{"id":15335,"date":"2016-02-26T18:04:42","date_gmt":"2016-02-26T18:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=15335"},"modified":"2016-02-26T18:06:03","modified_gmt":"2016-02-26T18:06:03","slug":"a-piontkowski-ueber-kadyrow-und-tschetschenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/a-piontkowski-ueber-kadyrow-und-tschetschenien\/","title":{"rendered":"A.Piontkowski \u00fcber Kadyrow und Tschetschenien: Die Bombe ist scharf"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>von <a href=\"http:\/\/echo.msk.ru\/blog\/piontkovsky_a\/1699370-echo\/\">Andrej Piontkowski<\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>F\u00fcr diesen Text will man Piontkowski hinter Gitter schicken. Der Artikel, der auf der Webseite von EchoMoskaus\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde, ist gek\u00fcrzt worden. Kadyrow hat Piontkowski wegen dieses Artikels \u00f6ffentlich gedroht, woraufhin Piontkowski\u00a0sich gezwungen sah, Russland zu verlassen. Er ist nun ausserhalb Russlands, es ist aber nicht bekannt, in welchem Land genau er sich nun aufh\u00e4lt&#8230; Das sind wohl wahre Feinde Russlands: nicht die russischen Terroristen im Donbass, nicht die verbrecherische Kremlf\u00fchrung, nicht die korrupten Oligarchen &#8211; nein, 75-j\u00e4hrige Publizisten und Politologen, die offen ihre Gedanken \u00e4ussern, gelten in Putins Russland als Feinde. Wir haben deshalb (selbstverst\u00e4ndlicherweise) beschlossen, diesen Artikel zu \u00fcbersetzen und zwar die\u00a0ungek\u00fcrzte Version, denn jeder sollte das gelesen haben. Zumal wir in unserer Redaktion Piontkowski sehr respektieren und bewundern, und bereits einige<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=piontkowski\">\u00a0seiner Artikel<\/a> in diesen zwei Jahren \u00fcbersetzt haben. Viel Spass beim Lesen!<\/em><\/p>\n<p>Sehe mich gen\u00f6tigt, in vielem meinen Artikel aus dem Vorjahr \u201eDas Projekt Kadyrow\u201c zu wiederholen, weil dieses aktuell immer gef\u00e4hrlicher wird.<\/p>\n<p>Ich beginne genauso wie damals mit den prophetischen Worten meines Lehrers f\u00fcr Politik Dmitrij Efimowitsch Furman, die er in seiner herausragenden Arbeit \u201eDas schwierigste Volk f\u00fcr Russland\u201c verwendet hat, die um die Zeit der Operation \u201eNachfolger\u201c im Rahmen des Zweiten Tschetschenischen Krieges ver\u00f6ffentlicht worden ist.<\/p>\n<p>\u201eDie Deportation der Tschetschenen im Jahr 1944 ist f\u00fcr das tschetschenische Bewusstsein gleichbedeutend mit dem Holocaust f\u00fcr die Juden oder dem Massaker im Jahr 1915 f\u00fcr die Armenier. Es ist ein schreckliches Trauma, die Erinnerung daran und das Grauen vor der M\u00f6glichkeit einer Wiederholung verfolgt jeden Tschetschenen. Und die Ereignisse des Krieges haben dieses Grauen wiederbelebt\u2026<\/p>\n<p>Und selbst wenn man sich vorstellt, wir w\u00fcrden durch ein Wunder, mit vereinten Kr\u00e4ften Tschetschenien unterwerfen und in die F\u00f6deration eingliedern, w\u00e4re Russland gleichsam einem Menschen, in dessen K\u00f6rper eine Bombe mit Zeitz\u00fcnder ist, die nach einer gewissen Zeit definitiv explodiert\u201c.<\/p>\n<p>Wir haben tats\u00e4chlich wie durch ein Wunder Tschetschenien in der F\u00f6deration untergebracht, aber heute, wenn das Ticken des Z\u00fcnders der Bombe im russischen K\u00f6rper wieder f\u00fcr jeden h\u00f6rbar ist, sind wir verpflichtet, uns mit unserem schicksalhaften Verh\u00e4ltnis zu dem f\u00fcr Russland schwierigsten Volk auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Fangen wir mit dem Wunder an, durch das wir den Umst\u00e4nden zum Trotz Tschetschenien in die Russische F\u00f6deration hineingezogen haben. Der Macher dieses Wunders ist W. W. Putin und es hei\u00dft Projekt \u201eKadyrow\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr was haben wir zwei Mal in Tschetschenien gek\u00e4mpft? F\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t Russlands. F\u00fcr ein Tschetschenien innerhalb Russlands. Aber territoriale Integrit\u00e4t ist keine verbrannte Erde ohne Menschen. Wir haben gek\u00e4mpft, um den Tschetschenen zu beweisen, dass sie B\u00fcrger Russlands sind. Dabei haben wir allerdings ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer mit der Luftwaffe und Mehrfachraketenwerfern vernichtet. \u201eAuf dem weiten Feld das System \u201eGrad\u201c, hinter uns steht Putin und Stalingrad\u201c&#8230;\u00a0<em>(Anm. d. \u00dcbers.: Das sind Worte aus dem Refrain eines Liedes aus dem Jahr 2001). <\/em>Haben Zivilisten entf\u00fchrt, deren Leichname sp\u00e4ter mit Spuren von Folterungen gefunden worden sind.<\/p>\n<p>Wir haben den Tschetschenen genau das Gegenteil von dem bewiesen, was wir verk\u00fcndet hatten: Mit unserem ganzen Verhalten haben wir ihnen bewiesen, dass sie f\u00fcr uns keine B\u00fcrger Russlands sind, dass wir sie schon lange nicht f\u00fcr B\u00fcrger Russlands halten. Genauso wenig wie ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Das haben wir mit Nachdruck nicht nur den Tschetschenen, sondern allen Kaukasiern bewiesen. Letztere haben aus der ihnen erteilten anschaulichen Lektion viel gelernt.<\/p>\n<p>Man erinnerte und erinnert sich ganz oft an den pathetischen Plumsklo-Aufruf von Herrn Putin, der sich als richtungsweisend f\u00fcr den Zweiten Tschetschenischen Krieg zeigte und das f\u00fcr Russland traurige Ende vorherbestimmte (\u201e..wenn wir die [Terroristen] auf dem Plumsklo erwischen, werden sie auch dort abmurksen..\u201c). Eines muss man Putin lassen: Als er nach Jahren eines blutigen Krieges, der seinen Aufstieg zur Macht erm\u00f6glichen sollte, vor einer Entscheidung zwischen sehr schlimm und monstr\u00f6s stand, w\u00e4hlte er das sehr Schlimme.<\/p>\n<p>Seine Niederlage akzeptierend, \u00fcbergab er alle Macht in Tschetschenien an Kadyrow mit seiner Armee und leistet Reparationszahlungen an diesen im Rahmen von Budget-Transfers. Im Gegenzug erkl\u00e4rt Kadyrow formell nicht so sehr Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem Kreml, sondern einen pers\u00f6nlichen Bund mit Putin. Monstr\u00f6s w\u00e4re eine Fortsetzung des Krieges zwecks Vernichtung der tschetschenischen Ethnie \u00e0 la Schamanow und Budanow gewesen <em>(Anm. d. \u00dcbers.: Beides sind bzw. waren kontroverse russische milit\u00e4rische Befehlshaber).