{"id":6584,"date":"2015-05-31T16:12:13","date_gmt":"2015-05-31T16:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=6584"},"modified":"2019-07-25T08:29:58","modified_gmt":"2019-07-25T08:29:58","slug":"wem-nuetzt-russlands-kehrtwende-vom-westen-zum-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wem-nuetzt-russlands-kehrtwende-vom-westen-zum-osten\/","title":{"rendered":"Wem n\u00fctzt Russlands Kehrtwende vom Westen zum Osten?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Putins Kommilitone, der Ex-Aufkl\u00e4rer des KGB und heute amerikanische Finanzanalytiker <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Yuri_Shvets\">Juri Schwez<\/a> glaubt, dass die Kehrtwende in der Au\u00dfenpolitik Russlands China n\u00fctzt und die russische Wirtschaft daran hindern wird, sich zu entwickeln.\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Moskau macht eine strategische Kehrtwende in Richtung China. Zu ihrer Zeit sind die Moskauer F\u00fcrsten unter die Horde gefallen, nun ordnen sich die \u201ekremlischen\u201c den \u00a0\u201epekinger\u201c unter. Dieser weitere strategische Fauxpas wird schwere Folgen f\u00fcr Russland haben. Das Witzigste an der Sache ist, dass der Hauptgrund (wenn nicht der einzige) dieses strategischen Wahnsinns der Wunsch eines einzigen Menschen ist, im Kreml bis ins Grab sitzen zu bleiben. Aber wo sind die Analytiker und die Geheimdienste? Es kann doch nicht sein, dass sie alle gleichzeitig zusammen verr\u00fcckt geworden sind und niemand den Kreml gewarnt hat, dass er einen strategischen Selbstmord begeht.<\/p>\n<p>Wobei die Kreml-Regenten traditionell schwierige Beziehungen zu ihren Geheimdiensten hatten. Genosse Stalin wusste genau, dass Hitler nicht angreifen wird, und den Aufkl\u00e4rungsdienst brauchte er daf\u00fcr im Grunde gar nicht. Darum wurde die Aufkl\u00e4rung akkurat am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, Ende der 1930er, mit Stumpf und Stiel ausgerottet &#8211; damit sie nicht in den Weg tritt. Die Herangehensweise war einfach: Wenn ein Aufkl\u00e4rer \u00fcber zwei Jahre im Ausland verbracht hatte, hatte er sich mit der Ideologie der Bourgeoisie bereits angesteckt, und vertrauen konnte \u00a0man ihm nicht mehr. Er wurde in den Urlaub geschickt und dort erschossen. So wurden die Aufkl\u00e4rungsdienste des NKWD und RKKA faktisch komplett vernichtet. Richard Sorge ist durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen, als er auf den \u201eUrlaub\u201c in Moskau verzichtete. Chruschtschow nutzte die Aufkl\u00e4rungsinformationen haupts\u00e4chlich dazu, um \u201eden Amerikanern einen Igel in die Hose hineinzustecken\u201c (gemeint ist die Krise in der Karibik und die sowjetischen Raketen). Einmal lie\u00df er sich davon so hinrei\u00dfen, dass er zu viel ausplauderte, und der FBI daraufhin einen wertvollen KGB-Agenten in den USA aufdeckte.<\/p>\n<p>Trotz der zahlreichen Aufkl\u00e4rungsberichte gelang es Breschnew nie, die Gr\u00fcnde von Watergate nachzuvollziehen, wegen denen Nixon vorzeitig das Wei\u00dfe Haus verlassen musste. Breschnew war schockiert. \u201eAber wir haben uns doch mit NixOn abgesprochen,- murmelte er fassungslos vor sich hin, dem es nie gelungen ist, sich die richtige Aussprache des Nachnamens des amerikanischen Pr\u00e4sidenten anzueignen. &#8211; Was ist denn nun mit der Entspannung?\u201c<\/p>\n<p>Danach haben die Analytiker der KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung, die Sondermitteilungen an verschiedene Regierungsinstanzen versendeten, eine strenge Anordnung bekommen, die &#8211; dessen bin ich mir faktisch sicher &#8211; bis jetzt g\u00fcltig ist: je hochrangiger der Beamte ist, f\u00fcr den die Information bestimmt ist, desto einfacher muss sie geschrieben sein. Die Berichte ganz nach oben, in den Kreml, hat man so geschrieben, dass es sogar f\u00fcr einen Idioten verst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass man Putin auch Meldungen dar\u00fcber erstattete, dass die Umorientierung auf China die gr\u00f6\u00dfte Dummheit ist. Aber Putin mag die Aufkl\u00e4rung nicht. Das ist etwas tief Intimes, das noch in den 1980er entstand, als er in den Aufkl\u00e4rungsdienst nicht aufgenommen wurde. Lustig, aber es stellt sich heraus, dass in jener Zeit die Anforderungen an professionelle Qualit\u00e4ten eines Aufkl\u00e4rers h\u00f6her waren, als sp\u00e4ter die Anforderungen auf den Posten des Pr\u00e4sidenten Russlands wurden&#8230;<\/p>\n<p>Nachdem Putin zum Pr\u00e4sidenten gemacht worden war, hat er Krjutschkow in den Kreml eingeladen, den ehemaligen Chef der KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung, um ihn zu \u00fcberreden, sich an die Heldentaten des Aufkl\u00e4rers Putin zu erinnern. Fr\u00fcher hat man auf eine \u00e4hnliche Weise auch Marschall Schukow versucht zu \u00fcberreden, sich in seinen Memoiren daran zu erinnern, wie er sich w\u00e4hrend des Krieges f\u00fcr die Meinung von Oberst Breschnew interessierte. Krjutschkow, wie einst Schukow auch, verzichtete darauf, sich an das Niedagewesene zu erinnern, und seitdem verwandelte sich die Au\u00dfenaufkl\u00e4rung in eine ungeliebte Stieftochter des Kremls. Als Resultat ging der Gro\u00dfteil der aufkl\u00e4rerischen Funktionen im Ausland flie\u00dfend in die Kompetenz des FSB \u00fcber, der zu den Zeiten, als ihn Putin leitete, mit Mitarbeitern der territorialen KGB-Verwaltung aus Leningrad und Umgebung \u201everst\u00e4rkt\u201c worden war, deren Mehrheit bis zu ihrem Umzug nach Moskau einen echten lebendigen Amerikaner oder Chinesen nie vors Gesicht bekommen hatte.