{"id":4580,"date":"2015-03-19T19:07:18","date_gmt":"2015-03-19T19:07:18","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=4580"},"modified":"2016-05-18T18:03:15","modified_gmt":"2016-05-18T18:03:15","slug":"r-tschubarow-was-auf-der-krim-heute-passiert-ist-ein-grossangelegter-gerichtlicher-rachefeldzug-gegen-die-krimtataren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/r-tschubarow-was-auf-der-krim-heute-passiert-ist-ein-grossangelegter-gerichtlicher-rachefeldzug-gegen-die-krimtataren\/","title":{"rendered":"R. Tschubarow: &#8222;Was auf der Krim heute passiert, ist ein gro\u00dfangelegter gerichtlicher Rachefeldzug gegen die Krimtataren.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><strong>&#8222;Sie k\u00f6nnen den Leuten nicht Gutes damit tun, dass sie in ihr Haus gewaltsam einbrechen.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><em>von <a href=\"http:\/\/www.radiosvoboda.org\/author\/19138.html\">Dmitro Schurchalo<\/a><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #333300\">Gast der Sendung &#8222;Wascha Swoboda&#8220; <em>(&#8222;Eure Freiheit&#8220;)<\/em>: <strong>Refat Tschubarow<\/strong>, der Vorsitzende des Madschlis des Krimtatarischen Volkes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333300\">Vor genau einem Jahr, am 16. M\u00e4rz 2014, fand auf der Krim das sogenannte &#8222;Referendum&#8220; statt, das zum &#8222;Grund&#8220; f\u00fcr den Anschluss der Halbinsel an die Russische F\u00f6deration wurde. Weder von der Ukraine noch von der restlichen Welt wurde dieses &#8222;Referendum&#8220; als legitim anerkannt. F\u00fcr Moskau wurde es aber zum Vorwand zur Annexion der Halbinsel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #333300\">Ebenfalls im letzten Jahr wurde Refat Tschubarow, dem Vorsitzenden des <a style=\"color: #333300\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madschlis\">Madschlis<\/a> des Krimtatarischen Volkes, durch einen Beschluss der &#8222;Staatsanwaltschaft&#8220; der Krim die Einreise auf die Halbinsel verboten. Jedenfalls hat die &#8222;Staatsanwaltschaft&#8220; diesen Beschluss ver\u00f6ffentlicht.<\/span><\/p>\n<p><strong><em>Anmerkung der InformNapalm-Redaktion: Bitte darauf achten, dass dies eine Abschrift des Interviews ist, kein redaktionell verfertigter Artikel.\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4584 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2.jpg\" alt=\"\u0447\u0443\u044c2\" width=\"620\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2.jpg 620w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2-300x190.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Dmitry Schurchalo: &#8211; Herr Tschubarow, was hat sich auf der Krim seit dem letzten Jahr ver\u00e4ndert? Ich verstehe, dass Ihnen die Einreise verwehrt wird, aber vermute, dass Sie trotzdem dar\u00fcber auf dem Laufenden sind, was in Ihrer Heimat passiert?<\/em><\/p>\n<p>Refat Tschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Das m\u00f6chte ich ein wenig pr\u00e4zisieren. Im Grunde ist es mir verboten worden, auf der Krim zu leben. Ich lebte dort, und dort leben alle meine Verwandten, meine Eltern. Einmal, als ich vom Festland zur\u00fcck nach Hause fuhr, hat man mich nicht reingelassen. Das ist eine Entscheidung der F\u00f6deralen Migrationsbeh\u00f6rde der Russischen F\u00f6deration gewesen. Und ich habe das vom FSB erfahren.<\/span><\/p>\n<p>Also sind es die Besatzer, die vor einem Jahr in unser Land kamen, die heute dar\u00fcber entscheiden, wer auf der Krim leben darf und wer nicht.<\/p>\n<p>Nach 70 Jahren ist das zur\u00fcckgekehrt, was schon einmal auf der Krim passiert ist. Am 18. Mai 1944 wurde meine Mutter, damals 11 Jahre alt, zusammen mit allen Krimtataren- mit dem ganzen Volk- deportiert; 70 Jahre sp\u00e4ter kommt Putin statt Stalin und entscheidet, wer auf der Krim leben darf und wer nicht.<\/p>\n<p>Das ist eine sehr kurze Zusammenfassung dessen, was auf der Krim passiert. Es ist so, dass heute alles, was dort geschieht\u00a0&#8211; das Leben, der Alltag, nur auf die Art und Weise stattfinden kann, wie die Besatzer es bestimmen. Und die Leute, die nach allen Kr\u00e4ften versuchen, sich jeder Aussage zu entziehen, ob sie f\u00fcr oder gegen die jetzige Regierung sind, also die Leute, die mit ihren Familien den ganzen Auseinandersetzungen oder der Notwendigkeit, eine Position gegen\u00fcber bestimmten Ereignissen zu beziehen, einfach entkommen wollen, diese Leute bekommen auch fr\u00fcher oder sp\u00e4ter den Besuch vom FSB.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Aus welchem Grund?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Zum Beispiel, wie es am Freitag Morgen passiert ist. Es war so, dass die Familien zweier Krimer Journalisten &#8222;Besuch&#8220; bekommen haben. Frau Andrijewska ist z. Zt. nicht auf der Krim. Also hat man ihre Eltern &#8222;besucht&#8220;. Denn sie sind die Eltern einer unabh\u00e4ngigen Journalistin, die \u00fcber die Ereignisse auf der Krim schreibt. Man kam auch zu der Familie der Frau Kokorina und hat die Journalistin mitgenommen. Ihre Eltern wissen nicht, wo sie sich jetzt befindet. Mehr noch, soweit ich wei\u00df, hat man die Eltern so eingesch\u00fcchtert, dass sie die Journalisten und die Anw\u00e4lte darum bitten, sich mit diesem Fall nicht zu befassen &#8211; damit, dass man ihre Tochter verschleppt hat.