<\/em><\/p>\n<p>Nach einem selbst-entfesselten und verlorenen Krieg entrichtet der Kreml im Gegenzug f\u00fcr theatralisch vorgef\u00fchrte Treue Steuern bzw. Reparationen nicht nur an Kadyrow, sondern auch an kriminelle Eliten anderer Republiken. Damit werden Pal\u00e4ste und goldene Pistolen f\u00fcr lokale Oberh\u00e4upter gekauft.<\/p>\n<p>Entw\u00fcrdigte junge, arbeitslose Bergbewohner gehen unter die Krieger Allahs oder siedeln aus dem Kaukasus in russische St\u00e4dte \u00fcber. In den deprimierenden Vierteln von Birjuljowo <em>(\u00c4rmliches Viertel am Rande von Moskau, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em> ist eine Generation von Kindern derer aufgewachsen, die absolut und f\u00fcr immer verloren haben in den zwanzig Jahren \u201emarktorientierter\u201c wirtschaftlicher Reformen. Zwischen der russischen Jugend und der kaukasischen, die von Kindesbeinen an in einem brutalen erst tschetschenischem, dann gesamtkaukasischem Krieg aufgewachsen ist, gibt es einen abgrundtiefen mentalen Unterschied.<\/p>\n<p>Junge Moskauer marschieren durch die Stadt und skandieren \u201eKein Geld mehr f\u00fcr den Kaukasus!\u201c und junge Bergbewohner geben sich auf Stra\u00dfen russischer St\u00e4dte betont provokativ und aggressiv. Sie haben eine Psychologie der Sieger entwickelt. Ihrem Verst\u00e4ndnis nach hat Moskau den Krieg um den Kaukasus verloren und sie verhalten sich in der Hauptstadt des Verlierers dementsprechend.<\/p>\n<p>In den K\u00f6pfen und Herzen entfernen sich der Kaukasus und Russland rasant voneinander. Gleichzeitig ist weder der Kreml noch die nordkaukasischen Eliten dazu bereit offiziell eine Trennung zu vollziehen.<\/p>\n<p>Der Kreml lebt nachwievor in phantomgleichen imperialen Illusionen von umfangreichen \u201eZonen privilegierter Interessen\u201c weit au\u00dferhalb der Grenzen Russlands. Mal geht es um irgendeine Eurasische Horde, deren Khan Putin auf Lebenszeit sein will oder um eine konstant expandierende \u201eRussische Welt\u201c auf Kosten der Nachbarn oder um syrische \u201eorthodoxe Heiligt\u00fcmer\u201c. Lokale Prinzen beginnend mit Kadyrow wollen auf die ihnen durch Moskau entrichteten Steuern nicht verzichten.<\/p>\n<p>Der postimperiale Kriegszug f\u00fcr \u201eTschetschenien im russischen Bund\u201c verwandelt sich mit einem brutalen Grinsen verh\u00e4ngnisvoll in den Albtraum \u201eRussland im tschetschenischen Bund\u201c. Der f\u00fcr Russland dem\u00fctigende Zustand des Selbstbetrugs kann nicht endlos bestehen bleiben. Aber einen Ausweg gibt es im Rahmen der vorhandenen Doppelherrschaft von Putin und Kadyrow nicht. Einen einfachen Ausweg sahen schon immer milit\u00e4rische und geheimdienstliche Repr\u00e4sentanten, die von Anfang an ausgesprochen skeptisch gegen\u00fcber Putins Projekt \u201eKadyrow\u201c eingestellt waren. Dieses hatte ihnen nach ihrer Lesart mal wieder den \u201eSieg\u201c geraubt. Sie haben sich nie mit dem Verlust Tschetscheniens abgefunden als einer Zone f\u00fcr eigene Bereicherung und f\u00fcr etwas noch Wichtigeres: Einem Gebiet berauschender Macht \u00fcber Leben und Tod. Das Projekt \u201eKadyrow\u201c nahm ihnen diese beiden Grundbed\u00fcrfnisse und sie hassen Kadyrow daf\u00fcr aufrichtig.<\/p>\n<p>Erstaunlich ist das Unverst\u00e4ndnis unserer breiten \u201eliberalen\u201c \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber dem Kern des nach dem <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/page\/2\/?s=boris+nemzow\">Mord an Nemzow<\/a> zutage getretenen Konflikts zwischen russischen und Kadyrows Milit\u00e4rs. Man lese einfach die regelm\u00e4\u00dfigen absichtlichen Leaks des FSB in den Medien \u2013 Man kommt auf die Idee, dass die Asche des get\u00f6teten Nemzow an die Herzenst\u00fcr der Herrschaften Bortnikow und Patruschew klopft. Ihr aufgew\u00fchltes Gem\u00fct ist emp\u00f6rt und bereit f\u00fcr den sakralen Kampf um die Einhaltung der kapitalistischen Gesetzgebung. Der Mord an Nemzow ist f\u00fcr sie nicht der Grund, sondern der Anlass daf\u00fcr, ihr Verh\u00e4ltnis zu Kadyrow konsequent zu \u201ekl\u00e4ren\u201c. Ein Anlass, der wahrscheinlich von ihnen selbst kunstvoll arrangiert worden ist.<\/p>\n<p>Erstens, ein Mord auf dem Roten Platz kann unm\u00f6glich ohne Beteiligung der h\u00f6chsten Ebene der russischen Geheimdienste stattfinden. Zweitens, der mutma\u00dfliche ausf\u00fchrende Sch\u00fctze Saur Dadajew, stellvertretender Kommandeur der Eliteeinheit \u201eSewer\u201c, w\u00fcrde niemals ohne einen Befehl Kadyrows agieren. Und Kadyrow konnte einen solchen Befehl nur auf eine direkte Bitte Putins hin geben oder basierend auf der Information, der F\u00fchrer w\u00fcnsche so etwas, die von einem der h\u00f6chsten Entscheider des Staates stammte. Die Seite des Blutvergie\u00dfens hat den Mord Nemzows erdacht und ausgef\u00fchrt, aber nicht zum Selbstzweck sondern f\u00fcr die Rolle eines Z\u00fcnders im Rahmen eigener weitreichender politischer Bestrebungen. Man gab den Leuten Kadyrows wohl zu verstehen, dass die bestellte Liquidierung direkt vom Papa angeordnet worden war. Das schien derart glaubw\u00fcrdig, dass sie keine Sekunde zweifelten. Die Ausf\u00fchrenden w\u00e4hnten sich absolut sicher darin, straffrei auszugehen.<\/p>\n<p>Die Hauptrichtung des koordinierten Angriffs der Milit\u00e4rs und Geheimdienste bezweckt die maximale Diskreditierung Kadyrows in der \u00d6ffentlichkeit und \u00fcber ihn auch die seines Patrons Putin, wenn dieser Kadyrow weiter unterst\u00fctzt. Aber es war f\u00fcr Putin sehr schwer Kadyrow aufzugeben. Ein Ende des Projekts \u201eKadyrow\u201c kommt dem Gest\u00e4ndnis gleich, Russland habe den Zweiten Tschetschenischen verloren und w\u00e4re die Erkl\u00e4rung eines dritten Krieges. Das w\u00e4re eine R\u00fcckkehr ins Jahr 1999 mit einer wesentlich ung\u00fcnstigeren Ausgangsposition. Au\u00dfer w\u00e4re das f\u00fcr Putin als \u201eRetter des Vaterlandes im Jahr 1999\u201c ein vollst\u00e4ndiger Verlust seiner Legitimation. Putin hat Kadyrow auch noch nicht fallen lassen, indem er die Ermittler dazu zwang, sich mit irgendeinem Fahrer als wichtigstem Auftraggeber zu begn\u00fcgen. Jedoch hat die Gegenseite meiner Meinung nach ihre Ziele nicht ganz aufgegeben.<\/p>\n<p>Aber was bedeutete das Projekt \u201eKadyrow\u201c f\u00fcr Tschetschenien selbst und welche Folgen h\u00e4tte seine Beendigung durch Milit\u00e4r und Geheimdienste? Unter der Allmacht des f\u00f6deralen Systems konnte jeder Tschetschene unabh\u00e4ngig von seinen \u00dcberzeugungen und Taten durch Einheiten der Russischen F\u00f6deration verhaftet, entf\u00fchrt, gedem\u00fctigt, gefoltert und get\u00f6tet werden. Im heutigen Tschetschenien kann das gleiche Schicksal jeden ereilen, der sich gegen Kadyrow stellt. Das ist ein ungeheurer Fortschritt bez\u00fcglich der Gew\u00e4hrleistung der pers\u00f6nlichen Sicherheit. