{"id":18967,"date":"2016-09-06T11:04:21","date_gmt":"2016-09-06T11:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=18967"},"modified":"2018-05-18T09:39:08","modified_gmt":"2018-05-18T09:39:08","slug":"kertsch-bruecke-wie-der-kreml-bei-seinem-jahrhundertbau-die-russen-mal-wieder-uebers-ohr-haut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/kertsch-bruecke-wie-der-kreml-bei-seinem-jahrhundertbau-die-russen-mal-wieder-uebers-ohr-haut\/","title":{"rendered":"Kertsch-Br\u00fccke: Wie der Kreml bei seinem Jahrhundertbau die Russen mal wieder \u00fcbers Ohr haut"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>In Kertsch auf der Krim wird eine Br\u00fccke gebaut, die Russland und die Halbinsel verbinden soll. Wir m\u00f6chten dieses Thema heute detaillierter betrachten.<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Er war am\u00a0Br\u00fcckenbau auf der Krim beteiligt und ging zu Fu\u00df nach Hause in den Ural<\/strong><\/p>\n<p>Auf der wichtigsten Baustelle Russlands werden Arbeiter massenhaft belogen und Studenten als Bauarbeiter eingesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26518\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/5.jpg\" alt=\"5\" width=\"301\" height=\"321\" \/><\/a>Fast 3.000 Km musste ein einfacher Arbeiter aus dem Ural, ein Bewohner der Stadt Slatoust namens\u00a0<a href=\"http:\/\/archive.is\/p3xVS\">Wjatscheslaw Abdullin<\/a>, zu Fu\u00df laufen. Auf dem Weg nach Hause verfluchte er mehrmals den Tag, an dem er auf eine Anzeige einer Firma aus Jekaterinburg geantwortet hatte, die Schichtarbeit in den Gebieten Tscheljabinsk und Swerdlowsk versprach: &#8222;30 Tage mit Unterkunft und Verpflegung, danach &#8211; 15 Tage Urlaub zu Hause.&#8220;<\/p>\n<p>Bereits kurz nach der Unterzeichnung des Vertrages hatte sich herausgestellt, dass es keine Arbeit im Ural geben wird. Darum wurde Wjatscheslaw und anderen Arbeitern angeboten, auf die Krim zu fahren. Sie wurden in Busse gepackt und an die K\u00fcste des Schwarzen Meeres gebracht, zum Bau der Br\u00fccke von Kertsch. Als ihre monatliche Schicht zu Ende war, hat sich herausgestellt, dass niemand vorhatte, sie nach Hause zu bringen. Der Teamleiter erz\u00e4hlte etwas von fehlenden Transportmitteln, darum beschloss Wjatscheslaw mit seinem Kollegen eigenst\u00e4ndig nach Hause zu fahren. <strong>Da ihnen das Geld f\u00fcr ihre Arbeit nicht ausgezahlt wurde,<\/strong> wollten die Bauarbeiter per Anhalter bis zum Ural kommen, aber die Fernfahrer z\u00f6gerten\u00a0sie mitzunehmen, also mussten sie zu Fu\u00df laufen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/2-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26517\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/2-3.jpg\" alt=\"2\" width=\"302\" height=\"231\" \/><\/a>Die Ehefrau von Wjatscheslaw, Oksana, postete einen Aufruf in der Gruppe &#8222;Fernfahrer&#8220; im sozialen Netzwerk VK und bat um Hilfe f\u00fcr ihren Mann. Ihren Worten nach, war ihr Mann zu dem Zeitpunkt bereits vier Tage zu Fu\u00df unterwegs und <strong>ern\u00e4hrte sich von Beeren und Wildfr\u00fcchten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;An Batajsk sind wir vorbei. Sein\u00a0Kollege wurde angerufen und ist schon weg. Er l\u00e4uft\u00a0\u00fcber die Verkehrsstra\u00dfe M4 nach\u00a0Moskau. Wer kann, bitte nehmt ihn mit! Ich bitte Euch!&#8220; schrieb Oksana im Namen ihres Mannes am 27. Juli und gab seine Telefonnummer an. Aber niemand antwortete ihr. <strong>Darum musste die Frau ein kleines Darlehen aufnehmen und ihrem Mann das Geld schicken, f\u00fcr welches er dann eine Zugfahrkarte gekauft hatte<\/strong>. <em>&#8222;Bei uns sieht es gerade ziemlich schlecht mit Geld aus,&#8220; erkl\u00e4rte sie: &#8222;Unser Haus ist abgebrannt, wir mieten nun eine Wohnung. Mein Mann ist ein Bauarbeiter, er wollte ein wenig Geld machen&#8230;&#8220;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Russische Schwei\u00dfer erz\u00e4hlen \u00fcber ihre Arbeitserfahrung auf dem &#8222;Bau des Jahrhunderts&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das ist bei Weitem nicht der einzige Fall bei diesem Br\u00fcckenbau, bei dem die Arbeiter um ihr Geld betrogen wurden. Neulich rief ein Video eine gro\u00dfe gesellschaftliche Resonanz hervor, in dem Schwei\u00dfer und Montagearbeiter ihre bittere Geschichte erz\u00e4hlen: Sie wohnten in einem ehemaligen Kinderlager in Kertsch (Ordschonikidze-Strasse 80) und bekamen zwei Monate lang keinen Lohn. Au\u00dferdem war der Lohn, der ihnen bei der Aufnahme versprochen wurde, anderthalb mal so gro\u00df wie am Ende in ihren Papieren.