Geheime Daten des russischen Verteidigungshaushalts 2015-2016 aufgedeckt

Hacktivisten aus der ukrainischen Cyberallianz FalconsFlame, Trinity und Ruh8 haben eine weitere äußerst erfolgreiche Operation durchgeführt und das System einer Abteilung des Verteidigungsministeriums Russlands gehackt. Im Ergebnis dieser Operation haben sie vertrauliche Informationen zu einem staatlichen Verteidigungsauftrag Russlands erbeutet und somit Angaben, die in Dokumenten zu russischen Staatsverträgen 2015-2016 enthalten sind.

Dies ist bereits der zweite gehackte Computer des russischen Verteidigungsministeriums (Hier finden Sie den Artikel über den ersten Angriff). Wie die Hacker erklärten, war der Erfolg dieser Operation durch die Fahrlässigkeit desselben Konteradmirals bestimmt. Die ergatterten Daten wurden zwecks weiterer Analyse an die Freiwilligengemeinschaft InformNapalm weitergeleitet.

Mit dieser Publikation informieren wir die Weltgemeinschaft über Russlands Pläne und die Budgetausgaben dieses Aggressorstaates, der als Sponsor des Weltterrorrismus auftritt und neben dem IS eine der größten Bedrohungen für die Weltsicherheit darstellt.

Im Budget der Russischen Föderation ist die Bereitstellung von Haushaltsmitteln zur Verteidigung (oder für einen Angriff?) eingeplant worden: 2014 – 2,501 Billionen Rubel, 2015 – 3,078 Billionen Rubel. Für 2016 sind 3,145 Billionen Rubel eingeplant. 2015 plante das russische Verteidigungsministerium über die Hälfte seines Budgets für den Einkauf von neuen Waffen auszugeben, also circa 1,74 Billionen Rubel. Über die planmäßige Modernisierung der russischen Armee und ihrem verrosteten Militärgerät sprach Putin bereits 2011, als er noch Ministerpräsident war. Zu diesem Zweck sollten bis zum Jahr 2020 23 Billionen Rubel ausgegeben werden.

Die an uns übergebenen Dokumente enthüllen nur den Teil des Verteidigungsbudgets, bei dem es um Umrüstung geht. Aber auch sie sind ausreichend informativ.

Auf der Basis dieser Unterlagen zur Ausführung von Verteidigungsaufträgen hat InformNapalm ein Verzeichnis von Unternehmen zusammengestellt, die in der angegeben Zeit die meisten Mittel aus dem Budget Russlands erhalten haben. Dieses Verzeichnis erlaubt es, Schlussfolgerungen über Russlands Prioritäten zu ziehen.

In den TOP 10 sind demnach der Flugzeugbau, darunter Instandsetzung und Reparatur von Flugzeugen der russischen Luftwaffe, Bau- und Montagearbeiten (hier sehen wir den früher von uns erwähnten „Bamstroiputj“) und die Bereitstellung von Mitteln für Konstruktionsarbeiten und Entwicklungen, sowie die Modernisierung und Reparatur von Schiffen.

TOP 100 der Auftragnehmer, die im Rahmen von staatlichen Verteidigungsaufträgen 2015-2016 einen Vertrag abgeschlossen haben (Ausführungstzeitraum: 2015-2020):

In den TOP 100 werden Sie keine Aktiengesellschaft „UBT-Uralwagonsawod“ finden, die der Hauptlieferant von Panzern ist. Es ist nur der in 2015 abgeschlossene Vertrag zur Durchführung von Instandsetzung und Modernisierung der T-72B Panzer auf die Version T-72B3 bekannt. Über die Krise und fehlende Finanzierung beim Panzerbau schrieben selbst russische Medien. Die Panzer-Produktion wird in den nächsten 1-2 Jahren nicht massenhaft sein. „Statt der in den Plänen des Verteidigungsministeriums festgelegten Lieferung von 2300 T-14 „Armada“ an die Streitkräfte bis Ende 2019 werden es im besten Fall 70 sein,“ schrieb Sergei Ischtschenko.

Von den Staatsaufträgen, selbst von solchen mit geringem Auftragswert, heben wir die interessantesten Aufträge hervor. Zum Beispiel haben wir hier einen Auftrag zur Adaptation von Kampffahrzeugen an arktische Bedingungen abgeschlossen mit dem „Konstrukteurbüro für Gerätebau“ für fast 348 000 000 Rubel. Dieses Konstrukteurbüro ist mit seiner Entwicklung des arktischen Luftabwehrsystems „Panzir-S“ bekannt. Die Nordfrage interessiert Russlands Führung schon länger – die Region wird nicht nur als ein großer Lieferant von Kohlenwasserstoffen betrachtet, sondern auch als eine wichtige Basis zur Verteidigung nationaler Interessen. (Wir mussten an der Stelle an den norwegischen Politthriller „Okkupert“ denken: Nach der Krim-Annexion erscheint sein Drehbuch gar nicht mehr so lebensfremd, und die Strategie der Prioritäten des russischen Verteidigungshaushalts bestärkt diese Befürchtungen nur weiter).