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen dem Status eines Juden in Hitlers Deutschland und einem Deutschen im gleichen Land. Genau diese radikale \u00c4nderung f\u00fchrte zur Bildung einer Basis von Unterst\u00fctzern von Kadyrow. Nat\u00fcrlich haben sich in den Jahren seiner Regierungszeit auch Feinde gefunden einschlie\u00dflich solcher, die Blutrache geschworen haben. Jeder Versuch der Gegenseite aus Milit\u00e4r und Geheimdiensten, zur fr\u00fcheren Willk\u00fcr zur\u00fcckzukehren, wird dazu f\u00fchren, dass die tschetschenische Gesellschaft sich konsolidiert und erbitterten Widerstand leisten wird.<\/p>\n<p>Ein \u00fcberzeugendes und sehr aktuelles Anzeichen der kommenden \u00c4nderungen, die sich Milit\u00e4rs und Geheimdienste ertr\u00e4umen, war der Mord am Tschetschenen Dschambulat Dadajew in Grosny. Ver\u00fcbt durch Beamte des Innenministeriums aus Stawropol. Sogar aus der hoffnungslos erlogenen Erkl\u00e4rung der Polizei geht ganz deutlich hervor, dass die K\u00e4mpfer nicht kamen um zu verhaften, sondern um ein Opfer zu liquidieren. Solche Praktiken waren allt\u00e4gliche Routine und wurden in Tschetschenien durch f\u00f6derale Einheiten jahrelang angewendet. Heute passiert das h\u00e4ufig in Dagestan und anderen nordkaukasischen Republiken. Diese Liquidierungen sind ein fester Bestandteil des \u00f6ffentlichen Lebens und sind sogar \u00f6fters Teil von Nachrichtensendungen f\u00f6deraler Sender, offenbar mit dem Ziel einer patriotischen Erziehung der Jugend. Kadyrow allerdings hat solche Safaris f\u00f6deraler Einheiten beendet. Das Privileg hat er sich selbst vorbehalten. Die Tschetschenen wollen sich nicht aus Deutschen in Juden im Dritten Reich verwandeln. Gegen diese Perspektive werden sie sich mit oder ohne Kadyrow wehren.<\/p>\n<p>Hier einige Statements der bekanntesten Tschetschenen von Kadyrow bis Sakajew nach dem Mord in Grosny.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie 2000er Jahre sind vorbei. Jemand wollte \u201eaufr\u00e4umen\u201c, man schnappte sich einen Tschetschenen und t\u00f6tete ihn. Das wird nicht wieder passieren. Es reicht. Man hat uns erniedrigt und beleidigt. Wir haben nicht die Verfassung eingef\u00fchrt, damit man uns t\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Leute haben ein recht gutes Ged\u00e4chtnis f\u00fcr die damaligen Hinrichtungen ohne Gericht, unrechtm\u00e4\u00dfige Verhaftungen, Folter und andere Menschenrechtsverletzungen, die von maskierten Leuten in Autos und BTR-Radpanzern ohne Markierungen an Ortsans\u00e4ssigen ver\u00fcbt worden sind. Bei uns sind 5000 Menschen verschwunden. Hunderttausende wurden get\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHeute wird die Bev\u00f6lkerung Tschetscheniens nat\u00fcrlich Ramsan Kadyrow unterst\u00fctzen. Die Tschetschenen sind ihm gegen\u00fcber loyal, weil er sie besch\u00fctzt. Man verbindet das Ende der S\u00e4uberungen und der Willk\u00fcr, die in Tschetschenien fr\u00fcher vorherrschten mit seinem Namen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>S\u00e4uberungen und zahlreiche Morde in Tschetschenien wurden \u00fcber Jahrhunderte im Namen der russischen Macht ver\u00fcbt. Wir alle erinnern uns an die Worte eines russischen Offiziers, der an diesem endlosen kaukasischen Krieg teilgenommen hatte: \u201eDie \u00c4ltesten und Hausbesitzer hatten sich auf dem Platz versammelt und besprachen hockend ihre Lage. Niemand sprach \u00fcber Hass gegen\u00fcber Russen. Das Gef\u00fchl, das Tschetschenen von klein bis gro\u00df empfanden ging \u00fcber Hass hinaus. Das war kein Hass, sondern man glaubte, diese russischen Hunde seien keine Menschen und empfand soviel Ekel, Abscheu und Unverst\u00e4ndnis angesichts der unfl\u00e4tigen Brutalit\u00e4t dieser Wesen, dass der Wille zu ihrer Vernichtung wie der Wille zur Bek\u00e4mpfung von Ratten, giftigen Spinnen und W\u00f6lfen zu einem nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnis wie der Selbsterhaltung wurde.\u201c<\/p>\n<p>Ich las \u201eChadschi-Murat\u201c von Tolstoi bereits als Kind, aber erst unl\u00e4ngst habe ich den Sinn dieser schrecklichen, f\u00fcr das russische Bewusstsein nicht auszuhaltenden Worte begriffen: Nach dem Mord an <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/handschriftenvergleich-umstaende-der-morde-an-anna-politkowskaja-und-boris-nemzow\/\">Anna Politkowskaja<\/a>, dessen Untersuchung und dem Gerichtsverfahren gegen die unmittelbaren Ausf\u00fchrenden. Anna schrieb die Wahrheit \u00fcber die Verbrechen der russischen Regierung in Tschetschenien, sie war eine Heilige. Ihr Platz ist im Himmlischen Jerusalem an der Allee der Gerechten. Ihre Zeilen waren voller nichtauszuhaltendem menschlichem Schmerz, dem Leiden der zerrissenen K\u00f6rper und Seelen der Opfer. Ihnen, den in der H\u00f6lle Verstorbenen gab Anna Mitgef\u00fchl und W\u00fcrde nach dem Tod zur\u00fcck. Ihren Mord haben m\u00e4chtige russische Polit-Schurken bestellt und organisiert. Die M\u00f6rder wurden logistisch unterst\u00fctzt durch zwei Einsatzgruppen der Polizei und des FSB. Get\u00f6tet wurde sie aber durch Tschetschenen.<\/p>\n<p>Weder der Mord an ihr, noch die Bekanntgabe der Namen ihrer M\u00f6rder haben die tschetschenische \u00d6ffentlichkeit ersch\u00fcttert. Man blieb absolut gleichm\u00fctig gegen\u00fcber ihrem Schicksal. Man besch\u00e4ftigte sich damit wie ihr M\u00f6rder Rustam Machmudow am besten vor dem Gericht gerettet werden konnte. Mir schien das g\u00e4nzlich unbegreiflich bis ich schlie\u00dflich eine simple Sache verstand. Putin und Politkowskaja und wir alle \u00fcbrigen sind f\u00fcr sehr viele Tschetschenen praktisch nicht unterscheidbar.<\/p>\n<p>Der eine und die eine sowie wir alle geh\u00f6ren wegen unserer Herkunft in ihren Augen zu jener Kategorie von Wesen, welchen gegen\u00fcber man ein Gef\u00fchl st\u00e4rker als Hass empfindet. Putin ist f\u00fcr sie einfach ein n\u00fctzlicher Ungl\u00e4ubiger, der aktuelle Anf\u00fchrer dieser Wesen, mit denen man verhandeln und Gesch\u00e4fte abschlie\u00dfen muss. Wenn man ihm den Kopf einer verhassten unbedeutenden Journalistin zum Geburtstag als Geschenk serviert, kann das f\u00fcr die tschetschenische Ethnie ein taktischer Schachzug werden. Das gleiche bei Nemzow. Wie eine Kopie. Und Nemzow hatte in Nischnij Nowgorod sogar eine Million Unterschriften gesammelt, brachte diese in den Kreml und hat viel daf\u00fcr unternommen, um den Ersten Tschetschenischen Krieg zu stoppen.