{"id":896,"date":"2014-11-09T23:47:01","date_gmt":"2014-11-09T23:47:01","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=896"},"modified":"2019-01-22T15:19:56","modified_gmt":"2019-01-22T15:19:56","slug":"das-verbotene-interview-reale-situation-donezker-flughafen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/das-verbotene-interview-reale-situation-donezker-flughafen\/","title":{"rendered":"Das verbotene Interview: Reale Situation am Donezker Flughafen"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><em>Der nachfolgende Text ist die Abschrift\u00a0eines Interviews bei Echo Moskaus, das am 29. Oktober 2014 erschienen ist. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 31. Oktober, \u00fcbermittelte der russische F\u00f6derale Aufsichtsdienst f\u00fcr den Bereich der Massenkommunikation\u00a0eine Warnung\u00a0an Radio &#8222;Echo Moskaus&#8220; \u00fcber die Unzul\u00e4ssigkeit des Extremismus, der in diesem Interview angeblich vorhanden sein soll. Das Interview wurde verboten. <strong>Alexander Pluschew<\/strong>, Redakteur bei Echo Moskaus und Interviewer hier, war bereits\u00a0gek\u00fcndigt. Der Mitschnitt des Interviews\u00a0wurde aber schon auf diversen Internetseiten ver\u00f6ffentlicht. Das Gespr\u00e4ch ist auch\u00a0deshalb interessant, weil <strong>Timur Olewski<\/strong>, einer der Gespr\u00e4chspartner, Korrespondent des Fernsehsenders &#8222;TV RAIN&#8220; (DOZHD) ist, der in Russland zu den wenigen Vertretern der freien Presse z\u00e4hlt. Olewski hatte u.a. von Anfang an vom Maidan, sp\u00e4ter aus der Krim und dann aus der Ostukraine berichtet. <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/\u041b\u043e\u0439\u043a\u043e,_\u0421\u0435\u0440\u0433\u0435\u0439_\u041b\u0435\u043e\u043d\u0438\u0434\u043e\u0432\u0438\u0447\">Sergej Loiko<\/a>, der zweite Gespr\u00e4chspartner, ist ein bekannter Milit\u00e4rjournalist und Photograph.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Wir bitten darauf zu achten, dass dies ein Mitschnitt des Gespr\u00e4chs ist, kein redaktionell verfertigter Artikel.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong><strong>:\u00a0<\/strong>Hier ist wieder Alexander Pluschew in der Sendung \u201eMit eigenen Augen\u201c. Heute haben wir Sergej Loiko im Studio, einen Korrespondenten der \u201eLosAngelesTimes\u201c. Guten Abend! Und unseren Kollegen vom \u201eEcho Moskaus\u201c, vom TV-Kanal \u201eDozhd\u201c (TV Rain) Timur Olewski. Hallo!<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Guten Abend! Ich werde wie Sergej, nicken und nichts sagen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Ja. Reden wir \u00fcber die K\u00e4mpfe um den Donezker Flughafen. Soweit ich das verstehe, waren sie dort und sind gerade erst zur\u00fcck, nicht wahr?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewskij:<\/strong>\u00a0Hier muss man wahrscheinlich deutlich machen, wer wo war, Sergej. Du warst in dieser H\u00f6lle am tiefsten drin.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, ich bin per Anhalter von Kyjiw aus gefahren und zu Ende war meine Reise am Donezker Flughafen, wo ich vier Tage in dieser&#8230;.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Also, sind Sie von der ukrainischen Seite mit dem Auto gekommen?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Da kann man von der anderen Seite nicht lebend hinkommen. Da sind doch K\u00e4mpfe um den Flughafen, und aus Richtung Donezk kommen da die &#8222;DVR&#8220;-S\u00f6ldner, sie versuchen ihn zu erst\u00fcrmen, und sie schaffen es nicht. Obwohl es nicht ganz stimmt, da gibt es Nuancen, wie die Verteidigung des Donezker Flughafens tats\u00e4chlich organisiert ist. Ich, als ich das erfahren habe &#8211; Sergej hat es ja einfach mit eigenen Augen gesehen &#8211; ich war ganz in der N\u00e4he vom Flughafen, aber nicht direkt darin, und als ich das erfahren habe, ehrlich gesagt, habe ich es gar nicht geglaubt, dass in ein und dem gleichen Geb\u00e4ude die einen und die anderen Soldaten sind &#8211;\u00a0sie k\u00f6nnen einander buchst\u00e4blich zuschreien&#8230; Granaten einander zuwerfen&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, da war so ein Moment, als der Kommandeur dieser Fallschirmspringer mit dem Codenamen \u201eRachman\u201c buchst\u00e4blich aus n\u00e4chster N\u00e4he da auf einen &#8211; wie sie sie da nennen &#8211; \u201eSepar\u201c schie\u00dft, der auf dem Flugplatz steht. Und wie in einem Computerspiel schie\u00dft er aus n\u00e4chster N\u00e4he mit seinem Stetschkin APS, sieht sogar den Dampf vom Atem des Separs, und der schie\u00dft zur\u00fcck, und l\u00e4uft weg, versteckt sich in diesem durchsichtigen \u00c4rmel, der ins dritte Stockwerk f\u00fchrt. Und dieser \u201eRachman\u201c steht da so geschockt: \u201eWie! Wie konnte ich ihn nicht erwischen!\u201c, und schreit: \u201eSepar! Separ! Komm&#8216; zur\u00fcck!\u201c Und der ist aber schon \u00fcber alle Berge.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Das ist das Geb\u00e4ude des zweiten Terminals. Der zweite Terminal. Das erste und das zweite Stockwerk sind von den ukrainischen Soldaten besetzt, und das dritte und den Keller besetzen die Separatisten.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Da ist dreidimensionale&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Das ist ein Geb\u00e4ude, verstehst du&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Dreidimensionale Einkreisung. In Wirklichkeit sind da zwei Geb\u00e4ude: das alte und das neue Terminal. Was die Reise zum Flughafen angeht, so ist das Schwierigste an dieser Reise die Einfahrt und die Ausfahrt. Das betrifft nicht nur mich, sondern auch die ukrainischen Soldaten, die da regelm\u00e4\u00dfig hinfahren, um die Verteidiger zu versorgen, und sie sind da schon seit f\u00fcnf Monaten&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Das muss man nat\u00fcrlich verstehen&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: \u2026mit Wasser, Waffen, Verwundete abholen, die Jungs abl\u00f6sen, denn da sind unmenschliche Bedingungen, also die Bedingungen sind einfach&#8230; ich wei\u00df nicht, zum Nordpol zu kommen war f\u00fcr Kapit\u00e4n Scott einfacher, als sich dort am Flughafen aufzuhalten.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte die Aufmerksamkeit unserer Internetzuschauer auf die Bildschirme lenken, da sind die Photos, die Sergej Loiko mitgebracht hat. Aber besser w\u00e4ren sie gar nicht da, denn die Qualit\u00e4t ist gerade schrecklich. Ich sch\u00e4me mich, dass es so aussieht.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Verzeihen Sie uns&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ok.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Ne, ehrlich&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Gut, vergessen wir das.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Wenn wir die M\u00f6glichkeit haben, w\u00e4hrend der Sendung&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Sie sind nur ein wenig dunkel.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew:<\/strong>\u00a0Ja, die Helligkeit einzurichten &#8211; das w\u00e4re nicht schlecht. Und mehr Licht da zu geben, wahrscheinlich. Das sind also die Photos, die Sie da gemacht haben. Der Weg, der wahrscheinlich dahin f\u00fchrt&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, ich hab&#8216; vom Ein- und Ausgang geredet&#8230; Erinnern Sie sich an diesen Spruch: \u201eEingang f\u00fcr einen Rubel, Ausgang &#8211; f\u00fcr drei!\u201c? So ist es hier: Eingang &#8211; Leben, und Ausgang &#8211; Leben. Also du kommst dahin&#8230; kannst dahinkommen, kannst aber auch gar nicht erst ankommen. Und nur in einem Panzerwagen. Die Reise verl\u00e4uft \u00fcber eine absolut freie Fl\u00e4che &#8211; man sieht dich von allen Seiten &#8211; ungef\u00e4hr 10 Minuten dauert das. Da gibt es mehrere Stellen: Wenn du f\u00e4hrst, schl\u00e4gt etwas permanent auf den Wagen ein, und daneben explodiert permanent was. Also, wenn du Gl\u00fcck hast &#8211; kommst du durch. Pech &#8211; ein 12,7 Kaliber einer Panzerpatrone aus einem NSW-Maschinengewehr durchschl\u00e4gt den Panzerwagen komplett und t\u00f6tet alle, die sich darin befinden. Und der eigentliche Flugplatz von dem Flughafen, also das ist&#8230; Da gibt es keine Flugzeuge, da gibt es ein \u00dcbungsflugzeug, das steht da ganz weit weg, daf\u00fcr ist der Flugplatz komplett mit verbrannten Panzern und Panzerwagen zugem\u00fcllt, die da hin- und hergefahren waren und nicht geschafft hatten, rein- oder rauszufahren.<\/p>\n<p>Und diese Panzerwagen, eine Kolonne: 1-2 oder 2, oder 4, abh\u00e4ngig davon, was gerade geliefert wird, kommen bei dem neuen Terminal an, oder bei dem an, was davon \u00fcbrig geblieben ist &#8211; und hier ist die schwierigste Stelle, denn hier steigen\u00a0alle aus, beginnen auszuladen, und es f\u00e4ngt Schie\u00dferei von allen Seiten an. Die H\u00e4lfte derjenigen, die sich am Flughafen befinden, schie\u00dft nach\u00a0allen Seiten, um die Schie\u00dferei von der Separatisten-Seite zu d\u00e4mpfen, und der andere Teil der Menschen entl\u00e4dt die Panzerwagen. Entladen geht so: Man schmeisst einfach alles auf den Flugplatz. Dann, wenn sie alle auseinander gelaufen sind, fahren alle weg; wer noch am Leben ist, setzt sich in die Panzerwagen, zieht da Verwundete mit rein, dann fahren die Panzerwagen, wenn sie noch nicht brennen, weg. Und bei Einbruch der Dunkelheit kriechen da Menschen heraus und ziehen alles in den\u00a0neuen Terminal hinein. Zum alten Terminal kann man gar nicht hinkommen, denn der neue wird zwar von zwei Seiten durchschossen, und der Alte aber von allen Seiten, und die Separatisten sind viel n\u00e4her dran. Vor kurzem gab es da solch ein Gemetzel, als bei dem alten Terminal das obere Stockwerk brannte, und da sind viele Menschen gestorben, es gab viele Verwundete. Aber Separatisten gab es da nicht. In dem neuen Terminal aber &#8211; da gibt es eine dreidimensionale Einkreisung. Da sind die Separatisten nicht nur um den\u00a0Flughafen rundherum &#8211; sie sind im Keller, der viele Abzweigungen und irgendwelche Ein- und Ausg\u00e4nge hat, und hinter dem Flughafen gibt es einen Ausgang, und im dritten Stockwerk. Und das erste und zweite Stockwerke sind besetzt&#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_904\" style=\"width: 567px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-904\" class=\"wp-image-904 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko.jpg\" alt=\"loiko\" width=\"557\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-904\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Sergei Loiko<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>A.Pluschew<\/strong>: Und das dritte Stockwerk&#8230; wie sie&#8230;<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Irgendwie kommen sie in den Keller, wobei sowohl die einen wie die anderen permanent irgendwelche Ein- und Ausg\u00e4nge verminen, aber sie verminen sie so, dass sich kein Mensch erinnern kann, wo \u00fcberhaupt was steht. Und die Separatisten gehen hier herum, wie irgendwelche Geister, springen da und dort heraus. Vor kurzem ist ein Separatist &#8211; direkt vor mir &#8211; auf den Balkon im zweiten Stock hinuntergesprungen und hat aus einer RPG-18 Mucha eine Granate in den Eingang des Generalstabs dieser Fallschirmspringer geworfen, und das Geschoss ist direkt \u00fcber dem Eingang explodiert. Alle sind umgefallen, alle wurden \u00fcbersch\u00fcttet. Wenn es drinnen explodiert w\u00e4re, w\u00e4ren alle da gestorben, und so haben alle, inklusive mir selbst, nur eine Quetschung bekommen. Und hier hat ein Fallschirmspringer, er hie\u00df Batman &#8211; der sieht auch aus wie Batman &#8211; er hat da eine Granate hingeworfen, die Granate ist nicht bis dahin geflogen, sie ist da beim Balkon explodiert, und alle sind wieder umgefallen. Und \u00fcberhaupt, alles, was da passiert, wie es aussieht, wie der ganze Flughafen aussieht &#8211; das ist so eine epische&#8230;<\/p>\n<p>Man hat das Gef\u00fchl, das ist irgendsoein Filmset, denn so etwas kann es im realen Leben nicht geben! Gleich kommt Spielberg &#8218;raus und sagt: \u201eCut! Drehschluss!\u201c Denn die Ruinen da sind derma\u00dfen ruiniert, dieser ganze Flugplatz ist so ruiniert, alle sind ruiniert&#8230;<\/p>\n<p>Das ist wie ein Kongresspalast, nur ohne Kongresse und ohne Fenster, und mit verbogenen, geschweiften, verbrannten Rahmen. Da gibt es keinen einzigen Quadratmeter, der nicht mit Dutzenden Kugeln durchl\u00f6chert w\u00e4re. Da sind Einschussl\u00f6cher \u00fcberall: Die Decke ist durchl\u00f6chert, die W\u00e4nde sind es. Da ist immer dunkel: tags\u00fcber halbdunkel, abends absolute Dunkelheit. Wenn die Menschen tags\u00fcber noch irgendwelche Taschenlampen anmachen, irgendwelche Generatoren, laden irgendwas auf&#8230; Akkus, so ist da nachts ein Regime der Abschaltung von allem: keine Taschenlampen, keine Zigaretten &#8211; der Scharfsch\u00fctze schie\u00dft beim dritten Zug. Und wenn sie die Magazine ihrer Waffen laden, l\u00e4dt keiner die Leuchtspurmunition. Sie schie\u00dfen nicht mit Leuchtspurmunition. Sie witzeln da so dr\u00fcber: \u201eWir schie\u00dfen nur mit Leuchtspurplatzpatronen!\u201c<\/p>\n<p>Und die Entbehrungen, die man an diesem Flughafen auf sich nehmen muss, sind nat\u00fcrlich schrecklich: uns\u00e4gliche K\u00e4lte, keinerlei \u00d6fen gibt es dort, \u00fcberall Durchzug. Alle niesen, husten, man kann sich nirgendwo aufw\u00e4rmen. Das Einzige, was sie sich erlauben k\u00f6nnen, ist ein hei\u00dfer Tee aus einem Petroleumkocher. Und die Kocher sind so rabenschwarz. Alles ist in absoluter Finsternis, in einer absoluten Dunkelheit. Die Toilette &#8211; die ist \u00fcberall, wo du gerade Gl\u00fcck hast, und wo du nicht get\u00f6tet wirst. Aber gro\u00df geht da l\u00e4ngst keiner aufs Klo, und Gestank gibt es da nicht, weil die Menschen nichts essen. Sie ern\u00e4hren sich vom eigenen Adrenalin. Alle haben so Augen&#8230; Als ich die Photos gemacht hatte &#8211; ich bin ja schon \u00e4lter, sehe nix &#8211; sp\u00e4ter habe ich mir die Photos am Computer angeschaut, da war ich erstaunt, was f\u00fcr Augen die Menschen haben. Man kann so ein Bild in irgendeiner gestellten Einrichtung nicht schie\u00dfen, man kann sowas nicht inszenieren. Da ist immer Action, da sind immer echte Augen, da ist immer ein echter innerer Zustand der Helden. Und nat\u00fcrlich ist es so ein episches Werk, ein episches Ereignis, das ist irgendsoein auferstandener Tolkien, den ich nie mochte, irgendsoein \u201eLord of the Rings\u201c, denn das Buch hat keinen Humor, das ist irgendsoeine idiotische Fabel: Irgendsoein absolutes Gutes k\u00e4mpft mit dem absoluten B\u00f6sen, mit diesen Orks. Und hier ist f\u00fcr mich Tolkien endlich zum Leben erwacht. Ich habe gesehen, dass tats\u00e4chlich das ziemlich absolute Gute an diesem Flughafen, den man nicht verteidigen kann, mit dem absoluten B\u00f6sen k\u00e4mpft, mit diesen Orks, die diesen Flughafen von allen Seiten eingekesselt haben, und diesen mit Grad, M\u00f6rsern usw. beschie\u00dfen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Reden wir doch noch mal \u00fcber das Gute und das B\u00f6se. Ich wollte Timur Olewski fragen, du meintest, du warst da in der N\u00e4he.