{"id":15215,"date":"2016-02-22T17:34:18","date_gmt":"2016-02-22T17:34:18","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=15215"},"modified":"2019-02-20T16:47:10","modified_gmt":"2019-02-20T16:47:10","slug":"15215-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/15215-2\/","title":{"rendered":"In Erinnerung an die Revolution der W\u00fcrde: 18.-20. Februar 2014 in Kyjiw"},"content":{"rendered":"<p>Vor \u00fcber zwei Jahren wurde eine neue Seite der Geschichte Europas\u00a0geschrieben. Mitte November 2013 versammelten sich etwa 100 Menschen auf dem Maidan in Kyjiw, um gegen ihre korrupte Regierung zu protestieren. Ihre Zahl vergr\u00f6\u00dferte sich jeden Tag, es ging aber ziemlich friedlich zu, bis zur Nacht auf den 30. November, als die Regierung Janukowytsch beschloss, die Maidan-Bewegung gewaltsam aufzul\u00f6sen. Die Menschen wurden auseinandergejagt und dabei brutal zusammengeschlagen, 34 Aktivisten wurden verhaftet. Am n\u00e4chsten Tag standen 40.000 Menschen auf dem Maidan. Die Revolution der W\u00fcrde dauerte noch bis Ende Februar an, an einzelnen Tagen standen dort\u00a0bis zu 500.000 Teilnehmer.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"978\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/NiT0zcDA9RU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten heute nicht \u00fcber die Bedeutung dieser drei Monate f\u00fcr die Geschichte Europas sprechen, denn dieses Thema ist zu umfangreich. Es wurden schon B\u00fccher dar\u00fcber geschrieben, und es werden noch weitere hinzukommen, denn der Maidan war eine wahre Knickstelle sowohl in der Geschichte der Ukraine als\u00a0auch in der Geschichte ganz Europas. Wir m\u00f6chten heute nur \u00fcber die letzten drei Tage des Maidan sprechen, sie in Erinnerung rufen, den Menschen gedenken, die dort gestorben sind, f\u00fcr die Freiheit ihres Landes, f\u00fcr das Recht auf Unabh\u00e4ngigkeit, f\u00fcr die Zukunft ihrer Kinder. F\u00fcr Europa.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten \u00fcber den 18. bis 20. Februar 2014 sprechen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"978\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EaPdRNgrdig?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em><strong>Zun\u00e4chst ein paar trockene Fakten:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>18. Februar\u00a0<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left\">10:45 Uhr &#8211; Auf der Schtscholkowytschna-Stra\u00dfe in Kyjiw setzte die Polizei Blendgranaten und Tr\u00e4nengas gegen die Protestierenden ein.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">12:18 Uhr &#8211; Im Marijinski-Park kommt es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Protestierenden und Regierungstruppen. Die Polizei setzt Gas und Granaten ein.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">14:09 Uhr &#8211; Etwa 30 Aktivisten wurden im Lauf der Zusammenst\u00f6\u00dfe mit Regierungstruppen\u00a0verwundet.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">16:20 Uhr &#8211; Der st\u00e4dtische U-Bahn-Verkehr in Kyjiw wird eingestellt.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">16:28 Uhr &#8211; Der Nachrichtendienst SBU und das Innenministerium beschuldigen die Oppositionskr\u00e4fte der Konflikteskalation im Zentrum von Kyjiw und versprechen, f\u00fcr Ordnung zu sorgen, falls die Zusammenst\u00f6\u00dfe nicht aufh\u00f6ren.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">17:00 Uhr &#8211; Truppen des\u00a0Innenministeriums und &#8222;Berkut&#8220;-Trupps\u00a0 durchbrechen die Abwehr der Protestierenden auf der Hruschewska-Stra\u00dfe und dr\u00e4ngen die Menschen hinter den Europ\u00e4ischen Platz zur\u00fcck.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">17:40 Uhr &#8211; Den Angeh\u00f6rigen der st\u00e4dtischen Polizei werden Einsatzwaffen ausgeh\u00e4ndigt. Diese Ma\u00dfnahme wird im Zusammenhang mit einer eventuellen S\u00e4uberung des Kyjiwer Maidans von Protestierenden getroffen.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">19:54 Uhr &#8211; Im Lauf der Zusammenst\u00f6\u00dfe am Dienstag in Kyjiw sterben<strong> 9<\/strong> <strong>Menschen<\/strong>.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">23:14 Uhr &#8211; Der Abgeordnete der Fraktion &#8222;Batjkiwschina&#8220; und Kommandant des Euromaidans in Kyjiw Andrii Parubij wird ins Krankenhaus eingeliefert.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">23:57 Uhr- Im Lauf der am Dienstabend eingeleiteten\u00a0Erst\u00fcrmung des Lagers der Protestierenden am Maidan sterben <strong>5<\/strong> <strong>Aktivisten<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>19. Februar<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left\">02:37 Uhr &#8211; Die USA sind der Meinung, dass der Pr\u00e4sident der Ukraine Wiktor Janukowytsch pers\u00f6nlich die Verantwortung f\u00fcr die Ereignisse in der Ukraine tr\u00e4gt.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">06:20 Uhr &#8211; In Lwiw besetzen Protestierende Geb\u00e4ude der staatlichen Bezirksverwaltung, der Bezirksstaatsanwaltschaft, der Polizeiverwaltung, des SBU und des Finanzamts.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">07:37 Uhr &#8211; Der Pr\u00e4sident der Ukraine Wiktor Janukowytsch wendet sich nach den blutigen Zusammenst\u00f6\u00dfen am Dienstag in Kyjiw mit einer Erkl\u00e4rung an das Volk, in der er die Opposition dazu aufruft, sich von den &#8222;Radikalen&#8220; zu distanzieren.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">16:15 Uhr &#8211; Das Gesundheitsministerium teilt mit, dass infolge der Zusammenst\u00f6\u00dfe in Kyjiw am 18. Februar\u00a0die Anzahl der Get\u00f6teten sich auf <strong>26 Menschen<\/strong> bel\u00e4uft.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>20. Februar 2014<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left\">12:59 Uhr &#8211; Innerhalb einer Stunde sterben <strong>13<\/strong> <strong>Aktivisten\u00a0<\/strong>beim Hotel &#8222;Ukraina&#8220;.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">19:03 Uhr &#8211; Das Gesundheitsministerium der Ukraine teilt mit, dass in den letzten drei Tagen <strong>64<\/strong> <strong>Menschen\u00a0<\/strong>infolge der Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen den Protestierenden und Regierungstruppen\u00a0gestorben sind.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">19:34 Uhr &#8211; Die ehemalige Ministerpr\u00e4sidentin der Ukraine Julia Tymoschenko ruft die Oppositionsf\u00fchrer dazu auf, auf jegliche Verhandlungen mit dem Pr\u00e4sidenten der Ukraine Wiktor Janukowytsch zu verzichten.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">20:14 Uhr &#8211; Die Pr\u00e4sidentenberaterin und Leiterin der Hauptverwaltung in Fragen der Verfassungs- und Rechtsmodernisierung bei der pr\u00e4sidialen Verwaltung, Marina Stawnijtschuk, gibt zu, dass die Regierung des Landes\u00a0im Laufe des dreimonatigen Widerstands in der Ukraine keine &#8222;echten&#8220; Verhandlungen mit der Opposition zur Beilegung der Krise gef\u00fchrt hat.