<\/p>\n<p>Aber nach dem, was die Romanows und Jermolows, Stalins und Jelzins, Putins und Schamanows im 19., 20. und 21. Jahrhundert in Tschetschenien angerichtet haben, ist das Gef\u00fchl derma\u00dfen allumfassend geworden, dass sie sich nicht mehr darum bem\u00fchen zwischen den Farbt\u00f6nen der Russen zu differenzieren. Zwei Ethnien mit einer solchen verh\u00e4rteten Beziehung zueinander k\u00f6nnen nicht in einem Staat existieren. Das Projekt \u201eKadyrow\u201c mit seiner tickenden Bombe hat die L\u00f6sung des Problems um ein Jahrzehnt verschoben, aber die Zeit ist abgelaufen.<\/p>\n<p>Die letzten verr\u00fcckten medialen Auftritte der Leute Kadyrows f\u00fchren dazu, dass der Gro\u00dfteil der russischen \u00d6ffentlichkeit sie als feindselig betrachtet, obwohl die Drohungen aus dem Lager Kadyrows nur gegen die Liberalen gerichtet sind. Das ist g\u00fcnstig f\u00fcr Milit\u00e4r und Geheimdienste, denn sie k\u00f6nnen erneut fordern, dass Putin Kadyrow absetzt, da das von einer gro\u00dfen Mehrheit unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Weiteres \u00d6l ins Feuer kam auf Grund einer Geschichte mit einem Abgeordneten aus Krasnojarsk, den die tschetschenische Diaspora gen\u00f6tigt hat, sich dem\u00fctig bei Kadyrow zu entschuldigen. In Endeffekt ist Putin der Einzige, der den beim russischen Volk gelinde gesagt nicht sehr beliebten tschetschenischen Politiker verteidigt.<\/p>\n<p>Kadyrow begeht einen gro\u00dfen Fehler, indem er Putins M\u00f6glichkeiten zur Kontrolle der Situation \u00fcberbewertet. Denn der Patron befindet sich in einer \u00e4u\u00dferst verwundbaren Lage vor dem Hintergrund der \u00e4u\u00dferen und inzwischen auch einer sich bildenden inneren Isolation sowie einer betr\u00e4chtlichen wirtschaftlichen Krise. Durch seine wilden Statements und Drohgeb\u00e4rden ist Kadyrow nicht nur wenig hilfreich gegen\u00fcber seinem Boss, er verst\u00e4rkt sogar noch dessen Isolation, weil er ihn als Gegner nicht nur der Milit\u00e4rs, der Geheimdienste und der systemeigenen Liberalen positioniert, sondern auch der ganzen russischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Einer der Anf\u00fchrer der freien Opposition, Nawalny, hat Kadyrow bekannterma\u00dfen bereits der Absicht einer formalen Trennung von Tschetschenien und Russland sowie der Gr\u00fcndung eines islamischen Staates beschuldigt:<\/p>\n<p>\u201eUnd abschlie\u00dfend sage ich etwas, was ich schon oft gesagt habe: Die strategische Aufgabe Kadyrows besteht darin, sich von Russland zu trennen und einen eigenen autorit\u00e4ren Staat zu gr\u00fcnden unter dem Vorwand islamischer Parolen. Er wartet einfach auf den Moment, wenn im Haushalt \u00fcberhaupt kein Geld mehr vorhanden ist.\u201c<\/p>\n<p>Das ist Wasser auf die M\u00fchlen unseres Milit\u00e4rs und der Geheimdienste, die schon lange das Ende des Projekts \u201eKadyrow\u201c herbeitr\u00e4umen. Da ist sie, die breite Unterst\u00fctzung in der Bev\u00f6lkerung, die sie zum Entfachen des Dritten Tschetschenischen Krieges nutzen k\u00f6nnen. Es geht darum, einen Verrat und die Flucht Kadyrows mitsamt seiner Republik aus der Russischen F\u00f6deration zu verhindern, etwas, wovor nicht nur wir sondern auch patriotisch denkende oppositionelle Anf\u00fchrer, Wladimir Wladimirowitsch, gewarnt haben.<\/p>\n<p>Am gleichen Tag ver\u00f6ffentlicht A. Nawalny aus irgendeinem Grund in seinem Blog die Schrift \u201eWie die Tschetschenen f\u00fcr Hitler gek\u00e4mpft haben\u201c, was dem Leser den Genozid <em>(an den Tschetschenen, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em> im Jahr 1994 schmackhaft machen und diesen rechtfertigen soll.<\/p>\n<p>Es ist schwierig den Eindruck loszuwerden, Nawalny bereite seine vielen Unterst\u00fctzer und Bewunderer zur Unterst\u00fctzung der Pl\u00e4ne von Milit\u00e4r und Geheimdiensten, n\u00e4mlich einer abermaligen \u201eHerstellung der verfassungsgem\u00e4\u00dfen Ordnung\u201c vor <em>(Das ist eine Anspielung auf die offizielle Bezeichnung des Zweiten Tschetschenischen Krieges: Eine Anti-Terror-Operation, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em>. Und er tut das, versteht sich, nicht auf jemandes Gehei\u00df, sondern aus tiefer eigener \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Ein Politiker, der einem Staat vorstehen will, begreift nicht, dass ein solches Szenario eine Katastrophe nicht nur f\u00fcr Tschetschenien, sondern vor allem f\u00fcr Russland ist.<\/p>\n<p>Man muss heute nicht \u00fcber eine Wiedereingliederung der totalit\u00e4ren Offshore-Republik Kadyrows in unser vaterl\u00e4ndisches, putinsches \u201eRechtsgef\u00fcge\u201c durch einen noch blutigeren Dritten Tschetschenischen Krieg nachdenken. Sondern \u00fcber unsere Befreiung vom imperialen Wahn, der uns bereits im dritten Jahrhundert ohne Unterbrechung dazu zwingt, mit Geschossen und Bomben ein St\u00fcck Land zu zerrei\u00dfen, in dem das f\u00fcr uns schwierigste Volk lebt, eines, das wir nie unterwerfen konnten.<\/p>\n<p>Ausschalten l\u00e4sst sich der tickende Z\u00fcnder der russisch-tschetschenischen Katastrophe nur durch einen sofortigen Austritt Tschetscheniens aus dem Bund mit Russland und dem Austritt Russlands aus dem Bund mit Tschetschenien.<\/p>\n<p>Es ist notwendig der tschetschenischen Republik vollst\u00e4ndige staatliche Unabh\u00e4ngigkeit anzubieten einschlie\u00dflich aller rechtlichen Konsequenzen f\u00fcr unsere bilateralen zwischenstaatlichen Beziehungen.*<\/p>\n<p><em> *Die letzten zwei Abs\u00e4tze des Artikels wurden in Russland als extremistisch bewertet. Verschiedene Online-Medien wie z.B der als unabh\u00e4ngig geltende Sender \u201eEcho Moskaus\u201c (\u201eEcho Moskwy\u201c) bzw. dessen Onlineausgabe hatten darauf mit dem Entfernen der Passagen reagiert.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/obozrevatel.com\/blogs\/30642-bomba-gotovaya-vzorvatsya\/part2.htm\">Andrei Piontkowski<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/viktor.d.duke?fref=ts\"> Viktor Duke<\/a>; Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sergey.elkin1?fref=ts\">Sergei Jolkin<\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong><em>Lesen Sie mehr von <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=piontkowski\">Andrei Piontkowksi hier<\/a><\/em><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Andrej Piontkowski F\u00fcr diesen Text will man Piontkowski hinter Gitter schicken. 