{"id":835,"date":"2014-11-06T18:07:28","date_gmt":"2014-11-06T18:07:28","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=835"},"modified":"2018-07-06T08:20:35","modified_gmt":"2018-07-06T08:20:35","slug":"yuri-felschtinskij-der-grosse-krieg-steht-noch-bevor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/yuri-felschtinskij-der-grosse-krieg-steht-noch-bevor\/","title":{"rendered":"Juri Felschtinski: Der gro\u00dfe Krieg steht noch bevor"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Interview des russischen Historikers <span style=\"color: #000080\"><a style=\"color: #000080\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Juri_Georgijewitsch_Felschtinski\">Juri Felschtinski<\/a><\/span>\u00a0f\u00fcr die russischsprachige Kyjiwer Zeitschrift \u201eBusiness\u201c, das die Zeitschriftsredaktion zwar nicht ver\u00f6ffentlicht hatte, das aber auf den Seiten anderer Zeitungen erschienen ist.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211;<span style=\"color: #003366\">\u00a0Vor kurzem hat Wladimir Putin die von Russland annektierte Krim besucht. Wie kann man diesen Besuch und seine Rhetorik dar\u00fcber verstehen, derzufolge die russische Armee mit den neuesten Waffen aufger\u00fcstet werden wird, und diese Waffen dabei zur strategischen Angriffsbewaffnung geh\u00f6ren?<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Putin bereitet sich auf einen gro\u00dfen Krieg vor. Nach der Krim-Okkupation im M\u00e4rz 2014 hat sich die Welt in zwei Teile geteilt, in Optimisten und Pessimisten. Die Ersten dachten, dass Putin es bei der Krim bleiben l\u00e4sst. Die Zweiten &#8211; dass die Krim nur der Anfang sei, ein erster Schritt auf einem gro\u00dfen Weg, den Putin f\u00fcr Russland gezeichnet hat. Leider wurde die Krim ohne Widerstand aufgegeben. Damals haben sich alle dar\u00fcber gefreut: Russland, die Ukraine, die ganze Welt hat sich dar\u00fcber gefreut, dass es ohne Opfer abgelaufen war. Das einzige, was wir damals von europ\u00e4ischen und amerikanischen Anf\u00fchrern\u00a0geh\u00f6rt haben: soll Putin doch sagen, dass es bei der Krim bleibt, und wir werden weiterhin alle im Frieden leben. Statt dessen hat Putin der ganzen Welt erkl\u00e4rt, dass die Zeit gekommen sei, die historischen Fehler von 1991 zu berichtigen, durch die die Sowjetunion auseinandergefallen war. Genau diese T\u00f6ne \u00fcber die Berichtigung historischer Fehler h\u00f6ren wir nun jeden Tag in verschiedenen Variationen, wir wachen damit auf und schlafen damit ein. Wir wachen morgens auf und gehen ins Internet, um nachzuschauen, ob die russische Armee schon in der Ukraine ist oder nicht. <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-medium wp-image-837 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419-300x225.jpg\" alt=\"\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419-300x225.jpg 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419.jpg 480w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das ist die Realit\u00e4t, die Putin im M\u00e4rz 2014 geschaffen hat. Der erfolgreiche Blitzkrieg auf der Krim hat eine Euphorie bei der Bev\u00f6lkerung Russlands hervorgerufen, und Putin selbst ist es ebenfalls zu Kopf gestiegen. Bei ihm hat der klassische Erfolgstaumel angefangen. Alles, was danach im Donbas, in Luhansk und sogar in Odessa geschah, ist das Resultat einerseits des allgemeinen strategischen Plans von Putin zur Berichtigung der historischen Fehler von 1991 und andererseits die Folge der blutlosen Aufgabe der Krim seitens der Ukraine. Man hatte auf der Krim das Blutvergie\u00dfen tats\u00e4chlich vermieden. Daf\u00fcr hat die Ukraine nun einen blutigen Krieg im Osten, Tausende Opfer, und dieser Krieg droht, sich aus einem russisch-ukrainischen allm\u00e4hlich zu einem Weltkrieg zu entwickeln.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><em>&#8211; Ist er unvermeidbar?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Der Weltkrieg? Nein. Er ist nicht unvermeidbar. Jetzt befinden wir uns in einer Vorkriegsperiode. Nicht f\u00fcr Russland oder die Ukraine &#8211; sie sind schon im Krieg. Die Vorkriegsperiode f\u00fcr die restliche Welt. Nat\u00fcrlich gibt es die M\u00f6glichkeit, diesen Krieg aufzuhalten. Diese M\u00f6glichkeit gibt es immer. Und viele gro\u00dfen Kriege sind wahrscheinlich vermieden worden, und darum wissen wir auch nichts dar\u00fcber, und studieren es auch nicht. Aber die Schritte, die Russland gerade unternimmt, f\u00fchren zu einem gro\u00dfen Krieg. Es geht nicht nur um die Krim oder Donbas-Luhansk. Es geht nicht nur um die Ukraine. Es geht um ganz Europa. Die Milit\u00e4rman\u00f6ver werden in allen grenznahen Zonen Russlands abgehalten, von den Kurilen bis nach Kaliningrad, vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee. Technische bilaterale Milit\u00e4rabkommen werden einseitig annulliert, was aber niemandem auff\u00e4llt. Zum Beispiel wurde am 5. Mai 2014, wegen\u00a0der Zusammenst\u00f6\u00dfe in der Ostukraine unbemerkt, das in 2001 unterzeichnete bilaterale Abkommen mit Litauen \u00fcber die zus\u00e4tzlichen Massnahmen zur Vertrauensst\u00e4rkung und Sicherheit\u00a0seitens der russischen Regierung annulliert. Nach diesem Abkommen war die russische Seite verpflichtet, Informationen \u00fcber seine Milit\u00e4rst\u00e4rke im Kaliningrader Gebiet mit Litauen\u00a0auszutauschen und zusammen mit der litauischen Seite deren Inspektion durchzuf\u00fchren. Litauen hat sich an alle Bedingungen dieses Abkommens gehalten und hat keinen Anlass f\u00fcr eine Vertragsk\u00fcndigung geliefert. \u201eDieser Schritt von Russland demonstriert seine Unlust, das gegenseitige Vertrauen sicherzustellen, und kann als ein weiterer Schritt in Richtung der Zerst\u00f6rung des gegenseitigen Vertrauens und des Sicherheitssystems in Europa bewertet werden,\u201c stand in der offiziellen Erkl\u00e4rung des Verteidigungsministeriums Litauens bez\u00fcglich dieses Vorfalls. Achten Sie hier bitte darauf, dass wir hier \u00fcber Kaliningrad reden, also \u00fcber den westlichsten Punkt von Russland. Nun legen Sie das mit der letzten Rede Putins \u00fcber die Schaffung eines milit\u00e4rischen Aufmarschgebiets auf der Krim zusammen, und Sie werden verstehen, dass es hier um die Schaffung von zwei Br\u00fcckenk\u00f6pfen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Angriffsoperationen der russischen Armee geht: im S\u00fcden (auf der Krim) und im Westen (im Kaliningrader Gebiet).<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzen Sie das noch mit der Konzentration der russischen Streitkr\u00e4fte an der Grenze zur Ukraine, mit den gemeinsamen Milit\u00e4rman\u00f6vern mit Belarus, mit der Einberufung der Reserve zu Luftman\u00f6vern, mit der Gesetzes\u00e4nderung \u00fcber die Fristen und die H\u00e4ufigkeit der Einberufung von Reservisten, mit der urspr\u00fcnglichen Ernennung von Rogosin zum Betreuer des milit\u00e4risch-industriellen Komplexes, mit den permanent wachsenden Milit\u00e4rausgaben sowie mit der dreisten und provokativen Rhetorik des Kreml- und Putin-nahen Hofnarrs Schirinowski, und sie werden verstehen, dass dies alles auf eine Vorbereitung Russlands auf den Weltkrieg hindeutet.<\/p>\n<p>Die \u201eGegensanktionen&#8220; des Kremls in Bezug auf Europa und die USA deuten auch auf die Vorbereitung Russlands auf einen Krieg und die Isolation hin. Russland wei\u00df genau, dass es sich nach dem Beginn allumfassender Kriegshandlungen in einer absoluten Isolation wiederfinden\u00a0wird, und auf diese Isolation und auf einen Abbruch der Beziehungen mit der zivilisierten Welt bereitet es sich aktiv und offen vor. Gas wird nicht mehr auf Kredit geliefert, man verbietet die Einfuhr von Lebensmitteln, damit Russland sich langsam umstellt und anf\u00e4ngt, sich selbst zu ern\u00e4hren, damit im Lande nicht pl\u00f6tzlich Hunger nach Waren entstehen kann. Irgendwelche kremlnahen Strukturen wie \u201eLukoil\u201c beginnen mit dem Verkauf ihrer ausl\u00e4ndischen Aktiva. \u00dcber die kremlnahen \u201ePers\u00f6nlichkeiten\u201c rede ich gar nicht: Sie bereiten sich l\u00e4ngst auf diesen Krieg vor. Timtschenko zum Beispiel hat seine Auslandsbeteiligungen einen Tag vor der Einf\u00fchrung der ersten Sanktionen verkauft. Das alles, wiederhole ich, passiert vor dem Hintergrund, dass russische strategische Bomber wieder mal angefangen haben, die Luftgrenzen der NATO zu verletzen und NATO-Flugzeuge zu verfolgen. So etwas gab es seit Breschnew-Zeiten nicht mehr. Das ist die Vorbereitung auf einen Krieg nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die ganze Welt. Die Ukraine erwies sich als die erste Front dieses Krieges.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\">\u00a0<em>&#8211; Aber es ist doch absolut unvern\u00fcnftig, einen gro\u00dfen Krieg anzufangen?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Nat\u00fcrlich ist es unvern\u00fcnftig. Kein F\u00fchrer und kein Kriegsherr, der einen Krieg anf\u00e4ngt, glaubt, dass er einen gro\u00dfen Krieg anf\u00e4ngt, umso weniger glaubt er, dass er einen Weltkrieg anf\u00e4ngt. Wenn das Resultat der Kriege schon vorher bekannt gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte kein einziger Krieg angefangen. Nehmen wir als Beispiel den Ersten Weltkrieg. Das war sowieso ein Missverst\u00e4ndnis. Europa hat den Ast abges\u00e4gt, auf dem es selbst ziemlich gem\u00fctlich sa\u00df. Von der politischen Karte Europas sind solche Imperien wie Russland, Deutschland und die Donaumonarchie verschwunden; die Sieger &#8211; Frankreich und Gro\u00dfbritannien &#8211; hatten mehr Menschen verloren als im Zweiten Weltkrieg und haben sich von diesem \u201eSieg\u201c nicht mehr erholen k\u00f6nnen. Und das alles wegen des Mordes an einem Thronfolger durch einen Terroristen aus Serbien. Sie haben sich f\u00fcr einen Thronfolger ger\u00e4cht und haben dabei alle Monarchien des kontinentalen Europas selber von der Erdfl\u00e4che weggefegt. War das vern\u00fcnftig? Absolut nicht.