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MFIOXvXlNWI\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><em>&#8222;Wir arbeiten zwei Monate lang an diesem Bau, auf der Krim-Seite, die Firma hei\u00dft &#8222;Business Ressource GmbH&#8220;. Das Geld wird uns nicht ausgezahlt. Im Vertrag steht eine Summe von 23,5 Rubel die Stunde und im urspr\u00fcnglichen Vertrag wurden uns aber 1500 Rubel pro Tag versprochen, f\u00fcr einen 12-st\u00fcndigen Arbeitstag mit einer Stunde Pause, ohne Ruhetage. Wir sind alle nicht von hier, und dem Vertrag nach m\u00fcsste uns Unterkunft und Verpflegung\u00a0zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die Anzeige war auf &#8222;Avito&#8220; (popul\u00e4re Arbeitssuche-Ressource in Russland) ver\u00f6ffentlicht,&#8220;\u00a0<\/em>erz\u00e4hlt ein junger Bauarbeiter aus Woronesch.<\/p>\n<p>Den Arbeitern wurde Verpflegung versprochen, die aber nicht f\u00fcr alle reichte.<em> &#8222;Nach unserem 11-st\u00fcndigen Arbeitstag in der Nachtschicht denken sie, dass wir sehr m\u00fcde sind und nur noch schlafen wollen und darum kein Fr\u00fchst\u00fcck br\u00e4uchten. Sieht man aber auch an unseren Lebensbedingungen: f\u00fcr 50 Menschen gibt es hier nur zwei Toiletten und einen Boiler f\u00fcr 110 Liter,&#8220;<\/em>\u00a0f\u00fcgte der Arbeiter hinzu.<\/p>\n<p>Nach Aussagen\u00a0der Bauarbeiter sind sie bereits an einem Punkt, an dem sie nur noch Geld f\u00fcr die R\u00fcckreise nach Hause bekommen wollen. Dass jemand von ihnen den versprochenen Lohn bekommt, glaubt keiner von ihnen.<\/p>\n<p>Noch ein interessantes Video \u00fcber den Bau der Kertsch-Br\u00fccke wurde von einem Schwei\u00dfer der 5. Kategorie ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/xyLbx9Uub4g\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Zum Br\u00fcckenbau werden auch Bewohner anderer durch Russland besetzter Territorien hinzugezogen<\/strong><\/p>\n<p>Das Internet flimmert aber weiterhin von Jobangeboten am Bau der Kertsch-Br\u00fccke. Mit gutem Geld versucht man auch Bewohner der sogenannten &#8222;DVR&#8220; und &#8222;LVR&#8220; f\u00fcr diesen Bau anzuwerben. Das Schema ist das gleiche: Es werden circa 45-55 000 Rubel im Monat versprochen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Nat\u00fcrlich ist die Verpflegung und die Unterkunft auf eigene Kosten. Allein aus unserer Stadt waren\u00a015 Menschen zu diesem Bau gefahren und sind alle zur\u00fcckgekommen. Niemand hatte den Menschen erkl\u00e4rt, dass Unterkunft und Verpflegung auf der Krim sehr teuer und viele Preise dort h\u00f6her als selbst in Moskau sind,&#8220;<\/em>\u00a0teilte seine Erfahrungen ein Einwohner von Debalzewe mit. Die Wahrhaftigkeit seiner Worte wurde auch von Einwohnern von Charzysk, Awdijiwka und Jassynuwata best\u00e4tigt, denn viele von ihnen haben schon versucht, auf diese Weise ein wenig Geld zu machen.<\/p>\n<p>Den Mangel an Arbeitskr\u00e4ften beim Br\u00fcckenbau beschloss man in Russland auf eine erprobte sowjetische Art und Weise zu beseitigen: durch die Hinzuziehung von sogenannten Studenten-Bautrupps. Die ersten Bautrupps wurden aus Studenten von sechs Fachinstituten Russlands gebildet: dem staatlichen technischen Moskauer Verkehrs- und Transport-Institut, der polytechnischen Universit\u00e4t Sankt-Petersburg, dem Architekturinstitut aus Tjumen und anderen.<\/p>\n<p>Die Studenten wurden in einem Bauarbeiter-Dorf in der Gegend von Tamanj untergebracht. Eine weitere Gruppe wurde\u00a0zum Bau einer Zufuhrstra\u00dfe\u00a0aus dem Krasnodar-Gebiet zur Br\u00fccke auf die Krim\u00a0hinzugezogen.