{"id":599,"date":"2014-10-03T17:28:24","date_gmt":"2014-10-03T17:28:24","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=599"},"modified":"2018-11-25T08:20:31","modified_gmt":"2018-11-25T08:20:31","slug":"lew-schlossberg-befohlen-zu-luegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/lew-schlossberg-befohlen-zu-luegen\/","title":{"rendered":"Lew Schlosberg: Befohlen zu l\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Lew Schlosberg<\/strong>,<em>\u00a0Abgeordneter der Pskower Deputiertenversammlung der Fraktion \u201eJabloko\u201c<\/em>\u00a0<em style=\"line-height: 1.5\">(Anm. d. IN-Red.: Schlosberg ist ein oppositioneller russischer Politiker, der am 30. August 2014 von Unbekannten zusammengeschlagen wurde, nachdem er in einer Pskower Zeitung einen Artikel \u00fcber die Beerdigung zweier in der Ukraine gefallener Fallschirmspringer ver\u00f6ffentlicht hatte)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen L\u00fcge, Abh\u00e4ngigkeit und Tod der Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Im Osten der Ukraine l\u00e4uft weiterhin Krieg. Nach Russland kommen, bei gleichzeitiger vollkommener Verleugnung der Kriegsbeteiligung der russischen Streitkr\u00e4fte, weiterhin russische Staatsb\u00fcrger zur\u00fcck: verwundete, gefallene, lebendige. In diesem unerkl\u00e4rten Krieg sterben russische Soldaten, ihre Beerdigungen finden im ganzen Land statt. Viele Gefallene sind wom\u00f6glich noch immer in der Ukraine und ihre Leichen wurden nicht nach Hause geliefert. Unter den Gefallenen: Milit\u00e4rangeh\u00f6rige der in Pskow stationierten Tschernigowskaja Garde-Fallschirmj\u00e4gerdivision und der 2. Speznas-Brigade GRU. Der russische Staat bel\u00fcgt weiterhin sein Volk und die ganze Welt und behauptet, dass \u201eRussland keine Konfliktpartei zwischen den regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften der Ukraine und den Einwohnern von Gebieten Donezk und Luhansk darstelle\u201c und \u201edass es keine Abteilungen der russischen Armee in der Ukraine g\u00e4be\u201c.<\/p>\n<p>Jeder Tag dieser L\u00fcge bringt neue Tode. Die L\u00fcge t\u00f6tet. Im buchst\u00e4blichen Sinne dieses Wortes. Alle an dieser L\u00fcge Beteiligten sind an den Morden auch beteiligt.<\/p>\n<p>Bald ist es ein Jahr her, seit die Ereignisse in der Ukraine zum Hauptgegenstand der Nachrichten der absoluten Mehrheit der russischen Medien geworden sind. Wenn man das russische Fernsehen anschaltet, so passiert wohl in Russland gar nichts. In die K\u00f6pfe von Dutzenden Millionen Menschen wird rund um die Uhr Informationssprengstoff \u00fcber die Ereignisse in der Ukraine hineingebracht. Und dieser Sprengstoff explodiert jeden Tag.<\/p>\n<p>Besondere Bestialit\u00e4t erreichte die Informationspolitik des russischen Staates in dem Moment, als beschlossen wurde, die russische regul\u00e4re Armee heimlich auf dem Territorium der Ukraine einzusetzen. Unter dem Deckmantel von \u201eFreiwilligen\u201c, \u201eUrlaubern\u201c und \u201eVolkswehr\u201c. An die gutbekannte, aber durch den russischen Staat nicht anerkannte Front wurden Tausende Milit\u00e4rs\u00a0geschickt. Die absolute Mehrheit von ihnen wusste gar nicht, dass sie dahin nicht zu Man\u00f6vern fuhren, sondern in einen Krieg. In jenen Krieg, in dem Menschen Menschen t\u00f6ten. Nichts anderes passiert n\u00e4mlich in Kriegen.<\/p>\n<p>Nichts an diesem globalen Konflikt k\u00f6nnte die russische Gesellschaft so tief und so schmerzvoll spalten, wie die unmittelbare Teilnahme von russischen Soldaten an Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ukraine: ihr Tod, ihre seltsamen geheimen Beerdigungen und die Reaktion des Staates auf jegliche Versuche, die Wahrheit \u00fcber diesen Krieg und seine irreversiblen\u00a0Verluste zu erfahren und bekanntzumachen.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich auf Entscheidung eines einzigen Menschen hin l\u00fcgt der russische Staat seit \u00fcber einem halben Jahr\u00a0jeden Tag drauflos, die staatliche Propaganda ist an das hitlerische Produktionsvolumen heranger\u00fcckt, Russlands Beziehungen mit der Mehrheit der L\u00e4nder der Welt sind zerst\u00f6rt, ein neuer \u201eEiserner Vorhang\u201c wird errichtet. Und das Tragischste: In diesen vom Staat unerkl\u00e4rten, aber \u00e4u\u00dferst realen Krieg werden Soldaten und Offiziere der russischen Armee geschickt, die da Krieg f\u00fchren, andere Menschen t\u00f6ten und auch selbst get\u00f6tet werden. Ihre Teilnahme an diesem Krieg, ihren Tod in diesem Krieg leugnet der russische Staat.<\/p>\n<p>Verwundete und \u00dcberlebende kommen zur\u00fcck nach Russland, und niemand wei\u00df, wie sich ihr Schicksal nach all dem Erlebten gestaltet. Sie f\u00fcllen die Reihen der \u201eAfghanen\u201c und \u201eTschetschenen\u201c auf.