<\/p>\n<p>Seitdem sind 100 Jahre vergangen. Im M\u00e4rz 2014 haben wir wieder komfortabel, gem\u00fctlich, friedlich gelebt, soweit man Europa meint. Die Marktwirtschaft funktionierte, die Grenzen wurden immer offener. Russland ist aus einer armen sowjetischen Macht zu einem erfolgreichen reichen Land geworden, und die Russen zu wohlhabenden B\u00fcrgern: wegen der hohen Preise f\u00fcr \u00d6l und Gas; wegen des Auftritts russischer Firmen an den internationalen B\u00f6rsen und des Handels mit ihren Aktien, wegen der unbeschr\u00e4nkten Kredite f\u00fcr das russische gro\u00dfe und kleine Business, das zu einem Teil der Weltwirtschaft geworden ist.<\/p>\n<p>Leben und leben lassen. Aber vor den Menschen, die in Russland die Macht ergriffen haben (sie alle sind\u00a0vom\u00a0KGB) stehen ganz andere Aufgaben, als der Wohlstand des russischen Volkes. Jetzt begibt sich Putin auf den gleichen Weg, den Hitler und Deutschland 1938-1945 schon mal gegangen sind. Aber so wie die Donaumonarchie 1914, wie Deutschland 1938-39, verstehen Putin und sein Umfeld nicht, dass sie einen gro\u00dfen Krieg beginnen. K\u00fcrzlich hat Schirinowski nach Putins Anweisung angefangen, uns den \u201eDritten Weltkrieg\u201c zu erl\u00e4utern, aber das tat er nur, um uns mit seiner Perspektive zu erschrecken, und nicht weil er eine Vorahnung des Dritten Weltkrieges hat. Er rechnet mit einer Kapitulation.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\">\u00a0<em>&#8211; Was kann man tun, um den Krieg zu vermeiden?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">\u00a0<\/span><\/span><\/span>Fangen wir doch damit an, was die ukrainische Seite in der Zeitspanne M\u00e4rz-Juli 2014 h\u00e4tte tun sollen, und was sie nicht getan hat. Seit dem ersten Tag h\u00e4tte man erkl\u00e4ren m\u00fcssen, dass Russland einen Krieg gegen die Ukraine f\u00fchrt. Erst jetzt, auf Druck der unbarmherzigen Fakten und Umst\u00e4nde erw\u00e4hnen die ukrainischen Amtspersonen\u00a0und \u00f6ffentlichen Pers\u00f6nlichkeiten, dass die Ereignisse ja eigentlich auf den Anfang eines Krieges gegen die Ukraine hindeuten. Und der Krieg dauert aber schon f\u00fcnf Monate an. Und die Regierung hat es dem Volk noch immer nicht gesagt. Das Volk muss selber dahinterkommen. Die milit\u00e4rische Seite der Frage &#8211; dass man f\u00fcr die Krim h\u00e4tte k\u00e4mpfen sollen &#8211; wollen wir jetzt gar nicht ausdiskutieren. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4tte man f\u00fcr die Krim k\u00e4mpfen m\u00fcssen, denn f\u00fcr die geretteten Krimseelen zahlt nun die Ostukraine das Zehnfache.<\/p>\n<p>Eine Armee gibt es nicht und sie schnell zu erschaffen ist schwierig &#8211; das ist klar. Es gibt kein Geld, und schnell zu finden ist es auch nicht. Das ist auch klar. Dementsprechend kann man auch keine R\u00fcstungsg\u00fcter einkaufen &#8211; und auch das ist klar. Aber die russischen propagandistischen Fernsehkan\u00e4le, die in die ganze Ukraine senden, h\u00e4tte man doch ausschalten k\u00f6nnen? Daf\u00fcr braucht man weder Geld noch eine Armee. Daf\u00fcr braucht man nur eine ungef\u00e4hre Vorstellung von dem, was passiert, und Entschuldigung, ein wenig Verstand.<\/p>\n<p>Warum macht man das erst jetzt, f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter, wo der Osten schon im Krieg ist? Warum wurden vor dem Hintergrund der Gespr\u00e4che \u00fcber das fehlende Geld 786 Millionen Dollar f\u00fcr fr\u00fcher geliefertes Gas an Russland ausgezahlt, wenn doch Jazenjuk mehrmals erkl\u00e4rte, dass bei der russischen Okkupation der Krim ukrainisches Gas von gro\u00dfem Geldwert gestohlen worden war?<\/p>\n<p>Wer hat angeordnet, dieses Geld an Russland auszuzahlen? Was ist das: Dummheit oder Staatsverrat? Warum wurden keine Ermittlungen wegen dieses Verbrechens eingeleitet? Wenn Sie mir sagen, dass Russland kein Schmiergeld f\u00fcr diese 786 Millionen gezahlt hat, werde ich Ihnen nicht glauben. Ich erinnere mich, was f\u00fcr eine Kampagne vom russischen Fernsehen entfaltet wurde, um an dieses Geld zu kommen. Putin-Medwedew-Miller sind von den Bildschirmen nicht mehr weggekommen, als sie diese 786 Millionen einforderten &#8211; so wichtig war es f\u00fcr sie, das Geld f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung des Krieges gegen die Ukraine zu bekommen. Und die Ukraine, anstatt dieses Geld in die eigene Verteidigung zu stecken, hat es f\u00fcr den Krieg gegen sich selbst an Russland \u00fcbergeben. Also h\u00e4tte man von M\u00e4rz bisJuli ganz viel tun k\u00f6nnen und dabei kein Geld verlieren m\u00fcssen, sondern umgekehrt sparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rischen, diplomatischen und politischen M\u00f6glichkeiten der Ukraine sind leider beschr\u00e4nkt. Aber solange die Ukraine sich selbst dessen nicht bewusst wird und nicht offen sagen wird, dass gegen sie ein Krieg gef\u00fchrt wird, wird die NATO nicht zur Hilfe kommen. Warum soll denn die NATO zur Hilfe kommen, wenn die Ukrainer nicht gegen die russische Armee, sondern gegen lokale Separatisten k\u00e4mpfen? Was hat die NATO damit zu tun, oder Europa und die USA? Findet euch doch selber zurecht, wenn es eure lokalen Rebellen sind.<\/p>\n<p>Ihr wisst ganz genau, dass es keine \u201eVolkswehr\u201c ist, keine \u201eSeparatisten\u201c, und dass es sich \u00a0nicht um Einheimische handelt. Dann m\u00fcsst Ihr es auch sagen, damit es klar wird, sowohl in der Ukraine selbst als auch au\u00dferhalb ihrer Grenzen. Darin, was die ukrainische Regierung tut, gibt es keine Folgerichtigkeit. Wenn Russland ein Aggressor ist, warum wird dann \u00fcber die sogenannte \u201ehumanit\u00e4re Hilfe\u201c diskutiert? Ob man sie durchlassen soll oder nicht? Ob man sie annehmen soll oder nicht? Ob man eine Zollkontrolle durchf\u00fchren soll oder nicht? Wo haben Sie gesehen, dass ein Land, gegen welches eine Aggression gef\u00fchrt wird, vom Aggressor humanit\u00e4re Hilfe bekommt? Die Antwort liegt auf der Hand: nicht annehmen, nicht durchlassen, keine Zollkontrolle, mit einer feindlichen Invasion auf das eigene Territorium gleichsetzen und vernichten. Was gibt es hier f\u00fcr Fragen und Zweifel? Haben die Polen jemals humanit\u00e4re Hilfe von Hitler bekommen? Sogar die NATO erkl\u00e4rte, dass sie die \u201ehumanit\u00e4re Kolonne\u201c aus 280 LKWs f\u00fcr eine russische Invasion in die Ukraine h\u00e4lt. Und die Ukrainer diskutieren dar\u00fcber, was genau in den LKWs ist: Kindernahrung oder was anderes, und warum sie halbleer sind. Was f\u00fcr eine Rolle spielt es, was darin ist und warum sie leer sind? Den kostenlosen K\u00e4se gibt es nur in einer M\u00e4usefalle. Ein Konvoi aus 280 LKWs ist eure M\u00e4usefalle mit dem kostenlosen K\u00e4se. Sagt es offen, erkl\u00e4rt, dass ihr diese Kolonne im Falle ihres Eindringens in die Ukraine vernichtet &#8211; Ende der Diskussion \u00fcber die \u201ehumanit\u00e4re Hilfe\u201c. Russland m\u00f6chte der Bev\u00f6lkerung in der Ostukraine helfen? Soll es doch seine Armee aus der Ukraine abziehen und die Besch\u00fcsse einstellen. Dann wird man auch keine humanit\u00e4re Hilfe brauchen.<\/p>\n<p>Nun ist Moskau bereit, wie auch immer, sich aber in die Ukraine durchzumogeln. Es ist sehr wichtig, dass die Ukrainer zwei Sachen verstehen. Erstens: Chancen, keinen Krieg zu f\u00fchren, gibt es nicht. Zweitens: Alleine wird die Ukraine nicht standhalten k\u00f6nnen. Man muss daran arbeiten, mehr Unterst\u00fctzung von Europa und Amerika zu bekommen. Das ist die politische und milit\u00e4rische Hauptaufgabe der Regierung. Leider sind Europa und Amerika so konzipiert, dass solange kein Blut flie\u00dft, niemand reagieren wird. Die westlichen Strukturen arbeiten nicht wie ein Notdienst. Man kann diesen Notdienst nicht am Telefon rufen. Aber sich den milit\u00e4rischen Beistand zu sichern ist die Hauptaufgabe der Regierung, darum muss die Ukraine erkl\u00e4ren, dass sie sich gegen jegliche russische Aggression wehren wird. Geholfen wird nur denen, die sich wehren. Das ist ein Teufelskreis, und ich verstehe es: Solange die Ukraine sich nicht wehrt, wird ihr nicht geholfen, aber sie kann sich nicht wehren, wenn ihr nicht geholfen wird.<\/p>\n<p>In der heutigen Phase wehrt sich die Ukraine, ohne den Krieg zu erkl\u00e4ren. Ich schlage vor, sich zu wehren, und dabei offen zu erkl\u00e4ren, dass gegen die Ukraine ein Krieg gef\u00fchrt wird. Dann wird auch Hilfe kommen, denn von allen Standpunkten aus: vom milit\u00e4rischen, diplomatischen, strategischen, geopolitischen und vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes aus ist es f\u00fcr die NATO g\u00fcnstiger, den russischen Aggressor auf dem Territorium einer k\u00e4mpfenden Ukraine anzutreffen, als einer besiegten.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #003366\">&#8211;\u00a0Welche Bedeutung hat der Krieg im Donbas in diesem gro\u00dfen Konflikt?