Hacker der Ukrainischen Cyber-Allianz (UCA) teilten im Juli 2025 mit, dass die russische Unternehmensgruppe Gaskar, ein UAV-Hersteller, Ziel eines umfassenden Cyberangriffs geworden sei. Die Aktion erfolgte in Zusammenarbeit mit der Gruppe BO Team.
Die Unternehmensgruppe unterhält dokumentierte Verbindungen zum russischen Vizepremierminister Marat Chusnullin, der seit Januar 2020 auch für die Koordination der Verwaltungsaktivitäten in den zeitweise besetzten Gebieten Krim und Sewastopol zuständig ist.
Gaskar profiliert sich als UAV-Hersteller trotz Kritik an staatlichen Auftragsvergaben
Gaskar war in mehrere aufsehenerregende Skandale im Zusammenhang mit städtebaulichen Projekten in Moskau verwickelt, darunter der Umbau des Luschniki-Stadions und die Einführung der Applikation „Soziale Überwachung“. Sämtliche Vorhaben wurden mit Mitteln aus dem russischen Staatshaushalt finanziert. Im Jahr 2024 begann die Konzerneinheit Gaskar-Integration mit der Produktion unbemannter Luftfahrzeuge zur Deckung des Bedarfs der russischen Streitkräfte und etablierte sich damit als UAV-Hersteller.
Bildmaterial von Überwachungskameras auf dem Gelände des UAV-Herstellers Gaskar zeigt Tätigkeiten mit unmittelbarem Bezug zur militärischen Produktion. Nach Angaben russischer Militärkanäle wurde das Drohnenmodell ‚Sibirjak‘ unter Verwendung chinesischer Bauteile von geringer technischer Qualität zusammengebaut. Obwohl die Produktionskosten auf unter eine halbe Million Rubel geschätzt werden, beschaffte das Verteidigungsministerium das Modell zu einem Preis von 2,5 Millionen Rubel pro Einheit. Diese Preisgestaltung entspricht bekannten Mustern von Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Auftragsvergaben durch russische Behörden.
Der Betrieb wurde infolge des Cyberangriffs eingestellt
Der digitale Angriff führte zum vollständigen Stillstand der Unternehmensaktivitäten. Internen Angaben zufolge wechselte die gesamte Belegschaft unmittelbar in den Fernarbeitsmodus, nachdem Produktionslinien und IT-Systeme ausgefallen waren. Ein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Betriebs ist bislang unbekannt. Inzwischen wird mit einer verringerten Verfügbarkeit neuer Drohnen in Russland gerechnet, da die Produktion des UAV-Herstellers unterbrochen ist. Der Angriff dürfte zudem erhebliche wirtschaftliche Verluste verursachen.
Die Aktion ermöglichte zudem das Kopieren und Übermitteln sämtlicher technischer Zeichnungen, finanzieller Informationen und Konstruktionsunterlagen des Unternehmens an die ukrainischen Streitkräfte. Diese Informationen könnten dazu beitragen, die Fähigkeit zur Bekämpfung russischer Drohnensysteme im Gefecht zu stärken.
Operationen der UCA finden internationale Beachtung
Die Ukrainische Cyber-Allianz (UCA) ist ein anerkanntes Netzwerk, das seit 2016 offensive Cyberoperationen gegen Russland koordiniert. Die Organisation hat wiederholt auf interne Dokumentenmanagementsysteme des russischen Verteidigungsministeriums zugegriffen und anschließend Materialien veröffentlicht, die staatliche Rüstungsaufträge betreffen.
Zu den bekanntesten Einsätzen zählt die Operation SurkovLeaks, bei der Korrespondenzen und interne Dokumente der russischen Präsidialverwaltung veröffentlicht und in elf Sprachen übersetzt wurden. Dieses Material bildete die Grundlage zahlreicher Analysen und Fachveröffentlichungen in sicherheitspolitischen Kreisen.
Die Authentizität der Dokumente wurde von Akteuren wie InformNapalm, dem Atlantic Council und Bellingcat bestätigt. Die Veröffentlichungen wurden in mehreren führenden internationalen Medien aufgegriffen. Kurz nach der Veröffentlichung trat auch Aleksandr Pawlow, damaliger Kanzleichef der russischen Präsidialverwaltung, von seinem Amt zurück.
Der Artikel basiert auf Informationen offizieller Kanäle der Ukrainischen Cyber-Allianz sowie auf vom Sprecher Sean Tausend geäußerten Aussagen, die von InformNapalm wiedergegeben wurden.
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