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0In der N\u00e4he, ja. Zum Gl\u00fcck ist es mir nicht wie Sergej gelungen, dahin zu kommen, direkt dahin.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Du h\u00e4ttest dich vor den Panzerwagen stellen und winken sollen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich hab&#8216; mich sogar dumm angestellt, ich erz\u00e4hle mal die Geschichte: Um zum Flughafen zu gelangen, muss man mehrere Runden Genehmigungen besorgen, zumindest f\u00fcr russische Journalisten, und dann ins Dorf Pisky fahren, wo die ukrainischen motorisierten Brigaden auf der vordersten Linie stehen: die Artilleristen und die Fallschirmspringer, und wo im Grunde die Panzerwagen zum Flughafen abfahren, die \u201eSchwalben\u201c, wie sie diese nennen. Da sind nach meinen Erinnerungen&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Plappere doch nicht alle Geheimnisse aus&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Also, die fahren da st\u00e4ndig hin- und her. Das ist kein Geheimnis, denn die Funkstelle ist da offen, das ist alles offen. Also, schau mal, die Geschichte. Da ist jede Fahrt &#8211; ein Kampf. Zumindest was Sergej erz\u00e4hlt, hat er unmittelbar dort gesehen. Und ich habe aber gesehen, wie die Vorbereitung von diesen Panzerwagen abl\u00e4uft. Das ist ein Kampf. Jeder Transport &#8211; das ist eine Artillerievorbereitung, und zwar auf beiden Seiten. Und in Pisky war ich in der 79. Brigade &#8211; da sind Artilleristen, M\u00f6rsersch\u00fctzen, die&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Die 79. Brigade sind Fallschirmspringer.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T. Olewski:<\/strong>\u00a0Die Einheit der 79. Brigade, wo ich war, das waren M\u00f6rsersch\u00fctzen, das waren Artilleristen. Ich habe unmittelbar bei den Artilleristen gelebt. Da war auch der \u201eRechte Sektor\u201c, der da irgendwelche eigene Sachen macht. Sie sind \u00fcbrigens auch da am Flughafen, ein kleiner Teil vom \u201eRechten Sektor\u201c. Aber ich habe auch die K\u00e4mpfer vom \u201eRechten Sektor\u201c gesehen, die in Pisky s\u00e4ubern, also, sie fangen da die Richtsch\u00fctzen ab. Und als ich davon geh\u00f6rt habe, dass die Richtsch\u00fctzen da abgefangen werden &#8211; ich war ja auf der einen wie auf der anderen Seite &#8211; habe ich gedacht, sie fangen einfach nur Leute ab, die sie nicht m\u00f6gen. Aber hier habe ich zum ersten Mal gesehen, wie das aussieht, was ein Richtsch\u00fctze ist. Das ist, wenn im zerst\u00f6rten Haus gegen\u00fcber deiner Artilleriestellung, wo niemand wohnt, nachts das tr\u00fcbe Licht einer Taschenlampe zu sehen ist, so einer Blaulichttaschenlampe. Da l\u00e4uft die Aufkl\u00e4rung hin und findet Stellungen, die ein paar Minuten vorher verlassen wurden. Wenn nur ein solcher\u00a0erfolgreicher Richtsch\u00fctze auftaucht, dann beginnen Geschosse auf die Stellung der Artilleriebatterie herunterzufallen. Sich davor verstecken kann man faktisch nur in den Panzerfahrzeugen. Obwohl sich die Menschen, die da dienen\u00a0und immer bei ihren M\u00f6rsereinheiten sind, l\u00e4ngst nicht mehr verstecken. Sie sitzen in Hallenanlagen, gehen auf ihre Stellungen hinaus, und betrachten die Besch\u00fcsse \u00e4u\u00dferst phlegmatisch, weil sie so denken: \u201eWenn ein GRAD ins Dach einschl\u00e4gt &#8211; passiert nichts, wenn es aber eine Selbstfahrlafette ist, so werden wir eh alle get\u00f6tet\u201c. Sonst passiert nichts. Und das ist ein Ort, wo man den Streifen sieht, also den Tower, wo auch die ukrainischen Soldaten sind. Auf dem Tower gibt es zwei&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Also, es gibt drei Stellen: der alte Terminal, der neue und der Tower werden von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften kontrolliert.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Ja, der Tower. Das ist glaube ich, die Stelle, wo am meisten durchgeschossen wird.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Das ist die h\u00f6llischste H\u00f6lle da.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, eine h\u00f6llische H\u00f6lle. Da kann man sich \u00fcberhaupt nicht aufhalten. Und die Menschen, ich wei\u00df nicht, wie lange sie da schon sind, aber ich habe gesehen, habe selbst die Bitten eines Scharfsch\u00fctzen geh\u00f6rt, der da am Tower sass, ihn auszuwechseln, weil er zwei Tage sp\u00e4ter Hochzeit haben sollte &#8211; so ungef\u00e4hr. Und sein Kommandeur hat ihn gebeten, noch eine Zeit lang zu bleiben, um dem Neuen alles zu erkl\u00e4ren, ihm zu helfen sich zurechtzufinden. Es ist sehr schwer, dieses Gespr\u00e4ch wiederzugeben, aber es war\u00a0das Gespr\u00e4ch eines Menschen, der darum bittet, ihn drei Stunden fr\u00fcher als gebraucht\u00a0zu entlassen, weil er leben will, und der andere bittet ihn darum, noch drei Stunden an einem Ort zu bleiben, wo er in diesen drei Stunden get\u00f6tet werden kann. Und sie reden, und der Kommandeur schafft es ihn zu \u00fcberreden, an dem Ort zu bleiben, wo er in 10 Minuten tot sein kann. Und er war da schon sehr lange Zeit, und z\u00e4hlt jede Minute, die bis zur Ankunft seines Rettungspanzerwagens geblieben ist.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew<\/strong>: Unser Publikum, mehrere Menschen, stellen uns ein- und dieselbe Frage: \u201eWas ist der Sinn, diesen Flughafen so lange zu halten? Wozu braucht ihn die eine wie die andere Seite?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer an einen Film, den Film aller Zeiten und V\u00f6lker, den epischsten Film, den epischsten Spaghetti-Western, den ich je in meinem Leben gesehen habe, den Film von Sergio Leone \u201eThe good, the bad and the ugly\u201c. Da suchen ein paar B\u00f6sewichte nach einem Sack Gold auf dem Hintergrund des epischen amerikanischen B\u00fcrgerkrieges. Und da gibt es einen Moment, wo sich die zwei B\u00f6sewichte &#8211; Clint Eastwood und Eli Wallach &#8211; dem Fluss n\u00e4hern, den sie nicht bezwingen k\u00f6nnen, und sie k\u00f6nnen es nicht, weil \u00fcber dem Fluss eine echte Br\u00fccke ist und es ein schrecklicher Kampf um diese Br\u00fccke stattfindet: auf einer Seite die Nordstaatler und auf der anderen die Konf\u00f6derierten. Und die S\u00fcdstaatler wollen dieses strategische Objekt einnehmen, und die Nordstaatler wollen es halten. Und die beiden B\u00f6sewichte sitzen am Ufer unter Beschuss &#8211; sie wissen nicht, was sie tun sollen. Und nachts sprengen sie die Br\u00fccke und legen sich da schlafen. Sie wachen morgens auf &#8211; keine Br\u00fccke, weder die eine Armee noch die andere ist da.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T. Olewski<\/strong>: Ungef\u00e4hr so, ja.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Und hier ist das Gleiche. Wenn man einfach nur die Startbahn sprengt, alles in die Luft sprengt, was noch von diesem Flughafen geblieben ist&#8230; Ich wundere mich eh, wie das nicht zusammenst\u00fcrzt, dieses ganze Geb\u00e4ude, das zu 95% aus L\u00f6chern besteht. Da gibt es sehr viele Motive. Na, irgendein Oberst wird Ihnen sagen, dass es eine strategische H\u00f6he ist, dass wenn wir aufgeben, sich der Weg nach Pisky \u00f6ffnet, und sie werden hin- und herlaufen&#8230; F\u00fcr die Mehrheit derjenigen, die dort sind, ist es eine symbolische Sache, das ist so ein ukrainisches Stalingrad. Und deswegen \u201ekein Schritt zur\u00fcck, keinen Fu\u00dfbreit Land geben wir hier auf\u201c.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Das ist wirklich sehr erstaunlich. Es scheint doch so, dass da Menschen sein sollten, die es verlassen wollen sollten. Habe ich aber keinen einzigen gesehen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich erkl\u00e4re das mal. Alle, die w\u00e4hrend meiner vier Tage da waren &#8211; sie alle waren Freiwillige. Nicht in dem Sinne, dass sie als Freiwillige zur Armee gekommen sind &#8211; da sind nur beim \u201eRechten Sektor\u201c Freiwillige, das ist eine Handvoll von der ganzen Besatzung. Und da waren ja alle: Aufkl\u00e4rer, SEK-Soldaten, Fallschirmspringer, Artilleristen &#8211; alle. Und jeder von ihnen, und da war auch jedes Alter, von 18 bis 45 &#8211; jeder war ein Freiwilliger, also da hatte man gefragt: \u201eWer will zum Flughafen?\u201c Sie waren alle nach vorne getreten und sind hingekommen. Mehr noch, in Pisky, wo ich viel Zeit verbracht habe, mehrmals, wo eine gro\u00dfe Menge ukrainischer Streitkr\u00e4fte stationiert ist &#8211; da tr\u00e4umt jeder Soldat davon, in den Flughafen zu kommen. F\u00fcr einen echten ukrainischen Soldaten, f\u00fcr einen Patrioten der Ukraine ist es das wahre Geheimzimmer aus \u201ePicknick am Wegesrand\u201c von Strugazki, aus \u201eStalker\u201c von Tarkowski, wo er in das Haus gelangt und erf\u00e4hrt, warum er, der ukrainische Mann, existiert. Und hier das Missverh\u00e4ltnis&#8230; Eigentlich ist dieser ganze Krieg keine hohle Nuss wert. Es gab keine Gr\u00fcnde, ihn anzufangen. Bei den Spitzseitigen und den Stumpfseitigen in \u201eGulliver\u201c von Swift &#8211; sogar bei denen gab es mehr Gr\u00fcnde sich zu t\u00f6ten als hier. Dieser ganze Krieg ist erfunden. Und hier, in dieser neuen Stalingradschlacht gibt es auch keinen Sinn, weder die eine noch die andere Seite braucht dieses M\u00e4gdebein, diese \u00dcberreste eines verbrannten, gesprengten Flughafens.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Jetzt ist die Politik auch&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Warte eine Sekunde. Ich m\u00f6chte Euch beide noch eins fragen: Ist er denn schon in so einem Zustand, dass ihn nicht mal die Luftwaffe benutzen k\u00f6nnen wird?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Na, die Startbahn wurde nicht gesprengt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Russische Transportflugzeuge k\u00f6nnen da im Prinzip landen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Sie k\u00f6nnen auch auf irgendwelchen Erdwegen landen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Da war eine der besten Startbahnen Europas, die l\u00e4ngste. Da k\u00f6nnen all diese \u201eJumboJets\u201c landen, diese gro\u00dfen Transportflugzeuge. Im Prinzip ja, die Ukrainer haben sie noch nicht gesprengt.<\/p>\n<div id=\"attachment_906\" style=\"width: 567px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/vs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-906\" class=\"wp-image-906 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/vs.jpg\" alt=\"vs\" width=\"557\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-906\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Sergei Loiko<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Hier muss man verstehen, dass der Flughafen ein Teil von Donezk ist, es ist ein Bezirk in Donezk. Solange der Flughafen ukrainisch ist, ist Donezk nicht vollst\u00e4ndig unter der Kontrolle der &#8222;DVR&#8220;, und wenn die Frage \u00fcber die Demarkationslinie\u00a0aufkommen wird, wird diese Sache, dass Donezk keine Stadt ist, die ganz der &#8222;DVR&#8220; geh\u00f6rt, bedeuten, dass man sie teilen m\u00fcssen wird. Ich denke, vielleicht ist hier irgendeine politische Geschichte. Vielleicht hat der Gouverneur Sergej Taruta vor seinem R\u00fccktritt die Wahrheit dar\u00fcber gesagt, dass es einen Plan des Austausches des Donezker Flughafens gegen einen Teil des Territoriums gibt, das sich bei Mariupol befindet und von den S\u00f6ldnern besetzt ist, oder gegen irgendeinen anderen Teil des Territoriums. Wom\u00f6glich braucht man ihn deswegen, aber hier sprechen wir aus der Sicht der Soldaten wieder. Also, ich habe drei Tage lang mit diesen Soldaten gelebt, und sie denken \u00fcber so einen Austausch nicht nach, auch wenn sie dar\u00fcber diskutieren. Ich habe M\u00e4nner gesehen, die 45 sind, die nach einer Einberufung in die Armee gekommen sind, das sind Menschen mit 1-2 Universit\u00e4tsabschl\u00fcssen, im Leben absolut fest auf den Beinen, die Mehrheit davon hat ihren Verwandten nicht erz\u00e4hlt, wo sie sich befinden, und sie haben darum gebeten, sie nicht zu fotografieren. Also, sie sagen alle, dass sie bei Mykolajiw sind, damit die alte Mama sich keine Sorgen macht. Und alle sind als Freiwillige dahin gekommen, also sie haben extra drum gebeten: \u201eSchicken Sie uns nach Pisky.\u201c Sie sprechen alle Russisch &#8211; das ist sehr wichtig. Manche von ihnen sagen, dass sie gar keine andere Sprache als Russisch sprechen und keinen einzigen Tag in ihrem Leben Ukrainisch gelernt haben. Dabei hat mir einer von diesen Menschen gesagt, dass er Russland hasst. Ich sage: Wie kann es sein?