<\/p>\n<p>Nach Worten des Bauleiters der Firma &#8222;StroiGasMontage&#8220; Leonid Ryschenkin f\u00fchren die Studenten &#8222;nicht die schwierigsten und selbstverst\u00e4ndlichen keine gef\u00e4hrlichen Arbeiten beim Br\u00fcckenbau aus&#8220;. Die Studenten werden auf den Objekten bis zum 31. August arbeiten. Allen ist eine 5-Tage-Arbeitswoche versprochen worden, mit einem 8-st\u00fcndigen Arbeitstag, kostenloser Unterkunft und dreimaliger Verpflegung. F\u00fcr die einen ist es zwar ein Praktikum, f\u00fcr die anderen aber, wie wir sehen, nur eine PR-Aktion.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26519\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/3.jpg\" alt=\"3\" width=\"302\" height=\"202\" \/><\/a>Auf den &#8222;Bau des Jahrhunderts&#8220; hat man sich in Russland gr\u00fcndlich vorbereitet. \u00dcber alle Hauptphasen der Arbeit wird in den russischen Medien breit berichtet, und in den sozialen Netzwerken wurden spezielle Accounts erstellt, die im Namen der &#8222;Krimer Br\u00fccke&#8220; gef\u00fchrt werden. Darin gratuliert die &#8222;Br\u00fccke&#8220; den Russen zum Tag der russischen Flotte, dem Welttag der Wale und Delfine oder auch zum Siegestag. Dort wird auch detailliert \u00fcber den Prozess des Auspf\u00e4hlens und den Bau von St\u00fctzen berichtet.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\">Nackte Zahlen des imperialistischen Stolzes<\/h2>\n<p>Die Br\u00fccke wird ausschlie\u00dflich auf Kosten des f\u00f6deralen Budgets im Rahmen des Programms &#8222;Sozial-wirtschaftliche Entwicklung der Republik Krim und der Stadt Sewastopol bis 2020&#8220; errichtet. Der Kostenvoranschlag f\u00fcrs Projekt betr\u00e4gt 211,9 Milliarden Rubel in Preisen des 4. Quartals 2015. Die Besatzungskr\u00e4fte versprechen, die Br\u00fccke im Dezember 2018 f\u00fcr den Fahrzeugverkehr zu \u00f6ffnen und 2019 f\u00fcr den Zugverkehr. Der Staatsvertrag zur Projektierung und den Bau der Kertsch-Br\u00fccke wurde am 17. Februar 2015 zwischen der f\u00f6deralen Einrichtung &#8222;Verwaltung der f\u00f6deralen Verkehrsstra\u00dfen &#8222;Tamanj&#8220; der F\u00f6deralen Verkehrsagentur Russlands und der GmbH &#8222;StroiGasMontage&#8220; unterzeichnet.<\/p>\n<p>Als\u00a0die Idee des Br\u00fcckenbaus in Russland zur Sprache gebracht wurde,\u00a0wurde sie von vielen Russen sehr wohlwollend aufgenommen. Dabei hatten sie vergessen, dass diese Idee f\u00fcr ihr Geld unter den Bedingungen einer finanziellen und wirtschaftlichen Krise, Arbeitslosigkeit und massenhafter Abschaffung von Arbeitspl\u00e4tzen realisiert wird. So stieg nach Angaben\u00a0von RosStat <em>(staatliches russisches Statistikunternehmen)\u00a0<\/em>die Zahl der bed\u00fcrftigen Menschen in Russland 2015 stark an &#8211; um 3,1 Millionen Menschen, und betr\u00e4gt nun 19,2 Millionen Menschen, was der h\u00f6chste Wert seit 2006 ist. Das Armutsniveau in Russland 2015 liegt bei\u00a013,4% (2014 waren es 11,2%). Dabei pr\u00e4zisiert Russland, dass diese Information ohne die Ber\u00fccksichtigung der Angaben der annektierten Krim und Sewastopols angegeben wird. Das Existenzminimum in Russland, entsprechend den Angaben von RosStat, betrug im 4. Quartal 2015 9.452 Rubel pro Kopf im Monat, im 3. Quartal 9.673 Rubel, im 2. Quartal 10.017 Rubel und im 1. Quartal 9.662 Rubel.<\/p>\n<p>Insgesamt betr\u00e4gt der Durchschnittslohn der Bev\u00f6lkerung Russlands im 4. Quartal 2015 circa 35.586 Rubel im Monat.<\/p>\n<p>Unter solchen Bedingungen wird den russischen Staatsb\u00fcrgern angeboten, ein Projekt zu finanzieren, deren Verwirklichung sie um einiges \u00e4rmer machen und dessen Effekt dabei gleich Null sein wird. Da die Krim f\u00fcr Russland eine\u00a0Subventionsregion ist und bleiben wird, kann man die darin investierten Mittel wohl kaum zur\u00fcckerwarten, und zu einem Urlaubsort wird sie f\u00fcr die Russen nie werden. Die Annexion der Krim und die somit verbundene Entstehung einer weiteren Subventionsregion f\u00fcr Russland, selbst ohne die Ber\u00fccksichtigung der internationalen Sanktionen, haben den Absturz der Wirtschaft und des Lebensniveaus der einfachen russischen B\u00fcrger nur beschleunigt.