{"id":19466,"date":"2016-09-30T11:15:11","date_gmt":"2016-09-30T11:15:11","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=19466"},"modified":"2016-10-01T08:49:13","modified_gmt":"2016-10-01T08:49:13","slug":"mh17-zwei-jahre-alte-daten-auf-dem-briefing-des-russischen-verteidigungsministeriums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/mh17-zwei-jahre-alte-daten-auf-dem-briefing-des-russischen-verteidigungsministeriums\/","title":{"rendered":"Flug MH17: Zwei Jahre alte Daten beim Briefing des russischen Verteidigungsministeriums"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Am 28. September 2016 wird die holl\u00e4ndische Seite einen weiteren MH17-Bericht vorstellen und am Vorabend dieses Ereignisses diskutieren alle \u00fcber das unerwartete Auftauchen von neuen Angaben, die von der russischen Seite pr\u00e4sentiert\u00a0worden sind.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Was uns w\u00e4hrend des russischen Briefings mitgeteilt wurde<\/strong><\/p>\n<p>Am 26. September 2016 wurden auf dem Briefing des russischen Verteidigungsministeriums Angaben des <strong>Flug\u00fcberwachungskomplex &#8222;Utes-T&#8220;<\/strong> pr\u00e4sentiert, der sich im Rostower Gebiet Russlands befindet, unweit des Dorfes Ust-Donezky.<\/p>\n<p>Der Hersteller dieses Funkmesskomplexes ist das Liasonowski Elektromechanische Werk (LEMS), das zum Konzern &#8222;Almas-Antei&#8220; geh\u00f6rt. Nach Angaben des Entwicklers waren\u00a0diese Radardaten\u00a0Ende Juli 2014 im Lauf von geplanten Servicearbeiten zum Austausch von Datentr\u00e4gern der Hauptprozessoren durch Experten abgenommen worden. Die\u00a0Datentr\u00e4ger beinhalteten Information \u00fcber die Lage am Himmel am 17. Juli 2014, als die Boeing MH17 abgeschossen wurde (<a href=\"http:\/\/www.ntv.ru\/novosti\/1665417\/\">Mitteilung<\/a>).<\/p>\n<p>Der ganze Briefing wurde von den wichtigsten russischen Propagandaquellen live ausgestrahlt:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"978\" height=\"550\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/dzeFFCBDt-w?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nahm der stellvertretende Chefkonstrukteur von LEMS Viktor Mescherjakow das Wort. Von ihm haben wir erfahren, dass der Komplex &#8222;Utes-T&#8220; die Flugsicherheit von zivilen Flugzeugen gew\u00e4hrleistet. Der Komplex besteht aus 3 Radareinrichtungen: Einem Radar mit bis zu 360 km, einem\u00a0bis zu 400 km Reichweite und einem System f\u00fcr <span class=\"_Tgc\">Freund-Feind-Erkennung<\/span>. Die Informationen werden alle 10 Sekunden aktualisiert.<\/p>\n<p>Das erste Radar erfasst das Signal, das von einem Flugobjekt reflektiert\u00a0wird (Prim\u00e4rradar bzw.\u00a0 Prim\u00e4rdaten).<\/p>\n<p><em>Anm.d.Red.:<\/em> In der Praxis bedeutet es, dass dieses Radar z.B. eine Antonow An-2, eine Drohne oder auch eine Rakete erfasst, die auf ein Flugzeug abgeschossen wurde. Je gr\u00f6\u00dfer das Ziel und je besser das Signal reflektiert wird, um so besser ist es zu erfassen. Man muss auch Wetterbedingungen und die Geschwindigkeit des Objekts ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Das Sekund\u00e4rradar\u00a0bearbeitet das Signal nach dem &#8222;Frage-Antwort&#8220;-Schema und erfasst die Information bzw. &#8222;Antwort&#8220;, die der Bordtransponder des Luftfahrzeugs generiert (Sekund\u00e4rsignal bzw. Sekund\u00e4rdaten).<\/p>\n<p><em>Anm.d.Red.:<\/em> Alle zivilen Luftfahrzeuge sind mit Transpondern ausger\u00fcstet, weshalb man diese selbst im Internet mithilfe von Onlinediensten wie <a href=\"https:\/\/www.flightradar24.com\/\">Flightradar24<\/a>\u00a0und anderen beobachten kann.<\/p>\n<p>&#8222;Utes-T&#8220; verarbeitet sowohl Prim\u00e4r- als auch Sekund\u00e4rsignale und erstellt die Flugbahn eines Objekts.<\/p>\n<p>Der Flug MH17 war\u00a0um 13:04:26 Uhr zun\u00e4chst durch das Sekund\u00e4rradar\u00a0auf einer Entfernung von 404 Kilometern entdeckt worden, danach durch das Prim\u00e4rradar bei 362 km Entfernung um 13:07:20 Uhr.<\/p>\n<div id=\"attachment_19496\" style=\"width: 576px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19496\" class=\" wp-image-19496\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/1.jpg\" alt=\"&quot;Utes-T&quot; beobachtete MH17 schon ab dem Dnipro-Gebiet (Entfernung: 400 Kilometer)\" width=\"566\" height=\"371\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19496\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Utes-T&#8220; beobachtete MH17 schon ab dem Dnipro-Gebiet (Entfernung: 400 Kilometer)<\/p>\n<\/div>\n<p>Das letzte Mal erfasst das Radar das Flugzeug in unversehrtem Zustand um 13:20:02 Uhr bei einer Entfernung von 172 Kilometern zu Ust-Donezky.