
InformNapalm veröffentlicht weiterhin, in Zusammenarbeit mit Experten der Analysegruppe Militant Intelligence (INTMILIT), Materialien aus der laufenden Cyberoperation OpsHackRussia’sDay (#OHRD), darunter neue Informationen über das ungarische Unternehmen Milspace Kft.
Die Operation richtete sich gegen ein umfangreiches Netzwerk russischer Unternehmen mit Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex des Landes. Das gesammelte Material umfasst unter anderem interne Unternehmenskorrespondenz und Kontakte zu ausländischen Akteuren, darunter mehrere aus NATO-Staaten. Die Dokumentation zeigt auf, wie strukturierte Methoden zur Umgehung internationaler Sanktionssysteme genutzt werden.
OpsHackRussia’sDay und Sanktionsverstöße
Die Tätigkeit gilt als unvereinbar mit den Sanktionsstrategien der EU und der NATO. Durch den fortgesetzten Zugang zu technischen Komponenten und militärischer Zusammenarbeit wird Russlands Verteidigungsfähigkeit aufrechterhalten, während gleichzeitig die Sicherheitsarchitektur sowohl der Union als auch des Bündnisses untergraben wird.
Am 25. Juli 2025 wurde ein früherer Fall im Rahmen der Operation öffentlich gemacht, betreffend eine Angelegenheit zwischen dem indischen Militärattaché in Moskau, Sunil Kumar, und dem staatlichen slowakischen Unternehmen Letecké opravovne Trenčín (LOTN). Der Fall wird weiterhin analysiert, und weitere Maßnahmen von slowakischer Seite werden erwartet.
Milspace Kft und Sanktionsumgehung
Das betreffende Dokument, Teil des im Rahmen der Operation beschafften Materials, zeigt, wie Milspace Kft als zentrale Akteurin in einem System zur Umgehung der Sanktionen gegen die russische Rüstungsindustrie agiert.
In einem Schreiben an das mexikanische Unternehmen Personas y Paquetes Por Aire, S.A. de C.V. stellt Milspace eine Logistiklösung vor, die ausdrücklich zur Umgehung der geltenden Sanktionsvorschriften ausgelegt ist. Das Unternehmen räumt ein, dass „russische Fabriken wie das Konstruktionsbüro M. L. Milya (Mil) wegen des Krieges in der Ukraine sanktioniert sind“ und dass „niemand direkt mit ihnen zusammenarbeiten darf“. Anschließend wird ein alternatives Vorgehen mit folgender Struktur vorgeschlagen:
- Milspace Kft fungiert als formeller Subunternehmer
- Die Reparaturen erfolgen in einer Fabrik in Kasachstan, die über eine Lizenz von M. L. Milya verfügt
- Die Ersatzteile werden aus Moskau über das russische Unternehmen Mi-INTER Ltd geliefert
- Alle Maßnahmen werden mit dem Konstruktionsbüro M. L. Milya sowie dem staatlichen Unternehmen Russische Helikopter koordiniert, das Teil des Rüstungskonzerns Rostec ist
Auf Anfrage von Journalisten oder anderen Interessierten kann InformNapalm das Originaldokument ohne Wasserzeichen zur Verfügung stellen, vorausgesetzt, es wird auf diese Veröffentlichung verwiesen. Dies gewährleistet Transparenz und ermöglicht eine weitergehende Untersuchung des Falls.
Milspace Kft und die außenpolitische Haltung der ungarischen Regierung
Milspace Kft ist in Ungarn als privates Unternehmen in der Rechtsform Kft (korlátolt felelősségű társaság) registriert, was einem GmbH in Deutschland entspricht. Dennoch erscheint es unwahrscheinlich, dass ein auf militärtechnische Fragen spezialisiertes Unternehmen ohne Kenntnis oder Koordination mit staatlichen Stellen tätig sein kann, insbesondere in einem NATO-Land.