<\/span><\/p>\n<p>Oder man kommt zu den Krimtataren (das war jetzt vor einer Woche)- da kommen maskierte Leute und brechen einfach ein, nehmen die Tataren fest, und sp\u00e4ter auf dem Polizeirevier erkl\u00e4ren sie, man h\u00e4tte sie f\u00fcr die Teilnahme an der Demo am 26. Februar 2014 festgenommen, f\u00fcr das, was damals nach ihrer Meinung war&#8230;<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Also vor \u00fcber einem Jahr?<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow: &#8211; Nicht nur. Also f\u00fcr die Demo vor dem Krimer Parlament am 26. Februar, als die Krimtataren auf die Einladung von Madschlis sich f\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine versammelt haben. Auf der anderen Seite standen die Anh\u00e4nger der russischen &#8222;Einigkeit&#8220;.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Warum hat man sich pl\u00f6tzlich daran &#8222;erinnert&#8220;?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0\u00a0&#8211; Jetzt findet ein gro\u00dfangelegter gerichtlicher Rachefeldzug gegen die Krimtataren statt. Mein Stellvertreter, Achtem Tschijgos, wurde inhaftiert. Ihm wird, wie auch mir, die Organisation und Vorbereitung der Massenunruhen vorgeworfen.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Aber entschuldigen Sie, damals geh\u00f6rte die Krim doch noch gar nicht zu Russland. Im Februar 2014! Russland hat sp\u00e4ter alleine in Kreml alles entschieden. Aber damals war das auch formell ein ukrainisches Gebiet.<\/span><\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0&#8211; Wenn wir f\u00fcr eine Minute deren krankhafte Meinung teilen w\u00fcrden, die sie offiziell verbreiten, dass es heute Souver\u00e4nit\u00e4t auf der Krim g\u00e4be, so haben sie das in Wirklichkeit selber vor dem 26. Februar nicht gedacht und heute denken sie es auch nicht.<\/p>\n<p>Die heutige Besatzungsregierung wird von Moskau gesteuert. Sie sind bereit, um auf der Krim Angst und Verzweiflung zu s\u00e4en, um die Leute komplett zu unterwerfen- daf\u00fcr sind sie bereit, Strafverfahren aus jedem beliebigen Grund und f\u00fcr jede beliebigen Ereignisse einzuleiten. Ich schlie\u00dfe nicht aus, dass sie so weit wie bis zu den Ereignissen der Sowjet-\u00c4ra gehen k\u00f6nnen, zu der Beteiligung der Leute an der Dissidentenbewegung. Und unter uns gibt es viele davon. Bei uns gibt es Tausende Krimtataren, die an der Nationalbewegung beteiligt waren.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Ich erinnere mich, dass gleich nach der Annexion der Krim einer der ersten Erlasse von Putin der \u00fcber die Rehabilitation des Krimtatarischen Volkes und anderer indigenen V\u00f6lker der Krim war, die unter den Repressionen gelitten haben. Welche Folgen brachte dieser Beschluss? Also, haben die Krimtataren irgendwelche Auswirkungen dieser Politik gesp\u00fcrt? Die Absicht gegen\u00fcber den Krimtataren war jedenfalls sehr wohlgesinnt formuliert.<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow: <span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Wissen Sie, es gibt Dinge, \u00fcber die man sehr lange reden kann, oder man kann es einfach auf den Punkt bringen.<\/span><\/p>\n<p>Der Erlass ist nutzlos. Das Problem ist, dass Sie den Leuten nichts Gutes tun k\u00f6nnen, wenn Sie gewaltsam, wie Verbrecher, in ihr Haus eingebrochen sind. Wenn Sie alle denkbare und undenkbare Gesetze, Standards, internationale Normen gebrochen haben, und dann sagen: ich habe das gemacht, um euch Gutes zu tun &#8211; das geht nicht. Der Erlass war ein Versuch, die Krimtataren zu manipulieren.<\/p>\n<p>Aber auch das Versprechen haben sie nicht umgesetzt, denn es war nicht ihr Ziel. Diese Behauptungen in\u00a0diesem Erlass vom April 2014 &#8211; auch wenn die Absichten erkl\u00e4rt wurden, so wurde nicht eine davon umgesetzt. Sagen wir, was die Krimtatarische Sprache angeht, als Amtssprache, zusammen mit der ukrainischen und russischen Sprache auf der Krim. Beide Sprachen, die dort genannt wurden, also Krimtatarisch und Ukrainisch, stehen dort heute vor dem Untergang, die Schulen werden geschlossen. Russische Sprache dominiert dort.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Wie hat sich seit dem letzten Jahr die Beteiligung der Krimtataren an der lokalen Selbstverwaltung, im Parlament der Krim, in der Exekutive ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0&#8211; Sie ist radikal zur\u00fcckgegangen. Und das hat mit folgenden Faktoren zu tun. Erstens haben wir die Wahlen f\u00fcr den sogenannten &#8222;Nationalen Rat&#8220; der Republik Krim und f\u00fcr die Kommunalverwaltungen boykottiert. Wir haben zum Boykott aufgerufen, weil es uns klar war, dass die Einbeziehung von uns in diese Wahlen wieder ein Versuch war, sagen wir, einige Freiheiten auf der Krim vorzut\u00e4uschen und die Krimtataren angeblich in die L\u00f6sungen der Probleme einzubeziehen, mit denen sie im Leben in ihrem Land konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Schon damals haben wir gesehen, dass es in Russland, in der russischen Wirklichkeit, keine freien Wahlen gibt, dort werden die Leute gew\u00e4hlt, auf die die regierenden Parteien oder herrschende Clans zeigen. Und das Leben hat gezeigt, dass unsere Entscheidung vern\u00fcnftig war. Sie akzeptierten auch keine russischen Kandidaten, die zu einem gewissen Grad in den kleinsten Details den Vorstellungen der regierenden Partei dar\u00fcber, wie ein Abgeordneter zu sein hat, nicht entsprachen.