{"id":3902,"date":"2015-02-26T22:55:46","date_gmt":"2015-02-26T22:55:46","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=3902"},"modified":"2015-12-29T21:44:02","modified_gmt":"2015-12-29T21:44:02","slug":"hawrylyshyn-in-zwei-jahren-wird-in-der-ukraine-ein-wirtschaftswunder-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/hawrylyshyn-in-zwei-jahren-wird-in-der-ukraine-ein-wirtschaftswunder-beginnen\/","title":{"rendered":"Hawrylyshyn: In zwei Jahren wird in der Ukraine ein Wirtschaftswunder beginnen."},"content":{"rendered":"<p><strong>Artikel vom 4. Februar\u00a02015<\/strong><\/p>\n<p><em>Einer der einflussreichsten Ukrainer, <strong>Bogdan Hawrylyschyn<\/strong>, ist der Meinung, die Ukraine stehe nicht nur in Avantgarde Europas, sondern k\u00f6nne ein Vorbild zur Nachahmung f\u00fcr die ganze Welt werden. Der Berater von drei ukrainischen Pr\u00e4sidenten, Wirtschaftswissenschaftler und Gr\u00fcnder des Wirtschaftsforums in Davos erz\u00e4hlte\u00a0dar\u00fcber in einem Interview ans\u00a0Internetportal &#8222;24&#8220;.<\/em><\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Herr Hawrylyschyn, Sie schreiben der Ukraine eine wichtige Rolle f\u00fcr die Zukunft Europas und der Welt im Allgemeinen zu. Warum ist es ausgerechnet die Ukraine?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Es gibt in der Regel vier Hauptmerkmale der effektiven L\u00e4nder: volle politische Freiheit, ein gewisses Ma\u00df an Wohlstand f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung &#8211; das hei\u00dft es gibt Reiche, aber es gibt keine Bed\u00fcrftigen; soziale Gerechtigkeit; eine Symbiose mit der Biosph\u00e4re, und nicht die Zerst\u00f6rung und Verschmutzung der Umwelt. Die absolute Mehrheit der L\u00e4nder, mit Ausnahme einiger wenigen in Europa, entsprechen diesen vier Kriterien nicht. Sie m\u00fcssen behandelt werden, denn sie sind im gewissen Sinne krank.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Krank? Wieso?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Krank sind in erster Linie die demokratischen L\u00e4nder. 1948 wurde die wunderbare Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte unterzeichnet. Damals hatte man riesige Erwartungen im Zusammenhang damit gehabt. Aber diese Rechte konnten nur Regierungen einiger L\u00e4nder gew\u00e4hrleisten. Deshalb gab es gro\u00dfe Entt\u00e4uschung und die Kritik an den Regierungen. Im Allgemeinen wurde es schwieriger, L\u00e4nder zu regieren und an der Macht zu sein. W\u00e4hrenddessen war die Kommunikation zwischen den Institutionen und zwischen den L\u00e4ndern auf hartem Wettbewerb basiert.\u00a0So konnten die Reichen ihre eigenen Rechte durchsetzen, die Mehrheit hatte diese M\u00f6glichkeit aber nicht. Die USA sind das bemerkenswerteste Beispiel. Dort haben beispielsweise 50 Millionen Menschen mit eingeschr\u00e4nkten\u00a0Rechten keinen Zugang zur Bildung oder medizinischer Versorgung. Obama versuchte es zu \u00e4ndern &#8211; bis jetzt ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Zwischen den L\u00e4ndern entsteht eine \u00e4hnliche Situation. Demokratische L\u00e4nder predigen immer das Gleiche: \u201eAlle m\u00fcssen sich an die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte halten\u201c. Aber die USA verkaufen ihre Produkte an afrikanische L\u00e4nder zu hohen Preisen, die Rohstoffe beziehen sie von ihnen aber zu niedrigen Preisen, also bleiben diese L\u00e4nder sehr arm. Selbst die wenigen L\u00e4nder, die normale Regierungen haben, sind nicht in der Lage ihren B\u00fcrgern wenigstens die Grundrechte zu garantieren, wie den Zugang zu frischem Wasser oder medizinische Versorgung.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Ist etwa die Ukraine in der Lage sie zu heilen, die globale Ordnung zu \u00e4ndern?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Auf\u00a0der Welt ist jetzt eine Situation entstanden, von der alle immer weniger profitieren und immer mehr verlieren. Wir m\u00fcssen also zu einem neuen Paradigma wechseln, bei dem alle etwas gewinnen w\u00fcrden. F\u00fcr das neue Paradigma sind nur zwei Komponenten erforderlich: eine Universelle Erkl\u00e4rung der Menschenpflichten (denn nicht alles muss nur der Staat machen) und der \u00dcbergang zur Kooperation (denn es ist nicht l\u00e4nger m\u00f6glich, Beziehungen nur auf Wettbewerbsbasis aufzubauen).<\/p>\n<p>Warum kann die Ukraine bei der Genesung der Welt helfen? Weil auf dem Maidan, als Menschen angegriffen wurden, durch Selbstorganisation eine Reihe von Dienstleistungen angeboten wurde: medizinische, religi\u00f6se, psychologische, p\u00e4dagogische. Diese Dienste wurden von Einzelpersonen geschaffen. Olha Bohomolez schuf den ersten Dienst. Sie sagte einfach: &#8222;Ich tue es&#8220;. Ihr schlossen sich andere Menschen an, die etwas \u00fcber Medizin wussten. Und es funktionierte. Auf dem Maidan gab es keinen anderen Arzt, der einen anderen medizinischen Dienst angeboten h\u00e4tte, um bessere Dienstleistungen anzubieten. Dort gab es keinen Wettbewerb.<\/p>\n<p>Interessanterweise wurden alle diese Dienste nicht im Auftrag der Regierung geschaffen, sondern durch ein Gef\u00fchl der Pflicht bei den Menschen gegen\u00fcber ihren Mitb\u00fcrgern und dem Land. Genauso nehmen jetzt viele Freiwillige an der Antiterroroperation teil. Sie machen es freiwillig &#8211; wohlwissend, dass sie dabei ihr Leben riskieren und keiner sie dazu zwingt.