{"id":25977,"date":"2017-10-30T09:37:10","date_gmt":"2017-10-30T09:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=25977"},"modified":"2017-11-01T11:31:29","modified_gmt":"2017-11-01T11:31:29","slug":"das-tolstoi-institut-oder-die-liebhaber-der-italienischen-oper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/das-tolstoi-institut-oder-die-liebhaber-der-italienischen-oper\/","title":{"rendered":"Das Tolstoi-Institut, oder die &#8222;Liebhaber der italienischen Oper&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"mtitle\">\n<p style=\"text-align: center\"><em><strong>Wir\u00a0m\u00f6chten Ihnen heute einen\u00a0\u00e4u\u00dferst\u00a0interessanten\u00a0Artikel\u00a0von <a style=\"font-style: italic\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/dmitrij.chmelnizki\">Dmitrij Chmelnizki<\/a>\u00a0pr\u00e4sentieren, in dem er die T\u00e4tigkeit des\u00a0Tolstoi-Instituts in Berlin genau analysiert.<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p class=\"update\"><strong>Die Arbeit mit Ausl\u00e4ndern in der UdSSR war traditionell Geheimdiensten unterstellt. Traditionell, seit Anfang der 1920er, waren auch ihre Ziele: Die Anheuerung von Agenten und Einflussagenten unter den russischen Emigranten im Ausland. Im heutigen Russland hat sich in dieser Hinsicht prinzipiell nichts ge\u00e4ndert. Ge\u00e4ndert haben sich nur die Ausma\u00dfe und die Form der Arbeit. Die freie Ausreise ins Ausland und die Entstehung millionenfacher sowjetischer Emigration er\u00f6ffneten den russischen Geheimdiensten fantastische Perspektiven.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"articleBody\">\n<p>Die Quantit\u00e4t und die Vielfalt der in den letzten Jahrzehnten mit ihrer Hilfe im Westen\u00a0entstandenen pseudokulturellen, pseudob\u00fcrgerrechtlichen und pseudowissenschaftlichen Organisationen sind nicht \u00fcbersichtbar.<\/p>\n<p>Die pseudogesellschaftlichen Organisationen, die eine kulturelle T\u00e4tigkeit imitieren, sind wahrscheinlich die meist verbreitete und traditionelle Form der T\u00e4tigkeit von Moskauer Einflussagenturen. Der Prozess ihrer Entstehung hat sich nach der Einnahme der Krim 2014 pl\u00f6tzlich verst\u00e4rkt. Moskau versucht offensichtlich, die au\u00dfenpolitische Katastrophe mit der Verst\u00e4rkung der Propaganda und Agenturt\u00e4tigkeit innerhalb des Landes zu kompensieren. Es ist ziemlich leicht, derartige falsche Firmen von den normalen kulturellen Gesellschaften zu unterscheiden, die spontan geschaffen wurden und sich mit f\u00fcr ihre Mitglieder tats\u00e4chlich interessanten T\u00e4tigkeiten besch\u00e4ftigen &#8211; man muss nur die Struktur und den Charakter ihrer T\u00e4tigkeit genau betrachten.<\/p>\n<p>Je harmloser und &#8222;intelligenter&#8220; der Name dieser &#8222;B\u00fcros&#8220; ist, um so besser ist deren Maskierung. Im Film &#8222;Some Like It Hot&#8220; verlief eine Zusammenkunft von italienischen Mafiosi in Form einer &#8222;Sitzung von Liebhabern der italienischen Oper&#8220;. Die T\u00e4tigkeit der russischen Einflussagenturen wird normalerweise auf eine sehr \u00e4hnliche Weise als die Verbreitung von russischer Kultur und Sprache maskiert.<\/p>\n<p>Als ein charakteristisches Beispiel f\u00fcr solche Scheingesellschaften kann das Berliner &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/index_rus.html\">Tolstoi-Institut<\/a>&#8220; dienen.<\/p>\n<p>Diese Organisation wurde im September 2014 offiziell in Berlin registriert. Die Pr\u00e4sidentin des Instituts ist <strong>Tatyana Garcia<\/strong>, Inhaberin eines \u00dcbersetzungsb\u00fcros, das sich unter der gleichen Adresse wie das Institut befindet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tat_schroeder_grinin-D4-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-26034\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tat_schroeder_grinin-D4-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"380\" \/><\/a><em>Tatyana Garcia mit Gerhard Schr\u00f6der bei einem Empfang in Rostock 2014. Quelle: tolstoi-institut.de<\/em><\/p>\n<p>Der erkl\u00e4rte Zweck dieses Instituts ist die &#8222;F\u00f6rderung der deutsch-russischen Freundschaft&#8220;. Auf der Webseite des Instituts steht: &#8222;Das k\u00fcrzlich entstandene Institut namens Leo Tolstoi tritt entschieden und prinzipiell f\u00fcr Freundschaft und die Verst\u00e4rkung von wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Russland auf. In der heutigen schwierigen politischen Situation ist es sehr wichtig, sich nicht von fl\u00fcchtigem Zorn leiten zu lassen, sondern einen klaren Kopf zu bewahren und vern\u00fcnftig und kaltbl\u00fctig zu reflektieren&#8220;.<\/p>\n<p>Das Institut namens Leo Tolstoi\u2014 Tolstoi-Institut e.V. \u2014\u00a0wurde am 2. September 2014 als ein gesellschaftlicher Verein registriert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/16809802_303.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-26023 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/16809802_303.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"157\" \/><\/a>Die erste Sitzung des Instituts fand a 9. September 2014 in den R\u00e4umen des Verlags &#8222;<a href=\"http:\/\/portal.pressrelations.de\/mediadaten\/WernerMediaGroup_08.pdf\">Werner Media Group<\/a>&#8220; statt. Der Inhaber dieses Verlags, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/wirtschaft\/article116089842\/Russisches-Roulette.html\">Nikolaj Werner<\/a>, ist eine \u00e4u\u00dferst exotische Person &#8211; ein ehemaliger Mitarbeiter des Generals Lebed, als dieser noch ein Gouverneur von Krasnojarsk war. Bis vor relativ kurzer Zeit gab er die gr\u00f6\u00dfte russischsprachige Zeitung in Deutschland heraus &#8211; den &#8222;<a href=\"https:\/\/ru.exrus.eu\/Werner-Media-GmbH-Izdatelsky-dom-v-Berline-id530a79baae20158b53124356\">Europa-Express<\/a>&#8220; <em>(Anm.d.Red.: Die Webseite wernermedia.de ist nicht mehr online)<\/em>. In den letzten Jahren ist Werner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/nicholas.werner2\">seinem FB-Profil<\/a> nach ein aktiver Einflussagent von Moskau.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tolstoi.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-26025\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tolstoi.png\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"289\" \/><\/a>Die T\u00e4tigkeit des Instituts begann ein halbes Jahr zuvor. Am 13. April 2014, einen Monat nach der Besetzung der Krim und ihres &#8222;offiziellen Beitritts&#8220; zu Russland, organisierte Tatyana Garcia eine prorussische Demonstration am sowjetischen Denkmal am Brandenburger Tor in Berlin. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7xBBhU4qSLs&amp;feature=youtu.be\">Das Video<\/a> davon kann man auf der Webseite des Tolstoi-Institut finden. Die Demonstration unter russischen Fahnen war nicht sonderlich zahlreich. Am Anfang entschuldigte sich Garcia vor den Deutschen daf\u00fcr, dass sie Russisch sprechen wird und f\u00fcgte hinzu &#8222;&#8230;daf\u00fcr werden unsere Fallschirmj\u00e4ger alles verstehen&#8220;. Woraufhin ihr aus der Menge geantwortet wurde: <em>&#8222;Wir verstehen auch so&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>Anscheinend machten Mitglieder des prorussischen &#8222;Vereins der Fallschirmj\u00e4ger&#8220; (&#8222;<a href=\"http:\/\/www.desantura.de\/de\/\">Verein Desant e.V.<\/a>&#8222;) einen Gro\u00dfteil des Publikums aus, also ehemalige Milit\u00e4rangeh\u00f6rige von sowjetischen, DDR- und russischen Truppenverb\u00e4nden, die in Deutschland leben.<\/p>\n<p>Garcia sagte in ihrer Rede, dass das Ziel des von ihr erschaffenen Instituts &#8222;das Heranbringen von slawischer Kultur an deutsche Volksmassen&#8220; sei, aber es sei &#8222;unm\u00f6glich, sich von der Politik fernzuhalten, wenn man sieht, dass die kurzsichtige Politik der europ\u00e4ischen Staaten und der USA in Bezug auf Russland uns an den Rand des dritten Weltkrieges gef\u00fchrt hat&#8220;.<\/p>\n<p>Hiermit war die scharfe Reaktion westlicher L\u00e4nder auf die Annexion der Krim gemeint. Weiter folgte eine Erkl\u00e4rung dar\u00fcber, dass es &#8222;keine freie Presse in Deutschland&#8220; g\u00e4be und dass laut Umfragen angeblich zwei Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung die russische Position in der Ukrainischen Frage teilen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Anscheinend wurde die Entscheidung \u00fcber die Gr\u00fcndung des &#8222;Instituts&#8220; direkt nach der Krim-Annexion getroffen, um propagandistisch gegen die westlichen Sanktionen vorzugehen, also begann Garcia ihre gesellschaftliche Aktivit\u00e4t als Pr\u00e4sidentin des Instituts lange vor seiner offiziellen Registrierung.<\/p>\n<p>Am 22. September 2014 erhielt das Institut die Segnung des Erzbischofs von Berlin und Deutschland <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feofan_Galinskij\">Feofan<\/a>. Die Segnung fand im Haus der russischen Wissenschaft und Kultur w\u00e4hrend einer Veranstaltung statt, die auf der Webseite des &#8222;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rossotrudnitschestwo\">Rossotrudnitschestwo<\/a>&#8220; <em>(zu dt. &#8222;Russische Zusammenarbeit&#8220;)<\/em> wie folgt beschrieben wird:<\/p>\n<p>&#8222;Im Rahmen einer Dienstreise des Vorsitzenden des Synodalen Komitees f\u00fcr Zusammenarbeit mit dem Kosakentum, Metropolit von Stawropol und Newinnomyssk Kirill, eines Mitglieds des Rats f\u00fcr Fragen des Kosakentums beim Pr\u00e4sidenten Russlands, fand am 22. September im Haus der russischen Kultur und Wissenschaft in Berlin ein runder Tisch statt, der der Erhaltung und Entwicklung der kulturell-historischen und geistigen Traditionen des russischen Kosakentums gewidmet war&#8220;.<\/p>\n<p>Bei dem Treffen waren der Erzbischof von Berlin und Deutschland Feofan, einige Vertreter des Kosakentums, des Vereins der Fallschirmj\u00e4ger und der Veteranen des GRU-Speznas in Deutschland, des Klubs orthodoxer M\u00e4zene, der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland und des Tolstoi-Instituts anwesend. Am Treffen nahmen auch der Politologe <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/alexander.rahr\">Alexander Rahr<\/a> und Graf Oleg Semenow teil&#8220;.<\/p>\n<p>Das &#8222;Rossotrudnitschestwo&#8220; (offizielle Bezeichnung: &#8222;F\u00f6derale Agentur f\u00fcr Fragen der GUS, der Landsleute, die im Ausland leben, und f Fragen der humanit\u00e4ren Zusammenarbeit&#8220;) ist eine staatlich finanzierte Organisation, die Propaganda und Agenturarbeit unter den russischen Emigranten im Ausland betreibt. Zu Sowjetzeiten hie\u00df sie &#8222;Verein der sowjetischen Gesellschaften der Freundschaft und kulturellen Verbindung mit dem Ausland&#8220;. Faktisch ist es eine Filiale der russischen Geheimdienste.<\/p>\n<p>Man sollte die bezeichnende Auswahl der Teilnehmer dieses &#8222;Runden Tisches&#8220; beachten: die Erzbischofs der Russischen Orthodoxen Kirche, verkleidete Kosaken, Luftlandetruppen- und GRU-Speznas-Veteranen, das Tolstoi-Institut, der putinsche Lobbyist und Politologe Alexander Rahr usw.. Diese Zusammensetzung offenbart sehr deutlich die Reichweite und die Vielfalt der Subjekte russischer Propaganda im Ausland.<\/p>\n<p>Graf Oleg Semenow wird auf der Webseite des Tolstoi-Institut als &#8222;Berater f\u00fcr die Kultur des Kosakentums des Tolstoi-Instituts&#8220; pr\u00e4sentiert. Das Kosaken-Kulturzentrum beim Institut wurde im April 2015 feierlich er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Direkt nach seiner Erschaffung, im September 2014, begann das Institut Formulare f\u00fcr eine Petition &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/Petition_9.9.pdf\">F\u00fcr Freundschaft mit Russland und gegen Sanktionen<\/a>&#8220; in Form von Postkarten zu verbreiten, die an den Bundestag geschickt werden sollten. Die Petition rief dazu auf, Sanktionen gegen Russland aufzuheben und keine neuen einzuf\u00fchren. Anscheinend war die Verbreitung dieser Petition eines der wichtigsten und dringlichsten Ziele bei der Erschaffung des Instituts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-26026 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/2.png\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"167\" \/><\/a>Im Juli 2016 <a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/Petersburger_Dialog.html\">vertrat<\/a> Tatyana Garcia das Tolstoi-Institut bei der XV. Sitzung des Petersburger Dialogs in Sankt-Petersburg, sie war Teilnehmerin der Gruppe &#8222;Kultur&#8220;. Der Petersburger Dialog ist eine regierungsamtliche russisch-deutsche Organisation und die Teilnahme an ihren Veranstaltungen setzt einen gewissen offiziellen Status voraus.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-26028 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/3.png\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"230\" \/><\/a>Im Juni 2016 beteiligte sich Garcia an dem wirtschaftlichen Forum &#8222;Russland: Gesch\u00e4ftliche Zusammenarbeit und Perspektiven&#8220; bei der Handelskammer Hamburg. Auf der Webseite des Instituts wurde auch die Teilnahme von Garcia an den anderen offiziellen russisch-deutschen Veranstaltungen illustriert, haupts\u00e4chlich wirtschaftlicher Natur. Dar\u00fcber hinaus fanden auch Er\u00f6ffnungen von Gedenks\u00e4ulen f\u00fcr gefallene Soldaten, eine Silvester- und Tag-des-Sieges- (9.Mai) Feier statt, sowie Interviews f\u00fcr Radio Sputnik, musikalisch-literarische Abende und ein Fr\u00fchlingsball im April 2017.