{"id":9276,"date":"2015-09-01T16:13:47","date_gmt":"2015-09-01T16:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=9276"},"modified":"2015-09-01T16:14:29","modified_gmt":"2015-09-01T16:14:29","slug":"mission-impossible-freiwillige-helfen-binnenfluechtlingen-unter-ueberwindung-von-buerokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/mission-impossible-freiwillige-helfen-binnenfluechtlingen-unter-ueberwindung-von-buerokratie\/","title":{"rendered":"Mission Impossible: Freiwillige helfen Binnenfl\u00fcchtlingen unter \u00dcberwindung von B\u00fcrokratie"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><em>Die <strong><span style=\"color: #003366\">InformNapalm-Community<\/span><\/strong> ist auf die Faktensuche der russischen Aggression in der Ukraine spezialisiert. Dieser Krieg hat jedoch auch eine andere Seite \u2013 die sozialen Schwierigkeiten der Binnenfl\u00fcchtlinge aus den besetzen Gebieten der Ukraine. Die L\u00f6sung dieser Probleme lastet h\u00e4ufig auf den Schultern von Freiwilligen, w\u00e4hrend die tr\u00e4ge Staatsmaschinerie immer neue und neue Hindernisse schafft. Viele Aktivisten unserer Informationsgruppe sind ebenfalls Geiseln dieser kritischen Situation geworden, in der sich der Staat von den Problemen der Binnenfl\u00fcchtlingen distanziert. Die gesamte Last an mit Binnenfl\u00fcchtlingen verbundenen Probleme muss man entweder alleine, oder mit der Hilfe von nicht gleichg\u00fcltigen Menschen l\u00f6sen.<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Die Ukraine kann man ohne jegliche \u00dcbertreibung als einen \u201eStaat der Freiwilligen\u201c bezeichnen, ohne deren selbstloses und aktives Handeln unser Land schon l\u00e4ngst zur leichten Beute f\u00fcr den Aggressor geworden w\u00e4re. Aber um das Problem effektiv l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, muss es detailliert untersucht und die Aufmerksamkeit nicht nur von den ukrainischen, sondern auch den internationalen Organisationen darauf gelenkt werden. In diesem Zusammenhang publizieren wir das Interview mit dem Freiwilligen und dem Koordinator der humanit\u00e4ren Organisation <a href=\"http:\/\/proliska.org\/\">\u201eProliska\u201c<\/a> Ewgenyi Kaplin, welches er dem Verlag <a href=\"http:\/\/www.facenews.ua\/articles\/2015\/288806\/\">\u201eFace News\u201c<\/a> gab.<\/em><\/p>\n<p><strong>Freiwilliger: Binnenfl\u00fcchtlinge aus dem Donbass m\u00fcssen \u00fcber russisches Territorium in die Ukraine evakuiert werden<\/strong><\/p>\n<p>Binnenfl\u00fcchtlinge aus dem Donbass m\u00fcssen gelegentlich \u00fcber Russland auf ukrainisches Territorium gebracht werden. Der Koordinator der humanit\u00e4ren Organisation \u201eProliska\u201c, Ewgenyi Kaplin erz\u00e4hlt von den Ausstellungsschwierigkeiten der Passierscheine auf der Webseite des SBU (ukrainischer Sicherheitsdienst) und erkl\u00e4rt, dass Freiwillige mittels Verhandlungen versuchen, die Menschen auf einfacherem Wege zu evakuieren. Er h\u00e4lt fest, dass die Organisation bereits seit mehr als einem Jahr von den Spenden einfacher B\u00fcrger existiere: alles wird von dem Geld eingekauft, das sie uns \u00fcber Facebook schicken. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sich die Freiwilligen sogar nach Unterk\u00fcnften f\u00fcr die Binnenfl\u00fcchtlinge umsehen. Er bezeichnet die Beh\u00f6rden als passiv und unterstreicht, dass man auf B\u00fcrokratie sto\u00dfe. Im Gespr\u00e4ch mit FaceNews erinnert sich Ewgenyi Kaplin an drei Fl\u00fcchtlingswellen aus dem Donbass, die unter Beschuss geraten sind und f\u00fcgt hinzu, dass es bis heute Interessierte an einer Ausreise g\u00e4be \u2013 es rufen Menschen aus den lokalen Gebieten der heutigen Zuspitzung an.<\/p>\n<div id=\"attachment_9281\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9281\" class=\"wp-image-9281 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn.jpg\" alt=\"kaplyn\" width=\"600\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn.jpg 600w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-9281\" class=\"wp-caption-text\">Ewgenyi Kaplin<\/p>\n<\/div>\n<p><em>-Sie helfen Binnenfl\u00fcchtlingen bereits seit einem Jahr. Hat sich das Engagement der helfenden Menschen auf irgendeine Weise ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Jetzt gibt es weniger Hilfe als letztes Jahr. Das Volk ist ersch\u00f6pft. Der gro\u00dfe Verlust ist auch noch mit den Ver\u00e4nderungen der Rechtsgrundlage und der Einf\u00fchrung neuer Regeln f\u00fcr die G\u00fcterbewegung entlang der Demarkationslinie und ihrer \u00dcberquerung verbunden. Letztes Jahr konnten wir die Hilfsg\u00fcter direkt auf den Stra\u00dfen in Zelten sammeln. Nach der Einf\u00fchrung dieser neuen Verfahren wird ein riesiges Paket an Dokumenten ben\u00f6tigt, um die Ladung an den entferntesten Punkt zu bringen, der von der Ukraine kontrolliert wird \u2013 Unterlagen, die das Eigentum der Ware best\u00e4tigen, Quittungen, Begleitpapiere usw. Sprich, wir wurden der M\u00f6glichkeit, Hilfsg\u00fcter bei den Menschen direkt zu sammeln, beraubt. Jetzt muss alles, was eingef\u00fchrt wird eingekauft werden, um die Eigentumsrechte nachweisen zu k\u00f6nnen. Das ist das eine.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Und zweitens gibt es recht aggressiv eingestellte Personen, sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Im September letzten Jahres kam es zu zwei Provokationen an unseren Annahmestellen. Die erste war am 3. September. Menschen mit rechtsradikalen Ansichten beschuldigten uns, Kinder von Terroristen zu ern\u00e4hren und zerst\u00f6rten eine Annahmestelle f\u00fcr Hilfsg\u00fcter. Eine Woche sp\u00e4ter griffen sie einen zweiten Punkt an \u2013 ein Zelt ist abgebrannt. Daraufhin bekam ich Anrufe mit Drohungen und Anschuldigungen, wir w\u00fcrden die Menschen f\u00fcr die Banderowzy herausbringen \u2013 nun aber von der anderen Seite.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-H\u00f6rt man h\u00e4ufig im Bezug auf die Binnenfl\u00fcchtlinge, sie seien selbst schuld?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Gesellschaft gespalten. Recht h\u00e4ufig h\u00f6ren wir die Meinung: selbst schuld, sie haben selbst nach Russland, Putin gerufen. Aber Menschen, die so reden, waren dort nicht und haben keine Vorstellung davon, dass es diese Pseudoreferenden in sehr vielen D\u00f6rfern, sowohl in der Oblast Donezk als auch der Oblast Luhansk im Grunde genommen nicht gegeben hat. Die Menschen, die eine pro-russische Haltung hatten, sind entweder auf dem Territorium dieser Gebilde geblieben, ich meine die \u201eDVR\u201c und \u201eLVR\u201c, oder sie sind nach Russland ausgereist. Diejenigen, die wir in die Ukraine bringen sind loyale und die am wenigsten besch\u00fctzte Gruppen von B\u00fcrgern, um die der Staat verpflichtet ist, sich zu k\u00fcmmern. Heute k\u00f6nnen wir sagen, dass der Staat diese Menschen im Stich gelassen hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_9278\" style=\"width: 711px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9278\" class=\"wp-image-9278 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n.jpg\" alt=\"11885384_713110092155038_3345361708459692593_n\" width=\"701\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n.jpg 960w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n-300x168.jpg 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n-768x431.