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Der Artikel, der auf der Webseite von EchoMoskaus\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde, ist gek\u00fcrzt worden. Kadyrow hat Piontkowski wegen dieses Artikels \u00f6ffentlich gedroht, woraufhin Piontkowski\u00a0sich gezwungen sah, Russland zu verlassen. Er ist nun ausserhalb Russlands, es ist aber nicht bekannt, in welchem Land genau er sich nun aufh\u00e4lt... Das sind wohl wahre Feinde Russlands: nicht die russischen Terroristen im Donbass, nicht die verbrecherische Kremlf\u00fchrung, nicht die korrupten Oligarchen - nein, 75-j\u00e4hrige Publizisten und Politologen, die offen ihre Gedanken \u00e4ussern, gelten in Putins Russland als Feinde. Wir haben deshalb (selbstverst\u00e4ndlicherweise) beschlossen, diesen Artikel zu \u00fcbersetzen und zwar die\u00a0ungek\u00fcrzte Version, denn jeder sollte das gelesen haben. Zumal wir in unserer Redaktion Piontkowski sehr respektieren und bewundern, und bereits einige<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=piontkowski\">\u00a0seiner Artikel<\/a> in diesen zwei Jahren \u00fcbersetzt haben. Viel Spass beim Lesen!<\/em>\r\n\r\nSehe mich gen\u00f6tigt, in vielem meinen Artikel aus dem Vorjahr \u201eDas Projekt Kadyrow\u201c zu wiederholen, weil dieses aktuell immer gef\u00e4hrlicher wird.\r\n\r\nIch beginne genauso wie damals mit den prophetischen Worten meines Lehrers f\u00fcr Politik Dmitrij Efimowitsch Furman, die er in seiner herausragenden Arbeit \u201eDas schwierigste Volk f\u00fcr Russland\u201c verwendet hat, die um die Zeit der Operation \u201eNachfolger\u201c im Rahmen des Zweiten Tschetschenischen Krieges ver\u00f6ffentlicht worden ist.\r\n\r\n\u201eDie Deportation der Tschetschenen im Jahr 1944 ist f\u00fcr das tschetschenische Bewusstsein gleichbedeutend mit dem Holocaust f\u00fcr die Juden oder dem Massaker im Jahr 1915 f\u00fcr die Armenier. Es ist ein schreckliches Trauma, die Erinnerung daran und das Grauen vor der M\u00f6glichkeit einer Wiederholung verfolgt jeden Tschetschenen. Und die Ereignisse des Krieges haben dieses Grauen wiederbelebt\u2026\r\n\r\nUnd selbst wenn man sich vorstellt, wir w\u00fcrden durch ein Wunder, mit vereinten Kr\u00e4ften Tschetschenien unterwerfen und in die F\u00f6deration eingliedern, w\u00e4re Russland gleichsam einem Menschen, in dessen K\u00f6rper eine Bombe mit Zeitz\u00fcnder ist, die nach einer gewissen Zeit definitiv explodiert\u201c.\r\n\r\nWir haben tats\u00e4chlich wie durch ein Wunder Tschetschenien in der F\u00f6deration untergebracht, aber heute, wenn das Ticken des Z\u00fcnders der Bombe im russischen K\u00f6rper wieder f\u00fcr jeden h\u00f6rbar ist, sind wir verpflichtet, uns mit unserem schicksalhaften Verh\u00e4ltnis zu dem f\u00fcr Russland schwierigsten Volk auseinanderzusetzen.\r\n\r\nFangen wir mit dem Wunder an, durch das wir den Umst\u00e4nden zum Trotz Tschetschenien in die Russische F\u00f6deration hineingezogen haben. Der Macher dieses Wunders ist W. W. Putin und es hei\u00dft Projekt \u201eKadyrow\u201c.\r\n\r\nF\u00fcr was haben wir zwei Mal in Tschetschenien gek\u00e4mpft? F\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t Russlands. F\u00fcr ein Tschetschenien innerhalb Russlands. Aber territoriale Integrit\u00e4t ist keine verbrannte Erde ohne Menschen. Wir haben gek\u00e4mpft, um den Tschetschenen zu beweisen, dass sie B\u00fcrger Russlands sind. Dabei haben wir allerdings ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer mit der Luftwaffe und Mehrfachraketenwerfern vernichtet. \u201eAuf dem weiten Feld das System \u201eGrad\u201c, hinter uns steht Putin und Stalingrad\u201c...\u00a0<em>(Anm. d. \u00dcbers.: Das sind Worte aus dem Refrain eines Liedes aus dem Jahr 2001). <\/em>Haben Zivilisten entf\u00fchrt, deren Leichname sp\u00e4ter mit Spuren von Folterungen gefunden worden sind.\r\n\r\nWir haben den Tschetschenen genau das Gegenteil von dem bewiesen, was wir verk\u00fcndet hatten: Mit unserem ganzen Verhalten haben wir ihnen bewiesen, dass sie f\u00fcr uns keine B\u00fcrger Russlands sind, dass wir sie schon lange nicht f\u00fcr B\u00fcrger Russlands halten. Genauso wenig wie ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Das haben wir mit Nachdruck nicht nur den Tschetschenen, sondern allen Kaukasiern bewiesen. Letztere haben aus der ihnen erteilten anschaulichen Lektion viel gelernt.\r\n\r\nMan erinnerte und erinnert sich ganz oft an den pathetischen Plumsklo-Aufruf von Herrn Putin, der sich als richtungsweisend f\u00fcr den Zweiten Tschetschenischen Krieg zeigte und das f\u00fcr Russland traurige Ende vorherbestimmte (\u201e..wenn wir die [Terroristen] auf dem Plumsklo erwischen, werden sie auch dort abmurksen..\u201c). Eines muss man Putin lassen: Als er nach Jahren eines blutigen Krieges, der seinen Aufstieg zur Macht erm\u00f6glichen sollte, vor einer Entscheidung zwischen sehr schlimm und monstr\u00f6s stand, w\u00e4hlte er das sehr Schlimme.\r\n\r\nSeine Niederlage akzeptierend, \u00fcbergab er alle Macht in Tschetschenien an Kadyrow mit seiner Armee und leistet Reparationszahlungen an diesen im Rahmen von Budget-Transfers. Im Gegenzug erkl\u00e4rt Kadyrow formell nicht so sehr Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem Kreml, sondern einen pers\u00f6nlichen Bund mit Putin. Monstr\u00f6s w\u00e4re eine Fortsetzung des Krieges zwecks Vernichtung der tschetschenischen Ethnie \u00e0 la Schamanow und Budanow gewesen <em>(Anm. d. \u00dcbers.: Beides sind bzw. waren kontroverse russische milit\u00e4rische Befehlshaber).<\/em>\r\n\r\nNach einem selbst-entfesselten und verlorenen Krieg entrichtet der Kreml im Gegenzug f\u00fcr theatralisch vorgef\u00fchrte Treue Steuern bzw. Reparationen nicht nur an Kadyrow, sondern auch an kriminelle Eliten anderer Republiken. Damit werden Pal\u00e4ste und goldene Pistolen f\u00fcr lokale Oberh\u00e4upter gekauft.