<\/p>\n<p>Am Charakter dieser Veranstaltungen kann man nachverfolgen, wie diese offensichtliche Scheinorganisation allm\u00e4hlich in politisch-gesch\u00e4ftliche Kreise Deutschlands eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Vom besonderen Interesse sind gesellschaftliche Verbindungen und Kontakte des Tolstoi-Institus in der deutschen politischen Szene.<\/p>\n<p>Bei der Er\u00f6ffnung des Instituts am 21. November hielten der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Selle und der 2. Sekret\u00e4r der russischen Botschaft in Deutschland Begr\u00fc\u00dfungsreden.<\/p>\n<p>Anderthalb Monate sp\u00e4ter erhielt Johannes Selle bei einer Silvesterfeier, die von der russisch-deutschen parlamentarischen Gruppe am 3. Januar 2015 organisiert wurde, eine Auszeichnung des Tolstoi-Insitus in Form eines Abzeichens von Tatyana Garcia \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Die deutsche Presse wurde gleich auf die gesellschaftliche Aktivit\u00e4t des Instituts aufmerksam. 2015 war es Thema einer Sendung des TV-Magazins ZAPP beim deutschen Sender NDR unter dem Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4w3w06qDQ4w\">Kultur und Propaganda: Das Tolstoi-Institut<\/a>&#8222;.<\/p>\n<p>Die Journalisten haben den Doppelcharakter seiner T\u00e4tigkeit ans Licht gebracht: &#8222;F\u00fcr Au\u00dfenbeobachter vertritt das Tolstoi-Institut rein kulturelle Ziele. Es organisiert Lesungen und Konzerte. Der gemeinte Zweck ist die gegenseitige Verst\u00e4ndigung zwischen den V\u00f6lkern und die deutsch-russische Freundschaft. Das im letzten Jahr gegr\u00fcndete Institut verfolgt aber auch auch politische Ziele. Dar\u00fcberhinaus vertritt es die Idee des eurasischen Kontinents, die Abl\u00f6sung Europas von den USA und seine Konsolidierung mit Russland. Die eurasische Idee ist das Lieblingsprojekt von Wladimir Putin. Eines der Ziele des Instituts ist die Einflussnahme auf deutsche Journalisten und Blogger zur Durchsetzung dieses Konzepts. Als Partner treten hier der Berliner Politiker aus der Partei &#8222;B\u00fcrgerrechtsbewegung Solidarit\u00e4t&#8220;, Journalisten des rechtspopulistischen Magazins &#8222;\u0421ompa\u0441t&#8220; und &#8222;Russia Today&#8220; auf. Unter den Freunden des Instituts sind auch der Journalist Udo Ulfkotte sowie ein Mitglied des Europaparlaments von der Partei NPD, Udo Voigt&#8220;.<\/p>\n<p>Der im Januar 2017 verstorbene Udo Ulfkotte ist ein deutscher Schriftsteller, der durch seine rechtspopulistischen und islamophoben Ansichten bekannt geworden war. Die Partei &#8222;B\u00fcrgerrechtsbewegung Solidarit\u00e4t&#8220; ist eine kleine deutsche Partei mit trotzkistischen Wurzeln.<\/p>\n<p>In der Sendung wurde au\u00dferdem ein Ausschnitt aus einer Videoaufnahme des oben erw\u00e4hnten Auftritts von Garcia im April 2014 gezeigt, bei dem sie behauptete, es g\u00e4be keine Pressefreiheit in Deutschland. Im Interview mit den Journalisten von ZAPP sagte sie sich davon los und behauptete, dass sie dergleichen nie gesagt habe.<\/p>\n<p>Dieses Doppelimage ist zum einen f\u00fcr deutsche Au\u00dfenbeobachter bestimmt, zum anderen &#8211; f\u00fcr deutsche &#8222;Freunde Putins&#8220; und russische Emigranten (die die Hauptobjekte der putinschen Propaganda sind), was ein charakteristisches Merkmal f\u00fcr imitierte pseudogesellschaftliche putinsche Organisationen ist, die im Ausland erschaffen werden.<\/p>\n<p>Schleierhaft ist auch die innere Struktur des Instituts. Auf allen Veranstaltungen, an denen das Tolstoi-Institut beteiligt war, war seine einzige offizielle Vertreterin stets die Pr\u00e4sidentin Tatyana Garcia.<\/p>\n<p>Laut den Eintr\u00e4gen im Handelsregister wird die Organisation unter dem Namen &#8222;Tolstoi-Institut e.V.&#8220; aber von drei Personen geleitet: der Vorsitzenden Tatyana Garcia, dem zweiten Vorsitzenden Heiner Hink und dem Kassenverwalter G\u00fcnter Tschichon.<\/p>\n<p>Die Stelle eines Pr\u00e4sidenten ist dabei nicht vorgesehen. Zwei weitere Mitglieder der Leitung nehmen an der offiziellen T\u00e4tigkeit des Instituts nicht teil und ihre Namen werden nirgendwo erw\u00e4hnt. Auf dem Geb\u00e4ude aber, in dem laut Registrierung das Tolstoi-Institut seinen Sitz hat, gibt es kein Schild. Dort steht jedoch der Name von G\u00fcnter Tschichon.<\/p>\n<p>G\u00fcnter Tschichon ist ein deutscher Politiker der Rechtsextremen, Vorsitzender der F\u00fchrung des Berliner Ablegers er kleinen rechten Partei &#8222;B\u00fcrgerbewegung pro Deutschland&#8220; oder &#8222;Pro Deutschland&#8220;. 2015 hatte die Partei 110 Mitglieder. 2013 wurde die Partei ins offizielle Register extremistischer Organisationen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz eingetragen. Im September 2016 protestierte G\u00fcnter Tschichon gegen die Eintragung seiner Partei in diese Liste, hat aber vor Gericht verloren und war gezwungen, die Gerichtskosten zu zahlen.<\/p>\n<p>Ein Mensch mit dem gleichen Namen wie der zweite Vorsitzende des Tolstoi-Instituts Heiner Hink war 2014 Kandidat derselben Partei &#8222;Pro Deutschland&#8220;\u00a0bei den Wahlen in einem Berliner Wahlkreis.<\/p>\n<p>Auf die seltsame Verbindung zwischen dem zweifelhaften Tolstoi-Institut mitsamt seines Kassenverwalters aus der rechten Szene und den CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Selle und Bernhard Kaster, dem Vorsitzenden der deutsch-russischen Parlamentarier-Gruppe, wurde im M\u00e4rz 2016 die Zeitschrift &#8222;Der Spiegel&#8220; aufmerksam. Im Artikel im Spiegel wurden sie als &#8222;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/vorab\/unionsabgeordnete-mit-kontakt-nach-rechtsaussen-a-1081860.html\">Unionsabgeordnete mit Kontakten nach rechtsau\u00dfen<\/a>&#8220; betitelt.<\/p>\n<p>Auf die Verbindungen zwischen dem Tolstoi-Institut und verschiedensten rechts- und linksextremistischen Parteien und Gruppen machte auch die Fotojournalistin Steffi Reichert in Artikeln aufmerksam, die sie auf ihrer Webseite <em>streichfotografie<\/em> <a href=\"https:\/\/streichphotography.wordpress.com\/2016\/07\/24\/diether-dehm-weltnetz-tv-das-tolstoi-institut-berlin-und-die-neuen-rechten\/\">ver\u00f6ffentlichte<\/a>. Nach einer Analyse der Mitgliederliste der Gruppe &#8222;Tolstoi-Institut&#8220; und den &#8222;Freunden&#8220; von Tatyana Garcia auf Facebook, hat Reichert Verbindungen mit einer Menge weiterer Gruppen aufgedeckt, darunter auch mit Pegida, der AfD sowie mit anderen links- und rechtsextremistischen Gruppen.<\/p>\n<p>In der Liste der Partner des Tolstoi-Instituts gibt es weder Pegida noch &#8222;Pro Deutschland&#8220;, es gibt aber andere, nicht weniger interessante Organisationen: den Verein EastWest e.V., den Verein Deutsch Russische Festtage e.V., das Suworow Institut, die Preu\u00dfische Gesellschaft Berlin Brandenburg.<\/p>\n<p>Der &#8222;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/eastwest.e.v\/\">EastWest e.V.