{"id":5779,"date":"2015-05-01T16:52:54","date_gmt":"2015-05-01T16:52:54","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=5779"},"modified":"2015-05-03T11:08:41","modified_gmt":"2015-05-03T11:08:41","slug":"in-strelkows-lager-bekenntnisse-eines-spions","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/in-strelkows-lager-bekenntnisse-eines-spions\/","title":{"rendered":"In Strelkows Lager. Bekenntnisse eines Spions"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000\">Der Unteroffizier Igor Lukjanow (<\/span><span style=\"color: #000000\">Kampfname<\/span><span style=\"color: #000000\"> \u201eMacLeod\u201c) &#8211; ein menschliches Paradoxon. Geboren und aufgewachsen in Kramatorsk, den Majdan unterst\u00fctzte er nicht, als jedoch Separatisten in seine Stadt kamen, ging er sofort zu den Partisanen.<\/span><\/p>\n<p>\u00c4u\u00dferlich \u00e4hnelt der 31-j\u00e4hrige Kerl einem Sportler: muskul\u00f6s, mittelgro\u00df, mit einer nicht nur einmal gebrochenen Nase. In Wirklichkeit hat er zwei Hochschulabschl\u00fcsse &#8211; vom Donbass Institut f\u00fcr Technologie und Management und der Nationalen Mykola-Schukowskyi-Universit\u00e4t f\u00fcr Luft- und Raumfahrt. Er ist Jurist und Programmierer.<\/p>\n<p>Ljukjanow sieht nicht aus wie Spione, die im Kino gezeigt werden, doch dadurch und Dank seiner siebenj\u00e4hrigen Laufbahn als Berufssoldat ist er zu solch einem geworden. Im Fr\u00fchlingsende &#8211; Anfang des Sommers letzten Jahres verbrachte er ungef\u00e4hr einen Monat im von Igor Girkins Gruppierung besetzten Slowjansk.<\/p>\n<p>Unter der Tarnung die \u201erussische Welt\u201c im Donbass verteidigen zu wollen, lernte er die Kriegsherren der K\u00e4mpfer kennen \u2013 Lux, Motorola, Bai und \u00fcbergab dem ATO-Hauptquartier Angaben \u00fcber Truppenst\u00e4rke, den Zeitpunkt des R\u00fcckzugs aus der Stadt usw. W\u00e4hrend der Rehabilitation nach einer weiteren Verletzung erz\u00e4hlte \u201eMcLeod\u201c dem Sender TSN.ua von seiner Spionage-Vergangenheit und davon, was ihn im r\u00fcckw\u00e4rtigen Armeegebiet des Feindes \u00fcberraschte.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Krieg. Der Anfang<\/strong><\/h4>\n<p style=\"text-align: center\">F\u00fcr mich begann alles mit dem Monitoring der Situation auf der Krim. Ich dachte, sie g\u00e4be nicht auf. Es schien, als w\u00fcrden die Tataren dies nicht zulassen. Doch es kam anders. Die Zahl der Tataren erwies sich niedriger als gedacht, und die Krim ist gegangen. Anschlie\u00dfend fing ich an, die sich bei uns entwickelnde Situation zu beobachten. Ich begriff, dass die Lage destabilisiert wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_5781\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5781\" class=\"wp-image-5781 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1.png\" alt=\"1\" width=\"700\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1.png 1259w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1-300x171.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1-768x437.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1-1024x582.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5781\" class=\"wp-caption-text\">Bild. Barikade an der besetzten Stadtverwaltung in Slowjansk.<\/p>\n<\/div>\n<p>Der letzte Tropfen war die Besetzung der Stadtverwaltung von Slowjansk. Danach habe ich versucht die Stadtverwaltung von Kramatorsk zu besch\u00fctzen. Ich bin zu ihr vorger\u00fcckt, dachte ich helfe den Jungs, doch sie wurde bereits aufgegeben. Alles was getan werden konnte &#8211; die Flagge mitnehmen, die bis jetzt noch bei mir Zuhause aufbewahrt wird. Ich nahm sie darauf hinweisend mit, dass ich sie dem n\u00e4chsten Leiter der Stadtverwaltung zur\u00fcckgeben werde.<\/p>\n<p>Anfangs war Kramatorsk zu 70 % pro-ukrainisch. Doch aufgrund der Unt\u00e4tigkeit der Regierung reichte diese Unterst\u00fctzung f\u00fcr zwei bis drei Kundgebungen und wurde anschlie\u00dfend erdr\u00fcckt. Mein Freund ist verschwunden. Ich brachte mit ihm S\u00e4cke zum Flughafen, als dort K\u00e4mpfe stattfanden. Zuerst nahm man ihm sein Auto weg, dann landete er in der Stadtverwaltung Kramatorsk, und danach hat man ihn nicht mehr gesehen. Damit wurde die pro-ukrainische Unterst\u00fctzung eingestellt.<\/p>\n<p>Als die DVR kam, ging ich wie alle anderen zu den Partisanen. Meine Leistungen: als die K\u00e4mpfer den Fernsehturm in Kramatorsk besetzten, h\u00f6rten all unsere Kan\u00e4le auf zu senden. Anschlie\u00dfend wurden russische eingeschaltet. Ich traf mich mit Freunden, wir berieten uns und begriffen, dass wir den Turm nicht zur\u00fcckholen k\u00f6nnen und entschieden uns, dass er weder uns noch den anderen nutzen soll und sprengten das Umspannwerk, das ihn speist. Anschlie\u00dfend sendeten sie gar nichts mehr.<\/p>\n<p>Dann traf ich die Nationalgarde, die den dritten Checkpoint von Slowjansk st\u00fcrmte. Ich beobachtete das Feuer im Moment der Erst\u00fcrmung, danach k\u00e4mpfte ich mit ihnen als Partisan. Sp\u00e4ter lernte ich unsere Spezialeinheiten \u2013 Alpha und Omega &#8211; kennen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend k\u00e4mpfte ich mit ihnen, navigierte sie in der Ortschaft. Am 3. Mai haben wir Kramatorsk gest\u00fcrmt und kamen in die Stadt. Besetzten das Geb\u00e4ude des SBU und drangen in den Flughafen von Kramatorsk ein. An diesem Tag rissen wir ein paar Checkpoints ab. Wir fuhren nach Konstantinowka zum Fernsehturm, wo unsere Fallschirmj\u00e4ger umzingelt wurden. Wir nahmen sie mit.<\/p>\n<p>Damals gab es wenig Russen im Osten. Nur die Gruppierung von Strelkow \u2013 15 Mann. Zweimal traf ich kleine tschetschenische Gruppierungen, mit bis zu 30 Mann. Das waren eingereiste Gastarbeiter, die ausschlie\u00dflich mit durchgesickerten Informationen arbeiteten. Ihre Wege kreuzten sich nie mit der &#8222;Volkswehr&#8220;. Die Tschetschenen k\u00e4mpften f\u00fcr Geld, und die Volkswehr\u00a0damals noch \u2013 f\u00fcr eine Idee.