<\/p>\n<p>Unsere Mitb\u00fcrger haben also begonnen, im Einklang mit diesem neuen Paradigma zu leben, nach dem die Welt leben sollte. Die Welt hilft der Ukraine sehr. Auf der einen Seite &#8211; mit Sanktionen, auf der anderen &#8211; mit finanzieller Unterst\u00fctzung. Aber wir k\u00f6nnen dieser Welt auch helfen, denn diese befindet sich in einer gewissen Sackgasse.<\/p>\n<p><em>&#8211; K\u00f6nnen wir, Ukrainer, helfen, aus dieser Sackgasse herauszukommen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211;\u00a0Ja. Ich denke, es ist gro\u00dfartig, wenn wir selbst begreifen, dass wir nicht in jeder Sache der ganzen Welt hinterherlaufen m\u00fcssen, ob der EU oder den USA. Nein. Wir sind in mancher Hinsicht weiter, als die anderen. Sie haben uns was abzuschauen.<\/p>\n<p>Doch nach Euromaidan gab es viele Menschen, die sich ein wenig zur\u00fccklehnten und sagten: nun haben wir eine neue Regierung, sie solle sich um uns k\u00fcmmern, Reformen machen, und wir werden uns um unser eigenes Leben k\u00fcmmern&#8230;<\/p>\n<p>Ich denke, das kann man ein wenig anders interpretieren. Das ist normal, denn diese Leute k\u00f6nnen keine Reformen machen. Der ganze Maidan konnte sie nicht machen &#8211; nur wenige Personen, die an die Macht gingen. W\u00e4hrenddessen beobachten wir aber noch weitere\u00a0Demonstrationen; Soldaten, die an die Front gegangen sind &#8211; sie k\u00e4mpfen weiter. Das hei\u00dft, den Menschen ist ihr Land nicht gleichg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Es ist eine gewisse Entt\u00e4uschung vorhanden. Zum Teil, weil wir zu schnell alles haben wollen. Zum Teil, durch den Druck von der Au\u00dfenwelt, die von uns erwartet, dass alle unsere Handlungen vollst\u00e4ndig der Verfassung, dem geltenden Recht entsprechen sollen. Deshalb ist die Regierung gewisserma\u00dfen machtlos und nicht in der Lage, die Reformen tats\u00e4chlich durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #003366\"><i><b>&#8222;Damit die B\u00fcrger der Regierung und dem Pr\u00e4sidenten vertrauen, ist es notwendig, sie gut zu informieren&#8220;<\/b><\/i><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&#8211;\u00a0<em>Womit sollte die Regierung Ihrer Meinung nach beginnen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Mit Korruption. Die Korruptionsquellen sind sehr unterschiedlich. Die meisten sind auf die vielen verschiedenen Lizenzen, Genehmigungen, Inspektionen, Gott wei\u00df was, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Es gibt eine riesige B\u00fcrokratie, die sich damit besch\u00e4ftigt, wie Gesch\u00e4fte zu machen, wie diese zu f\u00fchren sind. Wenn Sie etwas brauchen, dann m\u00fcssen Sie zu einem B\u00fcrokraten gehen, um es zu bekommen &#8211; und ohne zu schmieren, bekommt man nichts.<\/p>\n<p>Ein junger Mann aus Odessa erarbeitete mit seinen Kollegen ein wunderbares Programm zur Deregulierung. Seiner Meinung nach, statt eine weitere B\u00fcrokratie zu erschaffen, die die Korruption bek\u00e4mpfen soll, braucht man eine Deregulierung. So kann die Ursache beseitigt werden: wird keine Lizenz ben\u00f6tigt &#8211; so m\u00fcssen Sie nicht zahlen. W\u00fcrde man die B\u00fcrokratie um ein Drittel oder vielleicht ein Viertel reduzieren, k\u00f6nnte diese effizienter arbeiten. Dann k\u00f6nnte man denjenigen, die blieben, ein wenig mehr zahlen, als wir es jetzt tun.<\/p>\n<p><em>&#8211; Welche Hindernisse sind\u00a0bei der Umsetzung dieses Programms zu \u00fcberwinden?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Als unser Wirtschafts- und Handelsminister von dem jungen Mann h\u00f6rte, lud er ihn zu einem Gespr\u00e4ch ein und bat ihm gleich eine Stelle als sein Stellvertreter an. Dieser Mann sagte ab, schlug aber vor: er und seine Mannschaft w\u00fcrden den Minister als Berater unterst\u00fctzen. Es sieht danach aus, dass dieser Minister das Programm aufgegriffen hat, und die Herangehensweise f\u00fcr sehr gut h\u00e4lt. Die Absichten sind also da.<\/p>\n<p>Die Regierung soll alles systematisch angehen. Wir m\u00fcssen handeln, und zwar zur gleichen Zeit an der ganzen Front. Andernfalls wird die bestehende B\u00fcrokratie die Deregulierung blockieren.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen hoffen, dass diese bald umgesetzt werden kann?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Die Hoffnung ist da. Nicht, weil wir nur das Leben genie\u00dfen wollen, sondern auch, weil wir dieser Regierung helfen k\u00f6nnen. Es gibt eine Menge von intelligenten Menschen, die das tun w\u00fcrden, wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, in irgendeiner Weise\u00a0der Regierung\u00a0freiwillig zu helfen.