Vor einem Jahr fand die Tragödie im Kessel von Ilowajsk statt, die Hunderten Ukrainern das Leben kostete. Heimtückisch wurden sie beim Ausbruch aus dem Kessel vom Gegner erschossen. Wir möchten ihnen heute mit einem Text von Juri Butusow gedenken…
Der blutige und heldenhafte Monat August des Jahres 2014… Ein Jahr ist das her. Der schwierigste Monat des Krieges. In diesem Monat starben nach inoffiziellen Schätzungen 650 ukrainische Soldaten den Heldentod im Kampf für die Ukraine und mehr als 200 sind verschollen… Viele Hunderte wurden gefangengenommen, einige sind noch immer in der Gefangenschaft…
Die ATO-Truppen führten im August eine strategische Offensivoperation durch, ihre Ziele waren vom Präsidenten der Ukraine bei einer Sitzung am 2. August festgelegt worden. Die Ballungsgebiete Donezk und Luhansk sollten blockiert, die sechs größten Städte eingekesselt und von der Grenze abgeschnitten, die prorussischen Kämpfer zum Rückzug gedrängt und somit die Gebiete befreit werden. Die Erstürmung von Großstädten und die Beteiligung an Straßenkämpfen war verboten – der Präsident wollte große Opfer unter Zivilisten im Fall des Einsatzes von schweren Waffen in dicht besiedelten Gebieten vermeiden.
Man erwartete, dass es nach dem gleichen Szenario ablaufen würde, wie in Slowjansk und Lyssytschansk. Der Plan hatte seine Berechtigung und war in Bezug auf die Zivilbevölkerung maximal human. Die Logik war richtig. Aber es fehlte an der militärischen Kraft, um solch‘ einen umfangreichen Plan umzusetzen, was wir an der damaligen realen Situation und der Niederlage unserer Truppen im Sektor „D“ sehen, die am 6. und 7. August mit großen Verlusten aus der Einkesselung nahe Iswarino ausgebrochen waren.
Denn nun traten Streitkräfte der Russischen Föderation offen in den Krieg ein. Ab dem 11. Juli 2014 begann die reguläre russische Armee eine Offensive gegen die Ukraine und dabei kam es zu offenen massiven Artillerieangriffen auf die ukrainischen Truppen.
Am 13. August hatte sich die Kriegssituation grundlegend geändert. Das ukrainische Militärkommando trug zum ersten Mal Notizen über die Beteiligung regulärer russischer gepanzerter und motorisierter Einheiten an den Kämpfen auf dem Territorium der Ukraine in die Kriegstagebücher ein. Das 3. Bataillon der 30. motorisierten Schützenbrigade im Dorf Stepaniwka wurde beim Angriff einer russischen Kampfgruppe vernichtet.
Am 16. August kamen russische Truppen gegen Einheiten der 80. Luftlandebrigade nahe des Dorfes Krasnoje bei Luhansk zum Einsatz. Sie griffen ukrainische Streitkräfte an, die Luhansk eingekesselt hatten. Es begann eine allumfassende Invasion.
Am 20. August wurde ein Landeschützenpanzer BMD-2 durch Soldaten der 24. motorisierten Schützenbrigade und des Freiwilligenbataillons des Innenministeriums „Sturm“ im Kampf gegen Einheiten der 76. Luftlande-Division der russischen Streitkräfte eingenommen.
Am 23. August gingen russische Panzerkolonnen zu einem Angriff auf Starobeschewe-Kutejnykowe über, mit dem Ziel die Angriffsgruppe im Sektor „B“ in Ilowajsk einzukesseln…
Putin beschloss, die ATO-Kräfte zu zerstören und die Befreiung des Donbas zu verhindern. Der Hauptgegner der Ukraine im Donbas im August 2014 war die reguläre russische Armee.
Das Militärkommando der Ukraine hat den Bedrohungsgrad nicht rechtzeitig einschätzen können, wie es auch nicht ihn der Lage war, auf die geänderte Situation zu reagieren und die Strategie zu ändern. Der Aggressor ist dennoch auf Widerstand gestoßen. Überall, wo es nur möglich war. Der Feind wurde in schwersten Kämpfen aufgehalten, bei denen manche aus Angst wegliefen, die anderen aber trotz allem weiterkämpften und durch eigenes heldenhaftes Handeln alles kompensierten: unsere Nichtbereitschaft zum Krieg, unsere Schwäche in der Technik und Versorgung, die Fehler in den Stäben sowie die riesige Überlegenheit des Feindes bei der Ausrüstung und der Organisation.
Mit viel Blut und vielen menschlichen Schicksalen hat die Ukraine für ihr Bestehen bezahlt. Und dank unseren Helden musste Russland auch einen teuren Preis für seine Aggression zahlen: Der Krieg ist für die russischen Streitkräfte zu keinem Spaziergang geworden.
Das Andenken an die Gefallenen und Überlebenden müssen wir für immer in unseren Herzen behalten und immer jenen dankbar sein, die sich ehrenhaft dem Kampf gestellt und bis zum bitteren Ende gekämpft haben…
Quelle: Juri Butusow; übersetzt von Andrij Topchan; editiert von Irina Schlegel/Klaus H. Walter.






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