<\/p>\n<p>Man sollte auch nicht vergessen, dass <strong>der Br\u00fcckenbau ohne Einverst\u00e4ndnis der Ukraine verl\u00e4uft, was an sich schon einen groben Versto\u00df gegen internationale Rechtsnormen darstellt, denen\u00a0zufolge das Asowsche Meer ein Gebiet der gemeinsamen Schifffahrt ist<\/strong>. Das erkannte auch der ehemalige Kreml-Protege Sergei Aksjonow an.<em> &#8222;Das Einverst\u00e4ndnis der Ukraine zu erhalten ist wohl kaum m\u00f6glich,&#8220;<\/em>\u00a0sagte er und f\u00fcgte hinzu, dass der Bau von einem unterirdischen Korridor wesentlich billiger sei und kein Einverst\u00e4ndnis einfordere.<\/p>\n<p><strong>Die von uns befragten Juristen und Experten im Seerecht beteuern, dass die Br\u00fccke ohne Einverst\u00e4ndnis der Ukraine unm\u00f6glich zu bauen ist. Entsprechend dem Vertrag von 2003 tritt hier\u00a0die Wiener Konvention \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von internationalen Vertr\u00e4gen in\u00a0Kraft. Und das bedeutet, dass Russland gegen diese Bedingungen nicht \u00a0versto\u00dfen kann, indem es sich zum Beispiel auf den Artikel 62 &#8222;Grundlegende Ver\u00e4nderung der Umst\u00e4nde&#8220; beruft, indem es die einseitige Statusver\u00e4nderung der Krim meint.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Juristen merken auch an, dass der Gro\u00dfteil der L\u00e4nder den \u00dcbergang der Krim unter russische Rechtshoheit nicht anerkennt, und die Ukraine, die sich im Fall der Realisation dieses Projekts unter der Bedrohung der Blockierung der Stra\u00dfe von Kertsch f\u00fcr die Durchfahrt ihrer Schiffe wiederfinden wird, alle Chancen hat, diese &#8222;grundlegende Ver\u00e4nderung&#8220; in einem internationalen Gericht oder auch im UN-Vermittlungsausschuss anfechten kann. Wie die Praxis zeigt, k\u00f6nnen sich solche Prozesse \u00fcber Jahrzehnte erstrecken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-26520\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/4.jpg\" alt=\"4\" width=\"301\" height=\"172\" \/><\/a>Somit ist nicht ausgeschlossen, dass der Br\u00fcckenbau wegen der finanziellen und juristischen Faktoren nie beendet sein wird. Den Russen wird dabei wie immer erkl\u00e4rt, dass irgendwelche Feinde daran Schuld seien, und dar\u00fcber, dass Milliarden russische Rubel zu dem Zeitpunkt bereits in den Wind geschlagen sein werden, wird sich wieder mal keiner Gedanken machen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr das kostspielige und sinnlose Projekt zum Bau der Kertsch-Br\u00fccke sind circa 70% der Budgetmittel eingeplant worden, die zum Stra\u00dfenbau und Br\u00fcckenreparatur in ganz Russland bereitgestellt werden. Die Autoren dieses Vorhabens haben nat\u00fcrlich kein wirtschaftliches Modell. Geld daf\u00fcr bereitzustellen wurde ausschlie\u00dflich\u00a0daf\u00fcr beschlossen, um eine freie Durchfahrt auf das Territorium der Krim zu gew\u00e4hrleisten, mit der Russland keinen Landkorridor hat. Der Hauptauftragnehmer dieses &#8222;Jahrhundertbaus&#8220; ist ein Unternehmen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arkadi_Romanowitsch_Rotenberg\">Arkadij Rotenberg<\/a>, einem pers\u00f6nlichen Freund von W.Putin, der nun die ben\u00f6tigten Mittel in vollem Umfang erhalten wird, und wahrscheinlich sogar mehr als das.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;In Russland haben derartige sinnlose Projekte immer ein bestimmtes Ziel,&#8220; schreibt die amerikanische Ausgabe Newsweek: &#8222;Sie stellen Instrumente dar, mit deren Hilfe der Kreml seine Absichten verwirklichen und dabei seine Oligarchen und Gouverneure unter Kontrolle halten kann. Gro\u00dfe, vom Staat finanzierte Projekte sind ein Teil des regulierbaren\u00a0Milieus, das nach Kremls Meinung gebraucht wird, damit sich Russland evolution\u00e4r und nicht\u00a0revolution\u00e4r ver\u00e4ndert. Die Bildung von ges\u00fcnderen, aber weniger kontrollierbaren Investitionsbedingungen gilt als gef\u00e4hrlich f\u00fcr das heutige russische Staatsregime&#8220;.