung der F\u00fchrerpolitik? Ist all das nicht der heutigen 86% Unterst\u00fctzung f\u00fcr Putin \u00e4hnlich?<\/p>\n<p>Ich antworte: \u00c4hnlich, aber nur \u00e4u\u00dferlich. Bei uns ist die Situation mit der allgemeinen Qualit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung unermesslich schlechter als in den 1930ern. Schlechter!<\/p>\n<p>Wenn wir Bilder der Kinochronik schauen, in denen monolithische\u00a0Kolonnen unter den Slogans &#8222;Ruhm dem gro\u00dfen Stalin!&#8220;, &#8222;Tod den Trotzki-Hunden!&#8220; marschieren, m\u00fcssen wir verstehen, was dahinter steckt. Und dahinter steckt der B\u00fcrgerkrieg, dahinter stecken Jahre des Genozid-Terrors und der sozialen Diskriminierung. Dahinter steckt die allgegenw\u00e4rtige, wie das heutige Internet, Angst. Das muss man verstehen.<\/p>\n<p>Als aber die heutige russische Mehrheit &#8222;KrimUnser!&#8220; und &#8222;Neurussland&#8220; unterst\u00fctzt hat, hatte sie keine Erfahrung von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Solovki_prison_camp\">Solowki<\/a>\u00a0\u00e4hnlichen Arbeitslagern hinter sich, keine Erfahrung der Besitzentfremdung, Massenerschie\u00dfungen und keine Zwangsarbeiten am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wei\u00dfmeer-Ostsee-Kanal\">Belomorkanal<\/a>. Der heutige B\u00fcrger weiss nicht, was das ist: NKWD-Schritte nachts, hinter deiner T\u00fcr. Ihm wurde nicht auf seine Geschlechtsorgane bei den Verh\u00f6ren eingeschlagen. Nein, die heutige Mehrheit hat eine ganz andere Lebenserfahrung hinter sich: Die Erfahrung des Lebens unter Demokratie der 1990er, wenn auch einer sehr unvollkommenen, ja, aber doch einer Demokratie. Unsere Mehrheit, die Putin so sehr anbetet, kannte keine Angst und keinen Eisernen Vorhang. Niemand hat die heutige Mehrheit eingesch\u00fcchtert und sie zu etwas gen\u00f6tigt. Als das sowjetische Volk 1939,\u00a0nach dem \u00dcberfall auf Finnland, auf den Massenkundgebungen in Fabriken und Werken einstimmig bellte: &#8222;Es lebe die friedliche Politik der Sowjetunion! Es lebe der gro\u00dfe Stalin! Wir hei\u00dfen alle von der sowjetischen Regierung getroffenen Ma\u00dfnahmen gut!&#8220; &#8211; ich verstehe, dass es in einem GULAG-Land geschah. Versuch&#8216; nur, es nicht gutzuhei\u00dfen. Wenn du nicht lautstark deine Zustimmung \u00e4u\u00dferst &#8211; stirbst du einen qualvollen Tod.<\/p>\n<p>Aber jenen, die im M\u00e4rz letzten Jahres der &#8222;R\u00fcckkehr der Krim&#8220; applaudierten &#8211; ihnen hat ganz bestimmt niemand mit Stiefeln auf die Nieren eingeschlagen und GULAG drohte ihnen auch nicht. Wie auch den restlichen 86%. Gut, du gehst nicht auf die Demo zur Unterst\u00fctzung von\u00a0&#8222;KrimUnser!&#8220; &#8211; verlierst vielleicht deinen Job (das ist das schlimmste, was passieren k\u00f6nnte), aber niemand w\u00fcrde dich erschiessen oder nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolyma#Goldgewinnung_in_Straflagern\">Kolyma<\/a> per Etappe bef\u00f6rdern. Und \u00fcbrigens werden gar nicht alle zu diesen Kundgebungen gen\u00f6tigt. Die absolute Mehrheit sitzt zuhause und predigt &#8222;KrimUnser!&#8220; absolut freiwillig, allein vor dem Fernseher sitzend, im Familienkreis, nach ihrem Herzenswunsch, ohne jeglichen Druck und jegliche stimulierende Angst. Sie, diese Menschen, sind durch keinen Fleischwolf des Terrors gegangen. Sie haben die Erfahrung eines ziemlich freien postsowjetischen Lebens, sie haben Reisep\u00e4sse und einen Internetzugang, und dabei sind sie trotzdem bereit, \u00fcber die Stra\u00dfen Plakate mit &#8222;Ruhm dem gro\u00dfen Putin!&#8220; und &#8222;Tod der f\u00fcnften Kolonne!