• Startseite
  • Aktuell
    • OSINT
    • Datenbank und Infografik
    • Donbas
    • Krim
    • Syrien
    • Europa
    • Ukraine
    • Russland
    • Sozialer Überblick
  • Analytik
    • Gesellschaft
    • Lageberichte
    • Interviews und Meinungen
      • Zeitdokumente
  • Über Uns
Language (Deutsch)
  • Українська (UA)
  • Русский (RU)
  • English (EN)
  • Deutsch (DE)
  • Français (FR)
  • Español (ES)
  • Беларуская (BY)
  • Български (BG)
  • Polska (PL)
  • Čeština (CZ)
  • Slovenský (SK)
  • Lietuvių (LT)
  • Latvijas (LV)
  • Nederlands (NL)
  • Português (PT)
  • Italiano (IT)
  • Svenska (SV)
  • Norsk (NO)
  • Dansk (DK)
  • ქართული (GE)
  • Română (RO)
  • Magyar (HU)
  • Ελληνικά (EL)
  • Deutsch (AT)
  • العربية (AR)
  • Türkçe (TR)
  • Azərbaycan (AZ)
  • Татарча (TAT)
  • 日本語 (JP)
  • 中文 (CN)
  • 한국어 (KR)

    Logo

    InformNapalm Österreich
    Navigation
    • Hauptseite
    • Aktuell
    • Gesellschaft
    • OSINT
    • Lageberichte
    • Sprachen

    Zarnitsa 2.0 und Russlands „Putinjugend“ für künftige Kriege

    on 2026-09-02 | 0 Comment | Aktuell | Gesellschaft | OSINT
    • ua
    • tr
    • az
    • sv
    • no
    • dk
    • at
    Zarnitsa 2.0 und Russlands „Putinjugend“ für künftige Kriege

    Während europäische Länder über ihre Bereitschaft für künftige Kriege diskutieren, militarisiert Russland seit Langem Kinder und Jugendliche. Das System erfasst auch ukrainische Kinder aus besetzten Gebieten. Sie werden in das militärische, bildungspolitische und ideologische System Russlands eingebunden.

    Im Jahr 2019 veröffentlichten Andrij Lutjkov und der polnische Ermittler Andrzej Leszkiewicz eine umfangreiche Untersuchung auf Grundlage offener Quellen. Lutjkov ist auf Recherchen in offenen Quellen spezialisiert und als Freiwilliger für InformNapalm tätig. Die Untersuchung befasste sich mit der Militarisierung von Kindern in Russland sowie auf der besetzten Krim und im Donbas. Sie erschien unter dem Titel Putinjugend Children for Russian War sowie in einer ukrainischen Fassung.

    Von militärischer Erziehung zur staatlich organisierten Kriegsvorbereitung

    Die Untersuchung beschrieb, wie der Kreml die Weltanschauung von Kindern durch staatliche Institutionen, Bildung und militärpatriotische Organisationen beeinflusst. Die Autoren zeigten zudem, wie militärische Kultur normalisiert und junge Menschen auf künftige russische Kriege vorbereitet werden. Sie beschrieben die Militarisierung als Bestandteil staatlicher Politik zur Vorbereitung weiterer militärischer Aggressionen.

    Die Untersuchung fand in der Ukraine und international große Beachtung. Mehr als sieben Jahre später wurden die beschriebenen Strukturen nicht abgebaut. Stattdessen wurden sie erweitert und an die Erfahrungen aus dem groß angelegten Krieg gegen die Ukraine angepasst. Im Jahr 2019 beschrieb InformNapalm die Junarmija, Kadettenklassen, Militärlager, Schießausbildung und weitere Formen militärischen Trainings. Im Jahr 2026 umfasst das System auch Drohnentraining, Minen- und Pionierdienst, Sturmausbildung, Fernmeldewesen und Informationsarbeit.

