{"id":6230,"date":"2015-05-19T04:31:57","date_gmt":"2015-05-19T04:31:57","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=6230"},"modified":"2016-02-14T09:20:01","modified_gmt":"2016-02-14T09:20:01","slug":"tschechischer-ukrainist-die-angst-vor-bandera-anhaengern-ist-das-werk-russischer-propaganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/tschechischer-ukrainist-die-angst-vor-bandera-anhaengern-ist-das-werk-russischer-propaganda\/","title":{"rendered":"Tschechischer Ukrainist: die Angst vor Bandera-Anh\u00e4ngern ist das Werk russischer Propaganda."},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Ein Interview mit Historiker des Instituts f\u00fcr Forschung totalit\u00e4rer Regime (Tschechien) David Svoboda. <\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Vom 13. M\u00e4rz 2014<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Die Proteste auf dem Maidan in Kiew\u00a0erweckten\u00a0die Mythen \u00fcber Stepan Bandera wieder zum Leben, wie auch Mythen \u00fcber die Infizierung der Ukraine mit Neonazismus, Antisemitismus und \u00fcber die\u00a0Wiederbelebung der Pogrome. Nach Meinung des Historikers und Ukrainisten David Svoboda n\u00fctze die Moskauer Propaganda diese Mythen geschickt aus, oft mit Erfolg. Das hier\u00a0angef\u00fchrte Interview erschien in der Zeitung &#8222;Insider&#8220; und wurde uns von der Redaktion der Web-Zeitung &#8222;<strong>Aktu\u00e1ln\u011b.cz<\/strong>&#8220; im vollen Umfang zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211;<em> Warum ist pl\u00f6tzlich Bandera auf der &#8222;russisch-ukrainischen B\u00fchne&#8220; wieder aufgetaucht?<\/em><\/p>\n<p><em><strong>David Svoboda:<\/strong><\/em>\u00a0&#8211; Proteste auf dem Kiewer Maidan l\u00f6sten eine sehr angespannte und neurotische Situation aus, in der Ukraine als ein Land auftritt, das sich deutlich emanzipiert und von Russland unabh\u00e4ngig wird. Deshalb ist es n\u00fctzlich zu wissen, dass es eine russische (und ich w\u00fcrde sagen &#8211; auch die sowjetische) leidenschaftliche &#8222;Passion&#8220; f\u00fcr Stepan Bandera und Banderowzy seit dem Zweiten Weltkrieg gibt. Dabei sind &#8222;Banderentum&#8220; und Bandera nur Mutationen im W\u00f6rterbuch russischer Propaganda. Vor Bandera haben die Russen schreckliche Geschichten \u00fcber einen deutlich moderateren Kosaken-Anf\u00fchrer namens Symon Petljura in die Welt gesetzt &#8211; auch er strebte die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine an.<\/p>\n<p>In der antiukrainischen Propaganda nutzt Moskau eine Reihe von verschiedenen Figuren der Geschichte aus. Und Stepan Bandera ist aus ihrer Sicht ein Bandit, Terrorist, Antisemit &#8230; und Gott wei\u00df, wer. Somit erhalten das &#8222;Bandera&#8220;-Etikett auch Bewegungen, die wie aus geographischer so auch\u00a0sozialer Sicht weit von einander entfernt sind. So nannte\u00a0Moskau die baltischen Partisanen auch &#8222;Banderowzy&#8220;. Und sogar die rum\u00e4nischen Partisanen im heutigen Moldawien, die gegen die ukrainischen Nationalisten k\u00e4mpften, seien auch Banderowzy gewesen. Kurz gesagt, im russischen W\u00f6rterbuch steht das Wort &#8222;Bandera&#8220; f\u00fcr &#8222;Bandit&#8220;.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211;<em> Und vielleicht immer noch &#8211; in Tschechien, nicht wahr?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Es stimmt. Hier hat diese Wahrnehmung\u00a0in erster Linie das tschechische Kino\u00a0erschaffen. Es gen\u00fcgt sich an Filme, wie &#8222;Die Schatten des hei\u00dfen Sommers&#8220; oder &#8222;Aktion &#8222;B&#8220; zu erinnern. In &#8222;Aktion &#8222;B&#8220; schiesst einer der k\u00fcnftigen Idole der Dissidenten-Bewegung in der Rolle eines Bandera-Anh\u00e4ngers aus einem Maschinengewehr auf Frauen und Kinder. Somit bekam der Name Bandera zwei Bedeutungen: die revolution\u00e4re &#8211; die Flagge, und die verbrecherische &#8211; ein Bandit und ein M\u00f6rder. Dabei gehen selbst unter den ukrainischen radikalen Nationalisten die Ansichten bez\u00fcglich Stepan Bandera auseinander.<br \/>\n\u00dcbrigens, diese Gruppe ist gar nicht so m\u00e4chtig, wie die russischen Medien behaupten, deren Sch\u00fcren der \u00c4ngste von den westlichen und tschechischen Journalisten \u00fcbernommen wird. Die Publikationen \u00fcber Bandera sind entweder kritiklos lobpreisend, oder umgekehrt &#8211; beleidigend, erniedrigend. F\u00fcr Moskau ist Bandera ein Symbol des\u00a0wilden Hasses und barbarischen Verbrechens sowie der Nazi-Besatzung. Noch sch\u00e4rfer formuliert:\u00a0f\u00fcr Moskau steht Bandera f\u00fcr den tierischen Hass auf die sowjetischen Errungenschaften, die sowjetischen Menschen und die sowjetische Ukraine.