<\/p>\n<p>Der russische Staat hat sich geweigert, der Ukraine einen Krieg zu erkl\u00e4ren. Wahrscheinlich hat er beschlossen, dass es unanst\u00e4ndig sei. Die Armee aber auf der \u201eVolkswehr\u201c-Seite heimlich einzusetzen, in der Hoffnung auf einen \u201eblitzschnellen erfolgreichen Sieg\u201c &#8211; das ist etwas, wie es sich herausstellte, was sich durchaus im Rahmen der staatlich-russischen Anst\u00e4ndigkeit bewegt. Das ist zugelassen. Daf\u00fcr kann man Menschenleben und Volksgeld ausgeben. Die L\u00fcge und das Pharis\u00e4ertum sind zum Markenstil des russischen Staates geworden. Wie im Land selber als auch au\u00dferhalb dessen.<\/p>\n<p>Infolge all dieser Ereignisse herrscht nun in der russischen Gesellschaft nicht nur Spaltung, sondern eine direkte Vorahnung eines B\u00fcrgerkrieges. Die L\u00fcge verbreitet immer Hass. Gef\u00fcllt mit Ausd\u00fcnstungen der Staatspropaganda sind manche russische B\u00fcrger bereit zu hassen und andere russische B\u00fcrger sogar zu t\u00f6ten: nur daf\u00fcr, weil sie mit dem russischen Staat nicht einverstanden sind.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrger Russlands, die gegen diesen niedertr\u00e4chtigen Bruderkrieg protestieren, die versuchen, die Wahrheit herauszufinden, die Namen von Verwundeten und Gefallenen festzustellen, werden nicht nur von bezahlten staatlichen Propagandisten, die l\u00e4ngst ihre Ehre und Gewissen aufgegeben haben, sondern auch von russischen Durchschnittsb\u00fcrgern mit zu F\u00e4usten geballten H\u00e4nden als \u201eVerr\u00e4ter\u201c und \u201ef\u00fcnfte Kolonne\u201c beschimpft. Es wird dazu aufgerufen, die mit der Obrigkeit Uneinigen aus dem Land zu vertreiben, zu verhaften, anzuklagen. Wof\u00fcr? F\u00fcr die Uneinigkeit mit dem Staat.<\/p>\n<p>Es stellte sich heraus, dass die Wahrheitssuche und der Kampf um den Frieden gegen den Krieg, wie auch die Aufrufe zur Beendigung der Morde und zum Erhalt des Lebens von der schweren Hand des russischen Staates nun als \u201eVerrat\u201c deklariert wurden.<\/p>\n<p>Und die Lobpreisung dieses Krieges, das Entfachen des Hasses zwischen Menschen und V\u00f6lkern, die Verbreitung von L\u00fcgen und Beleidigungen werden nun ein \u201eDienst in staatlichem Interesse\u201c genannt.<\/p>\n<p>Solche Interessen hat nun der russische Staat.<\/p>\n<p>Der russische Staat ist satanisch geworden. Das Schwarze ist nun wei\u00df, das Wei\u00dfe ist schwarz.<\/p>\n<p>Die Begriffe von Gut und B\u00f6se haben nicht nur die Pl\u00e4tze getauscht, sie sind verschwommen bis zur Unkenntlichkeit. Man darf nun alles. Alles was man will. Das Schlimmste, was in einem Volk erweckt werden kann, ist aufgewacht. Niemals in der ganzen postsowjetischen Zeit war unser Land so vollkommen bereit f\u00fcr den Faschismus. Und das ist ein Produkt der L\u00fcge.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man jetzt eine \u00f6ffentliche Exekution ausrufen, w\u00fcrden die Stadtpl\u00e4tze nicht leer sein. Das Volk lechzt nach Blut seinesgleichen, also nach seinem eigenen Blut.<\/p>\n<p>Die Hass-Nachtigalle besingen diese moralische Volkskatastrophe von den gro\u00dfen Fernsehbildschirmen mit so einer Speichelabsonderung, mit solch&#8216; einer Eifrigkeit und Begeisterung, dass man eine bescheidene Strafma\u00dfnahme ins russische Strafgesetzbuch\u00a0eintragen m\u00f6chte: \u201eEntzug des Rechts auf Berufsaus\u00fcbung lebensl\u00e4nglich\u201c, ohne ein Recht auf Begnadigung.<\/p>\n<p>Auf dem Pulverfass der gesamtnationalen wirtschaftlichen Krise sitzend, sich am Anfang eines Armutsaufschlags befindend, und f\u00fcr viele Menschen einfach nur des Hungers, ern\u00e4hrt sich das Land vom Hass und ist bereit, den Teil von sich selbst zu vernichten, der mit der \u201ePolitik der Partei und der Regierung\u201c nicht einverstanden ist.<\/p>\n<p>Selbst wenn man sich eine Sonderoperation zur Volksvernichtung in seiner Gesamtheit in Russland ausdenken k\u00f6nnte, so ist eine gef\u00e4hrlichere als die vor unseren Augen gerade ablaufende Operation absolut unm\u00f6glich auszudenken. Nach solchen Trag\u00f6dien verfaulen und zerfallen die V\u00f6lker.<\/p>\n<p>Die Haupthoffnung ist hier damit verbunden, dass jedes Volk einen Lebenswillen besitzt: nicht im Sinne des\u00a0Willen eines einzelnen Menschen, sondern als das kollektive Unbewusste eines Volkes, das auf G\u00fcte basiert, das wenigstens teilweise die \u00fcberlebten Volkswurzeln besch\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Damit dieser Lebenswille in der Atmosph\u00e4re des zerfressenden, vom Staat auferzogenen Menschenhasses zutage treten kann, m\u00fcssen bestimmte Ereignisse geschehen, die diesen Willen erwecken. Der Preis f\u00fcr diese Ereignisse ist unbekannt. Das kann entweder sehr schwer oder sehr teuer werden. Darauf kann man nicht vorbereitet sein, aber verstehen muss man es.