\r\n\r\nEntw\u00fcrdigte junge, arbeitslose Bergbewohner gehen unter die Krieger Allahs oder siedeln aus dem Kaukasus in russische St\u00e4dte \u00fcber. In den deprimierenden Vierteln von Birjuljowo <em>(\u00c4rmliches Viertel am Rande von Moskau, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em> ist eine Generation von Kindern derer aufgewachsen, die absolut und f\u00fcr immer verloren haben in den zwanzig Jahren \u201emarktorientierter\u201c wirtschaftlicher Reformen. Zwischen der russischen Jugend und der kaukasischen, die von Kindesbeinen an in einem brutalen erst tschetschenischem, dann gesamtkaukasischem Krieg aufgewachsen ist, gibt es einen abgrundtiefen mentalen Unterschied.\r\n\r\nJunge Moskauer marschieren durch die Stadt und skandieren \u201eKein Geld mehr f\u00fcr den Kaukasus!\u201c und junge Bergbewohner geben sich auf Stra\u00dfen russischer St\u00e4dte betont provokativ und aggressiv. Sie haben eine Psychologie der Sieger entwickelt. Ihrem Verst\u00e4ndnis nach hat Moskau den Krieg um den Kaukasus verloren und sie verhalten sich in der Hauptstadt des Verlierers dementsprechend.\r\n\r\nIn den K\u00f6pfen und Herzen entfernen sich der Kaukasus und Russland rasant voneinander. Gleichzeitig ist weder der Kreml noch die nordkaukasischen Eliten dazu bereit offiziell eine Trennung zu vollziehen.\r\n\r\nDer Kreml lebt nachwievor in phantomgleichen imperialen Illusionen von umfangreichen \u201eZonen privilegierter Interessen\u201c weit au\u00dferhalb der Grenzen Russlands. Mal geht es um irgendeine Eurasische Horde, deren Khan Putin auf Lebenszeit sein will oder um eine konstant expandierende \u201eRussische Welt\u201c auf Kosten der Nachbarn oder um syrische \u201eorthodoxe Heiligt\u00fcmer\u201c. Lokale Prinzen beginnend mit Kadyrow wollen auf die ihnen durch Moskau entrichteten Steuern nicht verzichten.\r\n\r\nDer postimperiale Kriegszug f\u00fcr \u201eTschetschenien im russischen Bund\u201c verwandelt sich mit einem brutalen Grinsen verh\u00e4ngnisvoll in den Albtraum \u201eRussland im tschetschenischen Bund\u201c. Der f\u00fcr Russland dem\u00fctigende Zustand des Selbstbetrugs kann nicht endlos bestehen bleiben. Aber einen Ausweg gibt es im Rahmen der vorhandenen Doppelherrschaft von Putin und Kadyrow nicht. Einen einfachen Ausweg sahen schon immer milit\u00e4rische und geheimdienstliche Repr\u00e4sentanten, die von Anfang an ausgesprochen skeptisch gegen\u00fcber Putins Projekt \u201eKadyrow\u201c eingestellt waren. Dieses hatte ihnen nach ihrer Lesart mal wieder den \u201eSieg\u201c geraubt. Sie haben sich nie mit dem Verlust Tschetscheniens abgefunden als einer Zone f\u00fcr eigene Bereicherung und f\u00fcr etwas noch Wichtigeres: Einem Gebiet berauschender Macht \u00fcber Leben und Tod. Das Projekt \u201eKadyrow\u201c nahm ihnen diese beiden Grundbed\u00fcrfnisse und sie hassen Kadyrow daf\u00fcr aufrichtig.\r\n\r\nErstaunlich ist das Unverst\u00e4ndnis unserer breiten \u201eliberalen\u201c \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber dem Kern des nach dem <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/page\/2\/?s=boris+nemzow\">Mord an Nemzow<\/a> zutage getretenen Konflikts zwischen russischen und Kadyrows Milit\u00e4rs. Man lese einfach die regelm\u00e4\u00dfigen absichtlichen Leaks des FSB in den Medien \u2013 Man kommt auf die Idee, dass die Asche des get\u00f6teten Nemzow an die Herzenst\u00fcr der Herrschaften Bortnikow und Patruschew klopft. Ihr aufgew\u00fchltes Gem\u00fct ist emp\u00f6rt und bereit f\u00fcr den sakralen Kampf um die Einhaltung der kapitalistischen Gesetzgebung. Der Mord an Nemzow ist f\u00fcr sie nicht der Grund, sondern der Anlass daf\u00fcr, ihr Verh\u00e4ltnis zu Kadyrow konsequent zu \u201ekl\u00e4ren\u201c. Ein Anlass, der wahrscheinlich von ihnen selbst kunstvoll arrangiert worden ist.\r\n\r\nErstens, ein Mord auf dem Roten Platz kann unm\u00f6glich ohne Beteiligung der h\u00f6chsten Ebene der russischen Geheimdienste stattfinden. Zweitens, der mutma\u00dfliche ausf\u00fchrende Sch\u00fctze Saur Dadajew, stellvertretender Kommandeur der Eliteeinheit \u201eSewer\u201c, w\u00fcrde niemals ohne einen Befehl Kadyrows agieren. Und Kadyrow konnte einen solchen Befehl nur auf eine direkte Bitte Putins hin geben oder basierend auf der Information, der F\u00fchrer w\u00fcnsche so etwas, die von einem der h\u00f6chsten Entscheider des Staates stammte. Die Seite des Blutvergie\u00dfens hat den Mord Nemzows erdacht und ausgef\u00fchrt, aber nicht zum Selbstzweck sondern f\u00fcr die Rolle eines Z\u00fcnders im Rahmen eigener weitreichender politischer Bestrebungen. Man gab den Leuten Kadyrows wohl zu verstehen, dass die bestellte Liquidierung direkt vom Papa angeordnet worden war. Das schien derart glaubw\u00fcrdig, dass sie keine Sekunde zweifelten. Die Ausf\u00fchrenden w\u00e4hnten sich absolut sicher darin, straffrei auszugehen.\r\n\r\nDie Hauptrichtung des koordinierten Angriffs der Milit\u00e4rs und Geheimdienste bezweckt die maximale Diskreditierung Kadyrows in der \u00d6ffentlichkeit und \u00fcber ihn auch die seines Patrons Putin, wenn dieser Kadyrow weiter unterst\u00fctzt. Aber es war f\u00fcr Putin sehr schwer Kadyrow aufzugeben. Ein Ende des Projekts \u201eKadyrow\u201c kommt dem Gest\u00e4ndnis gleich, Russland habe den Zweiten Tschetschenischen verloren und w\u00e4re die Erkl\u00e4rung eines dritten Krieges. Das w\u00e4re eine R\u00fcckkehr ins Jahr 1999 mit einer wesentlich ung\u00fcnstigeren Ausgangsposition. Au\u00dfer w\u00e4re das f\u00fcr Putin als \u201eRetter des Vaterlandes im Jahr 1999\u201c ein vollst\u00e4ndiger Verlust seiner Legitimation. Putin hat Kadyrow auch noch nicht fallen lassen, indem er die Ermittler dazu zwang, sich mit irgendeinem Fahrer als wichtigstem Auftraggeber zu begn\u00fcgen. Jedoch hat die Gegenseite meiner Meinung nach ihre Ziele nicht ganz aufgegeben.\r\n\r\nAber was bedeutete das Projekt \u201eKadyrow\u201c f\u00fcr Tschetschenien selbst und welche Folgen h\u00e4tte seine Beendigung durch Milit\u00e4r und Geheimdienste? Unter der Allmacht des f\u00f6deralen Systems konnte jeder Tschetschene unabh\u00e4ngig von seinen \u00dcberzeugungen und Taten durch Einheiten der Russischen F\u00f6deration verhaftet, entf\u00fchrt, gedem\u00fctigt, gefoltert und get\u00f6tet werden. Im heutigen Tschetschenien kann das gleiche Schicksal jeden ereilen, der sich gegen Kadyrow stellt. Das ist ein ungeheurer Fortschritt bez\u00fcglich der Gew\u00e4hrleistung der pers\u00f6nlichen Sicherheit. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen dem Status eines Juden in Hitlers Deutschland und einem Deutschen im gleichen Land. Genau diese radikale \u00c4nderung f\u00fchrte zur Bildung einer Basis von Unterst\u00fctzern von Kadyrow. Nat\u00fcrlich haben sich in den Jahren seiner Regierungszeit auch Feinde gefunden einschlie\u00dflich solcher, die Blutrache geschworen haben. Jeder Versuch der Gegenseite aus Milit\u00e4r und Geheimdiensten, zur fr\u00fcheren Willk\u00fcr zur\u00fcckzukehren, wird dazu f\u00fchren, dass die tschetschenische Gesellschaft sich konsolidiert und erbitterten Widerstand leisten wird.\r\n\r\nEin \u00fcberzeugendes und sehr aktuelles Anzeichen der kommenden \u00c4nderungen, die sich Milit\u00e4rs und Geheimdienste ertr\u00e4umen, war der Mord am Tschetschenen Dschambulat Dadajew in Grosny. Ver\u00fcbt durch Beamte des Innenministeriums aus Stawropol. Sogar aus der hoffnungslos erlogenen Erkl\u00e4rung der Polizei geht ganz deutlich hervor, dass die K\u00e4mpfer nicht kamen um zu verhaften, sondern um ein Opfer zu liquidieren. Solche Praktiken waren allt\u00e4gliche Routine und wurden in Tschetschenien durch f\u00f6derale Einheiten jahrelang angewendet. Heute passiert das h\u00e4ufig in Dagestan und anderen nordkaukasischen Republiken. Diese Liquidierungen sind ein fester Bestandteil des \u00f6ffentlichen Lebens und sind sogar \u00f6fters Teil von Nachrichtensendungen f\u00f6deraler Sender, offenbar mit dem Ziel einer patriotischen Erziehung der Jugend. Kadyrow allerdings hat solche Safaris f\u00f6deraler Einheiten beendet. Das Privileg hat er sich selbst vorbehalten. Die Tschetschenen wollen sich nicht aus Deutschen in Juden im Dritten Reich verwandeln. Gegen diese Perspektive werden sie sich mit oder ohne Kadyrow wehren.\r\n\r\nHier einige Statements der bekanntesten Tschetschenen von Kadyrow bis Sakajew nach dem Mord in Grosny.\r\n<blockquote>\u201eDie 2000er Jahre sind vorbei. Jemand wollte \u201eaufr\u00e4umen\u201c, man schnappte sich einen Tschetschenen und t\u00f6tete ihn. Das wird nicht wieder passieren. Es reicht. Man hat uns erniedrigt und beleidigt. Wir haben nicht die Verfassung eingef\u00fchrt, damit man uns t\u00f6tet.\u201c\r\n\r\n\u201eDie Leute haben ein recht gutes Ged\u00e4chtnis f\u00fcr die damaligen Hinrichtungen ohne Gericht, unrechtm\u00e4\u00dfige Verhaftungen, Folter und andere Menschenrechtsverletzungen, die von maskierten Leuten in Autos und BTR-Radpanzern ohne Markierungen an Ortsans\u00e4ssigen ver\u00fcbt worden sind. Bei uns sind 5000 Menschen verschwunden. Hunderttausende wurden get\u00f6tet.\u201c\r\n\r\n\u201eHeute wird die Bev\u00f6lkerung Tschetscheniens nat\u00fcrlich Ramsan Kadyrow unterst\u00fctzen. Die Tschetschenen sind ihm gegen\u00fcber loyal, weil er sie besch\u00fctzt. Man verbindet das Ende der S\u00e4uberungen und der Willk\u00fcr, die in Tschetschenien fr\u00fcher vorherrschten mit seinem Namen.\u201c<\/blockquote>\r\nS\u00e4uberungen und zahlreiche Morde in Tschetschenien wurden \u00fcber Jahrhunderte im Namen der russischen Macht ver\u00fcbt. Wir alle erinnern uns an die Worte eines russischen Offiziers, der an diesem endlosen kaukasischen Krieg teilgenommen hatte: \u201eDie \u00c4ltesten und Hausbesitzer hatten sich auf dem Platz versammelt und besprachen hockend ihre Lage. Niemand sprach \u00fcber Hass gegen\u00fcber Russen. Das Gef\u00fchl, das Tschetschenen von klein bis gro\u00df empfanden ging \u00fcber Hass hinaus. Das war kein Hass, sondern man glaubte, diese russischen Hunde seien keine Menschen und empfand soviel Ekel, Abscheu und Unverst\u00e4ndnis angesichts der unfl\u00e4tigen Brutalit\u00e4t dieser Wesen, dass der Wille zu ihrer Vernichtung wie der Wille zur Bek\u00e4mpfung von Ratten, giftigen Spinnen und W\u00f6lfen zu einem nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnis wie der Selbsterhaltung wurde.\u201c\r\n\r\nIch las \u201eChadschi-Murat\u201c von Tolstoi bereits als Kind, aber erst unl\u00e4ngst habe ich den Sinn dieser schrecklichen, f\u00fcr das russische Bewusstsein nicht auszuhaltenden Worte begriffen: Nach dem Mord an <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/handschriftenvergleich-umstaende-der-morde-an-anna-politkowskaja-und-boris-nemzow\/\">Anna Politkowskaja<\/a>, dessen Untersuchung und dem Gerichtsverfahren gegen die unmittelbaren Ausf\u00fchrenden. Anna schrieb die Wahrheit \u00fcber die Verbrechen der russischen Regierung in Tschetschenien, sie war eine Heilige. Ihr Platz ist im Himmlischen Jerusalem an der Allee der Gerechten. Ihre Zeilen waren voller nichtauszuhaltendem menschlichem Schmerz, dem Leiden der zerrissenen K\u00f6rper und Seelen der Opfer. Ihnen, den in der H\u00f6lle Verstorbenen gab Anna Mitgef\u00fchl und W\u00fcrde nach dem Tod zur\u00fcck. Ihren Mord haben m\u00e4chtige russische Polit-Schurken bestellt und organisiert. Die M\u00f6rder wurden logistisch unterst\u00fctzt durch zwei Einsatzgruppen der Polizei und des FSB. Get\u00f6tet wurde sie aber durch Tschetschenen.\r\n\r\nWeder der Mord an ihr, noch die Bekanntgabe der Namen ihrer M\u00f6rder haben die tschetschenische \u00d6ffentlichkeit ersch\u00fcttert. Man blieb absolut gleichm\u00fctig gegen\u00fcber ihrem Schicksal. Man besch\u00e4ftigte sich damit wie ihr M\u00f6rder Rustam Machmudow am besten vor dem Gericht gerettet werden konnte. Mir schien das g\u00e4nzlich unbegreiflich bis ich schlie\u00dflich eine simple Sache verstand. Putin und Politkowskaja und wir alle \u00fcbrigen sind f\u00fcr sehr viele Tschetschenen praktisch nicht unterscheidbar.\r\n\r\nDer eine und die eine sowie wir alle geh\u00f6ren wegen unserer Herkunft in ihren Augen zu jener Kategorie von Wesen, welchen gegen\u00fcber man ein Gef\u00fchl st\u00e4rker als Hass empfindet. Putin ist f\u00fcr sie einfach ein n\u00fctzlicher Ungl\u00e4ubiger, der aktuelle Anf\u00fchrer dieser Wesen, mit denen man verhandeln und Gesch\u00e4fte abschlie\u00dfen muss. Wenn man ihm den Kopf einer verhassten unbedeutenden Journalistin zum Geburtstag als Geschenk serviert, kann das f\u00fcr die tschetschenische Ethnie ein taktischer Schachzug werden. Das gleiche bei Nemzow. Wie eine Kopie. Und Nemzow hatte in Nischnij Nowgorod sogar eine Million Unterschriften gesammelt, brachte diese in den Kreml und hat viel daf\u00fcr unternommen, um den Ersten Tschetschenischen Krieg zu stoppen.