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>&#8222;Im Keller&#8220;<\/strong><\/h4>\n<p>Zu einem Spion wurde ich spontan. Es gab so einen Generalmajor Kuljtschitzki. Er brauchte Aufkl\u00e4rungsdaten. Wir sa\u00dfen rum, dachten nach und ich ging. De facto war ich der Einzige, der zu Girkin eindringen konnte, da ich ein Einheimischer war und kein Misstrauen hervorrief. Die Hauptaufgabe war die Informationsbeschaffung von der Besatzung, der Stellung der Streitkr\u00e4fte, die die Wege f\u00fcr den Abzug aus Slowjansk vorbereiteten.<\/p>\n<p>Im Heute bin ich nicht bereit \u00fcber zwei Dinge zu sprechen: \u00fcber den Ablauf meines Einstiegs und \u00fcber meine Angeh\u00f6rigen. Dennoch, oberfl\u00e4chlich zum Einstieg: ich kam zum SBU in Slowjansk und landete sofort im Keller. Anfangs war das Schema dort anders \u2013 es wurde jeder genommen, doch sp\u00e4ter fingen sie an die Leute zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Der Keller \u2013 der sofortige Freiheitsentzug. Er war in zwei Bereiche eingeteilt: in den linken und den rechten (3 x 6 Meter), die nicht miteinander in Verbindung standen. In einem Bereich sa\u00dfen die wichtigen Personen. In dem anderen \u2013 der Rest.<\/p>\n<div id=\"attachment_5783\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5783\" class=\"wp-image-5783 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3.png\" alt=\"3\" width=\"700\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3.png 1257w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3-300x170.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3-768x436.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3-1024x581.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5783\" class=\"wp-caption-text\">Bild. Die Anwohner von Slowjansk empfangen Girkins K\u00e4mpfer, die in die Stadt einfielen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Die Menschen wechselten st\u00e4ndig: die einen sind gekommen, die anderen wurden freigelassen, doch weniger als vier Tage sa\u00df keiner ein. Das hat seinen Grund, wenn man dies aus der Sicht des psychologischen Drucks betrachtet.<\/p>\n<p>Mit mir sa\u00dfen der B\u00fcrgermeister der Stadt Mykolajiwka und der Amtsvertreter der Slowjansker Polizei. Der B\u00fcrgermeister, weil er eine pro-ukrainische Position einnahm, die er jedoch nicht sonderlich betonte. Er war wirklich ein B\u00fcrgermeister aus dem Volke, den die Menschen liebten. Die neue Regierung entschied, dass man ihn irgendwo verstecken sollte.Der Amtsvertreter sa\u00df sicherlich auch wegen einer pro-ukrainischen Haltung. Er erz\u00e4hlte nichts, da ich dort ja als einer von der Volkswehr\u00a0gewesen bin. Zwei weitere Jungs sa\u00dfen ein, die aus Krasnoarmijsk kamen um sich in die Volkswehr einzuschreiben. Sie wurden ebenfalls der Spionage verd\u00e4chtigt.<\/p>\n<div id=\"attachment_5784\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5784\" class=\"wp-image-5784 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4.png\" alt=\"4\" width=\"700\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4.png 1256w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4-300x169.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4-768x433.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4-1024x577.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5784\" class=\"wp-caption-text\">Bild. Die besetzte Stadtverwaltung von Slowjansk<\/p>\n<\/div>\n<p>Ich wurde geschlagen, aber nicht all zu hart. Ein paar Mal. Dort ist es \u00fcblich so zu kommunizieren. Doch die eigenen Leute bestrafte man. Mit mir sa\u00dfen zum Tode verurteilte Menschen ein- der Kommandeur einer Einheit und sein Stellvertreter. Sie sa\u00dfen wegen Pl\u00fcnderung und Drogenkonsum. Ein Pfarrer besuchte sie. Sie wurden dann erschossen. Die Atmosph\u00e4re war recht unheimlich.<\/p>\n<p>Das alles geschah hinter Vorh\u00e4ngen, die das Zimmer aufteilten. Durchschnittlich sa\u00dfen acht bis zehn Menschen mit mir. Es gab einen st\u00e4ndigen Wechsel. Der Leiter der Druckerei von Slowjansk sa\u00df ein. Seine Druckerei wurde von einer Mine\u00a0getroffen und er begann dar\u00fcber zu reden. Und da es eine Mine\u00a0war, schoss\u00a0die Volkswehr. Man sagte ihm, das sei ein Geschoss &#8211; er wollte aber nicht h\u00f6ren, und damit er keinen Spektakel veranstaltet, nahm man ihn mit.<\/p>\n<p>Es gab einen weiteren Vorfall: der Kommandeur und sein Stellvertreter sa\u00dfen deshalb ein, weil sie auf eigene Faust Aufkl\u00e4rung betreiben wollten, stie\u00dfen auf ihr eigenes \u201eGeheimnis\u201c, schossen auf ihre eigenen Leute und wurden direkt auf dem Platz des SBU vor Augen aller erschossen.<\/p>\n<p>Ich sa\u00df zwei Wochen im Keller. Die Geschehnisse beschleunigte ich nicht. Keiner wusste, was mit mir gemacht werden sollte. Dann fingen sie an, mich zur Reinigung des Gel\u00e4ndes heranzuziehen. Sp\u00e4ter begann bei ihnen die Ausgabe von DVR-Ausweisen \u2013 das waren Namensschilder f\u00fcr die Volkswehr. Ich meldete mich, um den Vorgang zu organisieren \u2013 und so nahm alles seinen Lauf.<\/p>\n<p>Ich wurde in die Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen \u00fcberf\u00fchrt \u2013 an der Stadtverwaltung von Slowjansk. Dort sa\u00dfen diejenigen in den Zellen, die von der Volkswehr\u00a0(Strafbataillon) gefangengenommen wurden. Das war schon eine ganze Milit\u00e4rsiedlung. Dort lernte ich &#8222;Abwehr&#8220; <em>(Rufzeichen)<\/em> kennen, der die Donezker Gruppierung befehligte. Gleichzeitig kam ich zu einem Mobiltelefon, obwohl das verboten war.<\/p>\n<p>In der Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen kontrollierte man mich weiterhin. Verraten habe ich mich nicht durch meine eigene Unprofessionalit\u00e4t, sondern durch deren Inkompetenz.<\/p>\n<p>Zuerst setzte man zu uns in den Keller den Bruder des Chefs der \u00f6rtlichen Spionageabwehr. Er hatte jedoch solch eine Story, dass f\u00fcr uns alles sofort klar war.