<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Dabei ist ein Teil von ihnen ethnische Russen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Absolut. Sie sind nicht nur Russen, sie sind auch in die ukrainischsprachige Kultur gar nicht integriert. Sie verteidigen ihre Heimat &#8211; das ist f\u00fcr sie ein prinzipieller Moment. \u00dcberhaupt haben sich da Menschen versammelt, die glauben, dass sie bis zu der Grenze durchgehen und die Ukraine davon befreien sollten, was in der &#8222;DVR&#8220; passiert. Und nat\u00fcrlich sagen Sie, dass sie gegen Rus&#8230;<em> (Anm.d.Red: verschlingt das Ende des Wortes)\u00a0<\/em>einen Krieg f\u00fchren &#8211; alle, die da sind. Und das Erstaunliche daran&#8230; Ich wei\u00df nicht, ich m\u00f6chte keine populistischen Vergleiche in diesem Sinne f\u00fchren, aber mir schien es tats\u00e4chlich, dass ich gesehen habe, was sein kann, wenn man gute, gutm\u00fctige Menschen zur Wei\u00dfglut bringt. Das betrifft speziell die regul\u00e4re Armee, die sich zum Beispiel in der Artilleriebatterie dort befindet. Sie sehen so aus, wie ich sie gesehen habe. Und dass sie Rosenbaum h\u00f6ren und die ganzen afghanischen Songs <em>(Anm.d.Red.: Lieder in der Sowjetunion nach dem Afghanistan-Krieg)<\/em> und sich den \u201eBruder-2\u201c <em>(ein ber\u00fchmter Film)<\/em> anschauen und die Menschen bekriegen, die auf der anderen Seite sind, ich denke&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0&#8230;machen genau das Gleiche.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich denke schon. Oder wahrscheinlich ein Teil von ihnen macht das Gleiche. Das beeindruckt sehr. Ich habe Menschen gesehen, die im Krieg fast gar nicht schimpfen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte noch erg\u00e4nzen, dass die Operationssprache bei den Armeeangeh\u00f6rigen am Flughafen Russisch ist. Im Funk sprechen alle Russisch. Da gibt es keine ukrainische Mowa. Mich hat beeindruckt, dass ich tats\u00e4chlich weder in kritischen Situationen noch in Notf\u00e4llen, noch unter Beschuss von jemandem Schimpfworte geh\u00f6rt habe. Und auch, dass es eine klare, zivilisierte, praktisch literarische russische Sprache war. Weil die Mehrheit dieser Menschen intelligente, gebildete Menschen sind. Es waren keine Asis, keine Soldaten, die irgendwo in den D\u00f6rfern aufgegabelt und wie Kanonenfutter hinbef\u00f6rdert wurden. Und au\u00dferdem beeindruckte mich, dass fast die H\u00e4lfte, wenn nicht die Mehrheit derjenigen, die mit mir am Flughafen waren, Offiziere waren.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Und ich habe keine sowjetische oder russische Offizierenfrevelhaftigkeit a la Kuprin gesehen. Es war Bruderschaft. Ein Soldat und ein Offizier haben aus einer Tasse getrunken, sich gegenseitig besch\u00fctzt, Schulter an Schulter, sie haben sich per Du angesprochen. Aber wenn einer ein \u00c4lterer war und der andere ein J\u00fcngerer, dann k\u00f6nnte man vielleicht auch \u201eSie\u201c h\u00f6ren. Ich habe beobachtet, wie ein Major, Walerij Rudj, er ist schon 40, er war sein ganzes Leben lang Berufssoldat, und da vermint er diesen einen Eingang. Und in diesem Moment f\u00e4ngt der Kampf an, der Beschuss, und der Junge aus dem \u201eRechten Sektor\u201c ist da in einer ganz schrecklichen Lage, und versucht da aus dem Maschinengewehr irgendwohin zu schie\u00dfen. Und dieser Walerij rennt da \u00fcber diese feuerbedeckte Fl\u00e4che\u00a0und schreit: \u201eJunge, das ist mein Krieg. Rutsch&#8216; mal!\u201c, und schiebt da den Jungen weg und in diesem Moment explodiert da irgendwas in der N\u00e4he. H\u00e4tte er ihn nicht weggeschoben, w\u00e4re der Junge gestorben. Und dieser Walerij stellt das Maschinengewehr wie man es soll hin und beginnt den Kampf wie ein echter Soldat zu f\u00fchren, und er f\u00fchrt ihn, bis er zu Ende ist, und dann geht er weiter seine Sachen machen. Er hat nur diesem unbekannten Freiwilligen das Leben gerettet. Und der erstaunlichste Moment war f\u00fcr mich, als man den einen Panzersoldat nach Hause schickte. Also, da war der Panzer. Der Panzer ist verbrannt&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Ich habe dar\u00fcber in meinem heutigen Artikel in der \u201eLosAngelesTimes\u201c erz\u00e4hlt, der auf der ersten Seite mit dem Titelfoto abgedruckt wurde. Ich prahle gerade: das ist bei mir der dritte Artikel als Hauptartikel und Hauptfoto in Folge. Heute ist er erschienen, und da war diese Episode: die R\u00fcckkehr des Panzersoldaten nach Hause. Es war also ein Panzer, und der verbrannte. Es war eine Drei-Mann-Besatzung, sie sprangen brennend heraus. Der Scharfsch\u00fctze lie\u00df niemanden aus, er hat sie get\u00f6tet. Zwei konnte man herausziehen. Aber dann gab es einen M\u00f6rserbeschuss, und der Dritte wurde von einer Explosion einfach zerfetzt, und man konnte ihn nicht finden. Und einige Tage sp\u00e4ter entdeckten die Jungs so ein gro\u00dfes St\u00fcck seines Oberschenkels. Und es begann\u00a0so ein Gespr\u00e4ch: \u201eWir m\u00fcssen den Panzersoldaten nach Hause schicken\u201c.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Aber wie denn abschicken? Dazu muss man auf den Flugplatz hinausgehen und eine Kugel in jeden K\u00f6rperteil abbekommen, um dieses St\u00fcck eines toten Menschen nach Hause zu schicken &#8211; ich w\u00fcrde es so sagen. Und als der Kommandeur fragte: \u201eJungs, das ist echt eine t\u00f6dlich gef\u00e4hrliche Sache. Wer geht denn?\u201c, haben sich alle gemeldet. Und dann standen zwei sofort auf. So ein Scharfsch\u00fctze Slawik und ein Soldat Mischa. Und als die Panzerwagen kamen, da wurde das Feuer auf den Transport abgelenkt, sind sie auf den Flugplatz hinausgelaufen, legten ihre Gewehre und das Scharfsch\u00fctzengewehr ab, fanden eine Kiste, fanden\u00a0dieses Bein &#8211; unter Beschuss. Das war vor meinen Augen, ich stand daneben und hab&#8217;s aufgenommen. Also stehen wir da zu dritt, sie legen dieses Bein in diese Kiste und da zerschie\u00dft eine Kugel die Kiste, die Holzsplitter fliegen nur so, alles klirrt um uns herum. Sie schlie\u00dfen diese Kiste und binden sie unter Beschuss mit Stacheldraht an den Panzerwagen dran, dann laufen sie los, schnappen ihre Waffen und f\u00fchren den Kampf weiter. Diese Jungs haben 30 Sekunden lang ihr Leben riskiert, absolut ihr Leben f\u00fcr ihren toten Kampfgef\u00e4hrten riskiert.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Mit einer fast 100%-igen Wahrscheinlichkeit.<\/p>\n<div id=\"attachment_907\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/verbrannte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-907\" class=\"wp-image-907 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/verbrannte.jpg\" alt=\"verbrannte\" width=\"555\" height=\"374\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-907\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Sergei Loiko<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S. Loiko:\u00a0<\/strong>Und dieser Slawik sagte mir dann: \u201eAlso ich will nicht, dass ich auf so eine Art und Weise nicht nach Hause komme, und mich auf einem Flugplatz die Hunde auffressen.\u201c Sie sind absolute Helden. Und \u00fcberhaupt hasse ich es, den Krieg zu romantisieren, aber ich erinnere mich im Zusammenhang mit diesem Mini-Stalingrad an die Gedichte meines Lieblingsdichters Semjon Gudsenko (Pawel Kogan), der mit mir im gleichen Haus wohnte, aber zu einer anderen Zeit. Und da war so ein kurzes Gedicht:<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Wir legen uns, wo es sich hinlegt.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Und da steht man nicht auf, wo es sich hinlegt.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Und erstickt an der \u201eInternationalen\u201c<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Fallen wir mit dem Gesicht ins trockene Gras.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Und nicht mehr aufstehen, und nicht mehr in die Annalen kommen,<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Und nicht mal die Liebsten finden den Ruhm.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Ich denke, das ist einfach Ihre emotionale Spannung, die von Ihnen auf unsere Apparatur \u00fcbergeht, Sergei, leider. Sergei Loiko hat unsere Apparatur richtig drangenommen, wie man so sagt. Wir sind in ein anderes Studio umgezogen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich habe den Kampf hierhin \u00fcbertragen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Sieht ganz so aus. Wir haben nicht mehr so viel Zeit, und hier gibt es ganz viele Fragen von unserem Publikum. Sie beziehen sich auf das Thema, das Sie, Sergei, ganz am Anfang angesprochen haben, \u00fcber das absolute B\u00f6se und das absolute Gute. Wenn man es von hier aus beobachtet, vielleicht von anderen Orten aus&#8230; Jemand schickt uns hier einen Gru\u00df aus Chicago, zum Beispiel. Unsere Rundfunkh\u00f6rer schreiben: \u201eIn einer Armee, die ihr Volk vernichtet, k\u00f6nnen keine Helden sein\u201c.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Haben sie das im Fernsehen erfahren?<\/p>\n<p><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Ich wei\u00df nicht, sagt mir ja keiner. Ich lese Ihnen nur die Reaktion vor.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Alex, ich habe\u00a0das letzte halbe Jahr im ukrainischen Krieg verbracht. Ich wei\u00df nicht, welche Armee ihr Volk vernichtet, denn diese Armee, deren Volk da ist &#8211; sie vernichtet es nicht. Und die Armee, die es aber vernichtet &#8211; das ist nicht die ukrainische Armee.<\/p>\n<p><strong>T.Olewskij:<\/strong>\u00a0Ich kann \u00fcber Pisky erz\u00e4hlen, zum Beispiel, das ist unmittelbar neben dem Flughafen, wo ein paar Wohnh\u00e4user geblieben sind, die meisten haben sie verlassen und\u00a0sind weggefahren. Es gibt Menschen, die aus irgendwelchen Gr\u00fcnden \u2013 das gibt es auch &#8211; sogar dann nicht wegfahren, wenn die H\u00e4user explodieren. Und die Armee versorgt sie, und sie versorgen die Armee. Sie haben, wie man so sagt, gute Beziehung zueinander. Und \u201emassenhafte S\u00e4uberungen\u201c von Menschen, die dort leben, und theoretisch vielleicht sogar mal die &#8222;DVR&#8220; unterst\u00fctzt haben &#8211; so etwas gibt es dort nicht. Ich habe eine andere Geschichte gesehen, sie schien mir sehr wichtig zu sein. Diese Geschichte ist am Donezker Flughafen passiert, am Freitag, glaube ich, als ich da war &#8211; da hat die Artillerie, die GRADe der Separatisten, aus einem Donezker Bezirk die Stellungen der anderen Separatisten im anderen Donezker Bezirk unmittelbar am Flughafen zerschossen. Sie haben den ganzen Tag auf diese geschossen, wonach&#8230;<\/p>\n<p><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Die Separatisten haben auf andere Separatisten geschossen?<\/p>\n<p><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, und es waren wohl verschiedene Gruppierungen, das kann man nicht erkl\u00e4ren: ukrainische Armee gab es da jedenfalls nicht.<\/p>\n<p><strong>A.Pluschew<\/strong>: War das ein zuf\u00e4lliges Freundschaftsfeuer?<\/p>\n<ul>\n<li><em><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">(<\/span><\/span>Zu diesem Thema ver\u00f6ffentlichten wir im September zwei Artikel:\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/interner-gruppenkrieg-donezk\/\">Interner Gruppenkrieg in Donezk<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/antrazyt-soziale-proteste-und-interne-zusammenstoesse\/\">Antrazit: Soziale Proteste und interne Zusammenst\u00f6sse<\/a>)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Das ist ein Konflikt.<\/p>\n<p><strong>T.Olewski<\/strong>: Das dauerte mehrere Stunden. Sie beschossen\u00a0einander f\u00fcnf Stunden lang, wonach sie das Feuer auf Stellungen der ukrainischen Armee umlenkten, und die ukrainische Armee wurde an dem Abend ziemlich stark beschossen, die Stellungen am Flughafen und in Pisky, aber davor beschossen\u00a0sich die Separatisten stundenlang gegenseitig. Was das war, wei\u00df ich nicht. Aus irgendwelchen Gr\u00fcnden haben sie herumgezankt, und wer sich in dem einen komischen blauen Geb\u00e4ude am Flughafen aufhielt, das sie aus einem Wohnviertel von Donezk beschossen &#8211; wobei ich nicht wei\u00df, vielleicht ist es gar kein Wohnviertel mehr, aber an der Richtung hat man gesehen, woher sie schie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Die Sache ist, dass die ukrainischen Armeeangeh\u00f6rigen, die Artillerie und GRADe haben &#8211; das sind professionelle Soldaten.<\/p>\n<p><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Andere gibt es da gar nicht.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Und diese &#8222;DVR&#8220;- und &#8222;LVR&#8220;-Leute &#8211; das sind Affen mit einer Granate, die auch das Flugzeug abgeschossen haben.<\/p>\n<p><strong>T.Olewski<\/strong>: Da gibt es auch relativ professionelle Leute.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Es gibt ein paar Berufssoldaten, aber an sonsten ist das ein Haufen S\u00f6ldner, denen Technik zugesteckt wurde, von der sie gar nicht verstehen, wie man sie benutzt. Sie schie\u00dfen auf alles, was herumsteht.<\/p>\n<p><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich glaube, es hat sich jetzt alles ge\u00e4ndert, Sergei. Da bin ich mit dir nicht einverstanden. Das, was du jetzt sagst, das ist eine Situation, die ungef\u00e4hr einen Monat zur\u00fcckliegt. Sie hat sich prinzipiell ver\u00e4ndert, nachdem da Menschen aufgetaucht waren, die ukrainische Armeeangeh\u00f6rige absolut eindeutig als russische Armee bezeichnen. Da hat sich prinzipiell die Qualit\u00e4t der k\u00e4mpfenden Menschen ver\u00e4ndert. Eine andere Frage ist, dass da eine starke Gruppierung die anderen abschie\u00dft, weniger loyale und h\u00f6rige Gruppierungen. Zumindest sieht es so aus. Vielleicht ist es nicht so, es sieht aber schwer danach aus.<\/p>\n<p><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Und noch eine Frage, wegen den Separatisten und der ukrainischen Armee. Bei uns wurde im Fernsehen sehr viel gezeigt, wie die Wohnviertel von Donezk mit Artillerie aus der Richtung des Flughafens beschossen werden.<\/p>\n<p><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Darf ich mal sofort darauf antworten. Jungs, ich enth\u00fclle hier ein Milit\u00e4rgeheimnis: Von der Seite des Flughafens kann man \u00fcberhaupt keinen Artilleriebeschuss f\u00fchren, denn da gibt es keine schrecklichere Waffe als ein Kalaschnikow-Maschinengewehr.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Da gibt es Minen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Da gibt es keine M\u00f6rser. Ich habe mich an eine weitere Episode erinnert, ich wollte das dazu hinzuf\u00fcgen, wor\u00fcber wir gesprochen haben: Ich habe da mit einem Jungen gesprochen, Serhii Galan &#8211; das ist ein Journalismus-Student aus Tscherkassy. Sein Vater ist ein russischer Oberst, bis jetzt ist er ein russischer Oberst. Und der Junge ist aber ein ukrainischer Soldat, ein Fallschirmspringer. Und bevor er zur Armee ging, und bevor er zum Flughafen kam, rief er seinen Vater an oder der Vater ihn. Und der Vater, der von dieser schamlosen, verbrecherischen L\u00fcge des russischen Fernsehens zombiert wurde&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Das ist absolut richtig.