\r\n\r\nAber nach dem, was die Romanows und Jermolows, Stalins und Jelzins, Putins und Schamanows im 19., 20. und 21. Jahrhundert in Tschetschenien angerichtet haben, ist das Gef\u00fchl derma\u00dfen allumfassend geworden, dass sie sich nicht mehr darum bem\u00fchen zwischen den Farbt\u00f6nen der Russen zu differenzieren. Zwei Ethnien mit einer solchen verh\u00e4rteten Beziehung zueinander k\u00f6nnen nicht in einem Staat existieren. Das Projekt \u201eKadyrow\u201c mit seiner tickenden Bombe hat die L\u00f6sung des Problems um ein Jahrzehnt verschoben, aber die Zeit ist abgelaufen.\r\n\r\nDie letzten verr\u00fcckten medialen Auftritte der Leute Kadyrows f\u00fchren dazu, dass der Gro\u00dfteil der russischen \u00d6ffentlichkeit sie als feindselig betrachtet, obwohl die Drohungen aus dem Lager Kadyrows nur gegen die Liberalen gerichtet sind. Das ist g\u00fcnstig f\u00fcr Milit\u00e4r und Geheimdienste, denn sie k\u00f6nnen erneut fordern, dass Putin Kadyrow absetzt, da das von einer gro\u00dfen Mehrheit unterst\u00fctzt wird.\r\n\r\nWeiteres \u00d6l ins Feuer kam auf Grund einer Geschichte mit einem Abgeordneten aus Krasnojarsk, den die tschetschenische Diaspora gen\u00f6tigt hat, sich dem\u00fctig bei Kadyrow zu entschuldigen. In Endeffekt ist Putin der Einzige, der den beim russischen Volk gelinde gesagt nicht sehr beliebten tschetschenischen Politiker verteidigt.\r\n\r\nKadyrow begeht einen gro\u00dfen Fehler, indem er Putins M\u00f6glichkeiten zur Kontrolle der Situation \u00fcberbewertet. Denn der Patron befindet sich in einer \u00e4u\u00dferst verwundbaren Lage vor dem Hintergrund der \u00e4u\u00dferen und inzwischen auch einer sich bildenden inneren Isolation sowie einer betr\u00e4chtlichen wirtschaftlichen Krise. Durch seine wilden Statements und Drohgeb\u00e4rden ist Kadyrow nicht nur wenig hilfreich gegen\u00fcber seinem Boss, er verst\u00e4rkt sogar noch dessen Isolation, weil er ihn als Gegner nicht nur der Milit\u00e4rs, der Geheimdienste und der systemeigenen Liberalen positioniert, sondern auch der ganzen russischen Gesellschaft.\r\n\r\nEiner der Anf\u00fchrer der freien Opposition, Nawalny, hat Kadyrow bekannterma\u00dfen bereits der Absicht einer formalen Trennung von Tschetschenien und Russland sowie der Gr\u00fcndung eines islamischen Staates beschuldigt:\r\n\r\n\u201eUnd abschlie\u00dfend sage ich etwas, was ich schon oft gesagt habe: Die strategische Aufgabe Kadyrows besteht darin, sich von Russland zu trennen und einen eigenen autorit\u00e4ren Staat zu gr\u00fcnden unter dem Vorwand islamischer Parolen. Er wartet einfach auf den Moment, wenn im Haushalt \u00fcberhaupt kein Geld mehr vorhanden ist.\u201c\r\n\r\nDas ist Wasser auf die M\u00fchlen unseres Milit\u00e4rs und der Geheimdienste, die schon lange das Ende des Projekts \u201eKadyrow\u201c herbeitr\u00e4umen. Da ist sie, die breite Unterst\u00fctzung in der Bev\u00f6lkerung, die sie zum Entfachen des Dritten Tschetschenischen Krieges nutzen k\u00f6nnen. Es geht darum, einen Verrat und die Flucht Kadyrows mitsamt seiner Republik aus der Russischen F\u00f6deration zu verhindern, etwas, wovor nicht nur wir sondern auch patriotisch denkende oppositionelle Anf\u00fchrer, Wladimir Wladimirowitsch, gewarnt haben.\r\n\r\nAm gleichen Tag ver\u00f6ffentlicht A. Nawalny aus irgendeinem Grund in seinem Blog die Schrift \u201eWie die Tschetschenen f\u00fcr Hitler gek\u00e4mpft haben\u201c, was dem Leser den Genozid <em>(an den Tschetschenen, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em> im Jahr 1994 schmackhaft machen und diesen rechtfertigen soll.\r\n\r\nEs ist schwierig den Eindruck loszuwerden, Nawalny bereite seine vielen Unterst\u00fctzer und Bewunderer zur Unterst\u00fctzung der Pl\u00e4ne von Milit\u00e4r und Geheimdiensten, n\u00e4mlich einer abermaligen \u201eHerstellung der verfassungsgem\u00e4\u00dfen Ordnung\u201c vor <em>(Das ist eine Anspielung auf die offizielle Bezeichnung des Zweiten Tschetschenischen Krieges: Eine Anti-Terror-Operation, Anm. d. \u00dcbers.)<\/em>. Und er tut das, versteht sich, nicht auf jemandes Gehei\u00df, sondern aus tiefer eigener \u00dcberzeugung.\r\n\r\nEin Politiker, der einem Staat vorstehen will, begreift nicht, dass ein solches Szenario eine Katastrophe nicht nur f\u00fcr Tschetschenien, sondern vor allem f\u00fcr Russland ist.\r\n\r\nMan muss heute nicht \u00fcber eine Wiedereingliederung der totalit\u00e4ren Offshore-Republik Kadyrows in unser vaterl\u00e4ndisches, putinsches \u201eRechtsgef\u00fcge\u201c durch einen noch blutigeren Dritten Tschetschenischen Krieg nachdenken. Sondern \u00fcber unsere Befreiung vom imperialen Wahn, der uns bereits im dritten Jahrhundert ohne Unterbrechung dazu zwingt, mit Geschossen und Bomben ein St\u00fcck Land zu zerrei\u00dfen, in dem das f\u00fcr uns schwierigste Volk lebt, eines, das wir nie unterwerfen konnten.\r\n\r\nAusschalten l\u00e4sst sich der tickende Z\u00fcnder der russisch-tschetschenischen Katastrophe nur durch einen sofortigen Austritt Tschetscheniens aus dem Bund mit Russland und dem Austritt Russlands aus dem Bund mit Tschetschenien.\r\n\r\nEs ist notwendig der tschetschenischen Republik vollst\u00e4ndige staatliche Unabh\u00e4ngigkeit anzubieten einschlie\u00dflich aller rechtlichen Konsequenzen f\u00fcr unsere bilateralen zwischenstaatlichen Beziehungen.*\r\n\r\n<em> *Die letzten zwei Abs\u00e4tze des Artikels wurden in Russland als extremistisch bewertet. Verschiedene Online-Medien wie z.B der als unabh\u00e4ngig geltende Sender \u201eEcho Moskaus\u201c (\u201eEcho Moskwy\u201c) bzw. dessen Onlineausgabe hatten darauf mit dem Entfernen der Passagen reagiert.<\/em>\r\n\r\n<a href=\"http:\/\/obozrevatel.com\/blogs\/30642-bomba-gotovaya-vzorvatsya\/part2.htm\">Andrei Piontkowski<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/viktor.d.duke?fref=ts\"> Viktor Duke<\/a>; Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sergey.elkin1?fref=ts\">Sergei Jolkin<\/a>\r\n<ul>\r\n\t<li><strong><em>Lesen Sie mehr von <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?s=piontkowski\">Andrei Piontkowksi hier<\/a><\/em><\/strong><\/li>\r\n<\/ul>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15335","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15335"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15335\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15340,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15335\/revisions\/15340"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15335"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15335"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15335"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}