<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Das ist nur eins von vielen Sujets. F\u00fcr die Ukraine hat er nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Bedeutung. Wenn die Okkupation der Krim wie ein Blitzkrieg abgelaufen war, so war es im Donbas eben nicht so. Den Einwohnern der Ostukraine ist nun klar, dass der russische Versuch, sich die Ukraine zu unterwerfen, Zerst\u00f6rung, Krieg und Tod in ihre H\u00e4user bringt, und keine Prosperit\u00e4t und Wohlstand. Wenn es nach der Krim-Besetzung\u00a0noch Illusionen dar\u00fcber geben konnte, dass der russische Anschluss der Ukraine friedlich, opferlos, nach dem Krim-Szenario verlaufen wird, so ist jetzt nach f\u00fcnf Monaten offensichtlich, dass dem nicht so ist. Die Einwohner der Ostukraine, dessen bin ich mir sicher, sind heute nicht mehr so gutm\u00fctig Russland gegen\u00fcber gestimmt, wie sie es im M\u00e4rz 2014 waren, als sie unter den Lenin-Denkm\u00e4lern ihre Demos mit den roten sowjetischen Fahnen und der Referendumsforderung organisiert hatten. Die Invasion der russischen \u201eh\u00f6flichen gr\u00fcnen M\u00e4nnchen\u201c hat die totale Zerst\u00f6rung, den Tod der Zivilisten und Soldaten und ein vieltausendk\u00f6pfiges Fl\u00fcchtlingsproblem in die Ukraine gebracht. Und das ist nur der Anfang. Auf die Krim werden dieselben Probleme kommen, nur etwas sp\u00e4ter. Es ist klar, dass das Projekt \u201eNeurussland\u201c den Ukrainern nichts Gutes bringt. Aber Putin wird den Druck immer weiter aus\u00fcben. Das Krim-Szenario war die Variante 1, nun kommt die Variante 2, und da gibt es ja noch die Varianten 3, 4, 5&#8230; Nat\u00fcrlich haben all diese Varianten ganz andere Bezeichnungen im russischen Generalstab. Allm\u00e4hlich werden diese Pl\u00e4ne von Putin selbst erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Aus seiner letzten Krimrede haben wir erfahren, dass in der Ukraine ein B\u00fcrgerkrieg l\u00e4uft, dass die Ukraine im Blut versunken ist, dass sich Russland keinesfalls in das Geschehen in der Ukraine nicht einmischen kann. Wir haben nichts geh\u00f6rt, was auf eine Absicht Putins hindeutete, die Aggression und die Einmischung in innere Angelegenheiten der Ukraine einzustellen, wir haben nichts \u00fcber die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine geh\u00f6rt, haben nicht geh\u00f6rt, dass die Ukraine ein Recht darauf hat, \u00fcber ihr Schicksal selbst zu entscheiden. Ich betone, wir haben genau das Gegenteil geh\u00f6rt: Russland wird sich weiterhin in ukrainische Angelegenheiten einmischen, denn in der Ukraine wird Blut vergossen, es ist ein B\u00fcrgerkrieg, eine Katastrophe, und Russlands Pflicht ist es, sich in diese Situation einzumischen. Erinnern Sie sich, wie Molotow vor der Invasion nach Polen 1939 \u00fcber den Zerfall des \u201eh\u00e4sslichen Kindes des Versailles Vertrages\u201c erz\u00e4hlte, und \u00fcber die Notwendigkeit, in diesem Zusammenhang die ukrainischen und die belarussischen Br\u00fcder zu besch\u00fctzen? So hat Putin in seiner Krim-Rede fast Wort f\u00fcr Wort diese Rede von Molotow wiederholt. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass die Liveausstrahlung dieses Auftritts von Putin in letzter Minute abgesagt wurde. Er hat da so viel heruntergeschwatzt, zusammen mit Schirinowski&#8230;<\/p>\n<p>Die Ukraine muss verstehen, dass der Krieg gegen Russland schon l\u00e4uft. Wenn die Welt sich rechtzeitig einmischt und es nicht zu einem allumfassenden Krieg kommt &#8211; wunderbar. Aber man muss vom schlimmsten Szenario ausgehen, und nicht vom besten, denn dann tritt 100% das Schlimmste ein. Die Ukraine k\u00e4mpft nicht gegen einzelne Separatisten. So zu denken bedeutet, vor dem Land, dem Volk und der Armee falsche Aufgaben\u00a0zu stellen. Russland f\u00fchrt einen Krieg gegen die Ukraine. Darum ist die Ukraine gezwungen, Russland zu bekriegen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;<span style=\"color: #003366\">\u00a0<\/span><\/span><\/span><em>Aber wer kann denn\u00a0in diesem Krieg ein Verb\u00fcndeter von Moskau werden?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Niemand. Das ist zurzeit das schw\u00e4chste Kettenglied in Putins Politik. Wenn Hitlers Verb\u00fcndete Italien und Japan waren, und die Sympathien zum F\u00fchrer und der faschistischen Bewegung in vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stark waren, so hat Putin so eine Unterst\u00fctzung nicht. Die stalinistische Sowjetunion hat im Zweiten Weltkrieg nat\u00fcrlich gewonnen, da sie zusammen mit England und den USA gegen Deutschland und Italien k\u00e4mpfte. Aber es ist nicht das Gleiche, in absoluter Einsamkeit, nur mit Kr\u00e4ften Russlands allein, gegen die USA, England, Deutschland, Italien und das restliche Europa zu k\u00e4mpfen. \u00dcbrigens, das putinsche Russland ist keine stalinistische Sowjetunion. Es ist ein viel schw\u00e4cherer Staat.<\/p>\n<p>Der Kreml schwingt nat\u00fcrlich die chinesische Fahne wie einen Rettungsring. \u00dcber die chinesische Karte kann man lange harangieren, man kann es aber auch kurz fassen. Ich versuche es mal kurz. Bez\u00fcglich unseres Gespr\u00e4chs \u00fcber den russisch-ukrainischen Krieg oder \u00fcber den Dritten Weltkrieg &#8211; vergessen Sie China. Nur wegen unserer europ\u00e4ischen Ignoranz erscheint uns dieser Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen wie eine monolithische Macht. In der Form, in der es heute existiert, ist China 1928 entstanden. Also ist es zwar eine sehr alte Zivilisation, aber der Staat ist sehr jung, mit seinen eigenen ernsthaften Problemen. Und blo\u00df weil bei der existierenden kommunistischen Diktatur in China die von der Regierung kontrollierten chinesischen Medien uns nicht von allen Problemen des Landes berichten, werden sie davon nicht weniger. Wir wissen nur nichts \u00fcber sie. Also, China ist das letzte Land, das an einer St\u00f6rung der Weltordnung, Stabilit\u00e4t der Welt und an einem Krieg in Europa, und noch viel weniger an einem Weltkrieg interessiert ist, denn die chinesische Wirtschaft ist in erster Linie an Stabilit\u00e4t und an stabilen Investitionen der westlichen Banken in die chinesische Wirtschaft interessiert. Diese Stabilit\u00e4t wird durch jeglichen gr\u00f6\u00dferen Krieg gest\u00f6rt werden. Darum wird sich China nat\u00fcrlich nicht in einen internationalen Konflikt an der Seite Russlands einmischen. Wobei ich weit entfernt vom Gedanken bin (der von vielen propagiert wird), dass China die Involvierung Russlands in einen Krieg in Europa f\u00fcr die St\u00e4rkung seiner Positionen in Russland ausnutzen wird. Oder sogar f\u00fcr eine territoriale Expansion auf Kosten Russlands. China hat hundert Jahre lang friedlich gewartet, bis der Pachtvertrag von Hongkong mit Gro\u00dfbritannien ausl\u00e4uft. China unternimmt noch immer keine milit\u00e4rischen Schritte f\u00fcr eine Annexion von Taiwan, wobei Taiwan nun wirklich \u201eureigener chinesischer Boden\u201c ist. Diese alte Zivilisation denkt in der Kategorie von Jahrhunderten, und nicht einer \u201ePr\u00e4sidentenamtsperiode\u201c. Putins Sprung auf die Krim ist f\u00fcr die Chinesen nur ein Abenteuer eines dummen europ\u00e4ischen Stammesh\u00e4uptlings, der weder in einer langfristigen Perspektive, noch staatlich weise, geschweige denn in Generationen denken kann. Und wenn man vom russisch-chinesischen Handel spricht, so ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass Russland Gas und Erd\u00f6l nach Asien statt Europa verkaufen wird. Aber die Preise f\u00fcr diese Rohstoffe werden ganz andere sein. Ein Nullpreis ergibt eine endlose Nachfrage. Zum Nullpreis wird wer auch immer russisches Erd\u00f6l und Gas nehmen. Dieses aber zu den hohen europ\u00e4ischen Preisen wird man jedoch niemandem verkaufen k\u00f6nnen. Also wird China als K\u00e4ufer Europa f\u00fcr Russland nicht ersetzen.<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0<span style=\"color: #003366\"><em>Sie sagten, dass Belarus f\u00fcr die Besetzung der Ukraine sehr wichtig ist, das der russischen Armee den Weg nach Wolhynien und Galizien unter Umgehung der \u00dcberdnipro-Ukraine \u00f6ffnet. Jetzt sehen wir bei Lukaschenko ein politisches Man\u00f6vrieren zwischen der proukrainischen und der proputinschen Haltung. Wie gro\u00df sind seine Chancen Putin zur\u00fcckzuschlagen?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>In den Augen von Europa und den USA ist Lukaschenko ein Diktator, darum wird man ihm gegen\u00fcber auch kein Mitleid haben. Daraus folgt aber nicht, dass die Welt den Fakt einer Belarus-Annexion durch Russland anerkennt. Wird sie nicht. Aber deswegen wird sich nichts \u00e4ndern. Ich m\u00f6chte keinen Belarussen beleidigen, aber Belarus als eine milit\u00e4rische Einheit ist ein nicht vorhandenes Glied, eine Leerstelle. Was mit diesem Land infolge des russisch-ukrainischen Krieges passiert, bleibt dem russischen Generalstab \u00fcberlassen. Wenn man sich die Karte anschaut, so ist Belarus f\u00fcr einen Angriff auf die Ukraine strategisch sehr wichtig. Ein vollumfassender Krieg gegen die Ukraine ist ohne Verletzung der Souver\u00e4nit\u00e4t von Belarus unm\u00f6glich. Die russische Armee wird selbstverst\u00e4ndlich in die Ukraine einmarschieren, auch durch Belarus. Ob mit Zustimmung von Lukaschenko oder gegen seinen Willen &#8211; das hat keine Bedeutung.<\/p>\n<p>Lukaschenko macht sehr widerspr\u00fcchliche Aussagen. Verstehen kann man ihn. Hilfe kann er von niemandem erwarten, und was Putin ist, wei\u00df er besser als wir beide. Glauben kann man Putin nicht, er betr\u00fcgt. Sich mit ihm auf etwas einigen wird Lukaschenko nicht k\u00f6nnen, au\u00dfer auf eine vollst\u00e4ndige Kapitulation. Darum wartet Lukaschenko nerv\u00f6s darauf, was passiert. Und Russland wird im Falle eines vollumfassenden Angriffs entlang der ganzen russisch-belarussisch-ukrainischen Grenze in die Ukraine einmarschieren: aus der Krim, aus Belarus, aus dem Osten und vom S\u00fcdosten aus. Ob vorher ein Abkommen zwischen Putin und Lukaschenko \u00fcber den Beitritt von Belarus zu Russland kommt, \u00fcber den Durchlass der russischen Armee durch belarussisches Territorium und sogar \u00fcber die Teilnahme von belarussischen Einheiten an gemeinsamen Kriegshandlungen gegen die Ukraine, ist eine rein formell-technische Frage. Wie es mir scheint, wird Lukaschenko die Ukraine gegen die russische Aggression nicht verteidigen.