<\/li>\n<li style=\"text-align: left\">22:33 Uhr &#8211; Die Werchowna Rada verurteilt die Anwendung von Gewalt, die zum Tod von Menschen gef\u00fchrt hat und verbietet die Durchf\u00fchrung einer Anti-Terror-Operation, die durch den SBU der Ukraine ausgerufen wurde<\/li>\n<\/ul>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"978\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/kg9fjOfPZyE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Wilde Tage&#8230; 18. bis 20. Februar 2014&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/maksym.maiorov\/posts\/1188026647892242?pnref=story\">Maksym Majorow<\/a>: &#8222;Nach der Niederlage des &#8222;friedlichen Angriffs&#8220; der Maidan-Aktivisten ging Janukowytsch mit &#8222;Berkut&#8220;-Einheiten und Truppen des Innenministeriums zum Gegenangriff \u00fcber. Es gelang erst, auf dem Platz die Regime-Truppen aufzuhalten. Das Gewerkschaftshaus brannte aus. Der gesamte Tag des 19. Februar 2014 war eine einzige kr\u00e4ftezehrende\u00a0Konfrontation, jede Seite h\u00e4tte jederzeit zusammenbrechen k\u00f6nnen. Der Umbruch zugunsten des Maidans geschah am Morgen des 20. Februars, aber am selben Morgen fanden auch die Erschie\u00dfungen an der Instytutska-Stra\u00dfe statt&#8230;<\/p>\n<p>Am gleichen Tag begann auch die russische Operation zur Einnahme der Krim und zwar ihre Vorbereitungsphase. Die Besatzungstruppen waren in Sewastopol konzentriert, haupts\u00e4chlich auf dem Gel\u00e4nde der Milit\u00e4rbasis der 810. Marineinfanteriebrigade der Schwarzmeerflotte in der Kasatschja Bucht und in den Lasarewski-Kasernen (7. \u00dcbungstrupp der Schwarzmeerflotte Russlands). Eine Woche sp\u00e4ter haben sie die wichtigsten Verwaltungsgeb\u00e4ude der Autonomen Republik Krim eingenommen. Am 21. Februar unterschrieb Janukowytsch in Anwesenheit von EU-Vertretern ein &#8222;Abkommen zur Beilegung der Krise&#8220; mit den Oppositionsf\u00fchrern. Der russische Vertreter W. Lukin versuchte zusammen mit den Europ\u00e4ern, doch noch eine &#8222;Friedensl\u00f6sung&#8220; zu erreichen, die es dem Regime von Janukowytsch erlaubt h\u00e4tte, an der Macht zu bleiben &#8211; an dieseem Tag verzichtete er aber pl\u00f6tzlich auf die Unterzeichnung dieses Abkommens&#8230;<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich wurde\u00a0gerade am 20. Februar im Kreml die Entscheidung getroffen, das neue Szenario auszuspielen: &#8222;Die Krim spaltet sich von der Ukraine ab, weil sie sich vor dem B\u00fcrgerkrieg auf dem Festland retten m\u00f6chte&#8220;. Ein B\u00fcrgerkrieg begann aber\u00a0trotz der Erschie\u00dfung der &#8222;Himmlischen Hundert&#8220; nicht. Am 22. Februar 2014 flieht Janukowytsch aus Kyjiw, die Maidan-Aktivisten \u00fcbernehmen die Kontrolle \u00fcber Staatsverwaltungsgeb\u00e4ude. Die \u00dcbergabe der Macht an die Oppositionsanf\u00fchrer wird durch die Werchowna Rada legitimiert.&#8220;<\/p>\n<div id=\"attachment_15266\" style=\"width: 547px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/769335.jpg\" rel=\"attachment wp-att-15266\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15266\" class=\"wp-image-15266 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/769335.jpg\" alt=\"769335\" width=\"537\" height=\"361\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-15266\" class=\"wp-caption-text\">18.Februar 2014, Foto: porphyre.livejournal.com<\/p>\n<\/div>\n<p><em>Und schlie\u00dflich m\u00f6chten wir einen Text von\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=babtschenko\">Arkadij Babtschenko<\/a>\u00a0anf\u00fchren, einem Milit\u00e4rkorrespondenten und russischen Schriftsteller und einem unmittelbaren Teilnehmer jener Ereignisse:<\/em><\/p>\n<p>Arkadij Babtschenko: &#8222;Ich wei\u00df gar nicht, wo ich anfangen soll. In der Journalistik nennt man das &#8222;\u00dcberschuss an Faktur&#8220;. Wenn ein Journalist zu viel Information erfasst hat und nicht wei\u00df, wie er alles in einem Text zusammenfassen soll. Die letzte Nacht war tats\u00e4chlich eine der schwersten in meinem Leben.<\/p>\n<p>Nach Kyjiw kam ich am Abend des 18. Es war bereits eine ganz andere Stadt, als jene, die ich zwei Wochen zuvor verlassen hatte. Die Autobahn in die Stadt ist\u00a0blockiert, die U-Bahn f\u00e4hrt nicht, einer der zwei Flugh\u00e4fen ist geschlossen, die Hauptstra\u00dfen in der Stadt sind durch die Polizei blockiert, physisch\u00a0sp\u00fcrt man die Spannung in der Stadt. Der Chreschtschatyk war noch zug\u00e4nglich, der Maidan brannte aber schon. Mit meinem Koffer auf R\u00e4dern sah ich hier aus wie ein Alien. Der Weg zum Hotel war durch &#8222;Berkut&#8220; abgeschnitten. Also, durch einen\u00a0Feuerstreifen aus brennenden Reifen, Holz und \u00fcberhaupt allem, was nur brennen kann, und dahinter &#8211; durch die &#8222;Berkut&#8220;. Welche ein paar Stunden zuvor die Instytutska und Hruschewska\u00a0heruntergest\u00fcrmt waren, die Barrikaden zerst\u00f6rt, ungef\u00e4hr ein Drittel des Platzes besetzt und den Maidan in einem Halbkreis eingekesselt\u00a0hatten. Gerade\u00a0mit dem &#8222;Berkut&#8220;-Angriff begann f\u00fcr mich\u00a0jene Nacht.<\/p>\n<p>Im Krieg \u00fcberleben diejenigen, die nicht die Ersten waren. Der Erste zeigt den anderen, wo man nicht hingehen soll. Das ganze Unheil besteht hier darin, dass du erst dann erf\u00e4hrst, wo du nicht hingehen sollst, wenn der Erste gestorben ist. Diesmal wurde der Erste f\u00fcr mich ich selbst. Davor hielt sich die Polizei an eine Abwehrtaktik: Sie hielt auf Abstand und ging\u00a0nur gelegentlich zu\u00a0Gegenangriffen \u00fcber. Und ich bin daran gewohnt, dass es von ihr bis zu den Barrikaden ziemlich weit ist. Zumindest auf Abstand eines Steinwurfes. Nun sind sie aber zu einer Angriffstaktik \u00fcbergegangen. Sie sind die Hruschewska heruntergest\u00fcrmt, wobei sie drei oder vier Barrikaden-Linien weggefegt haben, und standen nun sehr nah am Maidan. Sie begannen Druck auszu\u00fcben. Darunter auch psychologischen Druck. Als der Rauch ein wenig verweht war, habe ich deren Schilder in 20 Metern von mir gesehen. Und die Augen hinter diesen Schildern. Das war unerwartet f\u00fcr mich. Ich habe nicht gedacht, dass sie schon so nah sind. Da, wo vorher unser R\u00fcckzugsbereich war, war nun die vorderste Linie. Wovon\u00a0mich die erste unter meinen Beinen explodierende Granate auch \u00fcberzeugte.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens, ukrainische Gasgranaten, die bekannten &#8222;Teren-6&#8220;, die nun in der ganzen Welt bekannt sind &#8211; die sind Schei\u00dfe. Kann man mit den t\u00fcrkischen nicht vergleichen. Die t\u00fcrkischen fallen und kreiseln, wobei sie bereits auf der Bodenlinie\u00a0Gas auf allen Seiten herauslassen. Man kann sich nicht verstecken. Die ukrainischen explodieren aber. Und das von der Explosion erw\u00e4rmte Gas steigt in der kalten Luft wie eine Wolke in den Himmel. In der Regel muss man nur\u00a0kurz niederhocken und in zehn Metern Entfernung sp\u00fcrt man die Wirkung des Gases faktisch gar nicht mehr.