{"id":9818,"date":"2015-09-18T11:36:43","date_gmt":"2015-09-18T11:36:43","guid":{"rendered":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/?p=9818"},"modified":"2015-09-21T23:27:40","modified_gmt":"2015-09-21T23:27:40","slug":"mark-galeotti-die-gerassimow-doktrin-und-russlands-nicht-linearer-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/mark-galeotti-die-gerassimow-doktrin-und-russlands-nicht-linearer-krieg\/","title":{"rendered":"Mark Galeotti: Die \u201eGerassimow-Doktrin\u201c und Russlands nicht-linearer Krieg"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><em><strong><a href=\"https:\/\/inmoscowsshadows.wordpress.com\/2014\/07\/06\/the-gerasimov-doctrine-and-russian-non-linear-war\/\">Der Autor<\/a>, Dr. Mark Galeotti erforscht russischen Geschichte und Sicherheitsfragen seit den sp\u00e4ten 1980er Jahren. Seine Ausbildung absolvierte er an der Universit\u00e4t Cambridge und der LSE. Heute ist er Professor f\u00fcr Global Affairs am \u201eCenter for Global Affairs\u201c der \u201eSchool of Professional Studies\u201c an der New York University und ein assoziiertes Mitglied der NYU f\u00fcr Geschichte, Russisch und Slawistik. Bis 2008 war er Leiter der \u201eHistory in the UK\u201c sowie Leiter der Abteilung f\u00fcr die Erforschung der \u201eOrganisierten Kriminalit\u00e4t in Russland und Eurasien\u201c an der Keele Universit\u00e4t.<\/strong><\/em><\/p>\n<p class=\"western\">Wie auch immer Sie es nennen, ob <a href=\"http:\/\/www.foreignpolicy.com\/articles\/2014\/05\/05\/how_putin_is_reinventing_warfare\">\u201enicht-linearer Krieg\u201c<\/a> (was ich bevorzuge), <a href=\"http:\/\/20committee.com\/2013\/09\/20\/the-coming-age-of-special-war\/\">\u201ehybrider Krieg\u201c<\/a> oder <a href=\"http:\/\/20committee.com\/2013\/09\/20\/the-coming-age-of-special-war\/\">\u201espezieller Krieg\u201c<\/a>, die russischen Operationen, zun\u00e4chst auf der Krim und im Osten der Ukraine, haben gezeigt, dass Moskau sich in Zukunft verst\u00e4rkt auf neue Formen der Politik konzentriert. In vielerlei Hinsicht ist dies eine Erweiterung dessen, was ich an anderer Stelle als Russlands <a href=\"http:\/\/www.bne.eu\/content\/comment-putin-ukraine-and-asymmetric-politics\">&#8222;Guerilla- Geopolitik&#8220;<\/a> bezeichnet habe. Sie geht von der Anerkennung der Tatsache aus, dass neue Taktiken ben\u00f6tigt werden, die sich auf die Schw\u00e4chen des Gegners konzentrieren und direkte und offene Konfrontationen vermeiden. Um in einer Welt bestehen zu k\u00f6nnen, deren internationale Ordnung vom Kreml zunehmend als l\u00e4stig empfunden wird und in Anbetracht der M\u00e4chte und Allianzen mit <a href=\"http:\/\/www.themoscowtimes.com\/opinion\/article\/russia-is-punching-above-its-weight\/502810.html\">gr\u00f6\u00dferer rein milit\u00e4rischer, politischer und wirtschaftlicher St\u00e4rke<\/a>. Um ehrlich zu sein, sind dies Taktiken, gegen welche die NATO \u2013 noch immer in letzter Konsequenz eine Allianz zur Bek\u00e4mpfung und Abschreckung einer mit massenhaftem Panzereinsatz gef\u00fchrten sowjetischen Invasion \u2013 <a href=\"https:\/\/inmoscowsshadows.wordpress.com\/2014\/04\/26\/nato-and-the-new-war-dealing-with-asymmetric-threats-before-they-become-kinetic\/\">weder Wissen noch Erfahrung hat, damit umzugehen<\/a>. (In der Tat k\u00f6nnte man den Standpunkt vertreten, dass das gar nicht Aufgabe der NATO ist, was allerdings auf einem anderen Blatt steht.)<\/p>\n<p class=\"western\">Wie so oft weist uns die sp\u00e4te Einsicht eines raffiniert-scharfz\u00fcngigen Besserwissers dringend darauf hin, dass wir das h\u00e4tten erwarten k\u00f6nnen wegen eines zu seiner Zeit unbemerkten Artikels des russischen Chefs des Generalstabs Valery Gerassimow <em>(Anm.d.Red. Hier der Link zu diesem Artikel, aber wir lassen ihn inaktiv: http:\/\/vpk-news.ru\/sites\/default\/files\/pdf\/VPK_08_476.pdf)<\/em>. Der Fairness halber sei angemerkt, dass er in der Zeitschrift &#8222;Wojenno-promyshlenny kurier&#8220;, also dem Kriegsindustrie-Kurier erschien, den zu lesen nur wenige Menschen in der Welt das Vergn\u00fcgen haben. Nichtsdestotrotz, stellt er die beste und am h\u00f6chsten autorisierte Aussage dessen dar, was wir, zumindest als Arbeitsbegriff, die &#8222;Gerassimow Doktrin&#8220; nennen (was nicht hei\u00dfen soll, dass es notwendigerweise seine Erfindung war). Ich und jeder andere an diesen Entwicklungen Interessierte verdanken es <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/expert\/85.html\">Rob Coalson<\/a> von RFE\/RL, der diesen Artikel bemerkte und in Umlauf gebracht hat. Die folgende \u00dcbersetzung stammt von ihm (Dank an Rob f\u00fcr seine Erlaubnis, es zu benutzen) versehen mit meinen verschiedenen Kommentaren und Interpretationen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Military-Industrial Kurier, 27. Februar 2013<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"color: #800000;font-family: Arial, serif;font-size: small\">(Die Kommentare des Autors sind einger\u00fcckt. Die Hervorhebung durch Fettschrift im Gerassimov-Text stammt\u00a0<span style=\"line-height: 19px\">ebenfalls<\/span>\u00a0vom Autor)<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: Arial, serif\"><span style=\"font-size: x-large\"><b>Die Bedeutung der Wissenschaft f\u00fcr die Vorhersage<\/b><\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p>General Valery Gerasimov, Chef des Generalstabs der Russischen F\u00f6deration<\/p>\n<blockquote><p><em><b>Im 21. Jahrhundert gibt es eine Tendenz dahingehend, dass die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischen. Kriege werden nicht mehr erkl\u00e4rt und nachdem sie begonnen wurden entwickeln sie sich nach nicht vertrauten Schemata weiter<\/b>. Die Erfahrungen mit milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen &#8211; auch mit den sogenannten farbigen Revolutionen in Nordafrika und dem Nahen Osten &#8211; best\u00e4tigen, dass <b>ein perfekt bl\u00fchender Staat, in wenigen Monaten und sogar Tagen in eine Arena heftiger bewaffneter Konflikte verwandelt, ein Opfer ausl\u00e4ndischer Intervention werden und versinken kann in einem Netz von Chaos, humanit\u00e4rer Katastrophen und B\u00fcrgerkrieg.<\/b><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Aus der alten Sowjet-\u00c4ra stammt ein rhetorisches Mittel, mit dem eine &#8222;Warnung &#8220; oder eine &#8222;Lektion&#8220; aus einer anderen Situation verwendet wird, um eine Absicht oder einen Plan zu skizzieren. Was angeblich als eine nachtr\u00e4gliche Ereignis-Analyse des Arabischen Fr\u00fchling erscheinen soll, stimmt sehr eng mit dem \u00fcberein, was in der Ukraine geschehen ist. Die &#8211; f\u00e4lschliche &#8211; Darstellung des Arabischen Fr\u00fchlings als das Ergebnis verdeckter westlicher Operationen gibt Gerassimow die Freiheit, das auszusprechen, was er denkt: Wie kann Russland Staaten untergraben und zerst\u00f6ren ohne direkte, offene und gro\u00df angelegte milit\u00e4rische Intervention.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em><b>Die Lehren aus dem \u201aArabischen Fr\u00fchling\u2018<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es am einfachsten zu sagen, dass die Ereignisse des &#8222;Arabischen Fr\u00fchlings&#8220; kein Krieg sind und deshalb nicht als Lehren f\u00fcr uns Milit\u00e4rs taugen. Aber vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Dass n\u00e4mlich gerade <b>diese Ereignisse typisch sind f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung im 21. Jahrhundert. <\/b>In Bezug auf das Ausma\u00df der Verluste und der Zerst\u00f6rung, die katastrophalen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen sind solche neuartigen Konflikte durchaus vergleichbar mit den Folgen eines richtigen Krieges.<\/em><\/p>\n<p><em>Die grunds\u00e4tzlichen &#8222;Regeln des Krieges&#8220; haben sich ge\u00e4ndert. <b>Die Bedeutung der Rolle nicht-milit\u00e4rischer Mittel zur Erreichung politischer und strategischer Ziele hat zugenommen und in vielen F\u00e4llen haben sie die Wirkung der Durchschlagskraft der Waffen \u00fcberschritten.<\/b><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> F\u00fcr mich ist dies wahrscheinlich die wichtigste Aussage in dem ganzen Aufsatz. Gestatten Sie mir deshalb, sie zu wiederholen: Die Bedeutung der Rolle nicht-milit\u00e4rischer Mittel zur Erreichung politischer und strategischer Ziele hat zugenommen und in vielen F\u00e4llen haben sie die Wirkung der Durchschlagskraft der Waffen \u00fcberschritten. Mit anderen Worten, dies ist eine ausdr\u00fcckliche Anerkennung nicht nur, dass alle Konflikte \u2013 bei Irrelevanz der derzeitig verwendeten milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte &#8211; eigentlich Mittel sind, politische Ziele zu erreichen , sondern auch, dass in Anbetracht dieser modernen Gegebenheiten, Russland sich zunehmend auf nicht-milit\u00e4rische Instrumente konzentrieren muss.