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    Putins afrikanische Kampagne gegen die westlichen Sanktionen: Über die Wahrscheinlichkeit russischer Einmischung in den Bürgerkrieg in Libyen

    on 13/10/2016 | 2 Comments | Aktuell | InformNapalm | Interviews/Meinungen
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    Am 7. September veröffentlichte InformNapalm eine Prognose über den wahrscheinlichen Beginn einer Militäroperation Russlands mit Ägyptens Unterstützung in Libyen auf der Seite der Kräfte, die Chalifa Haftar loyal sind. In dem Monat, der seit den ersten Anzeichen der geplanten Operation vergangen ist, zeigt die Analyse der militärisch-politischen Lage, dass dieses Szenario aktuell ist und Moskau die Zweckmässigkeit dieser Operation weiterhin erwägt und sie vorbereitet. Es ist höchst wahrscheinlich, dass gerade diplomatische Arbeit stattfindet, die die Reaktion von verschiedenen Ländern auf die Möglichkeit so einer Operation und ihre Unterstützung auf der Ebene der nationalen Regierungen prüfen soll.

    Nach Angaben der russischen Zeitung „Iswestija“, hat der Oberbefehlshaber der libyschen Armee Chalifa Haftar eine Anfrage an die russische Führung gestellt, den libyschen Kräften Waffen zu liefern und in Libyen eine zweite Front im Krieg gegen den Weltterrorismus zu eröffnen, in Ergänzung zur syrischen. Nach unbestätigten Angaben wurde diese Anfrage über den libyschen Botschafter in Saudi Arabien Abdel Basset al-Badri übergeben, der für einen Tag Moskau besuchte.

    Russlands Kampagne in Libyen wird die russischen Positionen in Nordafrika zu stärken und Beziehungen mit dem Kairo wieder auf den Stand der Regierungszeit von Gamal Abdel Masser zu bringen erlauben. Zugleich erhält Moskau zusätzliche Möglichkeiten zur Einflussnahme auf Algerien und die EU und rückt das Image eines Anführers im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wieder zurecht. Für die Europäische Union ist Libyen vom Standpunkt des Migrationsfaktors eine wesentlich grössere Bedrohung, als Syrien, was dem Kreml neue Möglichkeiten zur Aktivierung eines Dialogs sowohl mit Brüssel eröffnet, als auch mit einzelnen Mitgliedern der EU, wie Frankreich und Italien.

    Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es Anzeichen dafür, dass Moskau die Möglichkeiten für einen Dialog mit Paris bezüglich des Anschlusses von Frankreich an die  gemeinsame militärische Kampagne mit Ägypten auswertet. In Moskau hofft man, dass Paris die Idee einer breiteren Vertretung in der libyschen Regierung unterstützen könnte.  

    al-sarraj-hollande-paris

    Fayiz Sarradsch und Francois Hollande

    Am 26. September meldete der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian die Zusammenarbeit des Landes mit Ägypten in der Frage des Kampfes gegen den IS an. Trotz der französischen Unterstützung für die Regierung der Nationalen Einheit in Tripoli und der Sanktionen gegen die Parlamentsführung in Tobruk (die Haftar unterstützt), sind die Vertreter der Regierung von Fayiz Sarradsch (Nationale Einheit) nicht zum Treffen am 4. Oktober in Paris eingeladen worden, das der Situationsregulierung in Libyen gewidmet war. An dem Treffen nahmen die Vertreter Deutschlands, Ägypten, Italiens, Qatar, Spaniens, Türkei, Saudi Arabien und Vereinigten Arabischen Emiraten teil. Die französische Seite erklärte es damit, dass die Veranstaltung kurzfristig vorbereitet wurde – der offizielle Besuch von Sarradsch in Paris war aber nur ein paar Tage vor dem Treffen zu Ende.

    Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist die Revision der Machtkonfiguration in Libyen durch Franzosen. Am 13. September veröffentlichte Middle East Eye eine Aufnahme der Funkgespräche zwischen Piloten der Flugzeuge, die den Truppen von Haftar Unterstützung gegen die Söldner-Gruppen im östlichen Libyen erweisen.

    Die Ausgabe identifizierte die Zugehörigkeit der Piloten zur Luftwaffe Großbritanniens, Frankreichs und VAE (Das Flugzeug mit dem Rufzeichen „Schihab-11“). Im Falle der Bestätigung dieser Information kann es von militärischer Unterstützung der Haftar Kräfte durch diese Länder zeugen und vom Vorhandensein der Kanäle permanenter Kommunikation zwischen ihnen unter Bedingungen der Aufrechterhaltung von offizieller Unterstützung für die Regierung Sarradschs.