Das Unternehmen hat Zugang zu Unterlagen des Konstruktionsbüros beim Moskauer Hubschrauberwerk, das nach M. L. Milya benannt ist. Es arbeitet mit Fabriken in Kasachstan zusammen und organisiert die Logistik von Ersatzteilen aus Moskau. Dies deutet entweder auf eine inoffizielle Unterstützung durch den ungarischen Staat oder auf eine gleichgültige Haltung der Regierung Viktor Orbáns gegenüber Tätigkeiten hin, die der russischen Rüstungsindustrie zugutekommen.
Die ungarische Regierung hat wiederholt EU-Entscheidungsprozesse im Zusammenhang mit Sanktionen verzögert und zudem militärische Unterstützung für die Ukraine im Rahmen sowohl der NATO als auch der EU blockiert. Dies legt nahe, dass die Aktivitäten von Milspace Kft einen konkreten Ausdruck einer außenpolitischen Linie darstellen, die von der gemeinsamen Strategie der Union und des Bündnisses abweicht. Solche Tätigkeiten stellen die Glaubwürdigkeit Ungarns als verpflichtetem Mitglied von EU und NATO infrage.
Folgen und Bedrohungen für die Systemstabilität
Trotz Ungarns Mitgliedschaft in der EU und der NATO zeigt die Dokumentation, dass Unternehmen im Land de facto zur Untergrabung der Sanktionen und zur technischen Unterstützung Russlands beitragen. Dies hat mehrere schwerwiegende Folgen.
Solche Tätigkeiten schwächen die internationale Sanktionspolitik, verletzen die Sicherheitsprinzipien des Bündnisses und stärken die russische Kriegsmaschinerie im Widerspruch zu den Interessen von Union und Bündnis.
Der im Dokument angegebene Betrag von 92.000 US-Dollar bezieht sich nur auf einen von vielen ähnlichen Vorgängen. Es gilt als wahrscheinlich, dass Hunderte vergleichbarer Fälle existieren. Wenn die ungarische Regierung und andere EU-Länder Maßnahmen ergreifen, bestehen Möglichkeiten zur Erfassung, Aufdeckung und Beendigung solcher Strukturen. Der vorliegende Fall zeigt ein bekanntes Modell, bei dem Kasachstan als Zwischenstation genutzt wird, eine Methode, die zuvor im Zusammenhang mit der Wartung von Su-30SM-Flugzeugen mit Komponenten von Thales und Safran dokumentiert wurde.
Weitere Untersuchungen dieser Netzwerke werden sowohl Journalisten als auch Entscheidungsträgern in der EU und der NATO empfohlen. Ziel sollte es sein, die fortgesetzte Umgehung der Systeme zu verhindern, die Europas Sicherheitsstruktur schützen sollen. Solche Maßnahmen erfordern koordinierte Anstrengungen und erhöhte Wachsamkeit.
Nächste Schritte in der Operation
Weitere Enthüllungen über ausländische Unternehmen, die Russland bewusst bei der Umgehung von Sanktionen unterstützen, werden im Rahmen der Cyberoperation OpsHackRussia’sDay veröffentlicht. Die nächsten Teile der Serie werden sich auf Unternehmen mit Sitz in anderen NATO-Staaten konzentrieren.
Unternehmen und Regierungen, die eine Zusammenarbeit mit Russland im Bereich der Rüstungsindustrie in Erwägung ziehen, werden aufgefordert, davon abzusehen. Erfahrungen zeigen, dass sensible Dokumente von russischer Seite durchsickern, was durch frühere Veröffentlichungen im Rahmen von OpsHackRussia’sDay und in der Untersuchung BaumankaLeaks 2 bestätigt wurde, die sich mit einem Rüstungsvertrag zwischen Russland und Indien über das Luftabwehrsystem S-400 befasst.
Weitere Aktualisierungen werden fortlaufend veröffentlicht, um das Ausmaß dieser Aktivitäten zu beleuchten.
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