    Ein deutliches Beispiel ist die landesweite russische militärpatriotische Initiative Zarnitsa 2.0. Im August und September 2026 findet das föderale Finale der dritten Programmsaison statt. Austragungsort ist das Gebiet Wolgograd. Die Bezeichnung „Spiel“ vermittelt jedoch kein zutreffendes Bild der Veranstaltung. Umfang, Organisation und Hintergrund der Betreuer gehen weit über das hinaus, was üblicherweise mit einem Jugendwettbewerb verbunden wird. Das gilt ebenso für die Inhalte der Ausbildung.

    Nach Angaben der Organisatoren bewarben sich 2026 mehr als 3,2 Millionen Schüler und Studierende um eine Teilnahme. An der ersten Finalrunde nahmen 960 Personen aus der älteren Alterskategorie teil. Sie wurden auf 96 Gruppen mit jeweils zehn Teilnehmern verteilt. Die Organisatoren bezeichnen die Jugendlichen zudem regelmäßig als „Soldaten“.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0 wird von Dwischenije Perwych, der Junarmija und dem Zentrum VOIN durchgeführt. Unterstützt wird das Programm von Rosmolodjosch sowie vom russischen Bildungs- und Verteidigungsministerium. Es ist Bestandteil des föderalen Nationalprojekts „Jugend und Kinder“. Damit gehört die Initiative zur staatlich organisierten Jugendpolitik. Es handelt sich nicht um eine lokale oder unabhängige Initiative.

    Vom siebten Lebensjahr bis zum militärischen Rekrutierungsalter

    Im Jahr 2026 weitete Russland die Altersgrenzen von Zarnitsa 2.0 aus. Das Programm umfasst nun vier Kategorien. Die jüngste Kategorie richtet sich an Kinder zwischen sieben und zehn Jahren. Die mittlere Kategorie umfasst Kinder zwischen elf und dreizehn Jahren. Die ältere Kategorie richtet sich an Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Hinzu kommt eine Sonderkategorie für Personen zwischen 18 und 23 Jahren.

    Diese Sonderkategorie stellt eine wesentliche Veränderung dar. Die obere Altersgrenze wurde erstmals auf 23 Jahre angehoben. Das Programm kann unter anderem Studierende pädagogischer Hochschulen einbeziehen. Einige von ihnen sollen später als Mentoren für jüngere Teilnehmer eingesetzt werden.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Das russische Bildungsministerium beschreibt Zarnitsa 2.0 als Möglichkeit, grundlegende Kenntnisse der militärischen Ausbildung praktisch zu festigen. Zugleich wird das Programm als Berufsorientierung für junge Menschen dargestellt, die eine militärische Schule oder Hochschule besuchen wollen. Die Organisatoren sprechen von Jugendlichen, die bereit seien, „ihr weiteres Schicksal mit dem Dienst am Vaterland zu verbinden“.

    Dadurch entsteht ein durchgehender Weg vom frühen Kontakt mit militärischen Aktivitäten bis zu einem möglichen Militärdienst. Erste Berührungspunkte können bereits im Alter von sieben Jahren entstehen. Ab elf Jahren werden spezifische militärische Funktionen eingeführt. Zwischen 14 und 17 Jahren folgen anspruchsvollere taktische Übungen. Die älteste Kategorie umfasst Personen in einem Alter, in dem militärische Ausbildung und Rekrutierung möglich sind.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa wird offiziell nicht als Programm zur Ausbildung einer Mobilisierungsreserve bezeichnet. Die älteste Kategorie umfasst jedoch volljährige Personen, die eine militärische Ausbildung aufnehmen können. Sie können außerdem einen Militärdienstvertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium schließen. Das Programm kann somit einen Weg von der Jugendarbeit zur militärischen Rekrutierung schaffen. Nach mehreren Jahren der Teilnahme wird die psychologische Hürde zum tatsächlichen Militärdienst geringer.