&#8220; zu tragen. Im Prinzip hatten sie in den 1990ern die Chance, normale Menschen zu werden, sich dem Kreis der normalen V\u00f6lker anzuschlie\u00dfen. Aber nein, sie haben freiwillig den Stalinismus 2.0 und das Gefasel \u00fcber die neue Imperiumsgr\u00f6\u00dfe gew\u00e4hlt. Und das ist der Grundunterschied zwischen unseren Zeitgenossen und den Menschen der 1930er. W\u00e4hrend sie ALLES \u00fcber den Stalin-Terror wissen, bef\u00fcrworten, nach Angaben des Lewada-Zentrums, unsere Zeitgenossen diesen. Wohl in der Hoffnung, dass der neue Terror sie pers\u00f6nlich nicht betreffen wird. Also, stimmen diese Schweine den Repressionen zu, wenn ANDERE abgeschoben werden. Wenn ANDEREN das Schicksal\u00a0gebrochen wird, wenn ANDERE gedem\u00fctigt, gefoltert und get\u00f6tet werden. Solch eine fabelhafte Bev\u00f6lkerung haben wir heute.<\/p>\n<p>Die Sowjetunion hat eine grausame Sache vollbracht: Sie hat wohl in der Zeit ihres Bestehens fast jeden vernichtet, der die Freiheit versteht. Der letzte Ausbruch des Widerstands war der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Novocherkassk_massacre\">Nowotscherkassk-Aufstand<\/a> zu Chruschtschow-Zeiten. Als sp\u00e4ter dann die Chance auf die Freiheit aufkam, gab es wohl niemanden mehr, der diese Chance nutzen k\u00f6nnte. Der Wille zur Freiheit blieb in der Ukraine, im Baltikum, in Georgien. Aber nicht bei uns, bei den Russen. Die Qualit\u00e4t unserer Bev\u00f6lkerung ist grottenschlecht. Sie kann mit ihrer Qualit\u00e4t zu Stalin-Zeiten gar nicht verglichen werden. Denn damals musste das System doch noch gegen gro\u00dfen Widerstand k\u00e4mpfen, ihn \u00fcberwinden. Es gab Aufst\u00e4nde der Bauern, dann gab es die Wlasow-Anh\u00e4nger. Es gab eine riesige Schicht an Menschen, die Stalin und die Sowjetunion im Ganzen hassten. Darum brauchte dieses System \u00fcberhaupt GULAG. Nun braucht es diesen gar nicht. DIESES Volk liebt den F\u00fchrer auch ohne GULAG. Es ist eine grausame Sache: Die Sklaverei unter der Peitsche. Noch grausamer ist aber eine ohne Peitsche. Schrecklich ist der Sowjet in einem Watnik <em>(eine Jacke aus Watte, die H\u00e4ftlinge trugen)<\/em>. Noch schrecklicher ist aber ein Sowjet in einem ausl\u00e4ndischen Auto, in ausl\u00e4ndischen Klamotten, der Urlaub in Europa verbringt und dabei den Westen hasst. Ich erinnere mich, dass unter der Sowjetregierung die Besitzer eigener H\u00e4user gezwungen waren, an Feiertagen rote Flaggen aufzuh\u00e4ngen. Flaggst du nicht &#8211; bekommst du Schwierigkeiten. Heute zwingt niemand einen, das <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/\u0413\u0435\u043e\u0440\u0433\u0438\u0435\u0432\u0441\u043a\u0438\u0439_\u043a\u0440\u0435\u0441\u0442_(\u0420\u043e\u0441\u0441\u0438\u0439\u0441\u043a\u0430\u044f_\u0424\u0435\u0434\u0435\u0440\u0430\u0446\u0438\u044f)\">&#8222;Colorado&#8220;-B\u00e4ndchen<\/a> auf sein eigenes Auto zu h\u00e4ngen, aber alle tun es, sie h\u00e4ngen es selber aus, und merken dabei gar nicht, wie zweideutig und tragikomisch dieses ganzj\u00e4hrige &#8222;Siegessymbol&#8220; auf einem Mercedes oder Volkswagen aussieht.<\/p>\n<p>Dieser heutige freiwillige Neostalinismus, der freiwillige Verzicht auf die M\u00f6glichkeit, frei zu sein &#8211; das ist viel schrecklicher als die Atmosph\u00e4re der 1930er. Er\u00a0bedeutet vollst\u00e4ndige Degradierung, wom\u00f6glich sogar eine unumkehrbare. Das ist ein Aussterben als Folge der gewaltigsten Antiselektion, der negativen Aussortierung. In der gro\u00dfen russischen Sprache gibt es das Wort &#8222;Menschen&#8220; und &#8222;Bastarde&#8220;. Wie Sie sehen, klingen sie angeblich \u00e4hnlich <em>(Anm.d.