<\/p>\n<p>Aber nicht dieses Mal. Es wurde so viel geworfen, so pr\u00e4zise und so dicht, dass ich tastend von der vordersten Linie zur\u00fcckwich. Wir wurden wie kleine Welpen auseinandergejagt. Ich erinnere mich, wie jemand schrie: &#8222;Nicht zur\u00fccktreten! Nicht zur\u00fccktreten! Durchhalten, Jungs! Durchhalten!&#8220; Dann kamen die \u00c4rzte, spr\u00fchten einem was ins Gesicht und in die Augen. Es brachte eine Erleichterung. Aber dann fingen sie an, Blendgranaten zu werfen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie oft ich an dem Tag Gas eingeatmet habe. 10, 15, 20 Mal. Und das richtig gut, tief, bis zum Atemstocken. Das Gesicht schwillt an, die Haut brennt, Tr\u00e4nen und Rotz in Str\u00f6men, \u00c4rzte! Wo sind die \u00c4rzte?! Sie kommen angelaufen. In der Regel irgendein junges M\u00e4dchen. Die M\u00e4nner besch\u00e4ftigen sich mit Schwerverwundeten. Das M\u00e4dchen spr\u00fcht einem was ins Gesicht, wischt es mit einer Serviette ab, das hilft mir. Du gehst etwas Milch trinken, die etwas \u00e4ltere Frauen herumtragen, das neutralisierst den verschluckten Dreck in deiner Leber&#8230; Du gehst zur\u00fcck. Ich rede hier nicht vom\u00a0Heldentum. Wobei hier jeder welches hat. Ich rede von der Dichte des Feuers.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt sp\u00fcrt hier jeder sehr genau seine Rolle. Jeder findet den optimalsten Platz und was er zu tun hat. Die M\u00e4dels bei den \u00c4rzten helfen den Vergifteten, junge\u00a0Sanit\u00e4ter tragen im Laufschritt die Verwundeten zum Verbandplatz, wo sie gen\u00e4ht werden und wo ihnen von Chirurgen reifen Alters Splitter herausgenommen werden. Die Jungs k\u00e4mpfen auf den Barrikaden. \u00c4ltere M\u00e4nner schlagen Pflastersteine heraus. Alte Menschen bilden Ketten und geben die Pflastersteine zur vordersten Linie weiter. Die Frauen verteilen Tee, Milch, Suppe,\u00a0Sandwiches. Junge M\u00e4dels verteilen Molotow-Cocktails. Ich traf eine meine Bekannte, eine Journalistikstudentin. &#8222;Siehste,&#8220; scherzt sie, &#8222;wir haben hier zwei Cocktails mitgenommen, wir gehen auf eine Party&#8220;.<\/p>\n<p>Das Pressezentrum des Verteidigungsstabs gibt es nicht mehr. Wegen der brennenden Barrikade stehen die Korridore im Geb\u00e4ude voller Rauch. Das technische Personal rollt Kabel zusammen. An der Wand steht ein teueres Plasma-Fernsehger\u00e4t. Auf dem Boden liegen Gasmasken, Helme, Atemschutzger\u00e4te, Decken, warme Sachen. Hinter dem Fenster explodiert permanent was. F\u00fcr mich sieht es nach einem\u00a0verlassenen Kriegsbunker aus. Ich hab&#8216; eine Weste mit der Aufschrift &#8222;Abgeordneter&#8220; gefunden. Auch gut. Hab&#8216; ich doch meine &#8222;Presse&#8220;-Weste zuhause vergessen.<\/p>\n<p>Gegen Mitternacht beginnt das Gewerkschaftshaus zu brennen. Es brennt \u00fcberall &#8211; vom ersten bis zum letzten Stock. Im Geb\u00e4ude sind noch Menschen. Drei klettern auf das Netz drau\u00dfen, das zum Abfangen von Eiszapfen dort h\u00e4ngt, ihnen wird ein Seil zugeworfen, sie klettern herunter. Noch zweien wirft man Wasserflaschen durchs Fenster zu. Sie versuchen, durchs Feuer zum Ausgang durchzubrechen. Geht nicht. Es wird eine Zeltplane ausgebreitet. Noch ein Junge steht einfach im Fenster und schaut. Die Feuerwehr kommt. Es werden 41 Menschen aus dem Feuer gerettet. Niemand ist verbrannt, glaube ich.<\/p>\n<p>Vor zwei Monaten, noch im Dezember, als das alles anfing und mit Ausnahme der Bankowa [<em>Stra\u00dfe<\/em>] und der Verpr\u00fcgelung von Studenten eigentlich alles friedlich und zivilisiert zuging, ertappte ich mich mitten im verschneiten Kyjiw beim Gedanken, dass ich das tschetschenische Vorkriegs-Grosny sehe. Leere Stra\u00dfen, die Menschen hatten da noch Angst, wenn \u00fcber ihre Stra\u00dfen mal &#8222;Berkut&#8220;-Einheiten mal die Maidan-Verteidiger durchmarschierten. Flockiger Schnee. Panzerfahrzeuge in der Stadt&#8230; Und diese Stra\u00dfe sah ich pl\u00f6tzlich brennend, mit schwarzen L\u00f6chern der ausgeschlagenen Fenster, unter welchen die Reste der verbrannten Panzerfahrzeuge stehen und die Leichen der get\u00f6teten Menschen liegen.<\/p>\n<p>Das war an der Kreuzung der Instytutska und Schtscholkowitschna.<\/p>\n<p>Jetzt sind zwei Monate vergangen. Der Morgen des 18. Februar begann mit Leichen bei\u00a0den H\u00e4usern an der Kreuzung der Instytutska und Schtscholkowitschna, einem verbrannten BTR, und mir, der dort steht und sich die ausgeschlagenen Fenster des brennenden Gewerkschaftshauses anschaut.<\/p>\n<p>Logisch kann man das nicht analysieren. Solche Bilder kann man nicht mit kritischem Verstand erfassen. Verbrannte Fahrzeuge und Leichen im Zentrum einer europ\u00e4ischen Hauptstadt? Seid ihr wahnsinnig&#8230; Daran zu glauben ist genauso unm\u00f6glich wie an durch die Luft fliegende Panzert\u00fcrme. Aber es kommt der Moment, an dem du dich in einem der Kriege wiederfindest, eine gigantische Explosion dir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegrei\u00dft, du nach oben siehst &#8211; und dort fliegt \u00fcber die H\u00e4user ein Panzerturm.<\/p>\n<p>Und durch Kyjiwer Stra\u00dfen tragen die \u00c4rzte Leichen weg, eingewickelt in Gummit\u00fccher. Hauptsache, nicht daran denken. Man muss es nur akzeptieren. Glauben kann man das eh nicht.<\/p>\n<p>Beim Morgengrauen war das Gewerkschaftshaus vollst\u00e4ndig ausgebrannt.<\/p>\n<p>Wann sind sie zum diesem Angriff \u00fcbergegangen? So um vier, denke ich. Auf dem H\u00fcgel wurden Scheinwerfer aufgestellt, und der Platz wurde ausgeleuchtet. Wie in Berlin. Dann kam ein Wasserwerfer an und begann die Feuerwand zu l\u00f6schen. Dann begann die &#8222;Artillerievorbereitung&#8220;. Die Granaten landeten dicht beieinander. In der Menschenmenge. Ein Splitter kam in mein Knie angeflogen. Dann in den Unterleib. Dann zerhackte es meine Beine. Neben mir brannte\u00a0ein Junge, dem die Granate einen bereits angez\u00fcndeten Molotow-Cocktail zerschlagen hat. Gas. Wieder Gas. Wieder eine Granate. Dann kam ein Wasserwerfer an. Begann die Barrikade zu rammen. Er wurde angez\u00fcndet. Der zweite Wasserwerfer l\u00f6schte die Flamme auf seinem Waffenbruder. Wieder Rammen. Wieder angez\u00fcndet. Diesmal st\u00e4rker. Dann rammte der zweite Wasserwerfer.\u00a0Dann die Truppen des Innenministeriums. Die Granaten explodieren eine nach der anderen. Es wird geschossen. Mit Schrapnell.\u00a0Plastik-Schrapnell. Die kleinen grauen B\u00e4lle prasseln nieder wie Erbsen.