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Wie sehen Sie Stepan Bandera?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Moderne\u00a0ukrainische Historiker bezeichnen ihn als &#8222;<em>der romantische Terrorist<\/em>&#8222;. Schlie\u00dflich erg\u00e4nzen sich Terrorismus und Romantik sehr oft. Aber Bandera war vor allem ein Romantiker. Dies resultierte aus der Umgebung, in der er aufwuchs und erzogen wurde. Bandera war ein junger Ukrainer, der dar\u00fcber sehr entr\u00fcstet war, dass sein Volk unter dem Joch der Polen, des bolschewistischen Russlands, Rum\u00e4niens und der Tschechoslowakei verk\u00fcmmerte. Er tr\u00e4umte davon, dass sein Volk sich heldenhaft erheben und von den Fesseln befreien w\u00fcrde. Dies w\u00e4re der erste Schritt zur Erschaffung einer einheitlichen und ungeteilten Ukraine. Dabei h\u00e4tte es f\u00fcr einen Aufstand der unzufriedenen Massen eine Kleinigkeit gereicht \u2013 nur einen kleinen Funken. Im Kampf um Souver\u00e4nit\u00e4t wurde die Gewalt bevorzugt.<\/p>\n<p>Bandera war der Meinung, dass ein parlamentarischer Kampf nur etwas f\u00fcr degenerierte Demokraten oder Schw\u00e4chlinge w\u00e4re, die nie etwas erreicht haben. Die Gewalt im Kampf f\u00fcr die Befreiung der Heimat wurde als heldenhaft betrachtet. Der befreiende und lustrierende Effekt wurde nur in der Gewalt und im Terror gesehen.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Es scheint, als ob es von der Romantik bis zum Fanatismus in der Interpretation von Bandera \u00a0nicht sehr weit war..<\/em>.<\/p>\n<p>&#8211; Offenbar hat er gar keinen Unterschied gesehen. Die Verbrechen wurden im Namen einer guten Idee oder unter der Ablehnung der M\u00e4\u00dfigung begangen. In der Zwischenkriegszeit organisierte Bandera eine Reihe von Angriffen auf die Politiker, die seiner Meinung nach vor der polnischen Obrigkeit einknickten. Dabei waren es Menschen, die die Zukunft der Ukraine in der polnisch-ukrainischen Vers\u00f6hnung auf dem Weg der Kompromisse und gegenseitiger Zugest\u00e4ndnisse sahen. Aber einen solchen Weg lehnte der Terrorist-Romantiker Bandera ab. Er war ein Maximalist mit einer schwarz-wei\u00dfen Weltansicht.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Und genau diese &#8222;dunklen&#8220; Aspekte der Bestrebungen von Bandera nutzt russische Propaganda aus?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Sie tat es immer, aber jetzt tut sie es viel h\u00e4rter. Die Vergangenheit der ukrainischen Unabh\u00e4ngigkeits- und Banderabewegung wird heute von Moskau mehr als je zuvor zum Erwecken der Geister eingesetzt. Oder, wenn man so will &#8211; f\u00fcr die Sensibilisierung f\u00fcr die Ereignisse, f\u00fcr die Europa so empfindlich ist. Hitler und der Nationalsozialismus sto\u00dfen in zivilisierten L\u00e4ndern automatisch auf Ablehnung&#8230; manchmal sogar auf Aberglaube.\u00a0Nazi-Symbole \u00a0l\u00f6sen bei uns Ablehnung aus, die sowjetischen st\u00f6ren uns aber nicht besonders. Und genau auf dieser Saite spielt Moskau-Propaganda geschickt ihr Lied: &#8222;Schaut her! Am Kiewer\u00a0Maidan sind Nazis auferstanden! Juden und die russische Minderheit in der Ukraine sind bedroht! Hier entsteht ein blutr\u00fcnstiger Krater, der die Werte der Zivilisation aufsaugt!&#8220;.<\/p>\n<p>Das heutige Russland vertritt Werte, die man als ultrakonservativ bezeichnen kann. Putins Russland verfolgt Homosexuelle. Putins Russland respektiert rohe Gewalt, nicht mal Frauen werden verschont, wie die Bilder aus Sotschi zeigen, wo Kosakenpatrouille protestierende M\u00e4dchen auspeitschte, die niemanden gef\u00e4hrdeten. Wenn man etwas \u00fcbertreibt und Putins Propagandatechniken anwendet, dann k\u00f6nnte man sagen, dass ausgerechnet Russland nationalistisch ist, und nicht die rebellierende Ukraine.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Kann man Stepan Bandera die Verbrechen zur Last legen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen und der Slowakei von so genannten &#8222;Banderowzy&#8220; begangen wurden?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Darin ist die Verr\u00fccktheit der Situation. Die Geschichte der Ukraine ist so tragisch und verwirrend, dass sich die Begriffe systematisch \u00fcberdecken. Eine Sache ist Bandera als solcher, und eine ganz andere &#8211; die Banderowzy. Stepan Bandera arbeitete mit seinen Kollegen nur kurz &#8211; bis ihn die Nazis inhaftierten. Seitdem hatte er keinen Kontakt zu der &#8222;Bandera- Bewegung&#8220; in der Ukraine. Gemeint werden\u00a0Banderowzy, die in den W\u00e4ldern von Wolyn waren und diejenigen, die nach dem Krieg durch Mitteleuropa marschierten, und sogar die sp\u00e4teren Banderowzy im amerikanischen Exil.