<\/p>\n<div id=\"attachment_19497\" style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19497\" class=\" wp-image-19497\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/2.jpg\" alt=\"Letzter Punkt vor dem Abschuss (Entfernung zum Radar: 173 Kilometer)\" width=\"564\" height=\"324\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19497\" class=\"wp-caption-text\">Letzter Punkt vor dem Abschuss (Entfernung zum Radar: 173 Kilometer)<\/p>\n<\/div>\n<p>Zur\u00fcck zum Briefing: Als n\u00e4chster\u00a0kam der Leiter der funktechnischen Truppen der russischen Streitkr\u00e4fte Generalmajor Andrei Koban zu Wort, der die Ausgangsdaten des Fluges vorlas und nochmal wiederholte, ab welchem Punkt das Flugzeug f\u00fcr das russische Radar zu sehen war.<\/p>\n<p>Zu gleichem Zeitpunkt hatte das Radar &#8222;Utes-T&#8220; eine Drohne &#8222;Orlan-10&#8220; an der russisch-ukrainischen Grenze geortet. Die Rakete des &#8222;Buk&#8220;-Systems ist dabei wesentlich gr\u00f6\u00dfer als diese Drohne und m\u00fcsste theoretisch auf dem Radar zu sehen gewesen sein &#8211; das Radar hatte sie aber &#8222;nicht gesehen&#8220;.<\/p>\n<p>Und hier beginnt das Interessanteste. Wortw\u00f6rtliche Rede des Generalmajors Koban:<\/p>\n<p><em>&#8222;Dabei kann man mit Sicherheit behaupten, dass in der Zeit, die dem Absturz der &#8222;Boeing&#8220; voranging, keine Ann\u00e4herung von Luftfahrzeugen von der \u00f6stlichen Seite ermittelt werden konnte, darunter auch nicht von der Ortschaft Snischne. Ich betone: Wenn die malaysische Boeing durch eine Rakete abgeschossen\u00a0worden w\u00e4re, die aus einer beliebigen Gegend \u00f6stlich von der Katastrophenstelle gestartet wurde, so w\u00e4re sie durch das Prim\u00e4rradar entdeckt worden.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Man sollte anmerken, dass technische M\u00f6glichkeiten der russischen Kontrollmittel keine Schlussfolgerung dar\u00fcber zu ziehen erlauben, ob die Rakete vom Territorium s\u00fcdlicher oder westlicher von der Katastrophenstelle aus gestartet worden wa<\/em>r&#8220; (Im Video bei 14:30-15:15).<\/p>\n<p>Weiter werden die\u00a0ukrainische und amerikanische Seite beschuldigt, keine Satellitenbilder an die Ermittler \u00fcbergeben zu haben. Mehr noch, ohne jegliche Beweise oder Bilder wird uns mitgeteilt, an jenem Tag h\u00e4tten die russischen funktechnischen Aufkl\u00e4rungsmittel im Raum der Absturzstelle ukrainische Radare entdeckt, die dort aktiv gewesen sein sollen. Wenn der erste Teil des Briefings wenigstens noch von formellen Beweisen begleitet wurde, so wurde sp\u00e4ter nur noch mit Infos ohne jegliche Best\u00e4tigung operiert.<\/p>\n<p>Vorhang zu.<\/p>\n<p><strong>Und nun zu den Fragen<\/strong><\/p>\n<p>Es l\u00e4uft darauf hinaus, dass das russische Radar &#8222;Utes-T&#8220; die MH17 erstmals auf einer Entfernung von 400 Kilometern von Ust-Donezky geortet hat. Ist das viel oder wenig? Hier die lineare Entfernung\u00a0von Ust-Donezky zu den anderen Ortschaften (Die Datenauswertung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.luftlinie.org\/Ust'-Donetskiy\/\u0422\u043e\u0440\u0435\u0437\">kann man hier machen<\/a>):<\/p>\n<p>Ust-Donezky &#8211; Snischne: 162 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Tores: 173 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014Horliwka: 224 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Donezk: 237 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Torezk\u00a0(ehem. Dserschynsk): 240 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Kramatorsk: 272 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014Slowjansk: 276 km (alles Donezker Gebiet)<\/p>\n<p>und als Beispiel:<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Pawlograd\u00a0(Dnipro-Gebiet): 382 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Saporischschja: 429 km;<\/p>\n<p>Ust-Donezky \u2014 Dnipro\u00a0(ehem. Dnipropetrowsk): 446 km.<\/p>\n<p>Somit kann das russische Radar das komplette Territorium des Donezker Gebiets erfassen, und sogar einen Teil des Dnipro-Gebiets. Wenn man sich die Route der MH17 anschaut, so tauchte die Boeing noch im Dnipro-Gebiet auf dem russischen Radar &#8222;Utes-T&#8220; auf, etwas oberhalb von\u00a0Pawlograd (nutzen wir die interaktive Karte unserer Kollegen von <a href=\"https:\/\/mh17.correctiv.org\/\">Correctiv<\/a>).<\/p>\n<div id=\"attachment_19498\" style=\"width: 575px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19498\" class=\" wp-image-19498\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/3.jpg\" alt=\"MH17-Route und die ungef\u00e4hre Stelle, an der sie das russische Radar zu verfolgen begann\" width=\"565\" height=\"289\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19498\" class=\"wp-caption-text\">MH17-Route und die ungef\u00e4hre Stelle, an der sie das russische Radar zu verfolgen begann<\/p>\n<\/div>\n<p>Ab diesem Punkt verfolgt das russische Radar den Flug \u00fcber 200 Kilometer bis zur Stadt Tores &#8211; das sind 173 Kilometer von Ust-Donezky. Wenn man sich die Karte der ukrainischen Stellungen per 17. Juli 2014 anschaut, so sehen wir, dass der Wirkungsbereich des Radars das gesamte Territorium umfasst, das unter &#8222;DVR&#8220;-Kontrolle war (Donezk, Horliwka &#8211; 220-240 km), die Demarkationslinie (Torezk, Artemiwsk &#8211; 240 km) und das tiefe Hinterland der ukrainischen Armee (Slowjansk, Kramatorsk &#8211; 270-280 km).