    Militärische Ausbildung ab elf Jahren

    Für die jüngsten Kinder weist Zarnitsa weiterhin Elemente traditioneller militärsportlicher Jugendarbeit auf. Bei den älteren Gruppen orientieren sich Aufbau und Arbeitsweise dagegen zunehmend an denen einer militärischen Einheit.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Im Jahr 2026 werden sieben sogenannte militärische Spezialisierungen angeboten. Dazu gehören Befehlshaber, Sturmsoldat, Pionier mit Minenräumaufgaben, Sanitäter, Fernmelder, Drohnenoperator und Kriegsberichterstatter.

    Darüber hinaus erhalten die Teilnehmer Ausbildung im Schießen, in Taktik, taktischer Medizin und CBRN-Schutz. Hinzu kommen das Anlegen von Feldstellungen, die Tarnung von Stellungen und das Überleben unter extremen Bedingungen. Das föderale Finale endet mit einer umfangreichen militärtaktischen Übung. Dazu gehören unter anderem „Garnisonsdienst“, ein kombinierter Marsch, Einsätze im Gelände und ein abschließendes „Gefecht“.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Der offizielle Informationskanal von Zarnitsa beschreibt auch die Ausbildung der Sturmsoldaten. Zu den Übungen gehören die „Bekämpfung gegnerischer Stellungen“, das Vorgehen in Zweierteams und die Nutzung von Deckung. Hinzu kommen das Eindringen in Gebäude und der Kampf auf engem Raum. Es geht damit nicht lediglich um körperliches Training oder Hindernisparcours. Die Jugendlichen trainieren Aufgaben und Vorgehensweisen, die auch in modernen Kampfverbänden vorkommen.

    Erfahrungen aus dem Drohnenkrieg in der Jugendausbildung

    Die Ausbildung an unbemannten Systemen spiegelt deutlich Erfahrungen aus dem laufenden russisch-ukrainischen Krieg wider. Bei den Wettbewerben sollen die Operatoren drei unterschiedliche Plattformtypen einsetzen. Eine dient der Aufklärung, eine weitere Angriffen. Die dritte ist eine unbemannte Bodenplattform.

    Das offizielle Übungsszenario umfasst die Installation einer Relaisstation und die Durchführung von Luftaufklärung. Die Teilnehmer sollen Personal und Feuerstellungen eines simulierten Gegners erkennen. Außerdem sollen sie Lasten aus einer Drohne abwerfen. Eine Angriffsdrohne soll zur Bekämpfung einer Feuerstellung eingesetzt werden. Die eingesetzte Technik muss anschließend nach Abschluss des Auftrags zurückgeführt werden.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Die Organisatoren bewerten die Fähigkeit der Teilnehmer, die Systeme zu steuern. Bewertet werden außerdem die Treffsicherheit und die Zeit zur Erfüllung des Gefechtsauftrags. Methoden und technische Erfahrungen aus dem Krieg werden damit unmittelbar in die Jugendausbildung übertragen. Die Drohnen dienen nicht ausschließlich dem Erwerb technischer Fertigkeiten. Die Szenarien umfassen ausdrücklich Aufklärung, Zielidentifizierung und Bekämpfung.

    Dies stellt eine deutliche Veränderung gegenüber früherer militärpatriotischer Jugendarbeit dar. Zuvor lag der Schwerpunkt stärker auf Exerzieren, körperlicher Ausbildung und Waffenhandhabung. Mittlerweile gehören auch Technologien und Arbeitsmethoden dazu, die im laufenden Krieg eine große Rolle spielen.

    Der Kriegsberichterstatter als Teil der Einheit

    Ein weiterer Bestandteil von Zarnitsa 2.0 ist die Funktion des Kriegsberichterstatters. In derselben Gruppe befinden sich Sturmsoldaten, Minenräumer, Fernmelder und Drohnenoperatoren. Der Kriegsberichterstatter soll Ereignisse dokumentieren, fotografieren, filmen und Interviews führen. Die Aufgabe umfasst außerdem die Sammlung, Analyse und Produktion von Nachrichtenmaterial.