In nachfolgender Tabelle sehen Sie eine Auswahl von beauftragten Unternehmen im Bereich „Verteidigung“ im Zeitraum 2015-2016. Unter der Tabelle finden Sie eine kleine Beschreibung und detaillierte Angaben zu diesen Verträgen.

1) Laut Vertragsbedingungen wird die Aktiengesellschaft „OAK-TS“ bis zum Jahr 2020 39 Flugzeuge vom Typ IL-76MD-90A an das russische Verteidigungsministerium liefern. Interessanterweise ist die in den Medien genannte Summe doppelt so hoch wie die vertraglich vereinbarte.

2) Chibiny (L-175W) ist ein sowjetisches/russisches flugzeuggestütztes System für elektronische Gegenmaßnahmen (EloGM). Der Komplex wird von der russischen Luftwaffengruppierung in Syrien an Flugzeugen vom Typ Su-34 und Su-30SM genutzt. Einzelheiten des Vertrags sind „streng vertraulich“.

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3) Vertrag über Wartungsarbeiten an Flugzeugen der Luftstreitkräfte für 7 742 111 926 Rubel. Angeführt sind die Typen Su-24 und Su-34.

4) Vermutlich handelt es sich um die Entwicklung eines neuen seegestüzten FlaRak-Komplexes, der für Schiffe wie Zerstörer, Korvetten und Fregatten bestimmt ist.

5) Vertrag über die Lieferung von Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen.

6) Irtysch-Amfora-B-055 – ein einheitlicher automatisierter digitaler hydroakustischer Komplex für U-Boote des Projekts 955 „Borei“. Es wurde auch geplant, mit diesem Komplex das U-Boot für Unterwasserbeobachtung und Unterwasserlagebeleuchtung (GAD OPO) auszurüsten. Dem Vertrag nach wird die Herstellung dieser Komplexe die russischen Steuerzahler 1 608 881 401 Rubel kosten.

7) Vertrag über die Herstellung von Aggregaten, Bauelementen und anderem Zubehör für OM 14F145. „14F145 Lotos-S1“ ist ein russischer Satellit für funkelektronische Aufklärung, der eine Komponente des EloKa-Systems neuer Generation „Liana“ ist.

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9) Ausführung von Entwicklungsarbeiten zum Thema Geheimschrift „AFAR-E“. Es handelt sich hier um de Entwicklung eines aktiven phasierten Antennengitters fürs Radar im E-Band, 71 bis 76 und 81 bis 86 GHz.

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10) Teilzahlung für Arbeiten zum Bau von 2 Korvetten der Klasse 20385 (Modernisierung des Projekts 20380 „Stereguschtschij“ mit den Baunummern 1005 „Gremjaschtschij“ und 1006 „Prowornij“).

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12) Eine Berichtigung der Konstruktionsunterlagen des Projekts „20380“ für Nr. 1007 „Retiwyj“ wird die russischen Steuerzahler 569 802 931.20 Rubel kosten.

13) Serienmäßige Installation des automatisierten fernsteuerbaren MG-Moduls „Arbalet-DM“ bei gepanzerten Fahrzeugen des Typs „Tigr-M“.

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16) Sigma-20385: Informations- und Feuerleitsystem für Schiffe des Projekts „20385 Stereguschij“:

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17) Ausführung von Entwicklungsarbeiten zum Thema „Trassa-11711“. Es handelt sich um das zweite große Landungsschiff des Projekts 11711 „Pjotr Morgunow“. Es ist nicht ganz klar, wozu Entwicklungsarbeiten für ganze 400 Millionen Rubel ausgeführt werden sollen, wenn die Entscheidung über die Produktion von größeren Landungsschiffen neuer Generation bereits gefallen ist. Früher wurde sogar geplant circa 6 solcher Schiffe vom Stapel laufen zu lassen. Auf dem Foto unten sehen Sie das Landungsschiff „Iwan Gren“ des Projekts 1711:

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19) Automatisiertes Kontrollsystem von fluzgzeugbasierten Radar-Störstationen 1L266 des EloKa-Komplexes „Moskau-1“. Im Vertrag sind 9 zu lieferende Kontrollsysteme angegeben. Eine Einheit kostet dabei 381 500 000 Rubel.

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22) Das große Spiegelobjektiv „Sowa-75-O“ für optoelektronische Beobachtungssysteme kostet die russischen Steuerzahler 328 033 040.73 Rubel.

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23) Arbeiten zum Bau des Minenräumschiffes „Georgy Kurbatow“ des Projekts „12700 Alexandrit“. Interessanterweise ist am 07.06.2016 auf dem sich im Bau befindenden Schiff ein Brand ausgebrochen. Dabei wurde die Innenverkleidung des Schiffes beschädigt.

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27) „FUR-137L“ – lichtempfindlicher Sensor für Spektralradiometer zur Detektierung von toxischen Chemikalien, darunter auch ihren Mischungen, in bodennahen Luftschichten unter Feldbedingungen. Dient der Ermittlung von Konzentration der Stoffe und der Mischungskomponenten, der Ermittlung von Koordinaten der Stelle der Detektion sowie des Zeitpunkts zwecks Weiterleitung der Resultate an ein Datenübermittlungssystem.

