{"id":7075,"date":"2015-06-23T10:16:51","date_gmt":"2015-06-23T10:16:51","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=7075"},"modified":"2017-12-28T10:36:41","modified_gmt":"2017-12-28T10:36:41","slug":"wir-uebergeben-dich-kadyrow-du-wirst-zu-seinem-hund-lemberger-student-ueber-die-hoelle-in-der-russischen-gefangenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wir-uebergeben-dich-kadyrow-du-wirst-zu-seinem-hund-lemberger-student-ueber-die-hoelle-in-der-russischen-gefangenschaft\/","title":{"rendered":"\u201eWir \u00fcbergeben dich Kadyrow \u2013 du wirst zu seinem Hund\u201c &#8211; Lemberger Student \u00fcber die H\u00f6lle in der russischen Gefangenschaft"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\"><span style=\"font-size: medium\"><i><b>Zuerst wurde ich in der Bezirksabteilung der Polizei geschlagen, auf M\u00e4nnerart geschlagen; sie drohten mir: zogen eine Fl\u00fcssigkeit in eine Spritze auf und sagten, dass sie es mir injizieren werden, dass sie der Gesundheit schaden werden&#8230;<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Vor einem Jahr und einem Monat fuhr ein Lemberger Student aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden nach Russland und verbrachte insgesamt ein Jahr in russischen Gef\u00e4ngnissen, weil er sich weigerte, im Fernsehen mit einem freim\u00fctigen Gest\u00e4ndnis im Terrorismus aufzutreten. Vor kurzem konnte ich diesen Ukrainer ausfindig machen. Vor euch liegt eine grauenhaft detaillierte Erz\u00e4hlung von Yuri Jazenko \u00fcber Folter und Anklagen in Spionage, Schmuggel und Drogenbesitz. Er gab nicht auf und seine Geschichte nahm ein gl\u00fcckliches Ende.<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Wann wurden Sie festgenommen?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Am 5. Mai 2014 kamen ich und mein Freund nach Russland, in die Oblast Kursk. Wir kauften und verkauften Elektronik: mit einem Preisaufschlag verkauften wir das weiter, was wir in der Ukraine gekauft hatten und verkauften in der Ukraine russische Waren. An der Grenze erl\u00e4uterten wir den Grund unserer Einreise nach Russland &#8211; \u201ePrivatreise\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dies ist der h\u00e4ufigste Grund und darunter k\u00f6nnen verschiedene Arten von T\u00e4tigkeiten verstanden werden. Am 5. Mai nahmen wir uns ein Hotelzimmer in der Stadt Obojan und am Morgen des 6. Mai klopfte ein Kriminalbeamter an unsere Hotelzimmert\u00fcr.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Er sagte, dass eine Pr\u00fcfung der Dokumente erforderlich ist und dass es eine \u00fcbliche Formalit\u00e4t vor den Mai-Feiertagen sei. Man brachte uns zur Polizeistation, es wurden Fingerabdr\u00fccke genommen und sie \u00fcberpr\u00fcften uns in allen Datenb\u00e4nken. Sie sahen sich die Schultern an, ob es keine Abdr\u00fccke vom Tragen einer Waffe und Einstiche gab.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; <span style=\"color: #000000\"><strong>Dachten sie, dass ihr ukrainische Terroristen seid?<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Sie fragten, ob wir etwas mit dem Maidan zu tun h\u00e4tten. Wir sagten, dass wir es nicht haben. Dann kam ein Mitarbeiter der \u00f6rtlichen FSB-Bezirksabteilung. Er fing an, uns \u00fcber den Maidan zu befragen, fragte, ob wir etwas mit den Ereignissen in Odessa zu tun h\u00e4tten: wir sagten wieder, dass wir es nicht haben. Am Abend versprachen die Polizisten uns freizulassen. Aber es kam wieder ein Mitarbeiter der FSB-Bezirksabteilung und diesmal brachte er Fotos von mir auf dem \u201eEuromaidan\u201c mit.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\"><span style=\"font-size: medium\"><b>&#8211; <\/b><\/span><\/span><\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Waren sie wirklich auf dem Maidan?<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00a0&#8211;\u00a0Ja, ich war oft auf dem friedlichen Maidan, aber ich hatte nichts mit radikalen Organisationen gemein. Der FSB-Mitarbeiter fragte mich: \u201eWie kommt es? Zuerst sagtest du, dass du nicht auf dem Maidan gewesen seist, es gibt jedoch Fotos, die das Gegenteil beweisen\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich sagte, ich wisse wie in Russland auf den Maidan reagiert wird und habe deshalb nichts gesagt, erst recht, da ich dort mit dem friedlichen Ziel zum Schutz der Gesellschaftsrechte war.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Haben sie nach einem Anwalt verlangt?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Ja, ich habe sofort nach einem Anwalt gefragt und bat um die Erlaubnis meine Verwandten anrufen zu d\u00fcrfen. Doch sie reagierten \u00fcberhaupt nicht auf meine Bitten und meinen Freund vernahmen sie in einem anderen Zimmer.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am n\u00e4chsten Tag kam eine ganze Abteilung der Spionageabwehr aus der Oblast Kursk: solch robuste, kr\u00e4ftige Kerle mit ernsten Gesichtern. Sie sagten, dass sie mit uns \u201earbeiten\u201c werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0<b style=\"color: #000000;font-family: inherit;line-height: 1.5\">Was meinten sie damit?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Sie sagten: \u201eIhr m\u00fcsst im russischen Fernsehen eine Stellungnahme machen, sagen, dass euch die Ukrainer mit dem Ziel geschickt haben, anti-russisische Aktivit\u00e4ten zu betreiben. Wenn ihr euch darum sorgt, dass ihr Probleme in eurer Heimat bekommt, dann ist Russland bereit euch Asyl und die russische Staatsb\u00fcrgerschaft zu gew\u00e4hren, aber ihr werdet die ukrainische Staatsb\u00fcrgerschaft ablehnen m\u00fcssen. Und wenn ihr nicht wollt \u2013 nehmt einfach Stellung im Fernsehen und dann k\u00f6nnt ihr fahren wohin ihr wollt: durch Russland oder in die Ukraine\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Habt ihr zugestimmt?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Nein, ich habe abgelehnt. Mir wurde auch der Paragraph im russischen Strafgesetzbuch gezeigt, in dem steht, dass wenn der Angeklagte nach dem \u201eSpionage\u201c-Artikel mit den Beh\u00f6rden kooperiere, \u201eaktiv Bu\u00dfe tue\u201c, dann befreie er sich von der strafrechtlichen Verantwortung. Ich habe diesen Bedingungen nicht zugestimmt.<\/p>\n<div id=\"attachment_7080\" style=\"width: 711px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7080\" class=\"wp-image-7080\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97.jpg\" alt=\"9\" width=\"701\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97.jpg 751w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7080\" class=\"wp-caption-text\">Yuri Jazenko<\/p>\n<\/div>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong><span style=\"color: #333333\">In der ersten Runde<\/span><\/strong><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Und was ist danach geschehen?<\/b><\/p>\n<p>&#8211; Man fing an mich zu schlagen. Zuerst wurde ich in der Bezirksabteilung der Polizei geschlagen, auf M\u00e4nnerart geschlagen; sie drohten mir: zogen eine Fl\u00fcssigkeit in eine Spritze auf und sagten, dass sie es mir injizieren werden, dass sie der Gesundheit schaden werden. Das waren die ersten drei Tage. Dann wurde in den Akten der Anklage dazu geschrieben, dass eine \u201ePr\u00fcfung durchgef\u00fchrt wurde\u201c, bei der ein Mitarbeiter des operativen Dienstes der Spionageabwehr, ein Spezialist der nonverbalen Kommunikation und andere teilnahmen. Danach \u00fcberf\u00fchrten sie mich in die Bezirksabteilung des FSB der Stadt Obojan, Oblast Kursk.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Regel f\u00fchrten f\u00fcnf Personen die Gespr\u00e4che. Anfangs waren es Mitarbeiter der FSB-Bezirksabteilung Kursk, sp\u00e4ter reisten schon Personen aus Moskau an.