\u00dcbers. russ. &#8222;ljudi&#8220; und &#8222;ubljudki&#8220;)<\/em>, es kann sogar einem vorkommen, als seien ihre Wurzeln gleich. Die Bedeutung dieser Worte ist aber g\u00e4nzlich verschieden. Und die Wurzeln sind auch verschieden. Von &#8222;Ljud&#8220; und &#8222;Blud&#8220; <em>(&#8222;Leute&#8220; und &#8222;Unzucht&#8220;)<\/em>. Zwischen diesen zwei Worten, bei all ihrem\u00a0gewissen Gleichklang, ist eine Distanz riesigen Ausma\u00dfes. Dieselbe, wie zwischen den Russen der 1930er und uns, den heutigen Russen. Damals, in den 1930ern, waren es doch noch Menschen.<\/p>\n<p>Der Anfang von Perestroika wurde durch das Erscheinen eines bezeichnenden Films <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Reue\">&#8222;Die Reue&#8220;<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tengis_Abuladse\">Tengis Abuladze<\/a> verk\u00fcndet. Im Grunde begann die Perestroika-Kritik des Stalinismus mit diesem Film. Die Leitbotschaft dieses Films wurde nicht angenommen &#8211; er schien damals zu radikal und sogar nihilistisch zu sein. Der Sohn hebt die Leiche seines Vaters &#8211; eines Tyrannen &#8211; aus dem Grab aus und wirft ihn vom Berg irgendwohin in die weite Welt herunter &#8211; in den Wind, in die ewige Schande. Oh, wie damals, zu Zeiten des Erscheinens\u00a0dieses Films, viele diese pr\u00e4gende Szene brandmarkten, wie entr\u00fcstet sie \u00fcber diese waren! Der Film wurde zu einer Art Pr\u00fcfung, Pr\u00fcfung der gesellschaftlichen Bereitschaft zu Ver\u00e4nderungen, zur Verwandlung. Er hatte eine Botschaft, die nicht geh\u00f6rt wurde: Uns kann nur die totale Lossagung von Befleckung\u00a0retten. \u00c4hnlich jener, die Osteuropa vollbracht hatte. Das ist aber nie passiert. Die S\u00fchne\u00a0&#8211; und genau in dieser bestand der Sinn des Films &#8211;\u00a0wurde nicht vollzogen. Der Film wurde nicht geh\u00f6rt, und das Wort selbst &#8211; &#8222;Die S\u00fchne&#8220; &#8211; rief gr\u00f6\u00dftenteils Ver\u00e4rgerung und Grimm hervor. Und je weiter, desto mehr.<\/p>\n<p>Die Aufrufe zur S\u00fchne\u00a0begann man als Beleidigung der nationalen und pers\u00f6nlichen W\u00fcrde wahrzunehmen: &#8222;Wer, WIR sollen b\u00fc\u00dfen? Vor wem? Wir haben sie alle vor dem Faschismus gerettet!!&#8220; Heute wurde das Thema der Bu\u00dfe, das zu Perestroika-Zeiten \u00fcberall mitschwang, durch das Thema des &#8222;Aufstehens von den Knien&#8220; durchkreuzt. Seine Krone ist der &#8222;KrimUnser!&#8220;. Ein vollendeter historischer Zyklus: vom Film &#8222;Die Reue&#8220; zum Film &#8222;Der Weg in die Heimat&#8220; <em>(Anm.d.\u00dcbers. propagandistischer Kreml-Film \u00fcber die Krim-Annexion, oder wie sie in Russland genannt wird: &#8222;R\u00fcckkehr in die Heimat&#8220;).\u00a0<\/em>Wir sind wohl tats\u00e4chlich in &#8222;die Heimat zur\u00fcckgekehrt&#8220;. Jemand sagte bez\u00fcglich des Films von Abuladze, dass die \u00fcbelriechende\u00a0Leiche des Tyrannen nun aufgesammelt und auf den alten Thron gesetzt wurde. Stimmt nicht ganz. Diese halb verfaulte Leiche haben unsere Zeitgenossen zu sich nach Hause geschleppt und an ihren Familientisch gesetzt. In ihrer Gesellschaft trinken sie nun Tee. Kriecherisch\u00a0f\u00fchren sie mit ihr\u00a0Gespr\u00e4che, sie beraten sich mit dieser. Und wenn der Kopf der Leiche zuf\u00e4llig mal abf\u00e4llt, bringen\u00a0sie diesen mit Entschuldigungen wieder an seinen Platz an.