<\/p>\n<p>Es geht um drei Abschnitte des ukrainischen bewaffneten Widerstands, die sich von einander sehr unterscheiden. Dar\u00fcber hinaus war die &#8222;Bandera-Bewegung&#8220; nur ein Teil des Gesamtkampfes f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine, den insbesondere die ukrainische Aufstandsarmee (UPA) verk\u00f6rperte. Die Tatsache ist, dass die UPA und Banderowzy nicht dasselbe sind, obwohl in der sowjetischen, tschechischen, polnischen und anderen Nachkriegspropaganda und bis heute das Gegenteil behauptet wird. Das ist das Gleiche, wenn man die baltischen &#8222;Waldbr\u00fcder&#8220; mit dem &#8222;dritten Widerstand&#8220; in der Tschechoslowakei verwechseln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Fehler besteht darin, dass bis heute in der Tschechischen Republik ukrainische Widerstandsbewegung mit dem Etikett &#8222;Banderowzy&#8220; assoziiert wird.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Was die Etiketten betrifft: als ich mit Menschen auf dem Maidan sprach, bezeichneten sie den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Janukowitsch und die ehemalige Ministerpr\u00e4sidentin Timoschenko als Banditen.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Manchmal ist es schwer zu sagen, inwiefern die Ukrainer es selbst verstehen. Vor einiger Zeit habe ich in Deutschland gesagt, dass ich die ukrainische Widerstandsbewegung studiere. Und sie meinten, sie wussten gleich Bescheid \u00fcber mich &#8211; sie sahen in mir einen Experten auf dem Gebiet &#8222;der ukrainische Banditismus&#8220;. Schlie\u00dflich kann man den Materialien des N\u00fcrnberger Tribunals entnehmen, dass Bandera ein typischer Bandit war. Deshalb sollte man sich nicht wundern, dass Moskau glaubte, die Demonstranten auf dem Maidan seien Faschisten, dabei nannten die Protestierenden den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Janukowitsch genauso. Die aktuelle Restaurierung der \u00c4ngste im Zusammenhang mit dem Namen Stepan Bandera, hinter der oft Ignoranz und Unwissenheit der Geschichte steckt, besch\u00e4ftigt mich sehr.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:\u00a0<\/strong><\/em>&#8211; <em>Seiner Zeit war Stepan Bandera ein Idol der Widerstandsbewegung. Sp\u00e4ter hatte er vielleicht gar keinen realen Einfluss. Dennoch lie\u00df KGB ihn in seinem M\u00fcnchner Exil t\u00f6ten.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; In dem Befehl von Nikita Chruschtschow, Stepan Bandera zu eliminieren, gab es keine Notwendigkeit. Bandera war im Exil v\u00f6llig isoliert. Man k\u00f6nnte ihn als ein &#8222;trauriger Ritter&#8220; bezeichnen, der sich von der ukrainischen politischen Emigration zur\u00fcckzog. Seine Opponenten betrachteten ihn immer noch als einen hartn\u00e4ckigen, unvers\u00f6hnlichen, gef\u00e4hrlichen und intoleranten Tr\u00e4umer, der ihrem Kampf f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine nur sch\u00e4digt. Allerdings halten die heutigen ukrainischen Nationalisten den Mord an Bandera f\u00fcr Beweis seiner Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung. Warum h\u00e4tten\u00a0die Sowjets ihn sonst get\u00f6tet, wenn seine eigenen Kollegen ihn l\u00e4ngst abgeschrieben hatten?<\/span><\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Aber meines Wissens distanzierte sich Bandera als &#8222;tr\u00e4umender Revolution\u00e4r&#8220; nie vom Terror und Gewalt im Kampf f\u00fcr die Freiheit der Ukraine.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Man legte es ihm sehr zur Last, zum Beispiel die Amerikaner, die ihn schlie\u00dflich ein &#8222;intolerantes pestartiges Element nannten, mit dem es wegen seiner Unvertr\u00e4glichkeit seinen Opponenten gegen\u00fcber schwierig zusammenzuarbeiten war&#8220;. Seine Opponenten hielten Bandera f\u00fcr einen Verr\u00e4ter gro\u00dfartiger Idee der unabh\u00e4ngigen Ukraine. Aus seiner Sicht, schlugen sie einen falschen Weg der zweifelhaften Demokratisierung ein. In dieser Hinsicht kann ich Banderas Kritiker verstehen, die ihm Banditentum und Verbrechen vorwarfen.<\/p>\n<p>Er war ein unvers\u00f6hnlicher Gewaltt\u00e4ter. Auf seine Initiative hin wurden Verbrechen sowohl an Ukrainern als auch an Personen anderer Nationalit\u00e4ten begangen, die Bandera f\u00fcr illoyal und undiszipliniert hielt. F\u00fcr diese Morde aus der Nachkriegszeit kann er f\u00fcr einen Verbrecher gehalten werden. Die mildernden Umst\u00e4nde liegen darin, dass seine Opponenten im Zweiten Weltkrieg auf die gleiche Weise gewaltt\u00e4tig waren, und zwar zu der Zeit, als Bandera in einem deutschen Konzentrationslager war.