<\/a>&#8220; ist eine gesellschaftliche Organisation, die in Leipzig ans\u00e4ssig ist und haupts\u00e4chlich aus russischen Studenten, die in Deutschland leben, besteht. Das Ziel der T\u00e4tigkeit: &#8222;&#8230; F\u00f6rderung der Etablierung von unmittelbaren Kontakten zwischen den B\u00fcrgern Russlands und der EU&#8220;.<\/p>\n<p>Das &#8222;Deutsch-Russische Festival&#8220; ist eine Organisation, die seit 2005 unter dem Protektorat der russischen Botschaft und der deutschen Regierung existiert. Sie besch\u00e4ftigt sich mit der Organisation von deutsch-russischen Festivals und Feiern in Deutschland. Unter ihren Sponsoren sind Gasprom, das Russische Haus der Kultur und Wissenschaft in Berlin, die Stiftung &#8222;Russische Welt&#8220;, Rossotrudnitschestwo und die Post Russlands. Das Stabsquartier befindet sich im Haus der russischen Kultur und Wissenschaft in Berlin.<\/p>\n<p>Die Preu\u00dfische Gesellschaft in Berlin-Brandenburg ist eine gesellschaftliche Organisation, die 1996 mit dem Zweck der Wiederherstellung des Preu\u00dfischen Staates und der Kultivierung preu\u00dfischer Werte gegr\u00fcndet wurde. Der Gr\u00fcnder und Ehrenpr\u00e4sident ist Volker Tschapke. Die Organisation unterh\u00e4lt beste Beziehungen zur russischen Botschaft in Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/mitte\/das-skurrile-spiel-der-preussischen-gesellschaft\">Die Zeitung &#8222;BZ&#8220; schrieb 2015<\/a> \u00fcber die Silvesterfeier der &#8222;Preu\u00dfischen Gesellschaft&#8220; im Berliner Hotel Hilton, bei der auch die Botschafter Russlands und Chinas anwesend waren: &#8222;Sie feiern Russland, schimpfen auf Amerika. Der Verein lockt kaum deutsche Politiker an, aber Botschafter Chinas und Russlands&#8220;. Im Artikel wurde auch Tschapke zitiert, der \u00fcber die &#8222;unzul\u00e4ssige Einseitigkeit bei der Beleuchtung der Ereignisse in Russland sprach&#8220; und die USA angriff, die &#8222;sich die ganze Welt unterwerfen wollen&#8220;. Der Artikel wurde unter anderem mit Fotos des dort anwesenden russischen Botschafters Grinin und des &#8222;Grafen Oleg Semenow&#8220; in Kosaken-Unifrom illustriert.<\/p>\n<p>Das &#8222;Suworow-Institut &#8211; eine Gesellschaft zur F\u00f6rderung von \u00f6sterreichisch-russischem Dialog&#8220; ist eine Organisation in Wien, ein Pendant des Tolstoi-Instituts. Das Suworow-Institut wurde im Januar 2015 gegr\u00fcndet und stellt laut seiner eigenen Deklaration eine &#8222;Vereinigung \u00f6sterreichischer B\u00fcrger, die f\u00fcr einen Dialog mit Russland auftreten&#8220; dar. Wie es in einem Interview mit dem Generalsekret\u00e4r des Suworow-Instituts Patrick Poppel offen formuliert wurde: &#8222;Zum Beweggrund f\u00fcr die Erschaffung der Organisation wurden die Ereignisse in der Ukraine und auf der Krim 2013-2014&#8220;.<\/p>\n<p>Patrick Poppel ist ein Mitglied der rechten \u00f6sterreichischen Zwergpartei REKOS (Die Reformkonservativen). In Wikipedia steht, &#8222;die Partei kritisiert die westliche Herangehensweise an Russland in Bezug auf die ukrainische Krise und warnt vor Gefahr einer milit\u00e4rischen Konfrontation zwischen NATO und Russland. Sie ruft zur Verbesserung von Beziehungen mit Russland auf. Das urop\u00e4ische Parlament muss aufgel\u00f6st werden. Sie ruft zur besonderen Solidarit\u00e4t mit den christlichen Opfern des Islamismus auf&#8220;. Im obengenannten Interview erkl\u00e4rte Poppel: &#8222;&#8230; die Position des Suworow-Instituts ist einfach. \u00d6sterreich soll nicht warten, bis die ganze EU die Sanktionen gegen Russland abschafft (die eine \u00e4u\u00dferst schwerf\u00e4llige und von inneren Widerspr\u00fcchen verkrampfte Struktur ist). Die Abschaffung der Sanktionen soll unverz\u00fcglich erfolgen. Und diese Entscheidung muss in Wien getroffen werden, ohne die Verantwortung auf Berlin zu verschieben&#8220;.<\/p>\n<p>Das Suworow-Institut hat vier Partner: das Kloster der Heiligen Elisabeth in Minsk, die \u00f6sterreichisch-belarussische Gesellschaft, das Tolstoi-Institut und die &#8222;SYSTEMA-Austria&#8220;. Die letztgenannte Organisation ist ein Sportklub, in dem Kampfk\u00fcnste des GRU-Speznas unterrichtet werden.<\/p>\n<p>Es springt einem ins Auge, dass das Suworow-Institut ebenso wie das Tolstoi-Institut in Verbindung mit der Ukraine-Krise 2014 entstanden sind. Beide Institutionen wurden auf der Basis und unter Beteiligung von kleinen rechtsradikalen Parteien gegr\u00fcndet. Wenn aber die Mitglieder dieser Parteien im Tolstoi-Institut im Schatten geblieben sind, so kam beim Suworow-Institut einer von ihnen unmittelbar an die Spitze. In beiden F\u00e4llen fehlen jegliche Angaben \u00fcber die Finanzierung von Veranstaltungen der Institute.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Als Schlussfolgerung kann man mit Sicherheit behaupten, dass das Tolstoi-Institut weder ein Institut noch eine gesellschaftliche Organisation ist. Es handelt sich um ein in Deutschland gegr\u00fcndetes propagandistisches Agenturzentrum, das entweder von der Botschaft oder aber direkt von Moskauer \u00c4mtern finanziert wird, die f\u00fcr Propaganda im Ausland und die Arbeit mit Ausl\u00e4ndern verantwortlich sind (also in erster Linie den Geheimdiensten). Zu den Aufgaben dieses Zentrums geh\u00f6ren sowohl die Konsolidierung der Protestt\u00e4tigkeiten von verschiedenen kleinen rechtsradikalen, islamophoben, nationalistischen Parteien und Bewegungen in Deutschland, um sie im Interesse des Moskauer Regimes auszunutzen, als auch die Verbreitung der proputinschen Propaganda unter den russischen Emigranten in Deutschland. Die obengenannten russischen Partner des Tolstoi-Instituts sind ebenfalls pseudogesellschaftliche Scheingesellschaften mit Wurzeln in Moskau und offensichtlich Finanzierung aus Moskau.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Autor: <a href=\"http:\/\/www.politexpert.org\/material.php?id=59E5D57076D71\">Dmitrij Chmelnizki<\/a><\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>, editiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/khwalter\">Klaus H. Walter<\/a>.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><em><strong>Lesen Sie zum Thema &#8222;Russische Einflussnahme in Europa&#8220; unsere Artikel:<\/strong><\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wie-der-kreml-polnische-radikale-finanziert-aufgaben-bezahlung-und-berichte-nach-moskau\/\">Wie der Kreml polnische Radikale finanziert: Aufgaben, Bezahlung und Berichte nach Moskau<\/a><\/strong><\/em><em><strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/li>\n<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/hinter-den-antiukrainischen-aktionen-in-polen-steht-der-kreml-analyse-einer-korrespondenz\/\">Hinter den antiukrainischen Aktionen in Polen steht der Kreml. Analyse einer Korrespondenz<\/a><\/strong><\/em><\/li>\n<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/untersuchung-von-rbc-wer-sind-russlands-freunde-in-europa\/\">RBC-Untersuchung: Wer sind Russlands Freunde in Europa?