<\/p>\n<p>Doch einen Aufh\u00e4nger gab es, der mich h\u00e4tte verraten k\u00f6nnen, aber sie ergriffen die Chance nicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_5785\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5785\" class=\"wp-image-5785\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5.png\" alt=\"5\" width=\"700\" height=\"399\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5.png 1250w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5-300x171.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5-768x437.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5-1024x583.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5785\" class=\"wp-caption-text\">Bild. \u201eVolksb\u00fcrgermeister\u201c von Slowjansk Wjatscheslaw Ponomarjow mit Leibw\u00e4chtern aus Strelkows Gruppierung<\/p>\n<\/div>\n<p>Meine erste Information \u00fcbergab ich \u00fcber Semenowka \u2013 die Truppenst\u00e4rke, die Stellung. Damals war es ein Gefahrenherd. Ich fuhr dorthin.<\/p>\n<p>Ich besch\u00e4ftigte mich haupts\u00e4chlich mit dem \u201eAlltagsleben\u201c &#8211; der Unterbringung vom Personal, ich brachte Lebensmittel, Betten. Einmal wollte Abwehr, dass patriotische Musik der DVR spiele (irgendwelche \u00f6rtliche Gruppen). Ich meldete mich zum Helfen.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen unterhielt ich mich mit Einheimischen, die in die Volkswehr gingen. Ihre Motivation ware simpel. Dort herrschte ein Informations-Vakuum und alles, was sie ihnen in die Ohren gossen, haben sie sich angeh\u00f6rt. Dann versammelte man sie und erz\u00e4hlte ihnen von unseren Verlusten. Nat\u00fcrlich enorm \u00fcberzogen. Genau wie bei uns, ehrlich gesagt.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Fremde: die Besatzung<\/strong><\/h4>\n<p>Die Soldaten-Stufe war f\u00fcr mich uninteressant. Es musste h\u00f6her gehen. Aus den Reihen der S\u00f6ldner befanden sich dort damals Motorola und Bai. Motorola lernte ich in Semeniwka kennen. Ich brachte Lebensmittel in das Caf\u00e9 \u201eMeteliza\u201c, und unsere Leute starteten den Beschuss. Motorola kam sehr k\u00e4mpferisch angerannt, aus irgendeinem Grund erschien er damals so robust, und begann die Berechnung f\u00fcr den M\u00f6rser-Beschuss zu befehligen.<\/p>\n<p>Damals war er Kommandeur des St\u00fctzpunktes. Er schien mir ein guter Kommandeur zu sein, da 60 seiner Untergeordneten den St\u00fctzpunkt gegen unsere Leute \u00fcber drei Monate hielten. Aber jetzt verstehe ich, dass es nicht sein Verdienst war, sondern der unserer Inkompetenz.<\/p>\n<p>Mit Lux stand ich rege in Kontakt. Er ist kein echter Kommandeur \u2013 ein YouTube-Star. \u00c4ngstlich, doch er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.<\/p>\n<p>Ich betrachte die Kommandeure nicht als gut oder schlecht. Mein Kriterium \u2013 die Effizienz der Einheit. Die K\u00e4mpfer allerdings zogen\u00a0damals hinter den Kriegsherren. Man sage was man will, sie haben eine starke Ausstrahlung.<\/p>\n<p>In Gespr\u00e4chen mit ihnen positionierte ich mich ausschlie\u00dflich als Wehrexperte\u00a0f\u00fcr Informationsschutz. Ich wusste, wie querfeldein Video\u00fcberwachungen auf St\u00fctzpunkten einzurichten sind. Im Endeffekt haben sie nichts verwirklicht, doch Hauptsache &#8211; klugschei\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit Girkin unterhielt ich mich oberfl\u00e4chlich einige Male. Das erste Mal \u2013 er kam in den Keller und fragte, was ich dort mache. Ich scherzte, ich sei ein \u2013 Pravosek <em>(die Bezeichnung der Russen f\u00fcr Mitglieder des Rechten\u00a0Sektors)<\/em> und Maidan-Teilnehmer. Sp\u00e4ter begriff ich, dass der Scherz ungl\u00fccklich war. Einmal unterhielten wir uns, als ich die Fotoaufnahme organisierte. Girkin ist ein schwieriger Mensch, den ich nicht knacken konnte. Es ist unklar was er denkt. F\u00fcr die K\u00e4mpfer war er eine Autorit\u00e4tsperson.<\/p>\n<p>Die Kriegsherren begegneten ihn herablassend. Es ist ein Fakt, dass die gesamte Versorgung an ihm hing. Er war ein Mensch, der etwas kl\u00e4ren konnte. Ein Mensch, dem man gew\u00e4hren wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_5786\" style=\"width: 711px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5786\" class=\"wp-image-5786 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6.png\" alt=\"6\" width=\"701\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6.png 1258w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6-300x169.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6-768x432.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6-1024x576.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5786\" class=\"wp-caption-text\">Bild. K\u00e4mpfer bauen einen Checkpoint bei Slowjansk.<\/p>\n<\/div>\n<p>Dort gab es Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern. Es gab eine junge Frau (Scharfsch\u00fctze) aus Wei\u00dfrussland. Es kam noch ein junger Mann, weil er sich zu viele russische Kan\u00e4le angesehen hatte. Sa\u00df eine Weile in Sch\u00fctzengr\u00e4ben, dann sagte er, dass er niemanden sieht, den er besch\u00fctzen sollte und wollte mit einem Freund gehen. Einem von ihnen wurde Vaterlandsverrat angeh\u00e4ngt und dann sind beide verschwunden. Was mit ihnen passiert ist &#8211; wei\u00df ich nicht.<\/p>\n<p>Russen gab es damals noch wenige. Das waren durchreisende Einheiten, die sich mit Feinarbeiten besch\u00e4ftigten. In Sch\u00fctzengr\u00e4ben sa\u00dfen sie nicht, Gruben hoben sie nicht aus, an der Verteidigung nahmen sie nicht teil. Diejenigen, die mit den einfachen Aufst\u00e4ndischen\u00a0sprachen, fielen nicht sonderlich auf, \u201ePorebrik\u201c<em> (russisch f\u00fcr Bordstein, das Wort wird gr\u00f6\u00dftenteils nur in Sankt-Petersburg verwendet)<\/em> sagten sie nicht.<\/p>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Der R\u00fcckweg<\/strong><\/h4>\n<p>Die Hauptinformation \u2013 die Stellung der Truppen, die Truppenst\u00e4rke und den R\u00fcckzugszeitpunkt aus Slowjansk \u2013 sammelte und \u00fcbergab ich schrittweise. Die Truppenst\u00e4rke \u2013 1824 Mann \u2013 erfuhr ich zuf\u00e4llig, aufgrund ihrer Inkompetenz: sie warfen die Listen f\u00fcr die Verpflegung in den M\u00fcll.