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"http:\/\/fr1.sidcdn.net\/maps\/nsdc\/2014\/07\/large\/map-nsdc-2014-07-17-uk-w3000.jpg\" width=\"565\" height=\"471\" \/><\/p>\n<p>Das Geschehen in diesem Gebiet ist dynamisch <a href=\"http:\/\/ru.slovoidilo.ua\/articles\/3724\/2014-07-17\/karta-ato-po-sostoyaniyu-na-17-iyulya.html\">hier dargestellt<\/a>:<\/p>\n<div id=\"attachment_27660\" style=\"width: 575px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-27660\" class=\"wp-image-27660 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20140718162933East_Ukraine_conflict-e1474963797542.png\" alt=\"\u041a\u0430\u0440\u0442\u0430 \u0437\u043e\u043d\u044b \u0410\u0422\u041e \u043d\u0430 16-17 \u0438\u044e\u043b\u044f 2014 \u0433\u043e\u0434\u0430\" width=\"565\" height=\"639\" \/><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-27660\" class=\"wp-caption-text\">ATO-Karte per 16-17. Juli 2014<\/p>\n<\/div>\n<p>Wir sollten uns an der Stelle nochmal an die Aussage des Generalmajors Koban erinnern: &#8222;&#8230; eine Ann\u00e4herung von irgendwelchen Luftobjekten an das Flugzeug von der \u00f6stlichen Seite, darunter auch von Snischne, konnte nicht ermittelt werden&#8230; Technische M\u00f6glichkeiten&#8230; erlauben keine Schlussfolgerung dar\u00fcber zu ziehen, ob die Rakete vom Territorium aus gestartet wurde, das s\u00fcdlicher oder westlicher von der Katastrophenstelle liegt&#8220;.<\/p>\n<p>Also verfolgt das Radar das Flugzeug vom Dnipro-Gebiet (400 Km) bis einschlie\u00dflich Snischne (162 km) und kontrolliert alles. <strong>Dabei erlauben seine Daten das Faktum des &#8222;Buk&#8220;-Raketenstarts \u00f6stlicher von Snischne (lies: Gebiet der &#8222;DVR&#8220;) abzustreiten, diesen Raketenstart aber westlicher oder s\u00fcdlicher (lies: Gebiet ukrainischer Streitkr\u00e4fte) zu registrieren ist das Radar aber nicht im Stande?<\/strong><\/p>\n<p>Rufen wir uns auch ins Ged\u00e4chtnis, wie zerrissen damals die Frontlinie war: +\/- 10 Kilometer &#8211; und schon sind wir im Hinterland der &#8222;DVR&#8220; oder der ukrainischen Streitkr\u00e4fte. Das russische Radar &#8222;sieht&#8220; aber komischerweise nur das Territorium, das der &#8222;DVR&#8220; untersteht.<\/p>\n<p>Aber einen\u00a0Raketenstart vom ukrainisch-kontrolliertem Territorium aus kann es nicht detektieren? Wie kann das sein?<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Aktualisierungsintervall der Daten des Radars &#8222;Utes-T&#8220;. Das sind die vom Entwickler angegebenen 10 Sekunden. Ber\u00fccksichtigen wir auch, dass &#8222;Buk&#8220;\/&#8220;Buk-M1&#8220; Ziele auf eine Entfernung von 30 bis 35 km treffen kann, wobei die Geschwindigkeit der Basisrakete 9M38 2880 km\/h (0,8 km\/s) betr\u00e4gt. Ausgehend davon\u00a0kann es tats\u00e4chlich passieren, dass es dem &#8222;Utes-T&#8220; nicht gelingt, den Raketenanflug zu registrieren: Die ersten 10 Sekunden werden zur Entdeckung eines neuen Objekts ben\u00f6tigt, weitere 10 Sekunden &#8211; zum Erstellen der Flugbahn. Innerhalb von 20 Sekunden wird das Flugzeug aber schon getroffen worden sein. Schlussendlich k\u00f6nnte die &#8222;Buk&#8220;-Rakete schlimmstenfalls durch den Erfassungsbereich des Radars nur einmal als ein Punkt ohne Flugbahn huschen.<\/p>\n<p>Man sollte auch wissen, ab welcher H\u00f6he das zivile Radar &#8222;Utes-T&#8220; \u00fcberhaupt eine fliegende Rakete erkennen kann, wie deren Flugbahn dabei war (Steigflug und dann Sturzflug auf die Boeing zu oder aber auf direktem Abfangkurs mit allm\u00e4hlichem Steigflug) und wo die genaue Startposition relativ zum Flugobjekt lag.<\/p>\n<p>Im Briefing weist der Entwickler selbst auf die Einschr\u00e4nkungen seines Systems hin: &#8222;Das Prim\u00e4rradar kann bei Pr\u00e4senz einer Wolkenschicht im Flugraum des Objekts letzteres verpassen, falls die Flugbahn des Objekts derart ist, dass sich der Abstand zwischen ihm und dem Radar nur sehr langsam \u00e4ndert&#8230;&#8220; (Video 2:38-2:59).<\/p>\n<p>Also wird ein Objekt, das gerade an H\u00f6he gewinnt und sich vom Radar nicht all zu weit entfernt, f\u00fcr das Radar unsichtbar sein. Entsprechend den mutma\u00dflichen Fotos des Raketenstarts gab es gerade an dem Tag Wolken, beim Start gewann die Rakete zuerst rapide an H\u00f6he und war f\u00fcr &#8222;Utes-T&#8220; die ersten Sekunden nicht zu sehen. Danach konnte die Rakete im Zeitraum der Datenaktualisierung ihre Flugbahn einnehmen\u00a0und die MH17 treffen. &#8222;Utes-T&#8220; h\u00e4tte die Rakete nicht mal als einen Punkt wiedergeben k\u00f6nnen&#8230;<\/p>\n<p>Auch m\u00f6chten wir anmerken, dass wir keine vollst\u00e4ndigen Arbeitsergebnisse des &#8222;Utes-T&#8220; sehen, sondern nur seine summarische, gefilterte Resultate. Lassen wir nochmal den Entwickler zu Wort kommen: <em>&#8222;Vielleicht haben Sie gr\u00fcne Punkte gesehen, zu denen es keine Flugbahn gibt. Diese Punkte sind Wetterartefakte. Sie werden dem Nutzer\u00a0nicht angezeigt &#8211; dem Nutzer werden nur solche Punkte angezeigt, mit Hilfe derer eine Flugbahn erstellt worden ist.