<\/p>\n<p>Aber sogar in der Atmosph\u00e4re dieses allgemeinen Wahnsinns gibt es das Recht und die Pflicht eines jeden konkreten Menschen nicht verr\u00fcckt zu werden. Es gibt die Verpflichtung eines einzelnen Menschen vor sich selbst und vor seinen Nahestehenden, sich von der Boshaftigkeit nicht vergiften zu lassen, nicht zu einem Teil davon zu werden. Nicht nur keine Beteiligung an der Gewalt und der L\u00fcge, sondern auch ein aktiver Widerstand gegen\u00fcber diesen sind gefragt. Denn sobald das nach dem geistigen Anfall von Umnachtung \u00fcberlebt habende Volk wieder nach seinen moralischen Wurzeln suchen wird, wird es sich auf die lebendigen Taten seiner Mitb\u00fcrger st\u00fctzen m\u00fcssen. Das morgige Volk wird es bitter n\u00f6tig haben zu wissen, dass nicht alle jenseits Gut und B\u00f6se gelandet waren.<\/p>\n<p>Das Volk muss seine Verluste kennen und ihre Gr\u00fcnde verstehen. Was wei\u00df Russland nun \u00fcber den tragischen Tod der Pskower Fallschirmj\u00e4ger in den Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ukraine?<\/p>\n<p>Vor einer Woche hat das Lewada-Zentrum eine russlandweite Umfrage zu diesem Thema durchgef\u00fchrt, und hat am 29. September die Resultate ver\u00f6ffentlicht. Und wie in einem verstaubten alten Spiegel erkennt man an diesen relativen Angaben, wie zersplittert das Land ist.<\/p>\n<p>Man sollte ber\u00fccksichtigen, dass diese gesellschaftliche Meinung sich unter den Bedingungen der totalen staatlichen Hass-, Feindschafts- und Kriegspropaganda gebildet hat.<\/p>\n<p>Die Anzahl jener\u00a0Russen, die \u00fcber den Tod der Pskower Fallschirmspringer auf dem Territorium der Ukraine geh\u00f6rt haben, ist fast gleich mit der Zahl derjenigen, die nichts davon wissen (46% gegen 50%), dabei haben nur 7% \u201eviel dar\u00fcber gelesen und geh\u00f6rt\u201c, und 39% \u201ehaben geh\u00f6rt, aber ohne Einzelheiten\u201c.\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">Die Mehrheit der Befragten (54%), die irgendwie mit der Geschichte \u00fcber die gefallenen Fallschirmj\u00e4ger vertraut ist, glaubt, dass sie Freiwillige waren, die selbstst\u00e4ndig zur Hilfe f\u00fcr die \u201eVolkswehr\u201c geeilt sind. 22% der Befragten, die \u00fcber die gefallenen Soldaten geh\u00f6rt haben, glauben, dass die <\/span><span style=\"line-height: 1.5\">Soldaten<\/span><span style=\"line-height: 1.5\">\u00a0von ihren direkten Vorgesetzten dahin geschickt wurden, was die absolute Verkennung des Mechanismus von Entschlussfassung und seiner Ausf\u00fchrung in der Armee seitens dieser Menschen erkennen l\u00e4sst.<\/span><\/p>\n<p>Russen, die mit den Einzelheiten des Todes dieser Armeeangeh\u00f6rigen gar nicht vertraut sind, neigen dazu zu denken, dass all das nur Desinformation sei, was auch irgendwie logisch ist.<\/p>\n<p>Der Begriff \u201eFreiwilliger\u201c ist zu einem universellen Soldaten dieses Infokrieges geworden: Wenn sich ein Mensch mit dieser Formulierung einverstanden erkl\u00e4rt, nimmt er diese Verantwortung nicht nur dem Staat ab &#8211; er weist die Verantwortung f\u00fcr diese Opfer auch als B\u00fcrger dieses Staates von sich zur\u00fcck. Sie wollten doch selbst in den Krieg ziehen, haben auf ihren eigenen Wunsch ihr Leben riskiert, und so ist es nun gekommen, dass sie gestorben sind.<\/p>\n<p>Diese Arglist befindet sich am Rande des Zynismus, und viele Menschen sp\u00fcren es instinktiv, verstecken sich aber hinter verlogenen Definitionen &#8211; so ist es einfacher zu leben, ruhiger zu schlafen. Nat\u00fcrlich nur f\u00fcr solche, die dieser Krieg nicht pers\u00f6nlich getroffen hat.<\/p>\n<p>Auf die Frage <em>\u201eGlauben Sie den Meldungen \u00fcber die Verluste unter den russischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, die am Krieg in der Ukraine teilnehmen\u201c<\/em> haben 42% der Befragten geantwortet, dass sie diesen glauben, 31% glauben es nicht, und 27% haben sich enthalten.<\/p>\n<p>Die Forscher stellen fest, dass im Gesellschaftsbewusstsein Russlands eine Fragmentierung, eine Unklarheit \u00fcber die Beteiligung der russischen B\u00fcrger an den K\u00e4mpfen\u00a0in der Ostukraine erhalten bleibt.<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen ist die Zahl derer, die eine Beteiligung von russischen Milit\u00e4rs\u00a0an den ukrainischen Ereignissen bef\u00fcrworten, noch immer in der Mehrheit (57%). Aber im Vergleich zum Fr\u00fchling dieses Jahres hat sich der Anteil der Bef\u00fcrworter, welche die Teilnahme der russischen B\u00fcrger am Krieg in der Ukraine als \u201evoll und ganz positiv\u201c bewerten, deutlich verringert: von 24% im M\u00e4rz auf 13% im September.