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"55\" \/><\/em><em>Dieses\u00a0Material wurde von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/oleh.baturin\">Oleg Baturin<\/a>\u00a0und <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100013095311592&amp;fref=ts&amp;__mref=message_bubble\">Dmitry Lisunow<\/a><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100010235495201\">\u00a0<\/a>exklusiv f\u00fcr<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/26516-kerch-most\/\"> InformNapalm<\/a> vorbereitet;\u00a0\u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>. <strong>Beim\u00a0Nachdruck und\u00a0Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere\u00a0Ressource\u00a0erforderlich.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><em>CC BY 4.0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der \u00d6ffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tats\u00e4chlich brechen.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Kertsch auf der Krim wird eine Br\u00fccke gebaut, die Russland und die Halbinsel verbinden soll. 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Auf dem Weg nach Hause verfluchte er mehrmals den Tag, an dem er auf eine Anzeige einer Firma aus Jekaterinburg geantwortet hatte, die Schichtarbeit in den Gebieten Tscheljabinsk und Swerdlowsk versprach: \"30 Tage mit Unterkunft und Verpflegung, danach - 15 Tage Urlaub zu Hause.\"\r\n\r\nBereits kurz nach der Unterzeichnung des Vertrages hatte sich herausgestellt, dass es keine Arbeit im Ural geben wird. Darum wurde Wjatscheslaw und anderen Arbeitern angeboten, auf die Krim zu fahren. Sie wurden in Busse gepackt und an die K\u00fcste des Schwarzen Meeres gebracht, zum Bau der Br\u00fccke von Kertsch. Als ihre monatliche Schicht zu Ende war, hat sich herausgestellt, dass niemand vorhatte, sie nach Hause zu bringen. Der Teamleiter erz\u00e4hlte etwas von fehlenden Transportmitteln, darum beschloss Wjatscheslaw mit seinem Kollegen eigenst\u00e4ndig nach Hause zu fahren. <strong>Da ihnen das Geld f\u00fcr ihre Arbeit nicht ausgezahlt wurde,<\/strong> wollten die Bauarbeiter per Anhalter bis zum Ural kommen, aber die Fernfahrer z\u00f6gerten\u00a0sie mitzunehmen, also mussten sie zu Fu\u00df laufen.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/2-3.jpg\"><img class=\"alignleft wp-image-26517\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/2-3.jpg\" alt=\"2\" width=\"302\" height=\"231\" \/><\/a>Die Ehefrau von Wjatscheslaw, Oksana, postete einen Aufruf in der Gruppe \"Fernfahrer\" im sozialen Netzwerk VK und bat um Hilfe f\u00fcr ihren Mann. Ihren Worten nach, war ihr Mann zu dem Zeitpunkt bereits vier Tage zu Fu\u00df unterwegs und <strong>ern\u00e4hrte sich von Beeren und Wildfr\u00fcchten.\u00a0<\/strong>\r\n\r\n\"An Batajsk sind wir vorbei. Sein\u00a0Kollege wurde angerufen und ist schon weg. Er l\u00e4uft\u00a0\u00fcber die Verkehrsstra\u00dfe M4 nach\u00a0Moskau. Wer kann, bitte nehmt ihn mit! Ich bitte Euch!\" schrieb Oksana im Namen ihres Mannes am 27. Juli und gab seine Telefonnummer an. Aber niemand antwortete ihr. <strong>Darum musste die Frau ein kleines Darlehen aufnehmen und ihrem Mann das Geld schicken, f\u00fcr welches er dann eine Zugfahrkarte gekauft hatte<\/strong>. <em>\"Bei uns sieht es gerade ziemlich schlecht mit Geld aus,\" erkl\u00e4rte sie: \"Unser Haus ist abgebrannt, wir mieten nun eine Wohnung. Mein Mann ist ein Bauarbeiter, er wollte ein wenig Geld machen...\".<\/em>\r\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Russische Schwei\u00dfer erz\u00e4hlen \u00fcber ihre Arbeitserfahrung auf dem \"Bau des Jahrhunderts\"<\/strong><\/p>\r\nDas ist bei Weitem nicht der einzige Fall bei diesem Br\u00fcckenbau, bei dem die Arbeiter um ihr Geld betrogen wurden. Neulich rief ein Video eine gro\u00dfe gesellschaftliche Resonanz hervor, in dem Schwei\u00dfer und Montagearbeiter ihre bittere Geschichte erz\u00e4hlen: Sie wohnten in einem ehemaligen Kinderlager in Kertsch (Ordschonikidze-Strasse 80) und bekamen zwei Monate lang keinen Lohn. Au\u00dferdem war der Lohn, der ihnen bei der Aufnahme versprochen wurde, anderthalb mal so gro\u00df wie am Ende in ihren Papieren.