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>Anscheinend nutzt Moskau den Namen von Bandera auf eine alberne Weise aus, dennoch scheint es zu wirken&#8230;<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Wenn die Russen den Heldensagen und nationalistischer Literatur \u00fcber Bandera eine ausgewogene Sicht auf sein Leben gegen\u00fcberstellen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden sie in ihrer antiukrainischen Propaganda viel bessere Ergebnisse erreichen als bisher. Es besteht keinerlei Verbindung zwischen dem Maidan und den ukrainischen Radikalen aus den alten Zeiten.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:\u00a0<\/strong><\/em>&#8211; <em>Der \u00dcbergang von UPA-K\u00e4mpfern oder Banderowzy durch die Slowakei ist f\u00fcr uns vielleicht ein ziemlich heikles Thema&#8230; aber auch vielleicht nur dank der kommunistischen Propaganda.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Der Aufenthalt von Abteilungen der UPA in der Slowakei begann ungef\u00e4hr im Sommer 1945. In der Slowakei erholten sie sich, um sich zu st\u00e4rken, bevor sie zu den K\u00e4mpfen an der polnisch-sowjetischen Grenze zur\u00fcckkehrten, wo die UPA gegen das polnische Regime und den sowjetischen Kommunismus k\u00e4mpfte. Sp\u00e4ter, 1946 versuchte die UPA die Wahlen in der Slowakei zu beeinflussen, indem sie die Menschen \u00fcber den wirklichen russischen Bolschewismus aufkl\u00e4rten.<\/p>\n<p>Dabei befolgten die UPA-Agitatoren strenge Regeln im Umgang mit Menschen in der Slowakei: unter anderem wurde von ihren K\u00e4mpfern\u00a0verlangt, auf das saubere Erscheinungsbild zu achten und Menschen in der Slowakei zu helfen. Sp\u00e4ter, 1947, fand ein gro\u00dfer \u00dcbergang von Einheiten der UPA durch das Territorium der Slowakei statt &#8211; sie wollten den Kampf gegen Stalin im Westen fortsetzen. Damals waren es schon tollk\u00fchne Draufg\u00e4nger, die gegen alle k\u00e4mpften. Vergeblich waren ihre Briefe an die UNO und an den Pr\u00e4sidenten Eduard Benes, in denen sie versuchten, ihre Ziele zu erkl\u00e4ren und auf das tragische Schicksal der versklavten Ukraine hinzuweisen.<\/p>\n<p><em><strong>Insider<\/strong><\/em>: &#8211; <em>F\u00fcr Ihre Ansichten werden Sie wahrscheinlich viel Kritik einstecken m\u00fcssen, die meisten wohl\u00a0von Ihren Zeitgenossen.<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Das ist durchaus m\u00f6glich. Meine Ansicht ist weit von den vereinfachten Vorstellungen entfernt, dass in die Slowakei irgendwelche Lumpen eingedrungen waren, die dann die M\u00e4nner t\u00f6teten und Frauen vergewaltigten. All das sollte man wissen, um eine Bewertung der aktuellen Ereignisse in der Ukraine machen zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich warf die Tschechoslowakei ihre Armeeeinheiten gegen Menschen, \u00fcber die man nichts wusste.<\/p>\n<p>Und diese wollten einfach nur weiterziehen. Daraus entstanden\u00a0aber sinnlose milit\u00e4rische Auseinandersetzungen, bei denen Tschechoslowaken und die UPA-K\u00e4mpfer gefallen waren. Es ist bedauerlich, dass dies vor dem kommunistischen Putsch geschah und dass wir damals Menschen bek\u00e4mpften, die den russischen Bolschewismus am eigenen Leib erfahren hatten. Letztendlich schafften es nur etwa hundertf\u00fcnfzig K\u00e4mpfer von f\u00fcnfhundert herauszukommen, dabei wurden mehrere Dutzend tschechoslowakische Soldaten und Polizisten get\u00f6tet.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em>\u00a0&#8211; <em>Anscheinend ist die Nationalit\u00e4t &#8222;Ukrainer&#8220; ein politisches Ph\u00e4nomen&#8230;<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Aber das ist wahr. Wenn ich jetzt beobachte, wie widerspr\u00fcchlich in der Tschechischen Republik die ukrainischen Protestaktionen auf dem Maidan oder die Behandlung von Verwundeten in Prager Krankenh\u00e4usern aufgenommen werden, muss ich mit Entsetzen feststellen &#8211; ohne \u00dcbertreibung &#8211; welch&#8216; tiefe Wurzeln der Mythos von Bandera in uns geschlagen hat. Die Abneigung den Ukrainern als einer zweifellos politischer Erscheinung gegen\u00fcber h\u00e4ngt in der Luft, und das sp\u00fcre ich. Dabei haben sie nichts anderes getan, als gegen die Diktatur zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em><strong>Insider:<\/strong><\/em> &#8211; <em>In Internet-Diskussionen h\u00f6rt man oft den Einwand: warum sollten wir den Ukrainern helfen?