<\/p>\n<p>Wir haben die Wahlen boykottiert, wir haben fast keine Vertreter mehr. Obwohl ein Teil der Krimtataren, nicht so viele, vielleicht 80-90 Personen in ganz Krim, Abgeordnete der verschiedenen Ebenen sind. Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir zu den ukrainischen Zeiten 1000 bis 1200 Abgeordnete auf allen Ebenen hatten.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Menschen, die die Krim besuchen, sagen, dass die Staatsbeamten\u00a0im Prinzip zufrieden sind. Also die, die das Geld aus dem Staatshaushalt bekommen. Und auch die Rentner. Das sind die Menschen, die damit zufrieden sind, was auf der Krim passiert ist. Aber was ist mit anderen Bev\u00f6lkerungsschichten? Wie reagieren die Leute?<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0&#8211; Die Behauptung, dass die Staatsangestellten\u00a0zufrieden sind, ist veraltet. Sie stimmte zwar, aber das ist im letzten Jahr gewesen. Seit dem 1. Januar sind alle Zahlungen, unter anderem Zahlungen an die Beamten, an den \u00f6ffentlichen Sektor wie Bildung, Gesundheitssystem an die Normen angeglichen worden, die es in Russland gab und jetzt gibt. Au\u00dferdem kamen weitere Probleme hinzu. Sagen wir, ein starker Anstieg der Preise, der mit anderen Faktoren verbunden ist.<\/p>\n<p>Deshalb sehe ich heute auf der Krim keine gro\u00dfe Anzahl der zufriedenen Menschen, ausgenommen hohe Regierungsbeamten, die immer einen Ausgleichsfaktor f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten im Leben bekommen, f\u00fcr Preisschwankungen und \u00c4hnliches. Ich habe gestern mit den Leuten gesprochen. Und einer hat mir ein Beispiel genannt, dass seine Frau letztes Jahr 20.000 Rubel nach dem damaligen Kurs bekam. Er sagt: das konnte man in unserer Familie merken, das war genug. Heute reichen die gleichen 20.000 Rubel, nach dem heutigen Kurs, bei den heutigen Preisen kaum f\u00fcr Lebensmittel aus.<\/p>\n<p>Die Menschen haben es endlich eingesehen, dass alles vor dem Niedergang steht: die Unternehmen, der Tourismus, die Landwirtschaft. Also der gr\u00f6\u00dfte Teil der Krimer Gesellschaft, der selbst\u00e4ndig war, der genug f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr seine\u00a0Angeh\u00f6rigen, f\u00fcr den Unterhalt seiner\u00a0Familien verdiente, der dabei durch die gezahlten Steuern einen Beitrag an die Gesellschaft leistete &#8211; diese Schichten stehen vor dem Niedergang.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Im Sommer und Herbst letzten Jahres haben die Leute, die Krim besucht haben, erz\u00e4hlt, dass eine These der russischen Propaganda sehr erfolgreich war: wenn nicht Russland gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten wir hier das Gleiche, wie in Donbass. Wie stark werden die Gedanken der Krim-Bewohner von dieser These beeinflusst, die ihnen nahegelegt wird?<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Je weiter die Lage sich verschlechtern wird- und das tut sie schon, die Lage verschlechtert sich, vor allem die soziale, wirtschaftliche Lage, ich rede gar nicht \u00fcber die Abwesenheit jeglicher Freiheit- das haben die Krim-Bewohner gleich nach der Besatzung gesp\u00fcrt, umso mehr wird die &#8222;offizielle&#8220; Besatzungsregierung Argumente suchen und finden, damit die Leute nicht auf die Stra\u00dfe gehen. Obwohl ich es mir nicht vorstellen kann, wie es unter den russischen Bedingungen m\u00f6glich w\u00e4re. Damit die Leute ihre kritische Lage nicht mit der Regierung in Verbindung bringen. Und eins von diesen Argumenten ist &#8211; Hauptsache kein Krieg. Oder: Hauptsache nicht so, wie es in Donezk und Luhansk ist.<\/span><\/p>\n<p>Aber wissen Sie, die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung versteht immer mehr, dass die Ereignisse in Donezk und Luhansk die Folgen der Ereignisse auf der\u00a0Krim sind, dass das ein Krieg Russlands gegen die Ukraine in verschiedenen Formen ist, der auf der Krim angefangen hat. Donezk und Luhansk kamen erst sp\u00e4ter. Denn Putin war sich sicher, dass wenn er in die Donezker und Luhansker Gebiete eindringt, wie er es auf der Krim gemacht hat, vielleicht auf eine andere Art, es ihm gelingen w\u00fcrde, das Territorium von Charkiw bis Transnistrien von der Ukraine abzuspalten und dadurch einen Landweg nach Krim zu schaffen. Das war Putins Plan. Und das bestreitet fast keiner mehr von den russischen Politikern.<\/p>\n<p>Also haben wir den Krieg im Donbass, wo\u00a0die Menschen aus einem einzigen Grund get\u00f6tet werden: weil Putin dorthin t\u00e4glich Milit\u00e4rtechnik und seine Berufssoldaten schickt.