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie sagten: \u201eJetzt wei\u00df keiner wo du dich befindest, wir \u00fcbergeben dich Kadyrow, du wirst zu seinem Hund\u201c. Sie drohten mir, ich verabschiedete mich von meiner Freiheit und von meinem Leben, weil sie wissen wie man droht. Drei Tage lie\u00dfen sie mich nicht schlafen, gaben mir nichts zu essen. Sie verlie\u00dfen den Raum, kamen wieder und sagten: \u201eDein Freund Bohdan hat gegen dich ausgesagt\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dann kam ein Mitarbeiter des F\u00f6deralen Migrationsdienstes und sagte, er h\u00e4tte keinerlei Informationen dar\u00fcber, dass wir die Grenze legal \u00fcberquert h\u00e4tten. Ich sagte, das alles sei auf Videokameras zu sehen: auf der ukrainischen Grenze und auch auf der russischen. Und er: \u201eIch habe nichts derartiges in meiner Datenbank. Ich werde gegen sie Klage einreichen, da sie die Verwaltungsgesetze von Russland verletzt haben\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir wurden zum Gericht gef\u00fchrt und dort stellte sich heraus, dass der F\u00f6derale Migrationsdienst eine Anklage wegen falscher Angaben zum Grund unserer Reise nach Russland eingereicht hat: der F\u00f6derale Migrationsdienst meinte quasi, dass wir zu \u201etouristischen\u201c und nicht \u201eprivaten\u201c Zwecken eingereist sind.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Das ist doch Unsinn.<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Ja, denn das ist unm\u00f6glich zu trennen. Und was interessant ist: nach einem Gerichtsbeschluss sollte man mich und Bohdan innerhalb von zehn Tagen in die Ukraine abschieben und die Einreise nach Russland in Zukunft verbieten. Ehrlich gesagt, wollte ich \u00fcberhaupt nicht mehr nach Russland zur\u00fcckkehren. Also sa\u00dfen wir zehn Tage in der Haftanstalt f\u00fcr ausl\u00e4ndische B\u00fcrger. Die Zust\u00e4nde sind dort schlimmer als in der Untersuchungshaft: die Zellen sind \u00fcberf\u00fcllt, Steckdosen gibt es nicht, duschen kann man nur kalt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Es vergingen zehn Tage \u2013 aber wir wurden nicht in die Ukraine abgeschoben. Die Verwandten wussten nach wie vor nichts von uns. Wir sind einfach verschwunden. Und dann gelang es mir, mit einem Zellengenossen, den man in die Ukraine abschob, eine Notiz dar\u00fcber zu \u00fcbergeben, dass ich in Schwierigkeiten stecke und dringend einen Anwalt brauche.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am n\u00e4chsten Tag kam ein von meinem Freund durch das Internet engagierter Anwalt zu mir. Der Anwalt sagte, dass er sich um meinen Fall k\u00fcmmern und eine Beschwerde einlegen wird, warum die Entscheidung des Gerichts nicht befolgt wird und ich nicht in die Ukraine abgeschoben werde. Die FSB-Mitarbeiter wunderten sich, wie ich einen Anwalt bekommen konnte. Und in ein oder zwei Tagen kam der Speznas des FSB mit Mitarbeitern des operativen Dienstes. Man holte mich aus der Zelle, mir wurden Handschellen angelegt, ein Sack \u00fcber den Kopf gezogen. Die Kerle vom Speznas \u2013 maskiert: ich begriff, dass sie mich schlagen werden. Sie setzten mich auf den R\u00fccksitz des UAZ und schlugen drauf los: in den Bauch, in den Kopf. Sie drohten, schrien. Dann k\u00fcndigten sie an: \u201eGleich gibt es ein Treffen mit sehr wichtigen Leuten und man solle sich gut benehmen\u201c. Wir erreichten die Bezirksabteilung des FSB der Oblast Kursk. Man nahm mir den Sack ab und f\u00fchrte mich in die Verwaltung, in eine Art B\u00fcro. Sofas, ein gedeckter Tisch und es sa\u00dfen dort zwei seri\u00f6se M\u00e4nner in Anz\u00fcgen, gutm\u00fctig. Es beginnt ein Gespr\u00e4ch: wo ich geboren bin, warum ich auf dem Maidan war und so weiter und sofort.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0<b style=\"color: #000000;font-family: inherit;line-height: 1.5\">Haben sie sich vorgestellt? Haben sie ihre Papiere vorgezeigt?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Keiner hat sich jemals vorgestellt. Ich habe selbstverst\u00e4ndlich immer darum gebeten sich vorzustellen, doch vergeblich. Sie sagten mir erneut, wenn ich hier freikommen m\u00f6chte, dann muss ich im Fernsehen auftreten und sich mit Journalisten treffen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wusste, dass ich geschlagen werde und habe das gegessen, was auf dem Tisch lag. Und solche Gespr\u00e4che dauerten einige Tage: \u201eSag, dass du von Jarosch aus dem \u201eRechten Sektor\u201c bist, sag, dass du von Nalywajtschenko bist <em>(Walentyn Nalywajtschenko \u2013 ehemaliger Leiter des SBU Ukraine)<\/em>. Doch ich reagierte auf derartige S\u00e4tze nicht und stellte auch keine konkretisierenden Fragen. Sie beteuerten mir, die Macht in der Ukraine sei von den Amerikanern eingenommen worden und wenn ich im russischen Fernsehen auftrete, dann werde ich nicht gegen, sondern f\u00fcr mein Volk k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich erkl\u00e4rte, dass es mich nicht interessiere und ich es nicht brauche. Dann kamen wieder die maskierten M\u00e4nner, schlugen mehrmals zu, fingen an mich zu w\u00fcrgen und sagten: \u201eDenk dr\u00fcber nach\u201c. Und die seri\u00f6sen M\u00e4nner in den Anz\u00fcgen sagten diesen maskierten M\u00e4nnern: \u201eNehmt ihn mit\u201c. Und ich verstand, dass sie hart zuschlagen werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich fragte nach der Toilette. Dort schlug ich mich einige Male gegen eine Wandecke, zerschlug mir den Kopf, schlug mir die Stirn auf.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>&#8211; <\/strong><strong><span style=\"color: #000000\">Warum haben Sie das getan?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0F\u00fcr gew\u00f6hnlich schlagen sie in den Bauch, w\u00fcrgen und hinterlassen keine Spuren. Ich wollte, wenn ich dann in die Haftanstalt zur\u00fcckgebracht werde, dass der Arzt die Schl\u00e4ge festhalten kann. Ansonsten kannst du nicht beweisen, dass du geschlagen wurdest.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie setzten mich wieder in den Kleinbus und dort sa\u00dfen wieder die maskierten M\u00e4nner in den Speznas-Uniformen. Sie zogen mir wieder den Sack \u00fcber den Kopf, legten mir hinten Handschellen an und nach zehn Minuten sind die H\u00e4nde vollkommen taub geworden. Sie fuhren mich in eine unbekannte Richtung. Ich ahnte, dass sie mich foltern werden. Wir fuhren lange \u00fcber eine Feldstra\u00dfe. Ich wurde in den Wald gebracht \u2013 ich betete, verabschiedete mich vom Leben. Im UAZ sa\u00dfen Mitarbeiter des operativen Dienstes des FSB und zwei Speznas-K\u00e4mpfer. Einen von ihnen k\u00f6nnte ich wiedererkennen \u2013 er hob die Maske an und ich erinnere mich, dass er einen charakteristischen Kiefer hatte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als ich aus dem UAZ geschmissen wurde, bekam ich einen m\u00f6rderischen Schlag in die Leiste. Dann hob man mich am Arm hoch: diese Foltermethode wird als \u201eSchwalbe\u201c bezeichnet \u2013 das ist, wenn die Arme hinten stark verdreht werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wenn du einen Sack \u00fcber den Kopf hast, wei\u00dft du nicht, wohin der n\u00e4chste Schlag trifft und wenn du zum Beispiel in den Bauch geschlagen wirst, kannst du die Bauchmuskeln nicht anspannen und den Schlag abfedern.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Psychologisch wird es nach zwanzig Minuten be\u00e4ngstigend, man m\u00f6chte ohnm\u00e4chtig werden, verschwinden, alles unterschreiben, nur um dieser Folter zu entgehen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Deshalb liegen diejenigen falsch, die zum Beispiel die Mitangeklagten\u00a0von Oleh Senzow, die gegen ihn ausgesagt haben, verurteilen: sie haben das getan, weil man unter dieser Folter jede Aussage unterschreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\"><span style=\"font-size: medium\"><b>&#8211; <\/b><\/span><\/span><\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Was ist dann passiert?