<\/p>\n<p><em>&#8211; Wie kann man diese M\u00f6glichkeit schaffen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Bald wird die Versammlung der Initiativgruppe des \u201e1. Dezember\u201c stattfinden. Sie werden \u00fcber einen Appell an den Pr\u00e4sidenten und die Regierung diskutieren, mehr mit B\u00fcrgern, mit der \u00d6ffentlichkeit zu kommunizieren. Damit die B\u00fcrger der Regierung und dem Pr\u00e4sidenten vertrauen- und das ist sehr wichtig- ist es notwendig, sie gut zu informieren, auch \u00fcber die Wahrheit. Wenn es mehr Vertrauen gibt, dann werden wir helfen, wie wir nur k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-3905 aligncenter\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2.jpg\" alt=\"havryl2\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2.jpg 620w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Sie haben die M\u00f6glichkeit, die Transparenz vom jetzigen ukrainischem Pr\u00e4sidenten und den anderen ukrainischen Regierungen zu vergleichen. Ist die derzeitige Regierung Ihrer Meinung nach offen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Nun, sie ist auf jeden Fall transparenter, als die, die unter Janukowitsch war. Aber in dieser Sache gab es bestimmte verschiedene Phasen, so wie ich es aus meiner Erfahrung als Berater der Spitzenpolitiker beurteilen kann. Krawtschuk war offen, aber mit ihm war es sehr schwer zu arbeiten, denn er verstand nichts von der Wirtschaft. Zum Beispiel: drei Leute aus seiner Umgebung haben beschlossen, die Staatsanleihen der Ukraine f\u00fcr 10 Milliarden Dollar herauszugeben. Diese Jungs machten das, was f\u00fcr die Ukraine in einem Alptraum enden k\u00f6nnte. Als ich sie fragte, was die Garantie f\u00fcr diese Anleihen sei, sagten sie: &#8222;Die Ukraine&#8220;. Das hei\u00dft, dass zum Beispiel die italienische Mafia, oder reiche Leute aus Russland diese Anleihen f\u00fcr 10 Milliarden aufgekauft haben\u00a0k\u00f6nnten, das ist doch nicht so eine riesige Summe, und dann h\u00e4tten sie der Ukraine sagen k\u00f6nnen: Wenn ihr nicht in der Lage seid, uns dieses Geld zur\u00fcckzuzahlen, dann geh\u00f6rt ihr uns. Es ist mir nicht gelungen,\u00a0Krawtschuk zu \u00fcberzeugen, diese Idee im Parlament nicht vorzuschlagen. Zum Gl\u00fcck gab es im Parlament Leute, die davon eine Ahnung hatten und dagegen gestimmt haben. Dann hatten diese Jungs die Anleihen in London zum Verkauf angeboten und es geschafft, einige zu verkaufen. Unser Botschafter konnte sie abfangen und die Sache wurde beendet. Das ist ein Beispiel: ja, er war offen, aber es mangelte ihm an Wissen und Kompetenz.<\/p>\n<p>Juschtschenko war sehr offen und zeigte sehr gute Leistungen, als er Premierminister war. Alles \u00e4nderte sich, als er Pr\u00e4sident wurde. Aber als er Premierminister und Julia Timoschenko seine Stellvertreterin war, das war ein fantastisches Team. Sie haben tolle Arbeit geleistet. Unternehmen, die im Energiesektor arbeiteten, betrieben untereinander Tauschhandel.<\/p>\n<p>Deshalb erwirtschafteten sie keine Gewinne und zahlten keine Steuern. Timoschenko kannte sich in der Branche gut aus und schlug vor, sie zum Geldverkehr zu bewegen. Juschtschenko stimmte zu. Die Entscheidung wurde getroffen. Pl\u00f6tzlich gab es einen gro\u00dfen Zustrom von Einnahmen f\u00fcr den Staatshaushalt. Man zahlte gro\u00dfe R\u00fcckst\u00e4nde von Renten und Geh\u00e4ltern aus. Der Wirtschaftswachstum lag bei 9%, sogar ohne Inflation. Das war sehr stark.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Amtszeit und zu Beginn der zweiten war Kutschma v\u00f6llig offen. Als Medwedtschuk kam, wurde er ein ganz anderer Mensch.<\/p>\n<p>Es schwang also alles hin und her. Wir haben also keine klaren Beispiele, mit denen die derzeitige Regierung verglichen werden kann.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Wie effektiv wird Ihrer Meinung nach die aktuelle B\u00fcndnis &#8222;Premier &#8211; Pr\u00e4sident&#8220; sein?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Ich kenne die beiden sehr gut. Ich will weder den einen, noch den anderen kritisieren. Es w\u00e4re unanst\u00e4ndig. Aber wenn man sieht, wie lange die Koalitionsbildung dauerte, wenn man es extrapoliert, dann ist es unwahrscheinlich, dass sie wie ein Team zusammenarbeiten werden.<\/p>\n<p><em>&#8211; Was ist dann die L\u00f6sung f\u00fcr die Situation?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Ich hoffe, sie werden sich wenigstens \u00fcber die wichtigsten Dinge einigen.<\/p>\n<p>In der Regierung gibt es jedoch eine Menge kompetente Leute. Es w\u00e4re gut zum Beispiel, wenn wir einen Ministerrat h\u00e4tten, und es dort einen Vorsitzenden des Ministerrates g\u00e4be. Es klingt seltsam, denn so war es in der Sowjetunion. Aber so ist es zum Beispiel, heute in Italien. Im Ministerrat gibt es eine Diskussion, die sein Handeln harmonisieren k\u00f6nnte. Die Minister kommen mit ihren Vorschl\u00e4gen, diskutieren im Kabinett, stimmen sich ab, ob die Entscheidung gut war, ob weiter dies oder jenes getan wird.<\/p>\n<p><em>&#8211; Was w\u00fcrde uns so ein Arbeitsformat bringen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Wenn das Kabinett auf diese Weise arbeiten w\u00fcrde, dann w\u00fcrde die Kommunikation mit dem Pr\u00e4sidenten besser funktionieren. Der Pr\u00e4sident h\u00e4tte es nicht n\u00f6tig, mit den Initiativen herumzulaufen, er w\u00fcrde \u00fcber sie entscheiden, wenn er w\u00fcsste, dass das Kabinett \u00fcber diese diskutiert, das hei\u00dft: die Regierung st\u00fcnde dahinter.