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    Südkorea im Streit mit der Ukraine – Nordkorea lernt aus der modernen Kriegsführung

    on 2026-10-08 | 0 Comment | Gesellschaft | InformNapalm | OSINT
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    Südkorea im Streit mit der Ukraine – Nordkorea lernt aus der modernen Kriegsführung

    Am 8. Oktober 2026 rief Südkorea seinen Botschafter aus der Ukraine zurück. Auslöser war ein diplomatischer Streit um zwei nordkoreanische Kriegsgefangene. Der Schritt fiel zeitlich mit einem internationalen Skandal um Treibstofflieferungen aus südkoreanischen Häfen nach Russland zusammen. An den Transporten waren unter anderem Tanker beteiligt, gegen die Sanktionen verhängt worden waren. Hinter dem diplomatischen Streit steht jedoch eine weitaus ernstere Frage.

    Seoul bewegt sich bei seiner Entscheidung zwischen Moskau und Kyjiw auf einem schmalen Grat. Unterdessen sammelt Nordkoreas Armee mit russischer Unterstützung systematisch Erfahrungen in der modernen Kriegsführung. Eines Tages könnte sie diese Erkenntnisse gegen Südkorea selbst einsetzen.

    Zwei nordkoreanische Kriegsgefangene und der diplomatische Konflikt

    Am 8. Oktober berichtete Reuters, Südkorea habe beschlossen, seinen Botschafter aus der Ukraine zurückzurufen. Hintergrund war ein Streit über die öffentliche Bekanntgabe der Übergabe zweier nordkoreanischer Soldaten. Die Männer waren im Januar 2025 von ukrainischen Streitkräften in der Region Kursk gefangen genommen worden.

    Mitte September 2026 wurden die Kriegsgefangenen an Südkorea übergeben. Am 23. September gab Präsident Wolodymyr Selenskyj die Übergabe während seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen bekannt. Seoul erklärte jedoch, der Vorgang hätte vertraulich bleiben müssen, unter anderem wegen möglicher Gefahren für die Soldaten und ihre Familien in Nordkorea. Die Ukraine bestritt dagegen, dass eine entsprechende Vereinbarung bestanden habe.

    Südkorea im Streit mit der Ukraine – Nordkorea lernt aus der modernen Kriegsführung

    Es folgten mehrere Runden diplomatischer Gespräche. Da Seoul die ukrainischen Erklärungen für unzureichend hielt, spitzte sich der Konflikt weiter zu und mündete schließlich in den Rückruf des Botschafters. Gleichzeitig erklärte das südkoreanische Außenministerium, das Land sei bereit, die Verhandlungen mit Kyjiw fortzusetzen.

    Der Schutz der Kriegsgefangenen ist zweifellos wichtig. Zugleich offenbart der Streit ein erheblich größeres Problem zwischen zwei Staaten, die gemeinsame Sicherheitsinteressen verfolgen. Sowohl Südkorea als auch die Ukraine haben gute Gründe, der militärischen Stärkung Nordkoreas durch dessen Zusammenarbeit mit Russland entgegenzuwirken. Bereits im Herbst 2024 bot sich Südkorea eine einmalige Gelegenheit, unmittelbare Einblicke in die Armee seines wichtigsten militärischen Gegners zu gewinnen.

    Südkorea erwog bereits 2024 eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine

    Am 22. Oktober 2024 berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap, dass die südkoreanische Regierung erwäge, Militärangehörige und Nachrichtendienstexperten in die Ukraine zu entsenden. Sie sollten die Taktik, Bewaffnung und Kampffähigkeit nordkoreanischer Einheiten untersuchen. Zur Diskussion stand außerdem, ob südkoreanische Fachleute an der Befragung künftig gefangen genommener nordkoreanischer Soldaten mitwirken könnten.

    Für Seoul war dies eine seltene Gelegenheit. Jahrzehntelang hatte der südkoreanische Nachrichtendienst die nordkoreanische Armee vor allem aus der Ferne beobachtet. Dabei stützte er sich auf Satellitenaufnahmen, Informationen aus Agentenquellen, Militärübungen und Aussagen von Überläufern. Nun bestand die Möglichkeit, das Verhalten nordkoreanischer Einheiten unter realen Kriegsbedingungen zu untersuchen – im Kampf gegen eine Armee, die FPV-Drohnen, elektronische Kampfführung, Artillerie und moderne Aufklärungssysteme aktiv einsetzt.