<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; So verschlugen sie mich wahrscheinlich vierzig Minuten und ich dachte, dass es keine Hoffnung g\u00e4be. Und dann sagte einer von ihnen: \u201eWenn du dich f\u00fcr solch einen Helden h\u00e4ltst, nehmen wir morgen dich und Bohdan mit und schauen wer von euch l\u00e4nger durchh\u00e4lt\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wurde in die Haftanstalt gebracht. Ich wusste, ein weiterer Tag unter dieser Folter war unm\u00f6glich zu ertragen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie ich von den Zellengenossen erfuhr, war der Leiter der Haftanstalt Fedorinow Dmitrij Semenovitsch fr\u00fcher der Leiter des aktiven Kontrollbereichs in der Oblast Kursk. Ich sagte ihm: \u201eIch will die Verletzungen aufnehmen und meinen Anwalt anrufen\u201c. Er lie\u00df mich ausreden und sagte: \u201eT\u00e4ubchen, ich wei\u00df, was dir passiert ist. Morgen werden die Jungs noch einmal mit dir arbeiten, du legst dein Gest\u00e4ndnis ab und dann wirst du auch einen Anwalt bekommen\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_7082\" style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7082\" class=\"wp-image-7082 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d.jpg\" alt=\"657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d\" width=\"700\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d.jpg 700w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d-300x183.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7082\" class=\"wp-caption-text\">Russischer Geheimdienst FSB<\/p>\n<\/div>\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong><span style=\"color: #333333\">In Runde zwei<\/span><\/strong><\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach zwei Wochen in der Haftanstalt lernte ich bereits ein wenig, wie man im Gef\u00e4ngnis sitzt, wusste wie ich mich mit Bohdan in Verbindung setzen kann: du trennst eine Socke bis auf die F\u00e4den auf und schickst die \u201eStra\u00dfe\u201c in die andere Zelle. So \u00fcbergab ich ihm eine Notiz dar\u00fcber, dass die Folter nicht auszuhalten sei und man mit sich etwas machen m\u00fcsste, um ins Krankenhaus zu kommen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Am Morgen sollten wir abgeholt und rausgefahren werden und wir einigten uns mit Bohdan darauf, dass wir uns zeitgleich aufschneiden werden. Ich gab ihm ein Zeichen und wir gingen gleichzeitig auf die Toilette. Rasierklingen werden offiziell herausgegeben \u2013 sie sind stumpf, sich mit ihnen zu schneiden ist schwierig aber nicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich zerschnitt mir die Venen am Arm \u2013 war ein relativ tiefer Schnitt. Den Bauch schnitt ich ebenfalls auf und wartete bis viel Blut floss. Und damit sie sich eine Vorstellung dar\u00fcber machen k\u00f6nnen: es gab eine ganze Blutfont\u00e4ne.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wartete einige Minuten ab, bis ich mehr Blut verlor.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Mir war klar, dass ich meinen K\u00f6rper zu einem Zustand bringen muss, bei dem man mich nicht foltern k\u00f6nnte. Ich wusste, dass das Risiko f\u00fcr das Leben gering war, aber mich zu foltern w\u00e4re nicht m\u00f6glich gewesen, weil ich das Bewusstsein verlieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich verlor recht viel Blut: die gesamte Hose war durchn\u00e4sst, das ganze Hemd und der gesamte Toilettenboden waren voller Blut. Ich verlie\u00df die Toilette und wir riefen mit unseren Zellengenossen die Wachen. Bohdan, der sich ebenfalls aufschlitzte, wurde bereits in die \u00f6rtliche Sanit\u00e4tsstelle eingeliefert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich stellte mich vor die Videokamera und sagte, dass ich es nicht erlauben werde, meinen Bauch zuzun\u00e4hen, bis man mir nicht erlaubt den Anwalt anzurufen. Die Mitarbeiter der Haftanstalt sorgten sich darum, dass ich nicht sterbe und nach genau einer Minute gaben sie mir ein Mobiltelefon. Ich habe mit der rechten Hand gew\u00e4hlt, rief den Anwalt und den Freund in der Ukraine an. Ich wusste, dass mein Freund mir sehr rasch helfen wird. Er hat praktisch in zwei Tagen alle zusammen getrommelt: es kam der ukrainische Generalkonsul in Russland Gennady Breskalenko und meine Verwandten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wurde ins \u00f6rtliche Krankenhaus gebracht: man musste viele Gef\u00e4\u00dfe vern\u00e4hen. Dort in der Chirurgie sagte der Psychologe der Haftanstalt zum Chirurgen: \u201eN\u00e4he ihn ohne Narkose zu\u201c. Ich fragte warum?<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8222;Wenn du dich schneiden kannst \u2013 dann lerne zu ertragen!\u201c &#8211; sagten sie mir.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die linke Hand war drei Monate lang taub.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Danach brachte man mich zur\u00fcck in die Haftanstalt. Seitdem hatte ich immer eine Rasierklinge des Rasierers bei mir: in den Stiefeln, in den N\u00e4hten und sobald die Zellen aufgingen und jemand reinkam, hielt ich sofort die Rasierklinge an mein Hals und sagte, ich w\u00fcrde mir die Halsschlagader \u00f6ffnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ende Mai kam der Konsul. Freunde und Verwandte in der Ukraine regten viel Aufmerksamkeit auf, damit ich in die Ukraine abgeschoben werde. Doch dieses Gerichtsurteil wurde nicht eingehalten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Warum schob man Sie nicht ab?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Eines Tages sind Gerichtsdiener erschienen und sagten, dass sie den Gerichtsbeschluss vollziehen und wir abgeschoben werden. Und unsere Eltern standen vor der Haftanstalt Wache, um daf\u00fcr zu sorgen, dass man uns nicht irgendwo in ein Wald abtransportiert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Au\u00dferdem gelang es uns ein Mobiltelefon in die Zelle zu bekommen \u2013 erhalten haben wir es aus der Nachbarzelle. Und ich war immer in Kontakt mit den Verwandten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir wurden zur Grenze gebracht und nach einer Stunde kam der Hauptgerichtsdiener und sagte, dass wir wieder umkehren m\u00fcssen, da angeblich irgendwelche Dokumente fehlten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">War das eine weitere T\u00e4uschung?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Wir wurden zur\u00fcck gebracht und ich sagte den Jungs in der Zelle, wenn mich anstatt Gerichtsdienern FSB-Mitarbeiter abholen kommen, dann werde ich schreien und sie sollen meine Eltern und den Konsul anrufen. Dann kamen Mitarbeiter der Haftanstalt: \u201eJazenko, die Gerichtsdiener sind gekommen\u201c. Ich kam raus und sah, wie Bohdan von Speznas-K\u00e4mpfern des FSB festgehalten wurde. Ich schrie: \u201eIch brauche einen Anwalt!\u201c und schlug meinen Kopf gegen das Gitter. Man fesselte mich, die Jungs in der Haftanstalt zerbrachen die Fenster und riefen meine Eltern an. Ich wurde in die Bezirksabteilung des FSB gebracht. <i>(Im Gegensatz zu Yuri\u00a0wurde Bohdan drei Monate nach seiner Festnahme in die Ukraine abgeschoben. &#8211; Offenes Russland)<\/i><\/p>\n<div id=\"attachment_7083\" style=\"width: 654px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7083\" class=\"wp-image-7083 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma.jpg\" alt=\"tyurma\" width=\"644\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma.jpg 644w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 644px) 100vw, 644px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7083\" class=\"wp-caption-text\">Russisches Gef\u00e4ngnis<\/p>\n<\/div>\n<h4 style=\"text-align: center\" align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #333333\">In der dritten Runde<\/span><\/strong><\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Nach welchem Paragraphen wurde die Anklage erhoben?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; &#8222;Schmuggel von explosiven Materialien\u201c<span style=\"font-size: medium\">, \u00a7<\/span>222, Teil1 des Strafgesetzbuches der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">2014 war ich f\u00fcnfmal in Russland und auch im November 2014. In meiner Anklage tauchte ein Taxifahrer auf. Dieser sagte aus, ich h\u00e4tte ihm damals eine Tasche da gelassen. Er wusste nicht, was drin w\u00e4re, doch nun \u00fcbergab er sie an das FSB und sie fanden 40 Gramm Schie\u00dfpulver in ihr.