<\/p>\n<p>Also, was ist, Messire, Sie sagen, es sind Menschen wie Menschen eben sind? Nein, leider bezieht es sich nicht mehr auf uns. Das ist nicht \u00fcber uns. Wir sind keine &#8222;Menschen wie Menschen&#8220;, sondern ein gewisses Produkt eines Systems der Entmenschlichung. Die Bu\u00dfe h\u00e4tte etwas menschliches in uns wecken k\u00f6nnen, aber wir traten nur ein wenig am Scheideweg der Geschichte herum und verzichteten dann auf diese Chance. Die Menschen der 1930er hatten so eine Chance nicht, und das Einzige, was uns mit ihnen verbindet, das Einzige, was wir von ihnen vererbten, ist ihr Negatives: Die Bereitschaft unsere Nachbarn zu verpfeifen, die P\u00f6belei im Bus und eine Schw\u00e4che f\u00fcr alles, was gratis ist. Trotz der Tatsache, dass Moskau nun mit modischen\u00a0Boutiques strahlt, \u00e4hnlich denen in Mailand und anderen, w\u00fcrde\u00a0die heutige Gesellschaft den &#8222;Laden&#8220; von Gella auf der Theaterb\u00fchne wohl auch heute st\u00fcrmen (<em>Szene im Roman von Bulgakow, in der der Teufel einen tr\u00fcgerischen Laden auf der Theaterb\u00fchne erschafft und das Publikum ihn daraufhin st\u00fcrmt)<\/em>. Und nach teuflischen Geldscheinen, die von der Decke regnen, w\u00fcrde sie auch f\u00fcr ihr Leben gern schnappen. Putin bekam spitz, wie man diese &#8222;liebliche Seele&#8220; erkaufen kann. Er versucht es Ihnen nachzumachen, Messire. &#8222;KrimUnser!&#8220; ist das gleiche Gesch\u00e4ft von Gella auf der B\u00fchne der Moderne. Hit der &#8222;Russischer Fr\u00fchling&#8220;-Saison. Interessant ist nur, wer die Rolle von Gella spielt. Wahrscheinlich, die hurenhaften russischen Medien mit Leichenflecken auf ihren H\u00e4nden. Das Volk probiert bereits seit \u00fcber einem Jahr aktiv und selbstversunken die Krim an, wobei es fl\u00fcstert: &#8222;Schick!\u00a0Qualitativ! Patriotisch! Und wie operativ wir das abgewickelt haben! Ohne mit der Wimper zu zucken!&#8220;<\/p>\n<p>Worauf hofft Putin? Darauf, dass die Illusion, die Vernebelung, zu einer ewigen Realit\u00e4t wird? Sogar Sie, Messire, vergriffen sich nicht daran. Der Nebel wird sich aufl\u00f6sen, und bleiben werden nur die Schande und das Massengekreisch. F\u00fcr Sie ist es einfach, Messire: Sie k\u00f6nnen aufstehen und gehen. Putin ist in einer ausweglosen Lage: Er ist kein freier K\u00fcnstler, im Unterschied zu Ihnen, er ist der Direktor-Besitzer dieses Variet\u00e9s. Er ist dazu verdammt, in diesem zusammenfallenden Geb\u00e4ude herumzutigern, unter\u00a0dem entt\u00e4uschten, erbosten, zornigen Publikum, welches alle menschlichen Merkmale verliert. So ein Theater hier. &#8222;Die Vorstellung ist zu Ende! Maestro! K\u00fcrzen Sie den Marsch!&#8220;<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Von <a href=\"https:\/\/rufabula.com\/articles\/2015\/04\/20\/people-like-people\">Alexey Schiropajew<\/a>\u00a0in rufabula.com; <\/strong>\u00fcbersetzt von<strong> <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>;\u00a0<\/strong><\/em><em><strong>Titelbild: Kalinovsky &#8222;Voland schaut auf Moskau&#8220;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">\u00a0<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Lesen Sie zum Thema auch: <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/arkadij-tigaj-busse\/\">&#8222;Arkady Tigaj: Bu\u00dfe&#8220;<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alexey Schiropajew Ich denke dar\u00fcber nach, was w\u00e4re, wenn Voland heute nach Moskau kommen w\u00fcrde. 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Also, nicht nach Stalins Moskau, sondern nach Putins Moskau (<em>Anm.d.\u00dcbers. Der Autor spielt auf den Roman von Michail Bulgakow <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Meister_und_Margarita\">\"Der Meister und Margarita\"<\/a> an, und auf einen seiner Haupthelden - Voland, den Teufel h\u00f6chstpers\u00f6nlich).