<\/p>\n<p>Den R\u00fcckzug bereiteten sie im Vorfeld vor. Mir ist selbst bewusst, dass das die einzige offene Stra\u00dfe war. Die Route besprachen die Kriegsherren unter sich. Die Genauigkeit des R\u00fcckzugszeitpunktes, die ich \u00fcbergab, stimmte bis auf plus\/minus zwei Stunden \u00fcberein.<\/p>\n<p>Die Kolonne, die von unseren Leuten zwischen Slowjansk und Kramatorsk zerst\u00f6rt wurde, um angeblich zu zeigen, dass wir die Separatisten aufhielten, hat sich in Wirklichkeit verfahren. Sie waren keine Einheimischen und sind einfach in die falsche Richtung gefahren.<\/p>\n<p>Die Hauptstra\u00dfe wurde nicht gesperrt, da es ein Abkommen zwischen Unseren und den Separatisten gab. Das ist klar. Und damals erschien mir das auch richtig so. Slowjansk haben wir nicht einnehmen k\u00f6nnen. Man h\u00e4tte entweder alle St\u00e4dte befreien und sie nach Donezk dr\u00e4ngen oder k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Heute wei\u00df ich, dass man den Weg h\u00e4tte abschneiden m\u00fcssen und sie in Slowjansk erledigen. Abschneiden und zermalmen.<\/p>\n<p>Beim Arbeiten im r\u00fcckw\u00e4rtigen Armeegebiet bef\u00fcrchtete ich am meisten von den eigenen Leuten verraten zu werden. In meiner Anwesenheit gab es ein Gespr\u00e4ch zwischen Abwehr und einem von unseren Leuten. Er bat herauszufinden, wer Informationen durchsickern l\u00e4sst. Es wurden noch zwei Einheimische wegen Spionage-Verdachts festgenommen. Von einem ihrer Telefone, verschickte ich eine SMS. Er wurde mitgenommen aber nach f\u00fcnf Tagen lie\u00df man ihn frei. Traurig w\u00e4re ich nicht, wenn man ihn umgebracht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Es gab noch einen interessanten Vorfall. Noch vor der Entsendung zu Girkin haben wir einen von der Volkswehr\u00a0auf dem 3. Checkpoint festgenommen. Meine Sturmhaube nahm ich damals nat\u00fcrlich nicht ab. Wir nahmen ihn fest und \u00fcbergaben ihn an unseren SBU und dann traf ich diesen Menschen im SBU-Geb\u00e4ude in Slowjansk.<\/p>\n<p>Ich war sehr erstaunt und redete mit ihm. Er war sehr gespr\u00e4chig und erz\u00e4hlte mir detailliert wie er aus unserem SBU freigekauft wurde. Ein dicker Fisch \u2013 entweder der Leiter der Kolonie von Artemiwsk oder der Aufseher. Girkin behielt ihn in seiner N\u00e4he.<\/p>\n<p>Als ich die n\u00f6tige Information beisammen hatte, entschied ich mich zu gehen. Doch dann wurde Kulchitsky get\u00f6tet und f\u00fcr mich war das eine Katastrophe \u2013 ich wusste nicht wohin und zu wem. Ich \u00fcbergab alles einem seiner M\u00e4nner im Hauptquartier. Dass ich dort arbeitete, wussten nur zwei Personen: einer wurde get\u00f6tet, mit dem Zweiten gab es keine Verbindung.<\/p>\n<div id=\"attachment_5787\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5787\" class=\"wp-image-5787 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7.png\" alt=\"7\" width=\"700\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7.png 1244w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7-300x172.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7-768x441.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7-1024x588.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5787\" class=\"wp-caption-text\">Bild. Ukrainischer Checkpoint an der Einfahrt nach Slowjansk.<\/p>\n<\/div>\n<p>Ich entschied mich auf die klassische Art und Weise zu gehen \u2013 auf Beinen (lacht). Damals sa\u00dfen drei unserer Soldaten in der Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen. Die offizielle Version \u2013 sie gingen ins Dorf um Wasser zu holen und gerieten in Gefangenschaft. Die inoffizielle \u2013 sie gingen ins Dorf um Vodka zu holen und gerieten in Gefangenschaft. Niemand hat sie geschlagen, sie wurden f\u00fcr den Austausch vorbereitet. Ich konnte Menschen aus der Isolierzelle f\u00fcr \u00f6ffentliche Arbeiten mitnehmen. Ich wollte sie mitnehmen und gehen, doch es ist mir nicht gelungen. Ich \u00fcbermittelte das an den Kontrollpunkt und der Standortkommandant sagte mir, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige nicht mitgenommen werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Und da erschien unerwartet der Lux. Ich sprach mit ihm und er fragt: wohin gehst du? Und ich sage, dass ich zum St\u00fctzpunkt ginge. Er bot mir an, mich mitzunehmen. Damals hatte ich noch keinen DVR-Ausweis. Durch die Checkpoints h\u00e4tte man mich nicht passieren lassen und sie w\u00e4ren der Angelegenheit ernsthaft nachgegangen. Doch den Wagen von Lux kannten alle \u2013 und er fuhr mich \u00fcber drei Checkpoints. Sp\u00e4ter ging ich in ein Gesch\u00e4ft und wanderte die Stra\u00dfe, die sie sp\u00e4ter f\u00fcr den Abzug benutzten, nach Kramatorsk hinunter.<\/p>\n<p>Die Entfernung zwischen Slowjansk und Kramatorsk \u2013 15 Kilometer. Ich lief 70 Kilometer, f\u00fcnf Tage lang. \u00dcber W\u00e4lder zu unseren Leuten zu laufen, war keine Variante \u2013 dort gibt es Sprengfallen. \u00dcber offenes Gel\u00e4nde darf man nicht \u2013 die Separatisten schie\u00dfen einen \u00fcber den Haufen. Ich lief \u00fcber S\u00fcmpfe. Ass nicht. Kam in Kramatorsk an. Dort gab es bereits Aktivit\u00e4ten \u2013 die DVR-ler planten herauszukommen.<\/p>\n<p>Von dort fuhren mich Freunde nach Swjatohirsk. Von da nach Isjum ins ATO-Hauptquartier. Dort traf ich Leute, mit denen ich arbeitete. Viele Fragen stellte man mir nicht. Nur die Spionageabwehr kam angestr\u00f6mt, wollte wissen, was auf der anderen Seite los ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_5788\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5788\" class=\"wp-image-5788 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8.png\" alt=\"8\" width=\"700\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8.png 1254w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8-300x171.png 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8-768x437.png 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8-1024x582.