{"id":1522,"date":"2014-12-12T15:50:25","date_gmt":"2014-12-12T15:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=1522"},"modified":"2019-12-12T10:54:18","modified_gmt":"2019-12-12T10:54:18","slug":"andrej-illarionow-auftritt-im-eu-parlament-19-11-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/andrej-illarionow-auftritt-im-eu-parlament-19-11-2014\/","title":{"rendered":"Andrej Illarionow. Auftritt im EU-Parlament am 19.11.2014"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/picture.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1340 size-medium\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/picture-300x225.jpg\" alt=\"picture\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/picture-300x225.jpg 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/picture.jpg 340w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Andrej Illarionows Auftritt im EU-Parlament in Br\u00fcssel am 19. November 2014<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, guten Tag!<\/p>\n<p>Als Erstes m\u00f6chte ich meine Dankbarkeit an die Organisatoren dieser Sitzung ausdr\u00fccken. Die Sitzung erscheint mir \u00fcberaus rechtzeitig und notwendig. Ich bedanke mich auch f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, an dieser Diskussion teilnehmen zu d\u00fcrfen. Ich m\u00f6chte Ihnen zehn Punkte erl\u00e4utern, die nach meinen M\u00f6glichkeiten kurz formuliert wurden, faktisch im Telegrafenstil. Es sind \u00dcberlegungen bez\u00fcglich der Herangehensweise an das Problem, das als Thema der heutigen Sitzung angemeldet wurde. Also, fangen wir an.<\/p>\n<p>1. Das Sitzungsthema ist \u201eWie geht man mit Russland um?\u201c Ich m\u00f6chte mich getrauen, den Zielkurs des Problems ein wenig zu \u00e4ndern und ihn umzuformulieren. Die Frage besteht meiner Meinung nach nicht darin, wie man mit Russland umgeht. Die Frage ist, wie man mit Putins Russland umgeht, mit Putins Regime, oder noch k\u00fcrzer &#8211; mit \u201ePutinismus\u201c. Das ist eine sehr wichtige Pr\u00e4zisierung, obwohl es nat\u00fcrlich einfacher und k\u00fcrzer ist, einfach nur \u201eRussland\u201c zu sagen, als jedesmal erneut zu pr\u00e4zisieren: \u201ePutins Russland\u201c, \u201ePutins Regime\u201c oder \u201ePutinismus\u201c. Nichtsdestotrotz erscheint es mir prinzipiell sehr wichtig, dass man eine Vermischung dieser Begriffe nicht zul\u00e4sst. Man darf das Regime Putins mit Russlands Einwohnern und B\u00fcrgern nicht vermischen.<\/p>\n<p>Ja, wir wissen, dass sehr viele Russen Opfer einer \u00fcberaus effektiven Gehirnw\u00e4sche geworden sind. Gut m\u00f6glich, dass die sakramentale Zahl der \u201e84%-Unterst\u00fctzung\u201c eine \u00dcbertreibung ist, aber die Tatsache bleibt bestehen.<\/p>\n<p>Eine bedeutende Anzahl der Russen haben der putinschen Propaganda nachgegeben, und sind nun, wie man so sagt, effektive Zombies (<em>im Sinne einer Gehirnw\u00e4sche, Anm. d. Red.<\/em>). Wie schnell das erreicht wurde und die Tatsache, dass vor unseren Augen die Weltsicht von Millionen und Dutzenden Millionen Menschen radikal ver\u00e4ndert wurde, kann einen schockieren.<\/p>\n<p>Dennoch passierte etwas \u00e4hnliches zum Beispiel in Deutschland in den 30-40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Zentrum Europas wurde eine ganze zivilisierte Nation einer ideologischen Bearbeitung und Zombierung ausgesetzt. Und nicht nur sie allein. Diese Nationen, die von einer Hasspropaganda zombiert wurden, starteten eine aggressive Politik gegen ihre Nachbarn. Etwas \u00e4hnliches passiert leider gerade auch in Russland.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen daran denken, dass das regierende russische Regime einen psychologischen Krieg sowohl gegen sein eigenes Volk, als auch gegen die V\u00f6lker anderer L\u00e4nder, Nachbarl\u00e4nder, L\u00e4nder des Zentral- und Westeuropas, vieler L\u00e4nder dieser Welt f\u00fchrt. Wir m\u00fcssen das Regime und das Volk trennen. Das Volk kann von seiner tempor\u00e4ren Geistesvernebelung geheilt werden, kann aus seinem zombierten Zustand herauskommen. Und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter passiert das auch. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist so eine Heilung mit dem deutschen Volk, mit den anderen V\u00f6lkern auch geschehen.<\/p>\n<p>2. Mein zweiter Punkt ist dem wichtigsten Ereignis der letzten Monate gewidmet, das fehlerhaft, aber zum Gl\u00fcck immer seltener als die \u201eukrainische Krise\u201c oder \u201eKrise in der Ukraine&#8220; bezeichnet wird. Selbstverst\u00e4ndlich ist es keine ukrainische Krise und auch keine Krise in der Ukraine. Dieses Geschehen hat zumindest zwei deutliche Charakteristiken.<\/p>\n<p>Erstens, wenn es eine Krise ist, dann ist es eine russische Krise. Das ist eine Krise in der Beziehung zwischen Russland und der Ukraine. Das ist eine Krise in der Beziehung zwischen Russland und seinen angrenzenden L\u00e4ndern. Und schlie\u00dflich ist es eine Krise in der Beziehung Russlands zum Gro\u00dfteil seiner Umgebung.<\/p>\n<p>Und zweitens ist das, was passiert, zum jetzigen Zeitpunkt l\u00e4ngst keine Krise mehr. Das ist ein KRIEG. Ein Krieg im \u00e4u\u00dferst direkten und unmittelbaren Sinne dieses Wortes.<\/p>\n<p>Und diese traurige Feststellung f\u00fchrt mich zum n\u00e4chsten Punkt meiner Kommentare.<\/p>\n<p>3. Wir m\u00fcssen verstehen, in was f\u00fcr einen Krieg denn genau wir hineingezogen wurden. Gegen unseren Willen hineingezogen wurden. Russlands B\u00fcrger in ihrer Mehrheit wollten keinen Krieg gegen die Ukraine, das ukrainische Volk wollte auch keinen Krieg gegen Russland, die B\u00fcrger der europ\u00e4ischen L\u00e4nder und USA wollten diesen Krieg auch nicht. Dieser Krieg wurde uns allen durch das jetzige russische Regime aufgezwungen, unter anderem auch dem russischen Volk. Und wir alle sind nun in diesen involviert.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Krieg?<\/p>\n<p>In erster Linie ist es nat\u00fcrlich ein russisch-ukrainischer Krieg. Genauer: Ein putinscher Krieg gegen die Ukraine. Wie Andrej Piontkowski gerade anmerkte, unterst\u00fctzt die Mehrheit der Russen diesen Krieg nicht. Russlands B\u00fcrger k\u00f6nnen verschiedene politische Ansichten haben, aber ich wiederhole mich: einen Krieg gegen die Ukraine akzeptiert die Mehrheit von ihnen nicht. Somit ist es in vielem ein pers\u00f6nlicher Krieg des Herren Putin gegen die Ukraine.<\/p>\n<p>Man kann vieles \u00fcber diesen Krieg sagen. Das Erste und Offensichtlichste ist, dass es ein langer Krieg ist.<\/p>\n<p>In der Beurteilung dieses Krieges als eines langwierigen Krieges gibt es drei Hauptkomponenten.<\/p>\n<p>Erstens ist es ein langwieriger Krieg, weil dieser Krieg mindestens 10 Jahre lang vorbereitet wurde, seine Vorbereitung hat nicht sp\u00e4ter als im Jahr 2003 angefangen. Manche Facetten des zuk\u00fcnftigen Krieges gegen die Ukraine wurden innerhalb der russischen F\u00fchrung schon im Sommer 2003 ausdiskutiert. Zu jener Zeit war es unm\u00f6glich, sich vorzustellen, dass die wahnsinnigen Ideen, die damals ausdiskutiert wurden, mit der Zeit zu einem realen Krieg f\u00fchren w\u00fcrden. Aber Tatsache bleibt bestehen: der Prolog f\u00fcr diesen Krieg liegt zumindest im Sommer 2003.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Jahr, in 2004, w\u00e4hrend der ukrainischen\u00a0<em>Orange Revolution<\/em> war die M\u00f6glichkeit in Betracht gezogen worden, die zehn Jahre sp\u00e4ter tats\u00e4chlich realisiert wurde: die Okkupation und Annexion der Krim. Damals, in 2004, wurde der Versuch wegen unzureichender Vorbereitung zu dieser Operation auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verlegt.<\/p>\n<p>Anfang April 2008 erkl\u00e4rte Putin beim NATO-Gipfel in Bukarest, dass die Ukraine ein k\u00fcnstlicher Staat ist und die H\u00e4lfte ihres Territoriums in Wirklichkeit Russland geh\u00f6rt. Diese Aussage wurde in Gegenwart des damaligen US-Pr\u00e4sidenten und der Spitzenvertreter vieler anderen Staaten gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/angriff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1528 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/angriff.jpg\" alt=\"angriff\" width=\"300\" height=\"197\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im selben April 2008 sickerte eine Version des Planes der russischen Kriegsf\u00fchrung gegen die Ukraine in den \u00f6ffentlichen Raum durch. Sie wurde in der Zeitschrift <em>\u201eRussisches Journal\u201c<\/em> ver\u00f6ffentlicht, und diejenigen, die sich f\u00fcr Einzelheiten interessieren, k\u00f6nnen diesen Artikel unter dem Namen<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/operation-clockwork-orange-wie-der-krieg-gegen-die-ukraine-schon-2008-russland-besprochen-wurde\/\"> \u201eOperation \u201eClockwork Orange\u201c<\/a>\u00a0finden (<i>Anmerkung der InformNapalmRedaktion: unter dem Link finden Sie eine\u00a0deutsche \u00dcbersetzung dieses Artikels<\/i>). Darin wird ein detaillierter Plan eines Krieges gegen die Ukraine ausgelegt, inklusive der Gefechtsaufgaben, die durch verschiedene Streitkr\u00e4ftearten gel\u00f6st werden m\u00fcssen: Infanterie, Fallschirmspringer, Panzertruppen. Im genannten Text werden die Besetzungen der Krim, Ost- und Zentralukraine beschrieben. Im Laufe der Kampfhandlungen war auch ein Atomschlag gegen die ukrainischen Streitkr\u00e4fte s\u00fcd\u00f6stlich von Kyjiw vorgesehen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2008 tauchte in Russland eine gewaltige Menge an B\u00fcchern auf, die dem \u201ezuk\u00fcnftigen Krieg gegen die Ukraine\u201c gewidmet waren. Erstaunlich ist nicht nur ihre Anzahl, sondern auch wie detailliert dieses Thema darin ausgearbeitet wurde.