<\/em>\r\n\r\nWie Ihr euch erinnern k\u00f6nnt, macht der \"Professor\" w\u00e4hrend des Auftritts seiner Gefolgschaft auf der Moskauer B\u00fchne eine Art philosophischer Abschweifung, als er sich die Zuschauer genauer anschaut:\r\n<blockquote>Na, was sonst: Menschen wie Menschen eben sind. Lieben das Geld, aber das gab es doch schon immer... Die Menschheit liebt das Geld, egal woraus es gemacht ist, ob aus Leder, Papier, Bronze oder Gold. Ja, sie sind leichtsinnig... aber naja... auch Mitleid klopft manchmal an ihr Herz.... gew\u00f6hnliche Menschen... erinnern mich im Grunde an die alten... nur die Wohnfrage hat sie ein wenig verdorben...<\/blockquote>\r\nWenn manche moderne Analytiker unsere Epoche mit den 1930ern vergleichen, liegen sie nicht ganz richtig. Jene Menschen, Menschen der 30er, erinnerten tats\u00e4chlich an die \"alten\", an die vor-revolution\u00e4ren. Durch ihre Manieren, ihren Alltag, ihre Vorstellungen. Bulgakow zeigt es sehr gut. Mit den heutigen Russen verbindet die Menschen der 1930er nur eins: Die Liebe zum Geld. Wieso das denn, wird mir jemand widersprechen. Was ist mit der Beziehung zur Macht, mit diesen lakaienhaften Lobges\u00e4ngen, mit der allgemeinen Unterst\u00fctzung der F\u00fchrerpolitik? Ist all das nicht der heutigen 86% Unterst\u00fctzung f\u00fcr Putin \u00e4hnlich?\r\n\r\nIch antworte: \u00c4hnlich, aber nur \u00e4u\u00dferlich. Bei uns ist die Situation mit der allgemeinen Qualit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung unermesslich schlechter als in den 1930ern. Schlechter!\r\n\r\nWenn wir Bilder der Kinochronik schauen, in denen monolithische\u00a0Kolonnen unter den Slogans \"Ruhm dem gro\u00dfen Stalin!\", \"Tod den Trotzki-Hunden!\" marschieren, m\u00fcssen wir verstehen, was dahinter steckt. Und dahinter steckt der B\u00fcrgerkrieg, dahinter stecken Jahre des Genozid-Terrors und der sozialen Diskriminierung. Dahinter steckt die allgegenw\u00e4rtige, wie das heutige Internet, Angst. Das muss man verstehen.\r\n\r\nAls aber die heutige russische Mehrheit \"KrimUnser!\" und \"Neurussland\" unterst\u00fctzt hat, hatte sie keine Erfahrung von <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Solovki_prison_camp\">Solowki<\/a>\u00a0\u00e4hnlichen Arbeitslagern hinter sich, keine Erfahrung der Besitzentfremdung, Massenerschie\u00dfungen und keine Zwangsarbeiten am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wei\u00dfmeer-Ostsee-Kanal\">Belomorkanal<\/a>. Der heutige B\u00fcrger weiss nicht, was das ist: NKWD-Schritte nachts, hinter deiner T\u00fcr. Ihm wurde nicht auf seine Geschlechtsorgane bei den Verh\u00f6ren eingeschlagen. Nein, die heutige Mehrheit hat eine ganz andere Lebenserfahrung hinter sich: Die Erfahrung des Lebens unter Demokratie der 1990er, wenn auch einer sehr unvollkommenen, ja, aber doch einer Demokratie. Unsere Mehrheit, die Putin so sehr anbetet, kannte keine Angst und keinen Eisernen Vorhang. Niemand hat die heutige Mehrheit eingesch\u00fcchtert und sie zu etwas gen\u00f6tigt. Als das sowjetische Volk 1939,\u00a0nach dem \u00dcberfall auf Finnland, auf den Massenkundgebungen in Fabriken und Werken einstimmig bellte: \"Es lebe die friedliche Politik der Sowjetunion! Es lebe der gro\u00dfe Stalin! Wir hei\u00dfen alle von der sowjetischen Regierung getroffenen Ma\u00dfnahmen gut!\" - ich verstehe, dass es in einem GULAG-Land geschah. Versuch' nur, es nicht gutzuhei\u00dfen. Wenn du nicht lautstark deine Zustimmung \u00e4u\u00dferst - stirbst du einen qualvollen Tod.\r\n\r\nAber jenen, die im M\u00e4rz letzten Jahres der \"R\u00fcckkehr der Krim\" applaudierten - ihnen hat ganz bestimmt niemand mit Stiefeln auf die Nieren eingeschlagen und GULAG drohte ihnen auch nicht. Wie auch den restlichen 86%. Gut, du gehst nicht auf die Demo zur Unterst\u00fctzung von\u00a0\"KrimUnser!