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 701px) 100vw, 701px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-9278\" class=\"wp-caption-text\">Foto von der Webseite http:\/\/proliska.org<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir sehen kinderreiche Familien, die sechs bis acht Monate ohne Leistungen ausharren. Mit ihnen setzt sich niemand in Verbindung, niemand bietet ihnen eine Unterkunft auf dem ukrainischen Territorium an. Diese Arbeit machen wir. Sprich, wir suchen wohin wir die Familie vor\u00fcbergehend einquartieren k\u00f6nnen, irgendeine Option leerstehender H\u00e4user, Sozialunterk\u00fcnfte. Wir rufen eine Spendenaktion aus. Ein Dank an die sozialen Netzwerke und gute Menschen. Danach versuchen wir die Frage nach einer dauerhaften Unterkunft zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Hauptgrund, weshalb die Menschen in den Kampfzonen bleiben liegt darin, dass sie Angst haben auf der Stra\u00dfe zu landen. Viele haben negative Erfahrungen gemacht. Sie sind schon einmal zur ersten Station des Notfallministeriums oder eines Bahnhofs gefahren, \u00fcbernachteten dort einige Tage und dann sahen sie sich gezwungen zur\u00fcckzukehren. Unsere Methode zeigt, dass 80-90 % derjenigen, deren Wohnungsfrage gekl\u00e4rt wurde in der Ukraine bleiben.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00c4rgerlich ist auch, dass sogar nach der Ausfuhr auf das ukrainische Territorium, wir diese Familien eineinhalb bis zwei Monate unterst\u00fctzen m\u00fcssen. Da der Staat sehr tr\u00e4ge ist. Sogar ab dem Augenblick, ab dem alle Dokumente vorgelegt wurden, kann es sein, dass bis der Staat alles in den Datenb\u00e4nken gepr\u00fcft hat, eine Mutter eineinhalb bis zwei Monate ohne Leistungen ausharrt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie sucht ihr die Unterk\u00fcnfte f\u00fcr diese Menschen?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Anfangs haben wir den Gro\u00dfteil der Menschen, die wir herausbrachten, in dichten Siedlungen untergebracht. Das waren die territorialen Zentren. Jetzt haben wir das Projekt \u201eHaus\u201c gestartet. Wir suchen leerstehende H\u00e4user oder Objekte, die man bereit ist kostenlos und l\u00e4ngerfristig gegen Nebenkosten zu vermieten oder das Eigentum an Menschen zu \u00fcbertragen, die vom Krieg betroffen sind. Aber solche Objekte gibt es freilich sehr wenige. Jetzt haben wir mit dem Transport einer Gro\u00dffamilie begonnen, die aus 18 Personen besteht. Zw\u00f6lf von ihnen sind Kinder und eine Person ist eine behinderte Frau mit Down-Syndrom. F\u00fcr diese Familie wollen wir in den sozialen Netzwerken eine gezielte Spendenaktion just f\u00fcr einen Hauskauf starten. Wir haben eine g\u00fcnstige Variante finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Ihr findet ein Haus und wendet euch dann an die \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Die Beh\u00f6rden sind sehr passiv. Ich habe versucht mit dem Vorsitzenden des Stadtbezirksrates zu reden, um aus den Bezirken der Oblast Charkiw jeweils ein leerstehendes Haus an Menschen als Unterk\u00fcnfte zu vermitteln. Es gibt da ein Programm von dem Hohen Fl\u00fcchtlingskommissar der Vereinten Nationen bei Fl\u00fcchtlingsfragen: sie k\u00f6nnen etwas mit Instandsetzungsarbeiten aushelfen, wenn dieses Haus einer Familie f\u00fcr eine dauerhafte Nutzung \u00fcbergeben wird. Der Vorsitzende des Stadtbezirksrates sah mich an und sagte: \u201eUnd an wen wird das Geld \u00fcberwiesen? Wenn es an mich \u00fcberwiesen wird, werden wir eine Unterkunft finden. Wenn es der Fl\u00fcchtlingsfamilie \u00fcberwiesen wird, dann haben wir keine Unterkunft, das ist eine sehr langwierige Prozedur usw.\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Jeder st\u00f6\u00dft auf B\u00fcrokratie. Deshalb wenden wir uns in unserem Projekt direkt an die Menschen. Sprich, es erscheint die Information, dass es hier in diesem Dorf ein leerstehendes Haus gibt. Wir versuchen den Eigent\u00fcmer zu finden, mit ihm zu sprechen und ihn davon zu \u00fcberzeugen, das Objekt, wenn es nicht gebraucht wird, in die Nutzung der Menschen zu \u00fcbergeben. Es gibt F\u00e4lle, in denen zum Beispiel ein Eigent\u00fcmer sein Besitz zum Verkauf anbietet und solange es nicht verkauft ist, die Leute dort kostenlos wohnen l\u00e4sst. Es kommt vor, dass Eigent\u00fcmer die Unterkunft zwar nicht \u00fcberschreiben, aber erlauben auf langfristiger Basis dort zu wohnen, damit jemand auf das Haus aufpasst. Wir haben ein positives Beispiel in der Oblast Cherson, als ein Eigent\u00fcmer zugestimmt hat, das Haus seiner verstorbenen Verwandten einer Fl\u00fcchtlingsfamilie zu \u00fcberschreiben.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Sucht ihr in der gesamten Ukraine nach H\u00e4usern?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Es gibt Menschen, die unmittelbar an die Stadt Charkiw und ihre Oblast gebunden sind, weil ihnen hier eine Arbeitsstelle versprochen wurde, oder aus irgendwelchen anderen sozio\u00f6konomischen Gr\u00fcnden. In einem solchen Fall bem\u00fchen wir uns eine M\u00f6glichkeit vor Ort zu finden. Wenn eine Person nicht gebunden ist, suchen wir in der gesamten Ukraine nach einer Unterkunft.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wann war der H\u00f6hepunkt der Massenmigration der Menschen aus der Ostukraine? Reisen sie heute immer noch aus?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Der erste Gipfel war im Mai-Juni letzten Jahres, als sie Slowjansk und Kramatorsk verlie\u00dfen. Das hat besonders Charkiw und die Oblast Charkiw zu sp\u00fcren bekommen. Der zweite Gipfel war Mitte August, Anfang September letzten Jahres, als sich die Grenzabschnitte der kontrollierten und nicht kontrollierten Gebiete verschoben und eine aktive Phase der Kampfhandlungen mit Artillerie- und Luftstreitkr\u00e4fteeins\u00e4tzen lief. Zu dem Zeitpunkt waren Slowjansk und Kramatorsk bereits ukrainisch, der Konflikt verlagerte sich jedoch. Das sind Stanyzja Luhanska, Luhansk, Lyssytschansk, die Umgebung von Lyssytschansk, Zolotoje, die Stadt Perwomajsk und der Kiewer Stadtteil von Donezk und Horliwka. Und der recht hohe, dritte Gipfel war ab Ende Dezember bis Anfang Februar im Winter diesen Jahres, als die Zuspitzung rund um Debalzewe begann.