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-5788\" class=\"wp-caption-text\">Bild. Aus der ATO \u00fcbergab Lukjanow einige Exponate ins Milit\u00e4rmuseum von TSN.<\/p>\n<\/div>\n<p>F\u00fcr mich ist es immer noch ein R\u00e4tsel, warum Girkin nicht umgebracht wurde. Einmal w\u00f6chentlich, um neun Uhr Morgens hielt er eine Besprechung mit den Kriegsherren auf dem Sommerplatz des SBU ab. Dort h\u00e4tte man eine Granate platzieren k\u00f6nnen und der Krieg w\u00e4re in diesem Abschnitt zu Ende gegangen. Sogar ich hatte den Gedanken zum Held der Ukraine zu werden: die M\u00f6glichkeit ihm die Waffe zu entrei\u00dfen und abzudr\u00fccken bestand, doch gehen h\u00e4tte ich nicht mehr k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach meiner R\u00fcckkehr entschied ich mich, mich den ukrainischen Streitkr\u00e4ften anzuschlie\u00dfen. Ging zum Kriegskommissariat in Kiew und eine junge Frau erkl\u00e4rt mir ernsthaft: \u201eSie sind bei uns nicht registriert. Sie m\u00fcssen nach Donezk, sich dort abmelden und zu uns kommen\u201c. Sie sagte das absolut ernst. Ich l\u00e4chelte und fragte: \u201eWo befindet sich Euer Milit\u00e4rkommissar?\u201c.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/tsn.ua\/special-projects\/macleod\/\">tsn.ua<\/a>; Photos: <strong>TSN<\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey?fref=ts\">Kateryna Matey.<\/a><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Unteroffizier Igor Lukjanow (Kampfname \u201eMacLeod\u201c) &#8211; ein menschliches Paradoxon. 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Im Fr\u00fchlingsende - Anfang des Sommers letzten Jahres verbrachte er ungef\u00e4hr einen Monat im von Igor Girkins Gruppierung besetzten Slowjansk.\r\n\r\nUnter der Tarnung die \u201erussische Welt\u201c im Donbass verteidigen zu wollen, lernte er die Kriegsherren der K\u00e4mpfer kennen \u2013 Lux, Motorola, Bai und \u00fcbergab dem ATO-Hauptquartier Angaben \u00fcber Truppenst\u00e4rke, den Zeitpunkt des R\u00fcckzugs aus der Stadt usw. W\u00e4hrend der Rehabilitation nach einer weiteren Verletzung erz\u00e4hlte \u201eMcLeod\u201c dem Sender TSN.ua von seiner Spionage-Vergangenheit und davon, was ihn im r\u00fcckw\u00e4rtigen Armeegebiet des Feindes \u00fcberraschte.\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Krieg. Der Anfang<\/strong><\/h4>\r\n<p style=\"text-align: center\">F\u00fcr mich begann alles mit dem Monitoring der Situation auf der Krim. Ich dachte, sie g\u00e4be nicht auf. Es schien, als w\u00fcrden die Tataren dies nicht zulassen. Doch es kam anders. Die Zahl der Tataren erwies sich niedriger als gedacht, und die Krim ist gegangen. Anschlie\u00dfend fing ich an, die sich bei uns entwickelnde Situation zu beobachten. Ich begriff, dass die Lage destabilisiert wird.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5781\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1.png\"><img class=\"wp-image-5781 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/1.png\" alt=\"1\" width=\"700\" height=\"398\" \/><\/a> Bild. Barikade an der besetzten Stadtverwaltung in Slowjansk.[\/caption]\r\n\r\nDer letzte Tropfen war die Besetzung der Stadtverwaltung von Slowjansk. Danach habe ich versucht die Stadtverwaltung von Kramatorsk zu besch\u00fctzen. Ich bin zu ihr vorger\u00fcckt, dachte ich helfe den Jungs, doch sie wurde bereits aufgegeben. Alles was getan werden konnte - die Flagge mitnehmen, die bis jetzt noch bei mir Zuhause aufbewahrt wird. Ich nahm sie darauf hinweisend mit, dass ich sie dem n\u00e4chsten Leiter der Stadtverwaltung zur\u00fcckgeben werde.\r\n\r\nAnfangs war Kramatorsk zu 70 % pro-ukrainisch. Doch aufgrund der Unt\u00e4tigkeit der Regierung reichte diese Unterst\u00fctzung f\u00fcr zwei bis drei Kundgebungen und wurde anschlie\u00dfend erdr\u00fcckt. Mein Freund ist verschwunden. Ich brachte mit ihm S\u00e4cke zum Flughafen, als dort K\u00e4mpfe stattfanden. Zuerst nahm man ihm sein Auto weg, dann landete er in der Stadtverwaltung Kramatorsk, und danach hat man ihn nicht mehr gesehen. Damit wurde die pro-ukrainische Unterst\u00fctzung eingestellt.\r\n\r\nAls die DVR kam, ging ich wie alle anderen zu den Partisanen. Meine Leistungen: als die K\u00e4mpfer den Fernsehturm in Kramatorsk besetzten, h\u00f6rten all unsere Kan\u00e4le auf zu senden. Anschlie\u00dfend wurden russische eingeschaltet. Ich traf mich mit Freunden, wir berieten uns und begriffen, dass wir den Turm nicht zur\u00fcckholen k\u00f6nnen und entschieden uns, dass er weder uns noch den anderen nutzen soll und sprengten das Umspannwerk, das ihn speist. Anschlie\u00dfend sendeten sie gar nichts mehr.\r\n\r\nDann traf ich die Nationalgarde, die den dritten Checkpoint von Slowjansk st\u00fcrmte. Ich beobachtete das Feuer im Moment der Erst\u00fcrmung, danach k\u00e4mpfte ich mit ihnen als Partisan. Sp\u00e4ter lernte ich unsere Spezialeinheiten \u2013 Alpha und Omega - kennen.\r\n\r\nAnschlie\u00dfend k\u00e4mpfte ich mit ihnen, navigierte sie in der Ortschaft. Am 3. Mai haben wir Kramatorsk gest\u00fcrmt und kamen in die Stadt. Besetzten das Geb\u00e4ude des SBU und drangen in den Flughafen von Kramatorsk ein. An diesem Tag rissen wir ein paar Checkpoints ab. Wir fuhren nach Konstantinowka zum Fernsehturm, wo unsere Fallschirmj\u00e4ger umzingelt wurden. Wir nahmen sie mit.\r\n\r\nDamals gab es wenig Russen im Osten. Nur die Gruppierung von Strelkow \u2013 15 Mann. Zweimal traf ich kleine tschetschenische Gruppierungen, mit bis zu 30 Mann. Das waren eingereiste Gastarbeiter, die ausschlie\u00dflich mit durchgesickerten Informationen arbeiteten. Ihre Wege kreuzten sich nie mit der \"Volkswehr\". Die Tschetschenen k\u00e4mpften f\u00fcr Geld, und die Volkswehr\u00a0damals noch \u2013 f\u00fcr eine Idee.