<\/p>\n<p>Es folgte eine Reihe ber\u00fcchtigter und oft beleidigend d\u00e4mlicher Niederlagen. Nun k\u00f6nnen wir in Echtzeit eine geopolitische Niederlage beobachten: die strategische Kehrtwendung Russlands vom Westen zum Osten hin.<\/p>\n<p>Eigentlich ist diese Kehrtwendung vom historischen Standpunkt aus irgendwie folgerichtig. Das Moskauer F\u00fcrstentum, dem Russland entwachsen ist, materialisierte sich als Ulus der Horde. Nun schlie\u00dft sich der historische Kreis und Russland verwandelt sich in einen Vasallen der Tianxia. Die Frage ist nur, wer dabei im Gewinn bleibt und wer mit Pauken und Trompeten durchf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Im Eifer des Kalten Krieges, als ich in der amerikanischen Abteilung des Ersten Direktorats des KGB arbeitete, bestimmte die UdSSR-Regierung die \u201eHauptfeinde\u201c der UdSSR in folgender Reihenfolge: USA, NATO, China. Faktisch bedeutete dies, dass die Aufkl\u00e4rungsoffiziere, unabh\u00e4ngig davon, in welches Land sie abkommandiert wurden, in erster Linie verpflichtet waren, zu diesen Hauptfeinden zu arbeiten. Und darum waren sie vor ihrer Dienstreise verpflichtet, ein Praktikum in einer entsprechenden Abteilung des PGU (Erstes Direktorat des KGB) abzuschlie\u00dfen. So musste auch ich eine Woche in der chinesischen Abteilung der politischen Aufkl\u00e4rung arbeiten, wo ich verschiedene Verfahren und Vorschriften durchlas.<\/p>\n<p>Die Resultate dieses Praktikums haben mich tief beeindruckt. Es stellte sich heraus, dass trotz der langen Jahre der engen Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und China &#8211; in erster Linie unter Stalin &#8211; China eine terra incognita f\u00fcr die KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung war, von den anderen Staatsbeh\u00f6rden mal abgesehen. Die Chinesen galten als nicht-rekrutierbar, und ihre Mentalit\u00e4t als schwer nachvollziehbar. Also, alles wie im bekannten Film: \u201eDer Osten ist eine feine Sache\u201c.<\/p>\n<p>Davon konnte ich mich in Washington \u00fcberzeugen, als ich einen Reporter einer der f\u00fchrenden chinesischen Zeitung bearbeitete, der nach Angaben des Zentrums ein Mitarbeiter der chinesischen Geheimdienste war. Es gibt viele Theorien dar\u00fcber, wie die chinesischen Geheimdienste arbeiten, dabei werden viele von diesen Theorien von Menschen geschrieben, die einen echten Chinesen nie im Leben gesehen haben.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich hatte den Eindruck, dass ich und mein chinesisches \u201eObjekt\u201c das Handwerk der Aufkl\u00e4rung in einer Gruppe und nach den gleichen Lehrb\u00fcchern erlernt haben (anscheinend hat die Beihilfe des KGB bei der Erschaffung der chinesischen Geheimdienste in den 1950ern ihre Fr\u00fcchte getragen). Er versuchte, mich zu rekrutieren &#8211; ich rekrutierte ihn. In der Zwischenzeit redeten wir \u201e\u00fcber das Leben\u201c.<\/p>\n<p>Zu der Zeit, und das geschah in der Mitte der 1980er, war China ein armes und zur\u00fcckgebliebenes Land. Millionen Chinesen hungerten. Das R\u00fcckgrat der Industrie bestand aus Betrieben, die noch zu Stalins Zeiten\u00a0von der UdSSR geschenkt worden waren. \u201eJa, Ihr seid weit nach vorne gegangen\u201c, sagte der Chinese traurig, als wir den Lebensstandard der beiden L\u00e4nder verglichen.<\/p>\n<p>Seine Erz\u00e4hlung \u00fcber den Alltag der chinesischen Diplomaten und Journalisten in Washington verbl\u00fcffte mich bis auf tiefste Innere. Seine Familie, bestehend aus drei Menschen, lebte von seinem Lohn, der &#8211; Achtung! &#8211; 200 Dollar im Monat betrug. Dabei plante er in den vier Jahren seiner Dienstreise einen K\u00fchlschrank, einen Fernseher und eine Menge anderer Haushaltselektronik in den USA zu erwerben. Daf\u00fcr sparten er und andere Chinesen \u00e4u\u00dferst hart beim Essen, indem sie sich aus einem gemeinsamen Topf in der Botschaft ern\u00e4hrten.<\/p>\n<p>Als der Chinese mir all das erz\u00e4hlte, waren seine Augen sehr traurig, aber darin war auch das Glitzern einer bissigen \u00dcberzeugung: \u201eWir werden euch schon einholen! F\u00fcr die Erniedrigung, die Genosse Mao erfahren hat, als er auf darauf warten musste, dass ihn Genosse Stalin empf\u00e4ngt; f\u00fcr den beleidigenden Spitznamen \u201ePekinger Revisionisten\u201c, den Chruschtschow seinen ehemaligen Verb\u00fcndeten verliehen hat; f\u00fcr die beinahe ausradierte Insel Zhenbao Dao und f\u00fcr die 1,2 Millionen Quadratmeter Land in der Mandschurei, die Russland bei seinem chinesischen Brudervolk in der Mitte des 19. Jahrhunderts gestohlen hatte, als dieses durch den \u201eOpiumkrieg\u201c entkr\u00e4ftet war, und die Russland noch immer nicht zur\u00fcckgegeben hat.\u201c In einem ber\u00fchmten chinesischen Lied vom Anfang der 1950er wurde \u201eEin Russe und ein Chinese sind Br\u00fcder f\u00fcr Ewigkeit\u201c gesungen, aber im realen Leben kam heraus, dass die Geschichte sie zu einem ewigen Zwist verdammt.