<\/p>\n<p>Ich versuche, statt zu kritisieren oder schlechte Prognosen zu machen, einen Ausweg zu zeigen. Aber ein guter Wille muss da sein und man sollte sich dem Ziel unterordnen. Mehr \u00fcber die Ukraine zu denken und nicht dar\u00fcber, wer wie viel Macht oder Befugnisse hat.<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-size: medium\"><i><b>&#8222;<\/b><\/i><\/span><i><b>Es bedarf sehr wenig, damit das ukrainische Wirtschaftswunder entsteht&#8220;<\/b><\/i><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&#8211;\u00a0<em>Sie schreiben, die Ukrainer seien in der Lage, ein Wirtschaftswunder zu vollbringen. Viele Experten sagen jedoch, die Wirtschaft der Ukraine sei in einem schlechten Zustand und n\u00e4here sich einem Zusammenbruch. Woher sch\u00f6pfen Sie Ihren Optimismus?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Es sieht ein bisschen so aus, als w\u00fcrden wir uns einer Zahlungsunf\u00e4higkeit n\u00e4hern. Aber wir wissen, dass es eine Vereinbarung zwischen den Finanzministerien der Ukraine und den Vereinigten Staaten gibt, die uns garantiert, dass die USA f\u00fcr Kredite der\u00a0Ukraine bis zu einer Gr\u00f6\u00dfe von 2 Milliarden Dollar b\u00fcrgen. Es ist eine sehr starke Garantie. Das\u00a0macht es f\u00fcr die Ukraine automatisch leichter, die 2 Milliarden mit einer etwas l\u00e4ngeren Amortisationszeit und mit einem niedrigeren Prozentsatz zu erhalten, als wenn es diese Vereinbarung nicht gegeben h\u00e4tte. Die EU beschloss auch, der Ukraine 15 Milliarden-Hilfe zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Deshalb glaube ich nicht, dass die Ukraine zahlungsunf\u00e4hig wird. Aber bis die Wirtschaft sich wieder erholt, wird es einige Zeit dauern.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Was ist mit dem Wirtschaftswunder, kann es wirklich dazu kommen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Ja, dazu haben wir alle Voraussetzungen.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Welche genau?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Wir verf\u00fcgen \u00fcber alle notwendigen Naturressourcen. Wir haben qualifizierte Mitarbeiter. Wir sind von Natur aus ein hart arbeitendes Volk.<\/p>\n<p>Aber wir brauchen weitere Voraussetzungen. Das Erste: wir wollen uns mit unserer Arbeit ein normales Leben leisten k\u00f6nnen. Zweitens, eine interne Motivation. Die Menschen sollten eine gewisse Freiheit auf allen Ebenen bekommen, um entscheiden zu k\u00f6nnen, nicht <strong>was<\/strong> sie tun, sondern, <strong>wie<\/strong> sie es tun, das hei\u00dft: auf ihre eigene Art und Weise. Dadurch werden sie Entscheidungsfreiheit \u00fcber ihre Arbeit bekommen. So eine Arbeitsmotivation w\u00e4re wunderbar.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen also ein klares Gesetz \u00fcber das Eigentumsrecht verabschieden, ein klares Rechtssystem und klare Regeln einf\u00fchren. Dann m\u00fcssen wir eine Menge staatlicher Unternehmen in private H\u00e4nde \u00fcbergeben. Die sogenannten nat\u00fcrlichen Monopole sollte man in Staatshand behalten. Es bedarf sehr wenig, damit das ukrainische Wirtschaftswunder beginnt.<\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>K\u00f6nnen Sie sagen, wann das passieren wird?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Ich denke, in zwei Jahren werden wir den Anfang erleben. Aber wir m\u00fcssen diese Voraussetzungen schaffen. Die Ukraine braucht totale Transformationen. Wir m\u00fcssen den Status des Landes \u00e4ndern. Die Ukraine sollte wirklich ein Einheitsstaat bleiben, aber sie braucht eine starke Dezentralisierung. Wir m\u00fcssen das Justizsystem, die Volkswirtschaft sowie die Sozialpolitik \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass diese Regierung, dieses Parlament, dieser Pr\u00e4sident einige Reformen durchf\u00fchren und die Transformation ein wenig einfacher ablaufen wird, als es unter Janukowitsch war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-3906 aligncenter\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3.jpg\" alt=\"havryl3\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3.jpg 620w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b><em>Wie wird sich die Ukraine \u00e4ndern, wenn der Krieg mit Russland vorbei ist?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Wir sind von einem polyethnischen Volk zu einer polyethnischen Nation, zu einer ukrainischen Nation geworden. Dies ist ein sehr gutes Ergebnis. Ich denke, wir werden niemals wieder zu sowjetischen Menschen. Dazu w\u00fcrde ich noch sagen, dass wir (aus diesem Krieg) gereinigt, aber nat\u00fcrlich auch sehr geschw\u00e4cht herauskommen werden.<\/p>\n<p>Ich denke auch, dass wir nie wieder Illusionen dar\u00fcber haben werden, dass wir ein Brudervolk werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><em>&#8211; Wird die territoriale Integrit\u00e4t erhalten bleiben?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Ich glaube schon. Ich denke sogar, dass die Krim irgendwann zur\u00fcckkommen wird. Nicht nur, weil es dort Krimtataren gibt, obwohl es auch ein sehr wichtiger Faktor ist. Sondern weil sich alle daran erinnern werden, dass das Leben in Form\u00a0einer autonomen Republik in der Zusammensetzung der Ukraine viel besser war, als das Leben eines Subjekts der russischen F\u00f6deration ist. Es wird keine Milit\u00e4roperation sein. Es wird von innen kommen.