<\/p>\n<p>Sehr wichtig: 40% der Befragten glauben, dass der Tod russischer B\u00fcrger infolge der russischen Unterst\u00fctzung der \u201eVolkswehr\u201c mit nichts zu rechtfertigen ist, diese Menschen haben sich mit der Formulierung <em>\u201eDas ist unm\u00f6glich und ungerechtfertigt, denn Russland f\u00fchrt einen verdeckten unerkl\u00e4rten Krieg, und die Soldaten werden zu dessen Geiseln\u201c<\/em> einverstanden erkl\u00e4rt. Nur jeder dritte Befragte ist \u00fcberzeugt, dass Russland der \u201eVolkswehr\u201c Hilfe leisten m\u00fcsste, in dem es Soldatenleben opfert, denn das ist <em>\u201eunvermeidbar und gerechtfertigt\u201c<\/em>. Ein weiteres Drittel der Befragten konnte diese Frage nicht beantworten.<\/p>\n<p>Man muss erkennen, dass dies in Anbetracht der monatelangen, tagt\u00e4glichen und st\u00fcndlichen Gehirnmassage der Bev\u00f6lkerung durch die Staatspropaganda nicht das Schlimmste aller m\u00f6glichen Resultate\u00a0ist. Menschen, die die Wahrheit erfahren wollen, suchen nach dieser in den nicht sonderlich zahlreichen unabh\u00e4ngigen Medien, in den sozialen Netzwerken, auf den Internetforen. Und die Wahrheit findet ihren Weg.<\/p>\n<p>Aber wie kann man die L\u00fcge aufhalten? Was kann den Krieg stoppen? Was kann die Menschen retten?<\/p>\n<p>Solche Hebel gibt es im russischen Staat nicht. Sie sind entweder abgebrochen oder paralysiert.<\/p>\n<p>Dem russischen Staat wurde befohlen zu l\u00fcgen &#8211; und er l\u00fcgt, stolpert nur \u00fcber Details, wenn die Anweisungen zur L\u00fcgeninterpretation nicht gleichzeitig bei allen L\u00fcgnern ankommen. Von alleine wird dieser Staat nie stehenbleiben.<\/p>\n<p>Den russischen Staat kann nur die gesellschaftliche Meinung aufhalten, eine massenhafte Bewertung der Ereignisse seitens des Volkes. Die Volksstimme gegen den Krieg. Direkte Erkl\u00e4rungen der Menschen, dass sie nie wieder diejenigen w\u00e4hlen werden, die den Krieg unterst\u00fctzt haben, die an der Kriegspropaganda teilgenommen haben, die Menschen wegen ihrer politischer Ambitionen in den Tod\u00a0geschickt haben. Dass sie nie wieder diejenigen w\u00e4hlen, die gelogen haben.<\/p>\n<p>Dieser Meinung sind weitaus mehr Menschen, als man Stimmen der Ablehnung und des Protestes h\u00f6rt. Viele Menschen beschlie\u00dfen, dar\u00fcber zu schweigen, behalten ihre Meinung f\u00fcr sich im Geheimen, bei sich. Weil sie Angst haben. Aber: Sie nehmen an der L\u00fcge nicht teil.<\/p>\n<p>Umso wichtiger sind in der Gesellschaft die Stimmen derer, die auch Angst haben, f\u00fcr die aber die Einsicht in Handlungsnotwendigkeit das Angstniveau \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p>Was ist st\u00e4rker: die Angst um sich oder die Angst um das Volk, um die Folgen dessen, in was der Staat das Volk verwandelt? Jeder muss diese Frage f\u00fcr sich selbst beantworten.<\/p>\n<p>Lebenswichtig ist jedoch, dass es so viele wie m\u00f6glich solche Menschen\u00a0gibt.<\/p>\n<p>Die L\u00fcge vervielfacht Gewalt und Tod. Die L\u00fcge beklaut ein Volk seiner Zukunft, beraubt es seines Seelenfriedens und des Friedens in seinem Land. Die L\u00fcge verdirbt das Volk.<\/p>\n<p>Aber L\u00fcge ist zeitweilig.<\/p>\n<p>Es wird der Tag kommen, an dem die Wahrheit ans Licht kommen wird.<\/p>\n<p>Es werden offiziell die Namen der Gefallenen genannt werden. Wir hoffen &#8211; aller. Es werden offiziell die Namen der Befehlshabenden genannt werden. Wir hoffen &#8211; aller, angefangen bei dem allerersten. F\u00fcr diejenigen, die nun glauben, dass die Information \u00fcber die Teilnahme der russischen Armee am Krieg in der Ukraine und \u00fcber die gefallenen russischen Soldaten eine Unwahrheit ist, wird es einen gro\u00dfen moralischen Schock bedeuten. Es wird die Zerst\u00f6rung ihres Weltbilds sein, das auf einer L\u00fcge aufgebaut war.<\/p>\n<p>Und dann wird es klar werden, dass derjenige ein Verr\u00e4ter ist, der \u00fcber die Nicht-Teilnahme am Krieg l\u00fcgt, \u00fcber die Verluste, \u00fcber die Beerdigungen&#8230; Ein Verr\u00e4ter ist derjenige, der sein Volk bel\u00fcgt und es verdummt, um im Volk den Hass zu sch\u00fcren und dann diesen Hass f\u00fcr sich auszunutzen.<\/p>\n<p>Die L\u00fcge ist eine Sprache des Verrats, die Sprache des Volksverrats.<\/p>\n<p>Und die Sprache der Wahrheit ist die Sprache der Volkstreue.<\/p>\n<p>Alles wird an seinen Platz fallen.<\/p>\n<p>Das Wei\u00dfe wird wieder wei\u00df, das Schwarze schwarz.<\/p>\n<p>Der Kampf um die Wahrheit ist ein Kampf um das Leben. Das Leben eines einzelnen Menschen und das Leben eines ganzen Volkes.<\/p>\n<p>Jeder Lebende\u00a0hat ein Recht und eine M\u00f6glichkeit zu entscheiden, wof\u00fcr es sich zu k\u00e4mpfen lohnt.