<\/p>\n<p>Einmal, ungef\u00e4hr Ende 1985, bestellte mich mein chinesischer Kollege unerwartet zu einem Sondertreffen, um eine sensationelle Nachricht mitzuteilen: China reduziert seine Streitkr\u00e4fte um 50% und nimmt einen Kurs auf eine forcierte Wirtschaftsentwicklung. Seinen Worten nach war das eine historische Kehrtwende, die nicht nur die Geschichte der Chinesischen Volksrepublik, sondern auch der ganzen Welt \u00e4ndern wird. Als ich das im Zentrum mitteilte, wurde mir geantwortet, dass dies eine Desinformation sei, die die ansteigende Aggressivit\u00e4t der chinesischen Soldateska zu verheimlichen bestimmt ist. \u2028In Wirklichkeit haben die Chinesen ihren urspr\u00fcnglichen Plan der Reduzierung wesentlich \u00fcberboten, und bis zum Jahr 2000 wurden ihre Streitkr\u00e4fte um 1,7 Millionen Menschen reduziert. In der gleichen Zeit verwandelte sich China aus einem zur\u00fcckgebliebenen halbhungrigen Land in einen wirtschaftlichen Giganten. Dies geschah, weil sich in der chinesischen Elite eine Gruppe Pragmatiker gebildet hat, die sich ganz einfache Wahrheiten zu eigen machten: dass man die Politiker austauschen m\u00fcsse, wie Pampers &#8211; also in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden; dass man sein Land nicht bestehlen darf, und dass man die T\u00e4ter daf\u00fcr erschie\u00dfen solle; dass das Hauptkriterium, das den Platz eines Staates in der modernen Welt bestimmt, seine Wirtschaft ist, und das Herumfuchteln mit Atomwaffen nur den Randfiguren \u00e0\u00a0la Nordkorea eigen ist. \u2028In der gleichen Zeit hat sich in Moskau eine Mannschaft intellektueller Nieten gebildet, die durch einen Klan hartgesottener Diebe und Banditen abgel\u00f6st wurde. In Peking sind sozial verantwortliche Menschen an die Machtspitze gekommen &#8211; in Moskau stieg haupts\u00e4chlich der Abschaum hoch. Als Folge st\u00fcrzte erst die UdSSR zusammen, und nun steht auch die Russische F\u00f6deration unter der Bedrohung eines Zerfalls.<\/p>\n<p>Und unter diesen Bedingungen beschloss Putin, die Richtung zu wechseln. Gemacht wurde es himmlisch meisterhaft. Zuerst hat sich Russland mit der EU und den USA total \u00fcberworfen und den Westen davon \u00fcberzeugt, dass er so einen strategischen Erd\u00f6l- und Gaslieferanten nicht braucht. Und als man dann anfing, die \u201eGasprom\u201c von den traditionellen M\u00e4rkten abzudr\u00e4ngen, und ihr Gewinn in nur einem Jahr um das Siebenfache abst\u00fcrzte, beschloss der Kreml, den chinesischen Trumpf auszuspielen, um&#8230; die USA und EU zu bestrafen. Zu diesem Zweck ist Putin im Mai letzten Jahres (2014) pomp\u00f6s nach Peking gekommen.<\/p>\n<p>Alles weitere erinnerte an das Bild von Repin \u201eUnerwartet\u201c. Es hat sich herausgestellt, dass der \u201eAffe\u201c nicht umsonst Jahrzehnte lang geduldig herumsa\u00df und den Kampf zweier Tiger beobachtete. Nun kam einer von ihnen, der in dieser Zeit zu einer zerlumpten Katze mutiert ist, um Hilfe bettelnd zum \u201eAffen\u201c herangekrochen, der nun die volle Breitseite abbekommen kann. Den st\u00e4rksten Schlag bekam das Lieblingswerk des Kreml: Seine Pl\u00e4ne, die Hauptlieferungen von Gas aus Europa nach China unter der ungef\u00e4hren Beibehaltung des Preisniveaus zu verlegen. Dabei war sich Moskau sicher, dass Peking ihm 30 Milliarden Dollar zum Bau der Gaspipeline zur chinesischen Grenze zur Verf\u00fcgung stellt. Die Chinesen entgegneten mit einem Angebot, die Gaspipeline f\u00fcrs eigene, russische Geld zu bauen, und gaben so einen Preis f\u00fcr Gas, dass Putin und Co gebeten haben, diesen geheimzuhalten, um kein homerisches Gel\u00e4chter im Westen hervorzurufen. Experten haben aber den ungef\u00e4hren Preisstand herausgefunden, und es stellte sich heraus, dass dieser den Selbstkosten der F\u00f6rderung und des Transports des russischen Gases nahekommt.<\/p>\n<p>Als Putin die in Peking abgelaufenen Verhandlungen kommentierte, merkte er mit einem erzwungenen L\u00e4cheln an, dass sich die chinesischen Kumpels als harte Verhandlungspartner entpuppt haben. Man m\u00f6chte doch fragen: Was hast Du denn gedacht, mein Lieber? Du hast doch eigenh\u00e4ndig erst all die Br\u00fccken nach Westen hinter dir abgebrochen und bist dann ohne jegliche Verb\u00fcndete, unter Sanktionen und im Zustand einer Krisenwirtschaft mit einer ausgestreckten Hand zu einem reichen und harten Nachbarn um Hilfe bitten gekommen. Peking m\u00fcsste doch ein seltener Altruist sein, damit es unter solchen Bedingungen aus Russland nicht alles auspresst, was es nur braucht. Und genau das hat Peking auch getan.<\/p>\n<p>Das letzte Vereinbarungspaket, das beidseitig am 8. Mai 2015 w\u00e4hrend des Besuchs von Xi Jinping in Moskau unterzeichnet wurde, best\u00e4tigte die sich abzeichnende Tendenz: China geht ruhig und planm\u00e4\u00dfig an die Verwandlung Russlands zu seinen Rohstoffanh\u00e4ngsel heran. In Peking versteht man richtig, dass sich Putin derartig in eine Ecke man\u00f6vrierte, aus welcher er sich der Tianxia\u00a0nur noch zu F\u00fc\u00dfen werfen kann. Was er eigentlich auch getan hat.<\/p>\n<p>Die Kampfgef\u00e4hrten Putins gerieten auch in Schwierigkeiten. Nach vorhandenen Angaben \u00fcberwies Putins Umfeld seine Aktiva an Banken von Hongkong. Was denken Sie, wenn Obama oder jemand von seinen Ministern ein Geheimkonto bei der Sberbank Russlands er\u00f6ffnet h\u00e4tte, w\u00fcrde es der FSB ausnutzen oder nicht? Nat\u00fcrlich w\u00fcrde er! Ich bin sicher, dass die chinesischen Geheimdienste in Bezug auf die Inhaber der russischen Bankkonten in Hongkong genauso vorgehen werden, denn sie erinnern sich sehr gut an die Erfahrung, die ihnen noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die sowjetischen Genossen aus dem KGB weitergegeben haben. Das Geld von Putin und seinen Komplizen ist also in guten H\u00e4nden.