\" - verlierst vielleicht deinen Job (das ist das schlimmste, was passieren k\u00f6nnte), aber niemand w\u00fcrde dich erschiessen oder nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kolyma#Goldgewinnung_in_Straflagern\">Kolyma<\/a> per Etappe bef\u00f6rdern. Und \u00fcbrigens werden gar nicht alle zu diesen Kundgebungen gen\u00f6tigt. Die absolute Mehrheit sitzt zuhause und predigt \"KrimUnser!\" absolut freiwillig, allein vor dem Fernseher sitzend, im Familienkreis, nach ihrem Herzenswunsch, ohne jeglichen Druck und jegliche stimulierende Angst. Sie, diese Menschen, sind durch keinen Fleischwolf des Terrors gegangen. Sie haben die Erfahrung eines ziemlich freien postsowjetischen Lebens, sie haben Reisep\u00e4sse und einen Internetzugang, und dabei sind sie trotzdem bereit, \u00fcber die Stra\u00dfen Plakate mit \"Ruhm dem gro\u00dfen Putin!\" und \"Tod der f\u00fcnften Kolonne!\" zu tragen. Im Prinzip hatten sie in den 1990ern die Chance, normale Menschen zu werden, sich dem Kreis der normalen V\u00f6lker anzuschlie\u00dfen. Aber nein, sie haben freiwillig den Stalinismus 2.0 und das Gefasel \u00fcber die neue Imperiumsgr\u00f6\u00dfe gew\u00e4hlt. Und das ist der Grundunterschied zwischen unseren Zeitgenossen und den Menschen der 1930er. W\u00e4hrend sie ALLES \u00fcber den Stalin-Terror wissen, bef\u00fcrworten, nach Angaben des Lewada-Zentrums, unsere Zeitgenossen diesen. Wohl in der Hoffnung, dass der neue Terror sie pers\u00f6nlich nicht betreffen wird. Also, stimmen diese Schweine den Repressionen zu, wenn ANDERE abgeschoben werden. Wenn ANDEREN das Schicksal\u00a0gebrochen wird, wenn ANDERE gedem\u00fctigt, gefoltert und get\u00f6tet werden. Solch eine fabelhafte Bev\u00f6lkerung haben wir heute.\r\n\r\nDie Sowjetunion hat eine grausame Sache vollbracht: Sie hat wohl in der Zeit ihres Bestehens fast jeden vernichtet, der die Freiheit versteht. Der letzte Ausbruch des Widerstands war der <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Novocherkassk_massacre\">Nowotscherkassk-Aufstand<\/a> zu Chruschtschow-Zeiten. Als sp\u00e4ter dann die Chance auf die Freiheit aufkam, gab es wohl niemanden mehr, der diese Chance nutzen k\u00f6nnte. Der Wille zur Freiheit blieb in der Ukraine, im Baltikum, in Georgien. Aber nicht bei uns, bei den Russen. Die Qualit\u00e4t unserer Bev\u00f6lkerung ist grottenschlecht. Sie kann mit ihrer Qualit\u00e4t zu Stalin-Zeiten gar nicht verglichen werden. Denn damals musste das System doch noch gegen gro\u00dfen Widerstand k\u00e4mpfen, ihn \u00fcberwinden. Es gab Aufst\u00e4nde der Bauern, dann gab es die Wlasow-Anh\u00e4nger. Es gab eine riesige Schicht an Menschen, die Stalin und die Sowjetunion im Ganzen hassten. Darum brauchte dieses System \u00fcberhaupt GULAG. Nun braucht es diesen gar nicht. DIESES Volk liebt den F\u00fchrer auch ohne GULAG. Es ist eine grausame Sache: Die Sklaverei unter der Peitsche. Noch grausamer ist aber eine ohne Peitsche. Schrecklich ist der Sowjet in einem Watnik <em>(eine Jacke aus Watte, die H\u00e4ftlinge trugen)<\/em>. Noch schrecklicher ist aber ein Sowjet in einem ausl\u00e4ndischen Auto, in ausl\u00e4ndischen Klamotten, der Urlaub in Europa verbringt und dabei den Westen hasst. Ich erinnere mich, dass unter der Sowjetregierung die Besitzer eigener H\u00e4user gezwungen waren, an Feiertagen rote Flaggen aufzuh\u00e4ngen. Flaggst du nicht - bekommst du Schwierigkeiten. Heute zwingt niemand einen, das <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/\u0413\u0435\u043e\u0440\u0433\u0438\u0435\u0432\u0441\u043a\u0438\u0439_\u043a\u0440\u0435\u0441\u0442_(\u0420\u043e\u0441\u0441\u0438\u0439\u0441\u043a\u0430\u044f_\u0424\u0435\u0434\u0435\u0440\u0430\u0446\u0438\u044f)\">\"Colorado\"-B\u00e4ndchen<\/a> auf sein eigenes Auto zu h\u00e4ngen, aber alle tun es, sie h\u00e4ngen es selber aus, und merken dabei gar nicht, wie zweideutig und tragikomisch dieses ganzj\u00e4hrige \"Siegessymbol\" auf einem Mercedes oder Volkswagen aussieht.