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Als ich im Wald gefoltert wurde, hielt man mir eine Waffe an den Kopf und sie haben mehrere Male abgedr\u00fcckt; ich dachte, dass sie mir diese Waffe sp\u00e4ter unterschieben werden. Doch sie schoben mir das Schie\u00dfpulver unter.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie versprachen mir: \u201eEntweder du kooperierst oder wir buchten dich ein\u201c. Sie sagten mir st\u00e4ndig: \u201eWir \u00a0sind ein allm\u00e4chtiger Dienst; denkst du, dass die Staatsanwaltschaft nicht auf uns h\u00f6rt, dass das Gericht nicht auf uns h\u00f6rt? Ich wei\u00df: sie hatten recht, ihr Wort haben sie gehalten. Es kam zur Gerichtsverhandlung, ich wurde verhaftet und in die Untersuchungshaft der Stadt Kursk gebracht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dort ist es schrecklich \u2013 offene Toiletten, seit den Sowjetzeiten gab es keine Renovierung. \u00dcber den Hof rennen Ratten, wie in einem indischen Tempel. Die Ratten verenden und keiner r\u00e4umt sie weg \u2013 es steht ein \u00fcbler Geruch.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Wie viel Zeit haben Sie in dieser Untersuchungshaft verbracht?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Ich sa\u00df dort drei Monate ein und dann brachte man mich in die Untersuchungshaft nach Belgorod. Dort war der Ermittler des FSB ad\u00e4quat und zu mir kamen zwei Anw\u00e4lte, zugewiesen von russischen Menschenrechtlern, mit denen sich meine Verwandten und Freunde in Verbindung gesetzt haben: die Anw\u00e4lte Oleg Sabanzew aus Belgorod und Pjotr Saikin aus Nischni Nowgorod. Nach zwei Monaten versprach mir der Ermittler, dass die verfahrenssichernden Ermittlungsma\u00dfnahmen f\u00fcr mich nicht verl\u00e4ngert und ich freigelassen werde.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch sp\u00e4ter, offenbar\u00a0nach R\u00fccksprache mit dem Moskauer FSB, wurde das Ermittlungsverfahren gegen mich weitergef\u00fchrt. Ich merkte, sobald sich die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland verbesserten, sagte der Ermittler, dass ich jeden Augenblick freigelassen werde. Dann \u00e4nderte sich die Lage und gegen mich lief weiter das Ermittlungsverfahren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">&#8211; <\/b><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Gab es auch Ratten in der Untersuchungshaft von Belgorod?<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Nein, dort lebten M\u00e4use in den Zellen. Mit mir sa\u00df ein verr\u00fcckter Zellengenosse, der glaubte, dass man uns diese M\u00e4use absichtlich unterschiebt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">&#8211; Hat man von Ihnen ein Gest\u00e4ndnis gefordert?<\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0Die Mitarbeiter des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses und die Zellengenossen, die sie zu mir setzten, sagten immer: \u201eSag dem Anwalt, dass sie dich in der Ukraine anklagen sollen\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">&#8211; Wozu?<\/span><\/b><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Damit Russland mich an die Ukraine ausliefert.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\">&#8211;\u00a0Soviel\u00a0ich wei\u00df, lief in der Ukraine zu dieser Zeit eine gro\u00dfe Schutzkampagne &#8211; in der Presse erschienen Artikel \u00fcber Ihren Fall.<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0Ja und jedes Mal, wenn ein Artikel erschien, wurde ich zum Ermittler zitiert. In Belgorod zitierte mich der Ermittler einmal im Monat zu sich. Er \u00fcbte keinen Druck mehr auf mich aus. Zur Unterredung wurde ich von dem Mitarbeiter des operativen Dienstes des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses aufgefordert: zehn Mitarbeiter des operativen Dienstes schlossen mich in die \u201eBox\u201c ein, drohten mir, schlugen mich jedoch nicht mehr.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211;\u00a0<span style=\"color: #000000\"><strong>Warum wurden Sie dennoch freigelassen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Zuerst strichen sie den Tatbestand des \u201eSchmuggels\u201c aus der Anklage. Das war im Januar. Der Ermittler sagte mir, dass der Fall auf \u201eBesitz von explosiven Materialien\u201c umgewandelt wird, um mich &#8222;f\u00fcrs bereits Abgesessene&#8220;\u00a0freizulassen. Die Sanktion \u2013 zwischen null und vier Jahren Freiheitsentzug. Der Besitz von 40 Gramm Schie\u00dfpulver, der mir zugeschrieben wurde, ist keine strafbare Handlung; daf\u00fcr wird man in der Regel nicht der Freiheit beraubt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong style=\"line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">&#8211; Wie wurde ihre Freilassung juristisch abgefertigt?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"line-height: 1.5\">&#8211; Ich wei\u00df, dass mein Ermittler zu dem Abteilungschef ging, um mich &#8222;f\u00fcrs Abgesessene&#8220;\u00a0freizulassen. Er wusste, dass es bereits gro\u00dfes Aufsehen gab und dass es noch mehr geben wird. Also begann im Februar 2015 die Gerichtsverhandlung, ich machte keinerlei Aussagen. Der Staatsanwalt forderte zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug. Am 10 M\u00e4rz sprach der Richter das Urteil: zwei Jahre.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Und dann kam es zur Berufung. Der Richter lie\u00df den Anwalt nicht sprechen. Der Anwalt Pjotr Saikin protestierte, die Verhandlung wurde vertagt. Und zur n\u00e4chsten Verhandlung lud der Anwalt einen ganzen Saal von Journalisten ein. Ich wurde nicht zum Gericht gebracht und verfolgte in der Untersuchungshaft die Verhandlung \u00fcber Videokonferenz. Ich bemerkte, dass sehr viele Journalisten im Saal waren und ich sprach ein langes Schlusswort. Der Richter kam raus und sagte: \u201eNeun Monate Freiheitsentzug\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">&#8211;\u00a0<\/span>Warum? Hat man ihn dazu angewiesen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Ich wei\u00df es nicht. Die Entscheidung des Berufungsgerichts fiel am 28. April und ich kam am 7. Mai 2015 auf freien Fu\u00df. Es vergingen ein Jahr und zwei Tage seit der Festnahme in Russland.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\">&#8211; Sie sind seit fast einem Monat in Freiheit, unterhielten sich in Kiew mit verschiedenen Politikern, Menschenrechtlern.\u00a0<\/span><\/span><\/strong><span style=\"color: #000000\"><b>Wissen Sie, weshalb Sie nun freigelassen wurden?<\/b><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Eine eindeutige Antwort wird mir keiner geben. Wie der FSB die Entscheidungen, die es trifft, begr\u00fcndet, wei\u00df niemand. Ich wollte nicht mit dem Ermittler kooperieren, deshalb wurde ich v\u00f6llig nutzlos f\u00fcr den Informationskrieg. Wenn man das in Geld und Arbeitsstunden rechnet- wie viel Geld in die Ausarbeitung dieses Falls gesteckt wurde, dann sind es fast zweihunderttausend US-Dollar. Denn in diesem Fall waren unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern involviert: Ermittler, Mitarbeiter des operativen Dienstes und Begleitung. Ich wurde st\u00e4ndig von einem Ort zum anderen gebracht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5;color: #000000\">&#8211;\u00a0Was machen Sie jetzt?<\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Ich schreibe mein Jura-Staatsexamen f\u00fcr Verfassungsrecht; schlie\u00dfe meine juristische Ausbildung ab; helfe der Organisation \u201eEuromaidan SOS\u201c bei die Kampagne f\u00fcr die Freilassung von politischen ukrainischen Gefangenen.\u00a0Ich lebe.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.szona.org\/otdadim-tebya-kadyrovu-budesh-u-nego-psom-lvovskij-student-ob-ade-plena-v-rossii\/#t20c\">szona.org<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey\">Kateryna Matey<\/a>; redaktiert von<span style=\"color: #003366\"> <a style=\"color: #003366\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><\/span>.