<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Eine solche Position ist ein Zeichen f\u00fcr Faulheit und Unwissenheit. Nachdem die Russen die Ukraine unterwerfen, werden sie zu uns kommen. Wenn wir dran sind, wird es unser Ende sein. Wir werden Zeugen der Wiederherstellung einer Art der UdSSR sein.<\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/www.aktualne.cz\/autori\/jan-gazdik\/l~i:author:248\/\">Jan Gazdik<\/a><\/strong> f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/zpravy.aktualne.cz\">zpravy.actualne.cz\u00a0<\/a>\u00a0am <strong>13. M\u00e4rz 2014<\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/andrij.topchan?fref=ts\">Andrij Topchan<\/a>; redaktiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Historiker des Instituts f\u00fcr Forschung totalit\u00e4rer Regime (Tschechien) David Svoboda. Vom 13. 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M\u00e4rz 2014<\/strong><\/em>\r\n\r\n<em>Die Proteste auf dem Maidan in Kiew\u00a0erweckten\u00a0die Mythen \u00fcber Stepan Bandera wieder zum Leben, wie auch Mythen \u00fcber die Infizierung der Ukraine mit Neonazismus, Antisemitismus und \u00fcber die\u00a0Wiederbelebung der Pogrome. Nach Meinung des Historikers und Ukrainisten David Svoboda n\u00fctze die Moskauer Propaganda diese Mythen geschickt aus, oft mit Erfolg. Das hier\u00a0angef\u00fchrte Interview erschien in der Zeitung \"Insider\" und wurde uns von der Redaktion der Web-Zeitung \"<strong>Aktu\u00e1ln\u011b.cz<\/strong>\" im vollen Umfang zur Verf\u00fcgung gestellt.<\/em>\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> -<em> Warum ist pl\u00f6tzlich Bandera auf der \"russisch-ukrainischen B\u00fchne\" wieder aufgetaucht?<\/em>\r\n\r\n<em><strong>David Svoboda:<\/strong><\/em>\u00a0- Proteste auf dem Kiewer Maidan l\u00f6sten eine sehr angespannte und neurotische Situation aus, in der Ukraine als ein Land auftritt, das sich deutlich emanzipiert und von Russland unabh\u00e4ngig wird. Deshalb ist es n\u00fctzlich zu wissen, dass es eine russische (und ich w\u00fcrde sagen - auch die sowjetische) leidenschaftliche \"Passion\" f\u00fcr Stepan Bandera und Banderowzy seit dem Zweiten Weltkrieg gibt. Dabei sind \"Banderentum\" und Bandera nur Mutationen im W\u00f6rterbuch russischer Propaganda. Vor Bandera haben die Russen schreckliche Geschichten \u00fcber einen deutlich moderateren Kosaken-Anf\u00fchrer namens Symon Petljura in die Welt gesetzt - auch er strebte die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine an.\r\n\r\nIn der antiukrainischen Propaganda nutzt Moskau eine Reihe von verschiedenen Figuren der Geschichte aus. Und Stepan Bandera ist aus ihrer Sicht ein Bandit, Terrorist, Antisemit ... und Gott wei\u00df, wer. Somit erhalten das \"Bandera\"-Etikett auch Bewegungen, die wie aus geographischer so auch\u00a0sozialer Sicht weit von einander entfernt sind. So nannte\u00a0Moskau die baltischen Partisanen auch \"Banderowzy\". Und sogar die rum\u00e4nischen Partisanen im heutigen Moldawien, die gegen die ukrainischen Nationalisten k\u00e4mpften, seien auch Banderowzy gewesen. Kurz gesagt, im russischen W\u00f6rterbuch steht das Wort \"Bandera\" f\u00fcr \"Bandit\".\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> -<em> Und vielleicht immer noch - in Tschechien, nicht wahr?<\/em>\r\n\r\n- Es stimmt. Hier hat diese Wahrnehmung\u00a0in erster Linie das tschechische Kino\u00a0erschaffen. Es gen\u00fcgt sich an Filme, wie \"Die Schatten des hei\u00dfen Sommers\" oder \"Aktion \"B\" zu erinnern. In \"Aktion \"B\" schiesst einer der k\u00fcnftigen Idole der Dissidenten-Bewegung in der Rolle eines Bandera-Anh\u00e4ngers aus einem Maschinengewehr auf Frauen und Kinder. Somit bekam der Name Bandera zwei Bedeutungen: die revolution\u00e4re - die Flagge, und die verbrecherische - ein Bandit und ein M\u00f6rder. Dabei gehen selbst unter den ukrainischen radikalen Nationalisten die Ansichten bez\u00fcglich Stepan Bandera auseinander.\r\n\u00dcbrigens, diese Gruppe ist gar nicht so m\u00e4chtig, wie die russischen Medien behaupten, deren Sch\u00fcren der \u00c4ngste von den westlichen und tschechischen Journalisten \u00fcbernommen wird. Die Publikationen \u00fcber Bandera sind entweder kritiklos lobpreisend, oder umgekehrt - beleidigend, erniedrigend. F\u00fcr Moskau ist Bandera ein Symbol des\u00a0wilden Hasses und barbarischen Verbrechens sowie der Nazi-Besatzung. Noch sch\u00e4rfer formuliert:\u00a0f\u00fcr Moskau steht Bandera f\u00fcr den tierischen Hass auf die sowjetischen Errungenschaften, die sowjetischen Menschen und die sowjetische Ukraine.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Wie sehen Sie Stepan Bandera?