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aus Debalzewe wurden mit Hilfe unterschiedlicher freiwilliger und religi\u00f6ser Organisationen dreitausend Menschen evakuiert. Dabei tauchten die Busse des Notfallministeriums und der Regierung erst am letzten Tag der Evakuierung auf. Und drei Wochen lang wurde die Evakuierung und die Lieferung von Lebensmitteln in das Aufmarschgebiet von Debalzewe \u2013 das sind auch Fashewka, und die Stadt Wuhlehirsk, und die Siedlung Tschernuchino, und die Stadt Debalzewe, und Switlodarsk \u2013 vollst\u00e4ndig von den Freiwilligen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum jetzigen Zeitpunkt erreicht t\u00e4glich ein Minimum von 10-15 Anrufe die Hotline. Es rufen Leute aus den nicht kontrollierten Gebieten an, die ausreisen m\u00f6chten, es aber alleine nicht schaffen, da die Finanz- und Wohnm\u00f6glichkeiten fehlen. Es rufen Menschen aus den lokalen Gebieten der heutigen Zuspitzungen an. W\u00e4hrend der letzten paar Wochen ist es zu lokalen Versch\u00e4rfungen in den Bezirken von Switlodarsk, in der Ortschaft Luhanske, Marjinka, Krasnohoriwka und Awdijiwka gekommen. Ich denke, dass es aufgrund der sich dort befindlichen Elektrizit\u00e4tswerke dazu kommt. Im Rayon Marjinka befindet sich das Kurachowka Kraftwerk, in Switlodarsk das Wuhlehirsk-Kraftwerk.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Musstet ihr in einem Jahr Arbeit die Menschen unter \u201eGrad\u201c-Beschuss (BM-21 Mehrfachraketenwerfersystem) evakuieren?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Tats\u00e4chlich geht jede Reise in das Kampfgebiet damit einher, dass man jederzeit unter Beschuss geraten kann. Den ganzen Februar, M\u00e4rz, den ganzen Januar \u00fcber gab es Evakuierungen, als sich ein Kilometer hinter uns die ukrainische Artillerie und einen Kilometer vor uns die der \u201eDVR\u201c befand. Sie lieferten sich Feuergefechte \u00fcber die K\u00f6pfe der Menschen hinweg.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Es gab einen Fall, als die Evakuierung von dem Gebiet der \u201eLVR\u201c \u00fcber Stanyzja Luhanska erfolgte. Ein Fahrzeug unserer Freiwilligen-Helfer brachte die Menschen aus der Luhansker Richtung und unsere Fahrzeuge kamen aus Charkiw. Die Umverteilung fand auf neutralem Boden statt. Bei dieser Evakuierung wurden f\u00fcnf Kleinbusse eingesetzt. Wir hatten Funkger\u00e4te, eine milit\u00e4rische Begleitung auf der ukrainischen Seite, wir sprachen \u00fcber die Funkger\u00e4te miteinander und haben uns in die \u201eFunkwelle der LVR\u201c eingekeilt. Daraufhin, im selben Augenblick als die Kinder sich umsetzten, wurde der Ort, an dem wir uns befanden, von \u201eGrad-Raketen\u201c \u00fcbers\u00e4t.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In Tschernuchino waren wir die einzige Gruppe, die unter H\u00e4userkampf-Bedingungen die Menschen bis zum 7. Februar evakuierte. Zu dem Zeitpunkt wurde eine H\u00e4lfte der Ortschaft von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften, die andere von den \u201eLVR\u201c-Kosaken kontrolliert und die Stra\u00dfe dazwischen war das Grenzgebiet. Zwischen den H\u00e4usern links stand die eine Artillerie, rechts die Artillerie der anderen. Sie lieferten sich Feuergefechte und es waren halbst\u00fcndlich H\u00e4userk\u00e4mpfe und S\u00e4uberungsoperationen im Gange. Und unter solchen Bedingungen wurden die Menschen evakuiert. F\u00fcr Busse war es zu dem Zeitpunkt bereits unm\u00f6glich durchzukommen, aber wir hatten Freiwillige vor Ort und ein Fahrzeug mit \u00f6rtlichen Kennzeichen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Binnen einen Jahres gab es unter unseren Evakuierten keine verletzten oder get\u00f6teten Menschen. Ein Fahrzeug war durchl\u00f6chert von Splittern, die Reifen sind geplatzt und man musste mit den geplatzten Reifen weiterfahren und die Leute nach Switlodarsk bringen, weil es unter den Kampfbedingungen keine M\u00f6glichkeit gab sie zu wechseln.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Und gab es Verletzte unter den Freiwilligen?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">&#8211; Nein.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie schafft ihr es Menschen aus den nicht kontrollierten Gebieten herauszubringen? Jetzt gilt doch das Passierschein-System. Fahrt ihr \u00fcber Russland?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Vor einigen Tagen evakuierten wir eine Mutter mit f\u00fcnf Kindern aus dem Kampfgebiet der Ortschaft Luhanske. Einige Tage zuvor ist eine weitere Familie ausgereist. De jure wird dieses Gebiet von der Ukraine kontrolliert. Tats\u00e4chlich sind zwei Drittel des Dorfes unter ukrainischer und ein Drittel unter \u201eDVR\u201c-Kontrolle. Da es de jure ukrainisches Territorium, eine gew\u00f6hnliche Au\u00dfengrenze ist, k\u00f6nnen wir von der ukrainischen Seite hineinfahren. Das alles machen wir ohne Passierscheine.<\/p>\n<div id=\"attachment_9280\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9280\" class=\"wp-image-9280 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ.jpg\" alt=\"HqP7wesxHbQ\" width=\"699\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ.jpg 2560w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ-300x200.jpg 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ-768x512.jpg 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 699px) 100vw, 699px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-9280\" class=\"wp-caption-text\">Bild von der Webseite http:\/\/proliska.org<\/p>\n<\/div>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich laufen vor jeder Fahrt auch Gespr\u00e4che mit der lokalen Bev\u00f6lkerung, und den Aktivisten vor Ort, und dem Milit\u00e4r, und mit Organisationen, die bereit sind diese Menschen aufzunehmen und mit den Freiwilligen, die sie unterwegs mit Nahrung versorgen m\u00fcssen. Das ist eine ganze Operation, in der f\u00fcnf, sechs, sieben Freiwilligen-Gruppen involviert sind.<\/p>\n<p>Eine ganze Kette, um in das Gebiet zu fahren und so wenig Zeit wie nur m\u00f6glich dort zu verbringen. Um f\u00fcr den Schutz der Freiwilligen und des Transports zu sorgen. Um die Menschen vor\u00fcbergehend in Charkiw unterzubringen und hier mit ihnen weiter zu arbeiten oder eine Fahrkarte kaufen und sie in eine andere Oblast schicken. Sich zu vergewissern, dass sie dort aufgenommen werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Was die nicht kontrollierten Gebiete angeht, ist es hier auch unterschiedlich. Seit dem 20. Januar, nach der Einf\u00fchrung des Passierschein-Systems, sind bei uns 400 Personen aus dem nicht kontrolliertem Gebiet evakuiert worden. Ungef\u00e4hr 90 % von ihnen, evakuierten wir ohne Passierscheine nach den Verhandlungen mit dem SBU, der Gruppe der Zivil-milit\u00e4rischen Zusammenarbeit der ukrainischen Streitkr\u00e4fte und mit den Freiwilligen auf dieser und der anderen Seite.