    Gleichzeitig zeigte sich Seoul offen dafür, seine bisherige Haltung zur Lieferung tödlicher Waffen an die Ukraine zu überdenken. In den folgenden zwei Jahren entwickelte sich daraus jedoch keine umfassende, öffentlich bestätigte Verteidigungspartnerschaft.

    Zwar arbeitete Südkoreas nationaler Nachrichtendienst, der National Intelligence Service (NIS), im Zusammenhang mit den nordkoreanischen Kriegsgefangenen mit ukrainischen Nachrichten- und Sicherheitsdiensten zusammen. Südkorea unterstützte die Ukraine zudem finanziell und humanitär sowie mit nichtletaler Ausrüstung. Direkte Lieferungen tödlicher Waffen blieben jedoch aus.

    Ein Teil der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit könnte geheim geblieben sein. Die öffentlich zugänglichen Informationen reichen allerdings nicht aus, um zu dem Schluss zu kommen, dass Seoul die strategischen Möglichkeiten, die sich durch Nordkoreas Beteiligung am Krieg gegen die Ukraine eröffneten, vollständig ausgeschöpft hat.

    InformNapalms Arbeit mit nordkoreanischen Soldaten in der Region Kursk

    Bereits im Dezember 2024 veröffentlichte InformNapalm ein Video, das die Organisation von ukrainischen Soldaten erhalten hatte. Darauf war zu sehen, wie Drohnen koreanischsprachige Flugblätter über den Stellungen nordkoreanischer Einheiten in der Region Kursk abwarfen. Die Soldaten wurden aufgefordert, sich zu ergeben, um ihr Leben zu retten. Gleichzeitig wurde ihnen Hilfe bei einer Übersiedlung nach Südkorea angeboten.

    For North #Korean soldiers in the Kursk region, #Ukrainian drones bring not only death but also an offer to survive and start a new life as free individuals.
    More info: https://t.co/v2IF8F5qKT https://t.co/b4NtYQDGos

    — InformNapalm (@InformNapalm) December 19, 2024

    Es ging also nicht nur darum, die Soldaten dazu zu bewegen, ihre Beteiligung am Krieg zu beenden. Ihnen wurde auch die Aussicht auf ein neues Leben außerhalb des totalitären Systems von Kim Jong-un eröffnet.

    Flugblätter riefen nordkoreanische Soldaten zur Kapitulation auf

    Mit der Kampagne sollten die gegnerischen Soldaten direkt erreicht werden. Sie waren über viele Jahre staatlicher Propaganda ausgesetzt gewesen und wussten vermutlich nur wenig über die tatsächlichen Lebensverhältnisse in Südkorea. Die Aktion fand auch in südkoreanischen Medien Beachtung, darunter Yonhap und News1TV.

    InformNapalm betonte bereits damals, dass es im strategischen Interesse Südkoreas liege, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. Auf diese Weise ließe sich Nordkoreas militärisches Potenzial weit entfernt von der koreanischen Halbinsel eindämmen. Daneben gab es weitere Versuche, nordkoreanische Soldaten dazu zu bewegen, ihre Waffen niederzulegen und sich für ein friedliches Leben zu entscheiden.

    Військовий Південної Кореї 🇰🇷 зробив відеозвернення корейською мовою до військових #КНДР, що воюють проти України на боці РФ (субтитри українською).

    Ми прагнемо дати шанс солдатам Північної Кореї зробити правильний вибір, вижити й здобути волю, якої у них ніколи не було.

    Ми закликаємо дружні канали та ресурси долучитись до поширення цього відеозвернення, зі свого боку ми докладаємо максимум зусиль, щоб інформація дійшла до адресатів різними засобами, не тільки через інтернет, але і безпосередньо на полі бою.

    #Korea #Ukraine

    — InformNapalm (@InformNapalm) December 3, 2024

    Am 3. Dezember 2024 wurde beispielsweise eine Videobotschaft veröffentlicht, in der sich ein südkoreanischer Soldat auf Koreanisch direkt an nordkoreanische Militärangehörige wandte, die auf russischer Seite kämpften. Das Video war mit ukrainischen Untertiteln versehen. Die Soldaten wurden aufgefordert, selbst die Entscheidung zu treffen, ihre Waffen niederzulegen, ihr Leben zu retten und die Freiheit zu erlangen, die ihnen bis dahin verwehrt geblieben war.