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/f7ZZmZwMXiE[\/embed]\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>\"Im Keller\"<\/strong><\/h4>\r\nZu einem Spion wurde ich spontan. Es gab so einen Generalmajor Kuljtschitzki. Er brauchte Aufkl\u00e4rungsdaten. Wir sa\u00dfen rum, dachten nach und ich ging. De facto war ich der Einzige, der zu Girkin eindringen konnte, da ich ein Einheimischer war und kein Misstrauen hervorrief. Die Hauptaufgabe war die Informationsbeschaffung von der Besatzung, der Stellung der Streitkr\u00e4fte, die die Wege f\u00fcr den Abzug aus Slowjansk vorbereiteten.\r\n\r\nIm Heute bin ich nicht bereit \u00fcber zwei Dinge zu sprechen: \u00fcber den Ablauf meines Einstiegs und \u00fcber meine Angeh\u00f6rigen. Dennoch, oberfl\u00e4chlich zum Einstieg: ich kam zum SBU in Slowjansk und landete sofort im Keller. Anfangs war das Schema dort anders \u2013 es wurde jeder genommen, doch sp\u00e4ter fingen sie an die Leute zu \u00fcberpr\u00fcfen.\r\n\r\nDer Keller \u2013 der sofortige Freiheitsentzug. Er war in zwei Bereiche eingeteilt: in den linken und den rechten (3 x 6 Meter), die nicht miteinander in Verbindung standen. In einem Bereich sa\u00dfen die wichtigen Personen. In dem anderen \u2013 der Rest.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5783\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3.png\"><img class=\"wp-image-5783 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/3.png\" alt=\"3\" width=\"700\" height=\"397\" \/><\/a> Bild. Die Anwohner von Slowjansk empfangen Girkins K\u00e4mpfer, die in die Stadt einfielen.[\/caption]\r\n\r\nDie Menschen wechselten st\u00e4ndig: die einen sind gekommen, die anderen wurden freigelassen, doch weniger als vier Tage sa\u00df keiner ein. Das hat seinen Grund, wenn man dies aus der Sicht des psychologischen Drucks betrachtet.\r\n\r\nMit mir sa\u00dfen der B\u00fcrgermeister der Stadt Mykolajiwka und der Amtsvertreter der Slowjansker Polizei. Der B\u00fcrgermeister, weil er eine pro-ukrainische Position einnahm, die er jedoch nicht sonderlich betonte. Er war wirklich ein B\u00fcrgermeister aus dem Volke, den die Menschen liebten. Die neue Regierung entschied, dass man ihn irgendwo verstecken sollte.Der Amtsvertreter sa\u00df sicherlich auch wegen einer pro-ukrainischen Haltung. Er erz\u00e4hlte nichts, da ich dort ja als einer von der Volkswehr\u00a0gewesen bin. Zwei weitere Jungs sa\u00dfen ein, die aus Krasnoarmijsk kamen um sich in die Volkswehr einzuschreiben. Sie wurden ebenfalls der Spionage verd\u00e4chtigt.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5784\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4.png\"><img class=\"wp-image-5784 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/4.png\" alt=\"4\" width=\"700\" height=\"395\" \/><\/a> Bild. Die besetzte Stadtverwaltung von Slowjansk[\/caption]\r\n\r\nIch wurde geschlagen, aber nicht all zu hart. Ein paar Mal. Dort ist es \u00fcblich so zu kommunizieren. Doch die eigenen Leute bestrafte man. Mit mir sa\u00dfen zum Tode verurteilte Menschen ein- der Kommandeur einer Einheit und sein Stellvertreter. Sie sa\u00dfen wegen Pl\u00fcnderung und Drogenkonsum. Ein Pfarrer besuchte sie. Sie wurden dann erschossen. Die Atmosph\u00e4re war recht unheimlich.\r\n\r\nDas alles geschah hinter Vorh\u00e4ngen, die das Zimmer aufteilten. Durchschnittlich sa\u00dfen acht bis zehn Menschen mit mir. Es gab einen st\u00e4ndigen Wechsel. Der Leiter der Druckerei von Slowjansk sa\u00df ein. Seine Druckerei wurde von einer Mine\u00a0getroffen und er begann dar\u00fcber zu reden. Und da es eine Mine\u00a0war, schoss\u00a0die Volkswehr. Man sagte ihm, das sei ein Geschoss - er wollte aber nicht h\u00f6ren, und damit er keinen Spektakel veranstaltet, nahm man ihn mit.\r\n\r\nEs gab einen weiteren Vorfall: der Kommandeur und sein Stellvertreter sa\u00dfen deshalb ein, weil sie auf eigene Faust Aufkl\u00e4rung betreiben wollten, stie\u00dfen auf ihr eigenes \u201eGeheimnis\u201c, schossen auf ihre eigenen Leute und wurden direkt auf dem Platz des SBU vor Augen aller erschossen.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/jAvmRNW95PM[\/embed]\r\n\r\nIch sa\u00df zwei Wochen im Keller. Die Geschehnisse beschleunigte ich nicht. Keiner wusste, was mit mir gemacht werden sollte. Dann fingen sie an, mich zur Reinigung des Gel\u00e4ndes heranzuziehen. Sp\u00e4ter begann bei ihnen die Ausgabe von DVR-Ausweisen \u2013 das waren Namensschilder f\u00fcr die Volkswehr. Ich meldete mich, um den Vorgang zu organisieren \u2013 und so nahm alles seinen Lauf.\r\n\r\nIch wurde in die Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen \u00fcberf\u00fchrt \u2013 an der Stadtverwaltung von Slowjansk. Dort sa\u00dfen diejenigen in den Zellen, die von der Volkswehr\u00a0(Strafbataillon) gefangengenommen wurden. Das war schon eine ganze Milit\u00e4rsiedlung. Dort lernte ich \"Abwehr\" <em>(Rufzeichen)<\/em> kennen, der die Donezker Gruppierung befehligte. Gleichzeitig kam ich zu einem Mobiltelefon, obwohl das verboten war.\r\n\r\nIn der Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen kontrollierte man mich weiterhin. Verraten habe ich mich nicht durch meine eigene Unprofessionalit\u00e4t, sondern durch deren Inkompetenz.\r\n\r\nZuerst setzte man zu uns in den Keller den Bruder des Chefs der \u00f6rtlichen Spionageabwehr. Er hatte jedoch solch eine Story, dass f\u00fcr uns alles sofort klar war.\r\n\r\nDoch einen Aufh\u00e4nger gab es, der mich h\u00e4tte verraten k\u00f6nnen, aber sie ergriffen die Chance nicht.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5785\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5.png\"><img class=\"wp-image-5785\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/5.png\" alt=\"5\" width=\"700\" height=\"399\" \/><\/a> Bild. \u201eVolksb\u00fcrgermeister\u201c von Slowjansk Wjatscheslaw Ponomarjow mit Leibw\u00e4chtern aus Strelkows Gruppierung[\/caption]\r\n\r\nMeine erste Information \u00fcbergab ich \u00fcber Semenowka \u2013 die Truppenst\u00e4rke, die Stellung. Damals war es ein Gefahrenherd. Ich fuhr dorthin.