<\/a><\/strong><\/em><\/li>\n<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/reisefuehrer-zu-putins-freunden-in-europa\/\">Reisef\u00fchrer zu Putins Freunden in Europa<\/a><\/strong><\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: center\"><strong style=\"text-align: center\">Besuchen Sie uns auf Facebook:<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/informnapalmdeutsch\/\"> InformNapalmDeutsch<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir\u00a0m\u00f6chten Ihnen heute einen\u00a0\u00e4u\u00dferst\u00a0interessanten\u00a0Artikel\u00a0von Dmitrij Chmelnizki\u00a0pr\u00e4sentieren, in dem er die T\u00e4tigkeit des\u00a0Tolstoi-Instituts in Berlin genau analysiert. 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Traditionell, seit Anfang der 1920er, waren auch ihre Ziele: Die Anheuerung von Agenten und Einflussagenten unter den russischen Emigranten im Ausland. Im heutigen Russland hat sich in dieser Hinsicht prinzipiell nichts ge\u00e4ndert. Ge\u00e4ndert haben sich nur die Ausma\u00dfe und die Form der Arbeit. Die freie Ausreise ins Ausland und die Entstehung millionenfacher sowjetischer Emigration er\u00f6ffneten den russischen Geheimdiensten fantastische Perspektiven.<\/strong><\/p>\r\n\r\n<\/div>\r\n<div class=\"articleBody\">\r\n\r\nDie Quantit\u00e4t und die Vielfalt der in den letzten Jahrzehnten mit ihrer Hilfe im Westen\u00a0entstandenen pseudokulturellen, pseudob\u00fcrgerrechtlichen und pseudowissenschaftlichen Organisationen sind nicht \u00fcbersichtbar.\r\n\r\nDie pseudogesellschaftlichen Organisationen, die eine kulturelle T\u00e4tigkeit imitieren, sind wahrscheinlich die meist verbreitete und traditionelle Form der T\u00e4tigkeit von Moskauer Einflussagenturen. Der Prozess ihrer Entstehung hat sich nach der Einnahme der Krim 2014 pl\u00f6tzlich verst\u00e4rkt. Moskau versucht offensichtlich, die au\u00dfenpolitische Katastrophe mit der Verst\u00e4rkung der Propaganda und Agenturt\u00e4tigkeit innerhalb des Landes zu kompensieren. Es ist ziemlich leicht, derartige falsche Firmen von den normalen kulturellen Gesellschaften zu unterscheiden, die spontan geschaffen wurden und sich mit f\u00fcr ihre Mitglieder tats\u00e4chlich interessanten T\u00e4tigkeiten besch\u00e4ftigen - man muss nur die Struktur und den Charakter ihrer T\u00e4tigkeit genau betrachten.\r\n\r\nJe harmloser und \"intelligenter\" der Name dieser \"B\u00fcros\" ist, um so besser ist deren Maskierung. Im Film \"Some Like It Hot\" verlief eine Zusammenkunft von italienischen Mafiosi in Form einer \"Sitzung von Liebhabern der italienischen Oper\". Die T\u00e4tigkeit der russischen Einflussagenturen wird normalerweise auf eine sehr \u00e4hnliche Weise als die Verbreitung von russischer Kultur und Sprache maskiert.\r\n\r\nAls ein charakteristisches Beispiel f\u00fcr solche Scheingesellschaften kann das Berliner \"<a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/index_rus.html\">Tolstoi-Institut<\/a>\" dienen.\r\n\r\nDiese Organisation wurde im September 2014 offiziell in Berlin registriert. Die Pr\u00e4sidentin des Instituts ist <strong>Tatyana Garcia<\/strong>, Inhaberin eines \u00dcbersetzungsb\u00fcros, das sich unter der gleichen Adresse wie das Institut befindet.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tat_schroeder_grinin-D4-Kopie.jpg\"><img class=\"aligncenter wp-image-26034\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tat_schroeder_grinin-D4-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"380\" \/><\/a><em>Tatyana Garcia mit Gerhard Schr\u00f6der bei einem Empfang in Rostock 2014. Quelle: tolstoi-institut.de<\/em>\r\n\r\nDer erkl\u00e4rte Zweck dieses Instituts ist die \"F\u00f6rderung der deutsch-russischen Freundschaft\". Auf der Webseite des Instituts steht: \"Das k\u00fcrzlich entstandene Institut namens Leo Tolstoi tritt entschieden und prinzipiell f\u00fcr Freundschaft und die Verst\u00e4rkung von wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Russland auf. In der heutigen schwierigen politischen Situation ist es sehr wichtig, sich nicht von fl\u00fcchtigem Zorn leiten zu lassen, sondern einen klaren Kopf zu bewahren und vern\u00fcnftig und kaltbl\u00fctig zu reflektieren\".\r\n\r\nDas Institut namens Leo Tolstoi\u2014 Tolstoi-Institut e.V. \u2014\u00a0wurde am 2. September 2014 als ein gesellschaftlicher Verein registriert.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/16809802_303.jpg\"><img class=\" wp-image-26023 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/16809802_303.jpg\" alt=\"\" width=\"275\" height=\"157\" \/><\/a>Die erste Sitzung des Instituts fand a 9. September 2014 in den R\u00e4umen des Verlags \"<a href=\"http:\/\/portal.pressrelations.de\/mediadaten\/WernerMediaGroup_08.pdf\">Werner Media Group<\/a>\" statt. Der Inhaber dieses Verlags, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/wirtschaft\/article116089842\/Russisches-Roulette.html\">Nikolaj Werner<\/a>, ist eine \u00e4u\u00dferst exotische Person - ein ehemaliger Mitarbeiter des Generals Lebed, als dieser noch ein Gouverneur von Krasnojarsk war. Bis vor relativ kurzer Zeit gab er die gr\u00f6\u00dfte russischsprachige Zeitung in Deutschland heraus - den \"<a href=\"https:\/\/ru.exrus.eu\/Werner-Media-GmbH-Izdatelsky-dom-v-Berline-id530a79baae20158b53124356\">Europa-Express<\/a>\" <em>(Anm.d.Red.: Die Webseite wernermedia.de ist nicht mehr online)<\/em>. In den letzten Jahren ist Werner <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/nicholas.werner2\">seinem FB-Profil<\/a> nach ein aktiver Einflussagent von Moskau.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tolstoi.png\"><img class=\"aligncenter wp-image-26025\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/tolstoi.png\" alt=\"\" width=\"534\" height=\"289\" \/><\/a>Die T\u00e4tigkeit des Instituts begann ein halbes Jahr zuvor. Am 13. April 2014, einen Monat nach der Besetzung der Krim und ihres \"offiziellen Beitritts\" zu Russland, organisierte Tatyana Garcia eine prorussische Demonstration am sowjetischen Denkmal am Brandenburger Tor in Berlin. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7xBBhU4qSLs&amp;feature=youtu.be\">Das Video<\/a> davon kann man auf der Webseite des Tolstoi-Institut finden. Die Demonstration unter russischen Fahnen war nicht sonderlich zahlreich. Am Anfang entschuldigte sich Garcia vor den Deutschen daf\u00fcr, dass sie Russisch sprechen wird und f\u00fcgte hinzu \"...daf\u00fcr werden unsere Fallschirmj\u00e4ger alles verstehen\". Woraufhin ihr aus der Menge geantwortet wurde: <em>\"Wir verstehen auch so\"<\/em>.