<\/p>\n<p>Die Menschen ergriffen die Flucht. Sie hielten es nicht mehr aus. Vor dem Hintergrund der Feuerflammen treten die schwarzen Silhouetten der Polizisten auf jemanden mit F\u00fc\u00dfen. Von der B\u00fchne br\u00fcllt jemand ins Mikrofon: &#8222;Berkut! Stopp! Was macht Ihr denn! Es sind doch Menschen hier! Jungs, lauft nicht weg, bleibt stehen, dreht euch nicht mit dem R\u00fccken zu ihnen! Zusammen, zusammen, zusammen!&#8220; Und die Jungs blieben stehen. Und gingen\u00a0zur\u00fcck. Und schlugen die &#8222;Berkut&#8220; in die Flucht.<\/p>\n<p>Klirren\u00a0der Schilder, Gerassel von Eisen, Schreie, Schimpfen, Angst, Granatenexplosionen, der abziehende brennende Wasserwerfer, Verwundete, Siegesgebr\u00fcll der Verteidiger und weichender, zur\u00fcck hinter die Feuerwand tretender &#8222;Berkut&#8220;&#8230;<\/p>\n<p>Und dann explodierte eine Blendgranate direkt unter meinen F\u00fc\u00dfen, und ich habe aufgeh\u00f6rt zu sein. Einfach so &#8211; mich gab es nicht mehr. Grelles Aufblitzen, blendendes Licht in den Augen, das schnell erlosch, Ohrensausen und vollst\u00e4ndige Abwesenheit eines denkenden Verstandes. Wahrscheinlich leben Autisten in so einer Welt. Wenn du stehst, scheinbar bei Bewusstsein, aber weder denkst du etwas, noch versteht du was. Als ob in deinem Kopf mit einem Radiergummi alles entfernt worden ist, keine einzige Gehirnwindung. &#8222;Jungs! Jungs! Bringt mich hier raus!&#8220; Und ich sp\u00fcre ja wirklich, dass die Jungs in der N\u00e4he sind: Jemand flieht vor den &#8222;Berkut&#8220;, ein anderer greift sie an, aber sie haben keine Zeit f\u00fcr mich. Mir wird Angst und Bange. Wo der Kampf ist, sehe ich nicht, von den Flanken her wird wohl noch vorger\u00fcckt, sie schlagen mir gleich den Kopf ein und ich werde nicht mal verstehen, wer, wie und woher.<\/p>\n<p>Dann nahm mich jemand unter&#8217;m Arm, schleppte mich irgendwohin. Irgendwelche Stufen. &#8222;Hier, hier&#8220;. Ja, Danke, seh&#8216; ich schon, danke dir, ich schaff&#8217;s jetzt selber. An all das erinnere ich mich irgendwie ruckweise, in Blitzen. Die Erblindung dauerte circa 30 Sekunden an.<\/p>\n<p>Dann gab es eine Stunde lang gar keine Empfindungen. Du schaust bl\u00f6d herum und l\u00e4chelst. Verstehst dabei nichts. Wie bekifft. Und dann kamen die Kopfschmerzen, schreckliche, unheimliche Kopfschmerzen. Und die H\u00e4nde begannen zu zittern. Das Schlimmste, dass man kotzen m\u00f6chte, aber man kann nicht. Bin\u00a0also doch gequetscht&#8230;<\/p>\n<p>Vier Stunden sp\u00e4ter war es vorbei.<\/p>\n<p>Es gibt sehr viele Verwundete. Sehr viele. Sie werden permanent herumgetragen. Auf dem Verbandsplatz, der in einem Caf\u00e9 eingerichtet wurde, werden gleich drei operiert. Einem Mann hat es die Beine sehr stark zerhackt. Wie ein Sieb. Und sehr tief. Einer hat ein Loch an der H\u00fcfte, in Apfelgr\u00f6\u00dfe. Die Splitter werden herausgeholt und er wird gleich hier zugen\u00e4ht, vor Ort. Nicht so schwer Verwundete werden gleich auf der Stra\u00dfe behandelt. Die Schweren werden irgendwohin weggetragen, in den R\u00fcckzugsbereich.<\/p>\n<p>Wie diese Menschen das aushalten, was sie aushalten &#8211; das kann ich mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen. 15 bis 20 Explosionen in der N\u00e4he, und mein Kopf platzt, mir wird \u00fcbel. Ich muss zur Seite treten, um wieder zu mir zu kommen. Und diese Menschen stehen hier seit \u00fcber 24 Stunden. Und diese ganze Nacht gab es nicht mal einen Schichtwechsel. Sie stehen kaum noch auf den Beinen &#8211; aber sie stehen. Halten den Maidan. Im direkten Sinne dieses Wortes &#8211; sie halten ihn, mit Schildern, dicht, m\u00fchsam, halten sie die Schilder aneinander, damit die Explosionswelle nicht durch die Spalten kommt, sonst wird man verletzt.<\/p>\n<p>Das geht \u00fcber meine Fassungskraft hinaus.<\/p>\n<p>Bei Morgengrauen wurde klar, wie arg der\u00a0Maidan in dieser Nacht angeschlagen war. Das Gewerkschaftshaus ist vollst\u00e4ndig ausgebrannt, die schwarzen Rauchwolken steigen in den Himmel direkt bei der Stele, dem Symbol des Maidans, der Platz ist im Halbkreis eingekesselt, es sind nur noch zwei Zug\u00e4nge geblieben, \u00fcber den Chreschtschatyk und vom Michajliwska-Platz aus. Das Michailiwski-Kloster ist mit Verwundeten \u00fcberf\u00fcllt, man sagt, es sind um die 300, in den letzten 24 Stunden wurden 25 Menschen get\u00f6tet. Die Menschen liegen schlafend nebeneinander, direkt auf irgendwelchen Lumpen, mitten in Str\u00f6men von dreckigem Wasser, das nach der Arbeit der Wasserwerfer geblieben ist.<\/p>\n<p>Aber der Maidan steht. Halbiert, aber er steht.<\/p>\n<p>H\u00e4lt sich vor M\u00fcdigkeit kaum noch auf den Beinen. Aber er steht.<\/p>\n<p>In dieser Nacht hat es mich derma\u00dfen mitgenommen wie es mich in der ganzen Woche meiner letzten Dienstreise nicht mitgenommen\u00a0hatte. Jedes Vorr\u00fccken endete in irgendeiner Verletzung. Ich bin vollkommen ausgelaugt. Wie durch einen Fleischwolf gegangen. Es ist sehr schwer hier jetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Slawa Ukraini! Haltet durch, Jungs! Zusammen werden wir siegen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Dieses Material wurde von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><strong>\u00a0<\/strong>basierend auf Materialien von <a href=\"http:\/\/yandex.ua\/clck\/jsredir?from=yandex.ua%3Bsearch%2F%3Bweb%3B%3B&amp;text=&amp;etext=972.g_tGoI7cTKm_IfPY9yPS7AzmRhIdp_tJ-F39L_lVC59toWF1NohsYiWgowlYeOJvKzk4M_oqc8yk1beFNSQjHw.66d3d64f6c3629daa8e4789a8bac6514ea165ee2&amp;uuid=&amp;state=PEtFfuTeVD5kpHnK9lio9aJ2gf1Q1OEQHP1rbfzHEMvZEAs4QuMnSA&amp;data=UlNrNmk5WktYejR0eWJFYk1LdmtxaEFnYmg5aDlKZ3kyQTBxOW9EMk1Xck5oVF9sR1FYNndGWFpzYW9Zb3NaMHVBUHBkaHNiOFl5d2hQQVlZb3FpTGNGZTk3MDRrZHVUdU1USzZIYmtGcHV3RlBfUXV2LUtRTVl3V05oSXp5eEozQnhpUGJObC05eWRSWlFERkRnRkVR&amp;b64e=2&amp;sign=beba12b9960d5fae811f66a9c4f0ed86&amp;keyno=0&amp;cst=AiuY0DBWFJ5Hyx_fyvalFNrVRw--kLz3yBH7BR9cY3K1bI6WP-iWyWIHofkMH0ETJwel-p9JXnDNmeNaPVwRI05Ask1OO2lGrXEqZ0m-Oyx1Pk7SiQi_ZP-XT_UEfJV31k6G-tgnERf_4SyaOA4PvYfgDiNEzwL3Kp4Z6CoH_OIpYdREp7k4aR6sqrbzH-c3&amp;ref=orjY4mGPRjmt1xzYuZsDZSKx6sHOF1RVkO8Uv_ArabClpAiuJAs3N9AnfG0LneQWFsZaB24Znx-_ouruvJHQawILI_yQi8jJamRG5O0CdK7ycelCzeoJDQczKyi6gIgr55cEpULkwo_VS5hr-m5hyKq7y8141hpyAb5DPFd3IOhTprlALHAWC6T4uIe8pxQDzq6HYwlkutU&amp;l10n=uk&amp;cts=1456162806851&amp;mc=4.168325822713779\">f<\/a><\/em><i><a href=\"http:\/\/yandex.ua\/clck\/jsredir?from=yandex.ua%3Bsearch%2F%3Bweb%3B%3B&amp;text=&amp;etext=972.g_tGoI7cTKm_IfPY9yPS7AzmRhIdp_tJ-F39L_lVC59toWF1NohsYiWgowlYeOJvKzk4M_oqc8yk1beFNSQjHw.66d3d64f6c3629daa8e4789a8bac6514ea165ee2&amp;uuid=&amp;state=PEtFfuTeVD5kpHnK9lio9aJ2gf1Q1OEQHP1rbfzHEMvZEAs4QuMnSA&amp;data=UlNrNmk5WktYejR0eWJFYk1LdmtxaEFnYmg5aDlKZ3kyQTBxOW9EMk1Xck5oVF9sR1FYNndGWFpzYW9Zb3NaMHVBUHBkaHNiOFl5d2hQQVlZb3FpTGNGZTk3MDRrZHVUdU1USzZIYmtGcHV3RlBfUXV2LUtRTVl3V05oSXp5eEozQnhpUGJObC05eWRSWlFERkRnRkVR&amp;b64e=2&amp;sign=beba12b9960d5fae811f66a9c4f0ed86&amp;keyno=0&amp;cst=AiuY0DBWFJ5Hyx_fyvalFNrVRw--kLz3yBH7BR9cY3K1bI6WP-iWyWIHofkMH0ETJwel-p9JXnDNmeNaPVwRI05Ask1OO2lGrXEqZ0m-Oyx1Pk7SiQi_ZP-XT_UEfJV31k6G-tgnERf_4SyaOA4PvYfgDiNEzwL3Kp4Z6CoH_OIpYdREp7k4aR6sqrbzH-c3&amp;ref=orjY4mGPRjmt1xzYuZsDZSKx6sHOF1RVkO8Uv_ArabClpAiuJAs3N9AnfG0LneQWFsZaB24Znx-_ouruvJHQawILI_yQi8jJamRG5O0CdK7ycelCzeoJDQczKyi6gIgr55cEpULkwo_VS5hr-m5hyKq7y8141hpyAb5DPFd3IOhTprlALHAWC6T4uIe8pxQDzq6HYwlkutU&amp;l10n=uk&amp;cts=1456162806851&amp;mc=4.168325822713779\">akty.ua<\/a>, Blogs von\u00a0<a href=\"http:\/\/starshinazapasa.livejournal.com\/760645.html\">Arkadij Babtschenko<\/a> und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/maksym.maiorov\/posts\/1188026647892242?pnref=story\">Maksym Majorow<\/a>\u00a0exklusiv f\u00fcr <strong>InformNapalm<\/strong> vorbereitet; korrigiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/khwalter\">Klaus H. 