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    Gut in Form: wie die Ukrainer in Khaki den russischen Pavillon auf der Biennale besetzt haben…

    on 11/05/2015 | 0 Comment | Aktuell | Interviews/Meinungen

    Anonyme ukrainische Aktivisten haben sich einen „Urlaub“ im russischen Pavillon auf der Biennale di Venezia gegönnt. Menschen in Militäruniform mit der Aufschrift „on vacation“ haben gleich am Tag der Eröffnung der größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst den russischen Stand besetzt. Sie alle sagen (in Anlehnung an die russischen „grünen Männchen“), sie wären im Urlaub. Die Aktivisten verteilten die Uniform an alle Interessierten und luden sie ein, sich diesem „Urlaub“ anzuschließen. Dabei wurde für das beste Foto zum Thema ein Preis ausgeschrieben: eine Reise auf die Krim. Platfor.ma sprach mit einem der „Urlauber“ und fand heraus, wer hinter dieser Aktion steht und welchen Zweck sie verfolgt.

    Am 6. Mai wurde in Venedig der russische „Grüne Pavillon“ eröffnet – die Repräsentation dieses Landes auf der Biennale der modernen Kunst. Gleich am ersten Tag der Vorbesichtigung wurde er von unbekannten Aktivisten in Militäruniform überflutet, die behaupteten, sie wären hier einfach im Urlaub.

    Allerdings wurden unter den Teilnehmern der Aktion ukrainische Künstler (Maria Kulikowska, Mykyta Schalenyj, Lubow Mihajlowa u. a.) und Vertreter anderer Länder gesehen. Wie sie sagten, wurden sie zur Teilnahme an der Aktion von unbekannten Aktivisten animiert, die am Eingang zu Giardini (das Gelände der Biennale) Flugblätter verteilten und den Gewinn eines kostenlosen Urlaubs an der Küste in Aussicht stellten.

    Laut Aktivisten wurde der russische Pavillon ausgewählt, da die Aktion sich auf die Besetzung der Krim durch „anonyme“ Soldaten im Frühjahr 2014 bezieht – ein Ereignis, das die meisten Länder der Welt für eine Verletzung des Völkerrechts erklärt haben.

    Platfor.ma fand heraus, dass dies eine Aktion der ukrainischen Künstler ist, die anonym bleiben wollen, und sprach mit einem von ihnen.

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    – Wie war die erste Reaktion der Mitarbeiter des Pavillons und der Besucher?

    – Die Reaktionen waren unterschiedlich. Die einen sagten: „Das ist typisch russisch“. Die anderen fragten, ob das ein Teil der Ausstellung des Pavillons sei. Und die dritten wollten die Polizei rufen. Wir verbrachten im Pavillon etwa eine Stunde, bis alle endlich alles verstanden und tatsächlich die Polizei gerufen haben.

    Insgesamt wollten aber schon viele Menschen spontan an der Aktion teilnehmen. Wir haben mehr als 100 Uniformen mit der Aufschrift „on vacation“ verteilt. Die Leute haben sich gefreut, sie waren wirklich interessiert und haben gerne daran teilgenommen. Umso mehr, da wir für das beste Foto, das im Pavillon des Besatzerlandes aufgenommen wird, einen Preis ausgeschrieben haben – ein Gutschein für einen Urlaub auf der besetzten Krim.

    3

    – Wie haben die Ausländer darauf reagiert?

    – Die meisten Teilnehmer und Zuschauer waren ja Ausländer. Die Biennale ist doch eine internationale Veranstaltung. Einige haben lange und ernsthaft mit unserem Team über die Okkupation diskutiert, während die anderen einfach an dem Kunst-Projekt teilnehmen wollten: sie nahmen die Uniform und machten gleich Fotos. Insgesamt ist das vor allem eine wunderbare Erfahrung des Informationsaustauschs über die Situation, die uns zu diesem Projekt angeregt hat.

    – Was ist das Ziel dieser Aktion?

    – Das Ziel ist, den Zuschauer dazu zu bringen, seine Ansichten und Überzeugungen in Bezug auf sein persönliches Verstehen und Erfahrung mit der Okkupation zu überdenken. Die Hauptidee des Projekts besteht gerade darin, dass wir die Menschen dazu bewegen, über den Konflikt in der Ukraine nachzudenken.

    Die Aktion geht bis zum 8. Juni. Am Tag darauf werden wir den Gewinner auswählen und ihm die Reise auf die Krim schenken. Und bis dahin wollen wir weiter die Uniformen und die Flugblätter verteilen, die erklären, worum es geht. Unter anderem in der Nähe des russischen Pavillons. Ob wir noch etwas im Pavillon selbst veranstalten, bin ich mir nicht sicher. Unsere Aufgabe war zu erreichen, dass völlig fremde Menschen über die Besetzung nachdenken und selber die Pavillons der Aggressor-Länder in Militäruniform „im Urlaub“ besuchen. Und das ist bereits geschehen.

    4

    – Was können Sie als Veranstalter über sich selbst erzählen?

    – Nun, wir sind „im Urlaub“. Was haben wir schon besonderes getan? Wir haben nichts ungewöhliches für Menschen, die einfach „im Urlaub“ sind, gemacht. Haben etwa die jüngsten Ereignisse in den Gegenden wie z. B. Krim nicht gezeigt, dass die „Urlauber“ zu den ungewöhnlichsten Aktivitäten fähig sind? Unsere Aktion zeigt, wie diese Aktivitäten in den Medien datgestellt werden können.

    Durch unser Handeln möchten wir diese Idee betonen. Aber vor allem wollen wir, dass der Zuschauer über seine persönliche Einstellung zu solchen Ereignissen nachdenkt. Wir wollen, dass Sie in die Rolle eines Besatzers im Urlaub schlüpfen. Falls Sie glauben, dass es sowas gibt.

    – Wie groß ist euer Team?

    – Es gibt 9 Mitgründer des Projekts. Und wir sind überall.

    Dabei schlagen die anonymen Aktivisten allen Interessierten vor, an dem Projekt #onvacation teilzunehmen und die entsprechenden Fotos in den sozialen Netzwerken zu posten. Den Autor des besten Bildes erwartet ein bedeutender Preis – eine kostenlose Reise nach Balaklawa auf der Krim. Die Voraussetzungen für die Teilnahme an der Aktion finden Sie auf der offiziellen Website des Projekts on-vacation.info:

    – zieh‘ die Militäruniform an, die du von den Organisatoren der Aktion bekommst;
    – mach‘ ein Selfie im Pavillon eines beliebigen Besatzerlandes;
    – poste das Foto auf deinem Account bei Instagram oder Twitter mit dem Hashtag #onvacation und dem Namen des Pavillons;
    – gewinne eine Reise auf die Krim.

    Die Biennale di Venezia ist eine der größten Ausstellungen der modernen Kunst weltweit, dieses Jahr findet sie vom 9. Mai bis 22. November statt. Der ukrainische Pavillon wurde am 7. Mai mit einem Konzert der Rockband „Okean Elzy“ eröffnet.

    Quelle: projects.platfor.ma; übersetzt von Olena Köpnick. Photos: platfor.ma

    Tags: BiennaleEuropaUkraineVenedig

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