\r\n\r\nAnscheinend machten Mitglieder des prorussischen \"Vereins der Fallschirmj\u00e4ger\" (\"<a href=\"http:\/\/www.desantura.de\/de\/\">Verein Desant e.V.<\/a>\") einen Gro\u00dfteil des Publikums aus, also ehemalige Milit\u00e4rangeh\u00f6rige von sowjetischen, DDR- und russischen Truppenverb\u00e4nden, die in Deutschland leben.\r\n\r\nGarcia sagte in ihrer Rede, dass das Ziel des von ihr erschaffenen Instituts \"das Heranbringen von slawischer Kultur an deutsche Volksmassen\" sei, aber es sei \"unm\u00f6glich, sich von der Politik fernzuhalten, wenn man sieht, dass die kurzsichtige Politik der europ\u00e4ischen Staaten und der USA in Bezug auf Russland uns an den Rand des dritten Weltkrieges gef\u00fchrt hat\".\r\n\r\nHiermit war die scharfe Reaktion westlicher L\u00e4nder auf die Annexion der Krim gemeint. Weiter folgte eine Erkl\u00e4rung dar\u00fcber, dass es \"keine freie Presse in Deutschland\" g\u00e4be und dass laut Umfragen angeblich zwei Drittel der deutschen Bev\u00f6lkerung die russische Position in der Ukrainischen Frage teilen w\u00fcrden.\r\n\r\nAnscheinend wurde die Entscheidung \u00fcber die Gr\u00fcndung des \"Instituts\" direkt nach der Krim-Annexion getroffen, um propagandistisch gegen die westlichen Sanktionen vorzugehen, also begann Garcia ihre gesellschaftliche Aktivit\u00e4t als Pr\u00e4sidentin des Instituts lange vor seiner offiziellen Registrierung.\r\n\r\nAm 22. September 2014 erhielt das Institut die Segnung des Erzbischofs von Berlin und Deutschland <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feofan_Galinskij\">Feofan<\/a>. Die Segnung fand im Haus der russischen Wissenschaft und Kultur w\u00e4hrend einer Veranstaltung statt, die auf der Webseite des \"<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rossotrudnitschestwo\">Rossotrudnitschestwo<\/a>\" <em>(zu dt. \"Russische Zusammenarbeit\")<\/em> wie folgt beschrieben wird:\r\n\r\n\"Im Rahmen einer Dienstreise des Vorsitzenden des Synodalen Komitees f\u00fcr Zusammenarbeit mit dem Kosakentum, Metropolit von Stawropol und Newinnomyssk Kirill, eines Mitglieds des Rats f\u00fcr Fragen des Kosakentums beim Pr\u00e4sidenten Russlands, fand am 22. September im Haus der russischen Kultur und Wissenschaft in Berlin ein runder Tisch statt, der der Erhaltung und Entwicklung der kulturell-historischen und geistigen Traditionen des russischen Kosakentums gewidmet war\".\r\n\r\nBei dem Treffen waren der Erzbischof von Berlin und Deutschland Feofan, einige Vertreter des Kosakentums, des Vereins der Fallschirmj\u00e4ger und der Veteranen des GRU-Speznas in Deutschland, des Klubs orthodoxer M\u00e4zene, der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland und des Tolstoi-Instituts anwesend. Am Treffen nahmen auch der Politologe <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/alexander.rahr\">Alexander Rahr<\/a> und Graf Oleg Semenow teil\".\r\n\r\nDas \"Rossotrudnitschestwo\" (offizielle Bezeichnung: \"F\u00f6derale Agentur f\u00fcr Fragen der GUS, der Landsleute, die im Ausland leben, und f Fragen der humanit\u00e4ren Zusammenarbeit\") ist eine staatlich finanzierte Organisation, die Propaganda und Agenturarbeit unter den russischen Emigranten im Ausland betreibt. Zu Sowjetzeiten hie\u00df sie \"Verein der sowjetischen Gesellschaften der Freundschaft und kulturellen Verbindung mit dem Ausland\". Faktisch ist es eine Filiale der russischen Geheimdienste.\r\n\r\nMan sollte die bezeichnende Auswahl der Teilnehmer dieses \"Runden Tisches\" beachten: die Erzbischofs der Russischen Orthodoxen Kirche, verkleidete Kosaken, Luftlandetruppen- und GRU-Speznas-Veteranen, das Tolstoi-Institut, der putinsche Lobbyist und Politologe Alexander Rahr usw.. Diese Zusammensetzung offenbart sehr deutlich die Reichweite und die Vielfalt der Subjekte russischer Propaganda im Ausland.\r\n\r\nGraf Oleg Semenow wird auf der Webseite des Tolstoi-Institut als \"Berater f\u00fcr die Kultur des Kosakentums des Tolstoi-Instituts\" pr\u00e4sentiert. Das Kosaken-Kulturzentrum beim Institut wurde im April 2015 feierlich er\u00f6ffnet.\r\n\r\nDirekt nach seiner Erschaffung, im September 2014, begann das Institut Formulare f\u00fcr eine Petition \"<a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/Petition_9.9.pdf\">F\u00fcr Freundschaft mit Russland und gegen Sanktionen<\/a>\" in Form von Postkarten zu verbreiten, die an den Bundestag geschickt werden sollten. Die Petition rief dazu auf, Sanktionen gegen Russland aufzuheben und keine neuen einzuf\u00fchren. Anscheinend war die Verbreitung dieser Petition eines der wichtigsten und dringlichsten Ziele bei der Erschaffung des Instituts.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/2.png\"><img class=\" wp-image-26026 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/2.png\" alt=\"\" width=\"337\" height=\"167\" \/><\/a>Im Juli 2016 <a href=\"http:\/\/www.tolstoi-institut.de\/Petersburger_Dialog.html\">vertrat<\/a> Tatyana Garcia das Tolstoi-Institut bei der XV. Sitzung des Petersburger Dialogs in Sankt-Petersburg, sie war Teilnehmerin der Gruppe \"Kultur\". Der Petersburger Dialog ist eine regierungsamtliche russisch-deutsche Organisation und die Teilnahme an ihren Veranstaltungen setzt einen gewissen offiziellen Status voraus.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/3.png\"><img class=\" wp-image-26028 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2017\/10\/3.png\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"230\" \/><\/a>Im Juni 2016 beteiligte sich Garcia an dem wirtschaftlichen Forum \"Russland: Gesch\u00e4ftliche Zusammenarbeit und Perspektiven\" bei der Handelskammer Hamburg. Auf der Webseite des Instituts wurde auch die Teilnahme von Garcia an den anderen offiziellen russisch-deutschen Veranstaltungen illustriert, haupts\u00e4chlich wirtschaftlicher Natur. Dar\u00fcber hinaus fanden auch Er\u00f6ffnungen von Gedenks\u00e4ulen f\u00fcr gefallene Soldaten, eine Silvester- und Tag-des-Sieges- (9.Mai) Feier statt, sowie Interviews f\u00fcr Radio Sputnik, musikalisch-literarische Abende und ein Fr\u00fchlingsball im April 2017.\r\n\r\nAm Charakter dieser Veranstaltungen kann man nachverfolgen, wie diese offensichtliche Scheinorganisation allm\u00e4hlich in politisch-gesch\u00e4ftliche Kreise Deutschlands eingef\u00fchrt wurde.\r\n\r\nVom besonderen Interesse sind gesellschaftliche Verbindungen und Kontakte des Tolstoi-Institus in der deutschen politischen Szene.\r\n\r\nBei der Er\u00f6ffnung des Instituts am 21. November hielten der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Selle und der 2. Sekret\u00e4r der russischen Botschaft in Deutschland Begr\u00fc\u00dfungsreden.\r\n\r\nAnderthalb Monate sp\u00e4ter erhielt Johannes Selle bei einer Silvesterfeier, die von der russisch-deutschen parlamentarischen Gruppe am 3. Januar 2015 organisiert wurde, eine Auszeichnung des Tolstoi-Insitus in Form eines Abzeichens von Tatyana Garcia \u00fcberreicht.