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Lew Schlosberg<\/strong>\u00a0in seinem Blog in &#8222;Echo Moskaus&#8220;. Quelle: <a href=\"http:\/\/echo.msk.ru\/blog\/schlosberg_lev\/1409822-echo\/\">echo.msk.ru<\/a>;\u00a0\u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Lew Schlosberg,\u00a0Abgeordneter der Pskower Deputiertenversammlung der Fraktion \u201eJabloko\u201c\u00a0(Anm. d. 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IN-Red.: Schlosberg ist ein oppositioneller russischer Politiker, der am 30. August 2014 von Unbekannten zusammengeschlagen wurde, nachdem er in einer Pskower Zeitung einen Artikel \u00fcber die Beerdigung zweier in der Ukraine gefallener Fallschirmspringer ver\u00f6ffentlicht hatte)<\/em>\r\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen L\u00fcge, Abh\u00e4ngigkeit und Tod der Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\r\nIm Osten der Ukraine l\u00e4uft weiterhin Krieg. Nach Russland kommen, bei gleichzeitiger vollkommener Verleugnung der Kriegsbeteiligung der russischen Streitkr\u00e4fte, weiterhin russische Staatsb\u00fcrger zur\u00fcck: verwundete, gefallene, lebendige. In diesem unerkl\u00e4rten Krieg sterben russische Soldaten, ihre Beerdigungen finden im ganzen Land statt. Viele Gefallene sind wom\u00f6glich noch immer in der Ukraine und ihre Leichen wurden nicht nach Hause geliefert. Unter den Gefallenen: Milit\u00e4rangeh\u00f6rige der in Pskow stationierten Tschernigowskaja Garde-Fallschirmj\u00e4gerdivision und der 2. Speznas-Brigade GRU. Der russische Staat bel\u00fcgt weiterhin sein Volk und die ganze Welt und behauptet, dass \u201eRussland keine Konfliktpartei zwischen den regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften der Ukraine und den Einwohnern von Gebieten Donezk und Luhansk darstelle\u201c und \u201edass es keine Abteilungen der russischen Armee in der Ukraine g\u00e4be\u201c.\r\n\r\nJeder Tag dieser L\u00fcge bringt neue Tode. Die L\u00fcge t\u00f6tet. Im buchst\u00e4blichen Sinne dieses Wortes. Alle an dieser L\u00fcge Beteiligten sind an den Morden auch beteiligt.\r\n\r\nBald ist es ein Jahr her, seit die Ereignisse in der Ukraine zum Hauptgegenstand der Nachrichten der absoluten Mehrheit der russischen Medien geworden sind. Wenn man das russische Fernsehen anschaltet, so passiert wohl in Russland gar nichts. In die K\u00f6pfe von Dutzenden Millionen Menschen wird rund um die Uhr Informationssprengstoff \u00fcber die Ereignisse in der Ukraine hineingebracht. Und dieser Sprengstoff explodiert jeden Tag.\r\n\r\nBesondere Bestialit\u00e4t erreichte die Informationspolitik des russischen Staates in dem Moment, als beschlossen wurde, die russische regul\u00e4re Armee heimlich auf dem Territorium der Ukraine einzusetzen. Unter dem Deckmantel von \u201eFreiwilligen\u201c, \u201eUrlaubern\u201c und \u201eVolkswehr\u201c. An die gutbekannte, aber durch den russischen Staat nicht anerkannte Front wurden Tausende Milit\u00e4rs\u00a0geschickt. Die absolute Mehrheit von ihnen wusste gar nicht, dass sie dahin nicht zu Man\u00f6vern fuhren, sondern in einen Krieg. In jenen Krieg, in dem Menschen Menschen t\u00f6ten. Nichts anderes passiert n\u00e4mlich in Kriegen.\r\n\r\nNichts an diesem globalen Konflikt k\u00f6nnte die russische Gesellschaft so tief und so schmerzvoll spalten, wie die unmittelbare Teilnahme von russischen Soldaten an Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ukraine: ihr Tod, ihre seltsamen geheimen Beerdigungen und die Reaktion des Staates auf jegliche Versuche, die Wahrheit \u00fcber diesen Krieg und seine irreversiblen\u00a0Verluste zu erfahren und bekanntzumachen.\r\n\r\nWom\u00f6glich auf Entscheidung eines einzigen Menschen hin l\u00fcgt der russische Staat seit \u00fcber einem halben Jahr\u00a0jeden Tag drauflos, die staatliche Propaganda ist an das hitlerische Produktionsvolumen heranger\u00fcckt, Russlands Beziehungen mit der Mehrheit der L\u00e4nder der Welt sind zerst\u00f6rt, ein neuer \u201eEiserner Vorhang\u201c wird errichtet. Und das Tragischste: In diesen vom Staat unerkl\u00e4rten, aber \u00e4u\u00dferst realen Krieg werden Soldaten und Offiziere der russischen Armee geschickt, die da Krieg f\u00fchren, andere Menschen t\u00f6ten und auch selbst get\u00f6tet werden. Ihre Teilnahme an diesem Krieg, ihren Tod in diesem Krieg leugnet der russische Staat.\r\n\r\nVerwundete und \u00dcberlebende kommen zur\u00fcck nach Russland, und niemand wei\u00df, wie sich ihr Schicksal nach all dem Erlebten gestaltet. Sie f\u00fcllen die Reihen der \u201eAfghanen\u201c und \u201eTschetschenen\u201c auf.