<\/p>\n<p>&#8211; <span style=\"color: #003366\"><em>Wie lange wird die russische Gesellschaft noch in diesem Vorkriegszustand, der harten Staatspropaganda ausgesetzt, ausharren k\u00f6nnen?<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>So lange es nur geht. Die russische Presse und das Fernsehen arbeiten noch im vorgegebenen Tempo, sie haben nur ein wenig den Eifer ged\u00e4mpft. Sie werden kein einziges gutes Wort \u00fcber die Ukrainer, die Ukraine, die USA oder Europa im russischen Fernsehen h\u00f6ren. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung Russlands benutzt leider kein Internet und bekommt Nachrichten ausschlie\u00dflich aus den russischen Medien, und Sie wissen ganz gut, was eben diese russischen Medien \u00fcber die Ukraine erz\u00e4hlen und zeigen. Wenn Hitler oder Goebbels solche propagandistischen Instrumente gehabt h\u00e4tten, h\u00e4tten sie es viel einfacher gehabt, die Welt zu erobern.<\/p>\n<p>Die russische Propagandamaschine wurde von Putin jahrelang ausgebaut, seit 2000. In Russland haben alle nur gekr\u00e4chzt und ge\u00e4chzt: &#8222;Ach, wof\u00fcr muss denn Putin alle unabh\u00e4ngigen Medien sich selbst unterwerfen!&#8220; Genau daf\u00fcr, damit dieser Riese alle Befehle von oben demutsvoll befolgt: Man hat uns gesagt, Tschetschenen zu t\u00f6ten &#8211; also werden wir Tschetschenen t\u00f6ten, hat &#8222;Georgier&#8220; gesagt &#8211; dann t\u00f6ten wir Georgier. Hat &#8222;Ukrainer&#8220; gesagt &#8211; dann t\u00f6ten wir Ukrainer. So ein System wird solange existieren, wie das Regime Putins existiert. Das Rating der Regierung ist ein Thema f\u00fcr sich. Das Rating ernsthaft zu besprechen macht nur in einem freien Land Sinn. Und tats\u00e4chlich hat die Regierung in einem freien Land keine so hohen Ratings. Wenn das Rating der Regierungsunterst\u00fctzung allzu hoch ist, glauben Sie mir &#8211; dann haben wir es mit einer Diktatur zu tun. Alle Diktatoren haben immer einen Hochstand an Unterst\u00fctzung &#8211; bis zu dem Moment, wo die Revolution sie wegfegt. Ich w\u00fcrde eher glauben, dass die jetzigen russischen Umfragen nichts \u00fcber Putins Popularit\u00e4t aussagen sondern eher etwas \u00fcber den Grad der in Russland verbliebenen Freiheit. Was ich meine ist, dass nach der Krim-Annexion eine Umfrage nach Regionen in Russland durchgef\u00fchrt worden ist, wer denn Putin unterst\u00fctzt. Am wenigsten hat man Putin in Moskau unterst\u00fctzt, aber ich glaube, immerhin 60%. Am meisten in Tschetschenien &#8211; 97%. Schlussfolgerung: Der Stand der Meinungsfreiheit\u00a0ist in Moskau 40%, und in Tschetschenien \u2013 3%. Im restlichen Russland: zwischen 3% und 40%. Zur Unterst\u00fctzung Putins haben die Popularit\u00e4tswerte keinen Bezug, insbesondere weil die Bev\u00f6lkerung Russlands keinen Einfluss auf die Politik der Regierung aus\u00fcbt. Die Wahlen in Russland sind l\u00e4ngst zu einer Fiktion geworden, das Parlament unterst\u00fctzt die Regierung in allem und ist zu einem formellen Machtinstrument geworden, so wie der Oberste Rat in der UdSSR zu seiner Zeit. Die Umfragen selbst werden nur nach einer Anweisung von oben durchgef\u00fchrt &#8211; das ist auch nur eine propagandistische Waffe in Kremls H\u00e4nden, nichts weiter.<\/p>\n<p>Russland ist kein Land, wo das Volk alle zehn Jahre eine Revolution startet. Die B\u00fcrger Russlands neigen nicht dazu, ihre Regierungen zu st\u00fcrzen. Viele (oft sind es intelligente, gebildete und aktive Menschen) betrachten Russland als einen Ort zum Geldverdienen. Ein Mensch, der Geld verdient, stellt sich nicht die Aufgabe, Russland zu reformieren, zumal es auf diesem Weg so viele Risiken gibt. Das Hauptrisiko ist, dass die Obrigkeit das Gesch\u00e4ft zur Strafe abdr\u00fccken und den Gesch\u00e4ftsmann f\u00fcr finanzielle Verbrechen ins Gef\u00e4ngnis stecken kann, wie einst Chodorkowski. Einfacher ist es, Geld zu verdienen, solange sie einen lassen, und im Falle der F\u00e4lle \u201eabzuhauen\u201c.<\/p>\n<p>So denken viele, auch wenn sie es nicht zugeben. Nat\u00fcrlich gibt es einen bestimmten\u00a0Prozentsatz an Menschen, die Putin aufrichtig unterst\u00fctzen. Aber das sind entweder Faschisten, oder Nationalisten, oder Menschen, die durch mehrere vorige Kriege gegangen sind, die s\u00fcchtig nach\u00a0dem Krieg sind. In Deutschland war die Unterst\u00fctzung Hitlers ziemlich gro\u00df. Das hat den Deutschen nach 1939 nicht viel geholfen. Das Kriegsgespenst bewegt heute kaum jemanden in Russland und macht kaum jemandem Angst. Ja, es gab den Krieg in Tschetschenien, es hat aber Russland im Gro\u00dfen und Ganzen nicht wirklich ber\u00fchrt. Die Krim wurde besetzt &#8211; auch ohne negative Folgen. In den K\u00f6pfen der Menschen in Russland werden solange keinerlei Verschiebungen stattfinden, bis infolge des Krieges eine tats\u00e4chliche Verschlechterung des Lebens beginnt.<\/p>\n<p>Bis jetzt sind die gegen Russland eingef\u00fchrten Sanktionen langsam und schwach, aber auch sie werden anfangen zu wirken. Hier wird Europa Putin selbst helfen, denn er muss Sanktionen gegen sein Volk einf\u00fchren. Er muss die Initiative \u00fcbernehmen, muss sich f\u00fcr den Fall einer globalen internationalen Isolation absichern. Darum wird er jetzt schon sukzessive Gegensanktionen einf\u00fchren und damit vorgaukeln, das europ\u00e4ische und amerikanische Gesch\u00e4ft\u00a0zu bestrafen. Noch ein Hinweis auf die Vorbereitung auf einen gro\u00dfen Krieg ist der Kauf von Gold durch Russland, die Vergr\u00f6\u00dferung der Goldreserve. Das ist eine Standardoperation des Zentralbanks eines Landes, das sich auf einen Krieg vorbereitet.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span>Gibt es die Gefahr\u00a0eines Zerfalls Europas durch den heutigen russisch-ukrainischen Konflikt?<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Jeder Diktator st\u00fctzt sich auf eine Hetzjagd: Er muss alle gegeneinander aufhetzen, sogar innerhalb seines eigenes Teams. Das geschieht auf dem pers\u00f6nlichen, staatlichen und kontinentalen Niveau. Putin hat gehofft, die USA und Europa auseinanderzubringen, und dann noch Bruchlinien innerhalb von Europa selbst zu finden. Das ist eine wichtige Aufgabe, aber meiner Meinung nach ist sie undurchf\u00fchrbar. Und nicht mal weil Europa in der EU vereint ist und sich an eine gemeinsame politische Linie halten wird, sondern weil es einfach nicht bereits passiert ist. Das h\u00e4tte nur am Anfang des Konflikts geschehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es gibt L\u00e4nder, die wegen eines Bruchs mit Russland geringeren Schaden nehmen werden, andere werden mehr leiden. Aber zu glauben, dass er die Sanktionen aussetzt, ist falsch. Deutschland ist abh\u00e4ngig vom russischen Gas und liefert Autos nach Russland. Und nat\u00fcrlich sind die Deutschen an einem Abbruch des Handels nicht interessiert. Und gleichzeitig hat Deutschland aber mehr als andere infolge der zwei Weltkriege gelitten, die es selbst initiiert und verloren hatte. Deutschland wei\u00df besser als alle anderen, was ein Diktator in einer europ\u00e4ischen Macht ist und wozu es f\u00fchren kann. Ja, das deutsche Gesch\u00e4ft ist \u00fcber die Sanktionen gegen Russland erschrocken. Alle Gesch\u00e4fte sind jetzt erschrocken. Aber das, was seit M\u00e4rz 2014 passiert &#8211; das ist nicht mehr \u00fcber Geld. Alles, was Putin macht &#8211; da geht es nicht um Geld. Da geht es um Ruhm, wie Putin diesen versteht; um das Imperium, wie er es sieht; um Geschichte und Geopolitik, wie er sie empfindet. Das ist ein anderes Niveau der Weltprobleme. Die Phase des Geldverdienens ist f\u00fcr alle vorbei. Es beginnt die Phase des Ausgebens der angesparten Ressourcen. Die ruhige Arbeit der marktwirtschaftlichen Mechanismen, die jahrelang ausgebaut wurde, ist jetzt schon gest\u00f6rt.<\/p>\n<p><em><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span>Wer wird im Krieg siegen?\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">&#8211;\u00a0<\/span><\/span><\/span>Wir wissen, wie die zwei vorigen Kriege f\u00fcr Europa ausgegangen sind: v\u00f6llige Verw\u00fcstung und Zerst\u00f6rung. Das betrifft die Besiegten wie auch die Sieger. Sogar Gro\u00dfbritannien hat gelitten, und nicht nur was Menschenleben angeht. Nach dem Ersten Weltkrieg sind kontinentale Imperien auseinandergefallen. Und nach dem Zweiten wurden Deutschland und Europa zwischen dem Osten und dem Westen aufgeteilt.<\/p>\n<p>Es ist schwierig, in solchen Kriegen von Siegern zu sprechen. Die USA sind aus dem Krieg als eine Weltmacht herausgekommen und sehen sich seitdem gegen ihren Willen in alle Weltprobleme\u00a0involviert. Ob man es als einen Gewinn\u00a0bezeichnen kann, ist eine schwierige Frage. Der Krieg, der gerade vom Putin entfacht wird, ist ein europ\u00e4ischer Krieg. In Europa werden alle drunter leiden, in erster Linie Russland.