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    ISW aktualisiert die Karte zu Russlands globaler Infrastruktur für kognitive Kriegsführung

    on 2026-09-16 | 0 Comment | Aktuell | Analytik | Gesellschaft
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    ISW-Karte zu Russlands globaler Infrastruktur für kognitive Kriegsführung

    Die US-amerikanische Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) aktualisierte am 16. September 2026 ihre interaktive Karte. Sie trägt den Titel Russia’s Cognitive Warfare Infrastructure. Die Karte zeigt Teile der globalen Infrastruktur, die ISW mit russischer kognitiver Kriegsführung und Informationsbeeinflussung in Verbindung bringt.

    Die aktuelle Version umfasst Kooperationen zwischen russischen Staatsmedien und ausländischen Medien sowie Programme zur Ausbildung von Journalisten. Hinzu kommen Kulturzentren des internationalen Netzwerks „Russisches Haus“ von Rossotrudnitschestwo. Die Karte erfasst damit formalisierte Medienkooperationen sowie Strukturen für Ausbildung und langfristige Kontakte zu Medienakteuren außerhalb Russlands.

    Ein internationales Netzwerk von Medienkooperationen

    In einem Beitrag auf X beschreibt ISW kognitive Kriegsführung als Mittel, die Entscheidungsfindung und den Handlungswillen von Gegnern zu beeinflussen. Zugleich betont das Institut, dass der Kreml internationale Medienkooperationen systematisch ausbaut. Dazu gehören auch staatlich organisierte Ausbildungsprogramme für Journalisten und Rekrutierungswege für junge Medienschaffende im Ausland. Dies ist der analytische Rahmen von ISW. Er ist von den dokumentierten Angaben zu einzelnen Vereinbarungen, Schulungen, Institutionen und Teilnehmern zu unterscheiden.

    Eine zentrale Grundlage bildet der ISW-Bericht The Kremlin’s Expanding Media Conglomerate 2026 vom 10. April 2026. Darin dokumentiert ISW Kooperationsvereinbarungen zwischen ausländischen Medien und russischen Akteuren wie TASS, Rossija Segodnja, Sputnik, Ruptly und RT. Die dokumentierten Vereinbarungen betreffen Partner auf mehreren Kontinenten. Sie ermöglichen unter anderem den Austausch von Inhalten und den Zugang zu lokalen Medienmärkten.

    Der April-Bericht gibt die eigene Angabe von TASS wieder, mit rund 200 Medienakteuren in 114 Ländern zusammenzuarbeiten. Die Zahl stammt somit von TASS selbst und ist keine unabhängige Schätzung von ISW. Dem Bericht zufolge hat TV BRICS seit 2022 außerdem mindestens 44 Kooperationsvereinbarungen geschlossen. TV BRICS ist ein internationales Mediennetzwerk mit Sitz in Moskau.

    ISW beschreibt TV BRICS als Plattform für Medienkooperationen. Über die Plattform werden aufbereitete Inhalte aus Partnerländern verbreitet und Russlands Präsenz auf Medienmärkten in Afrika, Asien und Lateinamerika gestärkt. In seiner umfassenderen Analyse beschreibt das Institut, wie der Kreml versucht, eine dauerhaft angelegte internationale Medieninfrastruktur aufzubauen. Es geht demnach nicht nur um einzelne Kanäle zur kurzfristigen Verbreitung von Informationen.

    Dass ein ausländischer Partner in der Kartierung auftaucht, ist für sich genommen kein Beleg für eine bewusste Beteiligung an einer russischen Einflussoperation. Eine dokumentierte Vereinbarung belegt, dass eine etablierte Zusammenarbeit besteht. Schlussfolgerungen über redaktionelle Steuerung, organisatorische Koordinierung oder Absichten erfordern gesonderte Belege. Diese Unterscheidung ist bei der Analyse offener Quellen von zentraler Bedeutung.

    Journalistenausbildung als langfristige Infrastruktur

    Der April-Bericht befasst sich auch mit den russischen Ausbildungsplattformen SputnikPro und RT Academy. ISW gibt eine Angabe von Rossija Segodnja wieder, wonach SputnikPro bis 2025 international mehr als 12.700 Teilnehmer geschult hatte.

    Am 12. August 2026 veröffentlichte ISW den Bericht The Kremlin is Cultivating an AI-Trained Global Media Cadre for Lasting Influence. Darin wird eine spätere Angabe genannt: mehr als 15.000 Teilnehmer. Die Zahlen wurden zu unterschiedlichen Zeitpunkten veröffentlicht. Sie dürfen daher nicht so verstanden werden, als habe ISW einen Zuwachs um eine bestimmte Zahl von Teilnehmern verifiziert. RT gab zugleich an, dass die RT Academy bis August 2026 mehr als 7.000 Teilnehmer geschult habe.

    Der August-Bericht dokumentiert mindestens 50 Schulungsveranstaltungen, die SputnikPro und RT Academy zwischen Juli 2025 und Juli 2026 durchführten. Nach Angaben von ISW befasste sich etwa die Hälfte davon mit künstlicher Intelligenz. Die Schulungen umfassten unter anderem die Erstellung von Texten, Bildern und Videomaterial. Thematisiert wurden außerdem effizientere redaktionelle Arbeitsabläufe und der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Medienproduktion.

    Das Russische Haus und Schulungsangebote für junge Medienschaffende

    ISW berichtet außerdem, dass die RT Academy und das Russische Haus in Jakarta im November und Dezember 2025 KI-Schulungen durchführten. Die Schulungen richteten sich an mehrere Hundert junge Meinungsbildner, Journalisten und Medienstudierende aus Ostasien. Das Russische Haus gehört zum internationalen Netzwerk der Kulturzentren von Rossotrudnitschestwo. Zu den Aufgaben der Behörde zählen die internationale humanitäre Zusammenarbeit und der Ausbau der Beziehungen Russlands zu anderen Staaten.