<\/p>\n<p>2009 wurde in einem Jugendcamp auf dem Seliger zum ersten Mal die Flagge der sogenannten \u201eDVR\u201c gehisst, \u00fcber die Tatsache deren Existenz die Mehrheit der B\u00fcrger erst vor ein paar Monaten erfahren hat. Bemerkenswerterweise ist es das gleiche Lager von jungen Pro-Putinisten, das Herr Putin regul\u00e4r\u00a0selbst besucht, der sich an der Gehirnw\u00e4sche der russischen Jugend aktiv pers\u00f6nlich\u00a0beteiligt.<\/p>\n<p>2009 begann auch der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) eine Aktivierung der subversiven T\u00e4tigkeit der zuk\u00fcnftigen (also der heutigen) Separatisten im Osten der Ukraine zu registrieren.<\/p>\n<p>Wie wir sehen, wurde der Krieg des Herrn Putin gegen die Ukraine tats\u00e4chlich lange und sorgf\u00e4ltig vorbereitet.<\/p>\n<p>Zweitens ist der heutige Krieg gegen die Ukraine ein langer Krieg, weil er schon seit 16 Monaten gef\u00fchrt wird. Er wurde offiziell am 27. Juli 2013 erkl\u00e4rt, und zwar in einer Rede, die Herr Putin anl\u00e4sslich des 1025. Jahrestages der Taufe von Kyjiwskaja Rus in Kyjiw gehalten hat. Dieses Datum wurde zum Datum der Erkl\u00e4rung des sogenannten hybriden Krieges gegen die Ukraine, inklusive eines Informationskrieges. Zwei Tage nach dieser Rede erkl\u00e4rte der Hygiene-Chefarzt Russlands Herr Onischtschenko \u00fcber den Beginn eines Sanit\u00e4tskrieges gegen die Ukraine. Nachfolgend begann der wirtschaftliche, der finanzielle und der diplomatische Krieg.<\/p>\n<p>Am 9. November 2013 wurden die bereits gef\u00fchrten Methoden des hybriden Krieges gegen die Ukraine mit einer banalen Erpressung erg\u00e4nzt. Herr Janukowytsch, der nach Russland eingeladen und auf eine Milit\u00e4rbasis gebracht wurde, wurde einem beispiellosen Druck ausgesetzt &#8211; im Falle eines Abschlusses des Assoziierungsabkommens mit der EU versprach Putin, der Ukraine erst Sewastopol und dann die Krim abzunehmen, und sp\u00e4ter &#8211; acht Gebiete der s\u00fcd\u00f6stlichen Ukraine. Zwei Wochen sp\u00e4ter verzichtete der psychologisch gebrochene Janukowytsch auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU.<\/p>\n<p>Der konventionelle Krieg gegen die Ukraine (unter Einsatz von konventionellen Waffen) begann im Januar 2014 mit den Morden an Maidan-Aktivisten. Offiziell begann er am 20. Februar 2014, vier Tage vor der Flucht des Herrn Janukowytsch aus der Ukraine. Dieses Datum wurde durch das Verteidigungsministerium Russlands bekanntgegeben, das die Medaille \u201eF\u00fcr die R\u00fcckkehr der Krim\u201c gepr\u00e4gt und darauf die Daten der milit\u00e4rischen Operation gegen die Ukraine \u201e20. Februar -18. M\u00e4rz 2014\u201c platziert hatte. Auf diese Weise begannen die konventionellen Kriegshandlungen gegen die Ukraine zwei Tage vor der Unterzeichnung des Abkommens von Janukowytsch mit den drei Oppositionsanf\u00fchrern in Gegenwart von drei europ\u00e4ischen Ministern und vier Tage bevor Janukowytsch vom Territorium der Ukraine mit einem russischen Kriegsschiff fl\u00fcchtete. Folglich konnte die russische milit\u00e4rische Operation weder eine Reaktion auf die Maidan-Revolution noch eine auf die Flucht des ukrainischen Pr\u00e4sidenten sein. Ich wiederhole mich nochmal: die russische konventionelle milit\u00e4rische Aggression fing an, als Janukowytsch noch immer der legitime und bevollm\u00e4chtigte Pr\u00e4sident der Ukraine war. Es war weder eine Operation \u201ef\u00fcr Janukowytsch\u201c noch eine \u201egegen den Maidan\u201c, es war eine Operation gegen Janukowytsch und gegen den Maidan, es war eine Operation gegen die Ukraine.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/suki.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1525 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/suki.jpg\" alt=\"\u0441\u0443\u043a\u0438\" width=\"472\" height=\"470\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich ist es ein langer Krieg von dem Standpunkt aus, dass das Ende dieses Krieges leider nicht in Sicht ist. Die Ziele, die von Herr Putin in der Ukraine verfolgt werden, sind noch immer nicht erreicht. Nach dem zu beurteilen, was Herr Putin sagt und tut, nach der Konzentration der russischen Streitkr\u00e4fte im \u00f6stlichen Donbas, gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass dieser Krieg bald zu Ende gehe. Offensichtlich wird dieser Krieg ein langer.<\/p>\n<p>4. Man sollte besonders hervorheben, dass dieser Krieg ein putinscher Krieg nicht nur gegen die Ukraine ist. Man kann und soll auf diesen auch aus anderen Perspektiven schauen.<\/p>\n<p>Dieser Krieg ist eine direkte Fortsetzung des russisch-georgischen Krieges, \u00fcber den Petras in seiner Er\u00f6ffnungsrede sprach. Die hei\u00dfe Phase jenes Krieges begann 2008, aber sie kann noch immer nicht als abgeschlossen gelten, denn betr\u00e4chtliche Territorien Georgiens sind noch immer von ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften besetzt und sind au\u00dferhalb der Kontrolle der georgischen Regierung. Bei den Prozessen, die zur jetzigen Zeit im politischen Leben Georgiens stattfinden, ist es auch nicht schwer, Spuren der russischen Einmischung zu entdecken, selbst in den letzten Wochen.<\/p>\n<p>Und solche Spuren sind leider nicht nur in Georgien zu sehen.<\/p>\n<p>Vor \u00fcber einem Jahr wurde Armenien infolge des ungeheueren Drucks und Erpressung seitens Herrn Putin gezwungen, auf seine Absicht, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, zu verzichten.<\/p>\n<p>Zurzeit f\u00fchrt die russische Obrigkeit im Schnelltempo den Bau einer Verkehrsstra\u00dfe von Machatschkala bis nach Tbilisi durch (die sogenannte Awaro-Kachetinsk-Stra\u00dfe ): Die Arbeiten werden 24 Stunden am Tag gef\u00fchrt, ohne Pausen. Die Gesamtkosten dieses Projekts belaufen sich auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Verkehrsstra\u00dfe durchschneidet den Hochgebirgs-Kaukasus und geht auf seiner s\u00fcdlichen Seite in den Flusst\u00e4lern von Alasani und Kura raus, in einer strategisch wichtigen Gegend an der Grenze Georgiens und Aserbaidschans, in unmittelbarer N\u00e4he zu Tiflis, Armenien und Karabach. Indem auf diese Weise ein Landkorridor zwischen Russland und Armenien gebaut wird, bekommen russische motorisierte Sch\u00fctzenbrigaden und Panzertruppen die M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine schnelle Verlegung. In diesem Fall wird nicht nur Aserbaidschan, sondern die ganze kaspische und mittelasiatische Region, die reich an Energieressourcen ist, vom Ausgang auf den Weltmarkt \u00fcber Georgien und T\u00fcrkei abgeschnitten sein. Die Fertigstellung ist f\u00fcr den M\u00e4rz 2015 geplant. Ich erinnere noch einmal: die Arbeiten werden 24 Stunden am Tag gef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/kura.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1526 size-large\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/kura-1024x597.jpg\" alt=\"kura\" width=\"1024\" height=\"597\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier wurde schon \u00fcber Probleme in Moldau gesprochen, inklusive seiner Region Transnistrien.<\/p>\n<p>Auch wurden potentielle Komplikationen mit Kasachstan erw\u00e4hnt. <a href=\"http:\/\/www.kremlin.ru\/news\/46507\">Am 29. August erkl\u00e4rte Herr Putin<\/a>, dass Kasachstan historisch gesehen nie eine Staatlichkeit besa\u00df, die n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich dank der Anstrengungen solch&#8216; eines einmaligen Menschen wie Pr\u00e4sident Nasarbajew erschaffen wurde. Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl und bedeutet, dass Kasachstan seine jetzige Staatlichkeit auch verlieren kann, wenn es an der Spitze keinen Nasarbajew mehr gibt.<\/p>\n<p>Noch ein Gebiet der aggressiven Ambitionen sind die baltischen Staaten, wor\u00fcber heute auch schon gesprochen wurde. In den letzten Wochen wurden mehrere Versuche <a href=\"http:\/\/www.eurointegration.com.ua\/rus\/news\/2014\/11\/11\/7027643\/\">der Durchf\u00fchrung von St\u00f6rman\u00f6vern in Lettgalen <\/a>(Ostlettland) registriert. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung von diesen Gegenden sind ethnische Russen sowie Russischsprachige. Die genannten Provokationen und subversive T\u00e4tigkeiten laufen nach demselben Szenario ab, nach dem sie gerade auf der Krim und im Osten der Ukraine abgelaufen sind. Wenn wir vor ein paar Monaten \u00fcber die M\u00f6glichkeit einer russischen Aggression in Lettgalen und nordwestlichem Estland vom rein hypothetischen Standpunkt aus sprachen, so haben diese Provokationen diese nun zur Realit\u00e4t gemacht. Das ist etwas, was direkt vor unseren Augen geschieht. Wenn auf den Territorien des \u00f6stlichen Estlands und Lettlands pl\u00f6tzlich irgendwelche Quasi-Formationen wie \u201eVolksrepublik Narwa\u201c und \u201eVolksrepublik Lettgalen\u201c ausgerufen werden, so k\u00f6nnte die Frage, die Europa Ende der 30er des letzten Jahrhunderts qu\u00e4lte: \u201eSind Europ\u00e4er bereit, f\u00fcr Danzig zu sterben?\u201c, in neuen Formulierungen wiederbelebt werden: \u201eSind Europ\u00e4er bereit, f\u00fcr Narwa, Lettgalen, Daugavpils zu sterben?\u201c<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich ist es ein Krieg gegen Russland, gegen die russischen B\u00fcrger. Das ist ein russischer B\u00fcrgerkrieg. Das ist ein durch das Kremlregime organisierter Krieg des russischen Lumpenproletariats und\u00a0Kriminellen\u00a0gegen den zivilisierten Teil der russischen Gesellschaft. Die \u201ehei\u00dfe\u201c Phase dieses Krieges findet gerade im ukrainischen Donbas statt, seine \u201ewarme\u201c Phase begann bereits auf dem Territorium Russlands.<\/p>\n<p>5. Die Herausforderung, um die es sich handelt, ist eine Herausforderung nicht nur f\u00fcr die Staaten, die auf dem postsowjetischen Raum entstanden sind. Das ist eine sehr ernsthafte Herausforderung f\u00fcr die EU und die NATO. Und diese Organisationen, wie Andrej Piontkowski zu Recht anmerkte, haben auf diese Herausforderungen keine fertigen Antworten.<\/p>\n<p>Somit haben wir hier mit Revanchismus, Revisionismus und Aggression nicht nur auf dem Territorium des postsowjetischen Raumes zu tun, wie zum Beispiel im Fall der Ukraine und Russland, was viele von uns noch vor ein paar Monaten h\u00e4tten denken k\u00f6nnen. Wir haben es mit einer Gefahr zu tun, vor welcher das gesamte Europa steht. Das ist eine Gefahr, vor welcher die Europ\u00e4ische Union und die NATO stehen. Offensichtlich ist eine der Ideen des Aggressors folgende: Indem man die Territorien Estlands und Lettlands als einen Destabilisierungshebel benutzt, erpresst man die europ\u00e4ischen wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen Einrichtungen und versucht auch deren Ohnmacht zu demonstrieren, parallel noch das ganze Sicherheitssystem zerst\u00f6rend, das in Europa im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte aufgebaut wurde, insbesondere angefangen mit der Berliner Krise von 1961 und der Karibik-Krise von 1962.<\/p>\n<p>6. Aber das ist noch nicht alles. Ungef\u00e4hr vor einem Monat trat Herr Putin bei der Versammlung des sogenannten Waldajski-Club mit einer Rede auf. Ich w\u00fcrde seinen Auftritt als eine Sotschi-Rede bezeichnen, deren Bedeutung schwer zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist und mit der sich jeder europ\u00e4ische Politiker, politischer Anf\u00fchrer und Experte vertraut machen sollte. Diese Rede sollte man aufmerksam lesen, und sie im modernen sowie im historischen Kontext begreifen.<\/p>\n<p>Manche Experten, verbissen am vom Kreml ausgeworfenen propagandistischen Hacken, haben sich beeilt, diese Rede als ein Analogon zur Fulton-Rede zu bezeichnen. Dieser Vergleich ist von Grund auf falsch. Diese Rede hat nichts mit der Fulton-Rede von Winston Churchill gemeinsam. Weder vom ihren Inhalt her, noch vom Ort ihrer \u00c4u\u00dferung, noch vom Charakter ihres Autors. <a href=\"http:\/\/aillarionov.livejournal.com\/751369.html\">Ich musste einen Vergleich dieser Rede mit ihrem historischen Analog durchf\u00fchren.<\/a> Das ist keine Fulton-Rede. Das ist die Ansprache aus Berchtesgaden.<\/p>\n<p>Im August 1939 schrieb Adolf Hitler, der sich in Berchtesgaden befand, seinem Lieblingsruheort im S\u00fcddeutschland, zwei Briefe an den Premierminister von Gro\u00dfbritannien Neville Chamberlain. Diese Briefe sind mit dem 23. und dem 25. August datiert. Darin ging der deutsche F\u00fchrer bedeutend weiter, als nur einen Anschluss von \u00d6sterreich oder Sudeten zu fordern. Er bot Chamberlain einen Plan zur Neuverteilung der Welt zwischen dem Deutschen Reich und dem Britischen Imperium an.<\/p>\n<p>Beim Vergleich der Sotschi-Rede von Herr Putin mit den zwei Berchtesgadener Briefen von Hitler lie\u00dfen sich 25 faktisch identische Text\u00fcbereinstimmungen finden: fast Wort f\u00fcr Wort, Satz f\u00fcr Satz, Idee f\u00fcr Idee.<\/p>\n<p>Vor ein paar Monaten lenkte Putin die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf seine Pl\u00e4ne der Erschaffung einer gewissen \u201eRussischen Welt\u201c, die eine Wiedervereinigung der Landsleute und ihrer Nachfahren unter einem staatlichen Dach voraussetzte. Aber schon jetzt sehen diese Pl\u00e4ne etwas veraltet aus.<\/p>\n<p>Jetzt wurden die Eins\u00e4tze schlagartig erh\u00f6ht. Nun bietet Putin an, die ganze Weltordnung zu \u00e4ndern, das ganze Weltsystem, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet hat, das im UN-Statut und in zahlreichen Dokumenten festgelegt wurde, das sich auf die Prinzipien von Nichtanwendung von Gewalt st\u00fctzt, auf die Unverletzbarkeit der Grenzen, auf die Souver\u00e4nit\u00e4t der Staaten, auf das souver\u00e4ne Recht der Nationen auf einen Beitritt zu internationalen B\u00fcndnissen nach ihrem eigenen Willen.<\/p>\n<p>Somit haben wir es nicht mehr mit einem regionalen Problem zu tun, unabh\u00e4ngig davon wie wichtig das Problem des putinschen Krieges gegen die Ukraine auch ist. Mehr noch, wir haben es heute nicht nur mit dem potentiellen Krieg Putins gegen die unmittelbaren russischen Nachbarn auf dem postsowjetischen Raum zu tun. Und &#8211; wie ungeheuerlich es auch klingen mag &#8211; es geht hier nicht mal um die Entstehung einer Bedrohung der Kriegsentfesselung in Europa gegen die Mitglieder der EU oder NATO. Heute treffen wir nicht einfach nur auf Revanchismus. Das ist eine Politik der Revision des ganzen Systems der internationalen Beziehungen und der Weltsicherheit.<\/p>\n<p>Das ist ein Versuch, die Weltordnung zu \u00e4ndern, die sich im Laufe der letzten sieben Jahrzehnte herausgebildet hat. Die Kremlpropagandisten formulieren das Wesen der T\u00e4tigkeit der russischen Obrigkeit absolut deutlich: das ist der Vierte Weltkrieg. In ihren Kalkulationen wird der Kalte als der Dritte Weltkrieg bezeichnet, und jetzige Kriegshandlungen nennen sie Vierter Weltkrieg, der mit dem Ziel, die existierenden Regeln der Weltbeziehungen zu \u00e4ndern, gef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>7. Nun kommen wir zum Diskurs \u00fcber eine \u00e4u\u00dferst wichtige Frage: Wie realistisch ist das Ziel, das von Putin angegeben wurde? Ist es m\u00f6glich, die weltlichen Spielregeln unter der Bedingung zu \u00e4ndern, dass die Ressourcen, die zur Verf\u00fcgung des Herrn Putin stehen, unvergleichbar kleiner als insbesondere die NATO-Ressourcen und die des Westens im Ganzen sind?<\/p>\n<p>Auf welche Weise kann man eine Regelver\u00e4nderung zu seinen Gunsten unter solchen Umst\u00e4nden erreichen? Die Mehrheit der Analytiker findet diese Absichten unrealistisch, unbegr\u00fcndet, sogar l\u00e4cherlich. Der Vergleich von demografischen, wirtschaftlichen, milit\u00e4rischen und sonstigen Ressourcen, die zur Verf\u00fcgung von beiden Lagern stehen, demonstriert eine gewaltige \u00dcberlegenheit des Westens. Es scheint, als ob es keinen Sinn zu denken h\u00e4tte, dass bei so einem R\u00fcckstand irgendjemand auf einen Erfolg bei einer ernsthaften Konfrontation\u00a0hoffen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Um diese Fragen zu beantworten, sollte man sich der milit\u00e4rischen Theorie und Praxis zuwenden. Der heute gef\u00fchrte Krieg nennt sich anders: \u201ehybrid war\u201c, \u201eunkonventioneller Krieg\u201c, \u201enichtlinearer Krieg\u201c.<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Charakteristika, die zurzeit benutzt wird, ist der sogenannte \u201easymmetrische Krieg\u201c. Im gew\u00f6hnlichen milit\u00e4rischen Konflikt haben zwei Seiten vergleichbare Ressourcenvolumen und \u201eWillenskr\u00e4fte\u201c zur Verf\u00fcgung. Aber man kann sich auch eine Situation vorstellen, bei der eine Seite viel mehr Ressourcen hat, aber einen schw\u00e4cheren Willen als ihr Gegner besitzt. Und ihr Opponent hat weniger Ressourcen, aber eine st\u00e4rkere Willenskraft. In diesem Fall bleibt der Konfrontationsausgang unklar. Die Geschichte h\u00e4lt nicht wenige Beispiele f\u00fcr uns parat, bei denen die eine Konfliktseite, die aggressiver, folgerichtiger, entschlossener war, Erfolg und sogar einen Sieg erreichen konnte. Diejenigen, die behaupten, dass so eine Konfrontation unm\u00f6glich sei, weil die Ressourcen unvergleichbar seien, m\u00fcssen an den Faktor der Willenskraft denken.