\r\n\r\nDer russische Staat hat sich geweigert, der Ukraine einen Krieg zu erkl\u00e4ren. Wahrscheinlich hat er beschlossen, dass es unanst\u00e4ndig sei. Die Armee aber auf der \u201eVolkswehr\u201c-Seite heimlich einzusetzen, in der Hoffnung auf einen \u201eblitzschnellen erfolgreichen Sieg\u201c - das ist etwas, wie es sich herausstellte, was sich durchaus im Rahmen der staatlich-russischen Anst\u00e4ndigkeit bewegt. Das ist zugelassen. Daf\u00fcr kann man Menschenleben und Volksgeld ausgeben. Die L\u00fcge und das Pharis\u00e4ertum sind zum Markenstil des russischen Staates geworden. Wie im Land selber als auch au\u00dferhalb dessen.\r\n\r\nInfolge all dieser Ereignisse herrscht nun in der russischen Gesellschaft nicht nur Spaltung, sondern eine direkte Vorahnung eines B\u00fcrgerkrieges. Die L\u00fcge verbreitet immer Hass. Gef\u00fcllt mit Ausd\u00fcnstungen der Staatspropaganda sind manche russische B\u00fcrger bereit zu hassen und andere russische B\u00fcrger sogar zu t\u00f6ten: nur daf\u00fcr, weil sie mit dem russischen Staat nicht einverstanden sind.\r\n\r\nDie B\u00fcrger Russlands, die gegen diesen niedertr\u00e4chtigen Bruderkrieg protestieren, die versuchen, die Wahrheit herauszufinden, die Namen von Verwundeten und Gefallenen festzustellen, werden nicht nur von bezahlten staatlichen Propagandisten, die l\u00e4ngst ihre Ehre und Gewissen aufgegeben haben, sondern auch von russischen Durchschnittsb\u00fcrgern mit zu F\u00e4usten geballten H\u00e4nden als \u201eVerr\u00e4ter\u201c und \u201ef\u00fcnfte Kolonne\u201c beschimpft. Es wird dazu aufgerufen, die mit der Obrigkeit Uneinigen aus dem Land zu vertreiben, zu verhaften, anzuklagen. Wof\u00fcr? F\u00fcr die Uneinigkeit mit dem Staat.\r\n\r\nEs stellte sich heraus, dass die Wahrheitssuche und der Kampf um den Frieden gegen den Krieg, wie auch die Aufrufe zur Beendigung der Morde und zum Erhalt des Lebens von der schweren Hand des russischen Staates nun als \u201eVerrat\u201c deklariert wurden.\r\n\r\nUnd die Lobpreisung dieses Krieges, das Entfachen des Hasses zwischen Menschen und V\u00f6lkern, die Verbreitung von L\u00fcgen und Beleidigungen werden nun ein \u201eDienst in staatlichem Interesse\u201c genannt.\r\n\r\nSolche Interessen hat nun der russische Staat.\r\n\r\nDer russische Staat ist satanisch geworden. Das Schwarze ist nun wei\u00df, das Wei\u00dfe ist schwarz.\r\n\r\nDie Begriffe von Gut und B\u00f6se haben nicht nur die Pl\u00e4tze getauscht, sie sind verschwommen bis zur Unkenntlichkeit. Man darf nun alles. Alles was man will. Das Schlimmste, was in einem Volk erweckt werden kann, ist aufgewacht. Niemals in der ganzen postsowjetischen Zeit war unser Land so vollkommen bereit f\u00fcr den Faschismus. Und das ist ein Produkt der L\u00fcge.\r\n\r\nW\u00fcrde man jetzt eine \u00f6ffentliche Exekution ausrufen, w\u00fcrden die Stadtpl\u00e4tze nicht leer sein. Das Volk lechzt nach Blut seinesgleichen, also nach seinem eigenen Blut.\r\n\r\nDie Hass-Nachtigalle besingen diese moralische Volkskatastrophe von den gro\u00dfen Fernsehbildschirmen mit so einer Speichelabsonderung, mit solch' einer Eifrigkeit und Begeisterung, dass man eine bescheidene Strafma\u00dfnahme ins russische Strafgesetzbuch\u00a0eintragen m\u00f6chte: \u201eEntzug des Rechts auf Berufsaus\u00fcbung lebensl\u00e4nglich\u201c, ohne ein Recht auf Begnadigung.\r\n\r\nAuf dem Pulverfass der gesamtnationalen wirtschaftlichen Krise sitzend, sich am Anfang eines Armutsaufschlags befindend, und f\u00fcr viele Menschen einfach nur des Hungers, ern\u00e4hrt sich das Land vom Hass und ist bereit, den Teil von sich selbst zu vernichten, der mit der \u201ePolitik der Partei und der Regierung\u201c nicht einverstanden ist.\r\n\r\nSelbst wenn man sich eine Sonderoperation zur Volksvernichtung in seiner Gesamtheit in Russland ausdenken k\u00f6nnte, so ist eine gef\u00e4hrlichere als die vor unseren Augen gerade ablaufende Operation absolut unm\u00f6glich auszudenken. Nach solchen Trag\u00f6dien verfaulen und zerfallen die V\u00f6lker.\r\n\r\nDie Haupthoffnung ist hier damit verbunden, dass jedes Volk einen Lebenswillen besitzt: nicht im Sinne des\u00a0Willen eines einzelnen Menschen, sondern als das kollektive Unbewusste eines Volkes, das auf G\u00fcte basiert, das wenigstens teilweise die \u00fcberlebten Volkswurzeln besch\u00fctzen kann.\r\n\r\nDamit dieser Lebenswille in der Atmosph\u00e4re des zerfressenden, vom Staat auferzogenen Menschenhasses zutage treten kann, m\u00fcssen bestimmte Ereignisse geschehen, die diesen Willen erwecken. Der Preis f\u00fcr diese Ereignisse ist unbekannt. Das kann entweder sehr schwer oder sehr teuer werden. Darauf kann man nicht vorbereitet sein, aber verstehen muss man es.