\r\n\r\n<iframe src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MFIOXvXlNWI\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe>\r\n\r\n<em>\"Wir arbeiten zwei Monate lang an diesem Bau, auf der Krim-Seite, die Firma hei\u00dft \"Business Ressource GmbH\". Das Geld wird uns nicht ausgezahlt. Im Vertrag steht eine Summe von 23,5 Rubel die Stunde und im urspr\u00fcnglichen Vertrag wurden uns aber 1500 Rubel pro Tag versprochen, f\u00fcr einen 12-st\u00fcndigen Arbeitstag mit einer Stunde Pause, ohne Ruhetage. Wir sind alle nicht von hier, und dem Vertrag nach m\u00fcsste uns Unterkunft und Verpflegung\u00a0zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Die Anzeige war auf \"Avito\" (popul\u00e4re Arbeitssuche-Ressource in Russland) ver\u00f6ffentlicht,\"\u00a0<\/em>erz\u00e4hlt ein junger Bauarbeiter aus Woronesch.\r\n\r\nDen Arbeitern wurde Verpflegung versprochen, die aber nicht f\u00fcr alle reichte.<em> \"Nach unserem 11-st\u00fcndigen Arbeitstag in der Nachtschicht denken sie, dass wir sehr m\u00fcde sind und nur noch schlafen wollen und darum kein Fr\u00fchst\u00fcck br\u00e4uchten. Sieht man aber auch an unseren Lebensbedingungen: f\u00fcr 50 Menschen gibt es hier nur zwei Toiletten und einen Boiler f\u00fcr 110 Liter,\"<\/em>\u00a0f\u00fcgte der Arbeiter hinzu.\r\n\r\nNach Aussagen\u00a0der Bauarbeiter sind sie bereits an einem Punkt, an dem sie nur noch Geld f\u00fcr die R\u00fcckreise nach Hause bekommen wollen. Dass jemand von ihnen den versprochenen Lohn bekommt, glaubt keiner von ihnen.\r\n\r\nNoch ein interessantes Video \u00fcber den Bau der Kertsch-Br\u00fccke wurde von einem Schwei\u00dfer der 5. Kategorie ver\u00f6ffentlicht:\r\n\r\n<iframe src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/xyLbx9Uub4g\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe>\r\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Zum Br\u00fcckenbau werden auch Bewohner anderer durch Russland besetzter Territorien hinzugezogen<\/strong><\/p>\r\nDas Internet flimmert aber weiterhin von Jobangeboten am Bau der Kertsch-Br\u00fccke. Mit gutem Geld versucht man auch Bewohner der sogenannten \"DVR\" und \"LVR\" f\u00fcr diesen Bau anzuwerben. Das Schema ist das gleiche: Es werden circa 45-55 000 Rubel im Monat versprochen.\r\n\r\n<em>\"Nat\u00fcrlich ist die Verpflegung und die Unterkunft auf eigene Kosten. Allein aus unserer Stadt waren\u00a015 Menschen zu diesem Bau gefahren und sind alle zur\u00fcckgekommen. Niemand hatte den Menschen erkl\u00e4rt, dass Unterkunft und Verpflegung auf der Krim sehr teuer und viele Preise dort h\u00f6her als selbst in Moskau sind,\"<\/em>\u00a0teilte seine Erfahrungen ein Einwohner von Debalzewe mit. Die Wahrhaftigkeit seiner Worte wurde auch von Einwohnern von Charzysk, Awdijiwka und Jassynuwata best\u00e4tigt, denn viele von ihnen haben schon versucht, auf diese Weise ein wenig Geld zu machen.\r\n\r\nDen Mangel an Arbeitskr\u00e4ften beim Br\u00fcckenbau beschloss man in Russland auf eine erprobte sowjetische Art und Weise zu beseitigen: durch die Hinzuziehung von sogenannten Studenten-Bautrupps. Die ersten Bautrupps wurden aus Studenten von sechs Fachinstituten Russlands gebildet: dem staatlichen technischen Moskauer Verkehrs- und Transport-Institut, der polytechnischen Universit\u00e4t Sankt-Petersburg, dem Architekturinstitut aus Tjumen und anderen.\r\n\r\nDie Studenten wurden in einem Bauarbeiter-Dorf in der Gegend von Tamanj untergebracht. Eine weitere Gruppe wurde\u00a0zum Bau einer Zufuhrstra\u00dfe\u00a0aus dem Krasnodar-Gebiet zur Br\u00fccke auf die Krim\u00a0hinzugezogen.\r\n\r\nNach Worten des Bauleiters der Firma \"StroiGasMontage\" Leonid Ryschenkin f\u00fchren die Studenten \"nicht die schwierigsten und selbstverst\u00e4ndlichen keine gef\u00e4hrlichen Arbeiten beim Br\u00fcckenbau aus\". Die Studenten werden auf den Objekten bis zum 31. August arbeiten. Allen ist eine 5-Tage-Arbeitswoche versprochen worden, mit einem 8-st\u00fcndigen Arbeitstag, kostenloser Unterkunft und dreimaliger Verpflegung. F\u00fcr die einen ist es zwar ein Praktikum, f\u00fcr die anderen aber, wie wir sehen, nur eine PR-Aktion.