<\/p>\n<p>Aus der Kehrtwende von Russland zum Osten kann man mehrere Schlussfolgerungen ziehen. Erstens wird Russland den chinesischen Trumpf gegen die USA nicht ausspielen k\u00f6nnen. Russland ist ein wirtschaftlicher Zwerg im Vergleich zu China und es ist absolut l\u00e4cherlich zu vermuten, dass die Tianxia irgendwelchen Gaunern erlauben wird, sie selbst als eine Trumpfkarte auszunutzen. Au\u00dferdem ist die Wirtschaft von China so eng mit der Wirtschaft von den USA verbunden, dass in absehbarer Zukunft die eine ohne die andere nicht existieren kann. Aber ohne das russische Erd\u00f6l und Gas kann sich China ganz gut zurecht finden, zumal Kasachstan und Turkmenistan in der N\u00e4he sind.<\/p>\n<p>Zweitens kann China Europa als die Quelle der Finanzierung des russischen Gro\u00dfbusiness nicht ersetzen. Vor der Ausrufung der Sanktionen vergaben die westlichen Banken dem russischen Gro\u00dfbusiness billige Kredite in einer Gesamtsumme von 500 bis 700 Milliarden Dollar. Von China wird Russland kein Geld f\u00fcr die Entwicklung des privaten Gro\u00dfbusiness bekommen. Peking wird das Geld nur in solche Projekte auf dem Territorium Russlands investieren, die f\u00fcr die weitere wirtschaftliche Expansion von China unerl\u00e4sslich sind. Von der Entwicklung des russischen Gro\u00dfbusiness steht in Pekings Pl\u00e4nen nichts.<\/p>\n<p>Drittens, wenn man das wirtschaftliche Potenzial beider Seiten betrachtet, werden nun die \u201ekremlischen\u201c den \u201ePekingern\u201c untergeben sein, und die Beziehungen zwischen ihnen werden an die Beziehung zwischen einem Vasallen und seinem Lehnsherrn erinnern. Und das ist gut so. Am Ende muss doch jemand auf das Gesindel aufpassen. Ihr habt den liberalen und dekadenten Westen nicht gemocht? Dann bekommt Ihr den autorit\u00e4ren und harten Osten. Alexander Newskij hat sich geweigert, die k\u00f6nigliche Krone vom Papst anzunehmen und bevorzugte, auf den Knien vor dem Horden-Khan zu kriechen und seine Stiefel zu k\u00fcssen. Die geheimnisvolle russische Seele. Die Geschichte wiederholt sich, wie man so sch\u00f6n sagt&#8230;<\/p>\n<p>Der Kreml wird auch seine au\u00dfenpolitischen Ambitionen z\u00fcgeln m\u00fcssen. Ein Vasall muss ein Vasall bleiben, und hat \u00fcber ein mythisches Imperium nicht herumzuschreien. Um so mehr, weil China sich in Au\u00dfenbeziehungen \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend verh\u00e4lt, indem es auf die wirtschaftliche Expansion setzt, und nicht auf milit\u00e4rische Abenteuer. \u00dcberhaupt ist es f\u00fcr Peking wohl sehr seltsam, wenn Menschen \u00fcber die eigene Gr\u00f6\u00dfe Reden schwingen, die sich in der Hochzeit eines wissenschaftlich-technischen Progresses davon ern\u00e4hren, was ihnen der liebe Gott geschenkt hat (Erd\u00f6l, Gas, andere Bodensch\u00e4tze), und alles, was sie dabei mit H\u00e4nden und ihrem Verstand tun, auf den internationalen M\u00e4rkten keiner Konkurrenz standh\u00e4lt. Und h\u00f6rt auf, \u00fcber den russischen Export der Superwaffen zu erz\u00e4hlen. Faktisch alle davon wurden noch in der Sowjetunion ausgearbeitet, als sich 80% des wissenschaftlichen Potenzials, das mit dem Milit\u00e4rindustriekomplex verbunden ist, in der Ukraine befand&#8230;<\/p>\n<p>Die Kehrtwende in Richtung China wird eine Spannung in der russischen B\u00fcrokratie hervorrufen. Bislang haben die Beamten ihre Ausweichflugpl\u00e4tze im Westen gebaut, und werden wohl kaum froh dar\u00fcber sein, sich auf Shanghai oder Peking umorientieren zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Beamten regieren Russland seit den Zeiten von Peter I., und wenn der Regent in einen Konflikt mit dem Beamten-Heerschar trat, verlor er mit wenigen Ausnahmen. Mal hat den halbirren Regenten eine Apoplexia cerebri mithilfe einer Tabakdose in die Schl\u00e4fe aufgehalten, mal riss ein unerwarteter Putsch die Macht aus den H\u00e4nden eines abenteuerlustigen Generalsekret\u00e4rs. Bis jetzt brauchte die B\u00fcrokratie Putin als einen Stabilit\u00e4tsgaranten, aber die \u201ePerestrojka\u201c vom Westen auf den Osten &#8211; das ist ein strategisches Abenteuer. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dem Staatsapparat gelegen kommt.<\/p>\n<p>Bei allem Grinsen und den \u00e4u\u00dferlich erwiesenen Aufmerksamkeiten m\u00fcssten die chinesischen Kumpels die kremlischen Anf\u00fchrer mit tiefer Verachtung wahrnehmen. Daf\u00fcr, was die Genossenschaft\u00a0\u201eOsero\u201c mit Russland\u00a0macht, wird man in China erschossen. Darum werden die kremlischen Jungs wohl bald sp\u00fcren, dass man sie auch hier nicht respektiert, aber eine Kehrtwende wird man nirgendwohin mehr machen k\u00f6nnen, es sei denn man geht eine Allianz mit Nordkorea ein&#8230;<\/p>\n<p>Was die Ukraine angeht, so verbindet sie mit China ein wichtiger Umstand: Beiden L\u00e4ndern hat Russland heimt\u00fcckisch einen gro\u00dfen Teil ihrer Territorien gestohlen, als diese L\u00e4nder sich in Not befanden. Hier k\u00f6nnte man auch Ber\u00fchrungspunkte finden.