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0&#8211; Als die Annexion der Krim stattfand, das las ich in einem Ihrer Interviews, sagten Sie, dass es da Initiative vonseiten der Kasan-Tataren gab. Sie f\u00fchrten mit Ihnen Verhandlungen, waren eine Art Vermittler zwischen den Krimtataren und dem Kreml, der russischen Regierung. Und dann irgendwie, im Laufe des Jahres, haben die Leute, die Krim besucht haben, erz\u00e4hlt, dass auf der Halbinsel viele Tschetschenen aufgetaucht sind.\u00a0Wie beeinflussen jetzt diese Faktoren der V\u00f6lker der Russischen F\u00f6deration und die Situation auf der Krim?<\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0&#8211; F\u00fcr Putin und sein Kreml-Team ist es sehr wichtig, den krimtatarischen Faktor in alle Prozesse voll einzubeziehen, die die Position Russlands auf der Krim festigen k\u00f6nnten, die ihre Argumente nach au\u00dfen bekr\u00e4ftigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Deshalb war es tats\u00e4chlich so, dass sie, vor allem in den ersten Wochen der Besatzung, versuchten, durch verschiedene Leute, verschiedene Delegationen uns eine Demonstration der Loyalit\u00e4t zu entlocken, uns eine Begr\u00fc\u00dfung ihres Einmarsches auf die Krim zu entlocken. Und die ersten, die sie daf\u00fcr als ihre Abgesandten\u00a0aktiv eingesetzt haben, waren Politiker aus Kasan. Das war tats\u00e4chlich so. Einschlie\u00dflich des Pr\u00e4sidenten von Tatarstan, Rustam Minnichanow.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte sagen, dass alle, die zu uns kamen, unabh\u00e4ngig davon, welchen Auftrag oder welche Bitte von Kreml sie erf\u00fcllten, aber sie sind auch Menschen, die dar\u00fcber nachdenken, sie haben ihr eigenes Verst\u00e4ndnis von diesen Prozessen. Ich will nicht behaupten, dass wir sie alle umgestimmt haben. Keineswegs! Aber ich m\u00f6chte sagen, dass wir mit ihnen sehr offen und ehrlich gesprochen haben. Und nach einiger Zeit haben wir gesehen, dass Moskau die einen abzieht und die anderen hinschickt. Dies deutet darauf hin, dass Moskau den ethnischen Eliten in den bestimmten Gebieten, die es f\u00fcr absolut handzahm hielt,\u00a0nie vertraut hat und jetzt nicht vertraut.<\/p>\n<p>Moskau traut keinen nationalen Eliten. Und deshalb, wenn es um ihre Beteiligung an der Krim-Situation geht, mischt es sie wie die Karten. Denn im Kreml sitzen Gauner.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Die Geschichte kennt nat\u00fcrlich keinen Konjunktiv. Aber wenn Sie vom heutigen Standpunkt ausgehen w\u00fcrden, glauben Sie, dass es richtig war, dass die Ukraine die Krim ohne Kampf aufgegeben hat, dass die Regierung in Kiew beschlossen hat, nicht f\u00fcr die Krim zu k\u00e4mpfen? Hat es sich gelohnt?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Tschubarow: <span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Ich glaube, es ist noch nicht so weit, dass man mit 100%er Sicherheit sagen k\u00f6nnte, dass dieser Weg der einzig richtige war, und wir ihn gegangen oder nicht gegangen sind. Eins wei\u00df ich: dass es niemals in unserem Land sein darf, dass zehntausende Soldaten, die daf\u00fcr ausgebildet wurden, die vom Staat bezahlt wurden, die den Eid abgelegt haben, das Land, den Staat zu verteidigen &#8211; es darf nicht wieder die Situation geben, dass sie ihre berufliche Pflichten sowie die B\u00fcrgerpflicht nicht erf\u00fcllen!<\/span><\/p>\n<p>Jeder Mensch muss in seinem Leben unbedingt das tun, wozu er berufen oder verpflichtet ist. Am 26. Februar 2014 haben die Krimtataren, der Madschlis und die von uns eingeladenen Ukrainer und Russen, alle, die f\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t waren &#8211; wir alle haben unsere B\u00fcrgerpflicht erf\u00fcllt. Wir haben es ihnen nicht erlaubt, offene, direkte Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, damit sie sofort den, sagen wir, rechtlichen Weg zur Abspaltung der Krim einschlagen konnten. In dem Fall w\u00e4re es n\u00e4mlich f\u00fcr die Ukraine als Staat sehr schwierig gewesen, das zu zeigen, was auf der Krim passierte.<\/p>\n<p>Aber mit uns h\u00e4tten die Milit\u00e4r- und Polizeikr\u00e4fte kommen und diese ukrainischen Geb\u00e4ude sichern sollen! Aber es kam ganz anders. Um vier Uhr morgens kamen die russischen Spezialeinheiten.<\/p>\n<p><em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Also glauben Sie, dass es mehr ein Problem der lokalen Sicherheitskr\u00e4fte als der Regierung in Kiew war?<\/span><\/em><\/p>\n<p>Tschubarow:\u00a0&#8211; Ich glaube, dass es sowohl ein Problem der Kiewer wie auch der lokalen Regierung war.