    Der Teilnehmer ist zudem für die Informationskanäle der Gruppe verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört auch, zwischen nach Darstellung der Organisatoren wahren und unzuverlässigen Informationen zu unterscheiden. Die Informationsarbeit wirkt sich zugleich auf das Wettbewerbsergebnis aus. Regionale Unterlagen zum Finale geben an, dass eine Gruppe für jeden Abonnenten ihres Kanals 0,1 Punkte erhält. Auch die Aktivität des Publikums während der Liveübertragung des abschließenden Gefechts kann der Gruppe einen Vorteil verschaffen.

    While #Europe debates whether it is ready for a future war, #Russia is already preparing the next generation for one.

    That preparation includes Ukrainian children from the temporarily occupied territories, whom Moscow is systematically absorbing into its military, educational… pic.twitter.com/tXLKnmJWBP

    — InformNapalm (@InformNapalm) September 1, 2026

    Die Ausbildung geht deshalb weit über Schreiben, Fotografieren und Dokumentieren hinaus. Die Teilnehmer sammeln Erfahrungen beim Aufbau eigener Informationskanäle und bei der Produktion von Inhalten. Sie trainieren den Umgang mit einem Publikum und lernen, die Reichweite ihrer Inhalte zu erhöhen. Zudem lernen sie, die Aktivitäten der eigenen Gruppe kommunikativ zu unterstützen. Diese Fähigkeiten sind unmittelbar für moderne Informationsbeeinflussung und kognitive Kriegsführung relevant.

    Das Programm verbindet damit zwei Bereiche moderner Kriegsführung. Der militärische Teil umfasst Befehlshaber, Sturmsoldaten, Minenräumer, Sanitäter, Fernmelder und Drohnenoperatoren. Der zweite Bereich umfasst Informationsproduktion, Kommunikationskanäle, Publikumsarbeit und die Beeinflussung der Wahrnehmung von Ereignissen. Einige Teilnehmer trainieren, einen Gegner zu erkennen und simuliert zu bekämpfen. Andere lernen, Ereignisse zu dokumentieren, zu beschreiben und einem Publikum zu vermitteln.

    Kriegsteilnehmer als Befehlshaber und Vorbilder

    Die Auswahl der Betreuer zeigt die enge Verbindung des Programms zu Russlands laufendem Krieg gegen die Ukraine. Befehlshaber des föderalen Finales ist Wladimir Michailowski.

    Zarnitsa 2.0

    Wladimir Michailowski ist Gardemajor und dreifacher Träger des russischen Tapferkeitsordens. Michailowski hat am Krieg gegen die Ukraine teilgenommen. Er nimmt außerdem am russischen Präsidentenprogramm Wremja gerojew teil.

    Zarnitsa 2.0

    Die vier simulierten „Armeen“ des Finales werden von Teilnehmern desselben Programms und von ausgezeichneten russischen Militärangehörigen geführt. Die Armee Amur wird von Jegor Alexandrowitsch Sacharow geführt. Ihm wurden der Titel Held der Russischen Föderation und der Tapferkeitsorden verliehen. Die Armee Ob wird von Wadim Andrejewitsch Bykow geführt. Er erhielt zwei Tapferkeitsorden.

    Die Armee Kama wird von Alexei Sergejewitsch Schbanow geführt. Auch er erhielt zwei Tapferkeitsorden. Die Armee Wolga wird von Wladislaw Andrejewitsch Frolow geführt. Ihm wurde der Tapferkeitsorden verliehen. Namen, Zuordnung und Auszeichnungen werden im offiziellen Präsentationsmaterial von Zarnitsa genannt. Laut Artikel werden diese Angaben durch öffentlich zugängliches Material vom Finale bestätigt.

    Zarnitsa 2.0

    Nikita Alexandrowitsch Iwanow wird als stellvertretender Befehlshaber genannt. Er wird als Teilnehmer an der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ Russlands vorgestellt. Außerdem soll er mit der Suworow-Medaille ausgezeichnet worden sein. Darüber hinaus wird er als Mitglied der Junarmija und als in der militärpatriotischen Jugenderziehung tätige Person präsentiert.