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Der Vater sagte ihm: \u201eDu wirst doch auf deine Br\u00fcder schie\u00dfen!\u201c Und dann sagte sein Sohn: \u201eWelche Br\u00fcder, Vater? Dieselben Br\u00fcder, die in mein Land mit Waffen gekommen sind, was f\u00fcr Br\u00fcder sind das?\u201c<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Jetzt wegen den Besch\u00fcssen. Ich kann nur das sagen, was ich selbst gesehen habe. Ich habe eine bestimmte Menge an M\u00f6rsern gesehen, kann nicht sagen, wie viele &#8211; wahrscheinlich habe ich versprochen, es nicht zu sagen &#8211; die in unmittelbarer N\u00e4he vom Flughafen stehen, diese 120 mm M\u00f6rser, aber jeder davon ist auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, das die ukrainischen Soldaten am Flughafen besch\u00fctzen soll. Jeder ist auf ein konkretes Ziel gerichtet, und ausgerichtet sind sie sehr gut. Nur wird keiner einfach so herumschie\u00dfen. Da hat jeder Schuss eine bestimmte Bedeutung. Warum? Weil alle die Waffenruhe verfluchen, die ausgerufen wurde. Die ukrainische Armee &#8211; das, was ich gesehen habe &#8211; befolgt diese \u00e4u\u00dferst penibel, sogar wenn die Flughafenstellungen aus Sch\u00fctzenwaffen, also aus Maschinenpistolen, Scharfsch\u00fctzengewehren und anderem beschossen werden, kommt im Funk der Befehl: \u201eNicht mit Artilleriefeuer antworten, denn das ist eine Provokation, wir antworten nicht auf eine Provokation\u201c. Der erste Schuss, den ich am Freitag geh\u00f6rt habe, der von diesen M\u00f6rsern ausging und auf die Stellungen der Separatisten am Flughafen geflogen ist, war eine Antwort auf die angeflogenen Geschosse von den Stellungen im Pisky. Als der Artilleriebeschuss anfing, gab es eine Artilleriefeuererwiderung, aber das waren nur ein paar M\u00f6rser. Aber sie waren auf eine bestimmte Stellung am Flughafen gerichtet. Also anzunehmen, dass aus irgendeinem Grund dieses Geschoss bis in die Stadt geflogen ist&#8230; Also, in der Batterie, wo ich war, kann man sich das unm\u00f6glich vorstellen. Vielleicht gibt es irgendeine andere Artillerie. Eine andere Frage ist es, dass ich sie pers\u00f6nlich nie gesehen habe. Aber ich m\u00f6chte sagen, dass die Ukraine auf die Artillerie jetzt antwortet, aber sehr, sehr k\u00e4rglich. Denn es ist Waffenruhe, und sie verfluchen sie, f\u00fcrchten sich aber davor, diese zu brechen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Vor meinen Augen schreit ein Kommandeur: \u201eJetzt kommen unsere GRADe. Sie werden hier sehr nah dran sein, wissen Sie, sie k\u00f6nnten danebenschie\u00dfen, darum alle bitte in Deckung\u201c. Als die Infanterie der Separatisten zum Sturm auf den Flughafen ansetzte, hat die Artillerie auf sie geschossen, aber die Artillerie war dabei so akribisch, dass sie fast den ganzen Flughafen da zerschossen hat, weil da alles explodierte, wackelte und auseinanderfiel. Jungs, wenn die ukrainische Armee, wie es in eurem Fernsehen erz\u00e4hlt wird, das ukrainische Volk vernichten wollen w\u00fcrde, h\u00e4tte sie es l\u00e4ngst getan. Das ist mein 25. Krieg. Meine 25. Kriegsdienstreise.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ich war bei der Vernichtung von Grosny 1995, ich war 2000 bei der zweiten Vernichtung von Grosny. Da wollte man das Volk vernichten &#8211; und sie haben die Stadt vernichtet, haben es von der Erdfl\u00e4che verschwinden lassen, zweimal. Hier, schauen Sie sich doch Slowjansk an. Wieviel die ganzen zombierten Jungs herumgeschrien haben, dass da GRADe auf die Stadt schie\u00dfen. Kommt doch nach Slowjansk &#8211; und Ihr werdet nicht mal verstehen, wo Ihr seid. Ganz normale Stadt, da leben alle, der Strom ist an. Ja, ein paar zerst\u00f6rte, halbzerst\u00f6rte H\u00e4user. Und in Donezk?<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ja, es gibt auch irgendwelche zerst\u00f6rte H\u00e4user, zerst\u00f6rte Versorgungsleitungen. Aber das ist kein Vergleich zu Grosny. Und in Grosny hat man ja eine Antiterroroperation durchgef\u00fchrt. Wo ist denn bei uns Stalingrad bitte, und wo die antiterroristische Operation? Und \u00fcberhaupt, wenn man von Stalingrad spricht, erinnert mich dieser Krieg an einen Krieg, in dem ein Land heimt\u00fcckisch das andere \u00fcberfallen hat. Und da war eine eigene Brester Festung.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Hier eine pers\u00f6nliche Frage an Sie, Sergei: \u201eWie k\u00f6nnen Sie mit so einer lauten Pathetik Journalist sein? Ich f\u00fchle mit Ihrer Haltung durchaus mit, &#8211; schreibt Oleg aus Moskau, &#8211; aber mir w\u00fcrde nicht in den Sinn kommen, in solchen F\u00e4llen derartige Hosianna auf die eine oder die andere Seite zu singen\u201c. Interessant, was meint er denn mit \u201ein solchen F\u00e4llen\u201c&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich glaube nicht, dass ich irgendwelche Hosianna singe, ich erz\u00e4hle nur das, was war. Und jetzt erz\u00e4hle ich nicht wie ein Journalist, sondern wie ein Mensch, der da als Zeuge war. Ich erz\u00e4hle das, was ich gesehen habe: Was ich singe, kenne ich. Lesen Sie doch meine Artikel, wenn sich jemand interessiert, bevor Sie mich verurteilen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Man kann ja auch Photos bei Ihnen auf FB anschauen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, es wurde eine ganze Reihe von Photos in der \u201eLosAngelesTimes\u201c ver\u00f6ffentlicht, und ich habe noch eine ganze Galerie auf FB gepostet &#8211; sollen sie doch schauen. Und ich habe hier die Brester Festung gesehen &#8211; das war Sawur-Mohyla. Dann habe ich auch noch die Kessel gesehen, wie es sie in 1941 gab. Hier ist dieses Mini-Stalingrad. In Stalingrad wurde das R\u00fcckgrat des deutschen Faschismus gebrochen, nach dem sowjetischen Klischee. Und hier habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, wie in diesem Mini-Stalingrad das R\u00fcckgrat was wei\u00df ich wovon gebrochen wurde &#8211; vom Faschismus oder nicht &#8211; aber von diesem Mordor, diesem Orks-Reich, diesem sinnlosen blutr\u00fcnstigen Terrorismus &#8211; das ganz bestimmt, das wurde gebrochen. F\u00fcr mich gibt es keinerlei Zweifel daran, dass die &#8222;DVR&#8220;, die &#8222;LVR&#8220; erdichtete, k\u00fcnstliche, halbfaschistische Organisationen sind, deren Aufgabe es nicht ist, etwas f\u00fcr das ukrainische Volk zu tun, es gl\u00fccklich zu machen, sondern nur eine endlose Zone eines Alptraumes zu erschaffen, die Ukraine in diesen Flughafen zu verwandeln. Wer das braucht &#8211; das kann ich nicht beurteilen.<\/p>\n<div id=\"attachment_905\" style=\"width: 565px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-905\" class=\"wp-image-905 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko2.jpg\" alt=\"loiko2\" width=\"555\" height=\"374\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-905\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Sergei Loiko<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Was man noch erg\u00e4nzen m\u00f6chte. Ich habe mit meinen eigenen Ohren geh\u00f6rt, wie ukrainische Armeeangeh\u00f6rige das Geschehen in Pisky einen Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg <em>(sowjetische Bezeichnung f\u00fcr den 2. Weltkrieg &#8211; Anm.d.Red.)\u00a0<\/em>nennen, mehrmals wurde das von verschiedenen Menschen an verschiedenen Lagerfeuern ausgesprochen, das ist einfach ein Gedanke. Ich habe dasselbe auch in Horliwka geh\u00f6rt, von den Menschen, die f\u00fcr Besler seine Panzerwagen reparieren.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Von der Seite der Separatisten. Du musst das erl\u00e4utern, weil du schon so tief in dieser ukrainischen Geschichte drin bist&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, weil ich ja schon mehrmals in der Ukraine und in Donezk war&#8230; Und hier muss man verstehen, dass Horliwka eine andere Geschichte ist. Es wird von einem komischen Offizier regiert, der seine eigene Vorstellungen von Gut und B\u00f6se hat, eigene Vorstellungen davon, was er alles entscheiden darf&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Welcher Offizier!<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Nein-nein, er ist Offizier der sowjetischen Armee.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Genau das meine ich.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Schauen Sie, er entscheidet, wer das Recht auf Leben hat und wer nicht. Er hat irgendwelche eigene Vorstellungen davon, wie es gut sein soll, und wie es schlecht sein soll. Jetzt verhandelt er mit der Ukraine \u00fcber bestimmte Dinge, zum Beispiel \u00fcber die Heizung in Horliwka. Und \u00fcberhaupt werden Gespr\u00e4che mit ihm gef\u00fchrt, also prinzipiell kann die Ukraine Verhandlungen mit ihm f\u00fchren. Und dann gibt es Donezk und Luhansk, wo die Situation absolut genial ist, und wo ich Gruppierungen beobachtet habe, die erst die Menschen beklauten, dann sie unter Beschuss nahmen und trotzdem behaupteten, sie w\u00fcrden diese besch\u00fctzen. Und dabei erz\u00e4hlten, dass das ein Krieg gegen den Faschismus ist. Hier kommt eben die Frage auf. Da sagt man, dass es ein Krieg gegen den Faschismus ist. Also, die &#8222;DVR&#8220; in Donezk sagt, sie bekriegen den Faschismus, die Junta. Die ukrainische Armee sagt, dass es ein Gro\u00dfer Vaterl\u00e4ndischer Krieg ist und zieht Analogien zum Zweiten Weltkrieg, in dem sie auch den Faschismus bek\u00e4mpften. Aber es ist, wie es mir scheint, eine ziemlich wichtige Geschichte, denn jetzt nehmen sie Russland wie jenes Land wahr &#8211; wie das faschistische Deutschland zu einer anderen Zeit.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Sie nehmen Russland als einen Aggressor wahr, und was f\u00fcr uns ganz wichtig zu verstehen ist, dass es f\u00fcr immer ist. Daran werden sich die Kinder und die Kindeskinder erinnern. Das ist der Gedanke hier, dass am Ende die Ukraine im Gro\u00dfen und Ganzen glaubt, und es sehr begr\u00fcndet glaubt, dass sie keinen Krieg mit der &#8222;DVR&#8220; f\u00fchrt, sondern dass sie einen Krieg gegen Russland f\u00fchrt. Das ist die Tragik dieser Situation nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew:<\/strong>\u00a0Ein Paar Minuten haben wir noch. Wir haben ja gesagt, was innerhalb der Separatistenkreise passiert &#8211; irgendwelche Widerspr\u00fcche gibt es dort, bis zu Schie\u00dfereien und gegenseitiger Vernichtung. Du hast noch erw\u00e4hnt, dass es innerhalb der ukrainischen Seite, zwischen der Armee und dem \u201eRechten Sektor\u201c schwierige Beziehungen gibt. Ein paar Minuten nur.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Sehr kurz. Der \u201eRechte Sektor\u201c ist ja doch eine rechte Organisation, die ganz verschiedene Rechte aus der ganzen Ukraine aufgesaugt hat, und ich habe da zum Beispiel sogar einen FSB-Mitarbeiter aus Primorje getroffen, der im FSB gedient hatte, aber er war ganz rechts, er meinte, dass es absolut normal sei, f\u00fcr die rechte Idee in Russland mit terroristischen Methoden zu k\u00e4mpfen, und dann ist der \u201eRechte Sektor\u201c gekommen, er ist bei \u201eAsow\u201c nicht aufgenommen worden, ist am Polygraph getestet worden. Und dann habe ich ukrainische Rechte gesehen, die gar keine Rechte sind, die, Entschuldigung, aber eigentlich mehr links sind. Sie \u00e4hneln den Fussballfans, und wenn Sie da auf irgendwelche Geschichten warten, \u00fcber verbrannte Kinder und Judenverfolgungen, so ist das ganz und gar nicht das, was auf der ukrainischen Seite passiert. In der Armee hat man sehr schlechte Beziehungen zu den Rechten, sehr negativ. Mehr noch: Sie erlauben sich gar keine unvorschriftsm\u00e4\u00dfigen Chevrone. Und \u00fcberhaupt finde ich, dass das alles Unfug und unn\u00f6tig ist. Also, sie nehmen diese nat\u00fcrlich als ihre Kampfgef\u00e4hrten wahr, aber sie sind nat\u00fcrlich Internationalisten.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Eine Minute haben wir noch. Sergei k\u00f6nnte noch was erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>In dieser nationalistischen Organisation \u201eRechter Sektor\u201c habe ich ein Maschinengewehr \u201eMaxim\u201c entdeckt, ein funktionierendes, das sehr laut schie\u00dft. Und der Richtsch\u00fctze dieses Maschinengewehrs war ein Jude, Walerij Tschudnowskij, und dann hat mir ein Oberst der ukrainischen Armee, ein echter Oberst, Oleh Subowski, am Flughafen erz\u00e4hlt, dass \u201ediese Jungs aus dem \u201eRechten Sektor\u201c nur eine extreme Sache gemacht haben: Sie sind zu diesem Flughafen gekommen. Aber sie sind mutig, tapfer, echt und wir wissen immer, dass wir uns auf sie verlassen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, sie haben so eine Beziehung. Eine andere Frage ist, soweit ich das verstehe, dass die ukrainische Armee an der vordersten Linie aus Menschen besteht, die schon einen&#8230; ein Teil der Menschen dort sind solche, die durch Brennpunkte\u00a0gegangen sind, und dann\u00a0Menschen, die mehrere Universit\u00e4tsabschl\u00fcsse haben und auf ihren eigenen Wunsch in den Krieg gezogen sind&#8230;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Unser Kollege Timur Olewski und Sergei Loiko, ein Korrespondent der \u201eLosAngelesTimes\u201c haben uns heute in der Sendung \u201eMit eigenen Augen\u201c dar\u00fcber erz\u00e4hlt, was gerade am Donezker Flughafen passiert, zumindest so, wie sie es selbst gesehen haben. Vielen Dank und bis bald!<\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><em><strong>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/plushev?fref=ts\">Alexander Pluschew<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/timur.olevskiy?fref=ts\">Timur Olewski\u00a0<\/a><\/strong>und\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sergei.loiko?fref=ts\">Sergei Loiko<\/a><\/strong> in der Sendung &#8222;Mit eigenen Augen&#8220; bei &#8222;Echo Moskaus&#8220;,\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/nvua.net\/ukraine\/Rossiyskie-vlasti-zapretili-intervyu-o-realnoy-situacii-v-aeroportu-Polnyy-tekst-besedy-18557.html\">nvua.net<\/a><\/strong>; \u00fcbersetzt von\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><\/strong>.