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst wurde ich in der Bezirksabteilung der Polizei geschlagen, auf M\u00e4nnerart geschlagen; 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sie drohten mir: zogen eine Fl\u00fcssigkeit in eine Spritze auf und sagten, dass sie es mir injizieren werden, dass sie der Gesundheit schaden werden...<\/b><\/i><\/span><\/span><\/span><\/strong><\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Vor einem Jahr und einem Monat fuhr ein Lemberger Student aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden nach Russland und verbrachte insgesamt ein Jahr in russischen Gef\u00e4ngnissen, weil er sich weigerte, im Fernsehen mit einem freim\u00fctigen Gest\u00e4ndnis im Terrorismus aufzutreten. Vor kurzem konnte ich diesen Ukrainer ausfindig machen. Vor euch liegt eine grauenhaft detaillierte Erz\u00e4hlung von Yuri Jazenko \u00fcber Folter und Anklagen in Spionage, Schmuggel und Drogenbesitz. Er gab nicht auf und seine Geschichte nahm ein gl\u00fcckliches Ende.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><span style=\"color: #000000\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Wann wurden Sie festgenommen?<\/b><\/span><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Am 5. Mai 2014 kamen ich und mein Freund nach Russland, in die Oblast Kursk. Wir kauften und verkauften Elektronik: mit einem Preisaufschlag verkauften wir das weiter, was wir in der Ukraine gekauft hatten und verkauften in der Ukraine russische Waren. An der Grenze erl\u00e4uterten wir den Grund unserer Einreise nach Russland - \u201ePrivatreise\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Dies ist der h\u00e4ufigste Grund und darunter k\u00f6nnen verschiedene Arten von T\u00e4tigkeiten verstanden werden. Am 5. Mai nahmen wir uns ein Hotelzimmer in der Stadt Obojan und am Morgen des 6. Mai klopfte ein Kriminalbeamter an unsere Hotelzimmert\u00fcr.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Er sagte, dass eine Pr\u00fcfung der Dokumente erforderlich ist und dass es eine \u00fcbliche Formalit\u00e4t vor den Mai-Feiertagen sei. Man brachte uns zur Polizeistation, es wurden Fingerabdr\u00fccke genommen und sie \u00fcberpr\u00fcften uns in allen Datenb\u00e4nken. Sie sahen sich die Schultern an, ob es keine Abdr\u00fccke vom Tragen einer Waffe und Einstiche gab.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- <span style=\"color: #000000\"><strong>Dachten sie, dass ihr ukrainische Terroristen seid?<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Sie fragten, ob wir etwas mit dem Maidan zu tun h\u00e4tten. Wir sagten, dass wir es nicht haben. Dann kam ein Mitarbeiter der \u00f6rtlichen FSB-Bezirksabteilung. Er fing an, uns \u00fcber den Maidan zu befragen, fragte, ob wir etwas mit den Ereignissen in Odessa zu tun h\u00e4tten: wir sagten wieder, dass wir es nicht haben. Am Abend versprachen die Polizisten uns freizulassen. Aber es kam wieder ein Mitarbeiter der FSB-Bezirksabteilung und diesmal brachte er Fotos von mir auf dem \u201eEuromaidan\u201c mit.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\"><span style=\"font-size: medium\"><b>- <\/b><\/span><\/span><\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Waren sie wirklich auf dem Maidan?<\/span><\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00a0-\u00a0Ja, ich war oft auf dem friedlichen Maidan, aber ich hatte nichts mit radikalen Organisationen gemein. Der FSB-Mitarbeiter fragte mich: \u201eWie kommt es? Zuerst sagtest du, dass du nicht auf dem Maidan gewesen seist, es gibt jedoch Fotos, die das Gegenteil beweisen\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich sagte, ich wisse wie in Russland auf den Maidan reagiert wird und habe deshalb nichts gesagt, erst recht, da ich dort mit dem friedlichen Ziel zum Schutz der Gesellschaftsrechte war.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Haben sie nach einem Anwalt verlangt?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Ja, ich habe sofort nach einem Anwalt gefragt und bat um die Erlaubnis meine Verwandten anrufen zu d\u00fcrfen. Doch sie reagierten \u00fcberhaupt nicht auf meine Bitten und meinen Freund vernahmen sie in einem anderen Zimmer.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Am n\u00e4chsten Tag kam eine ganze Abteilung der Spionageabwehr aus der Oblast Kursk: solch robuste, kr\u00e4ftige Kerle mit ernsten Gesichtern. Sie sagten, dass sie mit uns \u201earbeiten\u201c werden.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0<b style=\"color: #000000;font-family: inherit;line-height: 1.5\">Was meinten sie damit?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Sie sagten: \u201eIhr m\u00fcsst im russischen Fernsehen eine Stellungnahme machen, sagen, dass euch die Ukrainer mit dem Ziel geschickt haben, anti-russisische Aktivit\u00e4ten zu betreiben. Wenn ihr euch darum sorgt, dass ihr Probleme in eurer Heimat bekommt, dann ist Russland bereit euch Asyl und die russische Staatsb\u00fcrgerschaft zu gew\u00e4hren, aber ihr werdet die ukrainische Staatsb\u00fcrgerschaft ablehnen m\u00fcssen. Und wenn ihr nicht wollt \u2013 nehmt einfach Stellung im Fernsehen und dann k\u00f6nnt ihr fahren wohin ihr wollt: durch Russland oder in die Ukraine\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Habt ihr zugestimmt?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Nein, ich habe abgelehnt. Mir wurde auch der Paragraph im russischen Strafgesetzbuch gezeigt, in dem steht, dass wenn der Angeklagte nach dem \u201eSpionage\u201c-Artikel mit den Beh\u00f6rden kooperiere, \u201eaktiv Bu\u00dfe tue\u201c, dann befreie er sich von der strafrechtlichen Verantwortung. Ich habe diesen Bedingungen nicht zugestimmt.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_7080\" align=\"aligncenter\" width=\"701\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97.jpg\"><img class=\"wp-image-7080\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/97.jpg\" alt=\"9\" width=\"701\" height=\"467\" \/><\/a> Yuri Jazenko[\/caption]\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong><span style=\"color: #333333\">In der ersten Runde<\/span><\/strong><\/h4>\r\n<span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Und was ist danach geschehen?<\/b>\r\n\r\n- Man fing an mich zu schlagen. Zuerst wurde ich in der Bezirksabteilung der Polizei geschlagen, auf M\u00e4nnerart geschlagen; sie drohten mir: zogen eine Fl\u00fcssigkeit in eine Spritze auf und sagten, dass sie es mir injizieren werden, dass sie der Gesundheit schaden werden. Das waren die ersten drei Tage. Dann wurde in den Akten der Anklage dazu geschrieben, dass eine \u201ePr\u00fcfung durchgef\u00fchrt wurde\u201c, bei der ein Mitarbeiter des operativen Dienstes der Spionageabwehr, ein Spezialist der nonverbalen Kommunikation und andere teilnahmen. Danach \u00fcberf\u00fchrten sie mich in die Bezirksabteilung des FSB der Stadt Obojan, Oblast Kursk.\r\n<p align=\"JUSTIFY\">In der Regel f\u00fchrten f\u00fcnf Personen die Gespr\u00e4che. Anfangs waren es Mitarbeiter der FSB-Bezirksabteilung Kursk, sp\u00e4ter reisten schon Personen aus Moskau an.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie sagten: \u201eJetzt wei\u00df keiner wo du dich befindest, wir \u00fcbergeben dich Kadyrow, du wirst zu seinem Hund\u201c. Sie drohten mir, ich verabschiedete mich von meiner Freiheit und von meinem Leben, weil sie wissen wie man droht. Drei Tage lie\u00dfen sie mich nicht schlafen, gaben mir nichts zu essen. Sie verlie\u00dfen den Raum, kamen wieder und sagten: \u201eDein Freund Bohdan hat gegen dich ausgesagt\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Dann kam ein Mitarbeiter des F\u00f6deralen Migrationsdienstes und sagte, er h\u00e4tte keinerlei Informationen dar\u00fcber, dass wir die Grenze legal \u00fcberquert h\u00e4tten. Ich sagte, das alles sei auf Videokameras zu sehen: auf der ukrainischen Grenze und auch auf der russischen. Und er: \u201eIch habe nichts derartiges in meiner Datenbank. Ich werde gegen sie Klage einreichen, da sie die Verwaltungsgesetze von Russland verletzt haben\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir wurden zum Gericht gef\u00fchrt und dort stellte sich heraus, dass der F\u00f6derale Migrationsdienst eine Anklage wegen falscher Angaben zum Grund unserer Reise nach Russland eingereicht hat: der F\u00f6derale Migrationsdienst meinte quasi, dass wir zu \u201etouristischen\u201c und nicht \u201eprivaten\u201c Zwecken eingereist sind.