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind im Laufe dieser Konfrontation zumindest zwei Elemente wichtig, die man ununterbrochen im Auge behalten sollte. Eins von diesen Elementen wurde hier schon erw\u00e4hnt. Das ist der Informationskrieg. Genauer gesagt: der Desinformationskrieg.<\/p>\n<p>Dieser Krieg wird auf dem Territorium Russlands gef\u00fchrt, und auch au\u00dferhalb seines Territoriums; nicht nur auf dem Territorium des postsowjetischen Raumes, sondern auf der ganzen Welt. Die Verbreitung der Informationen und Desinformationen hat keine Grenzen. Der Desinformationskrieg wird nicht nur auf Russisch, sondern auch auf Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch, Spanisch und in anderen Sprachen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In vielen sozialen Netzwerken in verschiedenen L\u00e4ndern operieren Soldaten und Offiziere der Desinformationsstreitkr\u00e4fte, die im Dienst des Kreml stehen und in Sprachen verschiedener V\u00f6lker koordiniert operieren. Diese Desinformationsstreitkr\u00e4fte versuchen eine andere Geschichte, ein anderes Weltbild, eine andere Vorstellung \u00fcber die Weltordnung und die Welt an sich zu erschaffen. Leider muss man zugeben, dass sie darin einen gewissen Erfolg nicht nur in Russland, sondern auch in anderen L\u00e4ndern erreicht haben. Das muss man im Auge behalten. Eine Gesellschaft, die sich gegen diese Desinformation nicht durchsetzen kann, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Opfer der Aggression. Zuerst der informativen Aggression, und dann &#8211; einer anderen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Element der neuen Konfrontation wurde schon von Andrej Piontkowski erw\u00e4hnt. Das ist die nukleare Erpressung, die eine der gef\u00e4hrlichsten Komponenten des neuen Krieges ist. Jeder verantwortungsbewusste Politiker, alle ernstzunehmenden politischen Kr\u00e4fte Europas, Nordamerikas, der restlichen Welt sind bereit, faktisch alles von ihnen Abh\u00e4ngige zu tun, um einen nuklearen Konflikt zu vermeiden. Und das verstehen ausgezeichnet und nutzen darum auch die Kremlrevanchisten und Revisionisten zynisch aus.<\/p>\n<p>Eben darum wird die Abmachung, die dem Westen in der Sotschi-Rede sowie in anderen Auftritten angeboten wird, absolut deutlich formuliert: Entweder Ihr akzeptiert die neuen Regeln der Weltordnung oder Ihr werdet es mit einer \u201eAtomwaffengro\u00dfmacht\u201c zu tun haben. Auf diese Art der Herausforderung hat die zivilisierte Welt noch keine fertige Antwort.<\/p>\n<p>8. Was kann man denn tun?<\/p>\n<p>Ich habe nicht mehr so viel Zeit, darum formuliere ich meine Gedanken bez\u00fcglich dessen \u00e4u\u00dferst kurz.<\/p>\n<p>Es gibt drei m\u00f6gliche Antworten auf die gemachten Angebote. Die erste ist: sich zu ergeben. Also, das Angebot von Herr Putin anzunehmen. Nehmen wir an, dass neue Regeln des Lebens der Welt\u00f6ffentlichkeit nun aufgestellt werden, eine neue Weltordnung erschaffen wird, und dabei wird diese neue Weltordnung auf dem Recht des St\u00e4rkeren basieren, dem Schw\u00e4cheren seinen Willen zu diktieren.<\/p>\n<p>Existierende Fragen werden ausgehend von der Position der St\u00e4rke aus gel\u00f6st. So eine Herangehensweise werden insbesondere die schw\u00e4chsten und kleinsten Staaten zu sp\u00fcren bekommen.<\/p>\n<p>Zweite Antwort: zu versuchen, einen Kompromiss zu finden. Dieses Szenario bieten einige russische Politiker an: \u201eJa, wir (Russland) waren wom\u00f6glich im Unrecht, als wir die Krim annektiert und eine Intervention in die Ostukraine durchgef\u00fchrt haben. Aber hier kann man nichts mehr \u00e4ndern, darum muss man die Situation so akzeptieren, wie sie ist, und die neuen Grenzen und den neuen Status Quo festlegen.\u201c Diese Neue Ordnung nennen wir mal ein Kompromiss.<\/p>\n<p>Und die dritte Antwort: dem Aggressor einen Widerstand zu leisten. Ich sehe keinen Sinn, die ersten zwei Szenarien zu besprechen, die sich im Grunde kaum von einander unterscheiden, denn das zweite Szenario f\u00fchrt am Ende zum selben Resultat wie das Erste: zur Kapitulation der zivilisierten Welt vor dem Aggressor. Die dritte Antwort &#8211; die Widerstandsvariante &#8211; verdient dagegen eine ernsthafte Diskussion.<\/p>\n<p>9. Ich benenne die wichtigsten Elemente der dritten Antwort &#8211; des Widerstandes. Sie beinhalten Massnahmen auf mindestens sieben Ebenen der T\u00e4tigkeit auf f\u00fcnf Kriegsschaupl\u00e4tzen.<\/p>\n<h2><strong>Sieben Ebenen der T\u00e4tigkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Zuallererst muss man die Natur des entstandenen Problems verstehen, sich vom rein analytischen\/wissenschaftlichen Standpunkt aus damit vertraut machen. Zweitens braucht man eine Informierung und Ausbildung sowohl der politischen Anf\u00fchrer als auch der breiten Gesellschaftsschichten, basierend auf den gewonnenen Forschungsergebnissen.<\/p>\n<p>Drittens ist die F\u00fchrung eines Anti-Desinformationskrieges notwendig, denn in der Atmosph\u00e4re der totalen Desinformation ist ein Sieg unm\u00f6glich. Das ukrainische Beispiel zeigt uns, dass dort sogar spezielle Organisationen erschaffen werden m\u00fcssten, die sich ausschlie\u00dflich mit Aufdeckung der Desinformationen besch\u00e4ftigen sollten, die gegen die Ukraine gerichtet sind; damit, wie solche Desinformationen erschaffen, fabriziert und verbreitet werden. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die nichts f\u00fcr Dilettanten ist, sie erfordert Fertigkeiten, Ressourcen und Konsequentheit.<\/p>\n<p>Der vierte Punkt bezieht sich auf die Ebene des internationalen Rechts. Die existierenden Definitionen der Aggression, die Formulierungen der Prinzipien des Nichtangriffes und anderer Prinzipien entsprechen den neuen Realien nicht mehr. Unter den Bedingungen des hybriden Krieges nimmt die Aggression Formen an, die nicht mehr unter die standardisierten Definitionen fallen. Die Informationsaggression f\u00e4llt nicht unter den Begriff, der von der UN-Generalversammlung festgelegt wurde. Die neuen Arten der Aggression fordern eine ad\u00e4quate Abbildung im System des internationalen Rechts.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte Ebene des Widerstandes ist die Wirtschaft.<\/p>\n<p>Die sechste Form des Widerstandes ist die Energiewirtschaft. Ich m\u00f6chte hier den soliden Schritt, den Litauen vor kurzem gemacht hat, erw\u00e4hnen. Dort ist ein neues Gasterminal gebaut worden, und ab Dezember wird Litauen wom\u00f6glich zum ersten europ\u00e4ischen Staat, der vollst\u00e4ndig von der Abh\u00e4ngigkeit von russischen Gaslieferungen befreit ist. Das ist ein ernsthafter Schritt in richtige Richtung.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich sollte man der Notwendigkeit einer ad\u00e4quaten Antwort in rein milit\u00e4rischem Bereich gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit schenken. Bei aller Aufmerksamkeit zu den unkonventionellen Elementen der hybriden Kriege sind die vorsto\u00dfenden Panzer unter Bedingungen eines konventionellen Konflikts schwer mit Hilfe von Decken aus humanit\u00e4rer Hilfe und sch\u00f6n formulierten Resolutionen aufzuhalten.<\/p>\n<h2><strong>F\u00fcnf Schaupl\u00e4tze der Kriegshandlungen<\/strong><\/h2>\n<p>Erstens ist es das sogenannte \u201ealte Europa\u201c (haupts\u00e4chlich die EU-Mitglieder).<\/p>\n<p>Zweitens ist es das \u201eneue Europa\u201c, in erster Linie die \u201efrontnahen Staaten\u201c, die an den Aggressor grenzen (die baltischen Staaten und Polen).<\/p>\n<p>Drittens ist es die Ukraine, die gerade die zentrale Position an der Frontlinie einnimmt. Die Ukraine braucht eine Unterst\u00fctzung aller m\u00f6glichen Art: politischer, wirtschaftlicher, technischer, Spezialisten, Bildung usw.<\/p>\n<p>Viertens, andere L\u00e4nder des postsowjetischen Raumes, die entweder schon ein Aggressionsopfer sind, oder es potentiell werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich Russland, russische B\u00fcrger, russische Gesellschaft, russisches Volk.<\/p>\n<p>10. Das ist mein letzter Punkt.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen verstehen, worin das strategische Ziel des zurzeit gef\u00fchrten Krieges besteht. Wir haben den Weg des Krieges nicht gew\u00e4hlt, wir wollten keinen Krieg, der Krieg wurde uns aufgezwungen.<\/p>\n<p><strong>Wir m\u00fcssen in diesem Krieg siegen.<\/strong> Wir alle &#8211; freie russische B\u00fcrger, B\u00fcrger der an Russland angrenzenden Staaten, B\u00fcrger Europas und der ganzen zivilisierten Welt.<\/p>\n<p>Strategisch kann dieser Krieg nur gewonnen werden, wenn Russland ein freier demokratischer Staat wird. Solange Russland eine autorit\u00e4re Diktatur ist, bleibt es eine Bedrohungsquelle f\u00fcr seine B\u00fcrger, f\u00fcr seine Nachbarn, f\u00fcr seine Umgebung. Einer der angesagtesten Leits\u00e4tze\u00a0Europas ist der Leitsatz: \u201eEuropa muss frei, demokratisch, einig und friedlich sein.