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><span style=\"color: #000000\">Quelle:<\/span> <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/2655-yuryj-felshtynskyj-bolshaya-vojna-eshhe-vperedy-zapreshhennoe-yntervyu\/\"><strong>Juri Felschtinski<\/strong> im Interview<\/a>;\u00a0\u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview des russischen Historikers Juri Felschtinski\u00a0f\u00fcr die russischsprachige Kyjiwer Zeitschrift \u201eBusiness\u201c, das die Zeitschriftsredaktion zwar nicht&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":838,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"categories":[98,131,3,132],"tags":[246,59,12,13,28],"class_list":["post-835","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-expertenmeinungen","category-interviews","category-zeitdokumente","tag-felschtinski","tag-krieg","tag-russland","tag-ukraine","tag-yuri-felschtinskij"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.9 - 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Wie kann man diesen Besuch und seine Rhetorik dar\u00fcber verstehen, derzufolge die russische Armee mit den neuesten Waffen aufger\u00fcstet werden wird, und diese Waffen dabei zur strategischen Angriffsbewaffnung geh\u00f6ren?<\/span><\/em>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Putin bereitet sich auf einen gro\u00dfen Krieg vor. Nach der Krim-Okkupation im M\u00e4rz 2014 hat sich die Welt in zwei Teile geteilt, in Optimisten und Pessimisten. Die Ersten dachten, dass Putin es bei der Krim bleiben l\u00e4sst. Die Zweiten - dass die Krim nur der Anfang sei, ein erster Schritt auf einem gro\u00dfen Weg, den Putin f\u00fcr Russland gezeichnet hat. Leider wurde die Krim ohne Widerstand aufgegeben. Damals haben sich alle dar\u00fcber gefreut: Russland, die Ukraine, die ganze Welt hat sich dar\u00fcber gefreut, dass es ohne Opfer abgelaufen war. Das einzige, was wir damals von europ\u00e4ischen und amerikanischen Anf\u00fchrern\u00a0geh\u00f6rt haben: soll Putin doch sagen, dass es bei der Krim bleibt, und wir werden weiterhin alle im Frieden leben. Statt dessen hat Putin der ganzen Welt erkl\u00e4rt, dass die Zeit gekommen sei, die historischen Fehler von 1991 zu berichtigen, durch die die Sowjetunion auseinandergefallen war. Genau diese T\u00f6ne \u00fcber die Berichtigung historischer Fehler h\u00f6ren wir nun jeden Tag in verschiedenen Variationen, wir wachen damit auf und schlafen damit ein. Wir wachen morgens auf und gehen ins Internet, um nachzuschauen, ob die russische Armee schon in der Ukraine ist oder nicht. <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419.jpg\"><img class=\" size-medium wp-image-837 alignright\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419-300x225.jpg\" alt=\"\u0424\u0415\u041b\u042c\u0428\u0422\u0418\u041d\u0421\u041a\u0418\u0419\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Das ist die Realit\u00e4t, die Putin im M\u00e4rz 2014 geschaffen hat. Der erfolgreiche Blitzkrieg auf der Krim hat eine Euphorie bei der Bev\u00f6lkerung Russlands hervorgerufen, und Putin selbst ist es ebenfalls zu Kopf gestiegen. Bei ihm hat der klassische Erfolgstaumel angefangen. Alles, was danach im Donbas, in Luhansk und sogar in Odessa geschah, ist das Resultat einerseits des allgemeinen strategischen Plans von Putin zur Berichtigung der historischen Fehler von 1991 und andererseits die Folge der blutlosen Aufgabe der Krim seitens der Ukraine. Man hatte auf der Krim das Blutvergie\u00dfen tats\u00e4chlich vermieden. Daf\u00fcr hat die Ukraine nun einen blutigen Krieg im Osten, Tausende Opfer, und dieser Krieg droht, sich aus einem russisch-ukrainischen allm\u00e4hlich zu einem Weltkrieg zu entwickeln.\r\n\r\n<span style=\"color: #003366\"><em>- Ist er unvermeidbar?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Der Weltkrieg? Nein. Er ist nicht unvermeidbar. Jetzt befinden wir uns in einer Vorkriegsperiode. Nicht f\u00fcr Russland oder die Ukraine - sie sind schon im Krieg. Die Vorkriegsperiode f\u00fcr die restliche Welt. Nat\u00fcrlich gibt es die M\u00f6glichkeit, diesen Krieg aufzuhalten. Diese M\u00f6glichkeit gibt es immer. Und viele gro\u00dfen Kriege sind wahrscheinlich vermieden worden, und darum wissen wir auch nichts dar\u00fcber, und studieren es auch nicht. Aber die Schritte, die Russland gerade unternimmt, f\u00fchren zu einem gro\u00dfen Krieg. Es geht nicht nur um die Krim oder Donbas-Luhansk. Es geht nicht nur um die Ukraine. Es geht um ganz Europa. Die Milit\u00e4rman\u00f6ver werden in allen grenznahen Zonen Russlands abgehalten, von den Kurilen bis nach Kaliningrad, vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee. Technische bilaterale Milit\u00e4rabkommen werden einseitig annulliert, was aber niemandem auff\u00e4llt. Zum Beispiel wurde am 5. Mai 2014, wegen\u00a0der Zusammenst\u00f6\u00dfe in der Ostukraine unbemerkt, das in 2001 unterzeichnete bilaterale Abkommen mit Litauen \u00fcber die zus\u00e4tzlichen Massnahmen zur Vertrauensst\u00e4rkung und Sicherheit\u00a0seitens der russischen Regierung annulliert. Nach diesem Abkommen war die russische Seite verpflichtet, Informationen \u00fcber seine Milit\u00e4rst\u00e4rke im Kaliningrader Gebiet mit Litauen\u00a0auszutauschen und zusammen mit der litauischen Seite deren Inspektion durchzuf\u00fchren. Litauen hat sich an alle Bedingungen dieses Abkommens gehalten und hat keinen Anlass f\u00fcr eine Vertragsk\u00fcndigung geliefert. \u201eDieser Schritt von Russland demonstriert seine Unlust, das gegenseitige Vertrauen sicherzustellen, und kann als ein weiterer Schritt in Richtung der Zerst\u00f6rung des gegenseitigen Vertrauens und des Sicherheitssystems in Europa bewertet werden,\u201c stand in der offiziellen Erkl\u00e4rung des Verteidigungsministeriums Litauens bez\u00fcglich dieses Vorfalls. Achten Sie hier bitte darauf, dass wir hier \u00fcber Kaliningrad reden, also \u00fcber den westlichsten Punkt von Russland. Nun legen Sie das mit der letzten Rede Putins \u00fcber die Schaffung eines milit\u00e4rischen Aufmarschgebiets auf der Krim zusammen, und Sie werden verstehen, dass es hier um die Schaffung von zwei Br\u00fcckenk\u00f6pfen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Angriffsoperationen der russischen Armee geht: im S\u00fcden (auf der Krim) und im Westen (im Kaliningrader Gebiet).\r\n\r\nErg\u00e4nzen Sie das noch mit der Konzentration der russischen Streitkr\u00e4fte an der Grenze zur Ukraine, mit den gemeinsamen Milit\u00e4rman\u00f6vern mit Belarus, mit der Einberufung der Reserve zu Luftman\u00f6vern, mit der Gesetzes\u00e4nderung \u00fcber die Fristen und die H\u00e4ufigkeit der Einberufung von Reservisten, mit der urspr\u00fcnglichen Ernennung von Rogosin zum Betreuer des milit\u00e4risch-industriellen Komplexes, mit den permanent wachsenden Milit\u00e4rausgaben sowie mit der dreisten und provokativen Rhetorik des Kreml- und Putin-nahen Hofnarrs Schirinowski, und sie werden verstehen, dass dies alles auf eine Vorbereitung Russlands auf den Weltkrieg hindeutet.\r\n\r\nDie \u201eGegensanktionen\" des Kremls in Bezug auf Europa und die USA deuten auch auf die Vorbereitung Russlands auf einen Krieg und die Isolation hin. Russland wei\u00df genau, dass es sich nach dem Beginn allumfassender Kriegshandlungen in einer absoluten Isolation wiederfinden\u00a0wird, und auf diese Isolation und auf einen Abbruch der Beziehungen mit der zivilisierten Welt bereitet es sich aktiv und offen vor. Gas wird nicht mehr auf Kredit geliefert, man verbietet die Einfuhr von Lebensmitteln, damit Russland sich langsam umstellt und anf\u00e4ngt, sich selbst zu ern\u00e4hren, damit im Lande nicht pl\u00f6tzlich Hunger nach Waren entstehen kann. Irgendwelche kremlnahen Strukturen wie \u201eLukoil\u201c beginnen mit dem Verkauf ihrer ausl\u00e4ndischen Aktiva. \u00dcber die kremlnahen \u201ePers\u00f6nlichkeiten\u201c rede ich gar nicht: Sie bereiten sich l\u00e4ngst auf diesen Krieg vor. Timtschenko zum Beispiel hat seine Auslandsbeteiligungen einen Tag vor der Einf\u00fchrung der ersten Sanktionen verkauft. Das alles, wiederhole ich, passiert vor dem Hintergrund, dass russische strategische Bomber wieder mal angefangen haben, die Luftgrenzen der NATO zu verletzen und NATO-Flugzeuge zu verfolgen. So etwas gab es seit Breschnew-Zeiten nicht mehr. Das ist die Vorbereitung auf einen Krieg nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen die ganze Welt. Die Ukraine erwies sich als die erste Front dieses Krieges.\r\n\r\n<span style=\"color: #003366\">\u00a0<em>- Aber es ist doch absolut unvern\u00fcnftig, einen gro\u00dfen Krieg anzufangen?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Nat\u00fcrlich ist es unvern\u00fcnftig. Kein F\u00fchrer und kein Kriegsherr, der einen Krieg anf\u00e4ngt, glaubt, dass er einen gro\u00dfen Krieg anf\u00e4ngt, umso weniger glaubt er, dass er einen Weltkrieg anf\u00e4ngt. Wenn das Resultat der Kriege schon vorher bekannt gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte kein einziger Krieg angefangen. Nehmen wir als Beispiel den Ersten Weltkrieg. Das war sowieso ein Missverst\u00e4ndnis. Europa hat den Ast abges\u00e4gt, auf dem es selbst ziemlich gem\u00fctlich sa\u00df. Von der politischen Karte Europas sind solche Imperien wie Russland, Deutschland und die Donaumonarchie verschwunden; die Sieger - Frankreich und Gro\u00dfbritannien - hatten mehr Menschen verloren als im Zweiten Weltkrieg und haben sich von diesem \u201eSieg\u201c nicht mehr erholen k\u00f6nnen. Und das alles wegen des Mordes an einem Thronfolger durch einen Terroristen aus Serbien. Sie haben sich f\u00fcr einen Thronfolger ger\u00e4cht und haben dabei alle Monarchien des kontinentalen Europas selber von der Erdfl\u00e4che weggefegt. War das vern\u00fcnftig? Absolut nicht.