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\">CC BY 4.0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der nachfolgende Text ist die Abschrift\u00a0eines Interviews bei Echo Moskaus, das am 29. 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Oktober 2014 erschienen ist. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 31. Oktober, \u00fcbermittelte der russische F\u00f6derale Aufsichtsdienst f\u00fcr den Bereich der Massenkommunikation\u00a0eine Warnung\u00a0an Radio \"Echo Moskaus\" \u00fcber die Unzul\u00e4ssigkeit des Extremismus, der in diesem Interview angeblich vorhanden sein soll. Das Interview wurde verboten. <strong>Alexander Pluschew<\/strong>, Redakteur bei Echo Moskaus und Interviewer hier, war bereits\u00a0gek\u00fcndigt. Der Mitschnitt des Interviews\u00a0wurde aber schon auf diversen Internetseiten ver\u00f6ffentlicht. Das Gespr\u00e4ch ist auch\u00a0deshalb interessant, weil <strong>Timur Olewski<\/strong>, einer der Gespr\u00e4chspartner, Korrespondent des Fernsehsenders \"TV RAIN\" (DOZHD) ist, der in Russland zu den wenigen Vertretern der freien Presse z\u00e4hlt. Olewski hatte u.a. von Anfang an vom Maidan, sp\u00e4ter aus der Krim und dann aus der Ostukraine berichtet. <a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/\u041b\u043e\u0439\u043a\u043e,_\u0421\u0435\u0440\u0433\u0435\u0439_\u041b\u0435\u043e\u043d\u0438\u0434\u043e\u0432\u0438\u0447\">Sergej Loiko<\/a>, der zweite Gespr\u00e4chspartner, ist ein bekannter Milit\u00e4rjournalist und Photograph.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Wir bitten darauf zu achten, dass dies ein Mitschnitt des Gespr\u00e4chs ist, kein redaktionell verfertigter Artikel.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong><strong>:\u00a0<\/strong>Hier ist wieder Alexander Pluschew in der Sendung \u201eMit eigenen Augen\u201c. Heute haben wir Sergej Loiko im Studio, einen Korrespondenten der \u201eLosAngelesTimes\u201c. Guten Abend! Und unseren Kollegen vom \u201eEcho Moskaus\u201c, vom TV-Kanal \u201eDozhd\u201c (TV Rain) Timur Olewski. Hallo!<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Guten Abend! Ich werde wie Sergej, nicken und nichts sagen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Ja. Reden wir \u00fcber die K\u00e4mpfe um den Donezker Flughafen. Soweit ich das verstehe, waren sie dort und sind gerade erst zur\u00fcck, nicht wahr?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewskij:<\/strong>\u00a0Hier muss man wahrscheinlich deutlich machen, wer wo war, Sergej. Du warst in dieser H\u00f6lle am tiefsten drin.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, ich bin per Anhalter von Kyjiw aus gefahren und zu Ende war meine Reise am Donezker Flughafen, wo ich vier Tage in dieser....<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Also, sind Sie von der ukrainischen Seite mit dem Auto gekommen?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Da kann man von der anderen Seite nicht lebend hinkommen. Da sind doch K\u00e4mpfe um den Flughafen, und aus Richtung Donezk kommen da die \"DVR\"-S\u00f6ldner, sie versuchen ihn zu erst\u00fcrmen, und sie schaffen es nicht. Obwohl es nicht ganz stimmt, da gibt es Nuancen, wie die Verteidigung des Donezker Flughafens tats\u00e4chlich organisiert ist. Ich, als ich das erfahren habe - Sergej hat es ja einfach mit eigenen Augen gesehen - ich war ganz in der N\u00e4he vom Flughafen, aber nicht direkt darin, und als ich das erfahren habe, ehrlich gesagt, habe ich es gar nicht geglaubt, dass in ein und dem gleichen Geb\u00e4ude die einen und die anderen Soldaten sind -\u00a0sie k\u00f6nnen einander buchst\u00e4blich zuschreien... Granaten einander zuwerfen...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, da war so ein Moment, als der Kommandeur dieser Fallschirmspringer mit dem Codenamen \u201eRachman\u201c buchst\u00e4blich aus n\u00e4chster N\u00e4he da auf einen - wie sie sie da nennen - \u201eSepar\u201c schie\u00dft, der auf dem Flugplatz steht. Und wie in einem Computerspiel schie\u00dft er aus n\u00e4chster N\u00e4he mit seinem Stetschkin APS, sieht sogar den Dampf vom Atem des Separs, und der schie\u00dft zur\u00fcck, und l\u00e4uft weg, versteckt sich in diesem durchsichtigen \u00c4rmel, der ins dritte Stockwerk f\u00fchrt. Und dieser \u201eRachman\u201c steht da so geschockt: \u201eWie! Wie konnte ich ihn nicht erwischen!\u201c, und schreit: \u201eSepar! Separ! Komm' zur\u00fcck!\u201c Und der ist aber schon \u00fcber alle Berge.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Das ist das Geb\u00e4ude des zweiten Terminals. Der zweite Terminal. Das erste und das zweite Stockwerk sind von den ukrainischen Soldaten besetzt, und das dritte und den Keller besetzen die Separatisten.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Da ist dreidimensionale...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Das ist ein Geb\u00e4ude, verstehst du...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Dreidimensionale Einkreisung. In Wirklichkeit sind da zwei Geb\u00e4ude: das alte und das neue Terminal. Was die Reise zum Flughafen angeht, so ist das Schwierigste an dieser Reise die Einfahrt und die Ausfahrt. Das betrifft nicht nur mich, sondern auch die ukrainischen Soldaten, die da regelm\u00e4\u00dfig hinfahren, um die Verteidiger zu versorgen, und sie sind da schon seit f\u00fcnf Monaten...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Das muss man nat\u00fcrlich verstehen...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: \u2026mit Wasser, Waffen, Verwundete abholen, die Jungs abl\u00f6sen, denn da sind unmenschliche Bedingungen, also die Bedingungen sind einfach... ich wei\u00df nicht, zum Nordpol zu kommen war f\u00fcr Kapit\u00e4n Scott einfacher, als sich dort am Flughafen aufzuhalten.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte die Aufmerksamkeit unserer Internetzuschauer auf die Bildschirme lenken, da sind die Photos, die Sergej Loiko mitgebracht hat. Aber besser w\u00e4ren sie gar nicht da, denn die Qualit\u00e4t ist gerade schrecklich. Ich sch\u00e4me mich, dass es so aussieht.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Verzeihen Sie uns...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ok.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Ne, ehrlich...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Gut, vergessen wir das.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Wenn wir die M\u00f6glichkeit haben, w\u00e4hrend der Sendung...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Sie sind nur ein wenig dunkel.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew:<\/strong>\u00a0Ja, die Helligkeit einzurichten - das w\u00e4re nicht schlecht. Und mehr Licht da zu geben, wahrscheinlich. Das sind also die Photos, die Sie da gemacht haben. Der Weg, der wahrscheinlich dahin f\u00fchrt...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, ich hab' vom Ein- und Ausgang geredet... Erinnern Sie sich an diesen Spruch: \u201eEingang f\u00fcr einen Rubel, Ausgang - f\u00fcr drei!\u201c? So ist es hier: Eingang - Leben, und Ausgang - Leben. Also du kommst dahin... kannst dahinkommen, kannst aber auch gar nicht erst ankommen. Und nur in einem Panzerwagen. Die Reise verl\u00e4uft \u00fcber eine absolut freie Fl\u00e4che - man sieht dich von allen Seiten - ungef\u00e4hr 10 Minuten dauert das. Da gibt es mehrere Stellen: Wenn du f\u00e4hrst, schl\u00e4gt etwas permanent auf den Wagen ein, und daneben explodiert permanent was. Also, wenn du Gl\u00fcck hast - kommst du durch. Pech - ein 12,7 Kaliber einer Panzerpatrone aus einem NSW-Maschinengewehr durchschl\u00e4gt den Panzerwagen komplett und t\u00f6tet alle, die sich darin befinden. Und der eigentliche Flugplatz von dem Flughafen, also das ist... Da gibt es keine Flugzeuge, da gibt es ein \u00dcbungsflugzeug, das steht da ganz weit weg, daf\u00fcr ist der Flugplatz komplett mit verbrannten Panzern und Panzerwagen zugem\u00fcllt, die da hin- und hergefahren waren und nicht geschafft hatten, rein- oder rauszufahren.<\/p>\r\nUnd diese Panzerwagen, eine Kolonne: 1-2 oder 2, oder 4, abh\u00e4ngig davon, was gerade geliefert wird, kommen bei dem neuen Terminal an, oder bei dem an, was davon \u00fcbrig geblieben ist - und hier ist die schwierigste Stelle, denn hier steigen\u00a0alle aus, beginnen auszuladen, und es f\u00e4ngt Schie\u00dferei von allen Seiten an. Die H\u00e4lfte derjenigen, die sich am Flughafen befinden, schie\u00dft nach\u00a0allen Seiten, um die Schie\u00dferei von der Separatisten-Seite zu d\u00e4mpfen, und der andere Teil der Menschen entl\u00e4dt die Panzerwagen. Entladen geht so: Man schmeisst einfach alles auf den Flugplatz. Dann, wenn sie alle auseinander gelaufen sind, fahren alle weg; wer noch am Leben ist, setzt sich in die Panzerwagen, zieht da Verwundete mit rein, dann fahren die Panzerwagen, wenn sie noch nicht brennen, weg. Und bei Einbruch der Dunkelheit kriechen da Menschen heraus und ziehen alles in den\u00a0neuen Terminal hinein. Zum alten Terminal kann man gar nicht hinkommen, denn der neue wird zwar von zwei Seiten durchschossen, und der Alte aber von allen Seiten, und die Separatisten sind viel n\u00e4her dran. Vor kurzem gab es da solch ein Gemetzel, als bei dem alten Terminal das obere Stockwerk brannte, und da sind viele Menschen gestorben, es gab viele Verwundete. Aber Separatisten gab es da nicht. In dem neuen Terminal aber - da gibt es eine dreidimensionale Einkreisung. Da sind die Separatisten nicht nur um den\u00a0Flughafen rundherum - sie sind im Keller, der viele Abzweigungen und irgendwelche Ein- und Ausg\u00e4nge hat, und hinter dem Flughafen gibt es einen Ausgang, und im dritten Stockwerk. Und das erste und zweite Stockwerke sind besetzt...\r\n\r\n[caption id=\"attachment_904\" align=\"aligncenter\" width=\"557\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko.jpg\"><img class=\"wp-image-904 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko.jpg\" alt=\"loiko\" width=\"557\" height=\"375\" \/><\/a> Photo: Sergei Loiko[\/caption]\r\n\r\n<strong>A.Pluschew<\/strong>: Und das dritte Stockwerk... wie sie...\r\n\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Irgendwie kommen sie in den Keller, wobei sowohl die einen wie die anderen permanent irgendwelche Ein- und Ausg\u00e4nge verminen, aber sie verminen sie so, dass sich kein Mensch erinnern kann, wo \u00fcberhaupt was steht. Und die Separatisten gehen hier herum, wie irgendwelche Geister, springen da und dort heraus. Vor kurzem ist ein Separatist - direkt vor mir - auf den Balkon im zweiten Stock hinuntergesprungen und hat aus einer RPG-18 Mucha eine Granate in den Eingang des Generalstabs dieser Fallschirmspringer geworfen, und das Geschoss ist direkt \u00fcber dem Eingang explodiert. Alle sind umgefallen, alle wurden \u00fcbersch\u00fcttet. Wenn es drinnen explodiert w\u00e4re, w\u00e4ren alle da gestorben, und so haben alle, inklusive mir selbst, nur eine Quetschung bekommen. Und hier hat ein Fallschirmspringer, er hie\u00df Batman - der sieht auch aus wie Batman - er hat da eine Granate hingeworfen, die Granate ist nicht bis dahin geflogen, sie ist da beim Balkon explodiert, und alle sind wieder umgefallen. Und \u00fcberhaupt, alles, was da passiert, wie es aussieht, wie der ganze Flughafen aussieht - das ist so eine epische...\r\n\r\nMan hat das Gef\u00fchl, das ist irgendsoein Filmset, denn so etwas kann es im realen Leben nicht geben! Gleich kommt Spielberg 'raus und sagt: \u201eCut! Drehschluss!\u201c Denn die Ruinen da sind derma\u00dfen ruiniert, dieser ganze Flugplatz ist so ruiniert, alle sind ruiniert...\r\n\r\nDas ist wie ein Kongresspalast, nur ohne Kongresse und ohne Fenster, und mit verbogenen, geschweiften, verbrannten Rahmen. Da gibt es keinen einzigen Quadratmeter, der nicht mit Dutzenden Kugeln durchl\u00f6chert w\u00e4re. Da sind Einschussl\u00f6cher \u00fcberall: Die Decke ist durchl\u00f6chert, die W\u00e4nde sind es. Da ist immer dunkel: tags\u00fcber halbdunkel, abends absolute Dunkelheit. Wenn die Menschen tags\u00fcber noch irgendwelche Taschenlampen anmachen, irgendwelche Generatoren, laden irgendwas auf... Akkus, so ist da nachts ein Regime der Abschaltung von allem: keine Taschenlampen, keine Zigaretten - der Scharfsch\u00fctze schie\u00dft beim dritten Zug. Und wenn sie die Magazine ihrer Waffen laden, l\u00e4dt keiner die Leuchtspurmunition. Sie schie\u00dfen nicht mit Leuchtspurmunition. Sie witzeln da so dr\u00fcber: \u201eWir schie\u00dfen nur mit Leuchtspurplatzpatronen!\u201c\r\n\r\nUnd die Entbehrungen, die man an diesem Flughafen auf sich nehmen muss, sind nat\u00fcrlich schrecklich: uns\u00e4gliche K\u00e4lte, keinerlei \u00d6fen gibt es dort, \u00fcberall Durchzug. Alle niesen, husten, man kann sich nirgendwo aufw\u00e4rmen. Das Einzige, was sie sich erlauben k\u00f6nnen, ist ein hei\u00dfer Tee aus einem Petroleumkocher. Und die Kocher sind so rabenschwarz. Alles ist in absoluter Finsternis, in einer absoluten Dunkelheit. Die Toilette - die ist \u00fcberall, wo du gerade Gl\u00fcck hast, und wo du nicht get\u00f6tet wirst. Aber gro\u00df geht da l\u00e4ngst keiner aufs Klo, und Gestank gibt es da nicht, weil die Menschen nichts essen. Sie ern\u00e4hren sich vom eigenen Adrenalin. Alle haben so Augen... Als ich die Photos gemacht hatte - ich bin ja schon \u00e4lter, sehe nix - sp\u00e4ter habe ich mir die Photos am Computer angeschaut, da war ich erstaunt, was f\u00fcr Augen die Menschen haben. Man kann so ein Bild in irgendeiner gestellten Einrichtung nicht schie\u00dfen, man kann sowas nicht inszenieren. Da ist immer Action, da sind immer echte Augen, da ist immer ein echter innerer Zustand der Helden. Und nat\u00fcrlich ist es so ein episches Werk, ein episches Ereignis, das ist irgendsoein auferstandener Tolkien, den ich nie mochte, irgendsoein \u201eLord of the Rings\u201c, denn das Buch hat keinen Humor, das ist irgendsoeine idiotische Fabel: Irgendsoein absolutes Gutes k\u00e4mpft mit dem absoluten B\u00f6sen, mit diesen Orks. Und hier ist f\u00fcr mich Tolkien endlich zum Leben erwacht. Ich habe gesehen, dass tats\u00e4chlich das ziemlich absolute Gute an diesem Flughafen, den man nicht verteidigen kann, mit dem absoluten B\u00f6sen k\u00e4mpft, mit diesen Orks, die diesen Flughafen von allen Seiten eingekesselt haben, und diesen mit Grad, M\u00f6rsern usw. beschie\u00dfen.