\u201c Dieses edle Ziel kann nur in dem Fall erreicht werden, wenn Russland frei und demokratisch wird, wenn es im Frieden mit all seinen Nachbarn im Rahmen der Grenzen leben wird, die von der Welt\u00f6ffentlichkeit anerkannt wurden.<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Quelle: Auftritt von <strong><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Andrey_Illarionov\">Andrej Illarionow<\/a><\/strong> im EU-Parlament am 19. November 2014, <a href=\"http:\/\/aillarionov.livejournal.com\/762248.html\">Abschrift seiner Rede in seinem Blog<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrej Illarionows Auftritt im EU-Parlament in Br\u00fcssel am 19. 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November 2014<\/strong>\r\n\r\nSehr geehrte Damen und Herren, guten Tag!\r\n\r\nAls Erstes m\u00f6chte ich meine Dankbarkeit an die Organisatoren dieser Sitzung ausdr\u00fccken. Die Sitzung erscheint mir \u00fcberaus rechtzeitig und notwendig. Ich bedanke mich auch f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, an dieser Diskussion teilnehmen zu d\u00fcrfen. Ich m\u00f6chte Ihnen zehn Punkte erl\u00e4utern, die nach meinen M\u00f6glichkeiten kurz formuliert wurden, faktisch im Telegrafenstil. Es sind \u00dcberlegungen bez\u00fcglich der Herangehensweise an das Problem, das als Thema der heutigen Sitzung angemeldet wurde. Also, fangen wir an.\r\n\r\n1. Das Sitzungsthema ist \u201eWie geht man mit Russland um?\u201c Ich m\u00f6chte mich getrauen, den Zielkurs des Problems ein wenig zu \u00e4ndern und ihn umzuformulieren. Die Frage besteht meiner Meinung nach nicht darin, wie man mit Russland umgeht. Die Frage ist, wie man mit Putins Russland umgeht, mit Putins Regime, oder noch k\u00fcrzer - mit \u201ePutinismus\u201c. Das ist eine sehr wichtige Pr\u00e4zisierung, obwohl es nat\u00fcrlich einfacher und k\u00fcrzer ist, einfach nur \u201eRussland\u201c zu sagen, als jedesmal erneut zu pr\u00e4zisieren: \u201ePutins Russland\u201c, \u201ePutins Regime\u201c oder \u201ePutinismus\u201c. Nichtsdestotrotz erscheint es mir prinzipiell sehr wichtig, dass man eine Vermischung dieser Begriffe nicht zul\u00e4sst. Man darf das Regime Putins mit Russlands Einwohnern und B\u00fcrgern nicht vermischen.\r\n\r\nJa, wir wissen, dass sehr viele Russen Opfer einer \u00fcberaus effektiven Gehirnw\u00e4sche geworden sind. Gut m\u00f6glich, dass die sakramentale Zahl der \u201e84%-Unterst\u00fctzung\u201c eine \u00dcbertreibung ist, aber die Tatsache bleibt bestehen.\r\n\r\nEine bedeutende Anzahl der Russen haben der putinschen Propaganda nachgegeben, und sind nun, wie man so sagt, effektive Zombies (<em>im Sinne einer Gehirnw\u00e4sche, Anm. d. Red.<\/em>). Wie schnell das erreicht wurde und die Tatsache, dass vor unseren Augen die Weltsicht von Millionen und Dutzenden Millionen Menschen radikal ver\u00e4ndert wurde, kann einen schockieren.\r\n\r\nDennoch passierte etwas \u00e4hnliches zum Beispiel in Deutschland in den 30-40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Zentrum Europas wurde eine ganze zivilisierte Nation einer ideologischen Bearbeitung und Zombierung ausgesetzt. Und nicht nur sie allein. Diese Nationen, die von einer Hasspropaganda zombiert wurden, starteten eine aggressive Politik gegen ihre Nachbarn. Etwas \u00e4hnliches passiert leider gerade auch in Russland.\r\n\r\nWir m\u00fcssen daran denken, dass das regierende russische Regime einen psychologischen Krieg sowohl gegen sein eigenes Volk, als auch gegen die V\u00f6lker anderer L\u00e4nder, Nachbarl\u00e4nder, L\u00e4nder des Zentral- und Westeuropas, vieler L\u00e4nder dieser Welt f\u00fchrt. Wir m\u00fcssen das Regime und das Volk trennen. Das Volk kann von seiner tempor\u00e4ren Geistesvernebelung geheilt werden, kann aus seinem zombierten Zustand herauskommen. Und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter passiert das auch. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist so eine Heilung mit dem deutschen Volk, mit den anderen V\u00f6lkern auch geschehen.\r\n\r\n2. Mein zweiter Punkt ist dem wichtigsten Ereignis der letzten Monate gewidmet, das fehlerhaft, aber zum Gl\u00fcck immer seltener als die \u201eukrainische Krise\u201c oder \u201eKrise in der Ukraine\" bezeichnet wird. Selbstverst\u00e4ndlich ist es keine ukrainische Krise und auch keine Krise in der Ukraine. Dieses Geschehen hat zumindest zwei deutliche Charakteristiken.\r\n\r\nErstens, wenn es eine Krise ist, dann ist es eine russische Krise. Das ist eine Krise in der Beziehung zwischen Russland und der Ukraine. Das ist eine Krise in der Beziehung zwischen Russland und seinen angrenzenden L\u00e4ndern. Und schlie\u00dflich ist es eine Krise in der Beziehung Russlands zum Gro\u00dfteil seiner Umgebung.\r\n\r\nUnd zweitens ist das, was passiert, zum jetzigen Zeitpunkt l\u00e4ngst keine Krise mehr. Das ist ein KRIEG. Ein Krieg im \u00e4u\u00dferst direkten und unmittelbaren Sinne dieses Wortes.\r\n\r\nUnd diese traurige Feststellung f\u00fchrt mich zum n\u00e4chsten Punkt meiner Kommentare.\r\n\r\n3. Wir m\u00fcssen verstehen, in was f\u00fcr einen Krieg denn genau wir hineingezogen wurden. Gegen unseren Willen hineingezogen wurden. Russlands B\u00fcrger in ihrer Mehrheit wollten keinen Krieg gegen die Ukraine, das ukrainische Volk wollte auch keinen Krieg gegen Russland, die B\u00fcrger der europ\u00e4ischen L\u00e4nder und USA wollten diesen Krieg auch nicht. Dieser Krieg wurde uns allen durch das jetzige russische Regime aufgezwungen, unter anderem auch dem russischen Volk. Und wir alle sind nun in diesen involviert.\r\n\r\nWas ist das f\u00fcr ein Krieg?\r\n\r\nIn erster Linie ist es nat\u00fcrlich ein russisch-ukrainischer Krieg. Genauer: Ein putinscher Krieg gegen die Ukraine. Wie Andrej Piontkowski gerade anmerkte, unterst\u00fctzt die Mehrheit der Russen diesen Krieg nicht. Russlands B\u00fcrger k\u00f6nnen verschiedene politische Ansichten haben, aber ich wiederhole mich: einen Krieg gegen die Ukraine akzeptiert die Mehrheit von ihnen nicht. Somit ist es in vielem ein pers\u00f6nlicher Krieg des Herren Putin gegen die Ukraine.\r\n\r\nMan kann vieles \u00fcber diesen Krieg sagen. Das Erste und Offensichtlichste ist, dass es ein langer Krieg ist.\r\n\r\nIn der Beurteilung dieses Krieges als eines langwierigen Krieges gibt es drei Hauptkomponenten.\r\n\r\nErstens ist es ein langwieriger Krieg, weil dieser Krieg mindestens 10 Jahre lang vorbereitet wurde, seine Vorbereitung hat nicht sp\u00e4ter als im Jahr 2003 angefangen. Manche Facetten des zuk\u00fcnftigen Krieges gegen die Ukraine wurden innerhalb der russischen F\u00fchrung schon im Sommer 2003 ausdiskutiert. Zu jener Zeit war es unm\u00f6glich, sich vorzustellen, dass die wahnsinnigen Ideen, die damals ausdiskutiert wurden, mit der Zeit zu einem realen Krieg f\u00fchren w\u00fcrden. Aber Tatsache bleibt bestehen: der Prolog f\u00fcr diesen Krieg liegt zumindest im Sommer 2003.\r\n\r\nIm n\u00e4chsten Jahr, in 2004, w\u00e4hrend der ukrainischen\u00a0<em>Orange Revolution<\/em> war die M\u00f6glichkeit in Betracht gezogen worden, die zehn Jahre sp\u00e4ter tats\u00e4chlich realisiert wurde: die Okkupation und Annexion der Krim. Damals, in 2004, wurde der Versuch wegen unzureichender Vorbereitung zu dieser Operation auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verlegt.\r\n\r\nAnfang April 2008 erkl\u00e4rte Putin beim NATO-Gipfel in Bukarest, dass die Ukraine ein k\u00fcnstlicher Staat ist und die H\u00e4lfte ihres Territoriums in Wirklichkeit Russland geh\u00f6rt. Diese Aussage wurde in Gegenwart des damaligen US-Pr\u00e4sidenten und der Spitzenvertreter vieler anderen Staaten gemacht.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/angriff.jpg\"><img class=\"alignright wp-image-1528 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/angriff.jpg\" alt=\"angriff\" width=\"300\" height=\"197\" \/><\/a>\r\n\r\nIm selben April 2008 sickerte eine Version des Planes der russischen Kriegsf\u00fchrung gegen die Ukraine in den \u00f6ffentlichen Raum durch. Sie wurde in der Zeitschrift <em>\u201eRussisches Journal\u201c<\/em> ver\u00f6ffentlicht, und diejenigen, die sich f\u00fcr Einzelheiten interessieren, k\u00f6nnen diesen Artikel unter dem Namen<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/operation-clockwork-orange-wie-der-krieg-gegen-die-ukraine-schon-2008-russland-besprochen-wurde\/\"> \u201eOperation \u201eClockwork Orange\u201c<\/a>\u00a0finden (<i>Anmerkung der InformNapalmRedaktion: unter dem Link finden Sie eine\u00a0deutsche \u00dcbersetzung dieses Artikels<\/i>). Darin wird ein detaillierter Plan eines Krieges gegen die Ukraine ausgelegt, inklusive der Gefechtsaufgaben, die durch verschiedene Streitkr\u00e4ftearten gel\u00f6st werden m\u00fcssen: Infanterie, Fallschirmspringer, Panzertruppen. Im genannten Text werden die Besetzungen der Krim, Ost- und Zentralukraine beschrieben. Im Laufe der Kampfhandlungen war auch ein Atomschlag gegen die ukrainischen Streitkr\u00e4fte s\u00fcd\u00f6stlich von Kyjiw vorgesehen.