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Autor: <strong>Juri Schwez<\/strong> in <a href=\"http:\/\/gordonua.com\/publications\/Byvshiy-razvedchik-KGB-SHvec-Blizhayshee-okruzhenie-Putina-perevelo-svoi-aktivy-v-banki-Gonkonga-i-kitayskie-specsluzhby-etim-vospolzuyutsya-80834.html\">gordonua.com<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>CC BY 4.0<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Putins Kommilitone, der Ex-Aufkl\u00e4rer des KGB und heute amerikanische Finanzanalytiker Juri Schwez glaubt, dass die Kehrtwende in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":29869,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[98,131,3],"tags":[378,365,59,12,347,110,244],"class_list":["post-6584","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-expertenmeinungen","category-interviews","tag-china","tag-kgb","tag-krieg","tag-russland","tag-udssr","tag-westen","tag-wirtschaft"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wem n\u00fctzt Russlands Kehrtwende vom Westen zum Osten? 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Zu ihrer Zeit sind die Moskauer F\u00fcrsten unter die Horde gefallen, nun ordnen sich die \u201ekremlischen\u201c den \u00a0\u201epekinger\u201c unter. Dieser weitere strategische Fauxpas wird schwere Folgen f\u00fcr Russland haben. Das Witzigste an der Sache ist, dass der Hauptgrund (wenn nicht der einzige) dieses strategischen Wahnsinns der Wunsch eines einzigen Menschen ist, im Kreml bis ins Grab sitzen zu bleiben. Aber wo sind die Analytiker und die Geheimdienste? Es kann doch nicht sein, dass sie alle gleichzeitig zusammen verr\u00fcckt geworden sind und niemand den Kreml gewarnt hat, dass er einen strategischen Selbstmord begeht.\r\n\r\nWobei die Kreml-Regenten traditionell schwierige Beziehungen zu ihren Geheimdiensten hatten. Genosse Stalin wusste genau, dass Hitler nicht angreifen wird, und den Aufkl\u00e4rungsdienst brauchte er daf\u00fcr im Grunde gar nicht. Darum wurde die Aufkl\u00e4rung akkurat am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, Ende der 1930er, mit Stumpf und Stiel ausgerottet - damit sie nicht in den Weg tritt. Die Herangehensweise war einfach: Wenn ein Aufkl\u00e4rer \u00fcber zwei Jahre im Ausland verbracht hatte, hatte er sich mit der Ideologie der Bourgeoisie bereits angesteckt, und vertrauen konnte \u00a0man ihm nicht mehr. Er wurde in den Urlaub geschickt und dort erschossen. So wurden die Aufkl\u00e4rungsdienste des NKWD und RKKA faktisch komplett vernichtet. Richard Sorge ist durch ein Wunder mit dem Leben davongekommen, als er auf den \u201eUrlaub\u201c in Moskau verzichtete. Chruschtschow nutzte die Aufkl\u00e4rungsinformationen haupts\u00e4chlich dazu, um \u201eden Amerikanern einen Igel in die Hose hineinzustecken\u201c (gemeint ist die Krise in der Karibik und die sowjetischen Raketen). Einmal lie\u00df er sich davon so hinrei\u00dfen, dass er zu viel ausplauderte, und der FBI daraufhin einen wertvollen KGB-Agenten in den USA aufdeckte.\r\n\r\nTrotz der zahlreichen Aufkl\u00e4rungsberichte gelang es Breschnew nie, die Gr\u00fcnde von Watergate nachzuvollziehen, wegen denen Nixon vorzeitig das Wei\u00dfe Haus verlassen musste. Breschnew war schockiert. \u201eAber wir haben uns doch mit NixOn abgesprochen,- murmelte er fassungslos vor sich hin, dem es nie gelungen ist, sich die richtige Aussprache des Nachnamens des amerikanischen Pr\u00e4sidenten anzueignen. - Was ist denn nun mit der Entspannung?\u201c\r\n\r\nDanach haben die Analytiker der KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung, die Sondermitteilungen an verschiedene Regierungsinstanzen versendeten, eine strenge Anordnung bekommen, die - dessen bin ich mir faktisch sicher - bis jetzt g\u00fcltig ist: je hochrangiger der Beamte ist, f\u00fcr den die Information bestimmt ist, desto einfacher muss sie geschrieben sein. Die Berichte ganz nach oben, in den Kreml, hat man so geschrieben, dass es sogar f\u00fcr einen Idioten verst\u00e4ndlich ist.\r\n\r\nIch bin sicher, dass man Putin auch Meldungen dar\u00fcber erstattete, dass die Umorientierung auf China die gr\u00f6\u00dfte Dummheit ist. Aber Putin mag die Aufkl\u00e4rung nicht. Das ist etwas tief Intimes, das noch in den 1980er entstand, als er in den Aufkl\u00e4rungsdienst nicht aufgenommen wurde. Lustig, aber es stellt sich heraus, dass in jener Zeit die Anforderungen an professionelle Qualit\u00e4ten eines Aufkl\u00e4rers h\u00f6her waren, als sp\u00e4ter die Anforderungen auf den Posten des Pr\u00e4sidenten Russlands wurden...\r\n\r\nNachdem Putin zum Pr\u00e4sidenten gemacht worden war, hat er Krjutschkow in den Kreml eingeladen, den ehemaligen Chef der KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung, um ihn zu \u00fcberreden, sich an die Heldentaten des Aufkl\u00e4rers Putin zu erinnern. Fr\u00fcher hat man auf eine \u00e4hnliche Weise auch Marschall Schukow versucht zu \u00fcberreden, sich in seinen Memoiren daran zu erinnern, wie er sich w\u00e4hrend des Krieges f\u00fcr die Meinung von Oberst Breschnew interessierte. Krjutschkow, wie einst Schukow auch, verzichtete darauf, sich an das Niedagewesene zu erinnern, und seitdem verwandelte sich die Au\u00dfenaufkl\u00e4rung in eine ungeliebte Stieftochter des Kremls. Als Resultat ging der Gro\u00dfteil der aufkl\u00e4rerischen Funktionen im Ausland flie\u00dfend in die Kompetenz des FSB \u00fcber, der zu den Zeiten, als ihn Putin leitete, mit Mitarbeitern der territorialen KGB-Verwaltung aus Leningrad und Umgebung \u201everst\u00e4rkt\u201c worden war, deren Mehrheit bis zu ihrem Umzug nach Moskau einen echten lebendigen Amerikaner oder Chinesen nie vors Gesicht bekommen hatte.