<\/p>\n<p><i>Quelle:\u00a0<strong>Bogdan Hawrylyschyn<\/strong> im Interview an\u00a0<strong>Eugenia Mazur<\/strong>,<strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/24tv.ua\">24.tv.ua<\/a><\/strong>;\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/gavrylyshyn-za-dva-roky-v-ukrayini-pochnetsya-ekonomichne-dyvo\/\">InformNapalm<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/andrij.topchan?fref=ts\">Andrij Topchan<\/a>; editiert\u00a0von <span style=\"color: #000080\"><a style=\"color: #000080\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Artikel vom 4. 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Februar\u00a02015<\/strong>\r\n\r\n<em>Einer der einflussreichsten Ukrainer, <strong>Bogdan Hawrylyschyn<\/strong>, ist der Meinung, die Ukraine stehe nicht nur in Avantgarde Europas, sondern k\u00f6nne ein Vorbild zur Nachahmung f\u00fcr die ganze Welt werden. Der Berater von drei ukrainischen Pr\u00e4sidenten, Wirtschaftswissenschaftler und Gr\u00fcnder des Wirtschaftsforums in Davos erz\u00e4hlte\u00a0dar\u00fcber in einem Interview ans\u00a0Internetportal \"24\".<\/em>\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Herr Hawrylyschyn, Sie schreiben der Ukraine eine wichtige Rolle f\u00fcr die Zukunft Europas und der Welt im Allgemeinen zu. Warum ist es ausgerechnet die Ukraine?<\/em>\r\n\r\n- Es gibt in der Regel vier Hauptmerkmale der effektiven L\u00e4nder: volle politische Freiheit, ein gewisses Ma\u00df an Wohlstand f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung - das hei\u00dft es gibt Reiche, aber es gibt keine Bed\u00fcrftigen; soziale Gerechtigkeit; eine Symbiose mit der Biosph\u00e4re, und nicht die Zerst\u00f6rung und Verschmutzung der Umwelt. Die absolute Mehrheit der L\u00e4nder, mit Ausnahme einiger wenigen in Europa, entsprechen diesen vier Kriterien nicht. Sie m\u00fcssen behandelt werden, denn sie sind im gewissen Sinne krank.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Krank? Wieso?<\/em>\r\n\r\n- Krank sind in erster Linie die demokratischen L\u00e4nder. 1948 wurde die wunderbare Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte unterzeichnet. Damals hatte man riesige Erwartungen im Zusammenhang damit gehabt. Aber diese Rechte konnten nur Regierungen einiger L\u00e4nder gew\u00e4hrleisten. Deshalb gab es gro\u00dfe Entt\u00e4uschung und die Kritik an den Regierungen. Im Allgemeinen wurde es schwieriger, L\u00e4nder zu regieren und an der Macht zu sein. W\u00e4hrenddessen war die Kommunikation zwischen den Institutionen und zwischen den L\u00e4ndern auf hartem Wettbewerb basiert.\u00a0So konnten die Reichen ihre eigenen Rechte durchsetzen, die Mehrheit hatte diese M\u00f6glichkeit aber nicht. Die USA sind das bemerkenswerteste Beispiel. Dort haben beispielsweise 50 Millionen Menschen mit eingeschr\u00e4nkten\u00a0Rechten keinen Zugang zur Bildung oder medizinischer Versorgung. Obama versuchte es zu \u00e4ndern - bis jetzt ohne Erfolg.\r\n\r\nZwischen den L\u00e4ndern entsteht eine \u00e4hnliche Situation. Demokratische L\u00e4nder predigen immer das Gleiche: \u201eAlle m\u00fcssen sich an die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte halten\u201c. Aber die USA verkaufen ihre Produkte an afrikanische L\u00e4nder zu hohen Preisen, die Rohstoffe beziehen sie von ihnen aber zu niedrigen Preisen, also bleiben diese L\u00e4nder sehr arm. Selbst die wenigen L\u00e4nder, die normale Regierungen haben, sind nicht in der Lage ihren B\u00fcrgern wenigstens die Grundrechte zu garantieren, wie den Zugang zu frischem Wasser oder medizinische Versorgung.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Ist etwa die Ukraine in der Lage sie zu heilen, die globale Ordnung zu \u00e4ndern?<\/em>\r\n\r\n- Auf\u00a0der Welt ist jetzt eine Situation entstanden, von der alle immer weniger profitieren und immer mehr verlieren. Wir m\u00fcssen also zu einem neuen Paradigma wechseln, bei dem alle etwas gewinnen w\u00fcrden. F\u00fcr das neue Paradigma sind nur zwei Komponenten erforderlich: eine Universelle Erkl\u00e4rung der Menschenpflichten (denn nicht alles muss nur der Staat machen) und der \u00dcbergang zur Kooperation (denn es ist nicht l\u00e4nger m\u00f6glich, Beziehungen nur auf Wettbewerbsbasis aufzubauen).\r\n\r\nWarum kann die Ukraine bei der Genesung der Welt helfen? Weil auf dem Maidan, als Menschen angegriffen wurden, durch Selbstorganisation eine Reihe von Dienstleistungen angeboten wurde: medizinische, religi\u00f6se, psychologische, p\u00e4dagogische. Diese Dienste wurden von Einzelpersonen geschaffen. Olha Bohomolez schuf den ersten Dienst. Sie sagte einfach: \"Ich tue es\". Ihr schlossen sich andere Menschen an, die etwas \u00fcber Medizin wussten. Und es funktionierte. Auf dem Maidan gab es keinen anderen Arzt, der einen anderen medizinischen Dienst angeboten h\u00e4tte, um bessere Dienstleistungen anzubieten. Dort gab es keinen Wettbewerb.\r\n\r\nInteressanterweise wurden alle diese Dienste nicht im Auftrag der Regierung geschaffen, sondern durch ein Gef\u00fchl der Pflicht bei den Menschen gegen\u00fcber ihren Mitb\u00fcrgern und dem Land. Genauso nehmen jetzt viele Freiwillige an der Antiterroroperation teil. Sie machen es freiwillig - wohlwissend, dass sie dabei ihr Leben riskieren und keiner sie dazu zwingt.