    InformNapalm rief andere Medien und Informationskanäle dazu auf, die Videobotschaft weiterzuverbreiten. Zugleich bemühte sich die Organisation darum, dass die Botschaft die Soldaten sowohl über das Internet als auch unmittelbar auf dem Schlachtfeld erreichte.

    Die ersten nordkoreanischen Kriegsgefangenen lieferten wertvolle Informationen

    Am 11. Januar 2025 teilte die Ukraine mit, dass zwei verwundete nordkoreanische Soldaten in der Region Kursk gefangen genommen worden seien. Die Männer waren von Angehörigen der Spezialoperationskräfte der ukrainischen Streitkräfte gefasst worden. Ihre Gefangennahme eröffnete neue Möglichkeiten, unmittelbar von Personen nachrichtendienstliche Informationen zu erhalten, die in der nordkoreanischen Armee ausgebildet worden waren und an Kampfhandlungen teilgenommen hatten.

    Ihr Browser unterstützt die Wiedergabe eingebetteter Videos nicht.

    In seinen Veröffentlichungen vom Januar befasste sich InformNapalm auch mit der Möglichkeit, solche Kriegsgefangenen an Südkorea zu übergeben. Zugleich hob die Organisation ihren Wert als Informationsquellen über die nordkoreanische Armee hervor.

    Ein anschauliches Beispiel liefert ein Beitrag von InformNapalm vom 20. Januar 2025. Darin wurde beschrieben, wie die koreanischsprachigen Flugblätter anhand von Informationen der ersten Kriegsgefangenen verbessert wurden. Die ukrainischen Soldaten passten sowohl den Inhalt als auch die Gestaltung der Flugblätter an die neu gewonnenen Erkenntnisse an.

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    Es ging also längst nicht mehr nur darum, Flugblätter abzuwerfen. Die Aussagen der Gefangenen wurden genutzt, um die Informationsarbeit gegenüber nordkoreanischen Soldaten zu verbessern. Zwar gibt es keine Belege dafür, dass gerade diese Flugblätter einzelne Soldaten zur Kapitulation bewegten. Die Kampagne zeigte jedoch Möglichkeiten auf, die mit Unterstützung südkoreanischer Fachleute weiterentwickelt werden könnten.

    Seoul erhielt Zugang zu den einzigartigen Erfahrungen ukrainischer Soldaten. In welchem Umfang Südkorea dieses Wissen tatsächlich genutzt hat, bleibt allerdings unklar. Zudem handelt es sich nur um einen kleinen Teil des Materials, das InformNapalm über die Beteiligung nordkoreanischer Soldaten am Krieg gegen die Ukraine veröffentlicht hat. Im Telegram-Archiv der Gemeinschaft finden sich mehrere Dutzend Beiträge zu diesem Thema. Sie lassen sich unter anderem über die ukrainischen Suchbegriffe „КНДР“ und „північнокорейські“ finden.

    Das Material umfasst einzigartige Videos aus der Region Kursk, Berichte über die Beteiligung nordkoreanischer Soldaten an Kampfhandlungen sowie Dokumentationen zu Kriegsgefangenen. Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, kann anhand des Archivs die Entwicklung der Ereignisse chronologisch nachvollziehen.

    Nordkoreas Armee passt ihre Taktik nach den Kämpfen in Kursk an

    Die ersten Monate der nordkoreanischen Beteiligung an den Kämpfen waren von hohen Verlusten geprägt. Ukrainische Soldaten dokumentierten groß angelegte Infanterieangriffe, bei denen nordkoreanische Einheiten in dicht gedrängten Gruppen vorrückten. Dadurch waren sie besonders anfällig für Artilleriebeschuss und Angriffe mit FPV-Drohnen.

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    Es wäre jedoch ein Fehler anzunehmen, dass die nordkoreanischen Einheiten heute noch denselben Ausbildungsstand haben wie zu Beginn ihres Einsatzes. Vielmehr deuten die verfügbaren Erkenntnisse darauf hin, dass Nordkorea aus den Kämpfen lernt und seine militärischen Methoden entsprechend anpasst.

