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    Zum Tag des Tschekisten: Russland am Rande des Abgrunds

    on 20/12/2015 | 0 Comment | Aktuell | Interviews/Meinungen
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    • blog

    Titelbild: An russischen Schulen werden gerade solche Postkarten an Kinder verteilt: „Für uns! Für Paris! Für Sinai!“

     

    von Anti-Colorados/Defenсeline

    Es gibt eine alte Weisheit, deren Sinn sich auf eine einfache Formel beschränken lässt: Seid vorsichtig mit Euren Wünschen, denn sie können sich formal erfüllen, aber gar nicht so, wie Ihr Euch das gedacht habt. Dem Vorgehen Russlands und der Russen nach zu urteilen, suchen sie hartnäckig den Krieg. Und ihrer jüngsten Aktivität nach – absolut egal wo.

    Ракеты MBDA Mistral М3 в Эстонии

    Auf dem Photo: Raketen MBDA Mistral М3 in Estland.

    Ein russisches Flugzeug ist am 17. Dezember in den Luftraum von Estland eingedrungen, wobei die Besatzung genauso wie in der Türkei darauf verzichtete, Funkverbindung aufzubauen und auf Warnungen zu reagieren. Solche Fälle gab es auch schon früher – im Sommer. Nun befinden sich im Baltikum rund ein Dutzend NATO-Jagdbomber, die im Fall der Fälle den Grenzverletzer abfangen können, aber da gibt es eine lange Befehlskette, die es nicht erlaubt, eine solche Provokation auf der Stelle zu unterbinden. Um so weniger, da diese Funktionen gerade von der Luftwaffe Eurofighter ausgeführt werden. In diesem Fall müssen blitzschnelle Reaktionen die nationalen Luftwaffe und Luftabwehr demonstrieren, die Estland noch nicht besitzt. Durch einen glücklichen Umstand hat Estland aber gerade an diesem Tag die erste Partie von Luftabwehr-Raketen MBDA Mistral M3 erhalten, die im Gegensatz zu vorhandenen MANPADS den hochfliegenden Zielen tatsächlich entgegenwirken können. Außerdem wird Estland ab dem Jahr 2016 mit dem Ausbau von Luftabwehr-Systemen im Mittelstreckenbereich beginnen.

    Was die Provokationen angeht, die von Russlands Luftwaffe veranlasst werden, so ist diese Suche nach Unannehmlichkeiten bereits allen bekannt, von Japan bis nach Großbritannien. Bislang wurden die Russen nur von den Türken bestraft, aber die Geduld kann bei jedem beliebigen Land reißen, und dann wird Putin vor die Wahl gestellt, ob er die Schlägerei eingeht oder wieder mal den Schwanz einzieht. Beide Varianten sind per Definition schlecht.

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    „Mehr Metall- mehr Waffen!“ – ein sowjetisches Plakat aus den 1930ern

    Die Sache ist, dass der militaristische Rausch, in den Putin Russland versenkte, keine Neuigkeit ist. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts war das alles absolut genau so wie jetzt. Das Volk marschierte zu Kriegs- und Marschliedern, die Dichter schrieben Verse darüber, dass die Rote Armee stärker als alle anderen ist und den Gegner auf seinem eigenen Territorium schlagen wird. Mehr noch, es wurden ganze Lieder mit Verhöhnungen des Gegners geschrieben. Das Volk wurde aufgeheizt wie ein Aufziehspielzeug und stampfte wie ein Plüschhase. Und dann kam der Krieg. Zunächst – in Finnland. Und er entpuppte sich als etwas gänzlich anderes, als das, was er in all den Songs war. Und in jenem Krieg hat man auch die Verluste verschwiegen und die Umstände dieser Schande geheimgehalten. Darum war der Rausch nicht erloschen, und die Sowjets träumten vom Befehl, die Faschisten auf deren eigenem Territorium zu vernichten. Sie hatten zwar zuvor gemeinsam mit den Faschisten Polen zerfetzt, aber das tut wohl nichts zur Sache. Am Ende hat der ersehnte und gewollte Krieg begonnen. Und wieder mal ging alles nicht so, wie es sich die Sowjets vorstellten.