\r\n\r\nUnsere Mitb\u00fcrger haben also begonnen, im Einklang mit diesem neuen Paradigma zu leben, nach dem die Welt leben sollte. Die Welt hilft der Ukraine sehr. Auf der einen Seite - mit Sanktionen, auf der anderen - mit finanzieller Unterst\u00fctzung. Aber wir k\u00f6nnen dieser Welt auch helfen, denn diese befindet sich in einer gewissen Sackgasse.\r\n\r\n<em>- K\u00f6nnen wir, Ukrainer, helfen, aus dieser Sackgasse herauszukommen?<\/em>\r\n\r\n-\u00a0Ja. Ich denke, es ist gro\u00dfartig, wenn wir selbst begreifen, dass wir nicht in jeder Sache der ganzen Welt hinterherlaufen m\u00fcssen, ob der EU oder den USA. Nein. Wir sind in mancher Hinsicht weiter, als die anderen. Sie haben uns was abzuschauen.\r\n\r\nDoch nach Euromaidan gab es viele Menschen, die sich ein wenig zur\u00fccklehnten und sagten: nun haben wir eine neue Regierung, sie solle sich um uns k\u00fcmmern, Reformen machen, und wir werden uns um unser eigenes Leben k\u00fcmmern...\r\n\r\nIch denke, das kann man ein wenig anders interpretieren. Das ist normal, denn diese Leute k\u00f6nnen keine Reformen machen. Der ganze Maidan konnte sie nicht machen - nur wenige Personen, die an die Macht gingen. W\u00e4hrenddessen beobachten wir aber noch weitere\u00a0Demonstrationen; Soldaten, die an die Front gegangen sind - sie k\u00e4mpfen weiter. Das hei\u00dft, den Menschen ist ihr Land nicht gleichg\u00fcltig.\r\n\r\nEs ist eine gewisse Entt\u00e4uschung vorhanden. Zum Teil, weil wir zu schnell alles haben wollen. Zum Teil, durch den Druck von der Au\u00dfenwelt, die von uns erwartet, dass alle unsere Handlungen vollst\u00e4ndig der Verfassung, dem geltenden Recht entsprechen sollen. Deshalb ist die Regierung gewisserma\u00dfen machtlos und nicht in der Lage, die Reformen tats\u00e4chlich durchzuf\u00fchren.\r\n<blockquote><span style=\"color: #003366\"><i><b>\"Damit die B\u00fcrger der Regierung und dem Pr\u00e4sidenten vertrauen, ist es notwendig, sie gut zu informieren\"<\/b><\/i><\/span><\/blockquote>\r\n-\u00a0<em>Womit sollte die Regierung Ihrer Meinung nach beginnen?<\/em>\r\n\r\n- Mit Korruption. Die Korruptionsquellen sind sehr unterschiedlich. Die meisten sind auf die vielen verschiedenen Lizenzen, Genehmigungen, Inspektionen, Gott wei\u00df was, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Es gibt eine riesige B\u00fcrokratie, die sich damit besch\u00e4ftigt, wie Gesch\u00e4fte zu machen, wie diese zu f\u00fchren sind. Wenn Sie etwas brauchen, dann m\u00fcssen Sie zu einem B\u00fcrokraten gehen, um es zu bekommen - und ohne zu schmieren, bekommt man nichts.\r\n\r\nEin junger Mann aus Odessa erarbeitete mit seinen Kollegen ein wunderbares Programm zur Deregulierung. Seiner Meinung nach, statt eine weitere B\u00fcrokratie zu erschaffen, die die Korruption bek\u00e4mpfen soll, braucht man eine Deregulierung. So kann die Ursache beseitigt werden: wird keine Lizenz ben\u00f6tigt - so m\u00fcssen Sie nicht zahlen. W\u00fcrde man die B\u00fcrokratie um ein Drittel oder vielleicht ein Viertel reduzieren, k\u00f6nnte diese effizienter arbeiten. Dann k\u00f6nnte man denjenigen, die blieben, ein wenig mehr zahlen, als wir es jetzt tun.\r\n\r\n<em>- Welche Hindernisse sind\u00a0bei der Umsetzung dieses Programms zu \u00fcberwinden?<\/em>\r\n\r\n- Als unser Wirtschafts- und Handelsminister von dem jungen Mann h\u00f6rte, lud er ihn zu einem Gespr\u00e4ch ein und bat ihm gleich eine Stelle als sein Stellvertreter an. Dieser Mann sagte ab, schlug aber vor: er und seine Mannschaft w\u00fcrden den Minister als Berater unterst\u00fctzen. Es sieht danach aus, dass dieser Minister das Programm aufgegriffen hat, und die Herangehensweise f\u00fcr sehr gut h\u00e4lt. Die Absichten sind also da.\r\n\r\nDie Regierung soll alles systematisch angehen. Wir m\u00fcssen handeln, und zwar zur gleichen Zeit an der ganzen Front. Andernfalls wird die bestehende B\u00fcrokratie die Deregulierung blockieren.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Das hei\u00dft, wir k\u00f6nnen hoffen, dass diese bald umgesetzt werden kann?<\/em>\r\n\r\n- Die Hoffnung ist da. Nicht, weil wir nur das Leben genie\u00dfen wollen, sondern auch, weil wir dieser Regierung helfen k\u00f6nnen. Es gibt eine Menge von intelligenten Menschen, die das tun w\u00fcrden, wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, in irgendeiner Weise\u00a0der Regierung\u00a0freiwillig zu helfen.\r\n\r\n<em>- Wie kann man diese M\u00f6glichkeit schaffen?<\/em>\r\n\r\n- Bald wird die Versammlung der Initiativgruppe des \u201e1. Dezember\u201c stattfinden. Sie werden \u00fcber einen Appell an den Pr\u00e4sidenten und die Regierung diskutieren, mehr mit B\u00fcrgern, mit der \u00d6ffentlichkeit zu kommunizieren. Damit die B\u00fcrger der Regierung und dem Pr\u00e4sidenten vertrauen- und das ist sehr wichtig- ist es notwendig, sie gut zu informieren, auch \u00fcber die Wahrheit. Wenn es mehr Vertrauen gibt, dann werden wir helfen, wie wir nur k\u00f6nnen.