\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Reden wir doch noch mal \u00fcber das Gute und das B\u00f6se. Ich wollte Timur Olewski fragen, du meintest, du warst da in der N\u00e4he.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0In der N\u00e4he, ja. Zum Gl\u00fcck ist es mir nicht wie Sergej gelungen, dahin zu kommen, direkt dahin.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Du h\u00e4ttest dich vor den Panzerwagen stellen und winken sollen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich hab' mich sogar dumm angestellt, ich erz\u00e4hle mal die Geschichte: Um zum Flughafen zu gelangen, muss man mehrere Runden Genehmigungen besorgen, zumindest f\u00fcr russische Journalisten, und dann ins Dorf Pisky fahren, wo die ukrainischen motorisierten Brigaden auf der vordersten Linie stehen: die Artilleristen und die Fallschirmspringer, und wo im Grunde die Panzerwagen zum Flughafen abfahren, die \u201eSchwalben\u201c, wie sie diese nennen. Da sind nach meinen Erinnerungen...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Plappere doch nicht alle Geheimnisse aus...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Also, die fahren da st\u00e4ndig hin- und her. Das ist kein Geheimnis, denn die Funkstelle ist da offen, das ist alles offen. Also, schau mal, die Geschichte. Da ist jede Fahrt - ein Kampf. Zumindest was Sergej erz\u00e4hlt, hat er unmittelbar dort gesehen. Und ich habe aber gesehen, wie die Vorbereitung von diesen Panzerwagen abl\u00e4uft. Das ist ein Kampf. Jeder Transport - das ist eine Artillerievorbereitung, und zwar auf beiden Seiten. Und in Pisky war ich in der 79. Brigade - da sind Artilleristen, M\u00f6rsersch\u00fctzen, die...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Die 79. Brigade sind Fallschirmspringer.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T. Olewski:<\/strong>\u00a0Die Einheit der 79. Brigade, wo ich war, das waren M\u00f6rsersch\u00fctzen, das waren Artilleristen. Ich habe unmittelbar bei den Artilleristen gelebt. Da war auch der \u201eRechte Sektor\u201c, der da irgendwelche eigene Sachen macht. Sie sind \u00fcbrigens auch da am Flughafen, ein kleiner Teil vom \u201eRechten Sektor\u201c. Aber ich habe auch die K\u00e4mpfer vom \u201eRechten Sektor\u201c gesehen, die in Pisky s\u00e4ubern, also, sie fangen da die Richtsch\u00fctzen ab. Und als ich davon geh\u00f6rt habe, dass die Richtsch\u00fctzen da abgefangen werden - ich war ja auf der einen wie auf der anderen Seite - habe ich gedacht, sie fangen einfach nur Leute ab, die sie nicht m\u00f6gen. Aber hier habe ich zum ersten Mal gesehen, wie das aussieht, was ein Richtsch\u00fctze ist. Das ist, wenn im zerst\u00f6rten Haus gegen\u00fcber deiner Artilleriestellung, wo niemand wohnt, nachts das tr\u00fcbe Licht einer Taschenlampe zu sehen ist, so einer Blaulichttaschenlampe. Da l\u00e4uft die Aufkl\u00e4rung hin und findet Stellungen, die ein paar Minuten vorher verlassen wurden. Wenn nur ein solcher\u00a0erfolgreicher Richtsch\u00fctze auftaucht, dann beginnen Geschosse auf die Stellung der Artilleriebatterie herunterzufallen. Sich davor verstecken kann man faktisch nur in den Panzerfahrzeugen. Obwohl sich die Menschen, die da dienen\u00a0und immer bei ihren M\u00f6rsereinheiten sind, l\u00e4ngst nicht mehr verstecken. Sie sitzen in Hallenanlagen, gehen auf ihre Stellungen hinaus, und betrachten die Besch\u00fcsse \u00e4u\u00dferst phlegmatisch, weil sie so denken: \u201eWenn ein GRAD ins Dach einschl\u00e4gt - passiert nichts, wenn es aber eine Selbstfahrlafette ist, so werden wir eh alle get\u00f6tet\u201c. Sonst passiert nichts. Und das ist ein Ort, wo man den Streifen sieht, also den Tower, wo auch die ukrainischen Soldaten sind. Auf dem Tower gibt es zwei...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Also, es gibt drei Stellen: der alte Terminal, der neue und der Tower werden von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften kontrolliert.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Ja, der Tower. Das ist glaube ich, die Stelle, wo am meisten durchgeschossen wird.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Das ist die h\u00f6llischste H\u00f6lle da.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, eine h\u00f6llische H\u00f6lle. Da kann man sich \u00fcberhaupt nicht aufhalten. Und die Menschen, ich wei\u00df nicht, wie lange sie da schon sind, aber ich habe gesehen, habe selbst die Bitten eines Scharfsch\u00fctzen geh\u00f6rt, der da am Tower sass, ihn auszuwechseln, weil er zwei Tage sp\u00e4ter Hochzeit haben sollte - so ungef\u00e4hr. Und sein Kommandeur hat ihn gebeten, noch eine Zeit lang zu bleiben, um dem Neuen alles zu erkl\u00e4ren, ihm zu helfen sich zurechtzufinden. Es ist sehr schwer, dieses Gespr\u00e4ch wiederzugeben, aber es war\u00a0das Gespr\u00e4ch eines Menschen, der darum bittet, ihn drei Stunden fr\u00fcher als gebraucht\u00a0zu entlassen, weil er leben will, und der andere bittet ihn darum, noch drei Stunden an einem Ort zu bleiben, wo er in diesen drei Stunden get\u00f6tet werden kann. Und sie reden, und der Kommandeur schafft es ihn zu \u00fcberreden, an dem Ort zu bleiben, wo er in 10 Minuten tot sein kann. Und er war da schon sehr lange Zeit, und z\u00e4hlt jede Minute, die bis zur Ankunft seines Rettungspanzerwagens geblieben ist.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew<\/strong>: Unser Publikum, mehrere Menschen, stellen uns ein- und dieselbe Frage: \u201eWas ist der Sinn, diesen Flughafen so lange zu halten? Wozu braucht ihn die eine wie die andere Seite?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer an einen Film, den Film aller Zeiten und V\u00f6lker, den epischsten Film, den epischsten Spaghetti-Western, den ich je in meinem Leben gesehen habe, den Film von Sergio Leone \u201eThe good, the bad and the ugly\u201c. Da suchen ein paar B\u00f6sewichte nach einem Sack Gold auf dem Hintergrund des epischen amerikanischen B\u00fcrgerkrieges. Und da gibt es einen Moment, wo sich die zwei B\u00f6sewichte - Clint Eastwood und Eli Wallach - dem Fluss n\u00e4hern, den sie nicht bezwingen k\u00f6nnen, und sie k\u00f6nnen es nicht, weil \u00fcber dem Fluss eine echte Br\u00fccke ist und es ein schrecklicher Kampf um diese Br\u00fccke stattfindet: auf einer Seite die Nordstaatler und auf der anderen die Konf\u00f6derierten. Und die S\u00fcdstaatler wollen dieses strategische Objekt einnehmen, und die Nordstaatler wollen es halten. Und die beiden B\u00f6sewichte sitzen am Ufer unter Beschuss - sie wissen nicht, was sie tun sollen. Und nachts sprengen sie die Br\u00fccke und legen sich da schlafen. Sie wachen morgens auf - keine Br\u00fccke, weder die eine Armee noch die andere ist da.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T. Olewski<\/strong>: Ungef\u00e4hr so, ja.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Und hier ist das Gleiche. Wenn man einfach nur die Startbahn sprengt, alles in die Luft sprengt, was noch von diesem Flughafen geblieben ist... Ich wundere mich eh, wie das nicht zusammenst\u00fcrzt, dieses ganze Geb\u00e4ude, das zu 95% aus L\u00f6chern besteht. Da gibt es sehr viele Motive. Na, irgendein Oberst wird Ihnen sagen, dass es eine strategische H\u00f6he ist, dass wenn wir aufgeben, sich der Weg nach Pisky \u00f6ffnet, und sie werden hin- und herlaufen... F\u00fcr die Mehrheit derjenigen, die dort sind, ist es eine symbolische Sache, das ist so ein ukrainisches Stalingrad. Und deswegen \u201ekein Schritt zur\u00fcck, keinen Fu\u00dfbreit Land geben wir hier auf\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Das ist wirklich sehr erstaunlich. Es scheint doch so, dass da Menschen sein sollten, die es verlassen wollen sollten. Habe ich aber keinen einzigen gesehen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich erkl\u00e4re das mal. Alle, die w\u00e4hrend meiner vier Tage da waren - sie alle waren Freiwillige. Nicht in dem Sinne, dass sie als Freiwillige zur Armee gekommen sind - da sind nur beim \u201eRechten Sektor\u201c Freiwillige, das ist eine Handvoll von der ganzen Besatzung. Und da waren ja alle: Aufkl\u00e4rer, SEK-Soldaten, Fallschirmspringer, Artilleristen - alle. Und jeder von ihnen, und da war auch jedes Alter, von 18 bis 45 - jeder war ein Freiwilliger, also da hatte man gefragt: \u201eWer will zum Flughafen?\u201c Sie waren alle nach vorne getreten und sind hingekommen. Mehr noch, in Pisky, wo ich viel Zeit verbracht habe, mehrmals, wo eine gro\u00dfe Menge ukrainischer Streitkr\u00e4fte stationiert ist - da tr\u00e4umt jeder Soldat davon, in den Flughafen zu kommen. F\u00fcr einen echten ukrainischen Soldaten, f\u00fcr einen Patrioten der Ukraine ist es das wahre Geheimzimmer aus \u201ePicknick am Wegesrand\u201c von Strugazki, aus \u201eStalker\u201c von Tarkowski, wo er in das Haus gelangt und erf\u00e4hrt, warum er, der ukrainische Mann, existiert. Und hier das Missverh\u00e4ltnis... Eigentlich ist dieser ganze Krieg keine hohle Nuss wert. Es gab keine Gr\u00fcnde, ihn anzufangen. Bei den Spitzseitigen und den Stumpfseitigen in \u201eGulliver\u201c von Swift - sogar bei denen gab es mehr Gr\u00fcnde sich zu t\u00f6ten als hier. Dieser ganze Krieg ist erfunden. Und hier, in dieser neuen Stalingradschlacht gibt es auch keinen Sinn, weder die eine noch die andere Seite braucht dieses M\u00e4gdebein, diese \u00dcberreste eines verbrannten, gesprengten Flughafens.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Jetzt ist die Politik auch...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Warte eine Sekunde. Ich m\u00f6chte Euch beide noch eins fragen: Ist er denn schon in so einem Zustand, dass ihn nicht mal die Luftwaffe benutzen k\u00f6nnen wird?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Na, die Startbahn wurde nicht gesprengt.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Russische Transportflugzeuge k\u00f6nnen da im Prinzip landen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Sie k\u00f6nnen auch auf irgendwelchen Erdwegen landen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Da war eine der besten Startbahnen Europas, die l\u00e4ngste. Da k\u00f6nnen all diese \u201eJumboJets\u201c landen, diese gro\u00dfen Transportflugzeuge. Im Prinzip ja, die Ukrainer haben sie noch nicht gesprengt.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_906\" align=\"aligncenter\" width=\"557\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/vs.jpg\"><img class=\"wp-image-906 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/vs.jpg\" alt=\"vs\" width=\"557\" height=\"375\" \/><\/a> Photo: Sergei Loiko[\/caption]\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Hier muss man verstehen, dass der Flughafen ein Teil von Donezk ist, es ist ein Bezirk in Donezk. Solange der Flughafen ukrainisch ist, ist Donezk nicht vollst\u00e4ndig unter der Kontrolle der \"DVR\", und wenn die Frage \u00fcber die Demarkationslinie\u00a0aufkommen wird, wird diese Sache, dass Donezk keine Stadt ist, die ganz der \"DVR\" geh\u00f6rt, bedeuten, dass man sie teilen m\u00fcssen wird. Ich denke, vielleicht ist hier irgendeine politische Geschichte. Vielleicht hat der Gouverneur Sergej Taruta vor seinem R\u00fccktritt die Wahrheit dar\u00fcber gesagt, dass es einen Plan des Austausches des Donezker Flughafens gegen einen Teil des Territoriums gibt, das sich bei Mariupol befindet und von den S\u00f6ldnern besetzt ist, oder gegen irgendeinen anderen Teil des Territoriums. Wom\u00f6glich braucht man ihn deswegen, aber hier sprechen wir aus der Sicht der Soldaten wieder. Also, ich habe drei Tage lang mit diesen Soldaten gelebt, und sie denken \u00fcber so einen Austausch nicht nach, auch wenn sie dar\u00fcber diskutieren. Ich habe M\u00e4nner gesehen, die 45 sind, die nach einer Einberufung in die Armee gekommen sind, das sind Menschen mit 1-2 Universit\u00e4tsabschl\u00fcssen, im Leben absolut fest auf den Beinen, die Mehrheit davon hat ihren Verwandten nicht erz\u00e4hlt, wo sie sich befinden, und sie haben darum gebeten, sie nicht zu fotografieren. Also, sie sagen alle, dass sie bei Mykolajiw sind, damit die alte Mama sich keine Sorgen macht. Und alle sind als Freiwillige dahin gekommen, also sie haben extra drum gebeten: \u201eSchicken Sie uns nach Pisky.\u201c Sie sprechen alle Russisch - das ist sehr wichtig. Manche von ihnen sagen, dass sie gar keine andere Sprache als Russisch sprechen und keinen einzigen Tag in ihrem Leben Ukrainisch gelernt haben. Dabei hat mir einer von diesen Menschen gesagt, dass er Russland hasst. Ich sage: Wie kann es sein?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew<\/strong>: Dabei ist ein Teil von ihnen ethnische Russen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Absolut. Sie sind nicht nur Russen, sie sind auch in die ukrainischsprachige Kultur gar nicht integriert. Sie verteidigen ihre Heimat - das ist f\u00fcr sie ein prinzipieller Moment. \u00dcberhaupt haben sich da Menschen versammelt, die glauben, dass sie bis zu der Grenze durchgehen und die Ukraine davon befreien sollten, was in der \"DVR\" passiert. Und nat\u00fcrlich sagen Sie, dass sie gegen Rus...<em> (Anm.d.Red: verschlingt das Ende des Wortes)\u00a0<\/em>einen Krieg f\u00fchren - alle, die da sind. Und das Erstaunliche daran... Ich wei\u00df nicht, ich m\u00f6chte keine populistischen Vergleiche in diesem Sinne f\u00fchren, aber mir schien es tats\u00e4chlich, dass ich gesehen habe, was sein kann, wenn man gute, gutm\u00fctige Menschen zur Wei\u00dfglut bringt. Das betrifft speziell die regul\u00e4re Armee, die sich zum Beispiel in der Artilleriebatterie dort befindet. Sie sehen so aus, wie ich sie gesehen habe. Und dass sie Rosenbaum h\u00f6ren und die ganzen afghanischen Songs <em>(Anm.d.Red.: Lieder in der Sowjetunion nach dem Afghanistan-Krieg)<\/em> und sich den \u201eBruder-2\u201c <em>(ein ber\u00fchmter Film)<\/em> anschauen und die Menschen bekriegen, die auf der anderen Seite sind, ich denke...