<\/p>\n<p><em>Quelle:<a href=\"http:\/\/www.radiosvoboda.org\/content\/article\/26903786.html\"> radiosvoboda.org<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/olena.kopnick?fref=ts\"> Olena K\u00f6pnick<\/a>; editiert\u00a0von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Lesen Sie zum Thema auch:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/krimunser-oder-noch-einmal-ueber-die-historische-gerechtigkeit\/\">&#8222;KrimUnser!, oder noch einmal \u00fcber die historische Gerechtigkeit&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/krimer-kantstein-ein-jahr-spaeter-einzelheiten-der-russischen-sonderoperation-zur-krim-annexion\/\">&#8222;Krimer Kantstein ein Jahr sp\u00e4ter: Einzelheiten der russischen Sonderoperation zur Krim-Annexion&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/die-krim-wird-man-zurueckgeben-muessen-wozu-verdammte-sich-das-regime-von-putin\/\">&#8222;Die Krim wird man zur\u00fcckgeben m\u00fcssen. Wozu verdammte sich das Regime von Putin&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/russische-militaergruppe-auf-der-okkupierten-krim\/\">&#8222;Russische Milit\u00e4rgruppe auf der okkupierten Krim&#8220;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/andrej-subow-die-krim-ist-unser\/\">&#8222;Andrej Subow: Die Krim ist unser?&#8220;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sie k\u00f6nnen den Leuten nicht Gutes damit tun, dass sie in ihr Haus gewaltsam einbrechen.&#8220; von Dmitro&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4583,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[98,3],"tags":[121,59,81,284,172,12,285,13],"class_list":["post-4580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-interviews","tag-annexion","tag-krieg","tag-krim","tag-krimtataren","tag-repressionen","tag-russland","tag-tschubarow","tag-ukraine"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>R. 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M\u00e4rz 2014, fand auf der Krim das sogenannte \"Referendum\" statt, das zum \"Grund\" f\u00fcr den Anschluss der Halbinsel an die Russische F\u00f6deration wurde. Weder von der Ukraine noch von der restlichen Welt wurde dieses \"Referendum\" als legitim anerkannt. F\u00fcr Moskau wurde es aber zum Vorwand zur Annexion der Halbinsel.<\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #333300\">Ebenfalls im letzten Jahr wurde Refat Tschubarow, dem Vorsitzenden des <a style=\"color: #333300\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Madschlis\">Madschlis<\/a> des Krimtatarischen Volkes, durch einen Beschluss der \"Staatsanwaltschaft\" der Krim die Einreise auf die Halbinsel verboten. Jedenfalls hat die \"Staatsanwaltschaft\" diesen Beschluss ver\u00f6ffentlicht.<\/span>\r\n\r\n<strong><em>Anmerkung der InformNapalm-Redaktion: Bitte darauf achten, dass dies eine Abschrift des Interviews ist, kein redaktionell verfertigter Artikel.\u00a0<\/em><\/strong>\r\n\r\n<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2.jpg\"><img class=\"aligncenter wp-image-4584 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/03\/chu2.jpg\" alt=\"\u0447\u0443\u044c2\" width=\"620\" height=\"392\" \/><\/a>\r\n\r\n<em>Dmitry Schurchalo: - Herr Tschubarow, was hat sich auf der Krim seit dem letzten Jahr ver\u00e4ndert? Ich verstehe, dass Ihnen die Einreise verwehrt wird, aber vermute, dass Sie trotzdem dar\u00fcber auf dem Laufenden sind, was in Ihrer Heimat passiert?<\/em>\r\n\r\nRefat Tschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Das m\u00f6chte ich ein wenig pr\u00e4zisieren. Im Grunde ist es mir verboten worden, auf der Krim zu leben. Ich lebte dort, und dort leben alle meine Verwandten, meine Eltern. Einmal, als ich vom Festland zur\u00fcck nach Hause fuhr, hat man mich nicht reingelassen. Das ist eine Entscheidung der F\u00f6deralen Migrationsbeh\u00f6rde der Russischen F\u00f6deration gewesen. Und ich habe das vom FSB erfahren.<\/span>\r\n\r\nAlso sind es die Besatzer, die vor einem Jahr in unser Land kamen, die heute dar\u00fcber entscheiden, wer auf der Krim leben darf und wer nicht.\r\n\r\nNach 70 Jahren ist das zur\u00fcckgekehrt, was schon einmal auf der Krim passiert ist. Am 18. Mai 1944 wurde meine Mutter, damals 11 Jahre alt, zusammen mit allen Krimtataren- mit dem ganzen Volk- deportiert; 70 Jahre sp\u00e4ter kommt Putin statt Stalin und entscheidet, wer auf der Krim leben darf und wer nicht.\r\n\r\nDas ist eine sehr kurze Zusammenfassung dessen, was auf der Krim passiert. Es ist so, dass heute alles, was dort geschieht\u00a0- das Leben, der Alltag, nur auf die Art und Weise stattfinden kann, wie die Besatzer es bestimmen. Und die Leute, die nach allen Kr\u00e4ften versuchen, sich jeder Aussage zu entziehen, ob sie f\u00fcr oder gegen die jetzige Regierung sind, also die Leute, die mit ihren Familien den ganzen Auseinandersetzungen oder der Notwendigkeit, eine Position gegen\u00fcber bestimmten Ereignissen zu beziehen, einfach entkommen wollen, diese Leute bekommen auch fr\u00fcher oder sp\u00e4ter den Besuch vom FSB.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Aus welchem Grund?<\/span><\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Zum Beispiel, wie es am Freitag Morgen passiert ist. Es war so, dass die Familien zweier Krimer Journalisten \"Besuch\" bekommen haben. Frau Andrijewska ist z. Zt. nicht auf der Krim. Also hat man ihre Eltern \"besucht\". Denn sie sind die Eltern einer unabh\u00e4ngigen Journalistin, die \u00fcber die Ereignisse auf der Krim schreibt. Man kam auch zu der Familie der Frau Kokorina und hat die Journalistin mitgenommen. Ihre Eltern wissen nicht, wo sie sich jetzt befindet. Mehr noch, soweit ich wei\u00df, hat man die Eltern so eingesch\u00fcchtert, dass sie die Journalisten und die Anw\u00e4lte darum bitten, sich mit diesem Fall nicht zu befassen - damit, dass man ihre Tochter verschleppt hat.