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2.jpg\"><img class=\" size-full wp-image-3905 aligncenter\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl2.jpg\" alt=\"havryl2\" width=\"620\" height=\"413\" \/><\/a>\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Sie haben die M\u00f6glichkeit, die Transparenz vom jetzigen ukrainischem Pr\u00e4sidenten und den anderen ukrainischen Regierungen zu vergleichen. Ist die derzeitige Regierung Ihrer Meinung nach offen?<\/em>\r\n\r\n- Nun, sie ist auf jeden Fall transparenter, als die, die unter Janukowitsch war. Aber in dieser Sache gab es bestimmte verschiedene Phasen, so wie ich es aus meiner Erfahrung als Berater der Spitzenpolitiker beurteilen kann. Krawtschuk war offen, aber mit ihm war es sehr schwer zu arbeiten, denn er verstand nichts von der Wirtschaft. Zum Beispiel: drei Leute aus seiner Umgebung haben beschlossen, die Staatsanleihen der Ukraine f\u00fcr 10 Milliarden Dollar herauszugeben. Diese Jungs machten das, was f\u00fcr die Ukraine in einem Alptraum enden k\u00f6nnte. Als ich sie fragte, was die Garantie f\u00fcr diese Anleihen sei, sagten sie: \"Die Ukraine\". Das hei\u00dft, dass zum Beispiel die italienische Mafia, oder reiche Leute aus Russland diese Anleihen f\u00fcr 10 Milliarden aufgekauft haben\u00a0k\u00f6nnten, das ist doch nicht so eine riesige Summe, und dann h\u00e4tten sie der Ukraine sagen k\u00f6nnen: Wenn ihr nicht in der Lage seid, uns dieses Geld zur\u00fcckzuzahlen, dann geh\u00f6rt ihr uns. Es ist mir nicht gelungen,\u00a0Krawtschuk zu \u00fcberzeugen, diese Idee im Parlament nicht vorzuschlagen. Zum Gl\u00fcck gab es im Parlament Leute, die davon eine Ahnung hatten und dagegen gestimmt haben. Dann hatten diese Jungs die Anleihen in London zum Verkauf angeboten und es geschafft, einige zu verkaufen. Unser Botschafter konnte sie abfangen und die Sache wurde beendet. Das ist ein Beispiel: ja, er war offen, aber es mangelte ihm an Wissen und Kompetenz.\r\n\r\nJuschtschenko war sehr offen und zeigte sehr gute Leistungen, als er Premierminister war. Alles \u00e4nderte sich, als er Pr\u00e4sident wurde. Aber als er Premierminister und Julia Timoschenko seine Stellvertreterin war, das war ein fantastisches Team. Sie haben tolle Arbeit geleistet. Unternehmen, die im Energiesektor arbeiteten, betrieben untereinander Tauschhandel.\r\n\r\nDeshalb erwirtschafteten sie keine Gewinne und zahlten keine Steuern. Timoschenko kannte sich in der Branche gut aus und schlug vor, sie zum Geldverkehr zu bewegen. Juschtschenko stimmte zu. Die Entscheidung wurde getroffen. Pl\u00f6tzlich gab es einen gro\u00dfen Zustrom von Einnahmen f\u00fcr den Staatshaushalt. Man zahlte gro\u00dfe R\u00fcckst\u00e4nde von Renten und Geh\u00e4ltern aus. Der Wirtschaftswachstum lag bei 9%, sogar ohne Inflation. Das war sehr stark.\r\n\r\nW\u00e4hrend der ersten Amtszeit und zu Beginn der zweiten war Kutschma v\u00f6llig offen. Als Medwedtschuk kam, wurde er ein ganz anderer Mensch.\r\n\r\nEs schwang also alles hin und her. Wir haben also keine klaren Beispiele, mit denen die derzeitige Regierung verglichen werden kann.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Wie effektiv wird Ihrer Meinung nach die aktuelle B\u00fcndnis \"Premier - Pr\u00e4sident\" sein?<\/em>\r\n\r\n- Ich kenne die beiden sehr gut. Ich will weder den einen, noch den anderen kritisieren. Es w\u00e4re unanst\u00e4ndig. Aber wenn man sieht, wie lange die Koalitionsbildung dauerte, wenn man es extrapoliert, dann ist es unwahrscheinlich, dass sie wie ein Team zusammenarbeiten werden.\r\n\r\n<em>- Was ist dann die L\u00f6sung f\u00fcr die Situation?<\/em>\r\n\r\n- Ich hoffe, sie werden sich wenigstens \u00fcber die wichtigsten Dinge einigen.\r\n\r\nIn der Regierung gibt es jedoch eine Menge kompetente Leute. Es w\u00e4re gut zum Beispiel, wenn wir einen Ministerrat h\u00e4tten, und es dort einen Vorsitzenden des Ministerrates g\u00e4be. Es klingt seltsam, denn so war es in der Sowjetunion. Aber so ist es zum Beispiel, heute in Italien. Im Ministerrat gibt es eine Diskussion, die sein Handeln harmonisieren k\u00f6nnte. Die Minister kommen mit ihren Vorschl\u00e4gen, diskutieren im Kabinett, stimmen sich ab, ob die Entscheidung gut war, ob weiter dies oder jenes getan wird.\r\n\r\n<em>- Was w\u00fcrde uns so ein Arbeitsformat bringen?<\/em>\r\n\r\n- Wenn das Kabinett auf diese Weise arbeiten w\u00fcrde, dann w\u00fcrde die Kommunikation mit dem Pr\u00e4sidenten besser funktionieren. Der Pr\u00e4sident h\u00e4tte es nicht n\u00f6tig, mit den Initiativen herumzulaufen, er w\u00fcrde \u00fcber sie entscheiden, wenn er w\u00fcsste, dass das Kabinett \u00fcber diese diskutiert, das hei\u00dft: die Regierung st\u00fcnde dahinter.\r\n\r\nIch versuche, statt zu kritisieren oder schlechte Prognosen zu machen, einen Ausweg zu zeigen. Aber ein guter Wille muss da sein und man sollte sich dem Ziel unterordnen. Mehr \u00fcber die Ukraine zu denken und nicht dar\u00fcber, wer wie viel Macht oder Befugnisse hat.\r\n<blockquote><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-size: medium\"><i><b>\"<\/b><\/i><\/span><i><b>Es bedarf sehr wenig, damit das ukrainische Wirtschaftswunder entsteht\"<\/b><\/i><\/span><\/blockquote>\r\n-\u00a0<em>Sie schreiben, die Ukrainer seien in der Lage, ein Wirtschaftswunder zu vollbringen. Viele Experten sagen jedoch, die Wirtschaft der Ukraine sei in einem schlechten Zustand und n\u00e4here sich einem Zusammenbruch. Woher sch\u00f6pfen Sie Ihren Optimismus?