\r\n\r\nSeitdem sind 100 Jahre vergangen. Im M\u00e4rz 2014 haben wir wieder komfortabel, gem\u00fctlich, friedlich gelebt, soweit man Europa meint. Die Marktwirtschaft funktionierte, die Grenzen wurden immer offener. Russland ist aus einer armen sowjetischen Macht zu einem erfolgreichen reichen Land geworden, und die Russen zu wohlhabenden B\u00fcrgern: wegen der hohen Preise f\u00fcr \u00d6l und Gas; wegen des Auftritts russischer Firmen an den internationalen B\u00f6rsen und des Handels mit ihren Aktien, wegen der unbeschr\u00e4nkten Kredite f\u00fcr das russische gro\u00dfe und kleine Business, das zu einem Teil der Weltwirtschaft geworden ist.\r\n\r\nLeben und leben lassen. Aber vor den Menschen, die in Russland die Macht ergriffen haben (sie alle sind\u00a0vom\u00a0KGB) stehen ganz andere Aufgaben, als der Wohlstand des russischen Volkes. Jetzt begibt sich Putin auf den gleichen Weg, den Hitler und Deutschland 1938-1945 schon mal gegangen sind. Aber so wie die Donaumonarchie 1914, wie Deutschland 1938-39, verstehen Putin und sein Umfeld nicht, dass sie einen gro\u00dfen Krieg beginnen. K\u00fcrzlich hat Schirinowski nach Putins Anweisung angefangen, uns den \u201eDritten Weltkrieg\u201c zu erl\u00e4utern, aber das tat er nur, um uns mit seiner Perspektive zu erschrecken, und nicht weil er eine Vorahnung des Dritten Weltkrieges hat. Er rechnet mit einer Kapitulation.\r\n\r\n<span style=\"color: #003366\">\u00a0<em>- Was kann man tun, um den Krieg zu vermeiden?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">\u00a0<\/span><\/span><\/span>Fangen wir doch damit an, was die ukrainische Seite in der Zeitspanne M\u00e4rz-Juli 2014 h\u00e4tte tun sollen, und was sie nicht getan hat. Seit dem ersten Tag h\u00e4tte man erkl\u00e4ren m\u00fcssen, dass Russland einen Krieg gegen die Ukraine f\u00fchrt. Erst jetzt, auf Druck der unbarmherzigen Fakten und Umst\u00e4nde erw\u00e4hnen die ukrainischen Amtspersonen\u00a0und \u00f6ffentlichen Pers\u00f6nlichkeiten, dass die Ereignisse ja eigentlich auf den Anfang eines Krieges gegen die Ukraine hindeuten. Und der Krieg dauert aber schon f\u00fcnf Monate an. Und die Regierung hat es dem Volk noch immer nicht gesagt. Das Volk muss selber dahinterkommen. Die milit\u00e4rische Seite der Frage - dass man f\u00fcr die Krim h\u00e4tte k\u00e4mpfen sollen - wollen wir jetzt gar nicht ausdiskutieren. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4tte man f\u00fcr die Krim k\u00e4mpfen m\u00fcssen, denn f\u00fcr die geretteten Krimseelen zahlt nun die Ostukraine das Zehnfache.\r\n\r\nEine Armee gibt es nicht und sie schnell zu erschaffen ist schwierig - das ist klar. Es gibt kein Geld, und schnell zu finden ist es auch nicht. Das ist auch klar. Dementsprechend kann man auch keine R\u00fcstungsg\u00fcter einkaufen - und auch das ist klar. Aber die russischen propagandistischen Fernsehkan\u00e4le, die in die ganze Ukraine senden, h\u00e4tte man doch ausschalten k\u00f6nnen? Daf\u00fcr braucht man weder Geld noch eine Armee. Daf\u00fcr braucht man nur eine ungef\u00e4hre Vorstellung von dem, was passiert, und Entschuldigung, ein wenig Verstand.\r\n\r\nWarum macht man das erst jetzt, f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter, wo der Osten schon im Krieg ist? Warum wurden vor dem Hintergrund der Gespr\u00e4che \u00fcber das fehlende Geld 786 Millionen Dollar f\u00fcr fr\u00fcher geliefertes Gas an Russland ausgezahlt, wenn doch Jazenjuk mehrmals erkl\u00e4rte, dass bei der russischen Okkupation der Krim ukrainisches Gas von gro\u00dfem Geldwert gestohlen worden war?\r\n\r\nWer hat angeordnet, dieses Geld an Russland auszuzahlen? Was ist das: Dummheit oder Staatsverrat? Warum wurden keine Ermittlungen wegen dieses Verbrechens eingeleitet? Wenn Sie mir sagen, dass Russland kein Schmiergeld f\u00fcr diese 786 Millionen gezahlt hat, werde ich Ihnen nicht glauben. Ich erinnere mich, was f\u00fcr eine Kampagne vom russischen Fernsehen entfaltet wurde, um an dieses Geld zu kommen. Putin-Medwedew-Miller sind von den Bildschirmen nicht mehr weggekommen, als sie diese 786 Millionen einforderten - so wichtig war es f\u00fcr sie, das Geld f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung des Krieges gegen die Ukraine zu bekommen. Und die Ukraine, anstatt dieses Geld in die eigene Verteidigung zu stecken, hat es f\u00fcr den Krieg gegen sich selbst an Russland \u00fcbergeben. Also h\u00e4tte man von M\u00e4rz bisJuli ganz viel tun k\u00f6nnen und dabei kein Geld verlieren m\u00fcssen, sondern umgekehrt sparen k\u00f6nnen.\r\n\r\nDie milit\u00e4rischen, diplomatischen und politischen M\u00f6glichkeiten der Ukraine sind leider beschr\u00e4nkt. Aber solange die Ukraine sich selbst dessen nicht bewusst wird und nicht offen sagen wird, dass gegen sie ein Krieg gef\u00fchrt wird, wird die NATO nicht zur Hilfe kommen. Warum soll denn die NATO zur Hilfe kommen, wenn die Ukrainer nicht gegen die russische Armee, sondern gegen lokale Separatisten k\u00e4mpfen? Was hat die NATO damit zu tun, oder Europa und die USA? Findet euch doch selber zurecht, wenn es eure lokalen Rebellen sind.\r\n\r\nIhr wisst ganz genau, dass es keine \u201eVolkswehr\u201c ist, keine \u201eSeparatisten\u201c, und dass es sich \u00a0nicht um Einheimische handelt. Dann m\u00fcsst Ihr es auch sagen, damit es klar wird, sowohl in der Ukraine selbst als auch au\u00dferhalb ihrer Grenzen. Darin, was die ukrainische Regierung tut, gibt es keine Folgerichtigkeit. Wenn Russland ein Aggressor ist, warum wird dann \u00fcber die sogenannte \u201ehumanit\u00e4re Hilfe\u201c diskutiert? Ob man sie durchlassen soll oder nicht? Ob man sie annehmen soll oder nicht? Ob man eine Zollkontrolle durchf\u00fchren soll oder nicht? Wo haben Sie gesehen, dass ein Land, gegen welches eine Aggression gef\u00fchrt wird, vom Aggressor humanit\u00e4re Hilfe bekommt? Die Antwort liegt auf der Hand: nicht annehmen, nicht durchlassen, keine Zollkontrolle, mit einer feindlichen Invasion auf das eigene Territorium gleichsetzen und vernichten. Was gibt es hier f\u00fcr Fragen und Zweifel? Haben die Polen jemals humanit\u00e4re Hilfe von Hitler bekommen? Sogar die NATO erkl\u00e4rte, dass sie die \u201ehumanit\u00e4re Kolonne\u201c aus 280 LKWs f\u00fcr eine russische Invasion in die Ukraine h\u00e4lt. Und die Ukrainer diskutieren dar\u00fcber, was genau in den LKWs ist: Kindernahrung oder was anderes, und warum sie halbleer sind. Was f\u00fcr eine Rolle spielt es, was darin ist und warum sie leer sind? Den kostenlosen K\u00e4se gibt es nur in einer M\u00e4usefalle. Ein Konvoi aus 280 LKWs ist eure M\u00e4usefalle mit dem kostenlosen K\u00e4se. Sagt es offen, erkl\u00e4rt, dass ihr diese Kolonne im Falle ihres Eindringens in die Ukraine vernichtet - Ende der Diskussion \u00fcber die \u201ehumanit\u00e4re Hilfe\u201c. Russland m\u00f6chte der Bev\u00f6lkerung in der Ostukraine helfen? Soll es doch seine Armee aus der Ukraine abziehen und die Besch\u00fcsse einstellen. Dann wird man auch keine humanit\u00e4re Hilfe brauchen.\r\n\r\nNun ist Moskau bereit, wie auch immer, sich aber in die Ukraine durchzumogeln. Es ist sehr wichtig, dass die Ukrainer zwei Sachen verstehen. Erstens: Chancen, keinen Krieg zu f\u00fchren, gibt es nicht. Zweitens: Alleine wird die Ukraine nicht standhalten k\u00f6nnen. Man muss daran arbeiten, mehr Unterst\u00fctzung von Europa und Amerika zu bekommen. Das ist die politische und milit\u00e4rische Hauptaufgabe der Regierung. Leider sind Europa und Amerika so konzipiert, dass solange kein Blut flie\u00dft, niemand reagieren wird. Die westlichen Strukturen arbeiten nicht wie ein Notdienst. Man kann diesen Notdienst nicht am Telefon rufen. Aber sich den milit\u00e4rischen Beistand zu sichern ist die Hauptaufgabe der Regierung, darum muss die Ukraine erkl\u00e4ren, dass sie sich gegen jegliche russische Aggression wehren wird. Geholfen wird nur denen, die sich wehren. Das ist ein Teufelskreis, und ich verstehe es: Solange die Ukraine sich nicht wehrt, wird ihr nicht geholfen, aber sie kann sich nicht wehren, wenn ihr nicht geholfen wird.\r\n\r\nIn der heutigen Phase wehrt sich die Ukraine, ohne den Krieg zu erkl\u00e4ren. Ich schlage vor, sich zu wehren, und dabei offen zu erkl\u00e4ren, dass gegen die Ukraine ein Krieg gef\u00fchrt wird. Dann wird auch Hilfe kommen, denn von allen Standpunkten aus: vom milit\u00e4rischen, diplomatischen, strategischen, geopolitischen und vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes aus ist es f\u00fcr die NATO g\u00fcnstiger, den russischen Aggressor auf dem Territorium einer k\u00e4mpfenden Ukraine anzutreffen, als einer besiegten.\r\n\r\n<em><span style=\"color: #003366\">-\u00a0Welche Bedeutung hat der Krieg im Donbas in diesem gro\u00dfen Konflikt?<\/span><\/em>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Das ist nur eins von vielen Sujets. F\u00fcr die Ukraine hat er nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Bedeutung. Wenn die Okkupation der Krim wie ein Blitzkrieg abgelaufen war, so war es im Donbas eben nicht so. Den Einwohnern der Ostukraine ist nun klar, dass der russische Versuch, sich die Ukraine zu unterwerfen, Zerst\u00f6rung, Krieg und Tod in ihre H\u00e4user bringt, und keine Prosperit\u00e4t und Wohlstand. Wenn es nach der Krim-Besetzung\u00a0noch Illusionen dar\u00fcber geben konnte, dass der russische Anschluss der Ukraine friedlich, opferlos, nach dem Krim-Szenario verlaufen wird, so ist jetzt nach f\u00fcnf Monaten offensichtlich, dass dem nicht so ist. Die Einwohner der Ostukraine, dessen bin ich mir sicher, sind heute nicht mehr so gutm\u00fctig Russland gegen\u00fcber gestimmt, wie sie es im M\u00e4rz 2014 waren, als sie unter den Lenin-Denkm\u00e4lern ihre Demos mit den roten sowjetischen Fahnen und der Referendumsforderung organisiert hatten. Die Invasion der russischen \u201eh\u00f6flichen gr\u00fcnen M\u00e4nnchen\u201c hat die totale Zerst\u00f6rung, den Tod der Zivilisten und Soldaten und ein vieltausendk\u00f6pfiges Fl\u00fcchtlingsproblem in die Ukraine gebracht. Und das ist nur der Anfang. Auf die Krim werden dieselben Probleme kommen, nur etwas sp\u00e4ter. Es ist klar, dass das Projekt \u201eNeurussland\u201c den Ukrainern nichts Gutes bringt. Aber Putin wird den Druck immer weiter aus\u00fcben. Das Krim-Szenario war die Variante 1, nun kommt die Variante 2, und da gibt es ja noch die Varianten 3, 4, 5... Nat\u00fcrlich haben all diese Varianten ganz andere Bezeichnungen im russischen Generalstab. Allm\u00e4hlich werden diese Pl\u00e4ne von Putin selbst erl\u00e4utert.