<\/span>\r\n\r\nOder man kommt zu den Krimtataren (das war jetzt vor einer Woche)- da kommen maskierte Leute und brechen einfach ein, nehmen die Tataren fest, und sp\u00e4ter auf dem Polizeirevier erkl\u00e4ren sie, man h\u00e4tte sie f\u00fcr die Teilnahme an der Demo am 26. Februar 2014 festgenommen, f\u00fcr das, was damals nach ihrer Meinung war...\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Also vor \u00fcber einem Jahr?<\/em>\r\n\r\nTschubarow: - Nicht nur. Also f\u00fcr die Demo vor dem Krimer Parlament am 26. Februar, als die Krimtataren auf die Einladung von Madschlis sich f\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine versammelt haben. Auf der anderen Seite standen die Anh\u00e4nger der russischen \"Einigkeit\".\r\n\r\n<em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Warum hat man sich pl\u00f6tzlich daran \"erinnert\"?<\/span><\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0\u00a0- Jetzt findet ein gro\u00dfangelegter gerichtlicher Rachefeldzug gegen die Krimtataren statt. Mein Stellvertreter, Achtem Tschijgos, wurde inhaftiert. Ihm wird, wie auch mir, die Organisation und Vorbereitung der Massenunruhen vorgeworfen.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Aber entschuldigen Sie, damals geh\u00f6rte die Krim doch noch gar nicht zu Russland. Im Februar 2014! Russland hat sp\u00e4ter alleine in Kreml alles entschieden. Aber damals war das auch formell ein ukrainisches Gebiet.<\/span><\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0- Wenn wir f\u00fcr eine Minute deren krankhafte Meinung teilen w\u00fcrden, die sie offiziell verbreiten, dass es heute Souver\u00e4nit\u00e4t auf der Krim g\u00e4be, so haben sie das in Wirklichkeit selber vor dem 26. Februar nicht gedacht und heute denken sie es auch nicht.\r\n\r\nDie heutige Besatzungsregierung wird von Moskau gesteuert. Sie sind bereit, um auf der Krim Angst und Verzweiflung zu s\u00e4en, um die Leute komplett zu unterwerfen- daf\u00fcr sind sie bereit, Strafverfahren aus jedem beliebigen Grund und f\u00fcr jede beliebigen Ereignisse einzuleiten. Ich schlie\u00dfe nicht aus, dass sie so weit wie bis zu den Ereignissen der Sowjet-\u00c4ra gehen k\u00f6nnen, zu der Beteiligung der Leute an der Dissidentenbewegung. Und unter uns gibt es viele davon. Bei uns gibt es Tausende Krimtataren, die an der Nationalbewegung beteiligt waren.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Ich erinnere mich, dass gleich nach der Annexion der Krim einer der ersten Erlasse von Putin der \u00fcber die Rehabilitation des Krimtatarischen Volkes und anderer indigenen V\u00f6lker der Krim war, die unter den Repressionen gelitten haben. Welche Folgen brachte dieser Beschluss? Also, haben die Krimtataren irgendwelche Auswirkungen dieser Politik gesp\u00fcrt? Die Absicht gegen\u00fcber den Krimtataren war jedenfalls sehr wohlgesinnt formuliert.<\/em>\r\n\r\nTschubarow: <span style=\"line-height: 1.5\">- Wissen Sie, es gibt Dinge, \u00fcber die man sehr lange reden kann, oder man kann es einfach auf den Punkt bringen.<\/span>\r\n\r\nDer Erlass ist nutzlos. Das Problem ist, dass Sie den Leuten nichts Gutes tun k\u00f6nnen, wenn Sie gewaltsam, wie Verbrecher, in ihr Haus eingebrochen sind. Wenn Sie alle denkbare und undenkbare Gesetze, Standards, internationale Normen gebrochen haben, und dann sagen: ich habe das gemacht, um euch Gutes zu tun - das geht nicht. Der Erlass war ein Versuch, die Krimtataren zu manipulieren.\r\n\r\nAber auch das Versprechen haben sie nicht umgesetzt, denn es war nicht ihr Ziel. Diese Behauptungen in\u00a0diesem Erlass vom April 2014 - auch wenn die Absichten erkl\u00e4rt wurden, so wurde nicht eine davon umgesetzt. Sagen wir, was die Krimtatarische Sprache angeht, als Amtssprache, zusammen mit der ukrainischen und russischen Sprache auf der Krim. Beide Sprachen, die dort genannt wurden, also Krimtatarisch und Ukrainisch, stehen dort heute vor dem Untergang, die Schulen werden geschlossen. Russische Sprache dominiert dort.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Wie hat sich seit dem letzten Jahr die Beteiligung der Krimtataren an der lokalen Selbstverwaltung, im Parlament der Krim, in der Exekutive ver\u00e4ndert?<\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0- Sie ist radikal zur\u00fcckgegangen. Und das hat mit folgenden Faktoren zu tun. Erstens haben wir die Wahlen f\u00fcr den sogenannten \"Nationalen Rat\" der Republik Krim und f\u00fcr die Kommunalverwaltungen boykottiert. Wir haben zum Boykott aufgerufen, weil es uns klar war, dass die Einbeziehung von uns in diese Wahlen wieder ein Versuch war, sagen wir, einige Freiheiten auf der Krim vorzut\u00e4uschen und die Krimtataren angeblich in die L\u00f6sungen der Probleme einzubeziehen, mit denen sie im Leben in ihrem Land konfrontiert sind.