&#8220; (Im Video 6:08-6:38)<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_19499\" style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19499\" class=\" wp-image-19499\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/4.jpg\" alt=\"Wettererzeugungen, die die Filter des Radars &quot;Utes-T&quot; aussortieren\" width=\"564\" height=\"324\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19499\" class=\"wp-caption-text\">Wetterartefakte in gr\u00fcn, die durch Filter des Radars &#8222;Utes-T&#8220; aussortiert werden<\/p>\n<\/div>\n<p>F\u00fcrs Erstellen der Flugbahn werden 2 Datenaktualisierungen ben\u00f6tigt, was bei der Geschwindigkeit von Buk-Raketen und der Entfernung vom Ziel nicht immer m\u00f6glich ist. Somit ist uns im Briefing nicht die komplette Information bereitgestellt worden, sondern nur die f\u00fcr den Endnutzer (z.B. Fluglotse) gefilterten Daten: Das Radar analysiert alle Daten, dann werden sie gefiltert und alles \u00dcberfl\u00fcssige wird aussortiert. F\u00fcr die Ermittlung w\u00e4re es aber interessant, sich die Ausgangsdaten anzuschauen, noch vor der Filterung, und zu versuchen, den Raketenstart abzufangen, ausgehend von der mutma\u00dflichen Startposition, der Raketenflugbahn und anderen Eingangsdaten.<\/p>\n<p><strong>Warum wurde zwei\u00a0Jahre lang geschwiegen?<\/strong><\/p>\n<p>Und nun zur n\u00e4chsten unangenehmen Frage f\u00fcr die russische Seite. <a href=\"http:\/\/www.onderzoeksraad.nl\/uploads\/phase-docs\/1006\/debcd724fe7breport-mh17-crash.pdf\">Im Bericht der holl\u00e4ndischen Staatsanwaltschaft<\/a>\u00a0vom Oktober 2015 im Kapitel \u00ab2.9.5. Air traffic services surveillance data\u00bb ist eine Tabelle mit Angaben angef\u00fchrt, die die russische und die ukrainische Seite bereitgestellt hatten:<\/p>\n<div id=\"attachment_19500\" style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19500\" class=\" wp-image-19500\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/5.png\" alt=\"Angaben von Radaren, Ukraine vs. Russland\" width=\"564\" height=\"329\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19500\" class=\"wp-caption-text\">Radardaten, Ukraine vs. Russland<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Ukraine hatte einen Teil ihres Territoriums nicht kontrollieren k\u00f6nnen, da ein Teil der Flug\u00fcberwachungstechnik von &#8222;UkrAeroRuh&#8220; sich auf besetztem Gebiet befand. Darum arbeiteten die ukrainischen Fluglotsen mit Daten des Sekund\u00e4rradars, die es ihnen erlaubten, Passierflugzeuge durch die ATO-Zone durchzuf\u00fchren. All diese Daten (Sekund\u00e4rdaten: Rohdaten und die Bildschirmaufzeichnungen) waren von der ukrainischen Seite an die holl\u00e4ndische Staatsanwaltschaft wie gew\u00fcnscht \u00fcbergeben\u00a0worden.<\/p>\n<p>Russland aber, im Unterschied zur Ukraine, hatte der Untersuchungskommission nur die Aufzeichnungen von Radarbildschirmen zur Verf\u00fcgung gestellt, aber keine Rohdaten von Prim\u00e4r- und\/oder Sekund\u00e4rradar. An der Stelle sollten wir uns daran erinnern, dass die Bildschirmaufzeichnungen ein Resultat der Anwendung von Filtern sind. Interessanter w\u00e4re es, gerade die Rohdaten zu untersuchen &#8211; diese haben die Russen aber &#8230; nicht gespeichert.<\/p>\n<p>Nach Forderung der ICAO sind die L\u00e4nder verpflichtet, solche Daten f\u00fcr\u00a030 Tage, bei jeglichen Zwischenf\u00e4llen\u00a0auch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit abzuspeichern. Die F\u00f6derale Agentur der Luftfahrt Russlands hatte aber die ben\u00f6tigte Information nicht bereitgestellt: Die Katastrophe habe au\u00dferhalb der Staatsgrenzen Russlands stattgefunden, darum sei die russische Seite nicht verpflichtet diese Information aufzubewahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_19501\" style=\"width: 576px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-19501\" class=\" wp-image-19501\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/6.jpg\" alt=\"Wie Russland letztes Jahr seine Radardaten verloren hat\" width=\"566\" height=\"219\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-19501\" class=\"wp-caption-text\">Wie Russland letztes Jahr seine Radardaten verloren hat<\/p>\n<\/div>\n<p>Am Ende ergibt sich, dass Russland vor einem Jahr offiziell erkl\u00e4rte, dass diese Daten nicht gespeichert worden seien &#8211; es g\u00e4be sie schlicht und einfach nicht. Und zwei Jahre nach der Katastrophe sind die Aufzeichnungen doch noch gefunden worden. Und wie kann man denn nun ihre Echtheit pr\u00fcfen? Hatten sie damals gelogen oder l\u00fcgen sie jetzt?<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"55\" \/><\/em><\/p>\n<p><em>Dieses Material wurde von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anton.pavlushko\">Anton Pawluschko<\/a>\u00a0exklusiv f\u00fcr <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/27652-mh17-radar-raw-data\/\">InformNapalm<\/a> vorbereitet; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>. <strong>Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf die Autoren und unser Projekt erforderlich.