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Der Schwerpunkt der angewandten Methoden in einem Konflikt hat sich verlagert in Richtung einer breiten Anwendung politischer, wirtschaftlicher, informeller, humanit\u00e4rer und anderer nichtmilit\u00e4rischer Ma\u00dfnahmen \u2013 abgestimmt auf das Protestpotential in der Bev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n<p><em><b>All dies wird unterst\u00fctzt mit milit\u00e4rischen Mitteln verdeckter Art, einschlie\u00dflich der Durchf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen des Cyber-Krieges und der Aktionen von Sondereinsatzkr\u00e4ften. Auf den offenen Einsatz von milit\u00e4rischen Kr\u00e4ften &#8211; oft getarnt als Friedenssicherung und Krisenregulierung \u2013 wird nur in einem bestimmten Stadium zur\u00fcckgegriffen. In erster Linie f\u00fcr die Erreichung des endg\u00fcltigen Erfolgs in einem Konflikt.<\/b><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Dies ist, nach allem was wir wissen, genau das, was auf der Krim geschah, als die &#8222;kleinen gr\u00fcnen M\u00e4nnchen &#8220; ohne Hoheitszeichen durch die unmaskierten und \u2013 \u00dcberraschung, \u00dcberraschung &#8211; ordnungsgem\u00e4\u00df uniformierten russischen Spezialkr\u00e4fte und Marineinfanteristen ersetzt wurden. Nachdem die Annexion tats\u00e4chlich vollzogen war.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Daraus ergeben sich logische Fragen: Was ist moderner Krieg? Auf was sollte die Armee vorbereitet werden? Wie sollte sie bewaffnet sein? Erst nach Beantwortung dieser Fragen k\u00f6nnen wir Gestaltung und Entwicklung der Streitkr\u00e4fte langfristig festlegen. Um dies tun zu k\u00f6nnen ist es wichtig, eine klare Vorstellung von den Formen und Verfahren der Verwendung milit\u00e4rischer Mittel zu haben.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Was Gerasimov hier als einen m\u00f6glicherweise wichtigen Punkt signalisiert ist, dass das russische Milit\u00e4r entsprechend nachger\u00fcstet werden muss. Dies kann den Wiederbeginn der traditionellen Feindseligkeiten mit der politisch m\u00e4chtigen Verteidigungsindustrie (die mehr Panzer und all die anderen Dinge, die sie erzeugen, aussto\u00dfen wollen) bis hin zu der Art von Ausr\u00fcstung bedeuten, die das Milit\u00e4r bekommt. Als der ehemalige Verteidigungsminister Serdjukow ein Moratorium f\u00fcr den Kauf neuer Panzer angek\u00fcndigte, stampfte ihn Putin in Grund und Boden und bekr\u00e4ftigt den Auftrag. Schoigu und Gerassimow sollten sich etwas schlauer anstellen, wenn sie Fortschritte mit dem da machen wollen.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Zurzeit werden die neuartigen Ger\u00e4te zusammen mit den traditionellen Ger\u00e4ten entwickelt. Verst\u00e4rkt wurde die Rolle von mobilen milit\u00e4rischen Gruppen mit gemischten Waffengattungen, die in einem einzigen Aufkl\u00e4rungs- und Informationsraum operieren k\u00f6nnen, weil sie von den neuen M\u00f6glichkeiten der Kommando und Kontrollsysteme Gebrauch machen. Milit\u00e4rische Operationen werden immer dynamischer, aktiver und wirkungsvoller. Taktische und operative Pausen, die der Feind ausnutzen k\u00f6nnte, verschwinden. Neue Informationstechnologien erm\u00f6glichen erhebliche Verkleinerungen der r\u00e4umlichen, zeitlichen und informellen L\u00fccken zwischen den operativen Einheiten und der Kommandostruktur. Das frontale Aufeinandertreffen gro\u00dfer milit\u00e4rischer Formationen auf strategischer und operativer Ebene geh\u00f6rt mehr und mehr der Vergangenheit an. Kontaktfreie Operationen \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen gegen den Feind werden zum wichtigsten Mittel zur Erreichung von Kampf- und operativen Zielen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Niederk\u00e4mpfen der Ziele des Feindes wird \u00fcber die gesamte Tiefe seines Territoriums durchgef\u00fchrt. Es gibt keine Unterschiede mehr zwischen strategischer, operativer und taktischer Ebene einerseits, sowie zwischen offensiven und defensiven Operationen andererseits. Hochpr\u00e4zise Waffen werden in Massen eingesetzt. Waffen auf der Grundlage neuer physikalischer Gesetze und automatisierte Systeme werden aktiv in die milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten einbezogen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Alles richtig und werthaltig, aber nichts was wir nicht schon fr\u00fcher geh\u00f6rt haben.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Die Ausf\u00fchrung asymmetrischer Operationen haben weit verbreitete Anwendung gefunden, mit der Folge, dass die Vorteile eines Feindes in bewaffneten Konflikten zunichte gemacht wurden. Zu solchen Ma\u00dfnahmen geh\u00f6ren <b>die Verwendung von Spezialeinsatzkr\u00e4ften und die innere Opposition, um sowohl eine st\u00e4ndig aktive Front quer \u00fcber das ganze Territorium des feindlichen Staates zu schaffen, als auch informelle Aktionen,<\/b> Ger\u00e4te und Mittel st\u00e4ndig zu perfektionieren.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Hier wird eine etwas andere Nuance sichtbar. Mit der neuerlichen Betonung einer \u201einneren Opposition\u201c wird eher auf die Drehb\u00fccher aus der Sowjet-\u00c4ra zur\u00fcckgegriffen, denn auf die postsowjetische Milit\u00e4rdoktrin, die weitestgehend von solcher Sprache bereinigt wurde mit Ausnahme spezieller Themen wie die Aufstandsbek\u00e4mpfung.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Diese laufenden Ver\u00e4nderungen finden sich in den Lehrmeinungen der weltweit f\u00fchrenden Staaten wieder und werden in milit\u00e4rischen Konflikten eingesetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits im Jahr 1991, w\u00e4hrend der Operation \u201eDesert-Storm\u201c im Irak hat das US-Milit\u00e4r das Konzept &#8222;globale Verbreitung, globale Macht &#8220; und &#8222;Luft-Boden-Operationen&#8220; realisiert. Im Jahr 2003, w\u00e4hrend der Operation \u201eIraqi-Freedom\u201c, wurden milit\u00e4rische Operationen im Einklang mit der sogenannten \u201eEinzel-Perspektive 2020\u201c durchgef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen wurden die Konzepte &#8222;globaler Angriff&#8220; und &#8222;globale Raketenabwehr &#8220; ausgearbeitet. Sie sehen die Vernichtung feindlicher Objekte und milit\u00e4rischer Einheiten innerhalb von Stunden von fast jedem Punkt der Erde aus vor. Gleichzeitig sichern sie die Verhinderung inakzeptabler Sch\u00e4den durch einen feindlichen Gegenschlag ab. Die Vereinigten Staaten f\u00fchrten auch die Prinzipien der global integrierten Operationen ein, die darauf abzielen, in einer sehr kurzen Zeit hochmobile milit\u00e4rische Einheiten bestehend aus verschiedenen Waffengattungen aufzustellen.<\/em><\/p>\n<p><em>In den j\u00fcngsten Konflikten tauchten neue Mittel zur Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen auf, die nicht als rein milit\u00e4risch bezeichnet werden k\u00f6nnen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Operation in Libyen, <b>wo eine Flugverbotszone geschaffen, eine Seeblockade verh\u00e4ngt und private Milit\u00e4runternehmen in gro\u00dfem Stil zusammen mit den bewaffneten Formationen der Opposition eingesetzt wurden.<\/b><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Ja, alles das wurde in Libyen angewendet. Ob das aber etwas Neues ist bleibt fraglich. Der entscheidende Punkt f\u00fcr Gerassimow, glaube ich, ist, dass Ma\u00dfnahmen wie die Flugverbotszone, die als in den Bereich humanit\u00e4rer Interventionen geh\u00f6rend pr\u00e4sentiert wurde (und traditionell auch pr\u00e4sentiert wird), tats\u00e4chlich aber benutzt wurde um eine Seite des Konflikts, die Rebellen, zu unterst\u00fctzen. In Kombination mit dem Einsatz von S\u00f6ldnern zu ihrer Unterst\u00fctzung wird aus Libyen eine passende Synekdoche (Umschreibung) f\u00fcr die Arten von Operationen, die die Russen wirklich interessieren. Bei denen n\u00e4mlich die Maske der humanit\u00e4ren Intervention und Friedenssicherung aggressive Handlungen tarnen kann.