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    „Jede Komsomol-Frau muss das Kriegsgerät beherrschen!“ 1932

    Der Tonfall der Lieder, Gedichte und Prosa wurde plötzlich traurig und trostlos, und der Krieg hörte auf, ein festlicher Marsch zu sein. Und verwandelte sich in ein unfassbares Grauen, nach dessen Ende aber sich alles vom Neuen wiederholte. Die Verluste wurden dermaßen meisterhaft verheimlicht, dass deren Ausmaß noch immer hitzige Diskussionen auslöst. Die Folgen dieses Krieges – die Invaliden – wurden aus der Hauptstadt und allen anderen großen Städten weggeschickt: Aus den Augen, damit sie der Erschaffung einer neuen militaristischen Legende nicht im Wege stehen, der Grundlage für eine zukünftige Aggression.

    Und nun wiederholt sich alles erneut. Die Russen wollen sich in den Kampf stürzen. Sie wollen jemandem eine Lektion erteilen, irgendjemanden bestrafen und irgendjemandem was beweisen. Dabei glauben sie wieder, dass der Krieg etwas ist, was außerhalb Russlands Grenzen geschieht. Wobei das Wesen des Krieges sich auf die Vernichtung derer beschränkt, die von Russen als Schurken wahrgenommen werden, und Schurken sind für sie im Grunde alle, die sie umgeben und selbstverständlich diejenigen, die ihnen im Fernsehen gezeigt werden.

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    „Sanktionen? Ihr bringt meine Iskander zum Lachen!“- ein verbreiteter Flashmob in Russland 2014

    Russische Schriftsteller vertiefen sich in die Beschreibung der zukünftigen Kriege und diese „Literatur“ wurde zur meist gelesenen in Russland. Kino und Fernsehen spinnen solch einen Irrsinn zusammen, dass es für einen Menschen mit unveränderter Psyche absolut unmöglich ist, sich dies anzuschauen. Und nun träumen die Russen schon von Atomschlägen und anderen Sachen. Wobei manchen von denjenigen, die bereits in der Ukraine oder Syrien waren, und dort den Boden mit ihren Armen, Beinen und ganzen Körpern gedüngt haben, bereits klar ist, dass der Krieg einen ganz anderen Geschmack und Geruch hat. Und das Wichtigste: Der Krieg lebt sein eigenes Leben und verläuft nie so, wie er in der Literatur beschrieben wird – oder in den Plänen des Generalstabs. Außerdem, wenn du zu laut nach Krieg rufst, wenn auch nur zu deinem Nachbarn, wird er unausweichlich zu dir selbst kommen.

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    Einer der führenden russischen TV-Moderatoren droht der USA mit Verwandlung in radioaktive Asche, am 16. März 2014: https://www.youtube.com/watch?v=k_kBxyX2Whw

    Nun hat Russland aber eine sehr wichtige Sache vollbracht. Faktisch alle um Russland herum haben begonnen, ihre alten Konflikte und Zerwürfnisse aus der Welt zu räumen – angesichts der russischen militärischen Unzurechnungsfähigkeit. Es werden sogar militärische Bündnisse zwischen Ländern geschlossen, die sich gestern noch als militärische Gegner wahrnahmen. Zum grellsten Beispiel dafür wurde wohl der blitzartige Übergang aus einem Konfrontationszustand in ein militärisches Bündnis zwischen der Türkei und Israel. Und nebenbei haben all diese Länder ihre einstige Seelenruhe abgeworfen und stellen ihr militärisches Potenzial wieder her. Das ist es, was Putin erreicht hat, und all diese Kräfte bauen nun, genau in diesem Moment, eine riesige Koalition gegen Putin aus. Die Russen sollten verstehen, dass, wenn man sich nach einem Krieg sehnt, er tatsächlich an deine Tür klopfen kann.


    Quelle: Anti-Colorados / Defence-line.org; übersetzt von Irina Schlegel.

    Tags: KremlpropagandaTschekisten

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