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vor einem Monat, mit der Inbetriebnahme der Webseite des SBU, haben wir versucht Passierscheine f\u00fcr sechs Familien zu beantragen. F\u00fcr vier Familien bekamen wir sie nach einem Monat, f\u00fcr zwei Familien bis Heute noch nicht. Den Antrag reichten wir ungef\u00e4hr sieben Tage lang ein, da die Webseite des SBU hing. Wenn man sich das vorstellt, dass es irgendwo auf der anderen Seite zu einer Eskalation kommt und die Menschen 30-40 Tage auf die Passierscheine warten m\u00fcssen, ist es eine schlechte Vorgehensweise. Deshalb versuchen wir die Menschen durch Verhandlungen auf einfacherem Wege zu evakuieren. Es gibt F\u00e4lle, in denen ein Kind dringend eine Operation ben\u00f6tigt oder eine bettl\u00e4grige alte Frau herausgebracht werden muss \u2013 gelegentlich evakuieren wir \u00fcber russisches Territorium. Entweder bezahlen wir die Reise und holen sie dann in Charkiw ab, oder die mit uns befreundete Freiwilligen fahren dorthin und bringen die Menschen heraus.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Was ist am schwierigsten zu beschaffen \u2013 Lebensmittel, Medikamente oder Hygieneartikel?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Es ist alles schwierig zu beschaffen, denn keine einzige internationale Organisation besch\u00e4ftigt sich mit der Finanzierung von Treibstoff f\u00fcr die Evakuierung, oder von Lebensmitteln, oder von Hygieneartikeln. Von gar nichts. All das wird von uns von dem Geld gekauft, welches die Menschen \u00fcber Facebook schicken.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Das bedeutet, dass eure humanit\u00e4re Initiative vollst\u00e4ndig auf Spenden beruht?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Diesen Monat haben wir einen Mini-Zuschuss von der \u201eInternational Renaissance Foundation\u201c f\u00fcr die Geh\u00e4lter einiger Personen f\u00fcr unser B\u00fcro in Charkiw erhalten. Das sind Leute des Projekts \u201eHaus\u201c. Sie fahren durch die D\u00f6rfer und sehen sich die H\u00e4user an, in die Binnenfl\u00fcchtlinge einquartiert werden k\u00f6nnten. Wiederum deckt es keine unmittelbar ben\u00f6tigten Kosten. Im Grunde genommen lehnt jeder beliebige Spender, wie auch der Staat, es aus irgendeinem Grund ab, uns Geld f\u00fcr den Einkauf von Hilfsg\u00fctern, die Treibstoffbeschaffung f\u00fcr die Evakuierung usw. zu geben. Seit mehr als einem Jahr existieren wir Dank der Spenden gew\u00f6hnlicher Menschen. Der Staat hat uns bis Heute keine einzige Kopeke gegeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_9279\" style=\"width: 721px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9279\" class=\"wp-image-9279 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU.jpg\" alt=\"bCBCO2KDyyU\" width=\"711\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU.jpg 2560w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU-300x200.jpg 300w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU-768x512.jpg 768w, https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU-1024x683.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-9279\" class=\"wp-caption-text\">Foto von der Webseite http:\/\/proliska.org<\/p>\n<\/div>\n<p align=\"JUSTIFY\">Obwohl als Tschernuchino evakuiert wurde und die Menschen sich an die Notfallhotline des Ministerkabinetts und des Notfallministeriums mit der Bitte sie zu evakuieren wandten, gab man ihnen dort meine private Nummer und sagte, dass f\u00fcr die Evakuierung Ewgenyi zust\u00e4ndig ist. Ich bekam drei- bis vierhundert Anrufe am Tag. Gleichzeitig hat uns der Staat auf keinerlei Weise unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir besitzen keine Dienstfahrzeuge, wir erledigen unsere Arbeit vollst\u00e4ndig mit den privaten Fahrzeugen unserer Freiwilligen. Das sind Kleinbusse und Pkw&#8217;s von den Menschen, die zu uns kamen und uns sagten, dass sie helfen m\u00f6chten. Eines dieser Fahrzeuge ist bereits 50 000 Kilometer innerhalb dieses einen Jahres gefahren. Einer unserer Evakuierungs-Busse muss dauernd repariert werden. Ebenso haben wir ungef\u00e4hr 150 Tonnen humanit\u00e4rer Hilfe, die in die Konfliktzone gebracht wurden, aus eigener Tasche und den Mitteln von den Spendern gekauft und dorthin gebracht.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>&#8211; Wie gro\u00df ist der Personalbestand eurer humanit\u00e4ren Mission?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-Wir haben keine Masse an Leuten, die st\u00e4ndig im B\u00fcro sitzt, deshalb ist die Zahl relativ. Wenn wir Charkiw betrachten, dann haben ungef\u00e4hr einhundert Menschen an unseren Projekten teilgenommen. Wir haben zehn permanente Fahrer, bei jeder Fahrt benutzen wir drei Fahrzeuge. Im B\u00fcro von Charkiw sind drei st\u00e4ndige Mitarbeiter \u2013 das ist unsere Hotline. Sie bearbeiten die Anfragen und suchen nach H\u00e4usern.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ungef\u00e4hr 70 Personen sind Freiberufler-Freiwillige. Sie k\u00f6nnen kommen und beim Sortieren der Lebensmittel in Lebensmittelp\u00e4ckchen helfen. Wenn wir ein Evakuierungsteam, Verhandlungsf\u00fchrer und Psychologen in der Konfliktzone brauchen, nehmen wir sie ebenfalls mit.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Jetzt sind noch einige humanit\u00e4re Annahmestellen im Norden der Oblast Donezk, die von der Ukraine kontrolliert wird, hinzugekommen. Das sind Slowjansk, Biloserske, Rodynske, die Stadt Switlodarsk, die Ortschaft Luhanske, die Stadt Dserschynsk, der Bezirk von Marjinka, das Dorf Galizino. Insgesamt sind es neun. In diesen Ortschaften und unter anderem auch im Kriegsgebiet, haben wir kleine Freiwilligen-Gruppen, denen wir die humanit\u00e4re Hilfe \u00fcbergeben, und sie sammeln Informationen \u00fcber die Menschen, die das Gebiet verlassen wollen. Jede Gruppe besteht aus drei bis sieben Personen. Gr\u00f6\u00dftenteils sind es entweder Freiwillige aus den Reihen der Binnenfl\u00fcchtlinge, oder, wenn es das Kriegsgebiet ist, die einheimische Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie h\u00e4ufig werden Binnenfl\u00fcchtlinge zu Freiwilligen?