\r\n\r\nAus seiner letzten Krimrede haben wir erfahren, dass in der Ukraine ein B\u00fcrgerkrieg l\u00e4uft, dass die Ukraine im Blut versunken ist, dass sich Russland keinesfalls in das Geschehen in der Ukraine nicht einmischen kann. Wir haben nichts geh\u00f6rt, was auf eine Absicht Putins hindeutete, die Aggression und die Einmischung in innere Angelegenheiten der Ukraine einzustellen, wir haben nichts \u00fcber die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine geh\u00f6rt, haben nicht geh\u00f6rt, dass die Ukraine ein Recht darauf hat, \u00fcber ihr Schicksal selbst zu entscheiden. Ich betone, wir haben genau das Gegenteil geh\u00f6rt: Russland wird sich weiterhin in ukrainische Angelegenheiten einmischen, denn in der Ukraine wird Blut vergossen, es ist ein B\u00fcrgerkrieg, eine Katastrophe, und Russlands Pflicht ist es, sich in diese Situation einzumischen. Erinnern Sie sich, wie Molotow vor der Invasion nach Polen 1939 \u00fcber den Zerfall des \u201eh\u00e4sslichen Kindes des Versailles Vertrages\u201c erz\u00e4hlte, und \u00fcber die Notwendigkeit, in diesem Zusammenhang die ukrainischen und die belarussischen Br\u00fcder zu besch\u00fctzen? So hat Putin in seiner Krim-Rede fast Wort f\u00fcr Wort diese Rede von Molotow wiederholt. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass die Liveausstrahlung dieses Auftritts von Putin in letzter Minute abgesagt wurde. Er hat da so viel heruntergeschwatzt, zusammen mit Schirinowski...\r\n\r\nDie Ukraine muss verstehen, dass der Krieg gegen Russland schon l\u00e4uft. Wenn die Welt sich rechtzeitig einmischt und es nicht zu einem allumfassenden Krieg kommt - wunderbar. Aber man muss vom schlimmsten Szenario ausgehen, und nicht vom besten, denn dann tritt 100% das Schlimmste ein. Die Ukraine k\u00e4mpft nicht gegen einzelne Separatisten. So zu denken bedeutet, vor dem Land, dem Volk und der Armee falsche Aufgaben\u00a0zu stellen. Russland f\u00fchrt einen Krieg gegen die Ukraine. Darum ist die Ukraine gezwungen, Russland zu bekriegen.\r\n\r\n<span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-<span style=\"color: #003366\">\u00a0<\/span><\/span><\/span><em>Aber wer kann denn\u00a0in diesem Krieg ein Verb\u00fcndeter von Moskau werden?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Niemand. Das ist zurzeit das schw\u00e4chste Kettenglied in Putins Politik. Wenn Hitlers Verb\u00fcndete Italien und Japan waren, und die Sympathien zum F\u00fchrer und der faschistischen Bewegung in vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stark waren, so hat Putin so eine Unterst\u00fctzung nicht. Die stalinistische Sowjetunion hat im Zweiten Weltkrieg nat\u00fcrlich gewonnen, da sie zusammen mit England und den USA gegen Deutschland und Italien k\u00e4mpfte. Aber es ist nicht das Gleiche, in absoluter Einsamkeit, nur mit Kr\u00e4ften Russlands allein, gegen die USA, England, Deutschland, Italien und das restliche Europa zu k\u00e4mpfen. \u00dcbrigens, das putinsche Russland ist keine stalinistische Sowjetunion. Es ist ein viel schw\u00e4cherer Staat.\r\n\r\nDer Kreml schwingt nat\u00fcrlich die chinesische Fahne wie einen Rettungsring. \u00dcber die chinesische Karte kann man lange harangieren, man kann es aber auch kurz fassen. Ich versuche es mal kurz. Bez\u00fcglich unseres Gespr\u00e4chs \u00fcber den russisch-ukrainischen Krieg oder \u00fcber den Dritten Weltkrieg - vergessen Sie China. Nur wegen unserer europ\u00e4ischen Ignoranz erscheint uns dieser Koloss auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen wie eine monolithische Macht. In der Form, in der es heute existiert, ist China 1928 entstanden. Also ist es zwar eine sehr alte Zivilisation, aber der Staat ist sehr jung, mit seinen eigenen ernsthaften Problemen. Und blo\u00df weil bei der existierenden kommunistischen Diktatur in China die von der Regierung kontrollierten chinesischen Medien uns nicht von allen Problemen des Landes berichten, werden sie davon nicht weniger. Wir wissen nur nichts \u00fcber sie. Also, China ist das letzte Land, das an einer St\u00f6rung der Weltordnung, Stabilit\u00e4t der Welt und an einem Krieg in Europa, und noch viel weniger an einem Weltkrieg interessiert ist, denn die chinesische Wirtschaft ist in erster Linie an Stabilit\u00e4t und an stabilen Investitionen der westlichen Banken in die chinesische Wirtschaft interessiert. Diese Stabilit\u00e4t wird durch jeglichen gr\u00f6\u00dferen Krieg gest\u00f6rt werden. Darum wird sich China nat\u00fcrlich nicht in einen internationalen Konflikt an der Seite Russlands einmischen. Wobei ich weit entfernt vom Gedanken bin (der von vielen propagiert wird), dass China die Involvierung Russlands in einen Krieg in Europa f\u00fcr die St\u00e4rkung seiner Positionen in Russland ausnutzen wird. Oder sogar f\u00fcr eine territoriale Expansion auf Kosten Russlands. China hat hundert Jahre lang friedlich gewartet, bis der Pachtvertrag von Hongkong mit Gro\u00dfbritannien ausl\u00e4uft. China unternimmt noch immer keine milit\u00e4rischen Schritte f\u00fcr eine Annexion von Taiwan, wobei Taiwan nun wirklich \u201eureigener chinesischer Boden\u201c ist. Diese alte Zivilisation denkt in der Kategorie von Jahrhunderten, und nicht einer \u201ePr\u00e4sidentenamtsperiode\u201c. Putins Sprung auf die Krim ist f\u00fcr die Chinesen nur ein Abenteuer eines dummen europ\u00e4ischen Stammesh\u00e4uptlings, der weder in einer langfristigen Perspektive, noch staatlich weise, geschweige denn in Generationen denken kann. Und wenn man vom russisch-chinesischen Handel spricht, so ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass Russland Gas und Erd\u00f6l nach Asien statt Europa verkaufen wird. Aber die Preise f\u00fcr diese Rohstoffe werden ganz andere sein. Ein Nullpreis ergibt eine endlose Nachfrage. Zum Nullpreis wird wer auch immer russisches Erd\u00f6l und Gas nehmen. Dieses aber zu den hohen europ\u00e4ischen Preisen wird man jedoch niemandem verkaufen k\u00f6nnen. Also wird China als K\u00e4ufer Europa f\u00fcr Russland nicht ersetzen.\r\n\r\n-\u00a0<span style=\"color: #003366\"><em>Sie sagten, dass Belarus f\u00fcr die Besetzung der Ukraine sehr wichtig ist, das der russischen Armee den Weg nach Wolhynien und Galizien unter Umgehung der \u00dcberdnipro-Ukraine \u00f6ffnet. Jetzt sehen wir bei Lukaschenko ein politisches Man\u00f6vrieren zwischen der proukrainischen und der proputinschen Haltung. Wie gro\u00df sind seine Chancen Putin zur\u00fcckzuschlagen?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #535353\"><span style=\"font-family: Verdana, sans-serif\"><span style=\"font-size: medium\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>In den Augen von Europa und den USA ist Lukaschenko ein Diktator, darum wird man ihm gegen\u00fcber auch kein Mitleid haben. Daraus folgt aber nicht, dass die Welt den Fakt einer Belarus-Annexion durch Russland anerkennt. Wird sie nicht. Aber deswegen wird sich nichts \u00e4ndern. Ich m\u00f6chte keinen Belarussen beleidigen, aber Belarus als eine milit\u00e4rische Einheit ist ein nicht vorhandenes Glied, eine Leerstelle. Was mit diesem Land infolge des russisch-ukrainischen Krieges passiert, bleibt dem russischen Generalstab \u00fcberlassen. Wenn man sich die Karte anschaut, so ist Belarus f\u00fcr einen Angriff auf die Ukraine strategisch sehr wichtig. Ein vollumfassender Krieg gegen die Ukraine ist ohne Verletzung der Souver\u00e4nit\u00e4t von Belarus unm\u00f6glich. Die russische Armee wird selbstverst\u00e4ndlich in die Ukraine einmarschieren, auch durch Belarus. Ob mit Zustimmung von Lukaschenko oder gegen seinen Willen - das hat keine Bedeutung.\r\n\r\nLukaschenko macht sehr widerspr\u00fcchliche Aussagen. Verstehen kann man ihn. Hilfe kann er von niemandem erwarten, und was Putin ist, wei\u00df er besser als wir beide. Glauben kann man Putin nicht, er betr\u00fcgt. Sich mit ihm auf etwas einigen wird Lukaschenko nicht k\u00f6nnen, au\u00dfer auf eine vollst\u00e4ndige Kapitulation. Darum wartet Lukaschenko nerv\u00f6s darauf, was passiert. Und Russland wird im Falle eines vollumfassenden Angriffs entlang der ganzen russisch-belarussisch-ukrainischen Grenze in die Ukraine einmarschieren: aus der Krim, aus Belarus, aus dem Osten und vom S\u00fcdosten aus. Ob vorher ein Abkommen zwischen Putin und Lukaschenko \u00fcber den Beitritt von Belarus zu Russland kommt, \u00fcber den Durchlass der russischen Armee durch belarussisches Territorium und sogar \u00fcber die Teilnahme von belarussischen Einheiten an gemeinsamen Kriegshandlungen gegen die Ukraine, ist eine rein formell-technische Frage. Wie es mir scheint, wird Lukaschenko die Ukraine gegen die russische Aggression nicht verteidigen.