\r\n\r\nAber sogar in der Atmosph\u00e4re dieses allgemeinen Wahnsinns gibt es das Recht und die Pflicht eines jeden konkreten Menschen nicht verr\u00fcckt zu werden. Es gibt die Verpflichtung eines einzelnen Menschen vor sich selbst und vor seinen Nahestehenden, sich von der Boshaftigkeit nicht vergiften zu lassen, nicht zu einem Teil davon zu werden. Nicht nur keine Beteiligung an der Gewalt und der L\u00fcge, sondern auch ein aktiver Widerstand gegen\u00fcber diesen sind gefragt. Denn sobald das nach dem geistigen Anfall von Umnachtung \u00fcberlebt habende Volk wieder nach seinen moralischen Wurzeln suchen wird, wird es sich auf die lebendigen Taten seiner Mitb\u00fcrger st\u00fctzen m\u00fcssen. Das morgige Volk wird es bitter n\u00f6tig haben zu wissen, dass nicht alle jenseits Gut und B\u00f6se gelandet waren.\r\n\r\nDas Volk muss seine Verluste kennen und ihre Gr\u00fcnde verstehen. Was wei\u00df Russland nun \u00fcber den tragischen Tod der Pskower Fallschirmj\u00e4ger in den Kampfhandlungen auf dem Territorium der Ukraine?\r\n\r\nVor einer Woche hat das Lewada-Zentrum eine russlandweite Umfrage zu diesem Thema durchgef\u00fchrt, und hat am 29. September die Resultate ver\u00f6ffentlicht. Und wie in einem verstaubten alten Spiegel erkennt man an diesen relativen Angaben, wie zersplittert das Land ist.\r\n\r\nMan sollte ber\u00fccksichtigen, dass diese gesellschaftliche Meinung sich unter den Bedingungen der totalen staatlichen Hass-, Feindschafts- und Kriegspropaganda gebildet hat.\r\n\r\nDie Anzahl jener\u00a0Russen, die \u00fcber den Tod der Pskower Fallschirmspringer auf dem Territorium der Ukraine geh\u00f6rt haben, ist fast gleich mit der Zahl derjenigen, die nichts davon wissen (46% gegen 50%), dabei haben nur 7% \u201eviel dar\u00fcber gelesen und geh\u00f6rt\u201c, und 39% \u201ehaben geh\u00f6rt, aber ohne Einzelheiten\u201c.\u00a0<span style=\"line-height: 1.5\">Die Mehrheit der Befragten (54%), die irgendwie mit der Geschichte \u00fcber die gefallenen Fallschirmj\u00e4ger vertraut ist, glaubt, dass sie Freiwillige waren, die selbstst\u00e4ndig zur Hilfe f\u00fcr die \u201eVolkswehr\u201c geeilt sind. 22% der Befragten, die \u00fcber die gefallenen Soldaten geh\u00f6rt haben, glauben, dass die <\/span><span style=\"line-height: 1.5\">Soldaten<\/span><span style=\"line-height: 1.5\">\u00a0von ihren direkten Vorgesetzten dahin geschickt wurden, was die absolute Verkennung des Mechanismus von Entschlussfassung und seiner Ausf\u00fchrung in der Armee seitens dieser Menschen erkennen l\u00e4sst.<\/span>\r\n\r\nRussen, die mit den Einzelheiten des Todes dieser Armeeangeh\u00f6rigen gar nicht vertraut sind, neigen dazu zu denken, dass all das nur Desinformation sei, was auch irgendwie logisch ist.\r\n\r\nDer Begriff \u201eFreiwilliger\u201c ist zu einem universellen Soldaten dieses Infokrieges geworden: Wenn sich ein Mensch mit dieser Formulierung einverstanden erkl\u00e4rt, nimmt er diese Verantwortung nicht nur dem Staat ab - er weist die Verantwortung f\u00fcr diese Opfer auch als B\u00fcrger dieses Staates von sich zur\u00fcck. Sie wollten doch selbst in den Krieg ziehen, haben auf ihren eigenen Wunsch ihr Leben riskiert, und so ist es nun gekommen, dass sie gestorben sind.\r\n\r\nDiese Arglist befindet sich am Rande des Zynismus, und viele Menschen sp\u00fcren es instinktiv, verstecken sich aber hinter verlogenen Definitionen - so ist es einfacher zu leben, ruhiger zu schlafen. Nat\u00fcrlich nur f\u00fcr solche, die dieser Krieg nicht pers\u00f6nlich getroffen hat.\r\n\r\nAuf die Frage <em>\u201eGlauben Sie den Meldungen \u00fcber die Verluste unter den russischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen, die am Krieg in der Ukraine teilnehmen\u201c<\/em> haben 42% der Befragten geantwortet, dass sie diesen glauben, 31% glauben es nicht, und 27% haben sich enthalten.\r\n\r\nDie Forscher stellen fest, dass im Gesellschaftsbewusstsein Russlands eine Fragmentierung, eine Unklarheit \u00fcber die Beteiligung der russischen B\u00fcrger an den K\u00e4mpfen\u00a0in der Ostukraine erhalten bleibt.\r\n\r\nIm Gro\u00dfen und Ganzen ist die Zahl derer, die eine Beteiligung von russischen Milit\u00e4rs\u00a0an den ukrainischen Ereignissen bef\u00fcrworten, noch immer in der Mehrheit (57%). Aber im Vergleich zum Fr\u00fchling dieses Jahres hat sich der Anteil der Bef\u00fcrworter, welche die Teilnahme der russischen B\u00fcrger am Krieg in der Ukraine als \u201evoll und ganz positiv\u201c bewerten, deutlich verringert: von 24% im M\u00e4rz auf 13% im September.\r\n\r\nSehr wichtig: 40% der Befragten glauben, dass der Tod russischer B\u00fcrger infolge der russischen Unterst\u00fctzung der \u201eVolkswehr\u201c mit nichts zu rechtfertigen ist, diese Menschen haben sich mit der Formulierung <em>\u201eDas ist unm\u00f6glich und ungerechtfertigt, denn Russland f\u00fchrt einen verdeckten unerkl\u00e4rten Krieg, und die Soldaten werden zu dessen Geiseln\u201c<\/em> einverstanden erkl\u00e4rt. Nur jeder dritte Befragte ist \u00fcberzeugt, dass Russland der \u201eVolkswehr\u201c Hilfe leisten m\u00fcsste, in dem es Soldatenleben opfert, denn das ist <em>\u201eunvermeidbar und gerechtfertigt\u201c<\/em>. Ein weiteres Drittel der Befragten konnte diese Frage nicht beantworten.