<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">-In den Post-Konflikt-Gebieten h\u00e4ufig. Nicht unbedingt Binnenfl\u00fcchtlinge, aber Menschen, die den Konflikt miterlebt haben. In dem selben Slowjansk versorgt man nun die Binnenfl\u00fcchtlinge, die aus anderen Gebieten kommen. Im Charkiwer B\u00fcro besteht ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Mannschaft, die das Jahr mit uns verbracht hat, aus Binnenfl\u00fcchtlingen. Es sind gr\u00f6\u00dftenteils Menschen aus der Mittelschicht. Vor geraumer Zeit haben wir versucht, uns an die Fl\u00fcchtlinge mit den teuren ausl\u00e4ndischen Autos zu wenden, aber sie sehen die Probleme der Menschen, die geblieben sind, nicht. Es gab F\u00e4lle, als sie es abgelehnt haben zu helfen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/12049-myssyya-nevypolnyma-volontery-pereselentsam\">InformNapalm<\/a> unter Hinweis auf <a href=\"http:\/\/www.facenews.ua\/articles\/2015\/288806\/\">Face News<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey?fref=ts\">Kateryna Matey<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die InformNapalm-Community ist auf die Faktensuche der russischen Aggression in der Ukraine spezialisiert. 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Dieser Krieg hat jedoch auch eine andere Seite \u2013 die sozialen Schwierigkeiten der Binnenfl\u00fcchtlinge aus den besetzen Gebieten der Ukraine. Die L\u00f6sung dieser Probleme lastet h\u00e4ufig auf den Schultern von Freiwilligen, w\u00e4hrend die tr\u00e4ge Staatsmaschinerie immer neue und neue Hindernisse schafft. Viele Aktivisten unserer Informationsgruppe sind ebenfalls Geiseln dieser kritischen Situation geworden, in der sich der Staat von den Problemen der Binnenfl\u00fcchtlingen distanziert. Die gesamte Last an mit Binnenfl\u00fcchtlingen verbundenen Probleme muss man entweder alleine, oder mit der Hilfe von nicht gleichg\u00fcltigen Menschen l\u00f6sen.<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>Die Ukraine kann man ohne jegliche \u00dcbertreibung als einen \u201eStaat der Freiwilligen\u201c bezeichnen, ohne deren selbstloses und aktives Handeln unser Land schon l\u00e4ngst zur leichten Beute f\u00fcr den Aggressor geworden w\u00e4re. Aber um das Problem effektiv l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, muss es detailliert untersucht und die Aufmerksamkeit nicht nur von den ukrainischen, sondern auch den internationalen Organisationen darauf gelenkt werden. In diesem Zusammenhang publizieren wir das Interview mit dem Freiwilligen und dem Koordinator der humanit\u00e4ren Organisation <a href=\"http:\/\/proliska.org\/\">\u201eProliska\u201c<\/a> Ewgenyi Kaplin, welches er dem Verlag <a href=\"http:\/\/www.facenews.ua\/articles\/2015\/288806\/\">\u201eFace News\u201c<\/a> gab.<\/em><\/p>\r\n<strong>Freiwilliger: Binnenfl\u00fcchtlinge aus dem Donbass m\u00fcssen \u00fcber russisches Territorium in die Ukraine evakuiert werden<\/strong>\r\n\r\nBinnenfl\u00fcchtlinge aus dem Donbass m\u00fcssen gelegentlich \u00fcber Russland auf ukrainisches Territorium gebracht werden. Der Koordinator der humanit\u00e4ren Organisation \u201eProliska\u201c, Ewgenyi Kaplin erz\u00e4hlt von den Ausstellungsschwierigkeiten der Passierscheine auf der Webseite des SBU (ukrainischer Sicherheitsdienst) und erkl\u00e4rt, dass Freiwillige mittels Verhandlungen versuchen, die Menschen auf einfacherem Wege zu evakuieren. Er h\u00e4lt fest, dass die Organisation bereits seit mehr als einem Jahr von den Spenden einfacher B\u00fcrger existiere: alles wird von dem Geld eingekauft, das sie uns \u00fcber Facebook schicken. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sich die Freiwilligen sogar nach Unterk\u00fcnften f\u00fcr die Binnenfl\u00fcchtlinge umsehen. Er bezeichnet die Beh\u00f6rden als passiv und unterstreicht, dass man auf B\u00fcrokratie sto\u00dfe. Im Gespr\u00e4ch mit FaceNews erinnert sich Ewgenyi Kaplin an drei Fl\u00fcchtlingswellen aus dem Donbass, die unter Beschuss geraten sind und f\u00fcgt hinzu, dass es bis heute Interessierte an einer Ausreise g\u00e4be \u2013 es rufen Menschen aus den lokalen Gebieten der heutigen Zuspitzung an.\r\n\r\n[caption id=\"attachment_9281\" align=\"aligncenter\" width=\"600\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn.jpg\"><img class=\"wp-image-9281 size-full\" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/kaplyn.jpg\" alt=\"kaplyn\" width=\"600\" height=\"355\" \/><\/a> Ewgenyi Kaplin[\/caption]\r\n\r\n<em>-Sie helfen Binnenfl\u00fcchtlingen bereits seit einem Jahr. Hat sich das Engagement der helfenden Menschen auf irgendeine Weise ver\u00e4ndert?<\/em>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Jetzt gibt es weniger Hilfe als letztes Jahr. Das Volk ist ersch\u00f6pft. Der gro\u00dfe Verlust ist auch noch mit den Ver\u00e4nderungen der Rechtsgrundlage und der Einf\u00fchrung neuer Regeln f\u00fcr die G\u00fcterbewegung entlang der Demarkationslinie und ihrer \u00dcberquerung verbunden. Letztes Jahr konnten wir die Hilfsg\u00fcter direkt auf den Stra\u00dfen in Zelten sammeln. Nach der Einf\u00fchrung dieser neuen Verfahren wird ein riesiges Paket an Dokumenten ben\u00f6tigt, um die Ladung an den entferntesten Punkt zu bringen, der von der Ukraine kontrolliert wird \u2013 Unterlagen, die das Eigentum der Ware best\u00e4tigen, Quittungen, Begleitpapiere usw. Sprich, wir wurden der M\u00f6glichkeit, Hilfsg\u00fcter bei den Menschen direkt zu sammeln, beraubt. Jetzt muss alles, was eingef\u00fchrt wird eingekauft werden, um die Eigentumsrechte nachweisen zu k\u00f6nnen. Das ist das eine.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Und zweitens gibt es recht aggressiv eingestellte Personen, sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Im September letzten Jahres kam es zu zwei Provokationen an unseren Annahmestellen. Die erste war am 3. September. Menschen mit rechtsradikalen Ansichten beschuldigten uns, Kinder von Terroristen zu ern\u00e4hren und zerst\u00f6rten eine Annahmestelle f\u00fcr Hilfsg\u00fcter. Eine Woche sp\u00e4ter griffen sie einen zweiten Punkt an \u2013 ein Zelt ist abgebrannt. Daraufhin bekam ich Anrufe mit Drohungen und Anschuldigungen, wir w\u00fcrden die Menschen f\u00fcr die Banderowzy herausbringen \u2013 nun aber von der anderen Seite.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-H\u00f6rt man h\u00e4ufig im Bezug auf die Binnenfl\u00fcchtlinge, sie seien selbst schuld?