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Mitte November 2013 versammelten sich etwa 100 Menschen auf dem Maidan in Kyjiw, um gegen ihre korrupte Regierung zu protestieren. Ihre Zahl vergr\u00f6\u00dferte sich jeden Tag, es ging aber ziemlich friedlich zu, bis zur Nacht auf den 30. November, als die Regierung Janukowytsch beschloss, die Maidan-Bewegung gewaltsam aufzul\u00f6sen. Die Menschen wurden auseinandergejagt und dabei brutal zusammengeschlagen, 34 Aktivisten wurden verhaftet. Am n\u00e4chsten Tag standen 40.000 Menschen auf dem Maidan. Die Revolution der W\u00fcrde dauerte noch bis Ende Februar an, an einzelnen Tagen standen dort\u00a0bis zu 500.000 Teilnehmer.\r\n\r\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=21&amp;v=NiT0zcDA9RU\r\n\r\nWir m\u00f6chten heute nicht \u00fcber die Bedeutung dieser drei Monate f\u00fcr die Geschichte Europas sprechen, denn dieses Thema ist zu umfangreich. Es wurden schon B\u00fccher dar\u00fcber geschrieben, und es werden noch weitere hinzukommen, denn der Maidan war eine wahre Knickstelle sowohl in der Geschichte der Ukraine als\u00a0auch in der Geschichte ganz Europas. Wir m\u00f6chten heute nur \u00fcber die letzten drei Tage des Maidan sprechen, sie in Erinnerung rufen, den Menschen gedenken, die dort gestorben sind, f\u00fcr die Freiheit ihres Landes, f\u00fcr das Recht auf Unabh\u00e4ngigkeit, f\u00fcr die Zukunft ihrer Kinder. F\u00fcr Europa.\r\n\r\nWir m\u00f6chten \u00fcber den 18. bis 20. Februar 2014 sprechen.\r\n\r\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=EaPdRNgrdig&amp;feature=share\r\n\r\n<em><strong>Zun\u00e4chst ein paar trockene Fakten:<\/strong><\/em>\r\n\r\n<strong>18. Februar\u00a0<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">10:45 Uhr - Auf der Schtscholkowytschna-Stra\u00dfe in Kyjiw setzte die Polizei Blendgranaten und Tr\u00e4nengas gegen die Protestierenden ein.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">12:18 Uhr - Im Marijinski-Park kommt es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Protestierenden und Regierungstruppen. Die Polizei setzt Gas und Granaten ein.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">14:09 Uhr - Etwa 30 Aktivisten wurden im Lauf der Zusammenst\u00f6\u00dfe mit Regierungstruppen\u00a0verwundet.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">16:20 Uhr - Der st\u00e4dtische U-Bahn-Verkehr in Kyjiw wird eingestellt.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">16:28 Uhr - Der Nachrichtendienst SBU und das Innenministerium beschuldigen die Oppositionskr\u00e4fte der Konflikteskalation im Zentrum von Kyjiw und versprechen, f\u00fcr Ordnung zu sorgen, falls die Zusammenst\u00f6\u00dfe nicht aufh\u00f6ren.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">17:00 Uhr - Truppen des\u00a0Innenministeriums und \"Berkut\"-Trupps\u00a0 durchbrechen die Abwehr der Protestierenden auf der Hruschewska-Stra\u00dfe und dr\u00e4ngen die Menschen hinter den Europ\u00e4ischen Platz zur\u00fcck.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">17:40 Uhr - Den Angeh\u00f6rigen der st\u00e4dtischen Polizei werden Einsatzwaffen ausgeh\u00e4ndigt. Diese Ma\u00dfnahme wird im Zusammenhang mit einer eventuellen S\u00e4uberung des Kyjiwer Maidans von Protestierenden getroffen.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">19:54 Uhr - Im Lauf der Zusammenst\u00f6\u00dfe am Dienstag in Kyjiw sterben<strong> 9<\/strong> <strong>Menschen<\/strong>.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">23:14 Uhr - Der Abgeordnete der Fraktion \"Batjkiwschina\" und Kommandant des Euromaidans in Kyjiw Andrii Parubij wird ins Krankenhaus eingeliefert.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">23:57 Uhr- Im Lauf der am Dienstabend eingeleiteten\u00a0Erst\u00fcrmung des Lagers der Protestierenden am Maidan sterben <strong>5<\/strong> <strong>Aktivisten<\/strong>.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>19. Februar<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">02:37 Uhr - Die USA sind der Meinung, dass der Pr\u00e4sident der Ukraine Wiktor Janukowytsch pers\u00f6nlich die Verantwortung f\u00fcr die Ereignisse in der Ukraine tr\u00e4gt.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">06:20 Uhr - In Lwiw besetzen Protestierende Geb\u00e4ude der staatlichen Bezirksverwaltung, der Bezirksstaatsanwaltschaft, der Polizeiverwaltung, des SBU und des Finanzamts.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">07:37 Uhr - Der Pr\u00e4sident der Ukraine Wiktor Janukowytsch wendet sich nach den blutigen Zusammenst\u00f6\u00dfen am Dienstag in Kyjiw mit einer Erkl\u00e4rung an das Volk, in der er die Opposition dazu aufruft, sich von den \"Radikalen\" zu distanzieren.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">16:15 Uhr - Das Gesundheitsministerium teilt mit, dass infolge der Zusammenst\u00f6\u00dfe in Kyjiw am 18. Februar\u00a0die Anzahl der Get\u00f6teten sich auf <strong>26 Menschen<\/strong> bel\u00e4uft.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>20. Februar 2014<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">12:59 Uhr - Innerhalb einer Stunde sterben <strong>13<\/strong> <strong>Aktivisten\u00a0<\/strong>beim Hotel \"Ukraina\".<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">19:03 Uhr - Das Gesundheitsministerium der Ukraine teilt mit, dass in den letzten drei Tagen <strong>64<\/strong> <strong>Menschen\u00a0<\/strong>infolge der Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen den Protestierenden und Regierungstruppen\u00a0gestorben sind.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">19:34 Uhr - Die ehemalige Ministerpr\u00e4sidentin der Ukraine Julia Tymoschenko ruft die Oppositionsf\u00fchrer dazu auf, auf jegliche Verhandlungen mit dem Pr\u00e4sidenten der Ukraine Wiktor Janukowytsch zu verzichten.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">20:14 Uhr - Die Pr\u00e4sidentenberaterin und Leiterin der Hauptverwaltung in Fragen der Verfassungs- und Rechtsmodernisierung bei der pr\u00e4sidialen Verwaltung, Marina Stawnijtschuk, gibt zu, dass die Regierung des Landes\u00a0im Laufe des dreimonatigen Widerstands in der Ukraine keine \"echten\" Verhandlungen mit der Opposition zur Beilegung der Krise gef\u00fchrt hat.