    Die Kinder begegnen damit nicht nur historischen oder abstrakten militärischen Vorbildern. Sie stehen im Rahmen des Programms unmittelbar unter der Leitung von Personen mit Erfahrungen aus Russlands gegenwärtigem Krieg gegen die Ukraine. Die Organisatoren beschreiben die Aufgabe der Betreuer als umfassender als reine praktische Ausbildung. Sie sollen auch ihre eigene Weltanschauung und ihre Lebenserfahrungen weitergeben.

    Schbanow hat seine Aufgabe ausdrücklich damit beschrieben, „seine Weltanschauung zu teilen“. Zugleich soll er den Teilnehmern als Mentor dienen. Kriegserfahrung wird somit sowohl über die Ausbildung als auch über die als Vorbilder eingesetzten Personen vermittelt. Der laufende Krieg wird damit auch Teil der Weltanschauung, die den Teilnehmern vermittelt wird.

    Besetzte ukrainische Gebiete im System

    Zarnitsa 2.0 wird auch genutzt, um besetzte ukrainische Gebiete in russische administrative und ideologische Strukturen zu integrieren. Auf der offiziellen Karte des Finales wird die besetzte Krim ohne besondere Kennzeichnung oder Vorbehalt dargestellt. Die Krim erscheint als Teil des russischen Südlichen Föderationskreises. Damit wird sie der simulierten Armee „Wolga“ zugeordnet.

    Zarnitsa 2.0

    Auf derselben Karte sind vier „Sondereinheiten“ der „Wolga“ zugeordnet. Nach Darstellung des Artikels zeigt das Kartenmaterial, dass diese auch besetzte Teile der Ukraine umfassen. Die Teilnahme ukrainischer Kinder geht zudem aus weiteren offiziellen russischen Materialien hervor.

    Im Jahr 2026 führte Russland auf der Krim eine eigene regionale Runde von Zarnitsa 2.0 durch. Nach Angaben des russischen Katastrophenschutzministeriums nahmen etwa 500 Kinder daran teil. Gewinner aus Simferopol wurden zur nächsten Wettbewerbsrunde in das Gebiet Wolgograd geschickt. Dort vertraten sie die besetzte Halbinsel.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Auch Mannschaften aus besetzten Teilen der Regionen Donezk und Luhansk nahmen an der Runde des Südlichen Föderationskreises teil. Sie traten unter denselben Bedingungen wie Teams aus russischen Regionen an. Die Mannschaften nahmen auch in der Alterskategorie 18 bis 23 Jahre teil. Dabei konkurrierten sie in denselben sieben militärischen Spezialisierungen. Zarnitsa trägt damit dazu bei, die Besetzung in das den Teilnehmern vermittelte Weltbild zu integrieren.

    Der Vergleich mit der Hitlerjugend

    Militärpatriotische Jugendorganisationen, Kadettenprogramme und verteidigungsorientierte Jugendausbildung gibt es auch in anderen Ländern. Ausbildung in Erster Hilfe, Schießen, Orientierung oder militärischen Fertigkeiten ist daher für sich genommen kein Beleg für ein totalitäres Jugendmodell. Ein Vergleich mit der Hitlerjugend kann deshalb nicht allein auf Kinder in Uniform oder militärische Ausbildung gestützt werden.

    Der Vergleich im Artikel bezieht sich vielmehr auf Aufbau und Funktion des Systems. Das United States Holocaust Memorial Museum beschreibt die Hitlerjugend als staatliches Instrument zur Prägung der Weltanschauung junger Menschen. Gleichzeitig bereitete die Organisation Jungen auf einen späteren Militärdienst vor. Kinder und Jugendliche absolvierten militärische Übungen und wurden im Umgang mit Waffen geschult.

    Massenrituale, Propaganda und kollektive Aktivitäten dienten zugleich dazu, Loyalität gegenüber dem Regime zu erzeugen. Bis 1939 war die Teilnahme an nationalsozialistischen Jugendorganisationen verpflichtend geworden. Zarnitsa 2.0 ist nicht mit der Hitlerjugend identisch. Eine vergleichbare gesetzliche Teilnahmepflicht besteht in Russland nicht. Auch die historischen und politischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich.