<\/em>\r\n\r\n- Moderne\u00a0ukrainische Historiker bezeichnen ihn als \"<em>der romantische Terrorist<\/em>\". Schlie\u00dflich erg\u00e4nzen sich Terrorismus und Romantik sehr oft. Aber Bandera war vor allem ein Romantiker. Dies resultierte aus der Umgebung, in der er aufwuchs und erzogen wurde. Bandera war ein junger Ukrainer, der dar\u00fcber sehr entr\u00fcstet war, dass sein Volk unter dem Joch der Polen, des bolschewistischen Russlands, Rum\u00e4niens und der Tschechoslowakei verk\u00fcmmerte. Er tr\u00e4umte davon, dass sein Volk sich heldenhaft erheben und von den Fesseln befreien w\u00fcrde. Dies w\u00e4re der erste Schritt zur Erschaffung einer einheitlichen und ungeteilten Ukraine. Dabei h\u00e4tte es f\u00fcr einen Aufstand der unzufriedenen Massen eine Kleinigkeit gereicht \u2013 nur einen kleinen Funken. Im Kampf um Souver\u00e4nit\u00e4t wurde die Gewalt bevorzugt.\r\n\r\nBandera war der Meinung, dass ein parlamentarischer Kampf nur etwas f\u00fcr degenerierte Demokraten oder Schw\u00e4chlinge w\u00e4re, die nie etwas erreicht haben. Die Gewalt im Kampf f\u00fcr die Befreiung der Heimat wurde als heldenhaft betrachtet. Der befreiende und lustrierende Effekt wurde nur in der Gewalt und im Terror gesehen.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Es scheint, als ob es von der Romantik bis zum Fanatismus in der Interpretation von Bandera \u00a0nicht sehr weit war..<\/em>.\r\n\r\n- Offenbar hat er gar keinen Unterschied gesehen. Die Verbrechen wurden im Namen einer guten Idee oder unter der Ablehnung der M\u00e4\u00dfigung begangen. In der Zwischenkriegszeit organisierte Bandera eine Reihe von Angriffen auf die Politiker, die seiner Meinung nach vor der polnischen Obrigkeit einknickten. Dabei waren es Menschen, die die Zukunft der Ukraine in der polnisch-ukrainischen Vers\u00f6hnung auf dem Weg der Kompromisse und gegenseitiger Zugest\u00e4ndnisse sahen. Aber einen solchen Weg lehnte der Terrorist-Romantiker Bandera ab. Er war ein Maximalist mit einer schwarz-wei\u00dfen Weltansicht.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Und genau diese \"dunklen\" Aspekte der Bestrebungen von Bandera nutzt russische Propaganda aus?<\/em>\r\n\r\n- Sie tat es immer, aber jetzt tut sie es viel h\u00e4rter. Die Vergangenheit der ukrainischen Unabh\u00e4ngigkeits- und Banderabewegung wird heute von Moskau mehr als je zuvor zum Erwecken der Geister eingesetzt. Oder, wenn man so will - f\u00fcr die Sensibilisierung f\u00fcr die Ereignisse, f\u00fcr die Europa so empfindlich ist. Hitler und der Nationalsozialismus sto\u00dfen in zivilisierten L\u00e4ndern automatisch auf Ablehnung... manchmal sogar auf Aberglaube.\u00a0Nazi-Symbole \u00a0l\u00f6sen bei uns Ablehnung aus, die sowjetischen st\u00f6ren uns aber nicht besonders. Und genau auf dieser Saite spielt Moskau-Propaganda geschickt ihr Lied: \"Schaut her! Am Kiewer\u00a0Maidan sind Nazis auferstanden! Juden und die russische Minderheit in der Ukraine sind bedroht! Hier entsteht ein blutr\u00fcnstiger Krater, der die Werte der Zivilisation aufsaugt!\".\r\n\r\nDas heutige Russland vertritt Werte, die man als ultrakonservativ bezeichnen kann. Putins Russland verfolgt Homosexuelle. Putins Russland respektiert rohe Gewalt, nicht mal Frauen werden verschont, wie die Bilder aus Sotschi zeigen, wo Kosakenpatrouille protestierende M\u00e4dchen auspeitschte, die niemanden gef\u00e4hrdeten. Wenn man etwas \u00fcbertreibt und Putins Propagandatechniken anwendet, dann k\u00f6nnte man sagen, dass ausgerechnet Russland nationalistisch ist, und nicht die rebellierende Ukraine.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Kann man Stepan Bandera die Verbrechen zur Last legen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen und der Slowakei von so genannten \"Banderowzy\" begangen wurden?<\/em>\r\n\r\n- Darin ist die Verr\u00fccktheit der Situation. Die Geschichte der Ukraine ist so tragisch und verwirrend, dass sich die Begriffe systematisch \u00fcberdecken. Eine Sache ist Bandera als solcher, und eine ganz andere - die Banderowzy. Stepan Bandera arbeitete mit seinen Kollegen nur kurz - bis ihn die Nazis inhaftierten. Seitdem hatte er keinen Kontakt zu der \"Bandera- Bewegung\" in der Ukraine. Gemeint werden\u00a0Banderowzy, die in den W\u00e4ldern von Wolyn waren und diejenigen, die nach dem Krieg durch Mitteleuropa marschierten, und sogar die sp\u00e4teren Banderowzy im amerikanischen Exil.