<\/li>\r\n \t<li style=\"text-align: left\">22:33 Uhr - Die Werchowna Rada verurteilt die Anwendung von Gewalt, die zum Tod von Menschen gef\u00fchrt hat und verbietet die Durchf\u00fchrung einer Anti-Terror-Operation, die durch den SBU der Ukraine ausgerufen wurde<\/li>\r\n<\/ul>\r\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kg9fjOfPZyE&amp;sns=fb\r\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Wilde Tage... 18. bis 20. Februar 2014...<\/strong><\/p>\r\n<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/maksym.maiorov\/posts\/1188026647892242?pnref=story\">Maksym Majorow<\/a>: \"Nach der Niederlage des \"friedlichen Angriffs\" der Maidan-Aktivisten ging Janukowytsch mit \"Berkut\"-Einheiten und Truppen des Innenministeriums zum Gegenangriff \u00fcber. Es gelang erst, auf dem Platz die Regime-Truppen aufzuhalten. Das Gewerkschaftshaus brannte aus. Der gesamte Tag des 19. Februar 2014 war eine einzige kr\u00e4ftezehrende\u00a0Konfrontation, jede Seite h\u00e4tte jederzeit zusammenbrechen k\u00f6nnen. Der Umbruch zugunsten des Maidans geschah am Morgen des 20. Februars, aber am selben Morgen fanden auch die Erschie\u00dfungen an der Instytutska-Stra\u00dfe statt...\r\n\r\nAm gleichen Tag begann auch die russische Operation zur Einnahme der Krim und zwar ihre Vorbereitungsphase. Die Besatzungstruppen waren in Sewastopol konzentriert, haupts\u00e4chlich auf dem Gel\u00e4nde der Milit\u00e4rbasis der 810. Marineinfanteriebrigade der Schwarzmeerflotte in der Kasatschja Bucht und in den Lasarewski-Kasernen (7. \u00dcbungstrupp der Schwarzmeerflotte Russlands). Eine Woche sp\u00e4ter haben sie die wichtigsten Verwaltungsgeb\u00e4ude der Autonomen Republik Krim eingenommen. Am 21. Februar unterschrieb Janukowytsch in Anwesenheit von EU-Vertretern ein \"Abkommen zur Beilegung der Krise\" mit den Oppositionsf\u00fchrern. Der russische Vertreter W. Lukin versuchte zusammen mit den Europ\u00e4ern, doch noch eine \"Friedensl\u00f6sung\" zu erreichen, die es dem Regime von Janukowytsch erlaubt h\u00e4tte, an der Macht zu bleiben - an dieseem Tag verzichtete er aber pl\u00f6tzlich auf die Unterzeichnung dieses Abkommens...\r\n\r\nWom\u00f6glich wurde\u00a0gerade am 20. Februar im Kreml die Entscheidung getroffen, das neue Szenario auszuspielen: \"Die Krim spaltet sich von der Ukraine ab, weil sie sich vor dem B\u00fcrgerkrieg auf dem Festland retten m\u00f6chte\". Ein B\u00fcrgerkrieg begann aber\u00a0trotz der Erschie\u00dfung der \"Himmlischen Hundert\" nicht. Am 22. Februar 2014 flieht Janukowytsch aus Kyjiw, die Maidan-Aktivisten \u00fcbernehmen die Kontrolle \u00fcber Staatsverwaltungsgeb\u00e4ude. Die \u00dcbergabe der Macht an die Oppositionsanf\u00fchrer wird durch die Werchowna Rada legitimiert.\"\r\n\r\n[caption id=\"attachment_15266\" align=\"aligncenter\" width=\"537\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/769335.jpg\" rel=\"attachment wp-att-15266\"><img class=\"wp-image-15266 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/02\/769335.jpg\" alt=\"769335\" width=\"537\" height=\"361\" \/><\/a> 18.Februar 2014, Foto: porphyre.livejournal.com[\/caption]\r\n\r\n<em>Und schlie\u00dflich m\u00f6chten wir einen Text von\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=babtschenko\">Arkadij Babtschenko<\/a>\u00a0anf\u00fchren, einem Milit\u00e4rkorrespondenten und russischen Schriftsteller und einem unmittelbaren Teilnehmer jener Ereignisse:<\/em>\r\n\r\nArkadij Babtschenko: \"Ich wei\u00df gar nicht, wo ich anfangen soll. In der Journalistik nennt man das \"\u00dcberschuss an Faktur\". Wenn ein Journalist zu viel Information erfasst hat und nicht wei\u00df, wie er alles in einem Text zusammenfassen soll. Die letzte Nacht war tats\u00e4chlich eine der schwersten in meinem Leben.\r\n\r\nNach Kyjiw kam ich am Abend des 18. Es war bereits eine ganz andere Stadt, als jene, die ich zwei Wochen zuvor verlassen hatte. Die Autobahn in die Stadt ist\u00a0blockiert, die U-Bahn f\u00e4hrt nicht, einer der zwei Flugh\u00e4fen ist geschlossen, die Hauptstra\u00dfen in der Stadt sind durch die Polizei blockiert, physisch\u00a0sp\u00fcrt man die Spannung in der Stadt. Der Chreschtschatyk war noch zug\u00e4nglich, der Maidan brannte aber schon. Mit meinem Koffer auf R\u00e4dern sah ich hier aus wie ein Alien. Der Weg zum Hotel war durch \"Berkut\" abgeschnitten. Also, durch einen\u00a0Feuerstreifen aus brennenden Reifen, Holz und \u00fcberhaupt allem, was nur brennen kann, und dahinter - durch die \"Berkut\". Welche ein paar Stunden zuvor die Instytutska und Hruschewska\u00a0heruntergest\u00fcrmt waren, die Barrikaden zerst\u00f6rt, ungef\u00e4hr ein Drittel des Platzes besetzt und den Maidan in einem Halbkreis eingekesselt\u00a0hatten. Gerade\u00a0mit dem \"Berkut\"-Angriff begann f\u00fcr mich\u00a0jene Nacht.\r\n\r\nIm Krieg \u00fcberleben diejenigen, die nicht die Ersten waren. Der Erste zeigt den anderen, wo man nicht hingehen soll. Das ganze Unheil besteht hier darin, dass du erst dann erf\u00e4hrst, wo du nicht hingehen sollst, wenn der Erste gestorben ist. Diesmal wurde der Erste f\u00fcr mich ich selbst. Davor hielt sich die Polizei an eine Abwehrtaktik: Sie hielt auf Abstand und ging\u00a0nur gelegentlich zu\u00a0Gegenangriffen \u00fcber. Und ich bin daran gewohnt, dass es von ihr bis zu den Barrikaden ziemlich weit ist. Zumindest auf Abstand eines Steinwurfes. Nun sind sie aber zu einer Angriffstaktik \u00fcbergegangen. Sie sind die Hruschewska heruntergest\u00fcrmt, wobei sie drei oder vier Barrikaden-Linien weggefegt haben, und standen nun sehr nah am Maidan. Sie begannen Druck auszu\u00fcben. Darunter auch psychologischen Druck. Als der Rauch ein wenig verweht war, habe ich deren Schilder in 20 Metern von mir gesehen. Und die Augen hinter diesen Schildern. Das war unerwartet f\u00fcr mich. Ich habe nicht gedacht, dass sie schon so nah sind. Da, wo vorher unser R\u00fcckzugsbereich war, war nun die vorderste Linie. Wovon\u00a0mich die erste unter meinen Beinen explodierende Granate auch \u00fcberzeugte.\r\n\r\n\u00dcbrigens, ukrainische Gasgranaten, die bekannten \"Teren-6\", die nun in der ganzen Welt bekannt sind - die sind Schei\u00dfe. Kann man mit den t\u00fcrkischen nicht vergleichen. Die t\u00fcrkischen fallen und kreiseln, wobei sie bereits auf der Bodenlinie\u00a0Gas auf allen Seiten herauslassen. Man kann sich nicht verstecken. Die ukrainischen explodieren aber. Und das von der Explosion erw\u00e4rmte Gas steigt in der kalten Luft wie eine Wolke in den Himmel. In der Regel muss man nur\u00a0kurz niederhocken und in zehn Metern Entfernung sp\u00fcrt man die Wirkung des Gases faktisch gar nicht mehr.