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0...machen genau das Gleiche.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich denke schon. Oder wahrscheinlich ein Teil von ihnen macht das Gleiche. Das beeindruckt sehr. Ich habe Menschen gesehen, die im Krieg fast gar nicht schimpfen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich m\u00f6chte noch erg\u00e4nzen, dass die Operationssprache bei den Armeeangeh\u00f6rigen am Flughafen Russisch ist. Im Funk sprechen alle Russisch. Da gibt es keine ukrainische Mowa. Mich hat beeindruckt, dass ich tats\u00e4chlich weder in kritischen Situationen noch in Notf\u00e4llen, noch unter Beschuss von jemandem Schimpfworte geh\u00f6rt habe. Und auch, dass es eine klare, zivilisierte, praktisch literarische russische Sprache war. Weil die Mehrheit dieser Menschen intelligente, gebildete Menschen sind. Es waren keine Asis, keine Soldaten, die irgendwo in den D\u00f6rfern aufgegabelt und wie Kanonenfutter hinbef\u00f6rdert wurden. Und au\u00dferdem beeindruckte mich, dass fast die H\u00e4lfte, wenn nicht die Mehrheit derjenigen, die mit mir am Flughafen waren, Offiziere waren.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">Und ich habe keine sowjetische oder russische Offizierenfrevelhaftigkeit a la Kuprin gesehen. Es war Bruderschaft. Ein Soldat und ein Offizier haben aus einer Tasse getrunken, sich gegenseitig besch\u00fctzt, Schulter an Schulter, sie haben sich per Du angesprochen. Aber wenn einer ein \u00c4lterer war und der andere ein J\u00fcngerer, dann k\u00f6nnte man vielleicht auch \u201eSie\u201c h\u00f6ren. Ich habe beobachtet, wie ein Major, Walerij Rudj, er ist schon 40, er war sein ganzes Leben lang Berufssoldat, und da vermint er diesen einen Eingang. Und in diesem Moment f\u00e4ngt der Kampf an, der Beschuss, und der Junge aus dem \u201eRechten Sektor\u201c ist da in einer ganz schrecklichen Lage, und versucht da aus dem Maschinengewehr irgendwohin zu schie\u00dfen. Und dieser Walerij rennt da \u00fcber diese feuerbedeckte Fl\u00e4che\u00a0und schreit: \u201eJunge, das ist mein Krieg. Rutsch' mal!\u201c, und schiebt da den Jungen weg und in diesem Moment explodiert da irgendwas in der N\u00e4he. H\u00e4tte er ihn nicht weggeschoben, w\u00e4re der Junge gestorben. Und dieser Walerij stellt das Maschinengewehr wie man es soll hin und beginnt den Kampf wie ein echter Soldat zu f\u00fchren, und er f\u00fchrt ihn, bis er zu Ende ist, und dann geht er weiter seine Sachen machen. Er hat nur diesem unbekannten Freiwilligen das Leben gerettet. Und der erstaunlichste Moment war f\u00fcr mich, als man den einen Panzersoldat nach Hause schickte. Also, da war der Panzer. Der Panzer ist verbrannt...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Ich habe dar\u00fcber in meinem heutigen Artikel in der \u201eLosAngelesTimes\u201c erz\u00e4hlt, der auf der ersten Seite mit dem Titelfoto abgedruckt wurde. Ich prahle gerade: das ist bei mir der dritte Artikel als Hauptartikel und Hauptfoto in Folge. Heute ist er erschienen, und da war diese Episode: die R\u00fcckkehr des Panzersoldaten nach Hause. Es war also ein Panzer, und der verbrannte. Es war eine Drei-Mann-Besatzung, sie sprangen brennend heraus. Der Scharfsch\u00fctze lie\u00df niemanden aus, er hat sie get\u00f6tet. Zwei konnte man herausziehen. Aber dann gab es einen M\u00f6rserbeschuss, und der Dritte wurde von einer Explosion einfach zerfetzt, und man konnte ihn nicht finden. Und einige Tage sp\u00e4ter entdeckten die Jungs so ein gro\u00dfes St\u00fcck seines Oberschenkels. Und es begann\u00a0so ein Gespr\u00e4ch: \u201eWir m\u00fcssen den Panzersoldaten nach Hause schicken\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">Aber wie denn abschicken? Dazu muss man auf den Flugplatz hinausgehen und eine Kugel in jeden K\u00f6rperteil abbekommen, um dieses St\u00fcck eines toten Menschen nach Hause zu schicken - ich w\u00fcrde es so sagen. Und als der Kommandeur fragte: \u201eJungs, das ist echt eine t\u00f6dlich gef\u00e4hrliche Sache. Wer geht denn?\u201c, haben sich alle gemeldet. Und dann standen zwei sofort auf. So ein Scharfsch\u00fctze Slawik und ein Soldat Mischa. Und als die Panzerwagen kamen, da wurde das Feuer auf den Transport abgelenkt, sind sie auf den Flugplatz hinausgelaufen, legten ihre Gewehre und das Scharfsch\u00fctzengewehr ab, fanden eine Kiste, fanden\u00a0dieses Bein - unter Beschuss. Das war vor meinen Augen, ich stand daneben und hab's aufgenommen. Also stehen wir da zu dritt, sie legen dieses Bein in diese Kiste und da zerschie\u00dft eine Kugel die Kiste, die Holzsplitter fliegen nur so, alles klirrt um uns herum. Sie schlie\u00dfen diese Kiste und binden sie unter Beschuss mit Stacheldraht an den Panzerwagen dran, dann laufen sie los, schnappen ihre Waffen und f\u00fchren den Kampf weiter. Diese Jungs haben 30 Sekunden lang ihr Leben riskiert, absolut ihr Leben f\u00fcr ihren toten Kampfgef\u00e4hrten riskiert.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Mit einer fast 100%-igen Wahrscheinlichkeit.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_907\" align=\"aligncenter\" width=\"555\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/verbrannte.jpg\"><img class=\"wp-image-907 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/verbrannte.jpg\" alt=\"verbrannte\" width=\"555\" height=\"374\" \/><\/a> Photo: Sergei Loiko[\/caption]\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S. Loiko:\u00a0<\/strong>Und dieser Slawik sagte mir dann: \u201eAlso ich will nicht, dass ich auf so eine Art und Weise nicht nach Hause komme, und mich auf einem Flugplatz die Hunde auffressen.\u201c Sie sind absolute Helden. Und \u00fcberhaupt hasse ich es, den Krieg zu romantisieren, aber ich erinnere mich im Zusammenhang mit diesem Mini-Stalingrad an die Gedichte meines Lieblingsdichters Semjon Gudsenko (Pawel Kogan), der mit mir im gleichen Haus wohnte, aber zu einer anderen Zeit. Und da war so ein kurzes Gedicht:<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Wir legen uns, wo es sich hinlegt.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Und da steht man nicht auf, wo es sich hinlegt.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Und erstickt an der \u201eInternationalen\u201c<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Fallen wir mit dem Gesicht ins trockene Gras.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Und nicht mehr aufstehen, und nicht mehr in die Annalen kommen,<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><em>Und nicht mal die Liebsten finden den Ruhm.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Ich denke, das ist einfach Ihre emotionale Spannung, die von Ihnen auf unsere Apparatur \u00fcbergeht, Sergei, leider. Sergei Loiko hat unsere Apparatur richtig drangenommen, wie man so sagt. Wir sind in ein anderes Studio umgezogen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich habe den Kampf hierhin \u00fcbertragen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Sieht ganz so aus. Wir haben nicht mehr so viel Zeit, und hier gibt es ganz viele Fragen von unserem Publikum. Sie beziehen sich auf das Thema, das Sie, Sergei, ganz am Anfang angesprochen haben, \u00fcber das absolute B\u00f6se und das absolute Gute. Wenn man es von hier aus beobachtet, vielleicht von anderen Orten aus... Jemand schickt uns hier einen Gru\u00df aus Chicago, zum Beispiel. Unsere Rundfunkh\u00f6rer schreiben: \u201eIn einer Armee, die ihr Volk vernichtet, k\u00f6nnen keine Helden sein\u201c.<\/p>\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Haben sie das im Fernsehen erfahren?\r\n\r\n<strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Ich wei\u00df nicht, sagt mir ja keiner. Ich lese Ihnen nur die Reaktion vor.\r\n\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Alex, ich habe\u00a0das letzte halbe Jahr im ukrainischen Krieg verbracht. Ich wei\u00df nicht, welche Armee ihr Volk vernichtet, denn diese Armee, deren Volk da ist - sie vernichtet es nicht. Und die Armee, die es aber vernichtet - das ist nicht die ukrainische Armee.\r\n\r\n<strong>T.Olewskij:<\/strong>\u00a0Ich kann \u00fcber Pisky erz\u00e4hlen, zum Beispiel, das ist unmittelbar neben dem Flughafen, wo ein paar Wohnh\u00e4user geblieben sind, die meisten haben sie verlassen und\u00a0sind weggefahren. Es gibt Menschen, die aus irgendwelchen Gr\u00fcnden \u2013 das gibt es auch - sogar dann nicht wegfahren, wenn die H\u00e4user explodieren. Und die Armee versorgt sie, und sie versorgen die Armee. Sie haben, wie man so sagt, gute Beziehung zueinander. Und \u201emassenhafte S\u00e4uberungen\u201c von Menschen, die dort leben, und theoretisch vielleicht sogar mal die \"DVR\" unterst\u00fctzt haben - so etwas gibt es dort nicht. Ich habe eine andere Geschichte gesehen, sie schien mir sehr wichtig zu sein. Diese Geschichte ist am Donezker Flughafen passiert, am Freitag, glaube ich, als ich da war - da hat die Artillerie, die GRADe der Separatisten, aus einem Donezker Bezirk die Stellungen der anderen Separatisten im anderen Donezker Bezirk unmittelbar am Flughafen zerschossen. Sie haben den ganzen Tag auf diese geschossen, wonach...\r\n\r\n<strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Die Separatisten haben auf andere Separatisten geschossen?\r\n\r\n<strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, und es waren wohl verschiedene Gruppierungen, das kann man nicht erkl\u00e4ren: ukrainische Armee gab es da jedenfalls nicht.\r\n\r\n<strong>A.Pluschew<\/strong>: War das ein zuf\u00e4lliges Freundschaftsfeuer?\r\n<ul>\r\n \t<li><em><span style=\"font-family: Helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">(<\/span><\/span>Zu diesem Thema ver\u00f6ffentlichten wir im September zwei Artikel:\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/interner-gruppenkrieg-donezk\/\">Interner Gruppenkrieg in Donezk<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/antrazyt-soziale-proteste-und-interne-zusammenstoesse\/\">Antrazit: Soziale Proteste und interne Zusammenst\u00f6sse<\/a>)<\/em><\/li>\r\n<\/ul>\r\n<strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Das ist ein Konflikt.\r\n\r\n<strong>T.Olewski<\/strong>: Das dauerte mehrere Stunden. Sie beschossen\u00a0einander f\u00fcnf Stunden lang, wonach sie das Feuer auf Stellungen der ukrainischen Armee umlenkten, und die ukrainische Armee wurde an dem Abend ziemlich stark beschossen, die Stellungen am Flughafen und in Pisky, aber davor beschossen\u00a0sich die Separatisten stundenlang gegenseitig. Was das war, wei\u00df ich nicht. Aus irgendwelchen Gr\u00fcnden haben sie herumgezankt, und wer sich in dem einen komischen blauen Geb\u00e4ude am Flughafen aufhielt, das sie aus einem Wohnviertel von Donezk beschossen - wobei ich nicht wei\u00df, vielleicht ist es gar kein Wohnviertel mehr, aber an der Richtung hat man gesehen, woher sie schie\u00dfen.\r\n\r\n<strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Die Sache ist, dass die ukrainischen Armeeangeh\u00f6rigen, die Artillerie und GRADe haben - das sind professionelle Soldaten.\r\n\r\n<strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Andere gibt es da gar nicht.\r\n\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Und diese \"DVR\"- und \"LVR\"-Leute - das sind Affen mit einer Granate, die auch das Flugzeug abgeschossen haben.\r\n\r\n<strong>T.Olewski<\/strong>: Da gibt es auch relativ professionelle Leute.\r\n\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Es gibt ein paar Berufssoldaten, aber an sonsten ist das ein Haufen S\u00f6ldner, denen Technik zugesteckt wurde, von der sie gar nicht verstehen, wie man sie benutzt. Sie schie\u00dfen auf alles, was herumsteht.\r\n\r\n<strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ich glaube, es hat sich jetzt alles ge\u00e4ndert, Sergei. Da bin ich mit dir nicht einverstanden. Das, was du jetzt sagst, das ist eine Situation, die ungef\u00e4hr einen Monat zur\u00fcckliegt. Sie hat sich prinzipiell ver\u00e4ndert, nachdem da Menschen aufgetaucht waren, die ukrainische Armeeangeh\u00f6rige absolut eindeutig als russische Armee bezeichnen. Da hat sich prinzipiell die Qualit\u00e4t der k\u00e4mpfenden Menschen ver\u00e4ndert. Eine andere Frage ist, dass da eine starke Gruppierung die anderen abschie\u00dft, weniger loyale und h\u00f6rige Gruppierungen. Zumindest sieht es so aus. Vielleicht ist es nicht so, es sieht aber schwer danach aus.\r\n\r\n<strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Und noch eine Frage, wegen den Separatisten und der ukrainischen Armee. Bei uns wurde im Fernsehen sehr viel gezeigt, wie die Wohnviertel von Donezk mit Artillerie aus der Richtung des Flughafens beschossen werden.\r\n\r\n<strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Darf ich mal sofort darauf antworten. Jungs, ich enth\u00fclle hier ein Milit\u00e4rgeheimnis: Von der Seite des Flughafens kann man \u00fcberhaupt keinen Artilleriebeschuss f\u00fchren, denn da gibt es keine schrecklichere Waffe als ein Kalaschnikow-Maschinengewehr.\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Da gibt es Minen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Da gibt es keine M\u00f6rser. Ich habe mich an eine weitere Episode erinnert, ich wollte das dazu hinzuf\u00fcgen, wor\u00fcber wir gesprochen haben: Ich habe da mit einem Jungen gesprochen, Serhii Galan - das ist ein Journalismus-Student aus Tscherkassy. Sein Vater ist ein russischer Oberst, bis jetzt ist er ein russischer Oberst. Und der Junge ist aber ein ukrainischer Soldat, ein Fallschirmspringer. Und bevor er zur Armee ging, und bevor er zum Flughafen kam, rief er seinen Vater an oder der Vater ihn. Und der Vater, der von dieser schamlosen, verbrecherischen L\u00fcge des russischen Fernsehens zombiert wurde...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Das ist absolut richtig.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko<\/strong>: Der Vater sagte ihm: \u201eDu wirst doch auf deine Br\u00fcder schie\u00dfen!\u201c Und dann sagte sein Sohn: \u201eWelche Br\u00fcder, Vater? Dieselben Br\u00fcder, die in mein Land mit Waffen gekommen sind, was f\u00fcr Br\u00fcder sind das?