    Der Vergleich betrifft vielmehr mehrere strukturelle Ähnlichkeiten. Das System erfasst sehr große Gruppen von Kindern und wird staatlich organisiert. Die Aktivitäten beginnen bereits im frühen Schulalter und verbinden ideologische Erziehung mit militärischer Ausbildung. Hinzu kommen militärische Hierarchie und Ritualisierung. Teilnehmer des laufenden Krieges werden als Vorbilder dargestellt.

    Kinder und Jugendliche werden in Funktionen ausgebildet, die auf modernen Schlachtfeldern benötigt werden. Das System eröffnet zugleich einen möglichen Weg in den Militärdienst. Besetzte Gebiete werden als Bestandteile des russischen Staates dargestellt. Hinzu kommt eine eigene Informationsfunktion für Publikumsarbeit und Meinungsbeeinflussung.

    InformNapalm verwendet die Bezeichnung „Putinjugend“ in diesem Sinne. Der Begriff bedeutet nicht, dass die beiden Systeme als historisch identisch dargestellt werden. Er beschreibt eine Entwicklung, bei der ein Staat, der einen Angriffskrieg führt, zugleich die nächste Generation formt. Dies geschieht durch militärische Ausbildung, ideologische Erziehung und organisierte Jugendarbeit.

    Eine langfristige Struktur für künftige Kriege

    Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass alle 3,2 Millionen registrierten Teilnehmer später Militärangehörige werden. Eine solche Schlussfolgerung wäre falsch. Für die Bewertung der russischen Strategie sind Umfang und Kontinuität des Systems wichtiger als die späteren individuellen Berufsentscheidungen.

    Das System macht militärische Kultur bereits in den frühen Schuljahren zu einem normalen Bestandteil des Alltags. Ab elf Jahren werden Aufgaben eingeführt, die militärischen Funktionen entsprechen. Erfahrungen aus dem laufenden Krieg fließen durch FPV-Drohnen, Angriffsdrohnen und Sturmausbildung ein. Personen mit Kriegserfahrung werden als Betreuer und Vorbilder eingesetzt.

    Zarnitsa 2.0

    Zarnitsa 2.0

    Ein Teil der Jugendlichen wird in Informationsarbeit ausgebildet. Das Programm reicht bis zum Alter von 23 Jahren. Die älteste Gruppe befindet sich damit in einem Alter, in dem eine direkte militärische Rekrutierung möglich ist.

    Europäische Staaten diskutieren darüber, welche militärischen Bedrohungen in fünf oder zehn Jahren entstehen könnten. Gleichzeitig formt Russland bereits die Generation, die dann etwa zwischen 18 und 30 Jahre alt sein wird. Die Ausbildung umfasst unter anderem Drohnenoperatoren, Minenräumer, Sturmsoldaten und Fernmelder. Hinzu kommt Informationsarbeit im Zusammenhang mit militärischen Operationen. Die Teilnehmer werden außerdem darin geschult, zu beeinflussen, wie Menschen Informationen wahrnehmen und interpretieren.

    Von der Warnung zum staatlich organisierten System

    InformNapalm verwendete bereits 2019 die Bezeichnung „Putinjugend“ für diese Entwicklung. Die Militarisierung wurde als mehr als reine Propagandaarbeit beschrieben. Sie wurde als langfristige Investition in personelle Ressourcen für künftige Kriege dargestellt.

    Sieben Jahre später ist das System laut Artikel größer und technisch fortgeschrittener geworden. Es wurde zudem deutlicher an die Anforderungen eines modernen Schlachtfelds angepasst. Traditionelles Exerzieren und Waffenausbildung wurden durch Angriffsdrohnen, digitale Kommunikationssysteme und Sturmausbildung ergänzt. Hinzu kommen Vorbereitungen auf Informationsbeeinflussung und kognitive Kriegsführung.