\r\n\r\nAber nicht dieses Mal. Es wurde so viel geworfen, so pr\u00e4zise und so dicht, dass ich tastend von der vordersten Linie zur\u00fcckwich. Wir wurden wie kleine Welpen auseinandergejagt. Ich erinnere mich, wie jemand schrie: \"Nicht zur\u00fccktreten! Nicht zur\u00fccktreten! Durchhalten, Jungs! Durchhalten!\" Dann kamen die \u00c4rzte, spr\u00fchten einem was ins Gesicht und in die Augen. Es brachte eine Erleichterung. Aber dann fingen sie an, Blendgranaten zu werfen.\r\n\r\nIch wei\u00df nicht, wie oft ich an dem Tag Gas eingeatmet habe. 10, 15, 20 Mal. Und das richtig gut, tief, bis zum Atemstocken. Das Gesicht schwillt an, die Haut brennt, Tr\u00e4nen und Rotz in Str\u00f6men, \u00c4rzte! Wo sind die \u00c4rzte?! Sie kommen angelaufen. In der Regel irgendein junges M\u00e4dchen. Die M\u00e4nner besch\u00e4ftigen sich mit Schwerverwundeten. Das M\u00e4dchen spr\u00fcht einem was ins Gesicht, wischt es mit einer Serviette ab, das hilft mir. Du gehst etwas Milch trinken, die etwas \u00e4ltere Frauen herumtragen, das neutralisierst den verschluckten Dreck in deiner Leber... Du gehst zur\u00fcck. Ich rede hier nicht vom\u00a0Heldentum. Wobei hier jeder welches hat. Ich rede von der Dichte des Feuers.\r\n\r\n\u00dcberhaupt sp\u00fcrt hier jeder sehr genau seine Rolle. Jeder findet den optimalsten Platz und was er zu tun hat. Die M\u00e4dels bei den \u00c4rzten helfen den Vergifteten, junge\u00a0Sanit\u00e4ter tragen im Laufschritt die Verwundeten zum Verbandplatz, wo sie gen\u00e4ht werden und wo ihnen von Chirurgen reifen Alters Splitter herausgenommen werden. Die Jungs k\u00e4mpfen auf den Barrikaden. \u00c4ltere M\u00e4nner schlagen Pflastersteine heraus. Alte Menschen bilden Ketten und geben die Pflastersteine zur vordersten Linie weiter. Die Frauen verteilen Tee, Milch, Suppe,\u00a0Sandwiches. Junge M\u00e4dels verteilen Molotow-Cocktails. Ich traf eine meine Bekannte, eine Journalistikstudentin. \"Siehste,\" scherzt sie, \"wir haben hier zwei Cocktails mitgenommen, wir gehen auf eine Party\".\r\n\r\nDas Pressezentrum des Verteidigungsstabs gibt es nicht mehr. Wegen der brennenden Barrikade stehen die Korridore im Geb\u00e4ude voller Rauch. Das technische Personal rollt Kabel zusammen. An der Wand steht ein teueres Plasma-Fernsehger\u00e4t. Auf dem Boden liegen Gasmasken, Helme, Atemschutzger\u00e4te, Decken, warme Sachen. Hinter dem Fenster explodiert permanent was. F\u00fcr mich sieht es nach einem\u00a0verlassenen Kriegsbunker aus. Ich hab' eine Weste mit der Aufschrift \"Abgeordneter\" gefunden. Auch gut. Hab' ich doch meine \"Presse\"-Weste zuhause vergessen.\r\n\r\nGegen Mitternacht beginnt das Gewerkschaftshaus zu brennen. Es brennt \u00fcberall - vom ersten bis zum letzten Stock. Im Geb\u00e4ude sind noch Menschen. Drei klettern auf das Netz drau\u00dfen, das zum Abfangen von Eiszapfen dort h\u00e4ngt, ihnen wird ein Seil zugeworfen, sie klettern herunter. Noch zweien wirft man Wasserflaschen durchs Fenster zu. Sie versuchen, durchs Feuer zum Ausgang durchzubrechen. Geht nicht. Es wird eine Zeltplane ausgebreitet. Noch ein Junge steht einfach im Fenster und schaut. Die Feuerwehr kommt. Es werden 41 Menschen aus dem Feuer gerettet. Niemand ist verbrannt, glaube ich.\r\n\r\nVor zwei Monaten, noch im Dezember, als das alles anfing und mit Ausnahme der Bankowa [<em>Stra\u00dfe<\/em>] und der Verpr\u00fcgelung von Studenten eigentlich alles friedlich und zivilisiert zuging, ertappte ich mich mitten im verschneiten Kyjiw beim Gedanken, dass ich das tschetschenische Vorkriegs-Grosny sehe. Leere Stra\u00dfen, die Menschen hatten da noch Angst, wenn \u00fcber ihre Stra\u00dfen mal \"Berkut\"-Einheiten mal die Maidan-Verteidiger durchmarschierten. Flockiger Schnee. Panzerfahrzeuge in der Stadt... Und diese Stra\u00dfe sah ich pl\u00f6tzlich brennend, mit schwarzen L\u00f6chern der ausgeschlagenen Fenster, unter welchen die Reste der verbrannten Panzerfahrzeuge stehen und die Leichen der get\u00f6teten Menschen liegen.\r\n\r\nDas war an der Kreuzung der Instytutska und Schtscholkowitschna.\r\n\r\nJetzt sind zwei Monate vergangen. Der Morgen des 18. Februar begann mit Leichen bei\u00a0den H\u00e4usern an der Kreuzung der Instytutska und Schtscholkowitschna, einem verbrannten BTR, und mir, der dort steht und sich die ausgeschlagenen Fenster des brennenden Gewerkschaftshauses anschaut.\r\n\r\nLogisch kann man das nicht analysieren. Solche Bilder kann man nicht mit kritischem Verstand erfassen. Verbrannte Fahrzeuge und Leichen im Zentrum einer europ\u00e4ischen Hauptstadt? Seid ihr wahnsinnig... Daran zu glauben ist genauso unm\u00f6glich wie an durch die Luft fliegende Panzert\u00fcrme. Aber es kommt der Moment, an dem du dich in einem der Kriege wiederfindest, eine gigantische Explosion dir den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegrei\u00dft, du nach oben siehst - und dort fliegt \u00fcber die H\u00e4user ein Panzerturm.\r\n\r\nUnd durch Kyjiwer Stra\u00dfen tragen die \u00c4rzte Leichen weg, eingewickelt in Gummit\u00fccher. Hauptsache, nicht daran denken. Man muss es nur akzeptieren. Glauben kann man das eh nicht.\r\n\r\nBeim Morgengrauen war das Gewerkschaftshaus vollst\u00e4ndig ausgebrannt.\r\n\r\nWann sind sie zum diesem Angriff \u00fcbergegangen? So um vier, denke ich. Auf dem H\u00fcgel wurden Scheinwerfer aufgestellt, und der Platz wurde ausgeleuchtet. Wie in Berlin. Dann kam ein Wasserwerfer an und begann die Feuerwand zu l\u00f6schen. Dann begann die \"Artillerievorbereitung\". Die Granaten landeten dicht beieinander. In der Menschenmenge. Ein Splitter kam in mein Knie angeflogen. Dann in den Unterleib. Dann zerhackte es meine Beine. Neben mir brannte\u00a0ein Junge, dem die Granate einen bereits angez\u00fcndeten Molotow-Cocktail zerschlagen hat. Gas. Wieder Gas. Wieder eine Granate. Dann kam ein Wasserwerfer an. Begann die Barrikade zu rammen. Er wurde angez\u00fcndet. Der zweite Wasserwerfer l\u00f6schte die Flamme auf seinem Waffenbruder. Wieder Rammen. Wieder angez\u00fcndet. Diesmal st\u00e4rker. Dann rammte der zweite Wasserwerfer.\u00a0Dann die Truppen des Innenministeriums. Die Granaten explodieren eine nach der anderen. Es wird geschossen. Mit Schrapnell.\u00a0Plastik-Schrapnell. Die kleinen grauen B\u00e4lle prasseln nieder wie Erbsen.\r\n\r\nDie Menschen ergriffen die Flucht. Sie hielten es nicht mehr aus. Vor dem Hintergrund der Feuerflammen treten die schwarzen Silhouetten der Polizisten auf jemanden mit F\u00fc\u00dfen. Von der B\u00fchne br\u00fcllt jemand ins Mikrofon: \"Berkut! Stopp! Was macht Ihr denn! Es sind doch Menschen hier! Jungs, lauft nicht weg, bleibt stehen, dreht euch nicht mit dem R\u00fccken zu ihnen! Zusammen, zusammen, zusammen!\" Und die Jungs blieben stehen. Und gingen\u00a0zur\u00fcck. Und schlugen die \"Berkut\" in die Flucht.\r\n\r\nKlirren\u00a0der Schilder, Gerassel von Eisen, Schreie, Schimpfen, Angst, Granatenexplosionen, der abziehende brennende Wasserwerfer, Verwundete, Siegesgebr\u00fcll der Verteidiger und weichender, zur\u00fcck hinter die Feuerwand tretender \"Berkut\"...