\u201c<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Jetzt wegen den Besch\u00fcssen. Ich kann nur das sagen, was ich selbst gesehen habe. Ich habe eine bestimmte Menge an M\u00f6rsern gesehen, kann nicht sagen, wie viele - wahrscheinlich habe ich versprochen, es nicht zu sagen - die in unmittelbarer N\u00e4he vom Flughafen stehen, diese 120 mm M\u00f6rser, aber jeder davon ist auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, das die ukrainischen Soldaten am Flughafen besch\u00fctzen soll. Jeder ist auf ein konkretes Ziel gerichtet, und ausgerichtet sind sie sehr gut. Nur wird keiner einfach so herumschie\u00dfen. Da hat jeder Schuss eine bestimmte Bedeutung. Warum? Weil alle die Waffenruhe verfluchen, die ausgerufen wurde. Die ukrainische Armee - das, was ich gesehen habe - befolgt diese \u00e4u\u00dferst penibel, sogar wenn die Flughafenstellungen aus Sch\u00fctzenwaffen, also aus Maschinenpistolen, Scharfsch\u00fctzengewehren und anderem beschossen werden, kommt im Funk der Befehl: \u201eNicht mit Artilleriefeuer antworten, denn das ist eine Provokation, wir antworten nicht auf eine Provokation\u201c. Der erste Schuss, den ich am Freitag geh\u00f6rt habe, der von diesen M\u00f6rsern ausging und auf die Stellungen der Separatisten am Flughafen geflogen ist, war eine Antwort auf die angeflogenen Geschosse von den Stellungen im Pisky. Als der Artilleriebeschuss anfing, gab es eine Artilleriefeuererwiderung, aber das waren nur ein paar M\u00f6rser. Aber sie waren auf eine bestimmte Stellung am Flughafen gerichtet. Also anzunehmen, dass aus irgendeinem Grund dieses Geschoss bis in die Stadt geflogen ist... Also, in der Batterie, wo ich war, kann man sich das unm\u00f6glich vorstellen. Vielleicht gibt es irgendeine andere Artillerie. Eine andere Frage ist es, dass ich sie pers\u00f6nlich nie gesehen habe. Aber ich m\u00f6chte sagen, dass die Ukraine auf die Artillerie jetzt antwortet, aber sehr, sehr k\u00e4rglich. Denn es ist Waffenruhe, und sie verfluchen sie, f\u00fcrchten sich aber davor, diese zu brechen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Vor meinen Augen schreit ein Kommandeur: \u201eJetzt kommen unsere GRADe. Sie werden hier sehr nah dran sein, wissen Sie, sie k\u00f6nnten danebenschie\u00dfen, darum alle bitte in Deckung\u201c. Als die Infanterie der Separatisten zum Sturm auf den Flughafen ansetzte, hat die Artillerie auf sie geschossen, aber die Artillerie war dabei so akribisch, dass sie fast den ganzen Flughafen da zerschossen hat, weil da alles explodierte, wackelte und auseinanderfiel. Jungs, wenn die ukrainische Armee, wie es in eurem Fernsehen erz\u00e4hlt wird, das ukrainische Volk vernichten wollen w\u00fcrde, h\u00e4tte sie es l\u00e4ngst getan. Das ist mein 25. Krieg. Meine 25. Kriegsdienstreise.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">Ich war bei der Vernichtung von Grosny 1995, ich war 2000 bei der zweiten Vernichtung von Grosny. Da wollte man das Volk vernichten - und sie haben die Stadt vernichtet, haben es von der Erdfl\u00e4che verschwinden lassen, zweimal. Hier, schauen Sie sich doch Slowjansk an. Wieviel die ganzen zombierten Jungs herumgeschrien haben, dass da GRADe auf die Stadt schie\u00dfen. Kommt doch nach Slowjansk - und Ihr werdet nicht mal verstehen, wo Ihr seid. Ganz normale Stadt, da leben alle, der Strom ist an. Ja, ein paar zerst\u00f6rte, halbzerst\u00f6rte H\u00e4user. Und in Donezk?<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">Ja, es gibt auch irgendwelche zerst\u00f6rte H\u00e4user, zerst\u00f6rte Versorgungsleitungen. Aber das ist kein Vergleich zu Grosny. Und in Grosny hat man ja eine Antiterroroperation durchgef\u00fchrt. Wo ist denn bei uns Stalingrad bitte, und wo die antiterroristische Operation? Und \u00fcberhaupt, wenn man von Stalingrad spricht, erinnert mich dieser Krieg an einen Krieg, in dem ein Land heimt\u00fcckisch das andere \u00fcberfallen hat. Und da war eine eigene Brester Festung.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Hier eine pers\u00f6nliche Frage an Sie, Sergei: \u201eWie k\u00f6nnen Sie mit so einer lauten Pathetik Journalist sein? Ich f\u00fchle mit Ihrer Haltung durchaus mit, - schreibt Oleg aus Moskau, - aber mir w\u00fcrde nicht in den Sinn kommen, in solchen F\u00e4llen derartige Hosianna auf die eine oder die andere Seite zu singen\u201c. Interessant, was meint er denn mit \u201ein solchen F\u00e4llen\u201c...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ich glaube nicht, dass ich irgendwelche Hosianna singe, ich erz\u00e4hle nur das, was war. Und jetzt erz\u00e4hle ich nicht wie ein Journalist, sondern wie ein Mensch, der da als Zeuge war. Ich erz\u00e4hle das, was ich gesehen habe: Was ich singe, kenne ich. Lesen Sie doch meine Artikel, wenn sich jemand interessiert, bevor Sie mich verurteilen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Man kann ja auch Photos bei Ihnen auf FB anschauen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:<\/strong>\u00a0Ja, es wurde eine ganze Reihe von Photos in der \u201eLosAngelesTimes\u201c ver\u00f6ffentlicht, und ich habe noch eine ganze Galerie auf FB gepostet - sollen sie doch schauen. Und ich habe hier die Brester Festung gesehen - das war Sawur-Mohyla. Dann habe ich auch noch die Kessel gesehen, wie es sie in 1941 gab. Hier ist dieses Mini-Stalingrad. In Stalingrad wurde das R\u00fcckgrat des deutschen Faschismus gebrochen, nach dem sowjetischen Klischee. Und hier habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen, wie in diesem Mini-Stalingrad das R\u00fcckgrat was wei\u00df ich wovon gebrochen wurde - vom Faschismus oder nicht - aber von diesem Mordor, diesem Orks-Reich, diesem sinnlosen blutr\u00fcnstigen Terrorismus - das ganz bestimmt, das wurde gebrochen. F\u00fcr mich gibt es keinerlei Zweifel daran, dass die \"DVR\", die \"LVR\" erdichtete, k\u00fcnstliche, halbfaschistische Organisationen sind, deren Aufgabe es nicht ist, etwas f\u00fcr das ukrainische Volk zu tun, es gl\u00fccklich zu machen, sondern nur eine endlose Zone eines Alptraumes zu erschaffen, die Ukraine in diesen Flughafen zu verwandeln. Wer das braucht - das kann ich nicht beurteilen.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_905\" align=\"aligncenter\" width=\"555\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko2.jpg\"><img class=\"wp-image-905 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2014\/11\/loiko2.jpg\" alt=\"loiko2\" width=\"555\" height=\"374\" \/><\/a> Photo: Sergei Loiko[\/caption]\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Was man noch erg\u00e4nzen m\u00f6chte. Ich habe mit meinen eigenen Ohren geh\u00f6rt, wie ukrainische Armeeangeh\u00f6rige das Geschehen in Pisky einen Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieg <em>(sowjetische Bezeichnung f\u00fcr den 2. Weltkrieg - Anm.d.Red.)\u00a0<\/em>nennen, mehrmals wurde das von verschiedenen Menschen an verschiedenen Lagerfeuern ausgesprochen, das ist einfach ein Gedanke. Ich habe dasselbe auch in Horliwka geh\u00f6rt, von den Menschen, die f\u00fcr Besler seine Panzerwagen reparieren.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Von der Seite der Separatisten. Du musst das erl\u00e4utern, weil du schon so tief in dieser ukrainischen Geschichte drin bist...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, weil ich ja schon mehrmals in der Ukraine und in Donezk war... Und hier muss man verstehen, dass Horliwka eine andere Geschichte ist. Es wird von einem komischen Offizier regiert, der seine eigene Vorstellungen von Gut und B\u00f6se hat, eigene Vorstellungen davon, was er alles entscheiden darf...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Welcher Offizier!<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:\u00a0<\/strong>Nein-nein, er ist Offizier der sowjetischen Armee.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>Genau das meine ich.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Schauen Sie, er entscheidet, wer das Recht auf Leben hat und wer nicht. Er hat irgendwelche eigene Vorstellungen davon, wie es gut sein soll, und wie es schlecht sein soll. Jetzt verhandelt er mit der Ukraine \u00fcber bestimmte Dinge, zum Beispiel \u00fcber die Heizung in Horliwka. Und \u00fcberhaupt werden Gespr\u00e4che mit ihm gef\u00fchrt, also prinzipiell kann die Ukraine Verhandlungen mit ihm f\u00fchren. Und dann gibt es Donezk und Luhansk, wo die Situation absolut genial ist, und wo ich Gruppierungen beobachtet habe, die erst die Menschen beklauten, dann sie unter Beschuss nahmen und trotzdem behaupteten, sie w\u00fcrden diese besch\u00fctzen. Und dabei erz\u00e4hlten, dass das ein Krieg gegen den Faschismus ist. Hier kommt eben die Frage auf. Da sagt man, dass es ein Krieg gegen den Faschismus ist. Also, die \"DVR\" in Donezk sagt, sie bekriegen den Faschismus, die Junta. Die ukrainische Armee sagt, dass es ein Gro\u00dfer Vaterl\u00e4ndischer Krieg ist und zieht Analogien zum Zweiten Weltkrieg, in dem sie auch den Faschismus bek\u00e4mpften. Aber es ist, wie es mir scheint, eine ziemlich wichtige Geschichte, denn jetzt nehmen sie Russland wie jenes Land wahr - wie das faschistische Deutschland zu einer anderen Zeit.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">Sie nehmen Russland als einen Aggressor wahr, und was f\u00fcr uns ganz wichtig zu verstehen ist, dass es f\u00fcr immer ist. Daran werden sich die Kinder und die Kindeskinder erinnern. Das ist der Gedanke hier, dass am Ende die Ukraine im Gro\u00dfen und Ganzen glaubt, und es sehr begr\u00fcndet glaubt, dass sie keinen Krieg mit der \"DVR\" f\u00fchrt, sondern dass sie einen Krieg gegen Russland f\u00fchrt. Das ist die Tragik dieser Situation nat\u00fcrlich.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A. Pluschew:<\/strong>\u00a0Ein Paar Minuten haben wir noch. Wir haben ja gesagt, was innerhalb der Separatistenkreise passiert - irgendwelche Widerspr\u00fcche gibt es dort, bis zu Schie\u00dfereien und gegenseitiger Vernichtung. Du hast noch erw\u00e4hnt, dass es innerhalb der ukrainischen Seite, zwischen der Armee und dem \u201eRechten Sektor\u201c schwierige Beziehungen gibt. Ein paar Minuten nur.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski<\/strong>: Sehr kurz. Der \u201eRechte Sektor\u201c ist ja doch eine rechte Organisation, die ganz verschiedene Rechte aus der ganzen Ukraine aufgesaugt hat, und ich habe da zum Beispiel sogar einen FSB-Mitarbeiter aus Primorje getroffen, der im FSB gedient hatte, aber er war ganz rechts, er meinte, dass es absolut normal sei, f\u00fcr die rechte Idee in Russland mit terroristischen Methoden zu k\u00e4mpfen, und dann ist der \u201eRechte Sektor\u201c gekommen, er ist bei \u201eAsow\u201c nicht aufgenommen worden, ist am Polygraph getestet worden. Und dann habe ich ukrainische Rechte gesehen, die gar keine Rechte sind, die, Entschuldigung, aber eigentlich mehr links sind. Sie \u00e4hneln den Fussballfans, und wenn Sie da auf irgendwelche Geschichten warten, \u00fcber verbrannte Kinder und Judenverfolgungen, so ist das ganz und gar nicht das, was auf der ukrainischen Seite passiert. In der Armee hat man sehr schlechte Beziehungen zu den Rechten, sehr negativ. Mehr noch: Sie erlauben sich gar keine unvorschriftsm\u00e4\u00dfigen Chevrone. Und \u00fcberhaupt finde ich, dass das alles Unfug und unn\u00f6tig ist. Also, sie nehmen diese nat\u00fcrlich als ihre Kampfgef\u00e4hrten wahr, aber sie sind nat\u00fcrlich Internationalisten.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:\u00a0<\/strong>Eine Minute haben wir noch. Sergei k\u00f6nnte noch was erg\u00e4nzen.<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>S.Loiko:\u00a0<\/strong>In dieser nationalistischen Organisation \u201eRechter Sektor\u201c habe ich ein Maschinengewehr \u201eMaxim\u201c entdeckt, ein funktionierendes, das sehr laut schie\u00dft. Und der Richtsch\u00fctze dieses Maschinengewehrs war ein Jude, Walerij Tschudnowskij, und dann hat mir ein Oberst der ukrainischen Armee, ein echter Oberst, Oleh Subowski, am Flughafen erz\u00e4hlt, dass \u201ediese Jungs aus dem \u201eRechten Sektor\u201c nur eine extreme Sache gemacht haben: Sie sind zu diesem Flughafen gekommen. Aber sie sind mutig, tapfer, echt und wir wissen immer, dass wir uns auf sie verlassen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>T.Olewski:<\/strong>\u00a0Ja, sie haben so eine Beziehung. Eine andere Frage ist, soweit ich das verstehe, dass die ukrainische Armee an der vordersten Linie aus Menschen besteht, die schon einen... ein Teil der Menschen dort sind solche, die durch Brennpunkte\u00a0gegangen sind, und dann\u00a0Menschen, die mehrere Universit\u00e4tsabschl\u00fcsse haben und auf ihren eigenen Wunsch in den Krieg gezogen sind...<\/p>\r\n<p align=\"LEFT\"><strong>A.Pluschew:<\/strong>\u00a0Unser Kollege Timur Olewski und Sergei Loiko, ein Korrespondent der \u201eLosAngelesTimes\u201c haben uns heute in der Sendung \u201eMit eigenen Augen\u201c dar\u00fcber erz\u00e4hlt, was gerade am Donezker Flughafen passiert, zumindest so, wie sie es selbst gesehen haben. Vielen Dank und bis bald!<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr \/>\r\n<p align=\"LEFT\"><em><strong>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/plushev?fref=ts\">Alexander Pluschew<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/timur.olevskiy?fref=ts\">Timur Olewski\u00a0<\/a><\/strong>und\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sergei.loiko?fref=ts\">Sergei Loiko<\/a><\/strong> in der Sendung \"Mit eigenen Augen\" bei \"Echo Moskaus\",\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/nvua.net\/ukraine\/Rossiyskie-vlasti-zapretili-intervyu-o-realnoy-situacii-v-aeroportu-Polnyy-tekst-besedy-18557.html\">nvua.net<\/a><\/strong>; \u00fcbersetzt von\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kaspijka\">Irina Schlegel<\/a><\/strong>.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"LEFT\">CC BY 4.0<\/p>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/896","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=896"}],"version-history":[{"count":61,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/896\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29346,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/896\/revisions\/29346"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}