\r\n\r\nDieser heutige freiwillige Neostalinismus, der freiwillige Verzicht auf die M\u00f6glichkeit, frei zu sein - das ist viel schrecklicher als die Atmosph\u00e4re der 1930er. Er\u00a0bedeutet vollst\u00e4ndige Degradierung, wom\u00f6glich sogar eine unumkehrbare. Das ist ein Aussterben als Folge der gewaltigsten Antiselektion, der negativen Aussortierung. In der gro\u00dfen russischen Sprache gibt es das Wort \"Menschen\" und \"Bastarde\". Wie Sie sehen, klingen sie angeblich \u00e4hnlich <em>(Anm.d.\u00dcbers. russ. \"ljudi\" und \"ubljudki\")<\/em>, es kann sogar einem vorkommen, als seien ihre Wurzeln gleich. Die Bedeutung dieser Worte ist aber g\u00e4nzlich verschieden. Und die Wurzeln sind auch verschieden. Von \"Ljud\" und \"Blud\" <em>(\"Leute\" und \"Unzucht\")<\/em>. Zwischen diesen zwei Worten, bei all ihrem\u00a0gewissen Gleichklang, ist eine Distanz riesigen Ausma\u00dfes. Dieselbe, wie zwischen den Russen der 1930er und uns, den heutigen Russen. Damals, in den 1930ern, waren es doch noch Menschen.\r\n\r\nDer Anfang von Perestroika wurde durch das Erscheinen eines bezeichnenden Films <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Reue\">\"Die Reue\"<\/a> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tengis_Abuladse\">Tengis Abuladze<\/a> verk\u00fcndet. Im Grunde begann die Perestroika-Kritik des Stalinismus mit diesem Film. Die Leitbotschaft dieses Films wurde nicht angenommen - er schien damals zu radikal und sogar nihilistisch zu sein. Der Sohn hebt die Leiche seines Vaters - eines Tyrannen - aus dem Grab aus und wirft ihn vom Berg irgendwohin in die weite Welt herunter - in den Wind, in die ewige Schande. Oh, wie damals, zu Zeiten des Erscheinens\u00a0dieses Films, viele diese pr\u00e4gende Szene brandmarkten, wie entr\u00fcstet sie \u00fcber diese waren! Der Film wurde zu einer Art Pr\u00fcfung, Pr\u00fcfung der gesellschaftlichen Bereitschaft zu Ver\u00e4nderungen, zur Verwandlung. Er hatte eine Botschaft, die nicht geh\u00f6rt wurde: Uns kann nur die totale Lossagung von Befleckung\u00a0retten. \u00c4hnlich jener, die Osteuropa vollbracht hatte. Das ist aber nie passiert. Die S\u00fchne\u00a0- und genau in dieser bestand der Sinn des Films -\u00a0wurde nicht vollzogen. Der Film wurde nicht geh\u00f6rt, und das Wort selbst - \"Die S\u00fchne\" - rief gr\u00f6\u00dftenteils Ver\u00e4rgerung und Grimm hervor. Und je weiter, desto mehr.\r\n\r\nDie Aufrufe zur S\u00fchne\u00a0begann man als Beleidigung der nationalen und pers\u00f6nlichen W\u00fcrde wahrzunehmen: \"Wer, WIR sollen b\u00fc\u00dfen? Vor wem? Wir haben sie alle vor dem Faschismus gerettet!!\" Heute wurde das Thema der Bu\u00dfe, das zu Perestroika-Zeiten \u00fcberall mitschwang, durch das Thema des \"Aufstehens von den Knien\" durchkreuzt. Seine Krone ist der \"KrimUnser!\". Ein vollendeter historischer Zyklus: vom Film \"Die Reue\" zum Film \"Der Weg in die Heimat\" <em>(Anm.d.\u00dcbers. propagandistischer Kreml-Film \u00fcber die Krim-Annexion, oder wie sie in Russland genannt wird: \"R\u00fcckkehr in die Heimat\").\u00a0<\/em>Wir sind wohl tats\u00e4chlich in \"die Heimat zur\u00fcckgekehrt\". Jemand sagte bez\u00fcglich des Films von Abuladze, dass die \u00fcbelriechende\u00a0Leiche des Tyrannen nun aufgesammelt und auf den alten Thron gesetzt wurde. Stimmt nicht ganz. Diese halb verfaulte Leiche haben unsere Zeitgenossen zu sich nach Hause geschleppt und an ihren Familientisch gesetzt. In ihrer Gesellschaft trinken sie nun Tee. Kriecherisch\u00a0f\u00fchren sie mit ihr\u00a0Gespr\u00e4che, sie beraten sich mit dieser. Und wenn der Kopf der Leiche zuf\u00e4llig mal abf\u00e4llt, bringen\u00a0sie diesen mit Entschuldigungen wieder an seinen Platz an.