\r\n\r\nUnd dann explodierte eine Blendgranate direkt unter meinen F\u00fc\u00dfen, und ich habe aufgeh\u00f6rt zu sein. Einfach so - mich gab es nicht mehr. Grelles Aufblitzen, blendendes Licht in den Augen, das schnell erlosch, Ohrensausen und vollst\u00e4ndige Abwesenheit eines denkenden Verstandes. Wahrscheinlich leben Autisten in so einer Welt. Wenn du stehst, scheinbar bei Bewusstsein, aber weder denkst du etwas, noch versteht du was. Als ob in deinem Kopf mit einem Radiergummi alles entfernt worden ist, keine einzige Gehirnwindung. \"Jungs! Jungs! Bringt mich hier raus!\" Und ich sp\u00fcre ja wirklich, dass die Jungs in der N\u00e4he sind: Jemand flieht vor den \"Berkut\", ein anderer greift sie an, aber sie haben keine Zeit f\u00fcr mich. Mir wird Angst und Bange. Wo der Kampf ist, sehe ich nicht, von den Flanken her wird wohl noch vorger\u00fcckt, sie schlagen mir gleich den Kopf ein und ich werde nicht mal verstehen, wer, wie und woher.\r\n\r\nDann nahm mich jemand unter'm Arm, schleppte mich irgendwohin. Irgendwelche Stufen. \"Hier, hier\". Ja, Danke, seh' ich schon, danke dir, ich schaff's jetzt selber. An all das erinnere ich mich irgendwie ruckweise, in Blitzen. Die Erblindung dauerte circa 30 Sekunden an.\r\n\r\nDann gab es eine Stunde lang gar keine Empfindungen. Du schaust bl\u00f6d herum und l\u00e4chelst. Verstehst dabei nichts. Wie bekifft. Und dann kamen die Kopfschmerzen, schreckliche, unheimliche Kopfschmerzen. Und die H\u00e4nde begannen zu zittern. Das Schlimmste, dass man kotzen m\u00f6chte, aber man kann nicht. Bin\u00a0also doch gequetscht...\r\n\r\nVier Stunden sp\u00e4ter war es vorbei.\r\n\r\nEs gibt sehr viele Verwundete. Sehr viele. Sie werden permanent herumgetragen. Auf dem Verbandsplatz, der in einem Caf\u00e9 eingerichtet wurde, werden gleich drei operiert. Einem Mann hat es die Beine sehr stark zerhackt. Wie ein Sieb. Und sehr tief. Einer hat ein Loch an der H\u00fcfte, in Apfelgr\u00f6\u00dfe. Die Splitter werden herausgeholt und er wird gleich hier zugen\u00e4ht, vor Ort. Nicht so schwer Verwundete werden gleich auf der Stra\u00dfe behandelt. Die Schweren werden irgendwohin weggetragen, in den R\u00fcckzugsbereich.\r\n\r\nWie diese Menschen das aushalten, was sie aushalten - das kann ich mir \u00fcberhaupt nicht vorstellen. 15 bis 20 Explosionen in der N\u00e4he, und mein Kopf platzt, mir wird \u00fcbel. Ich muss zur Seite treten, um wieder zu mir zu kommen. Und diese Menschen stehen hier seit \u00fcber 24 Stunden. Und diese ganze Nacht gab es nicht mal einen Schichtwechsel. Sie stehen kaum noch auf den Beinen - aber sie stehen. Halten den Maidan. Im direkten Sinne dieses Wortes - sie halten ihn, mit Schildern, dicht, m\u00fchsam, halten sie die Schilder aneinander, damit die Explosionswelle nicht durch die Spalten kommt, sonst wird man verletzt.\r\n\r\nDas geht \u00fcber meine Fassungskraft hinaus.\r\n\r\nBei Morgengrauen wurde klar, wie arg der\u00a0Maidan in dieser Nacht angeschlagen war. Das Gewerkschaftshaus ist vollst\u00e4ndig ausgebrannt, die schwarzen Rauchwolken steigen in den Himmel direkt bei der Stele, dem Symbol des Maidans, der Platz ist im Halbkreis eingekesselt, es sind nur noch zwei Zug\u00e4nge geblieben, \u00fcber den Chreschtschatyk und vom Michajliwska-Platz aus. Das Michailiwski-Kloster ist mit Verwundeten \u00fcberf\u00fcllt, man sagt, es sind um die 300, in den letzten 24 Stunden wurden 25 Menschen get\u00f6tet. Die Menschen liegen schlafend nebeneinander, direkt auf irgendwelchen Lumpen, mitten in Str\u00f6men von dreckigem Wasser, das nach der Arbeit der Wasserwerfer geblieben ist.\r\n\r\nAber der Maidan steht. Halbiert, aber er steht.\r\n\r\nH\u00e4lt sich vor M\u00fcdigkeit kaum noch auf den Beinen. Aber er steht.\r\n\r\nIn dieser Nacht hat es mich derma\u00dfen mitgenommen wie es mich in der ganzen Woche meiner letzten Dienstreise nicht mitgenommen\u00a0hatte. Jedes Vorr\u00fccken endete in irgendeiner Verletzung. Ich bin vollkommen ausgelaugt. Wie durch einen Fleischwolf gegangen. Es ist sehr schwer hier jetzt.\"\r\n\r\nSlawa Ukraini! Haltet durch, Jungs! Zusammen werden wir siegen.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em>Dieses Material wurde von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><strong>\u00a0<\/strong>basierend auf Materialien von <a href=\"http:\/\/yandex.ua\/clck\/jsredir?from=yandex.ua%3Bsearch%2F%3Bweb%3B%3B&amp;text=&amp;etext=972.g_tGoI7cTKm_IfPY9yPS7AzmRhIdp_tJ-F39L_lVC59toWF1NohsYiWgowlYeOJvKzk4M_oqc8yk1beFNSQjHw.66d3d64f6c3629daa8e4789a8bac6514ea165ee2&amp;uuid=&amp;state=PEtFfuTeVD5kpHnK9lio9aJ2gf1Q1OEQHP1rbfzHEMvZEAs4QuMnSA&amp;data=UlNrNmk5WktYejR0eWJFYk1LdmtxaEFnYmg5aDlKZ3kyQTBxOW9EMk1Xck5oVF9sR1FYNndGWFpzYW9Zb3NaMHVBUHBkaHNiOFl5d2hQQVlZb3FpTGNGZTk3MDRrZHVUdU1USzZIYmtGcHV3RlBfUXV2LUtRTVl3V05oSXp5eEozQnhpUGJObC05eWRSWlFERkRnRkVR&amp;b64e=2&amp;sign=beba12b9960d5fae811f66a9c4f0ed86&amp;keyno=0&amp;cst=AiuY0DBWFJ5Hyx_fyvalFNrVRw--kLz3yBH7BR9cY3K1bI6WP-iWyWIHofkMH0ETJwel-p9JXnDNmeNaPVwRI05Ask1OO2lGrXEqZ0m-Oyx1Pk7SiQi_ZP-XT_UEfJV31k6G-tgnERf_4SyaOA4PvYfgDiNEzwL3Kp4Z6CoH_OIpYdREp7k4aR6sqrbzH-c3&amp;ref=orjY4mGPRjmt1xzYuZsDZSKx6sHOF1RVkO8Uv_ArabClpAiuJAs3N9AnfG0LneQWFsZaB24Znx-_ouruvJHQawILI_yQi8jJamRG5O0CdK7ycelCzeoJDQczKyi6gIgr55cEpULkwo_VS5hr-m5hyKq7y8141hpyAb5DPFd3IOhTprlALHAWC6T4uIe8pxQDzq6HYwlkutU&amp;l10n=uk&amp;cts=1456162806851&amp;mc=4.168325822713779\">f<\/a><\/em><i><a href=\"http:\/\/yandex.ua\/clck\/jsredir?from=yandex.ua%3Bsearch%2F%3Bweb%3B%3B&amp;text=&amp;etext=972.g_tGoI7cTKm_IfPY9yPS7AzmRhIdp_tJ-F39L_lVC59toWF1NohsYiWgowlYeOJvKzk4M_oqc8yk1beFNSQjHw.66d3d64f6c3629daa8e4789a8bac6514ea165ee2&amp;uuid=&amp;state=PEtFfuTeVD5kpHnK9lio9aJ2gf1Q1OEQHP1rbfzHEMvZEAs4QuMnSA&amp;data=UlNrNmk5WktYejR0eWJFYk1LdmtxaEFnYmg5aDlKZ3kyQTBxOW9EMk1Xck5oVF9sR1FYNndGWFpzYW9Zb3NaMHVBUHBkaHNiOFl5d2hQQVlZb3FpTGNGZTk3MDRrZHVUdU1USzZIYmtGcHV3RlBfUXV2LUtRTVl3V05oSXp5eEozQnhpUGJObC05eWRSWlFERkRnRkVR&amp;b64e=2&amp;sign=beba12b9960d5fae811f66a9c4f0ed86&amp;keyno=0&amp;cst=AiuY0DBWFJ5Hyx_fyvalFNrVRw--kLz3yBH7BR9cY3K1bI6WP-iWyWIHofkMH0ETJwel-p9JXnDNmeNaPVwRI05Ask1OO2lGrXEqZ0m-Oyx1Pk7SiQi_ZP-XT_UEfJV31k6G-tgnERf_4SyaOA4PvYfgDiNEzwL3Kp4Z6CoH_OIpYdREp7k4aR6sqrbzH-c3&amp;ref=orjY4mGPRjmt1xzYuZsDZSKx6sHOF1RVkO8Uv_ArabClpAiuJAs3N9AnfG0LneQWFsZaB24Znx-_ouruvJHQawILI_yQi8jJamRG5O0CdK7ycelCzeoJDQczKyi6gIgr55cEpULkwo_VS5hr-m5hyKq7y8141hpyAb5DPFd3IOhTprlALHAWC6T4uIe8pxQDzq6HYwlkutU&amp;l10n=uk&amp;cts=1456162806851&amp;mc=4.168325822713779\">akty.ua<\/a>, Blogs von\u00a0<a href=\"http:\/\/starshinazapasa.livejournal.com\/760645.html\">Arkadij Babtschenko<\/a> und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/maksym.maiorov\/posts\/1188026647892242?pnref=story\">Maksym Majorow<\/a>\u00a0exklusiv f\u00fcr <strong>InformNapalm<\/strong> vorbereitet; korrigiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/khwalter\">Klaus H. 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