\r\n\r\nIch besch\u00e4ftigte mich haupts\u00e4chlich mit dem \u201eAlltagsleben\u201c - der Unterbringung vom Personal, ich brachte Lebensmittel, Betten. Einmal wollte Abwehr, dass patriotische Musik der DVR spiele (irgendwelche \u00f6rtliche Gruppen). Ich meldete mich zum Helfen.\r\n\r\nIm Gro\u00dfen und Ganzen unterhielt ich mich mit Einheimischen, die in die Volkswehr gingen. Ihre Motivation ware simpel. Dort herrschte ein Informations-Vakuum und alles, was sie ihnen in die Ohren gossen, haben sie sich angeh\u00f6rt. Dann versammelte man sie und erz\u00e4hlte ihnen von unseren Verlusten. Nat\u00fcrlich enorm \u00fcberzogen. Genau wie bei uns, ehrlich gesagt.\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Fremde: die Besatzung<\/strong><\/h4>\r\nDie Soldaten-Stufe war f\u00fcr mich uninteressant. Es musste h\u00f6her gehen. Aus den Reihen der S\u00f6ldner befanden sich dort damals Motorola und Bai. Motorola lernte ich in Semeniwka kennen. Ich brachte Lebensmittel in das Caf\u00e9 \u201eMeteliza\u201c, und unsere Leute starteten den Beschuss. Motorola kam sehr k\u00e4mpferisch angerannt, aus irgendeinem Grund erschien er damals so robust, und begann die Berechnung f\u00fcr den M\u00f6rser-Beschuss zu befehligen.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/W23MIAOENaU[\/embed]\r\n\r\nDamals war er Kommandeur des St\u00fctzpunktes. Er schien mir ein guter Kommandeur zu sein, da 60 seiner Untergeordneten den St\u00fctzpunkt gegen unsere Leute \u00fcber drei Monate hielten. Aber jetzt verstehe ich, dass es nicht sein Verdienst war, sondern der unserer Inkompetenz.\r\n\r\nMit Lux stand ich rege in Kontakt. Er ist kein echter Kommandeur \u2013 ein YouTube-Star. \u00c4ngstlich, doch er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/DjcbosZScbY[\/embed]\r\n\r\nIch betrachte die Kommandeure nicht als gut oder schlecht. Mein Kriterium \u2013 die Effizienz der Einheit. Die K\u00e4mpfer allerdings zogen\u00a0damals hinter den Kriegsherren. Man sage was man will, sie haben eine starke Ausstrahlung.\r\n\r\nIn Gespr\u00e4chen mit ihnen positionierte ich mich ausschlie\u00dflich als Wehrexperte\u00a0f\u00fcr Informationsschutz. Ich wusste, wie querfeldein Video\u00fcberwachungen auf St\u00fctzpunkten einzurichten sind. Im Endeffekt haben sie nichts verwirklicht, doch Hauptsache - klugschei\u00dfen.\r\n\r\nMit Girkin unterhielt ich mich oberfl\u00e4chlich einige Male. Das erste Mal \u2013 er kam in den Keller und fragte, was ich dort mache. Ich scherzte, ich sei ein \u2013 Pravosek <em>(die Bezeichnung der Russen f\u00fcr Mitglieder des Rechten\u00a0Sektors)<\/em> und Maidan-Teilnehmer. Sp\u00e4ter begriff ich, dass der Scherz ungl\u00fccklich war. Einmal unterhielten wir uns, als ich die Fotoaufnahme organisierte. Girkin ist ein schwieriger Mensch, den ich nicht knacken konnte. Es ist unklar was er denkt. F\u00fcr die K\u00e4mpfer war er eine Autorit\u00e4tsperson.\r\n\r\nDie Kriegsherren begegneten ihn herablassend. Es ist ein Fakt, dass die gesamte Versorgung an ihm hing. Er war ein Mensch, der etwas kl\u00e4ren konnte. Ein Mensch, dem man gew\u00e4hren wird.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5786\" align=\"aligncenter\" width=\"701\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6.png\"><img class=\"wp-image-5786 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/6.png\" alt=\"6\" width=\"701\" height=\"394\" \/><\/a> Bild. K\u00e4mpfer bauen einen Checkpoint bei Slowjansk.[\/caption]\r\n\r\nDort gab es Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern. Es gab eine junge Frau (Scharfsch\u00fctze) aus Wei\u00dfrussland. Es kam noch ein junger Mann, weil er sich zu viele russische Kan\u00e4le angesehen hatte. Sa\u00df eine Weile in Sch\u00fctzengr\u00e4ben, dann sagte er, dass er niemanden sieht, den er besch\u00fctzen sollte und wollte mit einem Freund gehen. Einem von ihnen wurde Vaterlandsverrat angeh\u00e4ngt und dann sind beide verschwunden. Was mit ihnen passiert ist - wei\u00df ich nicht.\r\n\r\nRussen gab es damals noch wenige. Das waren durchreisende Einheiten, die sich mit Feinarbeiten besch\u00e4ftigten. In Sch\u00fctzengr\u00e4ben sa\u00dfen sie nicht, Gruben hoben sie nicht aus, an der Verteidigung nahmen sie nicht teil. Diejenigen, die mit den einfachen Aufst\u00e4ndischen\u00a0sprachen, fielen nicht sonderlich auf, \u201ePorebrik\u201c<em> (russisch f\u00fcr Bordstein, das Wort wird gr\u00f6\u00dftenteils nur in Sankt-Petersburg verwendet)<\/em> sagten sie nicht.\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong>Der R\u00fcckweg<\/strong><\/h4>\r\nDie Hauptinformation \u2013 die Stellung der Truppen, die Truppenst\u00e4rke und den R\u00fcckzugszeitpunkt aus Slowjansk \u2013 sammelte und \u00fcbergab ich schrittweise. Die Truppenst\u00e4rke \u2013 1824 Mann \u2013 erfuhr ich zuf\u00e4llig, aufgrund ihrer Inkompetenz: sie warfen die Listen f\u00fcr die Verpflegung in den M\u00fcll.\r\n\r\nDen R\u00fcckzug bereiteten sie im Vorfeld vor. Mir ist selbst bewusst, dass das die einzige offene Stra\u00dfe war. Die Route besprachen die Kriegsherren unter sich. Die Genauigkeit des R\u00fcckzugszeitpunktes, die ich \u00fcbergab, stimmte bis auf plus\/minus zwei Stunden \u00fcberein.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/t24Btu_lwGY[\/embed]\r\n\r\nDie Kolonne, die von unseren Leuten zwischen Slowjansk und Kramatorsk zerst\u00f6rt wurde, um angeblich zu zeigen, dass wir die Separatisten aufhielten, hat sich in Wirklichkeit verfahren. Sie waren keine Einheimischen und sind einfach in die falsche Richtung gefahren.\r\n\r\nDie Hauptstra\u00dfe wurde nicht gesperrt, da es ein Abkommen zwischen Unseren und den Separatisten gab. Das ist klar. Und damals erschien mir das auch richtig so. Slowjansk haben wir nicht einnehmen k\u00f6nnen. Man h\u00e4tte entweder alle St\u00e4dte befreien und sie nach Donezk dr\u00e4ngen oder k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Heute wei\u00df ich, dass man den Weg h\u00e4tte abschneiden m\u00fcssen und sie in Slowjansk erledigen. Abschneiden und zermalmen.