\r\n\r\nSchon damals haben wir gesehen, dass es in Russland, in der russischen Wirklichkeit, keine freien Wahlen gibt, dort werden die Leute gew\u00e4hlt, auf die die regierenden Parteien oder herrschende Clans zeigen. Und das Leben hat gezeigt, dass unsere Entscheidung vern\u00fcnftig war. Sie akzeptierten auch keine russischen Kandidaten, die zu einem gewissen Grad in den kleinsten Details den Vorstellungen der regierenden Partei dar\u00fcber, wie ein Abgeordneter zu sein hat, nicht entsprachen.\r\n\r\nWir haben die Wahlen boykottiert, wir haben fast keine Vertreter mehr. Obwohl ein Teil der Krimtataren, nicht so viele, vielleicht 80-90 Personen in ganz Krim, Abgeordnete der verschiedenen Ebenen sind. Aber ich kann Ihnen sagen, dass wir zu den ukrainischen Zeiten 1000 bis 1200 Abgeordnete auf allen Ebenen hatten.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Menschen, die die Krim besuchen, sagen, dass die Staatsbeamten\u00a0im Prinzip zufrieden sind. Also die, die das Geld aus dem Staatshaushalt bekommen. Und auch die Rentner. Das sind die Menschen, die damit zufrieden sind, was auf der Krim passiert ist. Aber was ist mit anderen Bev\u00f6lkerungsschichten? Wie reagieren die Leute?<\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0- Die Behauptung, dass die Staatsangestellten\u00a0zufrieden sind, ist veraltet. Sie stimmte zwar, aber das ist im letzten Jahr gewesen. Seit dem 1. Januar sind alle Zahlungen, unter anderem Zahlungen an die Beamten, an den \u00f6ffentlichen Sektor wie Bildung, Gesundheitssystem an die Normen angeglichen worden, die es in Russland gab und jetzt gibt. Au\u00dferdem kamen weitere Probleme hinzu. Sagen wir, ein starker Anstieg der Preise, der mit anderen Faktoren verbunden ist.\r\n\r\nDeshalb sehe ich heute auf der Krim keine gro\u00dfe Anzahl der zufriedenen Menschen, ausgenommen hohe Regierungsbeamten, die immer einen Ausgleichsfaktor f\u00fcr alle Eventualit\u00e4ten im Leben bekommen, f\u00fcr Preisschwankungen und \u00c4hnliches. Ich habe gestern mit den Leuten gesprochen. Und einer hat mir ein Beispiel genannt, dass seine Frau letztes Jahr 20.000 Rubel nach dem damaligen Kurs bekam. Er sagt: das konnte man in unserer Familie merken, das war genug. Heute reichen die gleichen 20.000 Rubel, nach dem heutigen Kurs, bei den heutigen Preisen kaum f\u00fcr Lebensmittel aus.\r\n\r\nDie Menschen haben es endlich eingesehen, dass alles vor dem Niedergang steht: die Unternehmen, der Tourismus, die Landwirtschaft. Also der gr\u00f6\u00dfte Teil der Krimer Gesellschaft, der selbst\u00e4ndig war, der genug f\u00fcr sich selbst, f\u00fcr seine\u00a0Angeh\u00f6rigen, f\u00fcr den Unterhalt seiner\u00a0Familien verdiente, der dabei durch die gezahlten Steuern einen Beitrag an die Gesellschaft leistete - diese Schichten stehen vor dem Niedergang.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Im Sommer und Herbst letzten Jahres haben die Leute, die Krim besucht haben, erz\u00e4hlt, dass eine These der russischen Propaganda sehr erfolgreich war: wenn nicht Russland gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten wir hier das Gleiche, wie in Donbass. Wie stark werden die Gedanken der Krim-Bewohner von dieser These beeinflusst, die ihnen nahegelegt wird?<\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Je weiter die Lage sich verschlechtern wird- und das tut sie schon, die Lage verschlechtert sich, vor allem die soziale, wirtschaftliche Lage, ich rede gar nicht \u00fcber die Abwesenheit jeglicher Freiheit- das haben die Krim-Bewohner gleich nach der Besatzung gesp\u00fcrt, umso mehr wird die \"offizielle\" Besatzungsregierung Argumente suchen und finden, damit die Leute nicht auf die Stra\u00dfe gehen. Obwohl ich es mir nicht vorstellen kann, wie es unter den russischen Bedingungen m\u00f6glich w\u00e4re. Damit die Leute ihre kritische Lage nicht mit der Regierung in Verbindung bringen. Und eins von diesen Argumenten ist - Hauptsache kein Krieg. Oder: Hauptsache nicht so, wie es in Donezk und Luhansk ist.<\/span>\r\n\r\nAber wissen Sie, die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung versteht immer mehr, dass die Ereignisse in Donezk und Luhansk die Folgen der Ereignisse auf der\u00a0Krim sind, dass das ein Krieg Russlands gegen die Ukraine in verschiedenen Formen ist, der auf der Krim angefangen hat. Donezk und Luhansk kamen erst sp\u00e4ter. Denn Putin war sich sicher, dass wenn er in die Donezker und Luhansker Gebiete eindringt, wie er es auf der Krim gemacht hat, vielleicht auf eine andere Art, es ihm gelingen w\u00fcrde, das Territorium von Charkiw bis Transnistrien von der Ukraine abzuspalten und dadurch einen Landweg nach Krim zu schaffen. Das war Putins Plan. Und das bestreitet fast keiner mehr von den russischen Politikern.\r\n\r\nAlso haben wir den Krieg im Donbass, wo\u00a0die Menschen aus einem einzigen Grund get\u00f6tet werden: weil Putin dorthin t\u00e4glich Milit\u00e4rtechnik und seine Berufssoldaten schickt.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0- Als die Annexion der Krim stattfand, das las ich in einem Ihrer Interviews, sagten Sie, dass es da Initiative vonseiten der Kasan-Tataren gab. Sie f\u00fchrten mit Ihnen Verhandlungen, waren eine Art Vermittler zwischen den Krimtataren und dem Kreml, der russischen Regierung. Und dann irgendwie, im Laufe des Jahres, haben die Leute, die Krim besucht haben, erz\u00e4hlt, dass auf der Halbinsel viele Tschetschenen aufgetaucht sind.