\r\n\r\nEs folgte eine Reihe ber\u00fcchtigter und oft beleidigend d\u00e4mlicher Niederlagen. Nun k\u00f6nnen wir in Echtzeit eine geopolitische Niederlage beobachten: die strategische Kehrtwendung Russlands vom Westen zum Osten hin.\r\n\r\nEigentlich ist diese Kehrtwendung vom historischen Standpunkt aus irgendwie folgerichtig. Das Moskauer F\u00fcrstentum, dem Russland entwachsen ist, materialisierte sich als Ulus der Horde. Nun schlie\u00dft sich der historische Kreis und Russland verwandelt sich in einen Vasallen der Tianxia. Die Frage ist nur, wer dabei im Gewinn bleibt und wer mit Pauken und Trompeten durchf\u00e4llt.\r\n\r\nIm Eifer des Kalten Krieges, als ich in der amerikanischen Abteilung des Ersten Direktorats des KGB arbeitete, bestimmte die UdSSR-Regierung die \u201eHauptfeinde\u201c der UdSSR in folgender Reihenfolge: USA, NATO, China. Faktisch bedeutete dies, dass die Aufkl\u00e4rungsoffiziere, unabh\u00e4ngig davon, in welches Land sie abkommandiert wurden, in erster Linie verpflichtet waren, zu diesen Hauptfeinden zu arbeiten. Und darum waren sie vor ihrer Dienstreise verpflichtet, ein Praktikum in einer entsprechenden Abteilung des PGU (Erstes Direktorat des KGB) abzuschlie\u00dfen. So musste auch ich eine Woche in der chinesischen Abteilung der politischen Aufkl\u00e4rung arbeiten, wo ich verschiedene Verfahren und Vorschriften durchlas.\r\n\r\nDie Resultate dieses Praktikums haben mich tief beeindruckt. Es stellte sich heraus, dass trotz der langen Jahre der engen Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und China - in erster Linie unter Stalin - China eine terra incognita f\u00fcr die KGB-Au\u00dfenaufkl\u00e4rung war, von den anderen Staatsbeh\u00f6rden mal abgesehen. Die Chinesen galten als nicht-rekrutierbar, und ihre Mentalit\u00e4t als schwer nachvollziehbar. Also, alles wie im bekannten Film: \u201eDer Osten ist eine feine Sache\u201c.\r\n\r\nDavon konnte ich mich in Washington \u00fcberzeugen, als ich einen Reporter einer der f\u00fchrenden chinesischen Zeitung bearbeitete, der nach Angaben des Zentrums ein Mitarbeiter der chinesischen Geheimdienste war. Es gibt viele Theorien dar\u00fcber, wie die chinesischen Geheimdienste arbeiten, dabei werden viele von diesen Theorien von Menschen geschrieben, die einen echten Chinesen nie im Leben gesehen haben.\r\n\r\nIch pers\u00f6nlich hatte den Eindruck, dass ich und mein chinesisches \u201eObjekt\u201c das Handwerk der Aufkl\u00e4rung in einer Gruppe und nach den gleichen Lehrb\u00fcchern erlernt haben (anscheinend hat die Beihilfe des KGB bei der Erschaffung der chinesischen Geheimdienste in den 1950ern ihre Fr\u00fcchte getragen). Er versuchte, mich zu rekrutieren - ich rekrutierte ihn. In der Zwischenzeit redeten wir \u201e\u00fcber das Leben\u201c.\r\n\r\nZu der Zeit, und das geschah in der Mitte der 1980er, war China ein armes und zur\u00fcckgebliebenes Land. Millionen Chinesen hungerten. Das R\u00fcckgrat der Industrie bestand aus Betrieben, die noch zu Stalins Zeiten\u00a0von der UdSSR geschenkt worden waren. \u201eJa, Ihr seid weit nach vorne gegangen\u201c, sagte der Chinese traurig, als wir den Lebensstandard der beiden L\u00e4nder verglichen.\r\n\r\nSeine Erz\u00e4hlung \u00fcber den Alltag der chinesischen Diplomaten und Journalisten in Washington verbl\u00fcffte mich bis auf tiefste Innere. Seine Familie, bestehend aus drei Menschen, lebte von seinem Lohn, der - Achtung! - 200 Dollar im Monat betrug. Dabei plante er in den vier Jahren seiner Dienstreise einen K\u00fchlschrank, einen Fernseher und eine Menge anderer Haushaltselektronik in den USA zu erwerben. Daf\u00fcr sparten er und andere Chinesen \u00e4u\u00dferst hart beim Essen, indem sie sich aus einem gemeinsamen Topf in der Botschaft ern\u00e4hrten.\r\n\r\nAls der Chinese mir all das erz\u00e4hlte, waren seine Augen sehr traurig, aber darin war auch das Glitzern einer bissigen \u00dcberzeugung: \u201eWir werden euch schon einholen! F\u00fcr die Erniedrigung, die Genosse Mao erfahren hat, als er auf darauf warten musste, dass ihn Genosse Stalin empf\u00e4ngt; f\u00fcr den beleidigenden Spitznamen \u201ePekinger Revisionisten\u201c, den Chruschtschow seinen ehemaligen Verb\u00fcndeten verliehen hat; f\u00fcr die beinahe ausradierte Insel Zhenbao Dao und f\u00fcr die 1,2 Millionen Quadratmeter Land in der Mandschurei, die Russland bei seinem chinesischen Brudervolk in der Mitte des 19. Jahrhunderts gestohlen hatte, als dieses durch den \u201eOpiumkrieg\u201c entkr\u00e4ftet war, und die Russland noch immer nicht zur\u00fcckgegeben hat.\u201c In einem ber\u00fchmten chinesischen Lied vom Anfang der 1950er wurde \u201eEin Russe und ein Chinese sind Br\u00fcder f\u00fcr Ewigkeit\u201c gesungen, aber im realen Leben kam heraus, dass die Geschichte sie zu einem ewigen Zwist verdammt.