\r\n\r\nDie deutsche Presse wurde gleich auf die gesellschaftliche Aktivit\u00e4t des Instituts aufmerksam. 2015 war es Thema einer Sendung des TV-Magazins ZAPP beim deutschen Sender NDR unter dem Titel \"<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=4w3w06qDQ4w\">Kultur und Propaganda: Das Tolstoi-Institut<\/a>\".\r\n\r\nDie Journalisten haben den Doppelcharakter seiner T\u00e4tigkeit ans Licht gebracht: \"F\u00fcr Au\u00dfenbeobachter vertritt das Tolstoi-Institut rein kulturelle Ziele. Es organisiert Lesungen und Konzerte. Der gemeinte Zweck ist die gegenseitige Verst\u00e4ndigung zwischen den V\u00f6lkern und die deutsch-russische Freundschaft. Das im letzten Jahr gegr\u00fcndete Institut verfolgt aber auch auch politische Ziele. Dar\u00fcberhinaus vertritt es die Idee des eurasischen Kontinents, die Abl\u00f6sung Europas von den USA und seine Konsolidierung mit Russland. Die eurasische Idee ist das Lieblingsprojekt von Wladimir Putin. Eines der Ziele des Instituts ist die Einflussnahme auf deutsche Journalisten und Blogger zur Durchsetzung dieses Konzepts. Als Partner treten hier der Berliner Politiker aus der Partei \"B\u00fcrgerrechtsbewegung Solidarit\u00e4t\", Journalisten des rechtspopulistischen Magazins \"\u0421ompa\u0441t\" und \"Russia Today\" auf. Unter den Freunden des Instituts sind auch der Journalist Udo Ulfkotte sowie ein Mitglied des Europaparlaments von der Partei NPD, Udo Voigt\".\r\n\r\nDer im Januar 2017 verstorbene Udo Ulfkotte ist ein deutscher Schriftsteller, der durch seine rechtspopulistischen und islamophoben Ansichten bekannt geworden war. Die Partei \"B\u00fcrgerrechtsbewegung Solidarit\u00e4t\" ist eine kleine deutsche Partei mit trotzkistischen Wurzeln.\r\n\r\nIn der Sendung wurde au\u00dferdem ein Ausschnitt aus einer Videoaufnahme des oben erw\u00e4hnten Auftritts von Garcia im April 2014 gezeigt, bei dem sie behauptete, es g\u00e4be keine Pressefreiheit in Deutschland. Im Interview mit den Journalisten von ZAPP sagte sie sich davon los und behauptete, dass sie dergleichen nie gesagt habe.\r\n\r\nDieses Doppelimage ist zum einen f\u00fcr deutsche Au\u00dfenbeobachter bestimmt, zum anderen - f\u00fcr deutsche \"Freunde Putins\" und russische Emigranten (die die Hauptobjekte der putinschen Propaganda sind), was ein charakteristisches Merkmal f\u00fcr imitierte pseudogesellschaftliche putinsche Organisationen ist, die im Ausland erschaffen werden.\r\n\r\nSchleierhaft ist auch die innere Struktur des Instituts. Auf allen Veranstaltungen, an denen das Tolstoi-Institut beteiligt war, war seine einzige offizielle Vertreterin stets die Pr\u00e4sidentin Tatyana Garcia.\r\n\r\nLaut den Eintr\u00e4gen im Handelsregister wird die Organisation unter dem Namen \"Tolstoi-Institut e.V.\" aber von drei Personen geleitet: der Vorsitzenden Tatyana Garcia, dem zweiten Vorsitzenden Heiner Hink und dem Kassenverwalter G\u00fcnter Tschichon.\r\n\r\nDie Stelle eines Pr\u00e4sidenten ist dabei nicht vorgesehen. Zwei weitere Mitglieder der Leitung nehmen an der offiziellen T\u00e4tigkeit des Instituts nicht teil und ihre Namen werden nirgendwo erw\u00e4hnt. Auf dem Geb\u00e4ude aber, in dem laut Registrierung das Tolstoi-Institut seinen Sitz hat, gibt es kein Schild. Dort steht jedoch der Name von G\u00fcnter Tschichon.\r\n\r\nG\u00fcnter Tschichon ist ein deutscher Politiker der Rechtsextremen, Vorsitzender der F\u00fchrung des Berliner Ablegers er kleinen rechten Partei \"B\u00fcrgerbewegung pro Deutschland\" oder \"Pro Deutschland\". 2015 hatte die Partei 110 Mitglieder. 2013 wurde die Partei ins offizielle Register extremistischer Organisationen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz eingetragen. Im September 2016 protestierte G\u00fcnter Tschichon gegen die Eintragung seiner Partei in diese Liste, hat aber vor Gericht verloren und war gezwungen, die Gerichtskosten zu zahlen.\r\n\r\nEin Mensch mit dem gleichen Namen wie der zweite Vorsitzende des Tolstoi-Instituts Heiner Hink war 2014 Kandidat derselben Partei \"Pro Deutschland\"\u00a0bei den Wahlen in einem Berliner Wahlkreis.\r\n\r\nAuf die seltsame Verbindung zwischen dem zweifelhaften Tolstoi-Institut mitsamt seines Kassenverwalters aus der rechten Szene und den CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Selle und Bernhard Kaster, dem Vorsitzenden der deutsch-russischen Parlamentarier-Gruppe, wurde im M\u00e4rz 2016 die Zeitschrift \"Der Spiegel\" aufmerksam. Im Artikel im Spiegel wurden sie als \"<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/vorab\/unionsabgeordnete-mit-kontakt-nach-rechtsaussen-a-1081860.html\">Unionsabgeordnete mit Kontakten nach rechtsau\u00dfen<\/a>\" betitelt.\r\n\r\nAuf die Verbindungen zwischen dem Tolstoi-Institut und verschiedensten rechts- und linksextremistischen Parteien und Gruppen machte auch die Fotojournalistin Steffi Reichert in Artikeln aufmerksam, die sie auf ihrer Webseite <em>streichfotografie<\/em> <a href=\"https:\/\/streichphotography.wordpress.com\/2016\/07\/24\/diether-dehm-weltnetz-tv-das-tolstoi-institut-berlin-und-die-neuen-rechten\/\">ver\u00f6ffentlichte<\/a>. Nach einer Analyse der Mitgliederliste der Gruppe \"Tolstoi-Institut\" und den \"Freunden\" von Tatyana Garcia auf Facebook, hat Reichert Verbindungen mit einer Menge weiterer Gruppen aufgedeckt, darunter auch mit Pegida, der AfD sowie mit anderen links- und rechtsextremistischen Gruppen.\r\n\r\nIn der Liste der Partner des Tolstoi-Instituts gibt es weder Pegida noch \"Pro Deutschland\", es gibt aber andere, nicht weniger interessante Organisationen: den Verein EastWest e.V., den Verein Deutsch Russische Festtage e.V., das Suworow Institut, die Preu\u00dfische Gesellschaft Berlin Brandenburg.\r\n\r\nDer \"<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/eastwest.e.v\/\">EastWest e.V.<\/a>\" ist eine gesellschaftliche Organisation, die in Leipzig ans\u00e4ssig ist und haupts\u00e4chlich aus russischen Studenten, die in Deutschland leben, besteht. Das Ziel der T\u00e4tigkeit: \"... F\u00f6rderung der Etablierung von unmittelbaren Kontakten zwischen den B\u00fcrgern Russlands und der EU\".\r\n\r\nDas \"Deutsch-Russische Festival\" ist eine Organisation, die seit 2005 unter dem Protektorat der russischen Botschaft und der deutschen Regierung existiert. Sie besch\u00e4ftigt sich mit der Organisation von deutsch-russischen Festivals und Feiern in Deutschland. Unter ihren Sponsoren sind Gasprom, das Russische Haus der Kultur und Wissenschaft in Berlin, die Stiftung \"Russische Welt\", Rossotrudnitschestwo und die Post Russlands. Das Stabsquartier befindet sich im Haus der russischen Kultur und Wissenschaft in Berlin.