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>In dem Moment, in dem wir den Wesensgehalt traditioneller, von regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften durchgef\u00fchrten Milit\u00e4raktionen verstanden haben, m\u00fcssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir nur ein oberfl\u00e4chliches Verst\u00e4ndnis der asymmetrischen Formen und Mittel erworben haben. In diesem Zusammenhang gewinnt die Milit\u00e4rwissenschaft an Bedeutung. Sie muss eine umfassende Theorie solcher Ma\u00dfnahmen erstellen. Die Forschungsarbeit der Akademie der Milit\u00e4rwissenschaften kann uns dabei helfen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #212121\"><span style=\"font-family: Arial, serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Die Aufgaben der Milit\u00e4rwissenschaft <\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Im Gro\u00dfen und Ganzen werde ich diesen Abschnitt weniger kommentieren. Weil er nicht wirklich klar mit dem ersten Teil zusammenh\u00e4ngt. Doch zusammengenommen ist erw\u00e4hnenswert, dass hier ein ziemlich vernichtendes Bild des modernen russischen milit\u00e4rischen Denkens vorgestellt wird. Ich kann mir nicht helfen, aber ich frage mich, ob Generaloberst Sergej Makarow, erst seit letztem Jahr Leiter der Generalstabsakademie, sich nicht Sorgen machen muss um seine Zukunftsaussichten.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Wenn wir \u00fcber die Formen und Mittel milit\u00e4rischer Konflikte diskutieren, d\u00fcrfen wir unsere eigenen Erfahrungen nicht vergessen. Ich denke dabei an den Einsatz von Partisaneneinheiten w\u00e4hrend des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges und die Bek\u00e4mpfung der irregul\u00e4ren Formationen in Afghanistan und im Nordkaukasus.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Interessante Beispiele insoweit, weil andere, ebenso oder noch mehr geeignete Beispiele weglassen werden. Das sind die sowjetischen Erfahrungen im Kampf gegen die Basmatschi Rebellen in den 1920er Jahren in Zentralasien und die Unterst\u00fctzung der antikolonialen Aufst\u00e4nde in Afrika, Asien und Lateinamerika w\u00e4hrend des Kalten Krieges. Im letzten Fall beispielsweise, neigten die Sowjets dazu, milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung, eine Handvoll Spezialisten und Trainer, die Beteiligung Dritter und umfangreiche Propaganda, Einfluss- und Subversions-Operationen einzusetzen, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Idealerweise mit so wenig direkten Konflikt wie m\u00f6glich und ohne dass Moskaus Einfluss allzu offensichtlich wurde. Klingt irgendwie vertraut, oder?<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Ich m\u00f6chte betonen, dass im Afghanistan-Krieg spezielle Formen und Mittel zur Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen ausgearbeitet wurden. Im Kern ging es dabei um Geschwindigkeit, schnelle Bewegungen, die intelligente Nutzung taktischer Fallschirmj\u00e4ger und das Einkreisen gegnerischer Kr\u00e4fte. Alle zusammen erm\u00f6glichten das Durchkreuzen der gegnerischen Pl\u00e4ne und brachten ihm erhebliche Verluste bei.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weiterer Faktor, der die Grundlagen der modernen Mittel bewaffneter Konflikte bestimmt, ist die Verwendung der modernen automatisierten Strukturen milit\u00e4rischer Ausr\u00fcstung und Forschung auf dem Gebiet der k\u00fcnstlichen Intelligenz. W\u00e4hrend wir heute fliegende Drohnen haben, werden die Schlachtfelder von morgen mit gehenden, kriechenden, springenden und fliegenden Robotern \u00fcberf\u00fcllt sein. In naher Zukunft wird es m\u00f6glich sein, dass eine voll automatisierte Robotereinheit hergestellt wird, die in der Lage ist, milit\u00e4rische Operationen auf sich allein gestellt durchzuf\u00fchren.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie sollen wir unter solchen Bedingungen k\u00e4mpfen? Welche Formen und Mittel sollten gegen einen feindlichen Roboter eingesetzt werden? Welche Art von Roboter brauchen wir, und wie k\u00f6nnen sie entwickelt werden? Bereits heute m\u00fcssen unsere milit\u00e4rischen Vordenker \u00fcber diese Fragen nachdenken.<\/em><\/p>\n<p><em>Die wichtigste Gruppe von Problemen, die unsere intensive Aufmerksamkeit erfordert, ist verbunden mit der Perfektionierung der Formen und Mittel des Einsatzes von milit\u00e4rischen Einheiten in Gruppen. Dazu ist es notwendig, den Inhalt der strategischen Aktivit\u00e4ten der Streitkr\u00e4fte der Russischen F\u00f6deration zu \u00fcberdenken. Bereits heute stellen sich Fragen: Ist eine solche Anzahl von strategischen Operationen erforderlich? Welche und wie viele von ihnen werden wir in der Zukunft ben\u00f6tigen? Bisher gibt es dazu keine Antworten.<\/em><\/p>\n<p><em>Es gibt auch andere Probleme, die uns bei unserer t\u00e4glichen Arbeit begegnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind derzeit in der letzten Phase der Bildung eines Systems zur Luftraumverteidigung (VKO). Aus diesem Grund ist die Frage nach der Entwicklung von Formen und Mitteln der Operationen von VKO-Einheiten und Instrumenten aktuell geworden. Der Generalstab arbeitet bereits daran. Ich schlage vor, dass auch die Akademie der Milit\u00e4rwissenschaften aktiv daran teilnimmt.<\/em><\/p>\n<p><em><b>Der Informationsraum der asymmetrischen M\u00f6glichkeiten zur Reduzierung des feindlichen Kampfpotentials \u00f6ffnet sich weit. In Nordafrika wurden wir Zeugen der Anwendung von Technologien zur Beeinflussung durch Informationsnetze sowohl staatlicher Strukturen als auch der Bev\u00f6lkerung<\/b>. Es ist notwendig, die Aktivit\u00e4ten im Informationsraum zu perfektionieren, einschlie\u00dflich der Verteidigung unserer eigenen Objekte.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Operation, mit der Georgien zum Frieden gezwungen wurde, machte den Mangel des Fehlens einheitlicher Ans\u00e4tze zum Einsatz von Formationen der Streitkr\u00e4fte au\u00dferhalb der Russischen F\u00f6deration. Der Angriff im September 2012 auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi, die Aktivierung der Piraterie, die j\u00fcngste Geiselnahme in Algerien alle best\u00e4tigen die Bedeutung der Schaffung eines Systems der bewaffneten Verteidigung der Interessen des Staates au\u00dferhalb der Grenzen des Territoriums.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl die Erg\u00e4nzungen des Bundesgesetzes &#8222;\u00dcber die Verteidigung&#8220; im Jahr 2009 verabschiedet wurden, die den operativen Einsatz der Streitkr\u00e4fte der Russischen F\u00f6deration au\u00dferhalb seiner Grenzen erlauben, werden die Formen und Mittel ihrer T\u00e4tigkeit nicht definiert. Dar\u00fcber hinaus wurden Fragen der Erleichterung ihres operativen Einsatzes nicht auf der Ministerialebene verhandelt. Dazu geh\u00f6ren die Vereinfachung der Verfahren f\u00fcr die \u00dcberquerung der Staatsgrenzen, die Nutzung des Luftraums und der Hoheitsgew\u00e4sser der ausl\u00e4ndischen Staaten, die Verfahren f\u00fcr die Interaktion mit den Beh\u00f6rden des Bestimmungsstaates, und so weiter.<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist erforderlich ein gemeinsames Team der Forschungseinrichtungen und der relevanten, f\u00fcr solche Angelegenheiten zust\u00e4ndigen, Ministerien und Beh\u00f6rden einzuberufen.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine der Formen der Anwendung milit\u00e4rischer Gewalt au\u00dferhalb des Landes ist die Friedenssicherung. Neben den traditionellen Aufgaben k\u00f6nnen zu ihrer Zust\u00e4ndigkeit auch spezifischere Aufgaben geh\u00f6ren wie spezialisierte, humanit\u00e4re, Rettung, Evakuierung, Sanit\u00e4tswesen und andere Aufgaben. Derzeit sind weder Einstufung, noch Wesen oder Inhalt definiert.<\/em><\/p>\n<p><em>Au\u00dferdem setzen die komplexen und vielf\u00e4ltigen Aufgaben der Friedenssicherung, die m\u00f6glicherweise regul\u00e4re Truppen wahrnehmen m\u00fcssen, die Schaffung eines grundlegend neuen Systems zu deren Bereitstellung voraus. Immerhin ist es Aufgabe einer Friedenstruppe die Konfliktparteien zu trennen, die Zivilbev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen und zu retten, bei der Verringerung potenzieller Gewalt zusammenzuarbeiten und Frieden wieder herzustellen. <span lang=\"en-US\">All dies verlangt eine akademische Vorbereitung.<\/span><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><b style=\"font-family: Arial, serif;color: #212121;line-height: 1.5\">Kontrolle des Territoriums<\/b><\/p>\n<blockquote><p><em>In modernen Konflikten wird es immer wichtiger, in der Lage zu sein, die Bev\u00f6lkerung eines Staates mit seinen Objekten und Kommunikationseinrichtungen vor den Operationen von Spezialeinsatzkr\u00e4ften insbesondere im Hinblick auf ihre zunehmende Verwendung zu verteidigen. Eine L\u00f6sung dieses Problems erfordert die Organisation und Einf\u00fchrung einer Territorialverteidigung.