\r\n\r\nEinmal, ungef\u00e4hr Ende 1985, bestellte mich mein chinesischer Kollege unerwartet zu einem Sondertreffen, um eine sensationelle Nachricht mitzuteilen: China reduziert seine Streitkr\u00e4fte um 50% und nimmt einen Kurs auf eine forcierte Wirtschaftsentwicklung. Seinen Worten nach war das eine historische Kehrtwende, die nicht nur die Geschichte der Chinesischen Volksrepublik, sondern auch der ganzen Welt \u00e4ndern wird. Als ich das im Zentrum mitteilte, wurde mir geantwortet, dass dies eine Desinformation sei, die die ansteigende Aggressivit\u00e4t der chinesischen Soldateska zu verheimlichen bestimmt ist. \u2028In Wirklichkeit haben die Chinesen ihren urspr\u00fcnglichen Plan der Reduzierung wesentlich \u00fcberboten, und bis zum Jahr 2000 wurden ihre Streitkr\u00e4fte um 1,7 Millionen Menschen reduziert. In der gleichen Zeit verwandelte sich China aus einem zur\u00fcckgebliebenen halbhungrigen Land in einen wirtschaftlichen Giganten. Dies geschah, weil sich in der chinesischen Elite eine Gruppe Pragmatiker gebildet hat, die sich ganz einfache Wahrheiten zu eigen machten: dass man die Politiker austauschen m\u00fcsse, wie Pampers - also in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden; dass man sein Land nicht bestehlen darf, und dass man die T\u00e4ter daf\u00fcr erschie\u00dfen solle; dass das Hauptkriterium, das den Platz eines Staates in der modernen Welt bestimmt, seine Wirtschaft ist, und das Herumfuchteln mit Atomwaffen nur den Randfiguren \u00e0\u00a0la Nordkorea eigen ist. \u2028In der gleichen Zeit hat sich in Moskau eine Mannschaft intellektueller Nieten gebildet, die durch einen Klan hartgesottener Diebe und Banditen abgel\u00f6st wurde. In Peking sind sozial verantwortliche Menschen an die Machtspitze gekommen - in Moskau stieg haupts\u00e4chlich der Abschaum hoch. Als Folge st\u00fcrzte erst die UdSSR zusammen, und nun steht auch die Russische F\u00f6deration unter der Bedrohung eines Zerfalls.\r\n\r\nUnd unter diesen Bedingungen beschloss Putin, die Richtung zu wechseln. Gemacht wurde es himmlisch meisterhaft. Zuerst hat sich Russland mit der EU und den USA total \u00fcberworfen und den Westen davon \u00fcberzeugt, dass er so einen strategischen Erd\u00f6l- und Gaslieferanten nicht braucht. Und als man dann anfing, die \u201eGasprom\u201c von den traditionellen M\u00e4rkten abzudr\u00e4ngen, und ihr Gewinn in nur einem Jahr um das Siebenfache abst\u00fcrzte, beschloss der Kreml, den chinesischen Trumpf auszuspielen, um... die USA und EU zu bestrafen. Zu diesem Zweck ist Putin im Mai letzten Jahres (2014) pomp\u00f6s nach Peking gekommen.\r\n\r\nAlles weitere erinnerte an das Bild von Repin \u201eUnerwartet\u201c. Es hat sich herausgestellt, dass der \u201eAffe\u201c nicht umsonst Jahrzehnte lang geduldig herumsa\u00df und den Kampf zweier Tiger beobachtete. Nun kam einer von ihnen, der in dieser Zeit zu einer zerlumpten Katze mutiert ist, um Hilfe bettelnd zum \u201eAffen\u201c herangekrochen, der nun die volle Breitseite abbekommen kann. Den st\u00e4rksten Schlag bekam das Lieblingswerk des Kreml: Seine Pl\u00e4ne, die Hauptlieferungen von Gas aus Europa nach China unter der ungef\u00e4hren Beibehaltung des Preisniveaus zu verlegen. Dabei war sich Moskau sicher, dass Peking ihm 30 Milliarden Dollar zum Bau der Gaspipeline zur chinesischen Grenze zur Verf\u00fcgung stellt. Die Chinesen entgegneten mit einem Angebot, die Gaspipeline f\u00fcrs eigene, russische Geld zu bauen, und gaben so einen Preis f\u00fcr Gas, dass Putin und Co gebeten haben, diesen geheimzuhalten, um kein homerisches Gel\u00e4chter im Westen hervorzurufen. Experten haben aber den ungef\u00e4hren Preisstand herausgefunden, und es stellte sich heraus, dass dieser den Selbstkosten der F\u00f6rderung und des Transports des russischen Gases nahekommt.\r\n\r\nAls Putin die in Peking abgelaufenen Verhandlungen kommentierte, merkte er mit einem erzwungenen L\u00e4cheln an, dass sich die chinesischen Kumpels als harte Verhandlungspartner entpuppt haben. Man m\u00f6chte doch fragen: Was hast Du denn gedacht, mein Lieber? Du hast doch eigenh\u00e4ndig erst all die Br\u00fccken nach Westen hinter dir abgebrochen und bist dann ohne jegliche Verb\u00fcndete, unter Sanktionen und im Zustand einer Krisenwirtschaft mit einer ausgestreckten Hand zu einem reichen und harten Nachbarn um Hilfe bitten gekommen. Peking m\u00fcsste doch ein seltener Altruist sein, damit es unter solchen Bedingungen aus Russland nicht alles auspresst, was es nur braucht. Und genau das hat Peking auch getan.\r\n\r\nDas letzte Vereinbarungspaket, das beidseitig am 8. Mai 2015 w\u00e4hrend des Besuchs von Xi Jinping in Moskau unterzeichnet wurde, best\u00e4tigte die sich abzeichnende Tendenz: China geht ruhig und planm\u00e4\u00dfig an die Verwandlung Russlands zu seinen Rohstoffanh\u00e4ngsel heran. In Peking versteht man richtig, dass sich Putin derartig in eine Ecke man\u00f6vrierte, aus welcher er sich der Tianxia\u00a0nur noch zu F\u00fc\u00dfen werfen kann. Was er eigentlich auch getan hat.\r\n\r\nDie Kampfgef\u00e4hrten Putins gerieten auch in Schwierigkeiten. Nach vorhandenen Angaben \u00fcberwies Putins Umfeld seine Aktiva an Banken von Hongkong. Was denken Sie, wenn Obama oder jemand von seinen Ministern ein Geheimkonto bei der Sberbank Russlands er\u00f6ffnet h\u00e4tte, w\u00fcrde es der FSB ausnutzen oder nicht? Nat\u00fcrlich w\u00fcrde er! Ich bin sicher, dass die chinesischen Geheimdienste in Bezug auf die Inhaber der russischen Bankkonten in Hongkong genauso vorgehen werden, denn sie erinnern sich sehr gut an die Erfahrung, die ihnen noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts die sowjetischen Genossen aus dem KGB weitergegeben haben. Das Geld von Putin und seinen Komplizen ist also in guten H\u00e4nden.