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Das ist doch Unsinn.<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Ja, denn das ist unm\u00f6glich zu trennen. Und was interessant ist: nach einem Gerichtsbeschluss sollte man mich und Bohdan innerhalb von zehn Tagen in die Ukraine abschieben und die Einreise nach Russland in Zukunft verbieten. Ehrlich gesagt, wollte ich \u00fcberhaupt nicht mehr nach Russland zur\u00fcckkehren. Also sa\u00dfen wir zehn Tage in der Haftanstalt f\u00fcr ausl\u00e4ndische B\u00fcrger. Die Zust\u00e4nde sind dort schlimmer als in der Untersuchungshaft: die Zellen sind \u00fcberf\u00fcllt, Steckdosen gibt es nicht, duschen kann man nur kalt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Es vergingen zehn Tage \u2013 aber wir wurden nicht in die Ukraine abgeschoben. Die Verwandten wussten nach wie vor nichts von uns. Wir sind einfach verschwunden. Und dann gelang es mir, mit einem Zellengenossen, den man in die Ukraine abschob, eine Notiz dar\u00fcber zu \u00fcbergeben, dass ich in Schwierigkeiten stecke und dringend einen Anwalt brauche.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Am n\u00e4chsten Tag kam ein von meinem Freund durch das Internet engagierter Anwalt zu mir. Der Anwalt sagte, dass er sich um meinen Fall k\u00fcmmern und eine Beschwerde einlegen wird, warum die Entscheidung des Gerichts nicht befolgt wird und ich nicht in die Ukraine abgeschoben werde. Die FSB-Mitarbeiter wunderten sich, wie ich einen Anwalt bekommen konnte. Und in ein oder zwei Tagen kam der Speznas des FSB mit Mitarbeitern des operativen Dienstes. Man holte mich aus der Zelle, mir wurden Handschellen angelegt, ein Sack \u00fcber den Kopf gezogen. Die Kerle vom Speznas \u2013 maskiert: ich begriff, dass sie mich schlagen werden. Sie setzten mich auf den R\u00fccksitz des UAZ und schlugen drauf los: in den Bauch, in den Kopf. Sie drohten, schrien. Dann k\u00fcndigten sie an: \u201eGleich gibt es ein Treffen mit sehr wichtigen Leuten und man solle sich gut benehmen\u201c. Wir erreichten die Bezirksabteilung des FSB der Oblast Kursk. Man nahm mir den Sack ab und f\u00fchrte mich in die Verwaltung, in eine Art B\u00fcro. Sofas, ein gedeckter Tisch und es sa\u00dfen dort zwei seri\u00f6se M\u00e4nner in Anz\u00fcgen, gutm\u00fctig. Es beginnt ein Gespr\u00e4ch: wo ich geboren bin, warum ich auf dem Maidan war und so weiter und sofort.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0<b style=\"color: #000000;font-family: inherit;line-height: 1.5\">Haben sie sich vorgestellt? Haben sie ihre Papiere vorgezeigt?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Keiner hat sich jemals vorgestellt. Ich habe selbstverst\u00e4ndlich immer darum gebeten sich vorzustellen, doch vergeblich. Sie sagten mir erneut, wenn ich hier freikommen m\u00f6chte, dann muss ich im Fernsehen auftreten und sich mit Journalisten treffen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wusste, dass ich geschlagen werde und habe das gegessen, was auf dem Tisch lag. Und solche Gespr\u00e4che dauerten einige Tage: \u201eSag, dass du von Jarosch aus dem \u201eRechten Sektor\u201c bist, sag, dass du von Nalywajtschenko bist <em>(Walentyn Nalywajtschenko \u2013 ehemaliger Leiter des SBU Ukraine)<\/em>. Doch ich reagierte auf derartige S\u00e4tze nicht und stellte auch keine konkretisierenden Fragen. Sie beteuerten mir, die Macht in der Ukraine sei von den Amerikanern eingenommen worden und wenn ich im russischen Fernsehen auftrete, dann werde ich nicht gegen, sondern f\u00fcr mein Volk k\u00e4mpfen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich erkl\u00e4rte, dass es mich nicht interessiere und ich es nicht brauche. Dann kamen wieder die maskierten M\u00e4nner, schlugen mehrmals zu, fingen an mich zu w\u00fcrgen und sagten: \u201eDenk dr\u00fcber nach\u201c. Und die seri\u00f6sen M\u00e4nner in den Anz\u00fcgen sagten diesen maskierten M\u00e4nnern: \u201eNehmt ihn mit\u201c. Und ich verstand, dass sie hart zuschlagen werden.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich fragte nach der Toilette. Dort schlug ich mich einige Male gegen eine Wandecke, zerschlug mir den Kopf, schlug mir die Stirn auf.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong>- <\/strong><strong><span style=\"color: #000000\">Warum haben Sie das getan?<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0F\u00fcr gew\u00f6hnlich schlagen sie in den Bauch, w\u00fcrgen und hinterlassen keine Spuren. Ich wollte, wenn ich dann in die Haftanstalt zur\u00fcckgebracht werde, dass der Arzt die Schl\u00e4ge festhalten kann. Ansonsten kannst du nicht beweisen, dass du geschlagen wurdest.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie setzten mich wieder in den Kleinbus und dort sa\u00dfen wieder die maskierten M\u00e4nner in den Speznas-Uniformen. Sie zogen mir wieder den Sack \u00fcber den Kopf, legten mir hinten Handschellen an und nach zehn Minuten sind die H\u00e4nde vollkommen taub geworden. Sie fuhren mich in eine unbekannte Richtung. Ich ahnte, dass sie mich foltern werden. Wir fuhren lange \u00fcber eine Feldstra\u00dfe. Ich wurde in den Wald gebracht \u2013 ich betete, verabschiedete mich vom Leben. Im UAZ sa\u00dfen Mitarbeiter des operativen Dienstes des FSB und zwei Speznas-K\u00e4mpfer. Einen von ihnen k\u00f6nnte ich wiedererkennen \u2013 er hob die Maske an und ich erinnere mich, dass er einen charakteristischen Kiefer hatte.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Als ich aus dem UAZ geschmissen wurde, bekam ich einen m\u00f6rderischen Schlag in die Leiste. Dann hob man mich am Arm hoch: diese Foltermethode wird als \u201eSchwalbe\u201c bezeichnet \u2013 das ist, wenn die Arme hinten stark verdreht werden.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wenn du einen Sack \u00fcber den Kopf hast, wei\u00dft du nicht, wohin der n\u00e4chste Schlag trifft und wenn du zum Beispiel in den Bauch geschlagen wirst, kannst du die Bauchmuskeln nicht anspannen und den Schlag abfedern.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Psychologisch wird es nach zwanzig Minuten be\u00e4ngstigend, man m\u00f6chte ohnm\u00e4chtig werden, verschwinden, alles unterschreiben, nur um dieser Folter zu entgehen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Deshalb liegen diejenigen falsch, die zum Beispiel die Mitangeklagten\u00a0von Oleh Senzow, die gegen ihn ausgesagt haben, verurteilen: sie haben das getan, weil man unter dieser Folter jede Aussage unterschreiben k\u00f6nnte.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\"><span style=\"font-size: medium\"><b>- <\/b><\/span><\/span><\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Was ist dann passiert?<\/span><\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- So verschlugen sie mich wahrscheinlich vierzig Minuten und ich dachte, dass es keine Hoffnung g\u00e4be. Und dann sagte einer von ihnen: \u201eWenn du dich f\u00fcr solch einen Helden h\u00e4ltst, nehmen wir morgen dich und Bohdan mit und schauen wer von euch l\u00e4nger durchh\u00e4lt\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wurde in die Haftanstalt gebracht. Ich wusste, ein weiterer Tag unter dieser Folter war unm\u00f6glich zu ertragen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie ich von den Zellengenossen erfuhr, war der Leiter der Haftanstalt Fedorinow Dmitrij Semenovitsch fr\u00fcher der Leiter des aktiven Kontrollbereichs in der Oblast Kursk. Ich sagte ihm: \u201eIch will die Verletzungen aufnehmen und meinen Anwalt anrufen\u201c. Er lie\u00df mich ausreden und sagte: \u201eT\u00e4ubchen, ich wei\u00df, was dir passiert ist. Morgen werden die Jungs noch einmal mit dir arbeiten, du legst dein Gest\u00e4ndnis ab und dann wirst du auch einen Anwalt bekommen\u201c.