<\/em><\/p>\n<p><em>Vor 2008, als die Armee in Kriegszeiten mehr als 4,5 Millionen Menschen z\u00e4hlte, wurden diese Aufgaben ausschlie\u00dflich von den Streitkr\u00e4ften wahrgenommen. Aber die Bedingungen haben sich ge\u00e4ndert. Heute kann die Abwehr von Ablenkungs-, Aufkl\u00e4rungs- und terroristischen Kr\u00e4ften nur durch die komplexe Einbindung aller Sicherheits- und Strafverfolgungskr\u00e4fte des Landes organisiert werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Generalstab hat mit dieser Arbeit begonnen. Sie basiert auf der Definition der L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr die Organisation der Landesverteidigung, die in den \u00c4nderungen des Bundesgesetzes &#8222;F\u00fcr die Verteidigung &#8220; niedergelegt wurden. Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes ist es erforderlich, das System der F\u00fchrung der Territorialverteidigung zu definieren und rechtlich sowohl die Rolle als auch die Einordnung anderer Einheiten darin, milit\u00e4rischer Formationen und der Organe der anderen staatlichen Strukturen zu erzwingen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir brauchen fundierte Empfehlungen \u00fcber die Verwendung der ressort\u00fcbergreifende Kr\u00e4fte und Mittel f\u00fcr den Aufbau der Territorialverteidigung, \u00fcber die Methoden zur Bek\u00e4mpfung der terroristischen und Ablenkungskr\u00e4fte des Feindes unter modernen Bedingungen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Auch hier wird \u201eVerteidigung\u201c als \u00e4sopischer (witziger) Begriff verwendet, um das Gegenteil, also \u201eAngriff\u201c auszusprechen. Ich bestreite nicht, dass es einen echten Bedarf f\u00fcr diese Art der Koordination gibt und es kann dem Selbstvertrauen eines vor kurzem wieder erm\u00e4chtigten Generalstabs bei dem Versuch zuzuschreiben sein, nach Jahren der Dominanz der Sicherheitsbeh\u00f6rden eine Art oberste Autorit\u00e4t \u00fcber die nationale Verteidigung zur\u00fcck erlangt zu haben. Aber in erster Linie lese ich hier eine Anerkennung der Bedeutung einer engen Abstimmung von Milit\u00e4r-, Geheimdienst- und Informations-Operationen in dieser neuen Art von Krieg. Wenn wir die Ukraine als ein Beispiel nehmen, hat die GRU (milit\u00e4rischer Geheimdienst) unterst\u00fctzt von regul\u00e4ren milit\u00e4rischen Einheiten, die Krim \u00fcbernommen. Im Osten der Ukraine hat der F\u00f6derale Sicherheitsdienst (FSB) den ukrainischen Sicherheitsapparat gr\u00fcndlich durchdrungen, hat \u00dcberl\u00e4ufer ermutigt und die Pl\u00e4ne Kiews abgeh\u00f6rt. Das Innenministerium (MVD) benutzte Kontakte zu ukrainischen Kollegen, um potentiellen Agenten und Quellen zu identifizieren. Das Milit\u00e4r wurde eingesetzt, um an der Grenze laut mit dem S\u00e4bel zu rasseln- und wird jetzt noch aggressiver eingesetzt. Derweil organisierte die GRU nicht nur den Strom von Freiwilligen und Material in den Osten, sondern stellte auch die wohl h\u00e4rteste Einheit im Donbas, das Wostok-Bataillion auf. Inzwischen haben russische Medien und diplomatische Quellen eine Dauerkampagne gestartet, um die &#8218;Banderite&#8216;-Regierung in Kiew als illegitim und brutal zu verunglimpfen. Sogar der Cyberspace war betroffen, als &#8222;patriotische Hacker\u201c ukrainische Banken und Websites der Regierung angriffen. Der Kern dieses nicht-linearen Krieg ist, wie Gerassimow es ausdr\u00fcckt, dass der Krieg \u00fcberall ist.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Die Erfahrungen bei der Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen in Afghanistan und im Irak hat die Notwendigkeit offengelegt, zusammen mit den Forschungseinrichtungen anderer Ministerien und Beh\u00f6rden der Russischen F\u00f6deration sowohl die Rolle und das Ausma\u00df der Beteiligung der Streitkr\u00e4fte in Post-Konflikt-Regulierungen, als auch die Rangfolge von Aufgaben, die Methoden zur Aktivierung von Kr\u00e4ften und die Festlegung der Grenzen der Anwendung von Waffengewalt auszuarbeiten..<\/em><\/p>\n<p><em>[\u2026]<\/em><\/p>\n<p><em>Man kann Ideen nicht auf Befehl abrufen<\/em><\/p>\n<p><em>Der heutige Zustand der russischen Milit\u00e4rwissenschaft kann nicht mit dem Aufbl\u00fchen des milit\u00e4risch-theoretischen Denkens in unserem Land am Vorabend des Zweiten Weltkriegs verglichen werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Nat\u00fcrlich gibt es daf\u00fcr objektive und subjektive Gr\u00fcnde und es ist unm\u00f6glich, irgendjemandem allein die Schuld daf\u00fcr zu geben. Ich bin allerdings nicht derjenige, der behauptet hat, es sei m\u00f6glich, Ideen auf Kommando abzurufen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich stimme dem zu, muss aber auch etwas anderes anerkennen: Damals gab es keine Menschen mit h\u00f6heren Bildungsgraden und es gab keine wissenschaftlichen Schulen oder Abteilungen. Es gab au\u00dfergew\u00f6hnliche Pers\u00f6nlichkeiten mit brillanten Ideen. Ich w\u00fcrde sie als Fanatiker im besten Sinne des Wortes bezeichnen. Vielleicht haben wir heute einfach nicht genug Leute von diesem Schlag.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Ouch, wen watscht er denn hier ab?<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Menschen wie zum Beispiel Georgy Isserson, der trotz seiner Ansichten aus den Vorkriegsjahren das Buch &#8222;Neue Formen des Kampfes&#8220; ver\u00f6ffentlicht hat. Der sowjetischen Milit\u00e4rtheoretiker sagte voraus: <b>&#8222;Krieg im Allgemeinen wird nicht erkl\u00e4rt. Es beginnt einfach mit bereits entwickelten Streitkr\u00e4ften. Mobilisierung und Konzentration findet nicht in der Zeit nach dem Ausbruch der Kriegszustand statt wie es im Jahr 1914 geschah, sondern vielmehr unbemerkt und schon lange vorher.&#8220;<\/b> Das Schicksal dieses &#8222;Propheten des Vaterlandes&#8220; verlief tragisch. Unser Land bezahlte mit gro\u00dfen Mengen Blutes daf\u00fcr, nicht auf die Schlussfolgerungen dieses Professors der Generalstabsakademie geh\u00f6rt zu haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Was k\u00f6nnen wir daraus schlie\u00dfen? Eine ver\u00e4chtliche Haltung gegen\u00fcber neuen Ideen, ungew\u00f6hnlichen L\u00f6sungsans\u00e4tzen und anderen Sichtweisen ist in der Milit\u00e4rwissenschaft inakzeptabel. Und es ist noch weniger akzeptabel, wenn Praktiker diese Einstellung zur Wissenschaft haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Abschlie\u00dfend erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass <b>egal, wie stark der Feind ist, egal wie gut entwickelt seine Kr\u00e4fte und Mittel f\u00fcr den bewaffneten Konflikt sind, es k\u00f6nnen immer Formen und Methoden zu ihrer \u00dcberwindung gefunden werden. Er wird immer Schwachstellen haben und das bedeutet, dass es angemessene Mittel gibt sich ihm entgegenzustellen.<\/b><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Dies ist eine eindeutige, wenn auch notwendigerweise verschleierte Anspielung auf die relative Schw\u00e4che Russlands im Vergleich mit dem Westen heute und wahrscheinlich mit China morgen. Die Antwort lautet nicht, dass man Konflikte vermeiden soll, sondern es ist sicherzustellen, dass der Konflikt die eigenen Bed\u00fcrfnisse am Besten erf\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><em>Wir d\u00fcrfen nicht ausl\u00e4ndische Erfahrungen kopieren und f\u00fchrenden L\u00e4ndern hinterher jagen. Wir m\u00fcssen sie \u00fcberholen und selbst f\u00fchrende Positionen einnehmen. <span lang=\"en-US\">Genau hier spielt die Milit\u00e4rwissenschaft eine entscheidende Rolle.<\/span><\/em><\/p>\n<p><em>Der hervorragende sowjetische Milit\u00e4rwissenschaftler Aleksandr Svechin schrieb: &#8222;Es ist au\u00dferordentlich schwierig, die Bedingungen eines Krieges vorherzusagen. F\u00fcr jeden Krieg ist es notwendig, eine besondere Linie f\u00fcr seine strategische F\u00fchrung herauszufinden. Jeder Krieg ist ein einzigartiger Fall. Er erfordert die Erarbeitung einer besonderen Logik und nicht die Anwendung vorhandener Vorlagen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Ansatz gilt weiter als richtig. Jeder Krieg stellt sich als ein einzigartiger Fall dar, der das Verst\u00e4ndnis seiner besonderen Logik und seiner Einzigartigkeit erfordert. Das kommt daher, weil der Charakter eines Krieges, in den Russland oder seine Verb\u00fcndeten hineingezogen werden sehr schwer vorherzusagen ist. Nichtsdestotrotz m\u00fcssen wir genau das tun. Alle Aussagen der Milit\u00e4rwissenschaft sind wertlos, wenn die milit\u00e4rische Theorie nicht durch die Funktion der Vorhersage abgesichert wird.