\r\n\r\nIm Jahr 2008 tauchte in Russland eine gewaltige Menge an B\u00fcchern auf, die dem \u201ezuk\u00fcnftigen Krieg gegen die Ukraine\u201c gewidmet waren. Erstaunlich ist nicht nur ihre Anzahl, sondern auch wie detailliert dieses Thema darin ausgearbeitet wurde.\r\n\r\n2009 wurde in einem Jugendcamp auf dem Seliger zum ersten Mal die Flagge der sogenannten \u201eDVR\u201c gehisst, \u00fcber die Tatsache deren Existenz die Mehrheit der B\u00fcrger erst vor ein paar Monaten erfahren hat. Bemerkenswerterweise ist es das gleiche Lager von jungen Pro-Putinisten, das Herr Putin regul\u00e4r\u00a0selbst besucht, der sich an der Gehirnw\u00e4sche der russischen Jugend aktiv pers\u00f6nlich\u00a0beteiligt.\r\n\r\n2009 begann auch der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) eine Aktivierung der subversiven T\u00e4tigkeit der zuk\u00fcnftigen (also der heutigen) Separatisten im Osten der Ukraine zu registrieren.\r\n\r\nWie wir sehen, wurde der Krieg des Herrn Putin gegen die Ukraine tats\u00e4chlich lange und sorgf\u00e4ltig vorbereitet.\r\n\r\nZweitens ist der heutige Krieg gegen die Ukraine ein langer Krieg, weil er schon seit 16 Monaten gef\u00fchrt wird. Er wurde offiziell am 27. Juli 2013 erkl\u00e4rt, und zwar in einer Rede, die Herr Putin anl\u00e4sslich des 1025. Jahrestages der Taufe von Kyjiwskaja Rus in Kyjiw gehalten hat. Dieses Datum wurde zum Datum der Erkl\u00e4rung des sogenannten hybriden Krieges gegen die Ukraine, inklusive eines Informationskrieges. Zwei Tage nach dieser Rede erkl\u00e4rte der Hygiene-Chefarzt Russlands Herr Onischtschenko \u00fcber den Beginn eines Sanit\u00e4tskrieges gegen die Ukraine. Nachfolgend begann der wirtschaftliche, der finanzielle und der diplomatische Krieg.\r\n\r\nAm 9. November 2013 wurden die bereits gef\u00fchrten Methoden des hybriden Krieges gegen die Ukraine mit einer banalen Erpressung erg\u00e4nzt. Herr Janukowytsch, der nach Russland eingeladen und auf eine Milit\u00e4rbasis gebracht wurde, wurde einem beispiellosen Druck ausgesetzt - im Falle eines Abschlusses des Assoziierungsabkommens mit der EU versprach Putin, der Ukraine erst Sewastopol und dann die Krim abzunehmen, und sp\u00e4ter - acht Gebiete der s\u00fcd\u00f6stlichen Ukraine. Zwei Wochen sp\u00e4ter verzichtete der psychologisch gebrochene Janukowytsch auf die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU.\r\n\r\nDer konventionelle Krieg gegen die Ukraine (unter Einsatz von konventionellen Waffen) begann im Januar 2014 mit den Morden an Maidan-Aktivisten. Offiziell begann er am 20. Februar 2014, vier Tage vor der Flucht des Herrn Janukowytsch aus der Ukraine. Dieses Datum wurde durch das Verteidigungsministerium Russlands bekanntgegeben, das die Medaille \u201eF\u00fcr die R\u00fcckkehr der Krim\u201c gepr\u00e4gt und darauf die Daten der milit\u00e4rischen Operation gegen die Ukraine \u201e20. Februar -18. M\u00e4rz 2014\u201c platziert hatte. Auf diese Weise begannen die konventionellen Kriegshandlungen gegen die Ukraine zwei Tage vor der Unterzeichnung des Abkommens von Janukowytsch mit den drei Oppositionsanf\u00fchrern in Gegenwart von drei europ\u00e4ischen Ministern und vier Tage bevor Janukowytsch vom Territorium der Ukraine mit einem russischen Kriegsschiff fl\u00fcchtete. Folglich konnte die russische milit\u00e4rische Operation weder eine Reaktion auf die Maidan-Revolution noch eine auf die Flucht des ukrainischen Pr\u00e4sidenten sein. Ich wiederhole mich nochmal: die russische konventionelle milit\u00e4rische Aggression fing an, als Janukowytsch noch immer der legitime und bevollm\u00e4chtigte Pr\u00e4sident der Ukraine war. Es war weder eine Operation \u201ef\u00fcr Janukowytsch\u201c noch eine \u201egegen den Maidan\u201c, es war eine Operation gegen Janukowytsch und gegen den Maidan, es war eine Operation gegen die Ukraine.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/suki.jpg\"><img class=\"aligncenter wp-image-1525 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/suki.jpg\" alt=\"\u0441\u0443\u043a\u0438\" width=\"472\" height=\"470\" \/><\/a>\r\n\r\nUnd schlie\u00dflich ist es ein langer Krieg von dem Standpunkt aus, dass das Ende dieses Krieges leider nicht in Sicht ist. Die Ziele, die von Herr Putin in der Ukraine verfolgt werden, sind noch immer nicht erreicht. Nach dem zu beurteilen, was Herr Putin sagt und tut, nach der Konzentration der russischen Streitkr\u00e4fte im \u00f6stlichen Donbas, gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass dieser Krieg bald zu Ende gehe. Offensichtlich wird dieser Krieg ein langer.\r\n\r\n4. Man sollte besonders hervorheben, dass dieser Krieg ein putinscher Krieg nicht nur gegen die Ukraine ist. Man kann und soll auf diesen auch aus anderen Perspektiven schauen.\r\n\r\nDieser Krieg ist eine direkte Fortsetzung des russisch-georgischen Krieges, \u00fcber den Petras in seiner Er\u00f6ffnungsrede sprach. Die hei\u00dfe Phase jenes Krieges begann 2008, aber sie kann noch immer nicht als abgeschlossen gelten, denn betr\u00e4chtliche Territorien Georgiens sind noch immer von ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften besetzt und sind au\u00dferhalb der Kontrolle der georgischen Regierung. Bei den Prozessen, die zur jetzigen Zeit im politischen Leben Georgiens stattfinden, ist es auch nicht schwer, Spuren der russischen Einmischung zu entdecken, selbst in den letzten Wochen.\r\n\r\nUnd solche Spuren sind leider nicht nur in Georgien zu sehen.\r\n\r\nVor \u00fcber einem Jahr wurde Armenien infolge des ungeheueren Drucks und Erpressung seitens Herrn Putin gezwungen, auf seine Absicht, ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterzeichnen, zu verzichten.\r\n\r\nZurzeit f\u00fchrt die russische Obrigkeit im Schnelltempo den Bau einer Verkehrsstra\u00dfe von Machatschkala bis nach Tbilisi durch (die sogenannte Awaro-Kachetinsk-Stra\u00dfe ): Die Arbeiten werden 24 Stunden am Tag gef\u00fchrt, ohne Pausen. Die Gesamtkosten dieses Projekts belaufen sich auf 1,5 Milliarden Dollar. Die Verkehrsstra\u00dfe durchschneidet den Hochgebirgs-Kaukasus und geht auf seiner s\u00fcdlichen Seite in den Flusst\u00e4lern von Alasani und Kura raus, in einer strategisch wichtigen Gegend an der Grenze Georgiens und Aserbaidschans, in unmittelbarer N\u00e4he zu Tiflis, Armenien und Karabach. Indem auf diese Weise ein Landkorridor zwischen Russland und Armenien gebaut wird, bekommen russische motorisierte Sch\u00fctzenbrigaden und Panzertruppen die M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine schnelle Verlegung. In diesem Fall wird nicht nur Aserbaidschan, sondern die ganze kaspische und mittelasiatische Region, die reich an Energieressourcen ist, vom Ausgang auf den Weltmarkt \u00fcber Georgien und T\u00fcrkei abgeschnitten sein. Die Fertigstellung ist f\u00fcr den M\u00e4rz 2015 geplant. Ich erinnere noch einmal: die Arbeiten werden 24 Stunden am Tag gef\u00fchrt.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/kura.jpg\"><img class=\"aligncenter wp-image-1526 size-large\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/12\/kura-1024x597.jpg\" alt=\"kura\" width=\"1024\" height=\"597\" \/><\/a>\r\n\r\nHier wurde schon \u00fcber Probleme in Moldau gesprochen, inklusive seiner Region Transnistrien.\r\n\r\nAuch wurden potentielle Komplikationen mit Kasachstan erw\u00e4hnt. <a href=\"http:\/\/www.kremlin.ru\/news\/46507\">Am 29. August erkl\u00e4rte Herr Putin<\/a>, dass Kasachstan historisch gesehen nie eine Staatlichkeit besa\u00df, die n\u00e4mlich ausschlie\u00dflich dank der Anstrengungen solch' eines einmaligen Menschen wie Pr\u00e4sident Nasarbajew erschaffen wurde. Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl und bedeutet, dass Kasachstan seine jetzige Staatlichkeit auch verlieren kann, wenn es an der Spitze keinen Nasarbajew mehr gibt.\r\n\r\nNoch ein Gebiet der aggressiven Ambitionen sind die baltischen Staaten, wor\u00fcber heute auch schon gesprochen wurde. In den letzten Wochen wurden mehrere Versuche <a href=\"http:\/\/www.eurointegration.com.ua\/rus\/news\/2014\/11\/11\/7027643\/\">der Durchf\u00fchrung von St\u00f6rman\u00f6vern in Lettgalen <\/a>(Ostlettland) registriert. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung von diesen Gegenden sind ethnische Russen sowie Russischsprachige. Die genannten Provokationen und subversive T\u00e4tigkeiten laufen nach demselben Szenario ab, nach dem sie gerade auf der Krim und im Osten der Ukraine abgelaufen sind. Wenn wir vor ein paar Monaten \u00fcber die M\u00f6glichkeit einer russischen Aggression in Lettgalen und nordwestlichem Estland vom rein hypothetischen Standpunkt aus sprachen, so haben diese Provokationen diese nun zur Realit\u00e4t gemacht. Das ist etwas, was direkt vor unseren Augen geschieht. Wenn auf den Territorien des \u00f6stlichen Estlands und Lettlands pl\u00f6tzlich irgendwelche Quasi-Formationen wie \u201eVolksrepublik Narwa\u201c und \u201eVolksrepublik Lettgalen\u201c ausgerufen werden, so k\u00f6nnte die Frage, die Europa Ende der 30er des letzten Jahrhunderts qu\u00e4lte: \u201eSind Europ\u00e4er bereit, f\u00fcr Danzig zu sterben?