\r\n\r\nAlso, was ist, Messire, Sie sagen, es sind Menschen wie Menschen eben sind? Nein, leider bezieht es sich nicht mehr auf uns. Das ist nicht \u00fcber uns. Wir sind keine \"Menschen wie Menschen\", sondern ein gewisses Produkt eines Systems der Entmenschlichung. Die Bu\u00dfe h\u00e4tte etwas menschliches in uns wecken k\u00f6nnen, aber wir traten nur ein wenig am Scheideweg der Geschichte herum und verzichteten dann auf diese Chance. Die Menschen der 1930er hatten so eine Chance nicht, und das Einzige, was uns mit ihnen verbindet, das Einzige, was wir von ihnen vererbten, ist ihr Negatives: Die Bereitschaft unsere Nachbarn zu verpfeifen, die P\u00f6belei im Bus und eine Schw\u00e4che f\u00fcr alles, was gratis ist. Trotz der Tatsache, dass Moskau nun mit modischen\u00a0Boutiques strahlt, \u00e4hnlich denen in Mailand und anderen, w\u00fcrde\u00a0die heutige Gesellschaft den \"Laden\" von Gella auf der Theaterb\u00fchne wohl auch heute st\u00fcrmen (<em>Szene im Roman von Bulgakow, in der der Teufel einen tr\u00fcgerischen Laden auf der Theaterb\u00fchne erschafft und das Publikum ihn daraufhin st\u00fcrmt)<\/em>. Und nach teuflischen Geldscheinen, die von der Decke regnen, w\u00fcrde sie auch f\u00fcr ihr Leben gern schnappen. Putin bekam spitz, wie man diese \"liebliche Seele\" erkaufen kann. Er versucht es Ihnen nachzumachen, Messire. \"KrimUnser!\" ist das gleiche Gesch\u00e4ft von Gella auf der B\u00fchne der Moderne. Hit der \"Russischer Fr\u00fchling\"-Saison. Interessant ist nur, wer die Rolle von Gella spielt. Wahrscheinlich, die hurenhaften russischen Medien mit Leichenflecken auf ihren H\u00e4nden. Das Volk probiert bereits seit \u00fcber einem Jahr aktiv und selbstversunken die Krim an, wobei es fl\u00fcstert: \"Schick!\u00a0Qualitativ! Patriotisch! Und wie operativ wir das abgewickelt haben! Ohne mit der Wimper zu zucken!\"\r\n\r\nWorauf hofft Putin? Darauf, dass die Illusion, die Vernebelung, zu einer ewigen Realit\u00e4t wird? Sogar Sie, Messire, vergriffen sich nicht daran. Der Nebel wird sich aufl\u00f6sen, und bleiben werden nur die Schande und das Massengekreisch. F\u00fcr Sie ist es einfach, Messire: Sie k\u00f6nnen aufstehen und gehen. Putin ist in einer ausweglosen Lage: Er ist kein freier K\u00fcnstler, im Unterschied zu Ihnen, er ist der Direktor-Besitzer dieses Variet\u00e9s. Er ist dazu verdammt, in diesem zusammenfallenden Geb\u00e4ude herumzutigern, unter\u00a0dem entt\u00e4uschten, erbosten, zornigen Publikum, welches alle menschlichen Merkmale verliert. So ein Theater hier. \"Die Vorstellung ist zu Ende! Maestro! K\u00fcrzen Sie den Marsch!\"\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><strong>Von <a href=\"https:\/\/rufabula.com\/articles\/2015\/04\/20\/people-like-people\">Alexey Schiropajew<\/a>\u00a0in rufabula.com; <\/strong>\u00fcbersetzt von<strong> <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>;\u00a0<\/strong><\/em><em><strong>Titelbild: Kalinovsky \"Voland schaut auf Moskau\"<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">\u00a0<\/a><\/strong><\/em>\r\n<ul>\r\n \t<li><strong>Lesen Sie zum Thema auch: <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/arkadij-tigaj-busse\/\">\"Arkady Tigaj: Bu\u00dfe\"<\/a><\/strong><\/li>\r\n<\/ul>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13826"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13826\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25592,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13826\/revisions\/25592"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13826"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}