Am 10. Oktober wurde in Straßburg die Herbstsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats eröffnet. Diese Sitzung versprach nichts Gutes für Russland trotz der Tatsache, dass während ihrer Eröffnung der Vorsitzende der Versammlung Pedro Agramunt über die Notwendigkeit sprach, die Vertreter der Russischen Föderation zur Vollversammlung zurückzuholen. Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm zieht nun Parallelen zwischen der Situation auf der internationalen Arena und der Eskalation der russischen Aggression an den östlichen Grenzen der EU.
Ab dem ersten Tag der Herbstsitzung arbeiteten nicht nur die Diplomaten und Geheimdienste Russlands auf ein Resultat hin. Russische Medien warfen gemeinsam mit ihren Marionetten aus den terroristischen „D/LVR“-Truppen Mitteilungen über „Beschuss von Zivilisten durch ukrainische Streitkräfte“ und über die Opfer unter den Zivilisten in die Informationssphäre – bemüht, das alte Thema eines „inneren Konflikts in der Ukraine“ wieder anzukurbeln.
Weiter wurde das Thema der Beschüsse von Sachanka und des „ukrainischen Bürgerkriegs“ in allen russischen Medien massiv aufgebauscht. Russische Luftlandetruppen-Veteranen kamen auch zu Wort. So schrieb am 11. Oktober der ominöse Oberst und Vorsitzender der „Regionen Abteilung des internationalen Fallschirmjäger-Vereins Russlands“ Walery Gratow:
Bereits am 12. Oktober wurde klar, dass Russland auf der internationalen Arena sang- und klanglos durchfällt. Weder die russischen Provokationen noch die darauffolgenden Informationsoperationen zum Thema „Innerer ukrainischer Konflikt“ haben irgendwelchen Erfolg gebracht.
- Am 11. Oktober 2016 teilte die Volksabgeordnete der Ukraine, Vorsitzende der ukrainischen Delegation bei der parlamentarischen NATO-Versammlung Irina Fryz mit, dass die ukrainische Delegation ihre europäischen Partner auf der Europarat-Versammlung über die Fakten der unmittelbaren Mitwirkung Russlands am Krieg im Donbass gegen die Ukraine informiert hat. Als Beweisbasis diente der Bericht von InformNapalm [Quelle].
- Am 12. Oktober 2016 schrieb der Volksabgeordnete der Ukraine, Vorsitzender der ukrainischen Delegation bei der parlamentarischen Versammlung des Europarates Volodymyr Arjew in seinem Facebook-Profil: „Lasst uns den Widerstand gegen den russischen Einfluss in der parlamentarischen Versammlung fortsetzen. Lasst uns die bemerkenswerte Faktenanalyse zur Präsenz der russischen Waffen in der Ukraine (von InformNapalm) verbreiten. Nur beständige und konsequente Arbeit mit Information kann die aggressive und bestens finanzierte russische Interventionslobby im Europarat zerschlagen. Schlagen wir die Lügen mit Fakten“ [Quelle].
- Am 12. Oktober teilte Irina Fryz mit, dass in Dnipro die Sitzung des interparlamentarischen Rates Ukraine-NATO stattfand. Den Mitgliedern der ausländischen Delegation wurde ebenfalls die Präsentation von InformNapalm gezeigt [Quelle].
Info zu unserem Bericht:
Die meisten Waffensysteme, die im Bericht aufgeführt werden, sind relativ neue Modelle, die zwischen 2004 und 2015 in die Bewaffnung der russischen Streitkräfte aufgenommen wurden. Dieses Militärgerät wird in der Ukraine nicht hergestellt, ein Großteil davon wurde nie in die Ukraine exportiert und konnte somit nicht als eine Kampftrophäe durch den Gegner erbeutet werden.
PDF-Version des Berichts: 33 Waffensysteme Russlands im Donbass
Auf der parlamentarischen Versammlung wurden zwei Vorträge gehalten und zwei Resolutionen historischen Ausmaßes verabschiedet. Das sind die Berichte der deutschen Politikerin Marie Luise Beck und der tschechischen Abgeordneten Christina Selenkowaja zum Donbass. Der erste Vize-Sprecherin der ukrainischen Werchowna Rada Irina Geraschenko schrieb am 12. Oktober:
„Im Bericht „Politische Folgen der russischen Aggression in der Ukraine“ (SUPER WICHTIG: Der Titel des Berichts wurde geändert und der Konflikt im Donbass als russische Aggression anerkannt!) und im Bericht „Mittel des Rechtsschutzes in Fällen von Menschenrechtsverletzungen in den besetzten ukrainischen Territorien, die der Kontrolle der ukrainischen Regierung nicht unterstehen“ gibt es folgende Schlüsselmomente: Das ist ein russischer Krieg gegen die Ukraine, russische Truppen müssen aus der Ukraine abgezogen werden, Wahlen im Donbass sind unter den jetzigen Bedingungen unmöglich! Da es dort gefährlich ist. Die Wahlen sind entsprechend der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte ETS 9 nicht möglich. Russland trägt die volle Verantwortung für die besetzten Territorien, da es die Situation dort vollständig kontrolliert! Im Donbass und auf der Krim fand eine militärische Invasion statt! Und die sogenannten „LVR“ und „DVR“ sind von Russland erschaffen worden, werden durch Russland unterstützt und sind nicht legitim“.
Russlands Niederlage auf der internationalen Arena mündete traditionell in einer eigentümlichen Rache in Form einer Verschärfung an der Front.