\u201c, in neuen Formulierungen wiederbelebt werden: \u201eSind Europ\u00e4er bereit, f\u00fcr Narwa, Lettgalen, Daugavpils zu sterben?\u201c\r\n\r\nUnd schlie\u00dflich ist es ein Krieg gegen Russland, gegen die russischen B\u00fcrger. Das ist ein russischer B\u00fcrgerkrieg. Das ist ein durch das Kremlregime organisierter Krieg des russischen Lumpenproletariats und\u00a0Kriminellen\u00a0gegen den zivilisierten Teil der russischen Gesellschaft. Die \u201ehei\u00dfe\u201c Phase dieses Krieges findet gerade im ukrainischen Donbas statt, seine \u201ewarme\u201c Phase begann bereits auf dem Territorium Russlands.\r\n\r\n5. Die Herausforderung, um die es sich handelt, ist eine Herausforderung nicht nur f\u00fcr die Staaten, die auf dem postsowjetischen Raum entstanden sind. Das ist eine sehr ernsthafte Herausforderung f\u00fcr die EU und die NATO. Und diese Organisationen, wie Andrej Piontkowski zu Recht anmerkte, haben auf diese Herausforderungen keine fertigen Antworten.\r\n\r\nSomit haben wir hier mit Revanchismus, Revisionismus und Aggression nicht nur auf dem Territorium des postsowjetischen Raumes zu tun, wie zum Beispiel im Fall der Ukraine und Russland, was viele von uns noch vor ein paar Monaten h\u00e4tten denken k\u00f6nnen. Wir haben es mit einer Gefahr zu tun, vor welcher das gesamte Europa steht. Das ist eine Gefahr, vor welcher die Europ\u00e4ische Union und die NATO stehen. Offensichtlich ist eine der Ideen des Aggressors folgende: Indem man die Territorien Estlands und Lettlands als einen Destabilisierungshebel benutzt, erpresst man die europ\u00e4ischen wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen Einrichtungen und versucht auch deren Ohnmacht zu demonstrieren, parallel noch das ganze Sicherheitssystem zerst\u00f6rend, das in Europa im Laufe der Nachkriegsjahrzehnte aufgebaut wurde, insbesondere angefangen mit der Berliner Krise von 1961 und der Karibik-Krise von 1962.\r\n\r\n6. Aber das ist noch nicht alles. Ungef\u00e4hr vor einem Monat trat Herr Putin bei der Versammlung des sogenannten Waldajski-Club mit einer Rede auf. Ich w\u00fcrde seinen Auftritt als eine Sotschi-Rede bezeichnen, deren Bedeutung schwer zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist und mit der sich jeder europ\u00e4ische Politiker, politischer Anf\u00fchrer und Experte vertraut machen sollte. Diese Rede sollte man aufmerksam lesen, und sie im modernen sowie im historischen Kontext begreifen.\r\n\r\nManche Experten, verbissen am vom Kreml ausgeworfenen propagandistischen Hacken, haben sich beeilt, diese Rede als ein Analogon zur Fulton-Rede zu bezeichnen. Dieser Vergleich ist von Grund auf falsch. Diese Rede hat nichts mit der Fulton-Rede von Winston Churchill gemeinsam. Weder vom ihren Inhalt her, noch vom Ort ihrer \u00c4u\u00dferung, noch vom Charakter ihres Autors. <a href=\"http:\/\/aillarionov.livejournal.com\/751369.html\">Ich musste einen Vergleich dieser Rede mit ihrem historischen Analog durchf\u00fchren.<\/a> Das ist keine Fulton-Rede. Das ist die Ansprache aus Berchtesgaden.\r\n\r\nIm August 1939 schrieb Adolf Hitler, der sich in Berchtesgaden befand, seinem Lieblingsruheort im S\u00fcddeutschland, zwei Briefe an den Premierminister von Gro\u00dfbritannien Neville Chamberlain. Diese Briefe sind mit dem 23. und dem 25. August datiert. Darin ging der deutsche F\u00fchrer bedeutend weiter, als nur einen Anschluss von \u00d6sterreich oder Sudeten zu fordern. Er bot Chamberlain einen Plan zur Neuverteilung der Welt zwischen dem Deutschen Reich und dem Britischen Imperium an.\r\n\r\nBeim Vergleich der Sotschi-Rede von Herr Putin mit den zwei Berchtesgadener Briefen von Hitler lie\u00dfen sich 25 faktisch identische Text\u00fcbereinstimmungen finden: fast Wort f\u00fcr Wort, Satz f\u00fcr Satz, Idee f\u00fcr Idee.\r\n\r\nVor ein paar Monaten lenkte Putin die Aufmerksamkeit der \u00d6ffentlichkeit auf seine Pl\u00e4ne der Erschaffung einer gewissen \u201eRussischen Welt\u201c, die eine Wiedervereinigung der Landsleute und ihrer Nachfahren unter einem staatlichen Dach voraussetzte. Aber schon jetzt sehen diese Pl\u00e4ne etwas veraltet aus.\r\n\r\nJetzt wurden die Eins\u00e4tze schlagartig erh\u00f6ht. Nun bietet Putin an, die ganze Weltordnung zu \u00e4ndern, das ganze Weltsystem, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet hat, das im UN-Statut und in zahlreichen Dokumenten festgelegt wurde, das sich auf die Prinzipien von Nichtanwendung von Gewalt st\u00fctzt, auf die Unverletzbarkeit der Grenzen, auf die Souver\u00e4nit\u00e4t der Staaten, auf das souver\u00e4ne Recht der Nationen auf einen Beitritt zu internationalen B\u00fcndnissen nach ihrem eigenen Willen.\r\n\r\nSomit haben wir es nicht mehr mit einem regionalen Problem zu tun, unabh\u00e4ngig davon wie wichtig das Problem des putinschen Krieges gegen die Ukraine auch ist. Mehr noch, wir haben es heute nicht nur mit dem potentiellen Krieg Putins gegen die unmittelbaren russischen Nachbarn auf dem postsowjetischen Raum zu tun. Und - wie ungeheuerlich es auch klingen mag - es geht hier nicht mal um die Entstehung einer Bedrohung der Kriegsentfesselung in Europa gegen die Mitglieder der EU oder NATO. Heute treffen wir nicht einfach nur auf Revanchismus. Das ist eine Politik der Revision des ganzen Systems der internationalen Beziehungen und der Weltsicherheit.\r\n\r\nDas ist ein Versuch, die Weltordnung zu \u00e4ndern, die sich im Laufe der letzten sieben Jahrzehnte herausgebildet hat. Die Kremlpropagandisten formulieren das Wesen der T\u00e4tigkeit der russischen Obrigkeit absolut deutlich: das ist der Vierte Weltkrieg. In ihren Kalkulationen wird der Kalte als der Dritte Weltkrieg bezeichnet, und jetzige Kriegshandlungen nennen sie Vierter Weltkrieg, der mit dem Ziel, die existierenden Regeln der Weltbeziehungen zu \u00e4ndern, gef\u00fchrt wird.\r\n\r\n7. Nun kommen wir zum Diskurs \u00fcber eine \u00e4u\u00dferst wichtige Frage: Wie realistisch ist das Ziel, das von Putin angegeben wurde? Ist es m\u00f6glich, die weltlichen Spielregeln unter der Bedingung zu \u00e4ndern, dass die Ressourcen, die zur Verf\u00fcgung des Herrn Putin stehen, unvergleichbar kleiner als insbesondere die NATO-Ressourcen und die des Westens im Ganzen sind?\r\n\r\nAuf welche Weise kann man eine Regelver\u00e4nderung zu seinen Gunsten unter solchen Umst\u00e4nden erreichen? Die Mehrheit der Analytiker findet diese Absichten unrealistisch, unbegr\u00fcndet, sogar l\u00e4cherlich. Der Vergleich von demografischen, wirtschaftlichen, milit\u00e4rischen und sonstigen Ressourcen, die zur Verf\u00fcgung von beiden Lagern stehen, demonstriert eine gewaltige \u00dcberlegenheit des Westens. Es scheint, als ob es keinen Sinn zu denken h\u00e4tte, dass bei so einem R\u00fcckstand irgendjemand auf einen Erfolg bei einer ernsthaften Konfrontation\u00a0hoffen k\u00f6nnte.\r\n\r\nUm diese Fragen zu beantworten, sollte man sich der milit\u00e4rischen Theorie und Praxis zuwenden. Der heute gef\u00fchrte Krieg nennt sich anders: \u201ehybrid war\u201c, \u201eunkonventioneller Krieg\u201c, \u201enichtlinearer Krieg\u201c.\r\n\r\nEine der wichtigsten Charakteristika, die zurzeit benutzt wird, ist der sogenannte \u201easymmetrische Krieg\u201c. Im gew\u00f6hnlichen milit\u00e4rischen Konflikt haben zwei Seiten vergleichbare Ressourcenvolumen und \u201eWillenskr\u00e4fte\u201c zur Verf\u00fcgung. Aber man kann sich auch eine Situation vorstellen, bei der eine Seite viel mehr Ressourcen hat, aber einen schw\u00e4cheren Willen als ihr Gegner besitzt. Und ihr Opponent hat weniger Ressourcen, aber eine st\u00e4rkere Willenskraft. In diesem Fall bleibt der Konfrontationsausgang unklar. Die Geschichte h\u00e4lt nicht wenige Beispiele f\u00fcr uns parat, bei denen die eine Konfliktseite, die aggressiver, folgerichtiger, entschlossener war, Erfolg und sogar einen Sieg erreichen konnte. Diejenigen, die behaupten, dass so eine Konfrontation unm\u00f6glich sei, weil die Ressourcen unvergleichbar seien, m\u00fcssen an den Faktor der Willenskraft denken.\r\n\r\nAu\u00dferdem sind im Laufe dieser Konfrontation zumindest zwei Elemente wichtig, die man ununterbrochen im Auge behalten sollte. Eins von diesen Elementen wurde hier schon erw\u00e4hnt. Das ist der Informationskrieg. Genauer gesagt: der Desinformationskrieg.\r\n\r\nDieser Krieg wird auf dem Territorium Russlands gef\u00fchrt, und auch au\u00dferhalb seines Territoriums; nicht nur auf dem Territorium des postsowjetischen Raumes, sondern auf der ganzen Welt. Die Verbreitung der Informationen und Desinformationen hat keine Grenzen. Der Desinformationskrieg wird nicht nur auf Russisch, sondern auch auf Englisch, Franz\u00f6sisch, Deutsch, Spanisch und in anderen Sprachen gef\u00fchrt.