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    Ein Kommentar: Der Donezker Flughafen als Verwerter der Unbequemen

    on 28/12/2014 | 1 Kommentar | Aktuell | Gesellschaft | InformNapalm | Interviews/Meinungen
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    Wofür benötigt die „Volkswehr“ den Donezker Flughafen? Die Versuche, die ukrainischen Stellungen einzunehmen, erweisen sich stets als erfolglos und bringen lediglich eine weitere Portion Ruhm für die sich verteidigenden ukrainischen Cyborgs. Auf den ersten Blick sind die kolossalen Verluste des Feindes am Flughafen durch nichts zu rechtfertigen: Die Taktik von Frontalangriffen auf gut gesicherte Stellungen sieht nach einem weiteren Irrsinn des „Krieges auf russisch“ aus. Was bewegt denn die „Volkswehr“ zum sicheren Tod dorthin, wo es im Grunde genommen keine Aussichten auf Erfolg gibt?

    Die einzige logische Erklärung hierfür liegt im Folgenden: Angenommen, der russische Einsatz am Donezker Flughafen hat keine militärischen sondern politischen Ziele? Was, wenn die „Aufständischen“ nicht für einen Sieg zum Flughafen geschickt werden sondern wie Schafe zum Schlachten? Sehen wir uns an, inwieweit diese Vermutung zutrifft.

    In Putins letzten offiziellen Auftritten (jährliche Botschaft an die Föderationsversammlung und die jährliche Pressekonferenz) rutschten deutlich versöhnlichere Töne in Bezug auf die Ukraine durch. Offensichtlich hat der Kreml-Führer verstanden, dass ihm eine Wiederholung des Frühling-Triumphes nicht gelingen wird, und er rudert zurück. Nach dem Widerstand der ukrainischen Streitkräfte (im März 2014 Europas kampfunfähigste Armee), unfähig, die erheblichen Verluste der Russen zu rechtfertigen und unter Druck gesetzt durch die Sanktionen von besser entwickelten Ländern, hat Putin verstanden, dass man „Neurussland“ aufgeben muss, und damit begonnen, das Volk Schritt für Schritt an diesen Gedanken zu gewöhnen.

    Jedoch lässt sich nicht jeder durch Worte überzeugen…

    Aus den Gesprächen mit „Separatisten“ gegenüber mitfühlenden Personen, deren Söhne in den Banden der „DVR“ mitwirken, ist es uns gelungen, folgendes herauszufinden. Den „Aufständischen“ ist es verboten, sich in Donezk mit automatischen Waffen zu bewegen (erlaubt sind eine Pistole für Kommandeure des unteren Ranges und Messer für die gemeinen Soldaten). Doch dies betrifft nicht die russischen Soldaten. Ortsansässige Kämpfer, die zuvor in der Kommandantur dienten, werden zum Flughafen geschickt.

    Außerdem sind die russischen Streitkräfte hauptsächlich in den an Russland angrenzenden Städten konzentriert und nicht an der vordersten Linie: Offensichtlich wird im Kreml wunderbar verstanden, dass im Falle einer weiteren Konfliktverschärfung – wenn man sich nicht mehr durch humanitäre Hilfe freikaufen kann und die Region vollständig ausgeplündert ist – die waghalsigen Kämpfer ins angrenzende Gebiet Rostow eindringen werden, denn ihre Chancen ins Innere des ukrainischen Territoriums vorzudringen, sind gering: Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Stellungen recht gut gefestigt. Braucht man denn eine solche Kulisse in Putins Reich der Stabilität?

    Nach der Isolierung von besonders Zügellosen in den verbrecherischen „Republiken“ muss man dafür sorgen, dass ihre Kriegslust abgekühlt wird. Denn eine in die Ecke gedrängte Ratte ist gefährlich und unberechenbar. Strelkow, der diese Suppe eingebrockt hat, ist in aller Stille nach Russland abgetaucht, wo er sich von einem Heerführer in einen Entertainer verwandelte. Währenddessen müssen Menschen, die mit ihm gemeinsam in Slowjansk und Donezk begonnen haben und nun ohne Ressourcen geblieben sind (sich etwas erpressen darf man nicht – sie sind die „Elite“), und die von Russland auf Schritt und Tritt im Stich gelassen werden (die Informationen über den Gemütszustand der Söldner haben wir auf operativem Wege erhalten), ein elendes Dasein fristen. Unter solchen Bedingungen sind Zusammenstöße unvermeidbar.

    InformNapalm führte bereits eine Menge Beispiele über Zusammenstöße zwischen den russischen Streitkräften und den ortsansässigen Kämpfern auf. Und nicht immer gehen die Russen aus solchen Auseinandersetzungen als Sieger hervor.

    Neuerdings tauchen in Tores und Krasnyj Lutsch Soldaten mit Abzeichen der 16. GRU Speznas-Brigade; sie alle sind reiferen Alters (über 30). Höchstwahrscheinlich handelt es sich um Speznas-Offiziere, die sogenannten „Todesschwadronen“. Auf jeden Fall verschwinden Kosaken aus Rowenki, Antrazyt und Swerdlowsk… Doch die Ortsansässigen zahlen mit gleicher Münze heim. Es wurde bereits der Punkt erreicht, an dem die Kämpfer den ukrainischen Streitkräften Vorschläge unterbreiten, die russischen Soldaten gemeinsam zu vernichten.

    Hier wird deutlich, woher das „wilde Verlangen“, den Donezker Flughafen einzunehmen, kommt. Für eine lokale Säuberung wird viel Zeit benötigt, die Russland nicht hat: der Ölpreis ist gefallen, der Dollar gestiegen usw. Deshalb ist eine Massensäuberung erforderlich. Die Russen können dies jedoch nicht mit eigenen Kräften bewältigen. Es scheint, als werden die Kampfeigenschaften der ukrainischen Cyborgs (im Unterschied zu russischen Spezialeinheiten) in Moskau gerecht gewürdigt…


    Dieses Material wurde von den Analytikern des InformNapalmTeams Artem Wassilenko und Timur Melik vorbereitet; übersetzt von Kateryna Matey; korrigiert von Irina Schlegel. Beim Kopieren des Materials ist ein aktiver Link zu INFORMNAPALM erforderlich.

    CC BY 4.0

    Tags: CyborgsDonbassDonezkDonezker FlughafenTerroristen

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    One Response to “Ein Kommentar: Der Donezker Flughafen als Verwerter der Unbequemen”

    1. 14/02/2016

      Alles, was Sie über den Donezker Flughafen wissen wollten, aber sich nicht zu fragen trauten. - InformNapalm.org (Deutsch)

      […] Darum treibt das russische Kommando die am meisten inadäquaten Söldner der „Volkswehr“ dorthin. Unter ihnen gibt es sowohl die Donbass-Einwohner als auch Söldner aus Russland. Oft werden Tschetschenen und die zu Bestrafende eingesetzt – solche „Bürgermilitärs“, die eben verwertet werden müssen. […]

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