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Gesellschaft gespalten. Recht h\u00e4ufig h\u00f6ren wir die Meinung: selbst schuld, sie haben selbst nach Russland, Putin gerufen. Aber Menschen, die so reden, waren dort nicht und haben keine Vorstellung davon, dass es diese Pseudoreferenden in sehr vielen D\u00f6rfern, sowohl in der Oblast Donezk als auch der Oblast Luhansk im Grunde genommen nicht gegeben hat. Die Menschen, die eine pro-russische Haltung hatten, sind entweder auf dem Territorium dieser Gebilde geblieben, ich meine die \u201eDVR\u201c und \u201eLVR\u201c, oder sie sind nach Russland ausgereist. Diejenigen, die wir in die Ukraine bringen sind loyale und die am wenigsten besch\u00fctzte Gruppen von B\u00fcrgern, um die der Staat verpflichtet ist, sich zu k\u00fcmmern. Heute k\u00f6nnen wir sagen, dass der Staat diese Menschen im Stich gelassen hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_9278\" align=\"aligncenter\" width=\"701\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n.jpg\"><img class=\"wp-image-9278 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/11885384_713110092155038_3345361708459692593_n.jpg\" alt=\"11885384_713110092155038_3345361708459692593_n\" width=\"701\" height=\"394\" \/><\/a> Foto von der Webseite http:\/\/proliska.org[\/caption]\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir sehen kinderreiche Familien, die sechs bis acht Monate ohne Leistungen ausharren. Mit ihnen setzt sich niemand in Verbindung, niemand bietet ihnen eine Unterkunft auf dem ukrainischen Territorium an. Diese Arbeit machen wir. Sprich, wir suchen wohin wir die Familie vor\u00fcbergehend einquartieren k\u00f6nnen, irgendeine Option leerstehender H\u00e4user, Sozialunterk\u00fcnfte. Wir rufen eine Spendenaktion aus. Ein Dank an die sozialen Netzwerke und gute Menschen. Danach versuchen wir die Frage nach einer dauerhaften Unterkunft zu l\u00f6sen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Hauptgrund, weshalb die Menschen in den Kampfzonen bleiben liegt darin, dass sie Angst haben auf der Stra\u00dfe zu landen. Viele haben negative Erfahrungen gemacht. Sie sind schon einmal zur ersten Station des Notfallministeriums oder eines Bahnhofs gefahren, \u00fcbernachteten dort einige Tage und dann sahen sie sich gezwungen zur\u00fcckzukehren. Unsere Methode zeigt, dass 80-90 % derjenigen, deren Wohnungsfrage gekl\u00e4rt wurde in der Ukraine bleiben.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">\u00c4rgerlich ist auch, dass sogar nach der Ausfuhr auf das ukrainische Territorium, wir diese Familien eineinhalb bis zwei Monate unterst\u00fctzen m\u00fcssen. Da der Staat sehr tr\u00e4ge ist. Sogar ab dem Augenblick, ab dem alle Dokumente vorgelegt wurden, kann es sein, dass bis der Staat alles in den Datenb\u00e4nken gepr\u00fcft hat, eine Mutter eineinhalb bis zwei Monate ohne Leistungen ausharrt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie sucht ihr die Unterk\u00fcnfte f\u00fcr diese Menschen?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Anfangs haben wir den Gro\u00dfteil der Menschen, die wir herausbrachten, in dichten Siedlungen untergebracht. Das waren die territorialen Zentren. Jetzt haben wir das Projekt \u201eHaus\u201c gestartet. Wir suchen leerstehende H\u00e4user oder Objekte, die man bereit ist kostenlos und l\u00e4ngerfristig gegen Nebenkosten zu vermieten oder das Eigentum an Menschen zu \u00fcbertragen, die vom Krieg betroffen sind. Aber solche Objekte gibt es freilich sehr wenige. Jetzt haben wir mit dem Transport einer Gro\u00dffamilie begonnen, die aus 18 Personen besteht. Zw\u00f6lf von ihnen sind Kinder und eine Person ist eine behinderte Frau mit Down-Syndrom. F\u00fcr diese Familie wollen wir in den sozialen Netzwerken eine gezielte Spendenaktion just f\u00fcr einen Hauskauf starten. Wir haben eine g\u00fcnstige Variante finden k\u00f6nnen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Ihr findet ein Haus und wendet euch dann an die \u00f6rtlichen Beh\u00f6rden?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Die Beh\u00f6rden sind sehr passiv. Ich habe versucht mit dem Vorsitzenden des Stadtbezirksrates zu reden, um aus den Bezirken der Oblast Charkiw jeweils ein leerstehendes Haus an Menschen als Unterk\u00fcnfte zu vermitteln. Es gibt da ein Programm von dem Hohen Fl\u00fcchtlingskommissar der Vereinten Nationen bei Fl\u00fcchtlingsfragen: sie k\u00f6nnen etwas mit Instandsetzungsarbeiten aushelfen, wenn dieses Haus einer Familie f\u00fcr eine dauerhafte Nutzung \u00fcbergeben wird. Der Vorsitzende des Stadtbezirksrates sah mich an und sagte: \u201eUnd an wen wird das Geld \u00fcberwiesen? Wenn es an mich \u00fcberwiesen wird, werden wir eine Unterkunft finden. Wenn es der Fl\u00fcchtlingsfamilie \u00fcberwiesen wird, dann haben wir keine Unterkunft, das ist eine sehr langwierige Prozedur usw.\u201c.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Jeder st\u00f6\u00dft auf B\u00fcrokratie. Deshalb wenden wir uns in unserem Projekt direkt an die Menschen. Sprich, es erscheint die Information, dass es hier in diesem Dorf ein leerstehendes Haus gibt. Wir versuchen den Eigent\u00fcmer zu finden, mit ihm zu sprechen und ihn davon zu \u00fcberzeugen, das Objekt, wenn es nicht gebraucht wird, in die Nutzung der Menschen zu \u00fcbergeben. Es gibt F\u00e4lle, in denen zum Beispiel ein Eigent\u00fcmer sein Besitz zum Verkauf anbietet und solange es nicht verkauft ist, die Leute dort kostenlos wohnen l\u00e4sst. Es kommt vor, dass Eigent\u00fcmer die Unterkunft zwar nicht \u00fcberschreiben, aber erlauben auf langfristiger Basis dort zu wohnen, damit jemand auf das Haus aufpasst. Wir haben ein positives Beispiel in der Oblast Cherson, als ein Eigent\u00fcmer zugestimmt hat, das Haus seiner verstorbenen Verwandten einer Fl\u00fcchtlingsfamilie zu \u00fcberschreiben.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Sucht ihr in der gesamten Ukraine nach H\u00e4usern?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Es gibt Menschen, die unmittelbar an die Stadt Charkiw und ihre Oblast gebunden sind, weil ihnen hier eine Arbeitsstelle versprochen wurde, oder aus irgendwelchen anderen sozio\u00f6konomischen Gr\u00fcnden. In einem solchen Fall bem\u00fchen wir uns eine M\u00f6glichkeit vor Ort zu finden. Wenn eine Person nicht gebunden ist, suchen wir in der gesamten Ukraine nach einer Unterkunft.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wann war der H\u00f6hepunkt der Massenmigration der Menschen aus der Ostukraine? Reisen sie heute immer noch aus?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Der erste Gipfel war im Mai-Juni letzten Jahres, als sie Slowjansk und Kramatorsk verlie\u00dfen. Das hat besonders Charkiw und die Oblast Charkiw zu sp\u00fcren bekommen. Der zweite Gipfel war Mitte August, Anfang September letzten Jahres, als sich die Grenzabschnitte der kontrollierten und nicht kontrollierten Gebiete verschoben und eine aktive Phase der Kampfhandlungen mit Artillerie- und Luftstreitkr\u00e4fteeins\u00e4tzen lief. Zu dem Zeitpunkt waren Slowjansk und Kramatorsk bereits ukrainisch, der Konflikt verlagerte sich jedoch. Das sind Stanyzja Luhanska, Luhansk, Lyssytschansk, die Umgebung von Lyssytschansk, Zolotoje, die Stadt Perwomajsk und der Kiewer Stadtteil von Donezk und Horliwka. Und der recht hohe, dritte Gipfel war ab Ende Dezember bis Anfang Februar im Winter diesen Jahres, als die Zuspitzung rund um Debalzewe begann.