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    Anti-Terror-Operation in der Ukraine. Zusammenfassung und Stand zum 6. August 2014

    on 07/08/2014 | 4 Comments | Aktuell | Lageberichte
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    Nach den Ergebnissen der letzten 24 Stunden findet ein Abzug der Kräfte der Anti-Terror-Operation (ATO) aus Schachtarksk statt, wodurch sich einige Änderungen der Positionen von Einheiten ergeben. Wir müssen feststellen, dass es den Terroristen gelungen ist, die Transportverbindung zwischen Donezk und Russland zu verteidigen, was sowohl Nachschublieferungen als auch Truppenbewegungen ermöglicht. Ebenfalls mussten einige Gebiete von Horliwka aufgegeben werden. Wir hoffen, dass der Abzug der ATO-Streitkräfte aus den oben angegebenen Siedlungen nur eine taktische Umgruppierung ist. Vielleicht sollte er einer wesentlich zuverlässigeren Sicherung des Hinterlands dienen, deren Notwendigkeit wir in früheren Berichten erwähnt haben.

    Grundsätzlich fanden in den vergangenen 24 Stunden keine großen Operationen statt, weder durch die ATO-Kräfte noch durch die Terroristen der sogenannten „Donezker und Luhansker Volksrepubliken“ („DVR“ und „LVR“). Das Einzige, was festgestellt werden kann, sind Artillerieangriffe auf Stellungen der Terroristen in Horliwka. Jedoch wurden diese Angriffe mit Verspätung durchgeführt, so dass die Terroristen ihre Positionen rechtzeitig verlassen konnten (wahrscheinlich wurden sie vorgewarnt).

    Außerdem soll das Eintreffen von Nachschublieferungen für die Terroristen in Altschewsk und Perewalsk erwähnt werden. Dadurch wurde in diesen Siedlungen eine Reserve für Girkins Hauptquartier gebildet, die sowohl für Gegenangriffe in gefährliche Richtungen (Altschewsk-Perwomaisk, Altschewsk-Debalzewo, Altschewsk-Wesjolaja-Tarasowka), als auch für die Unterstützung der Terroristen in Snischne und Tores genutzt werden kann. Höchstwahrscheinlich sorgten gerade diese Reserveeinheiten für die oben beschriebene Umgruppierung der ATO-Kräfte.

    Was andere Richtungen angeht, so durchlebt der Krieg zur Zeit eine träge Phase, in der die ATO-Kräfte aus dem Südwesten sorgfältig die Gebiete in Richtung Snischne, Antrazit und Rowenki aufklären, während die Terroristen sich große Mühe geben sie daran zu hindern.

    Ukrainische Kräfte setzen ihre Offensive in Richtung Perwomajisk fort, denn von dort aus führen die Terroristen ständig Angriffe gegen Popasnaja: Der heutige Morgen begann mit einem Artilleriefeuer, so dass wir zum Abend gute Nachrichten erwarten können.

    Was Luhansk angeht, so ist dort die Frage mit der Gruppe der ATO-Kräfte aus Lutuhino immer noch nicht gelöst worden. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass durch die Ortschaft Schastje (auf deutsch „Glück“, Anm. d. Übers.) neue Nachschublieferungen für die Terroristen kommen. Darauf sollte besonders Acht gegeben werden, um eine Wiederholung der Situation in Amwrosiijwka und Wolnowaha zu vermeiden, so dass der Gegner den ATO-Kräften, die eine Offensive aus dem Norden in Richtung Luhansk durchführen nicht in den Rücken fallen kann. Das Problem der Route M04, durch die permanent Nachschub nach Luhansk kommt, bleibt immer noch offen.