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_7082\" align=\"aligncenter\" width=\"700\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d.jpg\"><img class=\"wp-image-7082 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d.jpg\" alt=\"657270dcea8dba6369a1c98c9ceb117d\" width=\"700\" height=\"426\" \/><\/a> Russischer Geheimdienst FSB[\/caption]\r\n<h4 style=\"text-align: center\"><strong><span style=\"color: #333333\">In Runde zwei<\/span><\/strong><\/h4>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Nach zwei Wochen in der Haftanstalt lernte ich bereits ein wenig, wie man im Gef\u00e4ngnis sitzt, wusste wie ich mich mit Bohdan in Verbindung setzen kann: du trennst eine Socke bis auf die F\u00e4den auf und schickst die \u201eStra\u00dfe\u201c in die andere Zelle. So \u00fcbergab ich ihm eine Notiz dar\u00fcber, dass die Folter nicht auszuhalten sei und man mit sich etwas machen m\u00fcsste, um ins Krankenhaus zu kommen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Am Morgen sollten wir abgeholt und rausgefahren werden und wir einigten uns mit Bohdan darauf, dass wir uns zeitgleich aufschneiden werden. Ich gab ihm ein Zeichen und wir gingen gleichzeitig auf die Toilette. Rasierklingen werden offiziell herausgegeben \u2013 sie sind stumpf, sich mit ihnen zu schneiden ist schwierig aber nicht unm\u00f6glich.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich zerschnitt mir die Venen am Arm \u2013 war ein relativ tiefer Schnitt. Den Bauch schnitt ich ebenfalls auf und wartete bis viel Blut floss. Und damit sie sich eine Vorstellung dar\u00fcber machen k\u00f6nnen: es gab eine ganze Blutfont\u00e4ne.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wartete einige Minuten ab, bis ich mehr Blut verlor.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Mir war klar, dass ich meinen K\u00f6rper zu einem Zustand bringen muss, bei dem man mich nicht foltern k\u00f6nnte. Ich wusste, dass das Risiko f\u00fcr das Leben gering war, aber mich zu foltern w\u00e4re nicht m\u00f6glich gewesen, weil ich das Bewusstsein verlieren w\u00fcrde.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich verlor recht viel Blut: die gesamte Hose war durchn\u00e4sst, das ganze Hemd und der gesamte Toilettenboden waren voller Blut. Ich verlie\u00df die Toilette und wir riefen mit unseren Zellengenossen die Wachen. Bohdan, der sich ebenfalls aufschlitzte, wurde bereits in die \u00f6rtliche Sanit\u00e4tsstelle eingeliefert.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich stellte mich vor die Videokamera und sagte, dass ich es nicht erlauben werde, meinen Bauch zuzun\u00e4hen, bis man mir nicht erlaubt den Anwalt anzurufen. Die Mitarbeiter der Haftanstalt sorgten sich darum, dass ich nicht sterbe und nach genau einer Minute gaben sie mir ein Mobiltelefon. Ich habe mit der rechten Hand gew\u00e4hlt, rief den Anwalt und den Freund in der Ukraine an. Ich wusste, dass mein Freund mir sehr rasch helfen wird. Er hat praktisch in zwei Tagen alle zusammen getrommelt: es kam der ukrainische Generalkonsul in Russland Gennady Breskalenko und meine Verwandten.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ich wurde ins \u00f6rtliche Krankenhaus gebracht: man musste viele Gef\u00e4\u00dfe vern\u00e4hen. Dort in der Chirurgie sagte der Psychologe der Haftanstalt zum Chirurgen: \u201eN\u00e4he ihn ohne Narkose zu\u201c. Ich fragte warum?<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">\"Wenn du dich schneiden kannst \u2013 dann lerne zu ertragen!\u201c - sagten sie mir.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Die linke Hand war drei Monate lang taub.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Danach brachte man mich zur\u00fcck in die Haftanstalt. Seitdem hatte ich immer eine Rasierklinge des Rasierers bei mir: in den Stiefeln, in den N\u00e4hten und sobald die Zellen aufgingen und jemand reinkam, hielt ich sofort die Rasierklinge an mein Hals und sagte, ich w\u00fcrde mir die Halsschlagader \u00f6ffnen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ende Mai kam der Konsul. Freunde und Verwandte in der Ukraine regten viel Aufmerksamkeit auf, damit ich in die Ukraine abgeschoben werde. Doch dieses Gerichtsurteil wurde nicht eingehalten.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Warum schob man Sie nicht ab?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Eines Tages sind Gerichtsdiener erschienen und sagten, dass sie den Gerichtsbeschluss vollziehen und wir abgeschoben werden. Und unsere Eltern standen vor der Haftanstalt Wache, um daf\u00fcr zu sorgen, dass man uns nicht irgendwo in ein Wald abtransportiert.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Au\u00dferdem gelang es uns ein Mobiltelefon in die Zelle zu bekommen \u2013 erhalten haben wir es aus der Nachbarzelle. Und ich war immer in Kontakt mit den Verwandten.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir wurden zur Grenze gebracht und nach einer Stunde kam der Hauptgerichtsdiener und sagte, dass wir wieder umkehren m\u00fcssen, da angeblich irgendwelche Dokumente fehlten.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">War das eine weitere T\u00e4uschung?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Wir wurden zur\u00fcck gebracht und ich sagte den Jungs in der Zelle, wenn mich anstatt Gerichtsdienern FSB-Mitarbeiter abholen kommen, dann werde ich schreien und sie sollen meine Eltern und den Konsul anrufen. Dann kamen Mitarbeiter der Haftanstalt: \u201eJazenko, die Gerichtsdiener sind gekommen\u201c. Ich kam raus und sah, wie Bohdan von Speznas-K\u00e4mpfern des FSB festgehalten wurde. Ich schrie: \u201eIch brauche einen Anwalt!\u201c und schlug meinen Kopf gegen das Gitter. Man fesselte mich, die Jungs in der Haftanstalt zerbrachen die Fenster und riefen meine Eltern an. Ich wurde in die Bezirksabteilung des FSB gebracht. <i>(Im Gegensatz zu Yuri\u00a0wurde Bohdan drei Monate nach seiner Festnahme in die Ukraine abgeschoben. - Offenes Russland)<\/i><\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_7083\" align=\"aligncenter\" width=\"644\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma.jpg\"><img class=\"wp-image-7083 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/06\/tyurma.jpg\" alt=\"tyurma\" width=\"644\" height=\"483\" \/><\/a> Russisches Gef\u00e4ngnis[\/caption]\r\n<h4 style=\"text-align: center\" align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #333333\">In der dritten Runde<\/span><\/strong><\/h4>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Nach welchem Paragraphen wurde die Anklage erhoben?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- \"Schmuggel von explosiven Materialien\u201c<span style=\"font-size: medium\">, \u00a7<\/span>222, Teil1 des Strafgesetzbuches der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">2014 war ich f\u00fcnfmal in Russland und auch im November 2014. In meiner Anklage tauchte ein Taxifahrer auf. Dieser sagte aus, ich h\u00e4tte ihm damals eine Tasche da gelassen. Er wusste nicht, was drin w\u00e4re, doch nun \u00fcbergab er sie an das FSB und sie fanden 40 Gramm Schie\u00dfpulver in ihr.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Als ich im Wald gefoltert wurde, hielt man mir eine Waffe an den Kopf und sie haben mehrere Male abgedr\u00fcckt; ich dachte, dass sie mir diese Waffe sp\u00e4ter unterschieben werden. Doch sie schoben mir das Schie\u00dfpulver unter.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Sie versprachen mir: \u201eEntweder du kooperierst oder wir buchten dich ein\u201c. Sie sagten mir st\u00e4ndig: \u201eWir \u00a0sind ein allm\u00e4chtiger Dienst; denkst du, dass die Staatsanwaltschaft nicht auf uns h\u00f6rt, dass das Gericht nicht auf uns h\u00f6rt? Ich wei\u00df: sie hatten recht, ihr Wort haben sie gehalten. Es kam zur Gerichtsverhandlung, ich wurde verhaftet und in die Untersuchungshaft der Stadt Kursk gebracht.