<\/em><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif\"><span style=\"font-size: medium\"><span style=\"color: #444444\"><span style=\"font-family: Arial, serif\">[\u2026]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Autor: Dr. Mark Galeotti in <a href=\"https:\/\/inmoscowsshadows.wordpress.com\/2014\/07\/06\/the-gerasimov-doctrine-and-russian-non-linear-war\/\">inmoscowsshadows.wordpress.com<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kurt.Becker.p\">Kurt Becker<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Autor, Dr. Mark Galeotti erforscht russischen Geschichte und Sicherheitsfragen seit den sp\u00e4ten 1980er Jahren. 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Seine Ausbildung absolvierte er an der Universit\u00e4t Cambridge und der LSE. Heute ist er Professor f\u00fcr Global Affairs am \u201eCenter for Global Affairs\u201c der \u201eSchool of Professional Studies\u201c an der New York University und ein assoziiertes Mitglied der NYU f\u00fcr Geschichte, Russisch und Slawistik. Bis 2008 war er Leiter der \u201eHistory in the UK\u201c sowie Leiter der Abteilung f\u00fcr die Erforschung der \u201eOrganisierten Kriminalit\u00e4t in Russland und Eurasien\u201c an der Keele Universit\u00e4t.<\/strong><\/em><\/p>\r\n<p class=\"western\">Wie auch immer Sie es nennen, ob <a href=\"http:\/\/www.foreignpolicy.com\/articles\/2014\/05\/05\/how_putin_is_reinventing_warfare\">\u201enicht-linearer Krieg\u201c<\/a> (was ich bevorzuge), <a href=\"http:\/\/20committee.com\/2013\/09\/20\/the-coming-age-of-special-war\/\">\u201ehybrider Krieg\u201c<\/a> oder <a href=\"http:\/\/20committee.com\/2013\/09\/20\/the-coming-age-of-special-war\/\">\u201espezieller Krieg\u201c<\/a>, die russischen Operationen, zun\u00e4chst auf der Krim und im Osten der Ukraine, haben gezeigt, dass Moskau sich in Zukunft verst\u00e4rkt auf neue Formen der Politik konzentriert. In vielerlei Hinsicht ist dies eine Erweiterung dessen, was ich an anderer Stelle als Russlands <a href=\"http:\/\/www.bne.eu\/content\/comment-putin-ukraine-and-asymmetric-politics\">\"Guerilla- Geopolitik\"<\/a> bezeichnet habe. Sie geht von der Anerkennung der Tatsache aus, dass neue Taktiken ben\u00f6tigt werden, die sich auf die Schw\u00e4chen des Gegners konzentrieren und direkte und offene Konfrontationen vermeiden. Um in einer Welt bestehen zu k\u00f6nnen, deren internationale Ordnung vom Kreml zunehmend als l\u00e4stig empfunden wird und in Anbetracht der M\u00e4chte und Allianzen mit <a href=\"http:\/\/www.themoscowtimes.com\/opinion\/article\/russia-is-punching-above-its-weight\/502810.html\">gr\u00f6\u00dferer rein milit\u00e4rischer, politischer und wirtschaftlicher St\u00e4rke<\/a>. Um ehrlich zu sein, sind dies Taktiken, gegen welche die NATO \u2013 noch immer in letzter Konsequenz eine Allianz zur Bek\u00e4mpfung und Abschreckung einer mit massenhaftem Panzereinsatz gef\u00fchrten sowjetischen Invasion \u2013 <a href=\"https:\/\/inmoscowsshadows.wordpress.com\/2014\/04\/26\/nato-and-the-new-war-dealing-with-asymmetric-threats-before-they-become-kinetic\/\">weder Wissen noch Erfahrung hat, damit umzugehen<\/a>. (In der Tat k\u00f6nnte man den Standpunkt vertreten, dass das gar nicht Aufgabe der NATO ist, was allerdings auf einem anderen Blatt steht.)<\/p>\r\n<p class=\"western\">Wie so oft weist uns die sp\u00e4te Einsicht eines raffiniert-scharfz\u00fcngigen Besserwissers dringend darauf hin, dass wir das h\u00e4tten erwarten k\u00f6nnen wegen eines zu seiner Zeit unbemerkten Artikels des russischen Chefs des Generalstabs Valery Gerassimow <em>(Anm.d.Red. Hier der Link zu diesem Artikel, aber wir lassen ihn inaktiv: http:\/\/vpk-news.ru\/sites\/default\/files\/pdf\/VPK_08_476.pdf)<\/em>. Der Fairness halber sei angemerkt, dass er in der Zeitschrift \"Wojenno-promyshlenny kurier\", also dem Kriegsindustrie-Kurier erschien, den zu lesen nur wenige Menschen in der Welt das Vergn\u00fcgen haben. Nichtsdestotrotz, stellt er die beste und am h\u00f6chsten autorisierte Aussage dessen dar, was wir, zumindest als Arbeitsbegriff, die \"Gerassimow Doktrin\" nennen (was nicht hei\u00dfen soll, dass es notwendigerweise seine Erfindung war). Ich und jeder andere an diesen Entwicklungen Interessierte verdanken es <a href=\"http:\/\/www.rferl.org\/expert\/85.html\">Rob Coalson<\/a> von RFE\/RL, der diesen Artikel bemerkte und in Umlauf gebracht hat. Die folgende \u00dcbersetzung stammt von ihm (Dank an Rob f\u00fcr seine Erlaubnis, es zu benutzen) versehen mit meinen verschiedenen Kommentaren und Interpretationen.<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<em>Military-Industrial Kurier, 27. Februar 2013<\/em>\r\n\r\n<em><span style=\"color: #800000;font-family: Arial, serif;font-size: small\">(Die Kommentare des Autors sind einger\u00fcckt. Die Hervorhebung durch Fettschrift im Gerassimov-Text stammt\u00a0<span style=\"line-height: 19px\">ebenfalls<\/span>\u00a0vom Autor)<\/span><\/em>\r\n\r\n<em><span style=\"font-family: Arial, serif\"><span style=\"font-size: x-large\"><b>Die Bedeutung der Wissenschaft f\u00fcr die Vorhersage<\/b><\/span><\/span><\/em>\r\n\r\nGeneral Valery Gerasimov, Chef des Generalstabs der Russischen F\u00f6deration\r\n<blockquote><em><b>Im 21. Jahrhundert gibt es eine Tendenz dahingehend, dass die Grenzen zwischen Krieg und Frieden verwischen. Kriege werden nicht mehr erkl\u00e4rt und nachdem sie begonnen wurden entwickeln sie sich nach nicht vertrauten Schemata weiter<\/b>. Die Erfahrungen mit milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen - auch mit den sogenannten farbigen Revolutionen in Nordafrika und dem Nahen Osten - best\u00e4tigen, dass <b>ein perfekt bl\u00fchender Staat, in wenigen Monaten und sogar Tagen in eine Arena heftiger bewaffneter Konflikte verwandelt, ein Opfer ausl\u00e4ndischer Intervention werden und versinken kann in einem Netz von Chaos, humanit\u00e4rer Katastrophen und B\u00fcrgerkrieg.<\/b><\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Aus der alten Sowjet-\u00c4ra stammt ein rhetorisches Mittel, mit dem eine \"Warnung \" oder eine \"Lektion\" aus einer anderen Situation verwendet wird, um eine Absicht oder einen Plan zu skizzieren. Was angeblich als eine nachtr\u00e4gliche Ereignis-Analyse des Arabischen Fr\u00fchling erscheinen soll, stimmt sehr eng mit dem \u00fcberein, was in der Ukraine geschehen ist. Die - f\u00e4lschliche - Darstellung des Arabischen Fr\u00fchlings als das Ergebnis verdeckter westlicher Operationen gibt Gerassimow die Freiheit, das auszusprechen, was er denkt: Wie kann Russland Staaten untergraben und zerst\u00f6ren ohne direkte, offene und gro\u00df angelegte milit\u00e4rische Intervention.<\/span>\r\n<blockquote><em><b>Die Lehren aus dem \u201aArabischen Fr\u00fchling\u2018<\/b><\/em>\r\n\r\n<em>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es am einfachsten zu sagen, dass die Ereignisse des \"Arabischen Fr\u00fchlings\" kein Krieg sind und deshalb nicht als Lehren f\u00fcr uns Milit\u00e4rs taugen. Aber vielleicht ist das Gegenteil der Fall. Dass n\u00e4mlich gerade <b>diese Ereignisse typisch sind f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung im 21. Jahrhundert. <\/b>In Bezug auf das Ausma\u00df der Verluste und der Zerst\u00f6rung, die katastrophalen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Folgen sind solche neuartigen Konflikte durchaus vergleichbar mit den Folgen eines richtigen Krieges.<\/em>\r\n\r\n<em>Die grunds\u00e4tzlichen \"Regeln des Krieges\" haben sich ge\u00e4ndert. <b>Die Bedeutung der Rolle nicht-milit\u00e4rischer Mittel zur Erreichung politischer und strategischer Ziele hat zugenommen und in vielen F\u00e4llen haben sie die Wirkung der Durchschlagskraft der Waffen \u00fcberschritten.<\/b><\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> F\u00fcr mich ist dies wahrscheinlich die wichtigste Aussage in dem ganzen Aufsatz. Gestatten Sie mir deshalb, sie zu wiederholen: Die Bedeutung der Rolle nicht-milit\u00e4rischer Mittel zur Erreichung politischer und strategischer Ziele hat zugenommen und in vielen F\u00e4llen haben sie die Wirkung der Durchschlagskraft der Waffen \u00fcberschritten. Mit anderen Worten, dies ist eine ausdr\u00fcckliche Anerkennung nicht nur, dass alle Konflikte \u2013 bei Irrelevanz der derzeitig verwendeten milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte - eigentlich Mittel sind, politische Ziele zu erreichen , sondern auch, dass in Anbetracht dieser modernen Gegebenheiten, Russland sich zunehmend auf nicht-milit\u00e4rische Instrumente konzentrieren muss.