    Unsere Gruppe hat festgestellt, dass die Terroristen in Donezk (Region Donezk, Ukraine) ständig Verstärkung aus der Richtung der grenznahen Dörfern Severnyj und Popowka bekommen. Dort findet durch das russische Städtchen Donezk (Region Rostow, Russland) hindurch ein steter Transfer von Personal und Material in die Ukraine statt. Um diesen Kanal zu blockieren, würden wir vorschlagen, die Brücke am Schterowsker Stausee zu zerstören und damit die Verbindung zwischen Donezk und Krasnodon zu kappen. Da aber die Möglichkeit eines Umweges durch Musinsk besteht, sollte dem Gegner die Lage zusätzlich durch die Sprengung der Brücke in Korennoje erschwert werden. Um Donezk zu erreichen, bleibt dann lediglich der Umweg durch das Gebiet bei Dmitrowka oder über Rassypnoje…

    Informationen über einpaar weitere „Ho-Chi-Minh-Pfade“ haben unsere Aktivisten bei einer Besprechung der Terroristen abgehört, die die Frage diskutierten „wie man am besten nach Luhansk kommt“. Dabei wurden zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen:

    1. Über das russische Städtchen Donezk zuerst nach Iswarino, dann über Krasnodon nach Luhansk.
    2. Aus Schastje durch das Waldgebiet bei Malinowka.

    Beide Möglichkeiten scheinen durchaus plausibel zu sein, deswegen sollen sie auch in Betracht gezogen werden.

    Was Krasnodon angeht, scheint es, als hätten die Rebellen beschlossen, diese Stadt zu ihrer Festung zu machen. Es wurde beobachtet, dass im Hotel „Tourist“ und im Gebäude des Unternehmensverbandes „Krasnodonugol“ („Krasnodon-Kohle“, Anm. d. Übers.) immer wieder Gruppen der aus Russland angereisten Terroristen auftauchen. Insbesondere wurde eine Ansammlung von russlandtreuen tschetschenischen Kämpfern (die sogenannten „Kadyrowzy“) beobachtet. Krasnodon ist ein günstiger Transitpunkt. Die Stadt liegt praktisch an der russisch-ukrainischen Grenze und in ihrer Nähe, über Suchodolsk, kommt kolonnenweise militärischer Nachschub aus Russland. Angesichts dieser Information erscheinen die Gerüchte darüber, dass sich die Führung der „LVR“ oft in Krasnodon aufhält und sogar vorhat, ihr Hauptquartier dorthin zu verlegen, ganz logisch und glaubwürdig.

    Schließlich möchten wir Sie auf die heutige Erklärung der NATO aufmerksam machen, laut der die Gefahr eines weitgehenden Einmarsches der russischen Truppen in die Ukraine unter dem Deckmantel einer friedensstiftenden oder humanitären Mission immens steigt. Laut NATO-Angaben wurde an der ukrainischen Grenze eine 20 000 Mann starke Gruppe militärischer Kräfte der Russischen Föderation konzentriert.

    Außerdem schien Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin am Tag zuvor bei der Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates eindeutig die Toleranzgrenze testen zu wollen, indem er sich eine gewagte Äußerung über die Pläne Moskaus erlaubte. Laut seiner Aussage plant der Kreml „einen russichen humanitären Hilfskonvoi“ nach Donezk, Luhansk und andere ostukrainische Städten „unter dem Schutz des Roten Kreuzes“.

    Interessanterweise hat der Sprecher des Pressezentrums des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine Andrej Lysenko auf der heutigen Pressekonferenz mitgeteilt, dass einige Mitarbeiter des Roten Kreuzes von Terroristen entführt worden sind. Wie das Mitwirken der russischen Seite, die die Terrorgruppen in der Ostukraine unterstützt, zur humanitären Hilfe des Roten Kreuzes passen könnte, bleibt eine rhetorische Frage. Höchstwahrscheinlich werden wir in naher Zukunft weitere Entwicklungsspiralen in Sachen Provokation und gewagte Aktionen der russischen Seite erleben, vergleichbar mit der Besetzung der Krim. Auf ein solches Szenario sollte sich die Ukraine wie auch die Weltgemeinschaft gefasst machen..

    Übersetzt von Olena Köpnick, Irene Roor, Irina Diana Bulanowa / Viktor D. Duke

    Tags: ATOLageberichteTerroristen

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