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Dort ist es schrecklich \u2013 offene Toiletten, seit den Sowjetzeiten gab es keine Renovierung. \u00dcber den Hof rennen Ratten, wie in einem indischen Tempel. Die Ratten verenden und keiner r\u00e4umt sie weg \u2013 es steht ein \u00fcbler Geruch.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">Wie viel Zeit haben Sie in dieser Untersuchungshaft verbracht?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Ich sa\u00df dort drei Monate ein und dann brachte man mich in die Untersuchungshaft nach Belgorod. Dort war der Ermittler des FSB ad\u00e4quat und zu mir kamen zwei Anw\u00e4lte, zugewiesen von russischen Menschenrechtlern, mit denen sich meine Verwandten und Freunde in Verbindung gesetzt haben: die Anw\u00e4lte Oleg Sabanzew aus Belgorod und Pjotr Saikin aus Nischni Nowgorod. Nach zwei Monaten versprach mir der Ermittler, dass die verfahrenssichernden Ermittlungsma\u00dfnahmen f\u00fcr mich nicht verl\u00e4ngert und ich freigelassen werde.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch sp\u00e4ter, offenbar\u00a0nach R\u00fccksprache mit dem Moskauer FSB, wurde das Ermittlungsverfahren gegen mich weitergef\u00fchrt. Ich merkte, sobald sich die Beziehungen zwischen der Ukraine und Russland verbesserten, sagte der Ermittler, dass ich jeden Augenblick freigelassen werde. Dann \u00e4nderte sich die Lage und gegen mich lief weiter das Ermittlungsverfahren.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">- <\/b><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">Gab es auch Ratten in der Untersuchungshaft von Belgorod?<\/span><\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Nein, dort lebten M\u00e4use in den Zellen. Mit mir sa\u00df ein verr\u00fcckter Zellengenosse, der glaubte, dass man uns diese M\u00e4use absichtlich unterschiebt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\">- Hat man von Ihnen ein Gest\u00e4ndnis gefordert?<\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0Die Mitarbeiter des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses und die Zellengenossen, die sie zu mir setzten, sagten immer: \u201eSag dem Anwalt, dass sie dich in der Ukraine anklagen sollen\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><b style=\"font-family: inherit;color: #000000;line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">- Wozu?<\/span><\/b><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Damit Russland mich an die Ukraine ausliefert.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\">-\u00a0Soviel\u00a0ich wei\u00df, lief in der Ukraine zu dieser Zeit eine gro\u00dfe Schutzkampagne - in der Presse erschienen Artikel \u00fcber Ihren Fall.<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0Ja und jedes Mal, wenn ein Artikel erschien, wurde ich zum Ermittler zitiert. In Belgorod zitierte mich der Ermittler einmal im Monat zu sich. Er \u00fcbte keinen Druck mehr auf mich aus. Zur Unterredung wurde ich von dem Mitarbeiter des operativen Dienstes des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses aufgefordert: zehn Mitarbeiter des operativen Dienstes schlossen mich in die \u201eBox\u201c ein, drohten mir, schlugen mich jedoch nicht mehr.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-\u00a0<span style=\"color: #000000\"><strong>Warum wurden Sie dennoch freigelassen?<\/strong><\/span><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Zuerst strichen sie den Tatbestand des \u201eSchmuggels\u201c aus der Anklage. Das war im Januar. Der Ermittler sagte mir, dass der Fall auf \u201eBesitz von explosiven Materialien\u201c umgewandelt wird, um mich \"f\u00fcrs bereits Abgesessene\"\u00a0freizulassen. Die Sanktion \u2013 zwischen null und vier Jahren Freiheitsentzug. Der Besitz von 40 Gramm Schie\u00dfpulver, der mir zugeschrieben wurde, ist keine strafbare Handlung; daf\u00fcr wird man in der Regel nicht der Freiheit beraubt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong style=\"line-height: 1.5\"><span style=\"color: #000000\">- Wie wurde ihre Freilassung juristisch abgefertigt?<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"line-height: 1.5\">- Ich wei\u00df, dass mein Ermittler zu dem Abteilungschef ging, um mich \"f\u00fcrs Abgesessene\"\u00a0freizulassen. Er wusste, dass es bereits gro\u00dfes Aufsehen gab und dass es noch mehr geben wird. Also begann im Februar 2015 die Gerichtsverhandlung, ich machte keinerlei Aussagen. Der Staatsanwalt forderte zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug. Am 10 M\u00e4rz sprach der Richter das Urteil: zwei Jahre.<\/span><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Und dann kam es zur Berufung. Der Richter lie\u00df den Anwalt nicht sprechen. Der Anwalt Pjotr Saikin protestierte, die Verhandlung wurde vertagt. Und zur n\u00e4chsten Verhandlung lud der Anwalt einen ganzen Saal von Journalisten ein. Ich wurde nicht zum Gericht gebracht und verfolgte in der Untersuchungshaft die Verhandlung \u00fcber Videokonferenz. Ich bemerkte, dass sehr viele Journalisten im Saal waren und ich sprach ein langes Schlusswort. Der Richter kam raus und sagte: \u201eNeun Monate Freiheitsentzug\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5\">-\u00a0<\/span>Warum? Hat man ihn dazu angewiesen?<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Ich wei\u00df es nicht. Die Entscheidung des Berufungsgerichts fiel am 28. April und ich kam am 7. Mai 2015 auf freien Fu\u00df. Es vergingen ein Jahr und zwei Tage seit der Festnahme in Russland.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"color: #000000\"><span style=\"font-family: inherit\">- Sie sind seit fast einem Monat in Freiheit, unterhielten sich in Kiew mit verschiedenen Politikern, Menschenrechtlern.\u00a0<\/span><\/span><\/strong><span style=\"color: #000000\"><b>Wissen Sie, weshalb Sie nun freigelassen wurden?<\/b><\/span><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Eine eindeutige Antwort wird mir keiner geben. Wie der FSB die Entscheidungen, die es trifft, begr\u00fcndet, wei\u00df niemand. Ich wollte nicht mit dem Ermittler kooperieren, deshalb wurde ich v\u00f6llig nutzlos f\u00fcr den Informationskrieg. Wenn man das in Geld und Arbeitsstunden rechnet- wie viel Geld in die Ausarbeitung dieses Falls gesteckt wurde, dann sind es fast zweihunderttausend US-Dollar. Denn in diesem Fall waren unterschiedliche Gruppen von Mitarbeitern involviert: Ermittler, Mitarbeiter des operativen Dienstes und Begleitung. Ich wurde st\u00e4ndig von einem Ort zum anderen gebracht.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><strong><span style=\"font-family: inherit;line-height: 1.5;color: #000000\">-\u00a0Was machen Sie jetzt?<\/span><\/strong><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Ich schreibe mein Jura-Staatsexamen f\u00fcr Verfassungsrecht; schlie\u00dfe meine juristische Ausbildung ab; helfe der Organisation \u201eEuromaidan SOS\u201c bei die Kampagne f\u00fcr die Freilassung von politischen ukrainischen Gefangenen.\u00a0Ich lebe.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em><strong>Quelle<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.szona.org\/otdadim-tebya-kadyrovu-budesh-u-nego-psom-lvovskij-student-ob-ade-plena-v-rossii\/#t20c\">szona.org<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey\">Kateryna Matey<\/a>; redaktiert von<span style=\"color: #003366\"> <a style=\"color: #003366\" href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><\/span>.\u00a0<\/em><\/p>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7075"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7075\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26518,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7075\/revisions\/26518"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7081"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}