\r\n\r\nEs geht um drei Abschnitte des ukrainischen bewaffneten Widerstands, die sich von einander sehr unterscheiden. Dar\u00fcber hinaus war die \"Bandera-Bewegung\" nur ein Teil des Gesamtkampfes f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Ukraine, den insbesondere die ukrainische Aufstandsarmee (UPA) verk\u00f6rperte. Die Tatsache ist, dass die UPA und Banderowzy nicht dasselbe sind, obwohl in der sowjetischen, tschechischen, polnischen und anderen Nachkriegspropaganda und bis heute das Gegenteil behauptet wird. Das ist das Gleiche, wenn man die baltischen \"Waldbr\u00fcder\" mit dem \"dritten Widerstand\" in der Tschechoslowakei verwechseln w\u00fcrde.\r\n\r\nDer gro\u00dfe Fehler besteht darin, dass bis heute in der Tschechischen Republik ukrainische Widerstandsbewegung mit dem Etikett \"Banderowzy\" assoziiert wird.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Was die Etiketten betrifft: als ich mit Menschen auf dem Maidan sprach, bezeichneten sie den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Janukowitsch und die ehemalige Ministerpr\u00e4sidentin Timoschenko als Banditen.<\/em>\r\n\r\n- Manchmal ist es schwer zu sagen, inwiefern die Ukrainer es selbst verstehen. Vor einiger Zeit habe ich in Deutschland gesagt, dass ich die ukrainische Widerstandsbewegung studiere. Und sie meinten, sie wussten gleich Bescheid \u00fcber mich - sie sahen in mir einen Experten auf dem Gebiet \"der ukrainische Banditismus\". Schlie\u00dflich kann man den Materialien des N\u00fcrnberger Tribunals entnehmen, dass Bandera ein typischer Bandit war. Deshalb sollte man sich nicht wundern, dass Moskau glaubte, die Demonstranten auf dem Maidan seien Faschisten, dabei nannten die Protestierenden den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Janukowitsch genauso. Die aktuelle Restaurierung der \u00c4ngste im Zusammenhang mit dem Namen Stepan Bandera, hinter der oft Ignoranz und Unwissenheit der Geschichte steckt, besch\u00e4ftigt mich sehr.\r\n\r\n<em><strong>Insider:\u00a0<\/strong><\/em>- <em>Seiner Zeit war Stepan Bandera ein Idol der Widerstandsbewegung. Sp\u00e4ter hatte er vielleicht gar keinen realen Einfluss. Dennoch lie\u00df KGB ihn in seinem M\u00fcnchner Exil t\u00f6ten.\u00a0<\/em>\r\n\r\n<span style=\"line-height: 1.5\">- In dem Befehl von Nikita Chruschtschow, Stepan Bandera zu eliminieren, gab es keine Notwendigkeit. Bandera war im Exil v\u00f6llig isoliert. Man k\u00f6nnte ihn als ein \"trauriger Ritter\" bezeichnen, der sich von der ukrainischen politischen Emigration zur\u00fcckzog. Seine Opponenten betrachteten ihn immer noch als einen hartn\u00e4ckigen, unvers\u00f6hnlichen, gef\u00e4hrlichen und intoleranten Tr\u00e4umer, der ihrem Kampf f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine nur sch\u00e4digt. Allerdings halten die heutigen ukrainischen Nationalisten den Mord an Bandera f\u00fcr Beweis seiner Gr\u00f6\u00dfe und Bedeutung. Warum h\u00e4tten\u00a0die Sowjets ihn sonst get\u00f6tet, wenn seine eigenen Kollegen ihn l\u00e4ngst abgeschrieben hatten?<\/span>\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Aber meines Wissens distanzierte sich Bandera als \"tr\u00e4umender Revolution\u00e4r\" nie vom Terror und Gewalt im Kampf f\u00fcr die Freiheit der Ukraine.<\/em>\r\n\r\n- Man legte es ihm sehr zur Last, zum Beispiel die Amerikaner, die ihn schlie\u00dflich ein \"intolerantes pestartiges Element nannten, mit dem es wegen seiner Unvertr\u00e4glichkeit seinen Opponenten gegen\u00fcber schwierig zusammenzuarbeiten war\". Seine Opponenten hielten Bandera f\u00fcr einen Verr\u00e4ter gro\u00dfartiger Idee der unabh\u00e4ngigen Ukraine. Aus seiner Sicht, schlugen sie einen falschen Weg der zweifelhaften Demokratisierung ein. In dieser Hinsicht kann ich Banderas Kritiker verstehen, die ihm Banditentum und Verbrechen vorwarfen.\r\n\r\nEr war ein unvers\u00f6hnlicher Gewaltt\u00e4ter. Auf seine Initiative hin wurden Verbrechen sowohl an Ukrainern als auch an Personen anderer Nationalit\u00e4ten begangen, die Bandera f\u00fcr illoyal und undiszipliniert hielt. F\u00fcr diese Morde aus der Nachkriegszeit kann er f\u00fcr einen Verbrecher gehalten werden. Die mildernden Umst\u00e4nde liegen darin, dass seine Opponenten im Zweiten Weltkrieg auf die gleiche Weise gewaltt\u00e4tig waren, und zwar zu der Zeit, als Bandera in einem deutschen Konzentrationslager war.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>Anscheinend nutzt Moskau den Namen von Bandera auf eine alberne Weise aus, dennoch scheint es zu wirken...<\/em>\r\n\r\n- Wenn die Russen den Heldensagen und nationalistischer Literatur \u00fcber Bandera eine ausgewogene Sicht auf sein Leben gegen\u00fcberstellen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden sie in ihrer antiukrainischen Propaganda viel bessere Ergebnisse erreichen als bisher. Es besteht keinerlei Verbindung zwischen dem Maidan und den ukrainischen Radikalen aus den alten Zeiten.