\r\n\r\nMan muss erkennen, dass dies in Anbetracht der monatelangen, tagt\u00e4glichen und st\u00fcndlichen Gehirnmassage der Bev\u00f6lkerung durch die Staatspropaganda nicht das Schlimmste aller m\u00f6glichen Resultate\u00a0ist. Menschen, die die Wahrheit erfahren wollen, suchen nach dieser in den nicht sonderlich zahlreichen unabh\u00e4ngigen Medien, in den sozialen Netzwerken, auf den Internetforen. Und die Wahrheit findet ihren Weg.\r\n\r\nAber wie kann man die L\u00fcge aufhalten? Was kann den Krieg stoppen? Was kann die Menschen retten?\r\n\r\nSolche Hebel gibt es im russischen Staat nicht. Sie sind entweder abgebrochen oder paralysiert.\r\n\r\nDem russischen Staat wurde befohlen zu l\u00fcgen - und er l\u00fcgt, stolpert nur \u00fcber Details, wenn die Anweisungen zur L\u00fcgeninterpretation nicht gleichzeitig bei allen L\u00fcgnern ankommen. Von alleine wird dieser Staat nie stehenbleiben.\r\n\r\nDen russischen Staat kann nur die gesellschaftliche Meinung aufhalten, eine massenhafte Bewertung der Ereignisse seitens des Volkes. Die Volksstimme gegen den Krieg. Direkte Erkl\u00e4rungen der Menschen, dass sie nie wieder diejenigen w\u00e4hlen werden, die den Krieg unterst\u00fctzt haben, die an der Kriegspropaganda teilgenommen haben, die Menschen wegen ihrer politischer Ambitionen in den Tod\u00a0geschickt haben. Dass sie nie wieder diejenigen w\u00e4hlen, die gelogen haben.\r\n\r\nDieser Meinung sind weitaus mehr Menschen, als man Stimmen der Ablehnung und des Protestes h\u00f6rt. Viele Menschen beschlie\u00dfen, dar\u00fcber zu schweigen, behalten ihre Meinung f\u00fcr sich im Geheimen, bei sich. Weil sie Angst haben. Aber: Sie nehmen an der L\u00fcge nicht teil.\r\n\r\nUmso wichtiger sind in der Gesellschaft die Stimmen derer, die auch Angst haben, f\u00fcr die aber die Einsicht in Handlungsnotwendigkeit das Angstniveau \u00fcberschreitet.\r\n\r\nWas ist st\u00e4rker: die Angst um sich oder die Angst um das Volk, um die Folgen dessen, in was der Staat das Volk verwandelt? Jeder muss diese Frage f\u00fcr sich selbst beantworten.\r\n\r\nLebenswichtig ist jedoch, dass es so viele wie m\u00f6glich solche Menschen\u00a0gibt.\r\n\r\nDie L\u00fcge vervielfacht Gewalt und Tod. Die L\u00fcge beklaut ein Volk seiner Zukunft, beraubt es seines Seelenfriedens und des Friedens in seinem Land. Die L\u00fcge verdirbt das Volk.\r\n\r\nAber L\u00fcge ist zeitweilig.\r\n\r\nEs wird der Tag kommen, an dem die Wahrheit ans Licht kommen wird.\r\n\r\nEs werden offiziell die Namen der Gefallenen genannt werden. Wir hoffen - aller. Es werden offiziell die Namen der Befehlshabenden genannt werden. Wir hoffen - aller, angefangen bei dem allerersten. F\u00fcr diejenigen, die nun glauben, dass die Information \u00fcber die Teilnahme der russischen Armee am Krieg in der Ukraine und \u00fcber die gefallenen russischen Soldaten eine Unwahrheit ist, wird es einen gro\u00dfen moralischen Schock bedeuten. Es wird die Zerst\u00f6rung ihres Weltbilds sein, das auf einer L\u00fcge aufgebaut war.\r\n\r\nUnd dann wird es klar werden, dass derjenige ein Verr\u00e4ter ist, der \u00fcber die Nicht-Teilnahme am Krieg l\u00fcgt, \u00fcber die Verluste, \u00fcber die Beerdigungen... Ein Verr\u00e4ter ist derjenige, der sein Volk bel\u00fcgt und es verdummt, um im Volk den Hass zu sch\u00fcren und dann diesen Hass f\u00fcr sich auszunutzen.\r\n\r\nDie L\u00fcge ist eine Sprache des Verrats, die Sprache des Volksverrats.\r\n\r\nUnd die Sprache der Wahrheit ist die Sprache der Volkstreue.\r\n\r\nAlles wird an seinen Platz fallen.\r\n\r\nDas Wei\u00dfe wird wieder wei\u00df, das Schwarze schwarz.\r\n\r\nDer Kampf um die Wahrheit ist ein Kampf um das Leben. Das Leben eines einzelnen Menschen und das Leben eines ganzen Volkes.\r\n\r\nJeder Lebende\u00a0hat ein Recht und eine M\u00f6glichkeit zu entscheiden, wof\u00fcr es sich zu k\u00e4mpfen lohnt.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><strong>Lew Schlosberg<\/strong>\u00a0in seinem Blog in \"Echo Moskaus\". Quelle: <a href=\"http:\/\/echo.msk.ru\/blog\/schlosberg_lev\/1409822-echo\/\">echo.msk.ru<\/a>;\u00a0\u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/em>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/121"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=599"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28853,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599\/revisions\/28853"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}