\u00a0Wie beeinflussen jetzt diese Faktoren der V\u00f6lker der Russischen F\u00f6deration und die Situation auf der Krim?<\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0- F\u00fcr Putin und sein Kreml-Team ist es sehr wichtig, den krimtatarischen Faktor in alle Prozesse voll einzubeziehen, die die Position Russlands auf der Krim festigen k\u00f6nnten, die ihre Argumente nach au\u00dfen bekr\u00e4ftigen k\u00f6nnten.\r\n\r\nDeshalb war es tats\u00e4chlich so, dass sie, vor allem in den ersten Wochen der Besatzung, versuchten, durch verschiedene Leute, verschiedene Delegationen uns eine Demonstration der Loyalit\u00e4t zu entlocken, uns eine Begr\u00fc\u00dfung ihres Einmarsches auf die Krim zu entlocken. Und die ersten, die sie daf\u00fcr als ihre Abgesandten\u00a0aktiv eingesetzt haben, waren Politiker aus Kasan. Das war tats\u00e4chlich so. Einschlie\u00dflich des Pr\u00e4sidenten von Tatarstan, Rustam Minnichanow.\r\n\r\nIch m\u00f6chte sagen, dass alle, die zu uns kamen, unabh\u00e4ngig davon, welchen Auftrag oder welche Bitte von Kreml sie erf\u00fcllten, aber sie sind auch Menschen, die dar\u00fcber nachdenken, sie haben ihr eigenes Verst\u00e4ndnis von diesen Prozessen. Ich will nicht behaupten, dass wir sie alle umgestimmt haben. Keineswegs! Aber ich m\u00f6chte sagen, dass wir mit ihnen sehr offen und ehrlich gesprochen haben. Und nach einiger Zeit haben wir gesehen, dass Moskau die einen abzieht und die anderen hinschickt. Dies deutet darauf hin, dass Moskau den ethnischen Eliten in den bestimmten Gebieten, die es f\u00fcr absolut handzahm hielt,\u00a0nie vertraut hat und jetzt nicht vertraut.\r\n\r\nMoskau traut keinen nationalen Eliten. Und deshalb, wenn es um ihre Beteiligung an der Krim-Situation geht, mischt es sie wie die Karten. Denn im Kreml sitzen Gauner.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Die Geschichte kennt nat\u00fcrlich keinen Konjunktiv. Aber wenn Sie vom heutigen Standpunkt ausgehen w\u00fcrden, glauben Sie, dass es richtig war, dass die Ukraine die Krim ohne Kampf aufgegeben hat, dass die Regierung in Kiew beschlossen hat, nicht f\u00fcr die Krim zu k\u00e4mpfen? Hat es sich gelohnt?<\/span><\/em>\r\n\r\nTschubarow: <span style=\"line-height: 1.5\">- Ich glaube, es ist noch nicht so weit, dass man mit 100%er Sicherheit sagen k\u00f6nnte, dass dieser Weg der einzig richtige war, und wir ihn gegangen oder nicht gegangen sind. Eins wei\u00df ich: dass es niemals in unserem Land sein darf, dass zehntausende Soldaten, die daf\u00fcr ausgebildet wurden, die vom Staat bezahlt wurden, die den Eid abgelegt haben, das Land, den Staat zu verteidigen - es darf nicht wieder die Situation geben, dass sie ihre berufliche Pflichten sowie die B\u00fcrgerpflicht nicht erf\u00fcllen!<\/span>\r\n\r\nJeder Mensch muss in seinem Leben unbedingt das tun, wozu er berufen oder verpflichtet ist. Am 26. Februar 2014 haben die Krimtataren, der Madschlis und die von uns eingeladenen Ukrainer und Russen, alle, die f\u00fcr die territoriale Integrit\u00e4t waren - wir alle haben unsere B\u00fcrgerpflicht erf\u00fcllt. Wir haben es ihnen nicht erlaubt, offene, direkte Ma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren, damit sie sofort den, sagen wir, rechtlichen Weg zur Abspaltung der Krim einschlagen konnten. In dem Fall w\u00e4re es n\u00e4mlich f\u00fcr die Ukraine als Staat sehr schwierig gewesen, das zu zeigen, was auf der Krim passierte.\r\n\r\nAber mit uns h\u00e4tten die Milit\u00e4r- und Polizeikr\u00e4fte kommen und diese ukrainischen Geb\u00e4ude sichern sollen! Aber es kam ganz anders. Um vier Uhr morgens kamen die russischen Spezialeinheiten.\r\n\r\n<em>DS:\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">- Also glauben Sie, dass es mehr ein Problem der lokalen Sicherheitskr\u00e4fte als der Regierung in Kiew war?<\/span><\/em>\r\n\r\nTschubarow:\u00a0- Ich glaube, dass es sowohl ein Problem der Kiewer wie auch der lokalen Regierung war.\r\n\r\n<em>Quelle:<a href=\"http:\/\/www.radiosvoboda.org\/content\/article\/26903786.html\"> radiosvoboda.org<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/olena.kopnick?fref=ts\"> Olena K\u00f6pnick<\/a>; editiert\u00a0von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.\u00a0<\/em>\r\n\r\n<strong>Lesen Sie zum Thema auch:<\/strong>\r\n<ul>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/krimunser-oder-noch-einmal-ueber-die-historische-gerechtigkeit\/\">\"KrimUnser!, oder noch einmal \u00fcber die historische Gerechtigkeit\"<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/krimer-kantstein-ein-jahr-spaeter-einzelheiten-der-russischen-sonderoperation-zur-krim-annexion\/\">\"Krimer Kantstein ein Jahr sp\u00e4ter: Einzelheiten der russischen Sonderoperation zur Krim-Annexion\"<\/a><\/li>\r\n \t<li><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/die-krim-wird-man-zurueckgeben-muessen-wozu-verdammte-sich-das-regime-von-putin\/\">\"Die Krim wird man zur\u00fcckgeben m\u00fcssen. 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