\r\n\r\nDie Preu\u00dfische Gesellschaft in Berlin-Brandenburg ist eine gesellschaftliche Organisation, die 1996 mit dem Zweck der Wiederherstellung des Preu\u00dfischen Staates und der Kultivierung preu\u00dfischer Werte gegr\u00fcndet wurde. Der Gr\u00fcnder und Ehrenpr\u00e4sident ist Volker Tschapke. Die Organisation unterh\u00e4lt beste Beziehungen zur russischen Botschaft in Deutschland. <a href=\"http:\/\/www.bz-berlin.de\/berlin\/mitte\/das-skurrile-spiel-der-preussischen-gesellschaft\">Die Zeitung \"BZ\" schrieb 2015<\/a> \u00fcber die Silvesterfeier der \"Preu\u00dfischen Gesellschaft\" im Berliner Hotel Hilton, bei der auch die Botschafter Russlands und Chinas anwesend waren: \"Sie feiern Russland, schimpfen auf Amerika. Der Verein lockt kaum deutsche Politiker an, aber Botschafter Chinas und Russlands\". Im Artikel wurde auch Tschapke zitiert, der \u00fcber die \"unzul\u00e4ssige Einseitigkeit bei der Beleuchtung der Ereignisse in Russland sprach\" und die USA angriff, die \"sich die ganze Welt unterwerfen wollen\". Der Artikel wurde unter anderem mit Fotos des dort anwesenden russischen Botschafters Grinin und des \"Grafen Oleg Semenow\" in Kosaken-Unifrom illustriert.\r\n\r\nDas \"Suworow-Institut - eine Gesellschaft zur F\u00f6rderung von \u00f6sterreichisch-russischem Dialog\" ist eine Organisation in Wien, ein Pendant des Tolstoi-Instituts. Das Suworow-Institut wurde im Januar 2015 gegr\u00fcndet und stellt laut seiner eigenen Deklaration eine \"Vereinigung \u00f6sterreichischer B\u00fcrger, die f\u00fcr einen Dialog mit Russland auftreten\" dar. Wie es in einem Interview mit dem Generalsekret\u00e4r des Suworow-Instituts Patrick Poppel offen formuliert wurde: \"Zum Beweggrund f\u00fcr die Erschaffung der Organisation wurden die Ereignisse in der Ukraine und auf der Krim 2013-2014\".\r\n\r\nPatrick Poppel ist ein Mitglied der rechten \u00f6sterreichischen Zwergpartei REKOS (Die Reformkonservativen). In Wikipedia steht, \"die Partei kritisiert die westliche Herangehensweise an Russland in Bezug auf die ukrainische Krise und warnt vor Gefahr einer milit\u00e4rischen Konfrontation zwischen NATO und Russland. Sie ruft zur Verbesserung von Beziehungen mit Russland auf. Das urop\u00e4ische Parlament muss aufgel\u00f6st werden. Sie ruft zur besonderen Solidarit\u00e4t mit den christlichen Opfern des Islamismus auf\". Im obengenannten Interview erkl\u00e4rte Poppel: \"... die Position des Suworow-Instituts ist einfach. \u00d6sterreich soll nicht warten, bis die ganze EU die Sanktionen gegen Russland abschafft (die eine \u00e4u\u00dferst schwerf\u00e4llige und von inneren Widerspr\u00fcchen verkrampfte Struktur ist). Die Abschaffung der Sanktionen soll unverz\u00fcglich erfolgen. Und diese Entscheidung muss in Wien getroffen werden, ohne die Verantwortung auf Berlin zu verschieben\".\r\n\r\nDas Suworow-Institut hat vier Partner: das Kloster der Heiligen Elisabeth in Minsk, die \u00f6sterreichisch-belarussische Gesellschaft, das Tolstoi-Institut und die \"SYSTEMA-Austria\". Die letztgenannte Organisation ist ein Sportklub, in dem Kampfk\u00fcnste des GRU-Speznas unterrichtet werden.\r\n\r\nEs springt einem ins Auge, dass das Suworow-Institut ebenso wie das Tolstoi-Institut in Verbindung mit der Ukraine-Krise 2014 entstanden sind. Beide Institutionen wurden auf der Basis und unter Beteiligung von kleinen rechtsradikalen Parteien gegr\u00fcndet. Wenn aber die Mitglieder dieser Parteien im Tolstoi-Institut im Schatten geblieben sind, so kam beim Suworow-Institut einer von ihnen unmittelbar an die Spitze. In beiden F\u00e4llen fehlen jegliche Angaben \u00fcber die Finanzierung von Veranstaltungen der Institute.\r\n\r\n***\r\n\r\nAls Schlussfolgerung kann man mit Sicherheit behaupten, dass das Tolstoi-Institut weder ein Institut noch eine gesellschaftliche Organisation ist. Es handelt sich um ein in Deutschland gegr\u00fcndetes propagandistisches Agenturzentrum, das entweder von der Botschaft oder aber direkt von Moskauer \u00c4mtern finanziert wird, die f\u00fcr Propaganda im Ausland und die Arbeit mit Ausl\u00e4ndern verantwortlich sind (also in erster Linie den Geheimdiensten). Zu den Aufgaben dieses Zentrums geh\u00f6ren sowohl die Konsolidierung der Protestt\u00e4tigkeiten von verschiedenen kleinen rechtsradikalen, islamophoben, nationalistischen Parteien und Bewegungen in Deutschland, um sie im Interesse des Moskauer Regimes auszunutzen, als auch die Verbreitung der proputinschen Propaganda unter den russischen Emigranten in Deutschland. Die obengenannten russischen Partner des Tolstoi-Instituts sind ebenfalls pseudogesellschaftliche Scheingesellschaften mit Wurzeln in Moskau und offensichtlich Finanzierung aus Moskau.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><strong>Autor: <a href=\"http:\/\/www.politexpert.org\/material.php?id=59E5D57076D71\">Dmitrij Chmelnizki<\/a><\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>, editiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/khwalter\">Klaus H. Walter<\/a>.<\/em>\r\n\r\n<\/div>\r\n<em><strong>Lesen Sie zum Thema \"Russische Einflussnahme in Europa\" unsere Artikel:<\/strong><\/em>\r\n<ul>\r\n \t<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wie-der-kreml-polnische-radikale-finanziert-aufgaben-bezahlung-und-berichte-nach-moskau\/\">Wie der Kreml polnische Radikale finanziert: Aufgaben, Bezahlung und Berichte nach Moskau<\/a><\/strong><\/em><em><strong>\r\n<\/strong><\/em><\/li>\r\n \t<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/hinter-den-antiukrainischen-aktionen-in-polen-steht-der-kreml-analyse-einer-korrespondenz\/\">Hinter den antiukrainischen Aktionen in Polen steht der Kreml. Analyse einer Korrespondenz<\/a><\/strong><\/em><\/li>\r\n \t<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/untersuchung-von-rbc-wer-sind-russlands-freunde-in-europa\/\">RBC-Untersuchung: Wer sind Russlands Freunde in Europa?<\/a><\/strong><\/em><\/li>\r\n \t<li><em><strong><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/reisefuehrer-zu-putins-freunden-in-europa\/\">Reisef\u00fchrer zu Putins Freunden in Europa<\/a><\/strong><\/em><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<p style=\"text-align: center\"><strong style=\"text-align: center\">Besuchen Sie uns auf Facebook:<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/informnapalmdeutsch\/\"> InformNapalmDeutsch<\/a><\/strong><\/p>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25977","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/121"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25977"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25977\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26064,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25977\/revisions\/26064"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/26040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}