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28) BTR-MDM „Rakuschka-M“ – modernisierte Version auf der Basis des Schützenpanzers der Landetruppen BMD-4M.

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29) Faktisch 200.000.000 Rubel haben die Steuerzahler für weitere Entwicklungsarbeiten am unsichtbaren Jagdflugzeug der 5. Generation PAK FA T-50 gezahlt:

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30) Ein Projekt zur Ausrüstung der zum Transport von Atom- und Strahlungsstoffen bestimmten Eisenbahnwagen mit dem SBE60M-Gerät. Die Eisenbahnwagen W-60M werden zum Transport von Sprengköpfen und Mehrfachsprengköpfen ballistischer Raketen verwendet.

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34) Im Vertrag wird die Lieferung des Geräts „Granit 7T-M2“ erwähnt – wie es sich herausgestellt hat, handelt es sich um ein modernes Objektiv für Suchköpfe von Luft-Boden-Raketem des Typs X-29 (NATO: AS-14 „Kedge“) mit kurzer Reichweite. Im Internet kann man nur die Erwähnung seines Vorgängers finden, „Granit 7T-M1“.

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50) Herstellung des Reparatur- und Bergungsfahrzeugs REM-KL auf der Basis eines Ural-532362-1042:

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51) Herstellung von Sicherheits- und Zündeinrichtungen für Panzerabwehr-Raketen der Infanterie, Panzer, Panzerhaubitzen und Luftwaffe-Bewaffnung.

56) Herstellung der Rotationsvorrichtung S-135M1 für das Radarsystem 9S18M1, das zum BUK-M1-Komplex gehört.

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62) Wanderfeldröhre UWI-73

65) Vertrag über die Renovierung der Kajüte des Oberbefehlshabers der Seestreitkräfte Russlands (Flaggoffizier-Kajute Nr.19) auf dem Kreuzer 1. Ranges der Baltischen Flotte „Aurora“, die 10.128.991.14 Rubel kosten soll.

67) Vertrag zum Einkauf von integrierten Schaltungen VRFA0026-BD der britischen Firma VIPER RF über einen russischen Zwischenhändler, die Außenwirtschaftliche Vereinigung „MaschPriborInTorg“.

72) IR-Täuschkörper PPI-26-2-1M, die zum Schutz von Flugzeugen und Hubschraubern vor Beschädigung durch Raketen mit Infrarot-Zielsuchköpfen bestimmt sind. Sie werden in Ausstoßeinrichtungen für IR-Täuschkörper des Typs ASO-2I, ASO-2W, UW-26, UW-3 verwendet.

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74) Vertrag zur Lieferung von Armee-GPS-Navigatoren (GLONASS) 14Z822 („Grot-M“).

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Verträge zu Entwicklungsarbeiten, sowie zu Wissenschafts- und Forschungsarbeiten mit dem Vermerk „streng vertraulich“, die im Jahr 2016 unterzeichnet worden sind. In der Tabelle sind die Verantwortlichen und ihre Personaldaten angeführt: 

Im Zusammenhang mit der Militäraggression im Osten der Ukraine und der russischen Okkupation der Krim haben verschiedene Staaten sowohl gegen Personen gerichtete Sanktionen als auch Sanktionen gegen einzelne Unternehmen eingeführt. Auf der Sanktionsliste der Ukraine, der USA und Kanadas stehen auch Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes Russlands. Darunter fallen auch Unternehmen aus unserer Vertragsliste mit Milliardensummen: Vereintes Motorenwerk, „Rostech“-Strukturen: „Funkelektronische Technologien“, „Konstruktionsbüro für Vorrichtungen“, „Hubschrauber Russlands“, Militärisch-industrieller Komplex „Produktions- und Wissenschaftsvereinigung zum Maschinenbau“, „Vereinter Flugbaukonzern“.

Wenn man nun die Liste der Staatsaufträge analysiert, kann man die Sanktionsliste mit einer Reihe von anderen Verteidigungsunternehmen ergänzen.

P.S. Und schließlich möchten wir unsere Leser mit einer interessanten Präsentation bekannt machen: „Einheitliches System der Truppen- und Waffensteuerung auf  taktischer Befehlsebene“ der Wissenschaft- und Produktionsvereinigung „Soswesdije“. Diese können Sie hier herunterladen.


Dieses Material wurde von Victory Krm und Michail Kusnezow exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zwecks Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm trägt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.

(Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 )

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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One Response to “Geheime Daten des russischen Verteidigungshaushalts 2015-2016 aufgedeckt”

  1. […] Verteidigungsministeriums 2015-2016, die die Ukrainische CyberAllianz im November 2016 InformNapalm zur Analyse und Veröffentlichung bereitgestellt hatte, können wir annehmen, dass gerade im Jahr 2016 die Russen begannen, die Marschflugkörper 9M729 […]

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