<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><em>(CC BY)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Eine aktive Verbreitung unserer Publikationen in den Sozialnetzwerken, in Foren und Medien wird begr\u00fc\u00dft. Die Verbreitung der Untersuchungen im \u00f6ffentlichen Diskurs, kann den Lauf des informativen und des milit\u00e4rischen Widerstands ver\u00e4ndern.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28. 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September 2016 wird die holl\u00e4ndische Seite einen weiteren MH17-Bericht vorstellen und am Vorabend dieses Ereignisses diskutieren alle \u00fcber das unerwartete Auftauchen von neuen Angaben, die von der russischen Seite pr\u00e4sentiert\u00a0worden sind.<\/em><\/strong>\r\n\r\n<strong>Was uns w\u00e4hrend des russischen Briefings mitgeteilt wurde<\/strong>\r\n\r\nAm 26. September 2016 wurden auf dem Briefing des russischen Verteidigungsministeriums Angaben des <strong>Flug\u00fcberwachungskomplex \"Utes-T\"<\/strong> pr\u00e4sentiert, der sich im Rostower Gebiet Russlands befindet, unweit des Dorfes Ust-Donezky.\r\n\r\nDer Hersteller dieses Funkmesskomplexes ist das Liasonowski Elektromechanische Werk (LEMS), das zum Konzern \"Almas-Antei\" geh\u00f6rt. Nach Angaben des Entwicklers waren\u00a0diese Radardaten\u00a0Ende Juli 2014 im Lauf von geplanten Servicearbeiten zum Austausch von Datentr\u00e4gern der Hauptprozessoren durch Experten abgenommen worden. Die\u00a0Datentr\u00e4ger beinhalteten Information \u00fcber die Lage am Himmel am 17. Juli 2014, als die Boeing MH17 abgeschossen wurde (<a href=\"http:\/\/www.ntv.ru\/novosti\/1665417\/\">Mitteilung<\/a>).\r\n\r\nDer ganze Briefing wurde von den wichtigsten russischen Propagandaquellen live ausgestrahlt:\r\n\r\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dzeFFCBDt-w\r\n\r\nZun\u00e4chst nahm der stellvertretende Chefkonstrukteur von LEMS Viktor Mescherjakow das Wort. Von ihm haben wir erfahren, dass der Komplex \"Utes-T\" die Flugsicherheit von zivilen Flugzeugen gew\u00e4hrleistet. Der Komplex besteht aus 3 Radareinrichtungen: Einem Radar mit bis zu 360 km, einem\u00a0bis zu 400 km Reichweite und einem System f\u00fcr <span class=\"_Tgc\">Freund-Feind-Erkennung<\/span>. Die Informationen werden alle 10 Sekunden aktualisiert.\r\n\r\nDas erste Radar erfasst das Signal, das von einem Flugobjekt reflektiert\u00a0wird (Prim\u00e4rradar bzw.\u00a0 Prim\u00e4rdaten).\r\n\r\n<em>Anm.d.Red.:<\/em> In der Praxis bedeutet es, dass dieses Radar z.B. eine Antonow An-2, eine Drohne oder auch eine Rakete erfasst, die auf ein Flugzeug abgeschossen wurde. Je gr\u00f6\u00dfer das Ziel und je besser das Signal reflektiert wird, um so besser ist es zu erfassen. Man muss auch Wetterbedingungen und die Geschwindigkeit des Objekts ber\u00fccksichtigen.\r\n\r\nDas Sekund\u00e4rradar\u00a0bearbeitet das Signal nach dem \"Frage-Antwort\"-Schema und erfasst die Information bzw. \"Antwort\", die der Bordtransponder des Luftfahrzeugs generiert (Sekund\u00e4rsignal bzw. Sekund\u00e4rdaten).\r\n\r\n<em>Anm.d.Red.:<\/em> Alle zivilen Luftfahrzeuge sind mit Transpondern ausger\u00fcstet, weshalb man diese selbst im Internet mithilfe von Onlinediensten wie <a href=\"https:\/\/www.flightradar24.com\/\">Flightradar24<\/a>\u00a0und anderen beobachten kann.\r\n\r\n\"Utes-T\" verarbeitet sowohl Prim\u00e4r- als auch Sekund\u00e4rsignale und erstellt die Flugbahn eines Objekts.\r\n\r\nDer Flug MH17 war\u00a0um 13:04:26 Uhr zun\u00e4chst durch das Sekund\u00e4rradar\u00a0auf einer Entfernung von 404 Kilometern entdeckt worden, danach durch das Prim\u00e4rradar bei 362 km Entfernung um 13:07:20 Uhr.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19496\" align=\"aligncenter\" width=\"566\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/1.jpg\"><img class=\" wp-image-19496\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/1.jpg\" alt=\"&quot;Utes-T&quot; beobachtete MH17 schon ab dem Dnipro-Gebiet (Entfernung: 400 Kilometer)\" width=\"566\" height=\"371\" \/><\/a> \"Utes-T\" beobachtete MH17 schon ab dem Dnipro-Gebiet (Entfernung: 400 Kilometer)[\/caption]\r\n\r\nDas letzte Mal erfasst das Radar das Flugzeug in unversehrtem Zustand um 13:20:02 Uhr bei einer Entfernung von 172 Kilometern zu Ust-Donezky.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19497\" align=\"aligncenter\" width=\"564\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/2.jpg\"><img class=\" wp-image-19497\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/2.jpg\" alt=\"Letzter Punkt vor dem Abschuss (Entfernung zum Radar: 173 Kilometer)\" width=\"564\" height=\"324\" \/><\/a> Letzter Punkt vor dem Abschuss (Entfernung zum Radar: 173 Kilometer)[\/caption]\r\n\r\nZur\u00fcck zum Briefing: Als n\u00e4chster\u00a0kam der Leiter der funktechnischen Truppen der russischen Streitkr\u00e4fte Generalmajor Andrei Koban zu Wort, der die Ausgangsdaten des Fluges vorlas und nochmal wiederholte, ab welchem Punkt das Flugzeug f\u00fcr das russische Radar zu sehen war.