    Nach Einschätzung von ISW sind diese Ausbildungsaktivitäten längerfristig angelegt als einzelne Informationskampagnen. Wiederkehrende Schulungen, Hochschulkontakte und Rekrutierungswege können langfristige Beziehungen zu Personen schaffen, die in nationalen und regionalen Medienlandschaften tätig sind. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung von ISW. Sie ist von den dokumentierten Angaben zu einzelnen Schulungen, Vereinbarungen und Teilnehmerzahlen zu unterscheiden.

    Die InformNapalm-Kartierung von 2024 beleuchtet einen anderen Teil des Informationsumfelds

    Die aktualisierte ISW-Karte lässt sich mit der Untersuchung Website networks in Europe used as tools for Russian information warfare vergleichen. InformNapalm und Insight News veröffentlichten die Untersuchung am 8. März 2024. Sie beleuchtet eine andere Ebene des Informationsumfelds. Im Mittelpunkt stehen europäische Websites mit wiederkehrenden prorussischen und antiwestlichen Botschaften, wechselseitigen Zitationen, Verlinkungen und Zugriffen über verweisende Websites.

    Für die Untersuchung wurden unter anderem SimilarWeb und SE Ranking eingesetzt, um Websites mit mehreren gemeinsamen Merkmalen zu identifizieren. Dazu gehörten ähnliche Inhalte, gemeinsame Suchbegriffe, wechselseitige Verlinkungen und Zitationen sowie Zugriffe über verweisende Websites. Zusätzlich wurden veröffentlichte Nachrichten, Analysen und Kommentare inhaltlich ausgewertet. Die Ergebnisse wurden in einer interaktiven Visualisierung dargestellt, in der sich die Beziehungen zwischen den Websites nachvollziehen ließen.

    Die Größe der Websites in der Visualisierung spiegelte ihr Besucheraufkommen wider. Die Linien zeigten Verlinkungen, Zitationen und den Besucherverkehr zwischen den Websites. Auf diese Weise ließen sich Überschneidungen zwischen Websites mit ähnlichen prorussischen und antiwestlichen Botschaften untersuchen. Die Überschneidungen betrafen Inhalte, Links und Nutzerströme und nicht formelle Vereinbarungen.

    Die beiden Kartierungen beschreiben somit überwiegend unterschiedliche Arten von Verbindungen. ISW dokumentiert vor allem formalisierte Medienkooperationen, Journalistenausbildungen und andere institutionelle Strukturen. Die Untersuchung von 2024 analysiert dagegen Verbindungen und Überschneidungen zwischen Websites im europäischen Informationsumfeld. Dabei geht es um ähnliche Inhalte, wechselseitige Zitationen, Links, Zugriffe über verweisende Websites und sich überschneidende Zielgruppen.

    Die direkte Überschneidung ist bislang gering

    In einem früheren Telegram-Beitrag zur aktualisierten ISW-Karte weisen die Freiwilligen von InformNapalm darauf hin, dass sich die beiden Datensätze bislang nur in geringem Umfang überschneiden. Viele europäische Websites aus der Untersuchung von 2024 finden sich nicht in der öffentlich zugänglichen Übersicht von ISW über formalisierte Medienkooperationen.

    Das bedeutet nicht, dass die Ergebnisse einander widersprechen. Die Kartierungen erfassen unterschiedliche Ebenen des Informationsumfelds und untersuchen verschiedene Arten von Beziehungen. ISW kartiert vor allem formalisierte Infrastruktur. Die Untersuchung von 2024 konzentriert sich dagegen darauf, wie Inhalte und Besucherverkehr zwischen Websites zirkulieren.

    Um mögliche Verbindungen zwischen diesen Ebenen nachzuweisen, sind gesonderte Belege erforderlich. Solche Verbindungen können etwa durch Kooperationsvereinbarungen, Wiederveröffentlichungen, Veröffentlichungmuster im Zeitverlauf und systematische Zitierketten dokumentiert werden. Auch Zugriffe über Verweislinks und gemeinsame redaktionelle Kontakte können relevant sein. Ähnlichkeiten in den verbreiteten Botschaften allein reichen nicht aus, um eine organisatorische Koordinierung nachzuweisen.

    Weitere Analyse offener Quellen

    Eine weiterführende OSINT-Analyse kann den Zusammenhang zwischen der von ISW dokumentierten formalisierten russischen Medieninfrastruktur und lokalen Netzwerken untersuchen. Diese Netzwerke können russische Botschaften weiterverbreiten und legitimieren. Zu klären ist, ob formelle Partnerschaften, Ausbildungsprogramme und institutionelle Kontakte mit dezentraleren Online-Strukturen verknüpft werden können. Solche Strukturen werden in der Kartierung von 2024 sichtbar.

    Die Kombination der beiden Kartierungen bietet eine Grundlage für weitere Untersuchungen möglicher Verbindungen zwischen formalisierten russischen Medienstrukturen und lokalen Netzwerken. Solche Zusammenhänge müssen im Einzelfall anhand transparent offengelegter Quellen und reproduzierbarer Methoden belegt werden. Eine organisatorische Koordinierung darf nicht von vornherein angenommen werden.

    Der Artikel wurde von Erdem Karagöz verfasst.


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    Tags: InformationsbeeinflussungInformNapalmISWkognitive KriegsführungOSINTRT AcademyRussisches HausRusslandSputnikProTV BRICS

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