    Nordkoreanische Einheiten lernen den Drohneneinsatz und die Taktik kleiner Kampfgruppen

    Im März 2025 berichtete Yonhap unter Berufung auf den NIS, dass nordkoreanische Soldaten in Russland bereits im Umgang mit Drohnen ausgebildet würden. Ein weiteres aufschlussreiches Beispiel liefert die Aussage eines nordkoreanischen Kriegsgefangenen. Er berichtete dem südkoreanischen Parlamentsabgeordneten Yu Yong-won über russische Systeme zur Drohnenabwehr und darüber, wie sich deren Wirksamkeit veränderte, nachdem ukrainische Drohnen so angepasst worden waren, dass sie den Gegenmaßnahmen besser entgehen konnten.

    Am 9. April 2026 veröffentlichte der britische Thinktank Royal United Services Institute (RUSI) eine Studie von John Hemmings. Darin beschrieb Hemmings, wie nordkoreanische Truppen von großen Infanterieverbänden zu kleineren taktischen Gruppen übergegangen waren. Er erläuterte außerdem, wie Aufklärungsdrohnen zur Korrektur des Artilleriefeuers eingesetzt wurden und wie die Erfahrungen aus den Kämpfen in der Region Kursk in die militärische Ausbildung einflossen.

    Diese Entwicklung zeigt, dass Nordkoreas Beteiligung am Krieg weit mehr bedeutet, als Russland lediglich zusätzliche Soldaten zur Verfügung zu stellen. Sie gibt Pjöngjang auch die Möglichkeit, seine Taktik anhand praktischer Erfahrungen aus der modernen Kriegsführung weiterzuentwickeln.

    Russland unterstützt Nordkoreas Entwicklung von Drohnentechnologie

    Parallel dazu baut Pjöngjang seine eigene Drohnenindustrie aus und vertieft die militärtechnische Zusammenarbeit mit Russland. Am 4. Oktober 2026 berichtete Reuters, dass Moskau nach Einschätzung von Präsident Selenskyj Technologie für strahlgetriebene Angriffsdrohnen an Nordkorea weitergegeben habe. Das genaue Ausmaß dieser Technologietransfers muss allerdings noch durch unabhängige Quellen bestätigt werden.

    Insgesamt gewinnt Pjöngjang Kampferfahrungen, über die seine Armee seit Jahrzehnten nicht verfügte. Dabei geht es nicht nur um Angriffsoperationen, sondern auch um die Abwehr moderner Drohnen, den Einsatz elektronischer Kampfführung und die drohnengestützte Aufklärung. Hinzu kommen Erfahrungen bei der Koordinierung unterschiedlicher Waffensysteme im Gefecht.

    Besonders besorgniserregend ist diese Entwicklung, weil auch nordkoreanische Spezialoperationskräfte an dem Krieg beteiligt sind. Diese Einheiten werden traditionell für das Eindringen hinter feindliche Linien, Sabotageakte und die Einnahme strategisch wichtiger Objekte ausgebildet. Künftig könnten die neu erworbenen Fähigkeiten gegen Südkorea eingesetzt werden, etwa bei Drohnenangriffen auf militärische Infrastruktur oder zur Unterstützung kleiner Angriffs- und Sabotagegruppen.

    Natürlich ist die Region Kursk nicht mit der koreanischen Halbinsel gleichzusetzen. Seoul verfügt über moderne Streitkräfte, hochentwickelte Überwachungssysteme und ein Verteidigungsbündnis mit den USA. Es wäre daher falsch anzunehmen, dass sich Nordkoreas Kampferfahrungen ohne Weiteres auf einen künftigen Krieg auf der koreanischen Halbinsel übertragen ließen. Noch gefährlicher wäre es allerdings, die tatsächliche taktische Anpassungsfähigkeit des Gegners zu ignorieren.

    Treibstofftransporte aus südkoreanischen Häfen nach Russland

    Während Seoul gegenüber der Ukraine ein diplomatisches Zeichen setzt, hat ein weiterer Skandal ernste Fragen zum Verhalten Südkoreas selbst aufgeworfen. Im Mittelpunkt stehen umfangreiche Treibstofftransporte aus südkoreanischen Häfen nach Russland.

    Am 6. Oktober veröffentlichte die britische Zeitung The Guardian eine Recherche auf Grundlage von Hafendokumenten und Schiffspositionsdaten. Demnach wurden allein im Juli und August 2026 mehr als 176.000 Tonnen Erdölprodukte, überwiegend Diesel, aus südkoreanischen Häfen nach Russland transportiert.