\r\n\r\n[embed]https:\/\/youtu.be\/yMHE6Jy641U[\/embed]\r\n\r\nBeim Arbeiten im r\u00fcckw\u00e4rtigen Armeegebiet bef\u00fcrchtete ich am meisten von den eigenen Leuten verraten zu werden. In meiner Anwesenheit gab es ein Gespr\u00e4ch zwischen Abwehr und einem von unseren Leuten. Er bat herauszufinden, wer Informationen durchsickern l\u00e4sst. Es wurden noch zwei Einheimische wegen Spionage-Verdachts festgenommen. Von einem ihrer Telefone, verschickte ich eine SMS. Er wurde mitgenommen aber nach f\u00fcnf Tagen lie\u00df man ihn frei. Traurig w\u00e4re ich nicht, wenn man ihn umgebracht h\u00e4tte.\r\n\r\nEs gab noch einen interessanten Vorfall. Noch vor der Entsendung zu Girkin haben wir einen von der Volkswehr\u00a0auf dem 3. Checkpoint festgenommen. Meine Sturmhaube nahm ich damals nat\u00fcrlich nicht ab. Wir nahmen ihn fest und \u00fcbergaben ihn an unseren SBU und dann traf ich diesen Menschen im SBU-Geb\u00e4ude in Slowjansk.\r\n\r\nIch war sehr erstaunt und redete mit ihm. Er war sehr gespr\u00e4chig und erz\u00e4hlte mir detailliert wie er aus unserem SBU freigekauft wurde. Ein dicker Fisch \u2013 entweder der Leiter der Kolonie von Artemiwsk oder der Aufseher. Girkin behielt ihn in seiner N\u00e4he.\r\n\r\nAls ich die n\u00f6tige Information beisammen hatte, entschied ich mich zu gehen. Doch dann wurde Kulchitsky get\u00f6tet und f\u00fcr mich war das eine Katastrophe \u2013 ich wusste nicht wohin und zu wem. Ich \u00fcbergab alles einem seiner M\u00e4nner im Hauptquartier. Dass ich dort arbeitete, wussten nur zwei Personen: einer wurde get\u00f6tet, mit dem Zweiten gab es keine Verbindung.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5787\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7.png\"><img class=\"wp-image-5787 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/7.png\" alt=\"7\" width=\"700\" height=\"402\" \/><\/a> Bild. Ukrainischer Checkpoint an der Einfahrt nach Slowjansk.[\/caption]\r\n\r\nIch entschied mich auf die klassische Art und Weise zu gehen \u2013 auf Beinen (lacht). Damals sa\u00dfen drei unserer Soldaten in der Isolierzelle f\u00fcr vor\u00fcbergehende Festnahmen. Die offizielle Version \u2013 sie gingen ins Dorf um Wasser zu holen und gerieten in Gefangenschaft. Die inoffizielle \u2013 sie gingen ins Dorf um Vodka zu holen und gerieten in Gefangenschaft. Niemand hat sie geschlagen, sie wurden f\u00fcr den Austausch vorbereitet. Ich konnte Menschen aus der Isolierzelle f\u00fcr \u00f6ffentliche Arbeiten mitnehmen. Ich wollte sie mitnehmen und gehen, doch es ist mir nicht gelungen. Ich \u00fcbermittelte das an den Kontrollpunkt und der Standortkommandant sagte mir, dass Milit\u00e4rangeh\u00f6rige nicht mitgenommen werden d\u00fcrfen.\r\n\r\nUnd da erschien unerwartet der Lux. Ich sprach mit ihm und er fragt: wohin gehst du? Und ich sage, dass ich zum St\u00fctzpunkt ginge. Er bot mir an, mich mitzunehmen. Damals hatte ich noch keinen DVR-Ausweis. Durch die Checkpoints h\u00e4tte man mich nicht passieren lassen und sie w\u00e4ren der Angelegenheit ernsthaft nachgegangen. Doch den Wagen von Lux kannten alle \u2013 und er fuhr mich \u00fcber drei Checkpoints. Sp\u00e4ter ging ich in ein Gesch\u00e4ft und wanderte die Stra\u00dfe, die sie sp\u00e4ter f\u00fcr den Abzug benutzten, nach Kramatorsk hinunter.\r\n\r\nDie Entfernung zwischen Slowjansk und Kramatorsk \u2013 15 Kilometer. Ich lief 70 Kilometer, f\u00fcnf Tage lang. \u00dcber W\u00e4lder zu unseren Leuten zu laufen, war keine Variante \u2013 dort gibt es Sprengfallen. \u00dcber offenes Gel\u00e4nde darf man nicht \u2013 die Separatisten schie\u00dfen einen \u00fcber den Haufen. Ich lief \u00fcber S\u00fcmpfe. Ass nicht. Kam in Kramatorsk an. Dort gab es bereits Aktivit\u00e4ten \u2013 die DVR-ler planten herauszukommen.\r\n\r\nVon dort fuhren mich Freunde nach Swjatohirsk. Von da nach Isjum ins ATO-Hauptquartier. Dort traf ich Leute, mit denen ich arbeitete. Viele Fragen stellte man mir nicht. Nur die Spionageabwehr kam angestr\u00f6mt, wollte wissen, was auf der anderen Seite los ist.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_5788\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8.png\"><img class=\"wp-image-5788 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/05\/8.png\" alt=\"8\" width=\"700\" height=\"398\" \/><\/a> Bild. Aus der ATO \u00fcbergab Lukjanow einige Exponate ins Milit\u00e4rmuseum von TSN.[\/caption]\r\n\r\nF\u00fcr mich ist es immer noch ein R\u00e4tsel, warum Girkin nicht umgebracht wurde. Einmal w\u00f6chentlich, um neun Uhr Morgens hielt er eine Besprechung mit den Kriegsherren auf dem Sommerplatz des SBU ab. Dort h\u00e4tte man eine Granate platzieren k\u00f6nnen und der Krieg w\u00e4re in diesem Abschnitt zu Ende gegangen. Sogar ich hatte den Gedanken zum Held der Ukraine zu werden: die M\u00f6glichkeit ihm die Waffe zu entrei\u00dfen und abzudr\u00fccken bestand, doch gehen h\u00e4tte ich nicht mehr k\u00f6nnen.\r\n\r\nNach meiner R\u00fcckkehr entschied ich mich, mich den ukrainischen Streitkr\u00e4ften anzuschlie\u00dfen. Ging zum Kriegskommissariat in Kiew und eine junge Frau erkl\u00e4rt mir ernsthaft: \u201eSie sind bei uns nicht registriert. Sie m\u00fcssen nach Donezk, sich dort abmelden und zu uns kommen\u201c. Sie sagte das absolut ernst. Ich l\u00e4chelte und fragte: \u201eWo befindet sich Euer Milit\u00e4rkommissar?\u201c.\r\n\r\n<em>Quelle: <a href=\"http:\/\/tsn.ua\/special-projects\/macleod\/\">tsn.ua<\/a>; Photos: <strong>TSN<\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey?fref=ts\">Kateryna Matey.<\/a><\/em>\r\n\r\n&nbsp;","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5779"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5790,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5779\/revisions\/5790"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5782"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}