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Aus Debalzewe wurden mit Hilfe unterschiedlicher freiwilliger und religi\u00f6ser Organisationen dreitausend Menschen evakuiert. Dabei tauchten die Busse des Notfallministeriums und der Regierung erst am letzten Tag der Evakuierung auf. Und drei Wochen lang wurde die Evakuierung und die Lieferung von Lebensmitteln in das Aufmarschgebiet von Debalzewe \u2013 das sind auch Fashewka, und die Stadt Wuhlehirsk, und die Siedlung Tschernuchino, und die Stadt Debalzewe, und Switlodarsk \u2013 vollst\u00e4ndig von den Freiwilligen durchgef\u00fchrt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Zum jetzigen Zeitpunkt erreicht t\u00e4glich ein Minimum von 10-15 Anrufe die Hotline. Es rufen Leute aus den nicht kontrollierten Gebieten an, die ausreisen m\u00f6chten, es aber alleine nicht schaffen, da die Finanz- und Wohnm\u00f6glichkeiten fehlen. Es rufen Menschen aus den lokalen Gebieten der heutigen Zuspitzungen an. W\u00e4hrend der letzten paar Wochen ist es zu lokalen Versch\u00e4rfungen in den Bezirken von Switlodarsk, in der Ortschaft Luhanske, Marjinka, Krasnohoriwka und Awdijiwka gekommen. Ich denke, dass es aufgrund der sich dort befindlichen Elektrizit\u00e4tswerke dazu kommt. Im Rayon Marjinka befindet sich das Kurachowka Kraftwerk, in Switlodarsk das Wuhlehirsk-Kraftwerk.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Musstet ihr in einem Jahr Arbeit die Menschen unter \u201eGrad\u201c-Beschuss (BM-21 Mehrfachraketenwerfersystem) evakuieren?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Tats\u00e4chlich geht jede Reise in das Kampfgebiet damit einher, dass man jederzeit unter Beschuss geraten kann. Den ganzen Februar, M\u00e4rz, den ganzen Januar \u00fcber gab es Evakuierungen, als sich ein Kilometer hinter uns die ukrainische Artillerie und einen Kilometer vor uns die der \u201eDVR\u201c befand. Sie lieferten sich Feuergefechte \u00fcber die K\u00f6pfe der Menschen hinweg.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Es gab einen Fall, als die Evakuierung von dem Gebiet der \u201eLVR\u201c \u00fcber Stanyzja Luhanska erfolgte. Ein Fahrzeug unserer Freiwilligen-Helfer brachte die Menschen aus der Luhansker Richtung und unsere Fahrzeuge kamen aus Charkiw. Die Umverteilung fand auf neutralem Boden statt. Bei dieser Evakuierung wurden f\u00fcnf Kleinbusse eingesetzt. Wir hatten Funkger\u00e4te, eine milit\u00e4rische Begleitung auf der ukrainischen Seite, wir sprachen \u00fcber die Funkger\u00e4te miteinander und haben uns in die \u201eFunkwelle der LVR\u201c eingekeilt. Daraufhin, im selben Augenblick als die Kinder sich umsetzten, wurde der Ort, an dem wir uns befanden, von \u201eGrad-Raketen\u201c \u00fcbers\u00e4t.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">In Tschernuchino waren wir die einzige Gruppe, die unter H\u00e4userkampf-Bedingungen die Menschen bis zum 7. Februar evakuierte. Zu dem Zeitpunkt wurde eine H\u00e4lfte der Ortschaft von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften, die andere von den \u201eLVR\u201c-Kosaken kontrolliert und die Stra\u00dfe dazwischen war das Grenzgebiet. Zwischen den H\u00e4usern links stand die eine Artillerie, rechts die Artillerie der anderen. Sie lieferten sich Feuergefechte und es waren halbst\u00fcndlich H\u00e4userk\u00e4mpfe und S\u00e4uberungsoperationen im Gange. Und unter solchen Bedingungen wurden die Menschen evakuiert. F\u00fcr Busse war es zu dem Zeitpunkt bereits unm\u00f6glich durchzukommen, aber wir hatten Freiwillige vor Ort und ein Fahrzeug mit \u00f6rtlichen Kennzeichen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Binnen einen Jahres gab es unter unseren Evakuierten keine verletzten oder get\u00f6teten Menschen. Ein Fahrzeug war durchl\u00f6chert von Splittern, die Reifen sind geplatzt und man musste mit den geplatzten Reifen weiterfahren und die Leute nach Switlodarsk bringen, weil es unter den Kampfbedingungen keine M\u00f6glichkeit gab sie zu wechseln.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Und gab es Verletzte unter den Freiwilligen?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">- Nein.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie schafft ihr es Menschen aus den nicht kontrollierten Gebieten herauszubringen? Jetzt gilt doch das Passierschein-System. Fahrt ihr \u00fcber Russland?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Vor einigen Tagen evakuierten wir eine Mutter mit f\u00fcnf Kindern aus dem Kampfgebiet der Ortschaft Luhanske. Einige Tage zuvor ist eine weitere Familie ausgereist. De jure wird dieses Gebiet von der Ukraine kontrolliert. Tats\u00e4chlich sind zwei Drittel des Dorfes unter ukrainischer und ein Drittel unter \u201eDVR\u201c-Kontrolle. Da es de jure ukrainisches Territorium, eine gew\u00f6hnliche Au\u00dfengrenze ist, k\u00f6nnen wir von der ukrainischen Seite hineinfahren. Das alles machen wir ohne Passierscheine.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_9280\" align=\"aligncenter\" width=\"699\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ.jpg\"><img class=\"wp-image-9280 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/HqP7wesxHbQ.jpg\" alt=\"HqP7wesxHbQ\" width=\"699\" height=\"466\" \/><\/a> Bild von der Webseite http:\/\/proliska.org[\/caption]\r\n\r\nSelbstverst\u00e4ndlich laufen vor jeder Fahrt auch Gespr\u00e4che mit der lokalen Bev\u00f6lkerung, und den Aktivisten vor Ort, und dem Milit\u00e4r, und mit Organisationen, die bereit sind diese Menschen aufzunehmen und mit den Freiwilligen, die sie unterwegs mit Nahrung versorgen m\u00fcssen. Das ist eine ganze Operation, in der f\u00fcnf, sechs, sieben Freiwilligen-Gruppen involviert sind.\r\n\r\nEine ganze Kette, um in das Gebiet zu fahren und so wenig Zeit wie nur m\u00f6glich dort zu verbringen. Um f\u00fcr den Schutz der Freiwilligen und des Transports zu sorgen. Um die Menschen vor\u00fcbergehend in Charkiw unterzubringen und hier mit ihnen weiter zu arbeiten oder eine Fahrkarte kaufen und sie in eine andere Oblast schicken. Sich zu vergewissern, dass sie dort aufgenommen werden.\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Was die nicht kontrollierten Gebiete angeht, ist es hier auch unterschiedlich. Seit dem 20. Januar, nach der Einf\u00fchrung des Passierschein-Systems, sind bei uns 400 Personen aus dem nicht kontrolliertem Gebiet evakuiert worden. Ungef\u00e4hr 90 % von ihnen, evakuierten wir ohne Passierscheine nach den Verhandlungen mit dem SBU, der Gruppe der Zivil-milit\u00e4rischen Zusammenarbeit der ukrainischen Streitkr\u00e4fte und mit den Freiwilligen auf dieser und der anderen Seite.