    Sanktionierte Tanker wurden für Treibstofftransporte eingesetzt

    Sieben Tanker unternahmen insgesamt 14 Fahrten in den russischen Fernen Osten. Drei dieser Schiffe unterlagen Sanktionen westlicher Staaten.

    Südkorea im Streit mit der Ukraine – Nordkorea lernt aus der modernen Kriegsführung

    Zu ihnen gehörte der Tanker Layla, der auf zwei Fahrten insgesamt rund 57.000 Tonnen Diesel von Ulsan nach Wladiwostok transportierte. Bei einer dieser Fahrten gab das Schiff den japanischen Hafen Niigata als Ziel an, steuerte tatsächlich jedoch Russland an.

    Dokumentiert wurden auch Umladungen von Treibstoff zwischen Schiffen in südkoreanischen Gewässern. Nach ukrainischen Schätzungen entfielen im August rund 31 Prozent der russischen Treibstoffimporte auf Lieferungen aus Südkorea.

    Südkorea im Streit mit der Ukraine – Nordkorea lernt aus der modernen Kriegsführung

    All dies geschah zu einer Zeit, als die Ukraine systematisch russische Ölraffinerien und andere Anlagen der Treibstoffversorgung angriff. Moskau versuchte daher, die entstandenen Versorgungsengpässe auszugleichen.

    Daraus ergibt sich ein paradoxes Bild: Ukrainische Soldaten riskieren ihr Leben, um Russlands Treibstoffversorgung zu unterbrechen. Gleichzeitig gelangen große Mengen Treibstoff über südkoreanische Häfen nach Russland, unter anderem an Bord von Schiffen, gegen die Sanktionen verhängt wurden.

    Südkorea weist Vorwürfe der Sanktionsumgehung zurück

    Seoul wies den Vorwurf zurück, die Umgehung von Sanktionen erleichtert zu haben. Südkoreanische Behörden erklärten, die betreffenden Erdölprodukte unterlägen nicht den Exportbeschränkungen des Landes. Zudem kündigten sie an, mögliche Verstöße zu untersuchen.

    Die verfügbaren Informationen beweisen somit nicht, dass die südkoreanische Regierung bewusst Treibstofflieferungen nach Russland organisiert hat. Sie werfen jedoch Fragen nach der Wirksamkeit der Sanktionskontrollen auf. Zugleich stellt sich die Frage nach der politischen Verantwortung für wirtschaftliche Transaktionen, die Russland dabei helfen, die Folgen ukrainischer Angriffe abzufedern.

    Vor diesem Hintergrund erscheint Seouls Entscheidung, sich gegenüber der Ukraine demonstrativ als benachteiligte Partei darzustellen, zumindest widersprüchlich. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Russland, das Treibstoff aus südkoreanischen Häfen erhält, ist zugleich Nordkoreas wichtigster militärischer Partner. Moskau setzt nordkoreanische Munition und nordkoreanische Soldaten ein. Im Gegenzug erhält Pjöngjang Zugang zu Kampferfahrungen, russischer Technologie und Ressourcen.

    Wirtschaftliche Transaktionen, die Russlands Lage erleichtern, tragen somit indirekt dazu bei, seine Ressourcenbasis zu erhalten. Gleichzeitig ist es gerade Russland, das Südkoreas wichtigsten militärischen Gegner stärkt. Entsteht dadurch nicht ein gefährlicher strategischer Widerspruch zwischen Südkoreas wirtschaftlichen Beziehungen und seinen sicherheitspolitischen Interessen?

    Südkoreas Entscheidung zwischen Moskau und Kyjiw

    Die Regierung von Präsident Lee Jae-myung bemüht sich darum, den Dialog mit Pjöngjang wieder aufzunehmen und die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel abzubauen. Es lässt sich auch nicht ausschließen, dass Seoul eine Verbesserung der Beziehungen zu Moskau in Erwägung zieht, in der Hoffnung, Russlands Einfluss auf Kim Jong-un nutzen zu können.

    Öffentliche Belege dafür, dass solche Überlegungen hinter der Entscheidung zum Rückruf des Botschafters oder der südkoreanischen Politik hinsichtlich der Lieferungen nach Russland standen, gibt es jedoch nicht. Sollte eine solche Strategie tatsächlich diskutiert werden, wäre sie mit erheblichen Risiken verbunden. Eine Verständigung mit dem Kreml über die Eindämmung Nordkoreas würde bedeuten, sich auf einen Staat zu verlassen, der selbst ein Interesse daran hat, Pjöngjang militärisch zu stärken.

    Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass Zugeständnisse an aggressive Regime deren Ambitionen eher verstärken als mäßigen können, wenn sie nicht mit glaubwürdiger Abschreckung einhergehen. Südkorea hat jedoch eine andere Möglichkeit: Das Land könnte die militärtechnische und nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit der Ukraine vertiefen, deren Streitkräfte nordkoreanische Verbände bereits unmittelbar auf dem Schlachtfeld bekämpft haben.

    Die Ukraine verfügt damit über Erfahrungen, die für Südkoreas Sicherheit besonders relevant sind. Dazu gehören die Drohnenabwehr, die elektronische Kampfführung, der Einsatz kleiner Angriffsgruppen und weitere Elemente moderner Kriegsführung. Für Seoul könnten diese Erfahrungen mindestens ebenso wichtig sein wie die klassische Diplomatie.

    Erbeutetes russisches Militärfunkgerät R-187-P1 Azart aus der Region Kursk

    Foto aus der Region Kursk: Ein erbeutetes russisches Militärfunkgerät des Typs R-187-P1 „Azart“, das Angehörige der ukrainischen Spezialoperationskräfte neben den Leichen gefallener nordkoreanischer Soldaten fanden. Exklusives Material von InformNapalm.

    InformNapalms Schlussfolgerungen zur militärischen Entwicklung Süd- und Nordkoreas

    Bereits im Dezember 2024 wies InformNapalm auf die strategischen Vorteile hin, die Südkorea aus einer aktiveren Unterstützung der Ukraine ziehen könnte. Nach der Gefangennahme der ersten nordkoreanischen Soldaten betonten wir auch deren Wert als nachrichtendienstliche Informationsquellen. Fast zwei Jahre später sind diese Argumente nach wie vor aktuell. Pjöngjang hat für seine Kriegsbeteiligung mit hohen Verlusten einen erheblichen Preis bezahlt. Zugleich erhielt Nordkorea die Möglichkeit, die Fähigkeiten seiner Armee unter realen Kampfbedingungen zu erproben. Dadurch konnte das Land seine Taktik anpassen und die Entwicklung militärischer Technologien beschleunigen.

    Auch Seoul erhielt Zugang zu wichtigen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit der Ukraine. Die öffentlich zugänglichen Quellen liefern jedoch keine ausreichenden Belege dafür, dass Südkorea dieses Potenzial vollständig ausgeschöpft hat.

    Statt einer vertieften Zusammenarbeit gegen gemeinsame Bedrohungen erleben wir nun einen diplomatischen Streit um zwei Kriegsgefangene. Gleichzeitig ist ein Skandal um Treibstofflieferungen nach Russland über südkoreanische Häfen entstanden. Über diplomatische Protokolle, Vertraulichkeit und politische Kränkungen lässt sich streiten. Doch es gibt eine strategische Realität, die sich nicht ignorieren lässt. Russland und Nordkorea vertiefen ihre militärische Zusammenarbeit weiter. Moskau erhält Soldaten und Munition, während Pjöngjang Kampferfahrung, Technologie und die Möglichkeit zur Modernisierung seiner Armee gewinnt.

    Gleichzeitig läuft Südkorea Gefahr, zu unterschätzen, wie viel Zeit sein Gegner gewonnen hat, um eine neue militärische Aggression vorzubereiten. Für Seoul könnte Kyjiw ein weitaus verlässlicherer strategischer Verbündeter im Widerstand gegen einen Aggressor sein als die Versprechen, die Moskau hinter verschlossenen Türen abgibt. Ob Seoul dies rechtzeitig erkennt oder seine Entscheidung erst bereut, wenn nordkoreanische Soldaten ihre neu erworbenen Kampferfahrungen gegen Südkorea einsetzen, bleibt abzuwarten.

    Der Artikel wurde von Roman Burko für InformNapalm verfasst.


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    Tags: DrohnenkriegFPV-DrohnenInformNapalmKurskmoderne KriegsführungNordkoreanordkoreanische KriegsgefangeneRusslandSanktionenSüdkoreaTreibstofflieferungenUkraine

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