<\/em>\r\n\r\n- Es sieht ein bisschen so aus, als w\u00fcrden wir uns einer Zahlungsunf\u00e4higkeit n\u00e4hern. Aber wir wissen, dass es eine Vereinbarung zwischen den Finanzministerien der Ukraine und den Vereinigten Staaten gibt, die uns garantiert, dass die USA f\u00fcr Kredite der\u00a0Ukraine bis zu einer Gr\u00f6\u00dfe von 2 Milliarden Dollar b\u00fcrgen. Es ist eine sehr starke Garantie. Das\u00a0macht es f\u00fcr die Ukraine automatisch leichter, die 2 Milliarden mit einer etwas l\u00e4ngeren Amortisationszeit und mit einem niedrigeren Prozentsatz zu erhalten, als wenn es diese Vereinbarung nicht gegeben h\u00e4tte. Die EU beschloss auch, der Ukraine 15 Milliarden-Hilfe zu gew\u00e4hren.\r\n\r\nDeshalb glaube ich nicht, dass die Ukraine zahlungsunf\u00e4hig wird. Aber bis die Wirtschaft sich wieder erholt, wird es einige Zeit dauern.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Was ist mit dem Wirtschaftswunder, kann es wirklich dazu kommen?<\/em>\r\n\r\n- Ja, dazu haben wir alle Voraussetzungen.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Welche genau?<\/em>\r\n\r\n- Wir verf\u00fcgen \u00fcber alle notwendigen Naturressourcen. Wir haben qualifizierte Mitarbeiter. Wir sind von Natur aus ein hart arbeitendes Volk.\r\n\r\nAber wir brauchen weitere Voraussetzungen. Das Erste: wir wollen uns mit unserer Arbeit ein normales Leben leisten k\u00f6nnen. Zweitens, eine interne Motivation. Die Menschen sollten eine gewisse Freiheit auf allen Ebenen bekommen, um entscheiden zu k\u00f6nnen, nicht <strong>was<\/strong> sie tun, sondern, <strong>wie<\/strong> sie es tun, das hei\u00dft: auf ihre eigene Art und Weise. Dadurch werden sie Entscheidungsfreiheit \u00fcber ihre Arbeit bekommen. So eine Arbeitsmotivation w\u00e4re wunderbar.\r\n\r\nWir m\u00fcssen also ein klares Gesetz \u00fcber das Eigentumsrecht verabschieden, ein klares Rechtssystem und klare Regeln einf\u00fchren. Dann m\u00fcssen wir eine Menge staatlicher Unternehmen in private H\u00e4nde \u00fcbergeben. Die sogenannten nat\u00fcrlichen Monopole sollte man in Staatshand behalten. Es bedarf sehr wenig, damit das ukrainische Wirtschaftswunder beginnt.\r\n\r\n<b>- <\/b><em>K\u00f6nnen Sie sagen, wann das passieren wird?<\/em>\r\n\r\n- Ich denke, in zwei Jahren werden wir den Anfang erleben. Aber wir m\u00fcssen diese Voraussetzungen schaffen. Die Ukraine braucht totale Transformationen. Wir m\u00fcssen den Status des Landes \u00e4ndern. Die Ukraine sollte wirklich ein Einheitsstaat bleiben, aber sie braucht eine starke Dezentralisierung. Wir m\u00fcssen das Justizsystem, die Volkswirtschaft sowie die Sozialpolitik \u00e4ndern.\r\n\r\nIch hoffe, dass diese Regierung, dieses Parlament, dieser Pr\u00e4sident einige Reformen durchf\u00fchren und die Transformation ein wenig einfacher ablaufen wird, als es unter Janukowitsch war.\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3.jpg\"><img class=\" size-full wp-image-3906 aligncenter\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/02\/havryl3.jpg\" alt=\"havryl3\" width=\"620\" height=\"413\" \/><\/a>\r\n\r\n<b>- <\/b><em>Wie wird sich die Ukraine \u00e4ndern, wenn der Krieg mit Russland vorbei ist?<\/em>\r\n\r\n- Wir sind von einem polyethnischen Volk zu einer polyethnischen Nation, zu einer ukrainischen Nation geworden. Dies ist ein sehr gutes Ergebnis. Ich denke, wir werden niemals wieder zu sowjetischen Menschen. Dazu w\u00fcrde ich noch sagen, dass wir (aus diesem Krieg) gereinigt, aber nat\u00fcrlich auch sehr geschw\u00e4cht herauskommen werden.\r\n\r\nIch denke auch, dass wir nie wieder Illusionen dar\u00fcber haben werden, dass wir ein Brudervolk werden k\u00f6nnten.\r\n\r\n<em>- Wird die territoriale Integrit\u00e4t erhalten bleiben?<\/em>\r\n\r\n- Ich glaube schon. Ich denke sogar, dass die Krim irgendwann zur\u00fcckkommen wird. Nicht nur, weil es dort Krimtataren gibt, obwohl es auch ein sehr wichtiger Faktor ist. Sondern weil sich alle daran erinnern werden, dass das Leben in Form\u00a0einer autonomen Republik in der Zusammensetzung der Ukraine viel besser war, als das Leben eines Subjekts der russischen F\u00f6deration ist. Es wird keine Milit\u00e4roperation sein. Es wird von innen kommen.\r\n\r\n<i>Quelle:\u00a0<strong>Bogdan Hawrylyschyn<\/strong> im Interview an\u00a0<strong>Eugenia Mazur<\/strong>,<strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/24tv.ua\">24.tv.ua<\/a><\/strong>;\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/ua\/gavrylyshyn-za-dva-roky-v-ukrayini-pochnetsya-ekonomichne-dyvo\/\">InformNapalm<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/andrij.topchan?fref=ts\">Andrij Topchan<\/a>; editiert\u00a0von <span style=\"color: #000080\"><a style=\"color: #000080\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/span><\/i>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3902"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3902\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13693,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3902\/revisions\/13693"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}