\r\n\r\n<em><strong>Insider:\u00a0<\/strong><\/em>- <em>Der \u00dcbergang von UPA-K\u00e4mpfern oder Banderowzy durch die Slowakei ist f\u00fcr uns vielleicht ein ziemlich heikles Thema... aber auch vielleicht nur dank der kommunistischen Propaganda.<\/em>\r\n\r\n- Der Aufenthalt von Abteilungen der UPA in der Slowakei begann ungef\u00e4hr im Sommer 1945. In der Slowakei erholten sie sich, um sich zu st\u00e4rken, bevor sie zu den K\u00e4mpfen an der polnisch-sowjetischen Grenze zur\u00fcckkehrten, wo die UPA gegen das polnische Regime und den sowjetischen Kommunismus k\u00e4mpfte. Sp\u00e4ter, 1946 versuchte die UPA die Wahlen in der Slowakei zu beeinflussen, indem sie die Menschen \u00fcber den wirklichen russischen Bolschewismus aufkl\u00e4rten.\r\n\r\nDabei befolgten die UPA-Agitatoren strenge Regeln im Umgang mit Menschen in der Slowakei: unter anderem wurde von ihren K\u00e4mpfern\u00a0verlangt, auf das saubere Erscheinungsbild zu achten und Menschen in der Slowakei zu helfen. Sp\u00e4ter, 1947, fand ein gro\u00dfer \u00dcbergang von Einheiten der UPA durch das Territorium der Slowakei statt - sie wollten den Kampf gegen Stalin im Westen fortsetzen. Damals waren es schon tollk\u00fchne Draufg\u00e4nger, die gegen alle k\u00e4mpften. Vergeblich waren ihre Briefe an die UNO und an den Pr\u00e4sidenten Eduard Benes, in denen sie versuchten, ihre Ziele zu erkl\u00e4ren und auf das tragische Schicksal der versklavten Ukraine hinzuweisen.\r\n\r\n<em><strong>Insider<\/strong><\/em>: - <em>F\u00fcr Ihre Ansichten werden Sie wahrscheinlich viel Kritik einstecken m\u00fcssen, die meisten wohl\u00a0von Ihren Zeitgenossen.<\/em>\r\n\r\n- Das ist durchaus m\u00f6glich. Meine Ansicht ist weit von den vereinfachten Vorstellungen entfernt, dass in die Slowakei irgendwelche Lumpen eingedrungen waren, die dann die M\u00e4nner t\u00f6teten und Frauen vergewaltigten. All das sollte man wissen, um eine Bewertung der aktuellen Ereignisse in der Ukraine machen zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich warf die Tschechoslowakei ihre Armeeeinheiten gegen Menschen, \u00fcber die man nichts wusste.\r\n\r\nUnd diese wollten einfach nur weiterziehen. Daraus entstanden\u00a0aber sinnlose milit\u00e4rische Auseinandersetzungen, bei denen Tschechoslowaken und die UPA-K\u00e4mpfer gefallen waren. Es ist bedauerlich, dass dies vor dem kommunistischen Putsch geschah und dass wir damals Menschen bek\u00e4mpften, die den russischen Bolschewismus am eigenen Leib erfahren hatten. Letztendlich schafften es nur etwa hundertf\u00fcnfzig K\u00e4mpfer von f\u00fcnfhundert herauszukommen, dabei wurden mehrere Dutzend tschechoslowakische Soldaten und Polizisten get\u00f6tet.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em>\u00a0- <em>Anscheinend ist die Nationalit\u00e4t \"Ukrainer\" ein politisches Ph\u00e4nomen...<\/em>\r\n\r\n- Aber das ist wahr. Wenn ich jetzt beobachte, wie widerspr\u00fcchlich in der Tschechischen Republik die ukrainischen Protestaktionen auf dem Maidan oder die Behandlung von Verwundeten in Prager Krankenh\u00e4usern aufgenommen werden, muss ich mit Entsetzen feststellen - ohne \u00dcbertreibung - welch' tiefe Wurzeln der Mythos von Bandera in uns geschlagen hat. Die Abneigung den Ukrainern als einer zweifellos politischer Erscheinung gegen\u00fcber h\u00e4ngt in der Luft, und das sp\u00fcre ich. Dabei haben sie nichts anderes getan, als gegen die Diktatur zu k\u00e4mpfen.\r\n\r\n<em><strong>Insider:<\/strong><\/em> - <em>In Internet-Diskussionen h\u00f6rt man oft den Einwand: warum sollten wir den Ukrainern helfen?<\/em>\r\n\r\n- Eine solche Position ist ein Zeichen f\u00fcr Faulheit und Unwissenheit. Nachdem die Russen die Ukraine unterwerfen, werden sie zu uns kommen. Wenn wir dran sind, wird es unser Ende sein. Wir werden Zeugen der Wiederherstellung einer Art der UdSSR sein.\r\n\r\n<em>Quelle:\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/www.aktualne.cz\/autori\/jan-gazdik\/l~i:author:248\/\">Jan Gazdik<\/a><\/strong> f\u00fcr\u00a0<a href=\"http:\/\/zpravy.aktualne.cz\">zpravy.actualne.cz\u00a0<\/a>\u00a0am <strong>13. M\u00e4rz 2014<\/strong>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/andrij.topchan?fref=ts\">Andrij Topchan<\/a>; redaktiert von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a>.<\/em>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6230"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6230\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15033,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6230\/revisions\/15033"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6234"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}