\r\n\r\nZu gleichem Zeitpunkt hatte das Radar \"Utes-T\" eine Drohne \"Orlan-10\" an der russisch-ukrainischen Grenze geortet. Die Rakete des \"Buk\"-Systems ist dabei wesentlich gr\u00f6\u00dfer als diese Drohne und m\u00fcsste theoretisch auf dem Radar zu sehen gewesen sein - das Radar hatte sie aber \"nicht gesehen\".\r\n\r\nUnd hier beginnt das Interessanteste. Wortw\u00f6rtliche Rede des Generalmajors Koban:\r\n\r\n<em>\"Dabei kann man mit Sicherheit behaupten, dass in der Zeit, die dem Absturz der \"Boeing\" voranging, keine Ann\u00e4herung von Luftfahrzeugen von der \u00f6stlichen Seite ermittelt werden konnte, darunter auch nicht von der Ortschaft Snischne. Ich betone: Wenn die malaysische Boeing durch eine Rakete abgeschossen\u00a0worden w\u00e4re, die aus einer beliebigen Gegend \u00f6stlich von der Katastrophenstelle gestartet wurde, so w\u00e4re sie durch das Prim\u00e4rradar entdeckt worden.\u00a0<\/em>\r\n\r\n<em>Man sollte anmerken, dass technische M\u00f6glichkeiten der russischen Kontrollmittel keine Schlussfolgerung dar\u00fcber zu ziehen erlauben, ob die Rakete vom Territorium s\u00fcdlicher oder westlicher von der Katastrophenstelle aus gestartet worden wa<\/em>r\" (Im Video bei 14:30-15:15).\r\n\r\nWeiter werden die\u00a0ukrainische und amerikanische Seite beschuldigt, keine Satellitenbilder an die Ermittler \u00fcbergeben zu haben. Mehr noch, ohne jegliche Beweise oder Bilder wird uns mitgeteilt, an jenem Tag h\u00e4tten die russischen funktechnischen Aufkl\u00e4rungsmittel im Raum der Absturzstelle ukrainische Radare entdeckt, die dort aktiv gewesen sein sollen. Wenn der erste Teil des Briefings wenigstens noch von formellen Beweisen begleitet wurde, so wurde sp\u00e4ter nur noch mit Infos ohne jegliche Best\u00e4tigung operiert.\r\n\r\nVorhang zu.\r\n\r\n<strong>Und nun zu den Fragen<\/strong>\r\n\r\nEs l\u00e4uft darauf hinaus, dass das russische Radar \"Utes-T\" die MH17 erstmals auf einer Entfernung von 400 Kilometern von Ust-Donezky geortet hat. Ist das viel oder wenig? Hier die lineare Entfernung\u00a0von Ust-Donezky zu den anderen Ortschaften (Die Datenauswertung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.luftlinie.org\/Ust'-Donetskiy\/\u0422\u043e\u0440\u0435\u0437\">kann man hier machen<\/a>):\r\n\r\nUst-Donezky - Snischne: 162 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Tores: 173 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014Horliwka: 224 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Donezk: 237 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Torezk\u00a0(ehem. Dserschynsk): 240 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Kramatorsk: 272 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014Slowjansk: 276 km (alles Donezker Gebiet)\r\n\r\nund als Beispiel:\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Pawlograd\u00a0(Dnipro-Gebiet): 382 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Saporischschja: 429 km;\r\n\r\nUst-Donezky \u2014 Dnipro\u00a0(ehem. Dnipropetrowsk): 446 km.\r\n\r\nSomit kann das russische Radar das komplette Territorium des Donezker Gebiets erfassen, und sogar einen Teil des Dnipro-Gebiets. Wenn man sich die Route der MH17 anschaut, so tauchte die Boeing noch im Dnipro-Gebiet auf dem russischen Radar \"Utes-T\" auf, etwas oberhalb von\u00a0Pawlograd (nutzen wir die interaktive Karte unserer Kollegen von <a href=\"https:\/\/mh17.correctiv.org\/\">Correctiv<\/a>).\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19498\" align=\"aligncenter\" width=\"565\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/3.jpg\"><img class=\" wp-image-19498\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/3.jpg\" alt=\"MH17-Route und die ungef\u00e4hre Stelle, an der sie das russische Radar zu verfolgen begann\" width=\"565\" height=\"289\" \/><\/a> MH17-Route und die ungef\u00e4hre Stelle, an der sie das russische Radar zu verfolgen begann[\/caption]\r\n\r\nAb diesem Punkt verfolgt das russische Radar den Flug \u00fcber 200 Kilometer bis zur Stadt Tores - das sind 173 Kilometer von Ust-Donezky. Wenn man sich die Karte der ukrainischen Stellungen per 17. Juli 2014 anschaut, so sehen wir, dass der Wirkungsbereich des Radars das gesamte Territorium umfasst, das unter \"DVR\"-Kontrolle war (Donezk, Horliwka - 220-240 km), die Demarkationslinie (Torezk, Artemiwsk - 240 km) und das tiefe Hinterland der ukrainischen Armee (Slowjansk, Kramatorsk - 270-280 km).