    Für die Ukraine und das übrige Europa betrifft die Frage nicht nur die gegenwärtige russische Aggression. Eine langfristige Sicherheitsbewertung muss auch die Ressourcen berücksichtigen, die Russland aufbaut. Dazu gehören personelle und militärische Ressourcen sowie Fähigkeiten zur Informationsbeeinflussung. Diese Ressourcen könnten in künftigen Kriegen eingesetzt werden.

    Die Warnung vor einer russischen „Putinjugend“ wurde bereits 2019 ausgesprochen. Im Jahr 2026 handelt es sich nicht mehr nur um eine Prognose. Inzwischen existiert ein umfangreiches, staatlich organisiertes System, das sich in der Praxis beobachten lässt.

    Der Artikel wurde von Andrij Lisitsyn für InformNapalm verfasst.


    Lesen Sie auch

    • Gekränkter Stolz in Moskau: NAFO und InformNapalm auf russischer Hackerliste
    • InformNapalm markiert zwölf Jahre Aufklärungsarbeit gegen Russland
    • Die USA schaffen eine Cyber Force – Eine Analyse des Berichts der US-Kommission und seiner Bedeutung für die Ukraine

    InformNapalm ÖsterreichEs steht Ihnen frei, dieses Material zu teilen, aber fügen Sie bitte einen Link zur Quelle hinzu. Creative Commons – Attribution 4.0 International – CC BY 4.0. Folgen Sie uns auf Facebook und X.

    InformNapalm erhält keine finanzielle Unterstützung von irgendeiner Regierung oder einem Sponsor. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich durch freiwillige Unterstützer und Leser. Sie können InformNapalm auch unterstützen, indem Sie monatliche Minispenden über BuyMeACoffee tätigen.

    VK
    Facebook
    Twitter
    Google+

    Tags: BesatzungDrohnenInformationskriegJugendpolitikJunarmijakognitive KriegsführungMilitärausbildungMilitarisierungPropagandaPutinjugendRekrutierungRusslandUkraineZarnitsa 2.0

    Comments are closed.

    Donbas in FlammenErforschen Sie das Buch "Donbas in Flammen - Leitfaden zur Konfliktzone", veröffentlicht vom Prometheus-Zentrum. Diese wertvolle Ressource richtet sich an Wissenschaftler, Verteidigungsexperten, Journalisten, Diplomaten und alle, die ein tieferes Verständnis des Krieges in der Ostukraine anstreben.

    PDF kostenlos herunterladen

    Archiv

    InformNapalm Österreich - Nachrichten aus der Ukraine

    InformNapalm ist eine Online-Ressource, die Fakten über den Krieg Russlands gegen die Ukraine, Einzelheiten über die russischen Besatzer und Nachrichten über die russische hybride Kriegsführung sammelt und veröffentlicht. Zusätzlich zu den gesammelten Informationen werden auch Videos, Fotos, Satellitenbilder und soziale Medien verarbeitet. Unsere Insider-Quellen hinter den feindlichen Linien spielen bei unserer Arbeit eine wichtige Rolle. Die Freiwilligen von InformNapalm haben eine einzigartige digitale Datenbank mit russischen Waffen und Militäreinheiten entwickelt, die an den Kämpfen in der Ukraine beteiligt sind. Darüber hinaus informiert InformNapalm die Welt über die tatsächliche Rolle des russischen Regimes in den laufenden hybriden Konflikten in Georgien, Syrien und anderen Ländern in Ost- und Mitteleuropa sowie im Nahen Osten.

    CC BY 4.0 – Der Inhalt ist unter der Creative Commons 4.0 International License lizenziert, sofern im Artikel nichts anderes angegeben ist.

    Schlagwörter

    Belarus Cyber Resistance Donbas Donbass InformNapalm Krim Nachrichten NATO Ostukraine Russland Ukraine Weißrussland
    • Start
    • Hauptseite
    • Kontakt
    • Sprachen