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/3.jpg\"><img class=\"alignleft wp-image-26519\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/3.jpg\" alt=\"3\" width=\"302\" height=\"202\" \/><\/a>Auf den \"Bau des Jahrhunderts\" hat man sich in Russland gr\u00fcndlich vorbereitet. \u00dcber alle Hauptphasen der Arbeit wird in den russischen Medien breit berichtet, und in den sozialen Netzwerken wurden spezielle Accounts erstellt, die im Namen der \"Krimer Br\u00fccke\" gef\u00fchrt werden. Darin gratuliert die \"Br\u00fccke\" den Russen zum Tag der russischen Flotte, dem Welttag der Wale und Delfine oder auch zum Siegestag. Dort wird auch detailliert \u00fcber den Prozess des Auspf\u00e4hlens und den Bau von St\u00fctzen berichtet.\r\n<h2 style=\"text-align: center\">Nackte Zahlen des imperialistischen Stolzes<\/h2>\r\nDie Br\u00fccke wird ausschlie\u00dflich auf Kosten des f\u00f6deralen Budgets im Rahmen des Programms \"Sozial-wirtschaftliche Entwicklung der Republik Krim und der Stadt Sewastopol bis 2020\" errichtet. Der Kostenvoranschlag f\u00fcrs Projekt betr\u00e4gt 211,9 Milliarden Rubel in Preisen des 4. Quartals 2015. Die Besatzungskr\u00e4fte versprechen, die Br\u00fccke im Dezember 2018 f\u00fcr den Fahrzeugverkehr zu \u00f6ffnen und 2019 f\u00fcr den Zugverkehr. Der Staatsvertrag zur Projektierung und den Bau der Kertsch-Br\u00fccke wurde am 17. Februar 2015 zwischen der f\u00f6deralen Einrichtung \"Verwaltung der f\u00f6deralen Verkehrsstra\u00dfen \"Tamanj\" der F\u00f6deralen Verkehrsagentur Russlands und der GmbH \"StroiGasMontage\" unterzeichnet.\r\n\r\nAls\u00a0die Idee des Br\u00fcckenbaus in Russland zur Sprache gebracht wurde,\u00a0wurde sie von vielen Russen sehr wohlwollend aufgenommen. Dabei hatten sie vergessen, dass diese Idee f\u00fcr ihr Geld unter den Bedingungen einer finanziellen und wirtschaftlichen Krise, Arbeitslosigkeit und massenhafter Abschaffung von Arbeitspl\u00e4tzen realisiert wird. So stieg nach Angaben\u00a0von RosStat <em>(staatliches russisches Statistikunternehmen)\u00a0<\/em>die Zahl der bed\u00fcrftigen Menschen in Russland 2015 stark an - um 3,1 Millionen Menschen, und betr\u00e4gt nun 19,2 Millionen Menschen, was der h\u00f6chste Wert seit 2006 ist. Das Armutsniveau in Russland 2015 liegt bei\u00a013,4% (2014 waren es 11,2%). Dabei pr\u00e4zisiert Russland, dass diese Information ohne die Ber\u00fccksichtigung der Angaben der annektierten Krim und Sewastopols angegeben wird. Das Existenzminimum in Russland, entsprechend den Angaben von RosStat, betrug im 4. Quartal 2015 9.452 Rubel pro Kopf im Monat, im 3. Quartal 9.673 Rubel, im 2. Quartal 10.017 Rubel und im 1. Quartal 9.662 Rubel.\r\n\r\nInsgesamt betr\u00e4gt der Durchschnittslohn der Bev\u00f6lkerung Russlands im 4. Quartal 2015 circa 35.586 Rubel im Monat.\r\n\r\nUnter solchen Bedingungen wird den russischen Staatsb\u00fcrgern angeboten, ein Projekt zu finanzieren, deren Verwirklichung sie um einiges \u00e4rmer machen und dessen Effekt dabei gleich Null sein wird. Da die Krim f\u00fcr Russland eine\u00a0Subventionsregion ist und bleiben wird, kann man die darin investierten Mittel wohl kaum zur\u00fcckerwarten, und zu einem Urlaubsort wird sie f\u00fcr die Russen nie werden. Die Annexion der Krim und die somit verbundene Entstehung einer weiteren Subventionsregion f\u00fcr Russland, selbst ohne die Ber\u00fccksichtigung der internationalen Sanktionen, haben den Absturz der Wirtschaft und des Lebensniveaus der einfachen russischen B\u00fcrger nur beschleunigt.\r\n\r\nMan sollte auch nicht vergessen, dass <strong>der Br\u00fcckenbau ohne Einverst\u00e4ndnis der Ukraine verl\u00e4uft, was an sich schon einen groben Versto\u00df gegen internationale Rechtsnormen darstellt, denen\u00a0zufolge das Asowsche Meer ein Gebiet der gemeinsamen Schifffahrt ist<\/strong>. Das erkannte auch der ehemalige Kreml-Protege Sergei Aksjonow an.<em> \"Das Einverst\u00e4ndnis der Ukraine zu erhalten ist wohl kaum m\u00f6glich,\"<\/em>\u00a0sagte er und f\u00fcgte hinzu, dass der Bau von einem unterirdischen Korridor wesentlich billiger sei und kein Einverst\u00e4ndnis einfordere.