\r\n\r\nIn vielen sozialen Netzwerken in verschiedenen L\u00e4ndern operieren Soldaten und Offiziere der Desinformationsstreitkr\u00e4fte, die im Dienst des Kreml stehen und in Sprachen verschiedener V\u00f6lker koordiniert operieren. Diese Desinformationsstreitkr\u00e4fte versuchen eine andere Geschichte, ein anderes Weltbild, eine andere Vorstellung \u00fcber die Weltordnung und die Welt an sich zu erschaffen. Leider muss man zugeben, dass sie darin einen gewissen Erfolg nicht nur in Russland, sondern auch in anderen L\u00e4ndern erreicht haben. Das muss man im Auge behalten. Eine Gesellschaft, die sich gegen diese Desinformation nicht durchsetzen kann, wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter Opfer der Aggression. Zuerst der informativen Aggression, und dann - einer anderen.\r\n\r\nEin weiteres Element der neuen Konfrontation wurde schon von Andrej Piontkowski erw\u00e4hnt. Das ist die nukleare Erpressung, die eine der gef\u00e4hrlichsten Komponenten des neuen Krieges ist. Jeder verantwortungsbewusste Politiker, alle ernstzunehmenden politischen Kr\u00e4fte Europas, Nordamerikas, der restlichen Welt sind bereit, faktisch alles von ihnen Abh\u00e4ngige zu tun, um einen nuklearen Konflikt zu vermeiden. Und das verstehen ausgezeichnet und nutzen darum auch die Kremlrevanchisten und Revisionisten zynisch aus.\r\n\r\nEben darum wird die Abmachung, die dem Westen in der Sotschi-Rede sowie in anderen Auftritten angeboten wird, absolut deutlich formuliert: Entweder Ihr akzeptiert die neuen Regeln der Weltordnung oder Ihr werdet es mit einer \u201eAtomwaffengro\u00dfmacht\u201c zu tun haben. Auf diese Art der Herausforderung hat die zivilisierte Welt noch keine fertige Antwort.\r\n\r\n8. Was kann man denn tun?\r\n\r\nIch habe nicht mehr so viel Zeit, darum formuliere ich meine Gedanken bez\u00fcglich dessen \u00e4u\u00dferst kurz.\r\n\r\nEs gibt drei m\u00f6gliche Antworten auf die gemachten Angebote. Die erste ist: sich zu ergeben. Also, das Angebot von Herr Putin anzunehmen. Nehmen wir an, dass neue Regeln des Lebens der Welt\u00f6ffentlichkeit nun aufgestellt werden, eine neue Weltordnung erschaffen wird, und dabei wird diese neue Weltordnung auf dem Recht des St\u00e4rkeren basieren, dem Schw\u00e4cheren seinen Willen zu diktieren.\r\n\r\nExistierende Fragen werden ausgehend von der Position der St\u00e4rke aus gel\u00f6st. So eine Herangehensweise werden insbesondere die schw\u00e4chsten und kleinsten Staaten zu sp\u00fcren bekommen.\r\n\r\nZweite Antwort: zu versuchen, einen Kompromiss zu finden. Dieses Szenario bieten einige russische Politiker an: \u201eJa, wir (Russland) waren wom\u00f6glich im Unrecht, als wir die Krim annektiert und eine Intervention in die Ostukraine durchgef\u00fchrt haben. Aber hier kann man nichts mehr \u00e4ndern, darum muss man die Situation so akzeptieren, wie sie ist, und die neuen Grenzen und den neuen Status Quo festlegen.\u201c Diese Neue Ordnung nennen wir mal ein Kompromiss.\r\n\r\nUnd die dritte Antwort: dem Aggressor einen Widerstand zu leisten. Ich sehe keinen Sinn, die ersten zwei Szenarien zu besprechen, die sich im Grunde kaum von einander unterscheiden, denn das zweite Szenario f\u00fchrt am Ende zum selben Resultat wie das Erste: zur Kapitulation der zivilisierten Welt vor dem Aggressor. Die dritte Antwort - die Widerstandsvariante - verdient dagegen eine ernsthafte Diskussion.\r\n\r\n9. Ich benenne die wichtigsten Elemente der dritten Antwort - des Widerstandes. Sie beinhalten Massnahmen auf mindestens sieben Ebenen der T\u00e4tigkeit auf f\u00fcnf Kriegsschaupl\u00e4tzen.\r\n<h2><strong>Sieben Ebenen der T\u00e4tigkeit<\/strong><\/h2>\r\nZuallererst muss man die Natur des entstandenen Problems verstehen, sich vom rein analytischen\/wissenschaftlichen Standpunkt aus damit vertraut machen. Zweitens braucht man eine Informierung und Ausbildung sowohl der politischen Anf\u00fchrer als auch der breiten Gesellschaftsschichten, basierend auf den gewonnenen Forschungsergebnissen.\r\n\r\nDrittens ist die F\u00fchrung eines Anti-Desinformationskrieges notwendig, denn in der Atmosph\u00e4re der totalen Desinformation ist ein Sieg unm\u00f6glich. Das ukrainische Beispiel zeigt uns, dass dort sogar spezielle Organisationen erschaffen werden m\u00fcssten, die sich ausschlie\u00dflich mit Aufdeckung der Desinformationen besch\u00e4ftigen sollten, die gegen die Ukraine gerichtet sind; damit, wie solche Desinformationen erschaffen, fabriziert und verbreitet werden. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die nichts f\u00fcr Dilettanten ist, sie erfordert Fertigkeiten, Ressourcen und Konsequentheit.\r\n\r\nDer vierte Punkt bezieht sich auf die Ebene des internationalen Rechts. Die existierenden Definitionen der Aggression, die Formulierungen der Prinzipien des Nichtangriffes und anderer Prinzipien entsprechen den neuen Realien nicht mehr. Unter den Bedingungen des hybriden Krieges nimmt die Aggression Formen an, die nicht mehr unter die standardisierten Definitionen fallen. Die Informationsaggression f\u00e4llt nicht unter den Begriff, der von der UN-Generalversammlung festgelegt wurde. Die neuen Arten der Aggression fordern eine ad\u00e4quate Abbildung im System des internationalen Rechts.\r\n\r\nDie f\u00fcnfte Ebene des Widerstandes ist die Wirtschaft.\r\n\r\nDie sechste Form des Widerstandes ist die Energiewirtschaft. Ich m\u00f6chte hier den soliden Schritt, den Litauen vor kurzem gemacht hat, erw\u00e4hnen. Dort ist ein neues Gasterminal gebaut worden, und ab Dezember wird Litauen wom\u00f6glich zum ersten europ\u00e4ischen Staat, der vollst\u00e4ndig von der Abh\u00e4ngigkeit von russischen Gaslieferungen befreit ist. Das ist ein ernsthafter Schritt in richtige Richtung.\r\n\r\nUnd schlie\u00dflich sollte man der Notwendigkeit einer ad\u00e4quaten Antwort in rein milit\u00e4rischem Bereich gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit schenken. Bei aller Aufmerksamkeit zu den unkonventionellen Elementen der hybriden Kriege sind die vorsto\u00dfenden Panzer unter Bedingungen eines konventionellen Konflikts schwer mit Hilfe von Decken aus humanit\u00e4rer Hilfe und sch\u00f6n formulierten Resolutionen aufzuhalten.\r\n<h2><strong>F\u00fcnf Schaupl\u00e4tze der Kriegshandlungen<\/strong><\/h2>\r\nErstens ist es das sogenannte \u201ealte Europa\u201c (haupts\u00e4chlich die EU-Mitglieder).\r\n\r\nZweitens ist es das \u201eneue Europa\u201c, in erster Linie die \u201efrontnahen Staaten\u201c, die an den Aggressor grenzen (die baltischen Staaten und Polen).\r\n\r\nDrittens ist es die Ukraine, die gerade die zentrale Position an der Frontlinie einnimmt. Die Ukraine braucht eine Unterst\u00fctzung aller m\u00f6glichen Art: politischer, wirtschaftlicher, technischer, Spezialisten, Bildung usw.\r\n\r\nViertens, andere L\u00e4nder des postsowjetischen Raumes, die entweder schon ein Aggressionsopfer sind, oder es potentiell werden k\u00f6nnten.\r\n\r\nUnd schlie\u00dflich Russland, russische B\u00fcrger, russische Gesellschaft, russisches Volk.\r\n\r\n10. Das ist mein letzter Punkt.\r\n\r\nWir m\u00fcssen verstehen, worin das strategische Ziel des zurzeit gef\u00fchrten Krieges besteht. Wir haben den Weg des Krieges nicht gew\u00e4hlt, wir wollten keinen Krieg, der Krieg wurde uns aufgezwungen.\r\n\r\n<strong>Wir m\u00fcssen in diesem Krieg siegen.<\/strong> Wir alle - freie russische B\u00fcrger, B\u00fcrger der an Russland angrenzenden Staaten, B\u00fcrger Europas und der ganzen zivilisierten Welt.\r\n\r\nStrategisch kann dieser Krieg nur gewonnen werden, wenn Russland ein freier demokratischer Staat wird. Solange Russland eine autorit\u00e4re Diktatur ist, bleibt es eine Bedrohungsquelle f\u00fcr seine B\u00fcrger, f\u00fcr seine Nachbarn, f\u00fcr seine Umgebung. Einer der angesagtesten Leits\u00e4tze\u00a0Europas ist der Leitsatz: \u201eEuropa muss frei, demokratisch, einig und friedlich sein.\u201c Dieses edle Ziel kann nur in dem Fall erreicht werden, wenn Russland frei und demokratisch wird, wenn es im Frieden mit all seinen Nachbarn im Rahmen der Grenzen leben wird, die von der Welt\u00f6ffentlichkeit anerkannt wurden.\r\n\r\nDanke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.\r\n\r\n[embed]https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lgw_iIry_bk[\/embed]\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em>Quelle: Auftritt von <strong><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Andrey_Illarionov\">Andrej Illarionow<\/a><\/strong> im EU-Parlament am 19. November 2014, <a href=\"http:\/\/aillarionov.livejournal.com\/762248.html\">Abschrift seiner Rede in seinem Blog<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a><\/em>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1522"}],"version-history":[{"count":41,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30171,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1522\/revisions\/30171"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1551"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}