<\/span>\r\n<blockquote><em>Der Schwerpunkt der angewandten Methoden in einem Konflikt hat sich verlagert in Richtung einer breiten Anwendung politischer, wirtschaftlicher, informeller, humanit\u00e4rer und anderer nichtmilit\u00e4rischer Ma\u00dfnahmen \u2013 abgestimmt auf das Protestpotential in der Bev\u00f6lkerung.<\/em>\r\n\r\n<em><b>All dies wird unterst\u00fctzt mit milit\u00e4rischen Mitteln verdeckter Art, einschlie\u00dflich der Durchf\u00fchrung von Ma\u00dfnahmen des Cyber-Krieges und der Aktionen von Sondereinsatzkr\u00e4ften. Auf den offenen Einsatz von milit\u00e4rischen Kr\u00e4ften - oft getarnt als Friedenssicherung und Krisenregulierung \u2013 wird nur in einem bestimmten Stadium zur\u00fcckgegriffen. In erster Linie f\u00fcr die Erreichung des endg\u00fcltigen Erfolgs in einem Konflikt.<\/b><\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Dies ist, nach allem was wir wissen, genau das, was auf der Krim geschah, als die \"kleinen gr\u00fcnen M\u00e4nnchen \" ohne Hoheitszeichen durch die unmaskierten und \u2013 \u00dcberraschung, \u00dcberraschung - ordnungsgem\u00e4\u00df uniformierten russischen Spezialkr\u00e4fte und Marineinfanteristen ersetzt wurden. Nachdem die Annexion tats\u00e4chlich vollzogen war.<\/span>\r\n<blockquote><em>Daraus ergeben sich logische Fragen: Was ist moderner Krieg? Auf was sollte die Armee vorbereitet werden? Wie sollte sie bewaffnet sein? Erst nach Beantwortung dieser Fragen k\u00f6nnen wir Gestaltung und Entwicklung der Streitkr\u00e4fte langfristig festlegen. Um dies tun zu k\u00f6nnen ist es wichtig, eine klare Vorstellung von den Formen und Verfahren der Verwendung milit\u00e4rischer Mittel zu haben.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Was Gerasimov hier als einen m\u00f6glicherweise wichtigen Punkt signalisiert ist, dass das russische Milit\u00e4r entsprechend nachger\u00fcstet werden muss. Dies kann den Wiederbeginn der traditionellen Feindseligkeiten mit der politisch m\u00e4chtigen Verteidigungsindustrie (die mehr Panzer und all die anderen Dinge, die sie erzeugen, aussto\u00dfen wollen) bis hin zu der Art von Ausr\u00fcstung bedeuten, die das Milit\u00e4r bekommt. Als der ehemalige Verteidigungsminister Serdjukow ein Moratorium f\u00fcr den Kauf neuer Panzer angek\u00fcndigte, stampfte ihn Putin in Grund und Boden und bekr\u00e4ftigt den Auftrag. Schoigu und Gerassimow sollten sich etwas schlauer anstellen, wenn sie Fortschritte mit dem da machen wollen.<\/span>\r\n<blockquote><em>Zurzeit werden die neuartigen Ger\u00e4te zusammen mit den traditionellen Ger\u00e4ten entwickelt. Verst\u00e4rkt wurde die Rolle von mobilen milit\u00e4rischen Gruppen mit gemischten Waffengattungen, die in einem einzigen Aufkl\u00e4rungs- und Informationsraum operieren k\u00f6nnen, weil sie von den neuen M\u00f6glichkeiten der Kommando und Kontrollsysteme Gebrauch machen. Milit\u00e4rische Operationen werden immer dynamischer, aktiver und wirkungsvoller. Taktische und operative Pausen, die der Feind ausnutzen k\u00f6nnte, verschwinden. Neue Informationstechnologien erm\u00f6glichen erhebliche Verkleinerungen der r\u00e4umlichen, zeitlichen und informellen L\u00fccken zwischen den operativen Einheiten und der Kommandostruktur. Das frontale Aufeinandertreffen gro\u00dfer milit\u00e4rischer Formationen auf strategischer und operativer Ebene geh\u00f6rt mehr und mehr der Vergangenheit an. Kontaktfreie Operationen \u00fcber gro\u00dfe Entfernungen gegen den Feind werden zum wichtigsten Mittel zur Erreichung von Kampf- und operativen Zielen.<\/em>\r\n\r\n<em>Das Niederk\u00e4mpfen der Ziele des Feindes wird \u00fcber die gesamte Tiefe seines Territoriums durchgef\u00fchrt. Es gibt keine Unterschiede mehr zwischen strategischer, operativer und taktischer Ebene einerseits, sowie zwischen offensiven und defensiven Operationen andererseits. Hochpr\u00e4zise Waffen werden in Massen eingesetzt. Waffen auf der Grundlage neuer physikalischer Gesetze und automatisierte Systeme werden aktiv in die milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten einbezogen.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Alles richtig und werthaltig, aber nichts was wir nicht schon fr\u00fcher geh\u00f6rt haben.<\/span>\r\n<blockquote><em>Die Ausf\u00fchrung asymmetrischer Operationen haben weit verbreitete Anwendung gefunden, mit der Folge, dass die Vorteile eines Feindes in bewaffneten Konflikten zunichte gemacht wurden. Zu solchen Ma\u00dfnahmen geh\u00f6ren <b>die Verwendung von Spezialeinsatzkr\u00e4ften und die innere Opposition, um sowohl eine st\u00e4ndig aktive Front quer \u00fcber das ganze Territorium des feindlichen Staates zu schaffen, als auch informelle Aktionen,<\/b> Ger\u00e4te und Mittel st\u00e4ndig zu perfektionieren.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Hier wird eine etwas andere Nuance sichtbar. Mit der neuerlichen Betonung einer \u201einneren Opposition\u201c wird eher auf die Drehb\u00fccher aus der Sowjet-\u00c4ra zur\u00fcckgegriffen, denn auf die postsowjetische Milit\u00e4rdoktrin, die weitestgehend von solcher Sprache bereinigt wurde mit Ausnahme spezieller Themen wie die Aufstandsbek\u00e4mpfung.<\/span>\r\n<blockquote><em>Diese laufenden Ver\u00e4nderungen finden sich in den Lehrmeinungen der weltweit f\u00fchrenden Staaten wieder und werden in milit\u00e4rischen Konflikten eingesetzt.<\/em>\r\n\r\n<em>Bereits im Jahr 1991, w\u00e4hrend der Operation \u201eDesert-Storm\u201c im Irak hat das US-Milit\u00e4r das Konzept \"globale Verbreitung, globale Macht \" und \"Luft-Boden-Operationen\" realisiert. Im Jahr 2003, w\u00e4hrend der Operation \u201eIraqi-Freedom\u201c, wurden milit\u00e4rische Operationen im Einklang mit der sogenannten \u201eEinzel-Perspektive 2020\u201c durchgef\u00fchrt.<\/em>\r\n\r\n<em>Inzwischen wurden die Konzepte \"globaler Angriff\" und \"globale Raketenabwehr \" ausgearbeitet. Sie sehen die Vernichtung feindlicher Objekte und milit\u00e4rischer Einheiten innerhalb von Stunden von fast jedem Punkt der Erde aus vor. Gleichzeitig sichern sie die Verhinderung inakzeptabler Sch\u00e4den durch einen feindlichen Gegenschlag ab. Die Vereinigten Staaten f\u00fchrten auch die Prinzipien der global integrierten Operationen ein, die darauf abzielen, in einer sehr kurzen Zeit hochmobile milit\u00e4rische Einheiten bestehend aus verschiedenen Waffengattungen aufzustellen.<\/em>\r\n\r\n<em>In den j\u00fcngsten Konflikten tauchten neue Mittel zur Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen auf, die nicht als rein milit\u00e4risch bezeichnet werden k\u00f6nnen. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Operation in Libyen, <b>wo eine Flugverbotszone geschaffen, eine Seeblockade verh\u00e4ngt und private Milit\u00e4runternehmen in gro\u00dfem Stil zusammen mit den bewaffneten Formationen der Opposition eingesetzt wurden.<\/b><\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Ja, alles das wurde in Libyen angewendet. Ob das aber etwas Neues ist bleibt fraglich. Der entscheidende Punkt f\u00fcr Gerassimow, glaube ich, ist, dass Ma\u00dfnahmen wie die Flugverbotszone, die als in den Bereich humanit\u00e4rer Interventionen geh\u00f6rend pr\u00e4sentiert wurde (und traditionell auch pr\u00e4sentiert wird), tats\u00e4chlich aber benutzt wurde um eine Seite des Konflikts, die Rebellen, zu unterst\u00fctzen. In Kombination mit dem Einsatz von S\u00f6ldnern zu ihrer Unterst\u00fctzung wird aus Libyen eine passende Synekdoche (Umschreibung) f\u00fcr die Arten von Operationen, die die Russen wirklich interessieren. Bei denen n\u00e4mlich die Maske der humanit\u00e4ren Intervention und Friedenssicherung aggressive Handlungen tarnen kann.<\/span>\r\n<blockquote><em>In dem Moment, in dem wir den Wesensgehalt traditioneller, von regul\u00e4ren Streitkr\u00e4ften durchgef\u00fchrten Milit\u00e4raktionen verstanden haben, m\u00fcssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir nur ein oberfl\u00e4chliches Verst\u00e4ndnis der asymmetrischen Formen und Mittel erworben haben. In diesem Zusammenhang gewinnt die Milit\u00e4rwissenschaft an Bedeutung. Sie muss eine umfassende Theorie solcher Ma\u00dfnahmen erstellen. Die Forschungsarbeit der Akademie der Milit\u00e4rwissenschaften kann uns dabei helfen.