\r\n\r\nAus der Kehrtwende von Russland zum Osten kann man mehrere Schlussfolgerungen ziehen. Erstens wird Russland den chinesischen Trumpf gegen die USA nicht ausspielen k\u00f6nnen. Russland ist ein wirtschaftlicher Zwerg im Vergleich zu China und es ist absolut l\u00e4cherlich zu vermuten, dass die Tianxia irgendwelchen Gaunern erlauben wird, sie selbst als eine Trumpfkarte auszunutzen. Au\u00dferdem ist die Wirtschaft von China so eng mit der Wirtschaft von den USA verbunden, dass in absehbarer Zukunft die eine ohne die andere nicht existieren kann. Aber ohne das russische Erd\u00f6l und Gas kann sich China ganz gut zurecht finden, zumal Kasachstan und Turkmenistan in der N\u00e4he sind.\r\n\r\nZweitens kann China Europa als die Quelle der Finanzierung des russischen Gro\u00dfbusiness nicht ersetzen. Vor der Ausrufung der Sanktionen vergaben die westlichen Banken dem russischen Gro\u00dfbusiness billige Kredite in einer Gesamtsumme von 500 bis 700 Milliarden Dollar. Von China wird Russland kein Geld f\u00fcr die Entwicklung des privaten Gro\u00dfbusiness bekommen. Peking wird das Geld nur in solche Projekte auf dem Territorium Russlands investieren, die f\u00fcr die weitere wirtschaftliche Expansion von China unerl\u00e4sslich sind. Von der Entwicklung des russischen Gro\u00dfbusiness steht in Pekings Pl\u00e4nen nichts.\r\n\r\nDrittens, wenn man das wirtschaftliche Potenzial beider Seiten betrachtet, werden nun die \u201ekremlischen\u201c den \u201ePekingern\u201c untergeben sein, und die Beziehungen zwischen ihnen werden an die Beziehung zwischen einem Vasallen und seinem Lehnsherrn erinnern. Und das ist gut so. Am Ende muss doch jemand auf das Gesindel aufpassen. Ihr habt den liberalen und dekadenten Westen nicht gemocht? Dann bekommt Ihr den autorit\u00e4ren und harten Osten. Alexander Newskij hat sich geweigert, die k\u00f6nigliche Krone vom Papst anzunehmen und bevorzugte, auf den Knien vor dem Horden-Khan zu kriechen und seine Stiefel zu k\u00fcssen. Die geheimnisvolle russische Seele. Die Geschichte wiederholt sich, wie man so sch\u00f6n sagt...\r\n\r\nDer Kreml wird auch seine au\u00dfenpolitischen Ambitionen z\u00fcgeln m\u00fcssen. Ein Vasall muss ein Vasall bleiben, und hat \u00fcber ein mythisches Imperium nicht herumzuschreien. Um so mehr, weil China sich in Au\u00dfenbeziehungen \u00e4u\u00dferst zur\u00fcckhaltend verh\u00e4lt, indem es auf die wirtschaftliche Expansion setzt, und nicht auf milit\u00e4rische Abenteuer. \u00dcberhaupt ist es f\u00fcr Peking wohl sehr seltsam, wenn Menschen \u00fcber die eigene Gr\u00f6\u00dfe Reden schwingen, die sich in der Hochzeit eines wissenschaftlich-technischen Progresses davon ern\u00e4hren, was ihnen der liebe Gott geschenkt hat (Erd\u00f6l, Gas, andere Bodensch\u00e4tze), und alles, was sie dabei mit H\u00e4nden und ihrem Verstand tun, auf den internationalen M\u00e4rkten keiner Konkurrenz standh\u00e4lt. Und h\u00f6rt auf, \u00fcber den russischen Export der Superwaffen zu erz\u00e4hlen. Faktisch alle davon wurden noch in der Sowjetunion ausgearbeitet, als sich 80% des wissenschaftlichen Potenzials, das mit dem Milit\u00e4rindustriekomplex verbunden ist, in der Ukraine befand...\r\n\r\nDie Kehrtwende in Richtung China wird eine Spannung in der russischen B\u00fcrokratie hervorrufen. Bislang haben die Beamten ihre Ausweichflugpl\u00e4tze im Westen gebaut, und werden wohl kaum froh dar\u00fcber sein, sich auf Shanghai oder Peking umorientieren zu m\u00fcssen.\r\n\r\nDie Beamten regieren Russland seit den Zeiten von Peter I., und wenn der Regent in einen Konflikt mit dem Beamten-Heerschar trat, verlor er mit wenigen Ausnahmen. Mal hat den halbirren Regenten eine Apoplexia cerebri mithilfe einer Tabakdose in die Schl\u00e4fe aufgehalten, mal riss ein unerwarteter Putsch die Macht aus den H\u00e4nden eines abenteuerlustigen Generalsekret\u00e4rs. Bis jetzt brauchte die B\u00fcrokratie Putin als einen Stabilit\u00e4tsgaranten, aber die \u201ePerestrojka\u201c vom Westen auf den Osten - das ist ein strategisches Abenteuer. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dem Staatsapparat gelegen kommt.\r\n\r\nBei allem Grinsen und den \u00e4u\u00dferlich erwiesenen Aufmerksamkeiten m\u00fcssten die chinesischen Kumpels die kremlischen Anf\u00fchrer mit tiefer Verachtung wahrnehmen. Daf\u00fcr, was die Genossenschaft\u00a0\u201eOsero\u201c mit Russland\u00a0macht, wird man in China erschossen. Darum werden die kremlischen Jungs wohl bald sp\u00fcren, dass man sie auch hier nicht respektiert, aber eine Kehrtwende wird man nirgendwohin mehr machen k\u00f6nnen, es sei denn man geht eine Allianz mit Nordkorea ein...\r\n\r\nWas die Ukraine angeht, so verbindet sie mit China ein wichtiger Umstand: Beiden L\u00e4ndern hat Russland heimt\u00fcckisch einen gro\u00dfen Teil ihrer Territorien gestohlen, als diese L\u00e4nder sich in Not befanden. Hier k\u00f6nnte man auch Ber\u00fchrungspunkte finden.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em>Autor: <strong>Juri Schwez<\/strong> in <a href=\"http:\/\/gordonua.com\/publications\/Byvshiy-razvedchik-KGB-SHvec-Blizhayshee-okruzhenie-Putina-perevelo-svoi-aktivy-v-banki-Gonkonga-i-kitayskie-specsluzhby-etim-vospolzuyutsya-80834.html\">gordonua.com<\/a>; \u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a>.<\/em>\r\n\r\n<em><strong>CC BY 4.0<\/strong><\/em>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6584"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29870,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6584\/revisions\/29870"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}