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Vor einem Monat, mit der Inbetriebnahme der Webseite des SBU, haben wir versucht Passierscheine f\u00fcr sechs Familien zu beantragen. F\u00fcr vier Familien bekamen wir sie nach einem Monat, f\u00fcr zwei Familien bis Heute noch nicht. Den Antrag reichten wir ungef\u00e4hr sieben Tage lang ein, da die Webseite des SBU hing. Wenn man sich das vorstellt, dass es irgendwo auf der anderen Seite zu einer Eskalation kommt und die Menschen 30-40 Tage auf die Passierscheine warten m\u00fcssen, ist es eine schlechte Vorgehensweise. Deshalb versuchen wir die Menschen durch Verhandlungen auf einfacherem Wege zu evakuieren. Es gibt F\u00e4lle, in denen ein Kind dringend eine Operation ben\u00f6tigt oder eine bettl\u00e4grige alte Frau herausgebracht werden muss \u2013 gelegentlich evakuieren wir \u00fcber russisches Territorium. Entweder bezahlen wir die Reise und holen sie dann in Charkiw ab, oder die mit uns befreundete Freiwilligen fahren dorthin und bringen die Menschen heraus.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Was ist am schwierigsten zu beschaffen \u2013 Lebensmittel, Medikamente oder Hygieneartikel?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Es ist alles schwierig zu beschaffen, denn keine einzige internationale Organisation besch\u00e4ftigt sich mit der Finanzierung von Treibstoff f\u00fcr die Evakuierung, oder von Lebensmitteln, oder von Hygieneartikeln. Von gar nichts. All das wird von uns von dem Geld gekauft, welches die Menschen \u00fcber Facebook schicken.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Das bedeutet, dass eure humanit\u00e4re Initiative vollst\u00e4ndig auf Spenden beruht?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Diesen Monat haben wir einen Mini-Zuschuss von der \u201eInternational Renaissance Foundation\u201c f\u00fcr die Geh\u00e4lter einiger Personen f\u00fcr unser B\u00fcro in Charkiw erhalten. Das sind Leute des Projekts \u201eHaus\u201c. Sie fahren durch die D\u00f6rfer und sehen sich die H\u00e4user an, in die Binnenfl\u00fcchtlinge einquartiert werden k\u00f6nnten. Wiederum deckt es keine unmittelbar ben\u00f6tigten Kosten. Im Grunde genommen lehnt jeder beliebige Spender, wie auch der Staat, es aus irgendeinem Grund ab, uns Geld f\u00fcr den Einkauf von Hilfsg\u00fctern, die Treibstoffbeschaffung f\u00fcr die Evakuierung usw. zu geben. Seit mehr als einem Jahr existieren wir Dank der Spenden gew\u00f6hnlicher Menschen. Der Staat hat uns bis Heute keine einzige Kopeke gegeben.<\/p>\r\n\r\n\r\n[caption id=\"attachment_9279\" align=\"aligncenter\" width=\"711\"]<a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU.jpg\"><img class=\"wp-image-9279 \" src=\"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2015\/09\/bCBCO2KDyyU.jpg\" alt=\"bCBCO2KDyyU\" width=\"711\" height=\"474\" \/><\/a> Foto von der Webseite http:\/\/proliska.org[\/caption]\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Obwohl als Tschernuchino evakuiert wurde und die Menschen sich an die Notfallhotline des Ministerkabinetts und des Notfallministeriums mit der Bitte sie zu evakuieren wandten, gab man ihnen dort meine private Nummer und sagte, dass f\u00fcr die Evakuierung Ewgenyi zust\u00e4ndig ist. Ich bekam drei- bis vierhundert Anrufe am Tag. Gleichzeitig hat uns der Staat auf keinerlei Weise unterst\u00fctzt.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir besitzen keine Dienstfahrzeuge, wir erledigen unsere Arbeit vollst\u00e4ndig mit den privaten Fahrzeugen unserer Freiwilligen. Das sind Kleinbusse und Pkw's von den Menschen, die zu uns kamen und uns sagten, dass sie helfen m\u00f6chten. Eines dieser Fahrzeuge ist bereits 50 000 Kilometer innerhalb dieses einen Jahres gefahren. Einer unserer Evakuierungs-Busse muss dauernd repariert werden. Ebenso haben wir ungef\u00e4hr 150 Tonnen humanit\u00e4rer Hilfe, die in die Konfliktzone gebracht wurden, aus eigener Tasche und den Mitteln von den Spendern gekauft und dorthin gebracht.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>- Wie gro\u00df ist der Personalbestand eurer humanit\u00e4ren Mission?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-Wir haben keine Masse an Leuten, die st\u00e4ndig im B\u00fcro sitzt, deshalb ist die Zahl relativ. Wenn wir Charkiw betrachten, dann haben ungef\u00e4hr einhundert Menschen an unseren Projekten teilgenommen. Wir haben zehn permanente Fahrer, bei jeder Fahrt benutzen wir drei Fahrzeuge. Im B\u00fcro von Charkiw sind drei st\u00e4ndige Mitarbeiter \u2013 das ist unsere Hotline. Sie bearbeiten die Anfragen und suchen nach H\u00e4usern.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Ungef\u00e4hr 70 Personen sind Freiberufler-Freiwillige. Sie k\u00f6nnen kommen und beim Sortieren der Lebensmittel in Lebensmittelp\u00e4ckchen helfen. Wenn wir ein Evakuierungsteam, Verhandlungsf\u00fchrer und Psychologen in der Konfliktzone brauchen, nehmen wir sie ebenfalls mit.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">Jetzt sind noch einige humanit\u00e4re Annahmestellen im Norden der Oblast Donezk, die von der Ukraine kontrolliert wird, hinzugekommen. Das sind Slowjansk, Biloserske, Rodynske, die Stadt Switlodarsk, die Ortschaft Luhanske, die Stadt Dserschynsk, der Bezirk von Marjinka, das Dorf Galizino. Insgesamt sind es neun. In diesen Ortschaften und unter anderem auch im Kriegsgebiet, haben wir kleine Freiwilligen-Gruppen, denen wir die humanit\u00e4re Hilfe \u00fcbergeben, und sie sammeln Informationen \u00fcber die Menschen, die das Gebiet verlassen wollen. Jede Gruppe besteht aus drei bis sieben Personen. Gr\u00f6\u00dftenteils sind es entweder Freiwillige aus den Reihen der Binnenfl\u00fcchtlinge, oder, wenn es das Kriegsgebiet ist, die einheimische Bev\u00f6lkerung.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>-Wie h\u00e4ufig werden Binnenfl\u00fcchtlinge zu Freiwilligen?<\/em><\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\">-In den Post-Konflikt-Gebieten h\u00e4ufig. Nicht unbedingt Binnenfl\u00fcchtlinge, aber Menschen, die den Konflikt miterlebt haben. In dem selben Slowjansk versorgt man nun die Binnenfl\u00fcchtlinge, die aus anderen Gebieten kommen. Im Charkiwer B\u00fcro besteht ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte der Mannschaft, die das Jahr mit uns verbracht hat, aus Binnenfl\u00fcchtlingen. Es sind gr\u00f6\u00dftenteils Menschen aus der Mittelschicht. Vor geraumer Zeit haben wir versucht, uns an die Fl\u00fcchtlinge mit den teuren ausl\u00e4ndischen Autos zu wenden, aber sie sehen die Probleme der Menschen, die geblieben sind, nicht. Es gab F\u00e4lle, als sie es abgelehnt haben zu helfen.<\/p>\r\n<p align=\"JUSTIFY\"><em><a href=\"https:\/\/informnapalm.org\/12049-myssyya-nevypolnyma-volontery-pereselentsam\">InformNapalm<\/a> unter Hinweis auf <a href=\"http:\/\/www.facenews.ua\/articles\/2015\/288806\/\">Face News<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/kateryna.matey?fref=ts\">Kateryna Matey<\/a>.<\/em><\/p>","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9276","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9276"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9284,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9276\/revisions\/9284"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}