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #212121\"><span style=\"font-family: Arial, serif\"><span style=\"font-size: medium\"><b>Die Aufgaben der Milit\u00e4rwissenschaft <\/b><\/span><\/span><\/span>\r\n\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Im Gro\u00dfen und Ganzen werde ich diesen Abschnitt weniger kommentieren. Weil er nicht wirklich klar mit dem ersten Teil zusammenh\u00e4ngt. Doch zusammengenommen ist erw\u00e4hnenswert, dass hier ein ziemlich vernichtendes Bild des modernen russischen milit\u00e4rischen Denkens vorgestellt wird. Ich kann mir nicht helfen, aber ich frage mich, ob Generaloberst Sergej Makarow, erst seit letztem Jahr Leiter der Generalstabsakademie, sich nicht Sorgen machen muss um seine Zukunftsaussichten.<\/span>\r\n<blockquote><em>Wenn wir \u00fcber die Formen und Mittel milit\u00e4rischer Konflikte diskutieren, d\u00fcrfen wir unsere eigenen Erfahrungen nicht vergessen. Ich denke dabei an den Einsatz von Partisaneneinheiten w\u00e4hrend des Gro\u00dfen Vaterl\u00e4ndischen Krieges und die Bek\u00e4mpfung der irregul\u00e4ren Formationen in Afghanistan und im Nordkaukasus.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Interessante Beispiele insoweit, weil andere, ebenso oder noch mehr geeignete Beispiele weglassen werden. Das sind die sowjetischen Erfahrungen im Kampf gegen die Basmatschi Rebellen in den 1920er Jahren in Zentralasien und die Unterst\u00fctzung der antikolonialen Aufst\u00e4nde in Afrika, Asien und Lateinamerika w\u00e4hrend des Kalten Krieges. Im letzten Fall beispielsweise, neigten die Sowjets dazu, milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung, eine Handvoll Spezialisten und Trainer, die Beteiligung Dritter und umfangreiche Propaganda, Einfluss- und Subversions-Operationen einzusetzen, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Idealerweise mit so wenig direkten Konflikt wie m\u00f6glich und ohne dass Moskaus Einfluss allzu offensichtlich wurde. Klingt irgendwie vertraut, oder?<\/span>\r\n<blockquote><em>Ich m\u00f6chte betonen, dass im Afghanistan-Krieg spezielle Formen und Mittel zur Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen ausgearbeitet wurden. Im Kern ging es dabei um Geschwindigkeit, schnelle Bewegungen, die intelligente Nutzung taktischer Fallschirmj\u00e4ger und das Einkreisen gegnerischer Kr\u00e4fte. Alle zusammen erm\u00f6glichten das Durchkreuzen der gegnerischen Pl\u00e4ne und brachten ihm erhebliche Verluste bei.<\/em>\r\n\r\n<em>Ein weiterer Faktor, der die Grundlagen der modernen Mittel bewaffneter Konflikte bestimmt, ist die Verwendung der modernen automatisierten Strukturen milit\u00e4rischer Ausr\u00fcstung und Forschung auf dem Gebiet der k\u00fcnstlichen Intelligenz. W\u00e4hrend wir heute fliegende Drohnen haben, werden die Schlachtfelder von morgen mit gehenden, kriechenden, springenden und fliegenden Robotern \u00fcberf\u00fcllt sein. In naher Zukunft wird es m\u00f6glich sein, dass eine voll automatisierte Robotereinheit hergestellt wird, die in der Lage ist, milit\u00e4rische Operationen auf sich allein gestellt durchzuf\u00fchren.<\/em>\r\n\r\n<em>Wie sollen wir unter solchen Bedingungen k\u00e4mpfen? Welche Formen und Mittel sollten gegen einen feindlichen Roboter eingesetzt werden? Welche Art von Roboter brauchen wir, und wie k\u00f6nnen sie entwickelt werden? Bereits heute m\u00fcssen unsere milit\u00e4rischen Vordenker \u00fcber diese Fragen nachdenken.<\/em>\r\n\r\n<em>Die wichtigste Gruppe von Problemen, die unsere intensive Aufmerksamkeit erfordert, ist verbunden mit der Perfektionierung der Formen und Mittel des Einsatzes von milit\u00e4rischen Einheiten in Gruppen. Dazu ist es notwendig, den Inhalt der strategischen Aktivit\u00e4ten der Streitkr\u00e4fte der Russischen F\u00f6deration zu \u00fcberdenken. Bereits heute stellen sich Fragen: Ist eine solche Anzahl von strategischen Operationen erforderlich? Welche und wie viele von ihnen werden wir in der Zukunft ben\u00f6tigen? Bisher gibt es dazu keine Antworten.<\/em>\r\n\r\n<em>Es gibt auch andere Probleme, die uns bei unserer t\u00e4glichen Arbeit begegnen.<\/em>\r\n\r\n<em>Wir sind derzeit in der letzten Phase der Bildung eines Systems zur Luftraumverteidigung (VKO). Aus diesem Grund ist die Frage nach der Entwicklung von Formen und Mitteln der Operationen von VKO-Einheiten und Instrumenten aktuell geworden. Der Generalstab arbeitet bereits daran. Ich schlage vor, dass auch die Akademie der Milit\u00e4rwissenschaften aktiv daran teilnimmt.<\/em>\r\n\r\n<em><b>Der Informationsraum der asymmetrischen M\u00f6glichkeiten zur Reduzierung des feindlichen Kampfpotentials \u00f6ffnet sich weit. In Nordafrika wurden wir Zeugen der Anwendung von Technologien zur Beeinflussung durch Informationsnetze sowohl staatlicher Strukturen als auch der Bev\u00f6lkerung<\/b>. Es ist notwendig, die Aktivit\u00e4ten im Informationsraum zu perfektionieren, einschlie\u00dflich der Verteidigung unserer eigenen Objekte.<\/em>\r\n\r\n<em>Die Operation, mit der Georgien zum Frieden gezwungen wurde, machte den Mangel des Fehlens einheitlicher Ans\u00e4tze zum Einsatz von Formationen der Streitkr\u00e4fte au\u00dferhalb der Russischen F\u00f6deration. Der Angriff im September 2012 auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi, die Aktivierung der Piraterie, die j\u00fcngste Geiselnahme in Algerien alle best\u00e4tigen die Bedeutung der Schaffung eines Systems der bewaffneten Verteidigung der Interessen des Staates au\u00dferhalb der Grenzen des Territoriums.<\/em>\r\n\r\n<em>Obwohl die Erg\u00e4nzungen des Bundesgesetzes \"\u00dcber die Verteidigung\" im Jahr 2009 verabschiedet wurden, die den operativen Einsatz der Streitkr\u00e4fte der Russischen F\u00f6deration au\u00dferhalb seiner Grenzen erlauben, werden die Formen und Mittel ihrer T\u00e4tigkeit nicht definiert. Dar\u00fcber hinaus wurden Fragen der Erleichterung ihres operativen Einsatzes nicht auf der Ministerialebene verhandelt. Dazu geh\u00f6ren die Vereinfachung der Verfahren f\u00fcr die \u00dcberquerung der Staatsgrenzen, die Nutzung des Luftraums und der Hoheitsgew\u00e4sser der ausl\u00e4ndischen Staaten, die Verfahren f\u00fcr die Interaktion mit den Beh\u00f6rden des Bestimmungsstaates, und so weiter.<\/em>\r\n\r\n<em>Es ist erforderlich ein gemeinsames Team der Forschungseinrichtungen und der relevanten, f\u00fcr solche Angelegenheiten zust\u00e4ndigen, Ministerien und Beh\u00f6rden einzuberufen.<\/em>\r\n\r\n<em>Eine der Formen der Anwendung milit\u00e4rischer Gewalt au\u00dferhalb des Landes ist die Friedenssicherung. Neben den traditionellen Aufgaben k\u00f6nnen zu ihrer Zust\u00e4ndigkeit auch spezifischere Aufgaben geh\u00f6ren wie spezialisierte, humanit\u00e4re, Rettung, Evakuierung, Sanit\u00e4tswesen und andere Aufgaben. Derzeit sind weder Einstufung, noch Wesen oder Inhalt definiert.<\/em>\r\n\r\n<em>Au\u00dferdem setzen die komplexen und vielf\u00e4ltigen Aufgaben der Friedenssicherung, die m\u00f6glicherweise regul\u00e4re Truppen wahrnehmen m\u00fcssen, die Schaffung eines grundlegend neuen Systems zu deren Bereitstellung voraus. Immerhin ist es Aufgabe einer Friedenstruppe die Konfliktparteien zu trennen, die Zivilbev\u00f6lkerung zu sch\u00fctzen und zu retten, bei der Verringerung potenzieller Gewalt zusammenzuarbeiten und Frieden wieder herzustellen. <span lang=\"en-US\">All dies verlangt eine akademische Vorbereitung.<\/span><\/em><\/blockquote>\r\n<b style=\"font-family: Arial, serif;color: #212121;line-height: 1.5\">Kontrolle des Territoriums<\/b>\r\n<blockquote><em>In modernen Konflikten wird es immer wichtiger, in der Lage zu sein, die Bev\u00f6lkerung eines Staates mit seinen Objekten und Kommunikationseinrichtungen vor den Operationen von Spezialeinsatzkr\u00e4ften insbesondere im Hinblick auf ihre zunehmende Verwendung zu verteidigen. Eine L\u00f6sung dieses Problems erfordert die Organisation und Einf\u00fchrung einer Territorialverteidigung.<\/em>\r\n\r\n<em>Vor 2008, als die Armee in Kriegszeiten mehr als 4,5 Millionen Menschen z\u00e4hlte, wurden diese Aufgaben ausschlie\u00dflich von den Streitkr\u00e4ften wahrgenommen. Aber die Bedingungen haben sich ge\u00e4ndert. Heute kann die Abwehr von Ablenkungs-, Aufkl\u00e4rungs- und terroristischen Kr\u00e4ften nur durch die komplexe Einbindung aller Sicherheits- und Strafverfolgungskr\u00e4fte des Landes organisiert werden.<\/em>\r\n\r\n<em>Der Generalstab hat mit dieser Arbeit begonnen. Sie basiert auf der Definition der L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr die Organisation der Landesverteidigung, die in den \u00c4nderungen des Bundesgesetzes \"F\u00fcr die Verteidigung \" niedergelegt wurden. Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes ist es erforderlich, das System der F\u00fchrung der Territorialverteidigung zu definieren und rechtlich sowohl die Rolle als auch die Einordnung anderer Einheiten darin, milit\u00e4rischer Formationen und der Organe der anderen staatlichen Strukturen zu erzwingen.<\/em>\r\n\r\n<em>Wir brauchen fundierte Empfehlungen \u00fcber die Verwendung der ressort\u00fcbergreifende Kr\u00e4fte und Mittel f\u00fcr den Aufbau der Territorialverteidigung, \u00fcber die Methoden zur Bek\u00e4mpfung der terroristischen und Ablenkungskr\u00e4fte des Feindes unter modernen Bedingungen.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Auch hier wird \u201eVerteidigung\u201c als \u00e4sopischer (witziger) Begriff verwendet, um das Gegenteil, also \u201eAngriff\u201c auszusprechen. Ich bestreite nicht, dass es einen echten Bedarf f\u00fcr diese Art der Koordination gibt und es kann dem Selbstvertrauen eines vor kurzem wieder erm\u00e4chtigten Generalstabs bei dem Versuch zuzuschreiben sein, nach Jahren der Dominanz der Sicherheitsbeh\u00f6rden eine Art oberste Autorit\u00e4t \u00fcber die nationale Verteidigung zur\u00fcck erlangt zu haben. Aber in erster Linie lese ich hier eine Anerkennung der Bedeutung einer engen Abstimmung von Milit\u00e4r-, Geheimdienst- und Informations-Operationen in dieser neuen Art von Krieg. Wenn wir die Ukraine als ein Beispiel nehmen, hat die GRU (milit\u00e4rischer Geheimdienst) unterst\u00fctzt von regul\u00e4ren milit\u00e4rischen Einheiten, die Krim \u00fcbernommen. Im Osten der Ukraine hat der F\u00f6derale Sicherheitsdienst (FSB) den ukrainischen Sicherheitsapparat gr\u00fcndlich durchdrungen, hat \u00dcberl\u00e4ufer ermutigt und die Pl\u00e4ne Kiews abgeh\u00f6rt. Das Innenministerium (MVD) benutzte Kontakte zu ukrainischen Kollegen, um potentiellen Agenten und Quellen zu identifizieren. Das Milit\u00e4r wurde eingesetzt, um an der Grenze laut mit dem S\u00e4bel zu rasseln- und wird jetzt noch aggressiver eingesetzt. Derweil organisierte die GRU nicht nur den Strom von Freiwilligen und Material in den Osten, sondern stellte auch die wohl h\u00e4rteste Einheit im Donbas, das Wostok-Bataillion auf. Inzwischen haben russische Medien und diplomatische Quellen eine Dauerkampagne gestartet, um die 'Banderite'-Regierung in Kiew als illegitim und brutal zu verunglimpfen. Sogar der Cyberspace war betroffen, als \"patriotische Hacker\u201c ukrainische Banken und Websites der Regierung angriffen. Der Kern dieses nicht-linearen Krieg ist, wie Gerassimow es ausdr\u00fcckt, dass der Krieg \u00fcberall ist.<\/span>\r\n<blockquote><em>Die Erfahrungen bei der Durchf\u00fchrung von milit\u00e4rischen Operationen in Afghanistan und im Irak hat die Notwendigkeit offengelegt, zusammen mit den Forschungseinrichtungen anderer Ministerien und Beh\u00f6rden der Russischen F\u00f6deration sowohl die Rolle und das Ausma\u00df der Beteiligung der Streitkr\u00e4fte in Post-Konflikt-Regulierungen, als auch die Rangfolge von Aufgaben, die Methoden zur Aktivierung von Kr\u00e4ften und die Festlegung der Grenzen der Anwendung von Waffengewalt auszuarbeiten..<\/em>\r\n\r\n<em>[\u2026]<\/em>\r\n\r\n<em>Man kann Ideen nicht auf Befehl abrufen<\/em>\r\n\r\n<em>Der heutige Zustand der russischen Milit\u00e4rwissenschaft kann nicht mit dem Aufbl\u00fchen des milit\u00e4risch-theoretischen Denkens in unserem Land am Vorabend des Zweiten Weltkriegs verglichen werden.<\/em>\r\n\r\n<em>Nat\u00fcrlich gibt es daf\u00fcr objektive und subjektive Gr\u00fcnde und es ist unm\u00f6glich, irgendjemandem allein die Schuld daf\u00fcr zu geben. Ich bin allerdings nicht derjenige, der behauptet hat, es sei m\u00f6glich, Ideen auf Kommando abzurufen.<\/em>\r\n\r\n<em>Ich stimme dem zu, muss aber auch etwas anderes anerkennen: Damals gab es keine Menschen mit h\u00f6heren Bildungsgraden und es gab keine wissenschaftlichen Schulen oder Abteilungen. Es gab au\u00dfergew\u00f6hnliche Pers\u00f6nlichkeiten mit brillanten Ideen. Ich w\u00fcrde sie als Fanatiker im besten Sinne des Wortes bezeichnen. Vielleicht haben wir heute einfach nicht genug Leute von diesem Schlag.<\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Ouch, wen watscht er denn hier ab?<\/span>\r\n<blockquote><em>Menschen wie zum Beispiel Georgy Isserson, der trotz seiner Ansichten aus den Vorkriegsjahren das Buch \"Neue Formen des Kampfes\" ver\u00f6ffentlicht hat. Der sowjetischen Milit\u00e4rtheoretiker sagte voraus: <b>\"Krieg im Allgemeinen wird nicht erkl\u00e4rt. Es beginnt einfach mit bereits entwickelten Streitkr\u00e4ften. Mobilisierung und Konzentration findet nicht in der Zeit nach dem Ausbruch der Kriegszustand statt wie es im Jahr 1914 geschah, sondern vielmehr unbemerkt und schon lange vorher.\"<\/b> Das Schicksal dieses \"Propheten des Vaterlandes\" verlief tragisch. Unser Land bezahlte mit gro\u00dfen Mengen Blutes daf\u00fcr, nicht auf die Schlussfolgerungen dieses Professors der Generalstabsakademie geh\u00f6rt zu haben.<\/em>\r\n\r\n<em>Was k\u00f6nnen wir daraus schlie\u00dfen? Eine ver\u00e4chtliche Haltung gegen\u00fcber neuen Ideen, ungew\u00f6hnlichen L\u00f6sungsans\u00e4tzen und anderen Sichtweisen ist in der Milit\u00e4rwissenschaft inakzeptabel. Und es ist noch weniger akzeptabel, wenn Praktiker diese Einstellung zur Wissenschaft haben.<\/em>\r\n\r\n<em>Abschlie\u00dfend erlaube ich mir darauf hinzuweisen, dass <b>egal, wie stark der Feind ist, egal wie gut entwickelt seine Kr\u00e4fte und Mittel f\u00fcr den bewaffneten Konflikt sind, es k\u00f6nnen immer Formen und Methoden zu ihrer \u00dcberwindung gefunden werden. Er wird immer Schwachstellen haben und das bedeutet, dass es angemessene Mittel gibt sich ihm entgegenzustellen.<\/b><\/em><\/blockquote>\r\n<span style=\"color: #000000\"><strong>Galeotti:<\/strong> Dies ist eine eindeutige, wenn auch notwendigerweise verschleierte Anspielung auf die relative Schw\u00e4che Russlands im Vergleich mit dem Westen heute und wahrscheinlich mit China morgen. Die Antwort lautet nicht, dass man Konflikte vermeiden soll, sondern es ist sicherzustellen, dass der Konflikt die eigenen Bed\u00fcrfnisse am Besten erf\u00fcllt.<\/span>\r\n<blockquote><em>Wir d\u00fcrfen nicht ausl\u00e4ndische Erfahrungen kopieren und f\u00fchrenden L\u00e4ndern hinterher jagen. Wir m\u00fcssen sie \u00fcberholen und selbst f\u00fchrende Positionen einnehmen. <span lang=\"en-US\">Genau hier spielt die Milit\u00e4rwissenschaft eine entscheidende Rolle.<\/span><\/em>\r\n\r\n<em>Der hervorragende sowjetische Milit\u00e4rwissenschaftler Aleksandr Svechin schrieb: \"Es ist au\u00dferordentlich schwierig, die Bedingungen eines Krieges vorherzusagen. F\u00fcr jeden Krieg ist es notwendig, eine besondere Linie f\u00fcr seine strategische F\u00fchrung herauszufinden. Jeder Krieg ist ein einzigartiger Fall. Er erfordert die Erarbeitung einer besonderen Logik und nicht die Anwendung vorhandener Vorlagen.\"<\/em>\r\n\r\n<em>Dieser Ansatz gilt weiter als richtig. Jeder Krieg stellt sich als ein einzigartiger Fall dar, der das Verst\u00e4ndnis seiner besonderen Logik und seiner Einzigartigkeit erfordert. Das kommt daher, weil der Charakter eines Krieges, in den Russland oder seine Verb\u00fcndeten hineingezogen werden sehr schwer vorherzusagen ist. Nichtsdestotrotz m\u00fcssen wir genau das tun. Alle Aussagen der Milit\u00e4rwissenschaft sind wertlos, wenn die milit\u00e4rische Theorie nicht durch die Funktion der Vorhersage abgesichert wird.<\/em>\r\n\r\n<em><span style=\"font-family: 'Times New Roman', serif\"><span style=\"font-size: medium\"><span style=\"color: #444444\"><span style=\"font-family: Arial, serif\">[\u2026]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/em><\/blockquote>\r\nAutor: Dr. Mark Galeotti in <a href=\"https:\/\/inmoscowsshadows.wordpress.com\/2014\/07\/06\/the-gerasimov-doctrine-and-russian-non-linear-war\/\">inmoscowsshadows.wordpress.com<\/a>; \u00fcbersetzt von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kurt.Becker.p\">Kurt Becker<\/a>.","amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9818"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9828,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9818\/revisions\/9828"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9820"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/informnapalm.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}