\r\n\r\n<img class=\"\" src=\"http:\/\/fr1.sidcdn.net\/maps\/nsdc\/2014\/07\/large\/map-nsdc-2014-07-17-uk-w3000.jpg\" width=\"565\" height=\"471\" \/>\r\n\r\nDas Geschehen in diesem Gebiet ist dynamisch <a href=\"http:\/\/ru.slovoidilo.ua\/articles\/3724\/2014-07-17\/karta-ato-po-sostoyaniyu-na-17-iyulya.html\">hier dargestellt<\/a>:\r\n\r\n[caption id=\"attachment_27660\" align=\"aligncenter\" width=\"565\"]<img class=\"wp-image-27660 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/20140718162933East_Ukraine_conflict-e1474963797542.png\" alt=\"\u041a\u0430\u0440\u0442\u0430 \u0437\u043e\u043d\u044b \u0410\u0422\u041e \u043d\u0430 16-17 \u0438\u044e\u043b\u044f 2014 \u0433\u043e\u0434\u0430\" width=\"565\" height=\"639\" \/> ATO-Karte per 16-17. Juli 2014[\/caption]\r\n\r\nWir sollten uns an der Stelle nochmal an die Aussage des Generalmajors Koban erinnern: \"... eine Ann\u00e4herung von irgendwelchen Luftobjekten an das Flugzeug von der \u00f6stlichen Seite, darunter auch von Snischne, konnte nicht ermittelt werden... Technische M\u00f6glichkeiten... erlauben keine Schlussfolgerung dar\u00fcber zu ziehen, ob die Rakete vom Territorium aus gestartet wurde, das s\u00fcdlicher oder westlicher von der Katastrophenstelle liegt\".\r\n\r\nAlso verfolgt das Radar das Flugzeug vom Dnipro-Gebiet (400 Km) bis einschlie\u00dflich Snischne (162 km) und kontrolliert alles. <strong>Dabei erlauben seine Daten das Faktum des \"Buk\"-Raketenstarts \u00f6stlicher von Snischne (lies: Gebiet der \"DVR\") abzustreiten, diesen Raketenstart aber westlicher oder s\u00fcdlicher (lies: Gebiet ukrainischer Streitkr\u00e4fte) zu registrieren ist das Radar aber nicht im Stande?<\/strong>\r\n\r\nRufen wir uns auch ins Ged\u00e4chtnis, wie zerrissen damals die Frontlinie war: +\/- 10 Kilometer - und schon sind wir im Hinterland der \"DVR\" oder der ukrainischen Streitkr\u00e4fte. Das russische Radar \"sieht\" aber komischerweise nur das Territorium, das der \"DVR\" untersteht.\r\n\r\nAber einen\u00a0Raketenstart vom ukrainisch-kontrolliertem Territorium aus kann es nicht detektieren? Wie kann das sein?\r\n\r\nEin weiterer wichtiger Faktor ist das Aktualisierungsintervall der Daten des Radars \"Utes-T\". Das sind die vom Entwickler angegebenen 10 Sekunden. Ber\u00fccksichtigen wir auch, dass \"Buk\"\/\"Buk-M1\" Ziele auf eine Entfernung von 30 bis 35 km treffen kann, wobei die Geschwindigkeit der Basisrakete 9M38 2880 km\/h (0,8 km\/s) betr\u00e4gt. Ausgehend davon\u00a0kann es tats\u00e4chlich passieren, dass es dem \"Utes-T\" nicht gelingt, den Raketenanflug zu registrieren: Die ersten 10 Sekunden werden zur Entdeckung eines neuen Objekts ben\u00f6tigt, weitere 10 Sekunden - zum Erstellen der Flugbahn. Innerhalb von 20 Sekunden wird das Flugzeug aber schon getroffen worden sein. Schlussendlich k\u00f6nnte die \"Buk\"-Rakete schlimmstenfalls durch den Erfassungsbereich des Radars nur einmal als ein Punkt ohne Flugbahn huschen.\r\n\r\nMan sollte auch wissen, ab welcher H\u00f6he das zivile Radar \"Utes-T\" \u00fcberhaupt eine fliegende Rakete erkennen kann, wie deren Flugbahn dabei war (Steigflug und dann Sturzflug auf die Boeing zu oder aber auf direktem Abfangkurs mit allm\u00e4hlichem Steigflug) und wo die genaue Startposition relativ zum Flugobjekt lag.\r\n\r\nIm Briefing weist der Entwickler selbst auf die Einschr\u00e4nkungen seines Systems hin: \"Das Prim\u00e4rradar kann bei Pr\u00e4senz einer Wolkenschicht im Flugraum des Objekts letzteres verpassen, falls die Flugbahn des Objekts derart ist, dass sich der Abstand zwischen ihm und dem Radar nur sehr langsam \u00e4ndert...\" (Video 2:38-2:59).\r\n\r\nAlso wird ein Objekt, das gerade an H\u00f6he gewinnt und sich vom Radar nicht all zu weit entfernt, f\u00fcr das Radar unsichtbar sein. Entsprechend den mutma\u00dflichen Fotos des Raketenstarts gab es gerade an dem Tag Wolken, beim Start gewann die Rakete zuerst rapide an H\u00f6he und war f\u00fcr \"Utes-T\" die ersten Sekunden nicht zu sehen. Danach konnte die Rakete im Zeitraum der Datenaktualisierung ihre Flugbahn einnehmen\u00a0und die MH17 treffen. \"Utes-T\" h\u00e4tte die Rakete nicht mal als einen Punkt wiedergeben k\u00f6nnen...\r\n\r\nAuch m\u00f6chten wir anmerken, dass wir keine vollst\u00e4ndigen Arbeitsergebnisse des \"Utes-T\" sehen, sondern nur seine summarische, gefilterte Resultate. Lassen wir nochmal den Entwickler zu Wort kommen: <em>\"Vielleicht haben Sie gr\u00fcne Punkte gesehen, zu denen es keine Flugbahn gibt. Diese Punkte sind Wetterartefakte. Sie werden dem Nutzer\u00a0nicht angezeigt - dem Nutzer werden nur solche Punkte angezeigt, mit Hilfe derer eine Flugbahn erstellt worden ist.\" (Im Video 6:08-6:38)<\/em>\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19499\" align=\"aligncenter\" width=\"564\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/4.jpg\"><img class=\" wp-image-19499\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/4.jpg\" alt=\"Wettererzeugungen, die die Filter des Radars &quot;Utes-T&quot; aussortieren\" width=\"564\" height=\"324\" \/><\/a> Wetterartefakte in gr\u00fcn, die durch Filter des Radars \"Utes-T\" aussortiert werden[\/caption]\r\n\r\nF\u00fcrs Erstellen der Flugbahn werden 2 Datenaktualisierungen ben\u00f6tigt, was bei der Geschwindigkeit von Buk-Raketen und der Entfernung vom Ziel nicht immer m\u00f6glich ist. Somit ist uns im Briefing nicht die komplette Information bereitgestellt worden, sondern nur die f\u00fcr den Endnutzer (z.B. Fluglotse) gefilterten Daten: Das Radar analysiert alle Daten, dann werden sie gefiltert und alles \u00dcberfl\u00fcssige wird aussortiert. F\u00fcr die Ermittlung w\u00e4re es aber interessant, sich die Ausgangsdaten anzuschauen, noch vor der Filterung, und zu versuchen, den Raketenstart abzufangen, ausgehend von der mutma\u00dflichen Startposition, der Raketenflugbahn und anderen Eingangsdaten.