\r\n\r\n- <span style=\"color: #003366\"><em>Wie lange wird die russische Gesellschaft noch in diesem Vorkriegszustand, der harten Staatspropaganda ausgesetzt, ausharren k\u00f6nnen?<\/em><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>So lange es nur geht. Die russische Presse und das Fernsehen arbeiten noch im vorgegebenen Tempo, sie haben nur ein wenig den Eifer ged\u00e4mpft. Sie werden kein einziges gutes Wort \u00fcber die Ukrainer, die Ukraine, die USA oder Europa im russischen Fernsehen h\u00f6ren. Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung Russlands benutzt leider kein Internet und bekommt Nachrichten ausschlie\u00dflich aus den russischen Medien, und Sie wissen ganz gut, was eben diese russischen Medien \u00fcber die Ukraine erz\u00e4hlen und zeigen. Wenn Hitler oder Goebbels solche propagandistischen Instrumente gehabt h\u00e4tten, h\u00e4tten sie es viel einfacher gehabt, die Welt zu erobern.\r\n\r\nDie russische Propagandamaschine wurde von Putin jahrelang ausgebaut, seit 2000. In Russland haben alle nur gekr\u00e4chzt und ge\u00e4chzt: \"Ach, wof\u00fcr muss denn Putin alle unabh\u00e4ngigen Medien sich selbst unterwerfen!\" Genau daf\u00fcr, damit dieser Riese alle Befehle von oben demutsvoll befolgt: Man hat uns gesagt, Tschetschenen zu t\u00f6ten - also werden wir Tschetschenen t\u00f6ten, hat \"Georgier\" gesagt - dann t\u00f6ten wir Georgier. Hat \"Ukrainer\" gesagt - dann t\u00f6ten wir Ukrainer. So ein System wird solange existieren, wie das Regime Putins existiert. Das Rating der Regierung ist ein Thema f\u00fcr sich. Das Rating ernsthaft zu besprechen macht nur in einem freien Land Sinn. Und tats\u00e4chlich hat die Regierung in einem freien Land keine so hohen Ratings. Wenn das Rating der Regierungsunterst\u00fctzung allzu hoch ist, glauben Sie mir - dann haben wir es mit einer Diktatur zu tun. Alle Diktatoren haben immer einen Hochstand an Unterst\u00fctzung - bis zu dem Moment, wo die Revolution sie wegfegt. Ich w\u00fcrde eher glauben, dass die jetzigen russischen Umfragen nichts \u00fcber Putins Popularit\u00e4t aussagen sondern eher etwas \u00fcber den Grad der in Russland verbliebenen Freiheit. Was ich meine ist, dass nach der Krim-Annexion eine Umfrage nach Regionen in Russland durchgef\u00fchrt worden ist, wer denn Putin unterst\u00fctzt. Am wenigsten hat man Putin in Moskau unterst\u00fctzt, aber ich glaube, immerhin 60%. Am meisten in Tschetschenien - 97%. Schlussfolgerung: Der Stand der Meinungsfreiheit\u00a0ist in Moskau 40%, und in Tschetschenien \u2013 3%. Im restlichen Russland: zwischen 3% und 40%. Zur Unterst\u00fctzung Putins haben die Popularit\u00e4tswerte keinen Bezug, insbesondere weil die Bev\u00f6lkerung Russlands keinen Einfluss auf die Politik der Regierung aus\u00fcbt. Die Wahlen in Russland sind l\u00e4ngst zu einer Fiktion geworden, das Parlament unterst\u00fctzt die Regierung in allem und ist zu einem formellen Machtinstrument geworden, so wie der Oberste Rat in der UdSSR zu seiner Zeit. Die Umfragen selbst werden nur nach einer Anweisung von oben durchgef\u00fchrt - das ist auch nur eine propagandistische Waffe in Kremls H\u00e4nden, nichts weiter.\r\n\r\nRussland ist kein Land, wo das Volk alle zehn Jahre eine Revolution startet. Die B\u00fcrger Russlands neigen nicht dazu, ihre Regierungen zu st\u00fcrzen. Viele (oft sind es intelligente, gebildete und aktive Menschen) betrachten Russland als einen Ort zum Geldverdienen. Ein Mensch, der Geld verdient, stellt sich nicht die Aufgabe, Russland zu reformieren, zumal es auf diesem Weg so viele Risiken gibt. Das Hauptrisiko ist, dass die Obrigkeit das Gesch\u00e4ft zur Strafe abdr\u00fccken und den Gesch\u00e4ftsmann f\u00fcr finanzielle Verbrechen ins Gef\u00e4ngnis stecken kann, wie einst Chodorkowski. Einfacher ist es, Geld zu verdienen, solange sie einen lassen, und im Falle der F\u00e4lle \u201eabzuhauen\u201c.\r\n\r\nSo denken viele, auch wenn sie es nicht zugeben. Nat\u00fcrlich gibt es einen bestimmten\u00a0Prozentsatz an Menschen, die Putin aufrichtig unterst\u00fctzen. Aber das sind entweder Faschisten, oder Nationalisten, oder Menschen, die durch mehrere vorige Kriege gegangen sind, die s\u00fcchtig nach\u00a0dem Krieg sind. In Deutschland war die Unterst\u00fctzung Hitlers ziemlich gro\u00df. Das hat den Deutschen nach 1939 nicht viel geholfen. Das Kriegsgespenst bewegt heute kaum jemanden in Russland und macht kaum jemandem Angst. Ja, es gab den Krieg in Tschetschenien, es hat aber Russland im Gro\u00dfen und Ganzen nicht wirklich ber\u00fchrt. Die Krim wurde besetzt - auch ohne negative Folgen. In den K\u00f6pfen der Menschen in Russland werden solange keinerlei Verschiebungen stattfinden, bis infolge des Krieges eine tats\u00e4chliche Verschlechterung des Lebens beginnt.\r\n\r\nBis jetzt sind die gegen Russland eingef\u00fchrten Sanktionen langsam und schwach, aber auch sie werden anfangen zu wirken. Hier wird Europa Putin selbst helfen, denn er muss Sanktionen gegen sein Volk einf\u00fchren. Er muss die Initiative \u00fcbernehmen, muss sich f\u00fcr den Fall einer globalen internationalen Isolation absichern. Darum wird er jetzt schon sukzessive Gegensanktionen einf\u00fchren und damit vorgaukeln, das europ\u00e4ische und amerikanische Gesch\u00e4ft\u00a0zu bestrafen. Noch ein Hinweis auf die Vorbereitung auf einen gro\u00dfen Krieg ist der Kauf von Gold durch Russland, die Vergr\u00f6\u00dferung der Goldreserve. Das ist eine Standardoperation des Zentralbanks eines Landes, das sich auf einen Krieg vorbereitet.\r\n\r\n<em><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">-\u00a0<\/span><\/span>Gibt es die Gefahr\u00a0eines Zerfalls Europas durch den heutigen russisch-ukrainischen Konflikt?<\/span><\/em>\r\n\r\n<span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Jeder Diktator st\u00fctzt sich auf eine Hetzjagd: Er muss alle gegeneinander aufhetzen, sogar innerhalb seines eigenes Teams. Das geschieht auf dem pers\u00f6nlichen, staatlichen und kontinentalen Niveau. Putin hat gehofft, die USA und Europa auseinanderzubringen, und dann noch Bruchlinien innerhalb von Europa selbst zu finden. Das ist eine wichtige Aufgabe, aber meiner Meinung nach ist sie undurchf\u00fchrbar. Und nicht mal weil Europa in der EU vereint ist und sich an eine gemeinsame politische Linie halten wird, sondern weil es einfach nicht bereits passiert ist. Das h\u00e4tte nur am Anfang des Konflikts geschehen k\u00f6nnen.\r\n\r\nEs gibt L\u00e4nder, die wegen eines Bruchs mit Russland geringeren Schaden nehmen werden, andere werden mehr leiden. Aber zu glauben, dass er die Sanktionen aussetzt, ist falsch. Deutschland ist abh\u00e4ngig vom russischen Gas und liefert Autos nach Russland. Und nat\u00fcrlich sind die Deutschen an einem Abbruch des Handels nicht interessiert. Und gleichzeitig hat Deutschland aber mehr als andere infolge der zwei Weltkriege gelitten, die es selbst initiiert und verloren hatte. Deutschland wei\u00df besser als alle anderen, was ein Diktator in einer europ\u00e4ischen Macht ist und wozu es f\u00fchren kann. Ja, das deutsche Gesch\u00e4ft ist \u00fcber die Sanktionen gegen Russland erschrocken. Alle Gesch\u00e4fte sind jetzt erschrocken. Aber das, was seit M\u00e4rz 2014 passiert - das ist nicht mehr \u00fcber Geld. Alles, was Putin macht - da geht es nicht um Geld. Da geht es um Ruhm, wie Putin diesen versteht; um das Imperium, wie er es sieht; um Geschichte und Geopolitik, wie er sie empfindet. Das ist ein anderes Niveau der Weltprobleme. Die Phase des Geldverdienens ist f\u00fcr alle vorbei. Es beginnt die Phase des Ausgebens der angesparten Ressourcen. Die ruhige Arbeit der marktwirtschaftlichen Mechanismen, die jahrelang ausgebaut wurde, ist jetzt schon gest\u00f6rt.\r\n\r\n<em><span style=\"color: #003366\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">-\u00a0<\/span><\/span>Wer wird im Krieg siegen?\u00a0<\/span><\/em>\r\n\r\n<span style=\"color: #10131a\"><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">-\u00a0<\/span><\/span><\/span>Wir wissen, wie die zwei vorigen Kriege f\u00fcr Europa ausgegangen sind: v\u00f6llige Verw\u00fcstung und Zerst\u00f6rung. Das betrifft die Besiegten wie auch die Sieger. Sogar Gro\u00dfbritannien hat gelitten, und nicht nur was Menschenleben angeht. Nach dem Ersten Weltkrieg sind kontinentale Imperien auseinandergefallen. Und nach dem Zweiten wurden Deutschland und Europa zwischen dem Osten und dem Westen aufgeteilt.\r\n\r\nEs ist schwierig, in solchen Kriegen von Siegern zu sprechen. Die USA sind aus dem Krieg als eine Weltmacht herausgekommen und sehen sich seitdem gegen ihren Willen in alle Weltprobleme\u00a0involviert. Ob man es als einen Gewinn\u00a0bezeichnen kann, ist eine schwierige Frage. Der Krieg, der gerade vom Putin entfacht wird, ist ein europ\u00e4ischer Krieg. In Europa werden alle drunter leiden, in erster Linie Russland.\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em><span style=\"color: #000000\">Quelle:<\/span> <a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/2655-yuryj-felshtynskyj-bolshaya-vojna-eshhe-vperedy-zapreshhennoe-yntervyu\/\"><strong>Juri Felschtinski<\/strong> im Interview<\/a>;\u00a0\u00fcbersetzt von<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\"> Irina Schlegel<\/a><\/em>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=835"}],"version-history":[{"count":52,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28110,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions\/28110"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/838"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}