Zum Abend des 12. Oktober haben russische Besatzungstruppen das Dorf Wodjanoje nahe Mariupol aus 152 mm Panzerhaubitzen beschossen. Der Angriff hat einen Brand ausgelöst, mehrere Häuser sind schwer beschädigt worden.
Simultan begannen auch Kämpfe und Beschüsse im Raum von Schyrokyne. Eine genaue und wahrheitsgetreue Karte für den 12. Oktober finden Sie beim Service Infolight.
Die Gruppe „Informationswiderstand“ veröffentlichte eine detaillierte Analyse des Geschehens an der Front:
„Im Laufe der letzten 24 Stunden nahmen russische Okkupanten im Abschnitt zwischen Pawlopol und Schyrokyne die vordersten Stellungen der ukrainischen Streitkräfte aktiv unter Beschuss, sowie einige Objekte und Ortschaften in ihrem taktischen Hinterland, wobei sie verschiedenste Feuermittel einsetzten, inklusive von 122mm-Geschützen und Raketenartillerie. Ferner setzten die Besatzer in diesem Abschnitt 82mm- und 120mm-Mörser ein… Die Feuerangriffe und Beschüsse wiesen einen deutlich provokativen Charakter auf und verfolgten gleich mehrere Ziele. Beispielhaft in diesem Zusammenhang sind jene Abschnitte, die die Söldner unter massiven Beschuss nahmen, darunter auch mittels Artilleriesystemen… Das sind hauptsächlich Stützpunkte der ukrainischen Streitkräfte und Dörfer auf beiden Seiten (aus drei Seiten) der Hauptversorgungswege in diesem Raum (Verkehrsstraßen E58 (Nowoasowsk-Odessa) und Mariupol-Telmanowe), sowie Stellen, an denen sich temporäre oder permanente Posten der OSZE-Beobachter befinden oder befinden sollten… Es wurde der Einsatz von folgenden Waffensystemen registriert: 122mm-Panzerhaubitzen 2S1 „Gwosdika“, 122mm-Raketenartilleriesysteme BM-21 „Grad“, gezogene Haubitzen 2A18 D-30/D-30A, 82mm-Mörser 2B14 „Podnos“ und 2B9 „Wasiljok“ (automatische Variante), 120mm-Mörser 2S12 „Sani“ etc.“
Die Situationsverschärfung und Konflikteskalation waren relativ vorhersagbar – es war offensichtlich, dass Russland sich darauf vorbereitete. Allein im letzten Monat wurde eine bedeutende Anzahl von Schwerbewaffnung und Militärgerät der russischen Besatzungstruppen registriert, die den IBFs (illegale bewaffnete Formationen) im Donbass zugewiesen wurden. Die freiwillige Luftaufklärung registriert immer öfter ganze Artilleriedivisionen des Gegners und stellt stichfeste Beweise für die Verletzung der Bedingungen des Abzugs von schweren Waffen entsprechend dem Minsker Abkommen bereit.
So hat die freiwillige Luftaufklärung Ende September das Vorhandensein von zumindest 8 Einheiten 122mm-Panzerhaubitzen 2S1 „Gwosdika“ nahe Nowoasowsk registriert, in unmittelbarer Nähe zu dem Gebiet, in dem gerade eine Situationsverschärfung zu beobachten ist und das ukrainische Territorium permanent unter Beschuss genommen wird, darunter aus 122mm-Geschützen.
Man sollte eine ähnliche Lageverschärfung auch in den anderen Abschnitten erwarten, da allein in den letzten 2 Wochen InformNapalm auf den bereitgestellten Luftaufnahmen 5 große Konzentrationsstellen der Waffen russischer Besatzungstruppen im Donbass identifiziert hat.
- Starke Panzer- und Panzerhaubitzen-Konzentration in Donezk in nur 15 km Entfernung von der Demarkationslinie.
- Panzer in Rasdolnoje, in 10 km Entfernung von der Demarkationslinie.
- 122mm-Panzerhaubitzen 2S1 „Gwosdika“ in Nowoasowsk, in 17 km Entfernung von der Demarkationslinie
- Eine ganze Artilleriedivision auf einem offenen Platz in Wrubowski
- Panzer in Horliwka, 14 km entfernt von der Demarkationslinie
Kein Minsker Abkommen oder andere internationale Abmachungen können den Aggressor befrieden. Nur eine harte konsolidierte Position der ganzen Weltgemeinschaft, wirtschaftlicher Druck und die Aufhebung des Vetorechts Russlands im UN-Sicherheitsrat können die Situation beeinflussen.
Der auf der Herbstsitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats von der ukrainischen Delegation präsentierte InformNapalm-Bericht „33 moderne russische Waffensysteme im Donbass“ gibt eine genaue Vorstellung davon, wie Russland die terroristischen Kräfte im Donbass systematisch mit modernem Militärgerät beliefert hat und weiterhin beliefert, sowie eigene Berufssoldaten in den Donbass entsendet, die diese Waffensysteme bedienen können.
In diesem Zusammenhang benötigt die Ukraine nicht nur wirtschaftliche, sondern auch militärische Hilfe seitens der Weltgemeinschaft. Moderne letale und nichtletale Waffensysteme, die in die Bewaffnung der Streitkräfte und Nationalgarde der Ukraine aufgenommen werden, können zu einem bedeutenden Hemmungsfaktor für die Ambitionen des Kremls werden, seine schleichende Okkupation des ukrainischen Territoriums fortzusetzen und die Situation an den östlichen Grenzen der EU und NATO zu destabilisieren.
CC BY 4.0
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