\r\n\r\n<strong>Warum wurde zwei\u00a0Jahre lang geschwiegen?<\/strong>\r\n\r\nUnd nun zur n\u00e4chsten unangenehmen Frage f\u00fcr die russische Seite. <a href=\"http:\/\/www.onderzoeksraad.nl\/uploads\/phase-docs\/1006\/debcd724fe7breport-mh17-crash.pdf\">Im Bericht der holl\u00e4ndischen Staatsanwaltschaft<\/a>\u00a0vom Oktober 2015 im Kapitel \u00ab2.9.5. Air traffic services surveillance data\u00bb ist eine Tabelle mit Angaben angef\u00fchrt, die die russische und die ukrainische Seite bereitgestellt hatten:\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19500\" align=\"aligncenter\" width=\"564\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/5.png\"><img class=\" wp-image-19500\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/5.png\" alt=\"Angaben von Radaren, Ukraine vs. Russland\" width=\"564\" height=\"329\" \/><\/a> Radardaten, Ukraine vs. Russland[\/caption]\r\n\r\nDie Ukraine hatte einen Teil ihres Territoriums nicht kontrollieren k\u00f6nnen, da ein Teil der Flug\u00fcberwachungstechnik von \"UkrAeroRuh\" sich auf besetztem Gebiet befand. Darum arbeiteten die ukrainischen Fluglotsen mit Daten des Sekund\u00e4rradars, die es ihnen erlaubten, Passierflugzeuge durch die ATO-Zone durchzuf\u00fchren. All diese Daten (Sekund\u00e4rdaten: Rohdaten und die Bildschirmaufzeichnungen) waren von der ukrainischen Seite an die holl\u00e4ndische Staatsanwaltschaft wie gew\u00fcnscht \u00fcbergeben\u00a0worden.\r\n\r\nRussland aber, im Unterschied zur Ukraine, hatte der Untersuchungskommission nur die Aufzeichnungen von Radarbildschirmen zur Verf\u00fcgung gestellt, aber keine Rohdaten von Prim\u00e4r- und\/oder Sekund\u00e4rradar. An der Stelle sollten wir uns daran erinnern, dass die Bildschirmaufzeichnungen ein Resultat der Anwendung von Filtern sind. Interessanter w\u00e4re es, gerade die Rohdaten zu untersuchen - diese haben die Russen aber ... nicht gespeichert.\r\n\r\nNach Forderung der ICAO sind die L\u00e4nder verpflichtet, solche Daten f\u00fcr\u00a030 Tage, bei jeglichen Zwischenf\u00e4llen\u00a0auch f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit abzuspeichern. Die F\u00f6derale Agentur der Luftfahrt Russlands hatte aber die ben\u00f6tigte Information nicht bereitgestellt: Die Katastrophe habe au\u00dferhalb der Staatsgrenzen Russlands stattgefunden, darum sei die russische Seite nicht verpflichtet diese Information aufzubewahren.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_19501\" align=\"aligncenter\" width=\"566\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/6.jpg\"><img class=\" wp-image-19501\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2016\/09\/6.jpg\" alt=\"Wie Russland letztes Jahr seine Radardaten verloren hat\" width=\"566\" height=\"219\" \/><\/a> Wie Russland letztes Jahr seine Radardaten verloren hat[\/caption]\r\n\r\nAm Ende ergibt sich, dass Russland vor einem Jahr offiziell erkl\u00e4rte, dass diese Daten nicht gespeichert worden seien - es g\u00e4be sie schlicht und einfach nicht. Und zwei Jahre nach der Katastrophe sind die Aufzeichnungen doch noch gefunden worden. Und wie kann man denn nun ihre Echtheit pr\u00fcfen? Hatten sie damals gelogen oder l\u00fcgen sie jetzt?\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><img class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/fr\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2015\/12\/InformNapalm_logo_05.png\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"55\" \/><\/em>\r\n\r\n<em>Dieses Material wurde von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/anton.pavlushko\">Anton Pawluschko<\/a>\u00a0exklusiv f\u00fcr <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/27652-mh17-radar-raw-data\/\">InformNapalm<\/a> vorbereitet; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>. <strong>Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf die Autoren und unser Projekt erforderlich.<\/strong><\/em>\r\n\r\n<strong><em>(CC BY)<\/em><\/strong>\r\n\r\n<strong><em>Eine aktive Verbreitung unserer Publikationen in den Sozialnetzwerken, in Foren und Medien wird begr\u00fc\u00dft. Die Verbreitung der Untersuchungen im \u00f6ffentlichen Diskurs, kann den Lauf des informativen und des milit\u00e4rischen Widerstands ver\u00e4ndern.<\/em><\/strong>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/121"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19466"}],"version-history":[{"count":38,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19542,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19466\/revisions\/19542"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19489"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}