\r\n\r\n<strong>Die von uns befragten Juristen und Experten im Seerecht beteuern, dass die Br\u00fccke ohne Einverst\u00e4ndnis der Ukraine unm\u00f6glich zu bauen ist. Entsprechend dem Vertrag von 2003 tritt hier\u00a0die Wiener Konvention \u00fcber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von internationalen Vertr\u00e4gen in\u00a0Kraft. Und das bedeutet, dass Russland gegen diese Bedingungen nicht \u00a0versto\u00dfen kann, indem es sich zum Beispiel auf den Artikel 62 \"Grundlegende Ver\u00e4nderung der Umst\u00e4nde\" beruft, indem es die einseitige Statusver\u00e4nderung der Krim meint.\u00a0<\/strong>\r\n\r\nDie Juristen merken auch an, dass der Gro\u00dfteil der L\u00e4nder den \u00dcbergang der Krim unter russische Rechtshoheit nicht anerkennt, und die Ukraine, die sich im Fall der Realisation dieses Projekts unter der Bedrohung der Blockierung der Stra\u00dfe von Kertsch f\u00fcr die Durchfahrt ihrer Schiffe wiederfinden wird, alle Chancen hat, diese \"grundlegende Ver\u00e4nderung\" in einem internationalen Gericht oder auch im UN-Vermittlungsausschuss anfechten kann. Wie die Praxis zeigt, k\u00f6nnen sich solche Prozesse \u00fcber Jahrzehnte erstrecken.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/4.jpg\"><img class=\"alignleft wp-image-26520\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/4.jpg\" alt=\"4\" width=\"301\" height=\"172\" \/><\/a>Somit ist nicht ausgeschlossen, dass der Br\u00fcckenbau wegen der finanziellen und juristischen Faktoren nie beendet sein wird. Den Russen wird dabei wie immer erkl\u00e4rt, dass irgendwelche Feinde daran Schuld seien, und dar\u00fcber, dass Milliarden russische Rubel zu dem Zeitpunkt bereits in den Wind geschlagen sein werden, wird sich wieder mal keiner Gedanken machen.\r\n\r\n<strong>F\u00fcr das kostspielige und sinnlose Projekt zum Bau der Kertsch-Br\u00fccke sind circa 70% der Budgetmittel eingeplant worden, die zum Stra\u00dfenbau und Br\u00fcckenreparatur in ganz Russland bereitgestellt werden. Die Autoren dieses Vorhabens haben nat\u00fcrlich kein wirtschaftliches Modell. Geld daf\u00fcr bereitzustellen wurde ausschlie\u00dflich\u00a0daf\u00fcr beschlossen, um eine freie Durchfahrt auf das Territorium der Krim zu gew\u00e4hrleisten, mit der Russland keinen Landkorridor hat. Der Hauptauftragnehmer dieses \"Jahrhundertbaus\" ist ein Unternehmen von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arkadi_Romanowitsch_Rotenberg\">Arkadij Rotenberg<\/a>, einem pers\u00f6nlichen Freund von W.Putin, der nun die ben\u00f6tigten Mittel in vollem Umfang erhalten wird, und wahrscheinlich sogar mehr als das.<\/strong>\r\n\r\n\"In Russland haben derartige sinnlose Projekte immer ein bestimmtes Ziel,\" schreibt die amerikanische Ausgabe Newsweek: \"Sie stellen Instrumente dar, mit deren Hilfe der Kreml seine Absichten verwirklichen und dabei seine Oligarchen und Gouverneure unter Kontrolle halten kann. Gro\u00dfe, vom Staat finanzierte Projekte sind ein Teil des regulierbaren\u00a0Milieus, das nach Kremls Meinung gebraucht wird, damit sich Russland evolution\u00e4r und nicht\u00a0revolution\u00e4r ver\u00e4ndert. Die Bildung von ges\u00fcnderen, aber weniger kontrollierbaren Investitionsbedingungen gilt als gef\u00e4hrlich f\u00fcr das heutige russische Staatsregime\".\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><img class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"55\" \/><\/em><em>Dieses\u00a0Material wurde von\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/oleh.baturin\">Oleg Baturin<\/a>\u00a0und <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100013095311592&amp;fref=ts&amp;__mref=message_bubble\">Dmitry Lisunow<\/a><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100010235495201\">\u00a0<\/a>exklusiv f\u00fcr<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/26516-kerch-most\/\"> InformNapalm<\/a> vorbereitet;\u00a0\u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>. <strong>Beim\u00a0Nachdruck und\u00a0Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere\u00a0Ressource\u00a0erforderlich.\u00a0<\/strong><\/em>\r\n\r\n<strong><em>CC BY 4.0<\/em><\/strong>\r\n\r\n<strong><em>Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. 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