    Wenn man die strategische Bedeutung von Libyen für die Europäische Union berücksichtigt, ist es durchaus zu befürchten, dass die Kampagne in diesem Land zu einem Anlass für die Wiederaufnahme vom Dialog der EU mit dem Kreml werden kann.

    In Moskau geht man davon aus, dass die Formierung einer Koalition mit dem sunnitischen Ägypten in dieser Region unter Bedingungen, bei denen der Kreml mit den Ländern zusammenarbeitet, wo die schiitische Bevölkerung die Mehrheit ist, den regionalen Eliten zu demonstrieren erlaubt, dass konfessionelle Bevorzugungen dem Moskauer Vorgehen nicht zugrunde liegen.

    Die letzten offiziellen Erklärungen des russischen Verteidigungsministeriums hinsichtlich der Einzelheiten von Vorbereitung auf gemeinsame russisch-ägyptische Manöver, sowie Angaben über Manöver mit Verlegung von Logistik-Abteilungen mittels Langstrecken-Luftfahrzeuge bestätigen indirekt Russlands Vorbereitung auf die Durchführung einer militärischen Operation in einer bedeutenden Entfernung von den eigenen Grenzen.

    • Letzte Erklärungen des Verteidigungsministeriums Russlands

      В ЗВО проверят возможности по доставке материальных средств в труднодоступный регион

      Десантники России и Египта определили порядок проведения совместного учения «Защитники дружбы – 2016»

      В преддверии российско-египетского учения российские десантники учатся действовать в пустыне

    Ägypten ist an einer Kampagne auf dem Territorium Libyens interessiert, mit dem Ziel der Minimierung der Bedrohung eines Übergangs der IS-Söldner auf sein Territorium sowie der Demontage der Regierung in Tripoli, in deren Bestand die Vertreter von „Moslems Brüder“ sind, die finanzielle und militärisch-technische Unterstützung des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi genossen, der ebenfalls Ikhwans vertrat. Die militärische Kampagne wird Kairo erlauben, seinen Einfluss in der arabischen Welt zu stärken, der nach dem Sturz der Regierung von Mubarak 2011 verloren gegangen war.

    Der offizielle Kairo unterstützt die Politik und die Vorgehensweise von Chalifa Haftar. Am 16. September hat Ägypten das Vorgehen der libyschen nationalen Armee unter seinem Kommando begrüsst, die grosse Erdölhäfen im Osten des Landes eingenommen hatte, die sich vorher unter Kontrolle von Ibrahim Dschadran („Garde des Schutzes von Erdölobjekten“) befanden und nun an die Regierung von Sarradsch übergeben werden sollen.

    Dabei nannte das Oberhaupt des ägyptischen Aussenministeriums Samih Schukri den Aufruf der USA und fünf europäischer Länder an die libysche Armee die Erdölobjekte zu verlassen „zu voreilig“ und „die Besonderheiten der inneren Situation in Libyen nicht berücksichtigend“.

    libya-map

    Libyens Karte

    Die Übernahme der Kontrolle über die Erdölterminals hat die Frage der Wiederaufnahme vom Export des libyschen Erdöls abhängig von der Tätigkeit des Parlaments in Tobruk gemacht und könnte die Einnahmen der Zentralen Bank Libyens bedeutend einschränken, die sich unter der Kontrolle der Regierung Nationaler Einheit in Tripoli befindet. Die Rückgabe der Häfen unter die Kontrolle des Nationalen Erdölunternehmens Libyens durch Haftar bedeutet aber, dass seine langfristige Strategie die Positionsstärkung in allen Regionen Libyens ist – die Übergabe der Häfen hat sich jedenfalls positiv auf die Unterstützung von Haftar durch die Bevölkerung ausgewirkt.

    Es ist unwahrscheinlich, dass Haftar nur eine Revision des Skhirat-Abkommens und den Posten eines Befehlshabers der libyschen Streitkräfte oder des Verteidigungsministers anstrebt, denn das bedeutet die Aufrechterhaltung der Regierung von Sarradsch. Eher ist er an einer Auflösung der jetzigen Regierung und der Übernahme von voller Kontrolle über das ganze Territorium von Libyen interessiert. Der Kontrolle über Kyrenaika nach kann so ein Szenario mittels Arbeit mit den Stämmen der Tripolitanien verwirklicht werden und unter Einsatz von Kräften, die zu ihrer Zeit das Gaddafi-Regime unterstützten, auf dem Weg der Formierung eines Modells politischer Vertretung und Verteilung von Erdöleinnahmen.

    Russlands Stärkung in Ägypten und der Beginn der Kampagne in Libyen beinhaltet unmittelbare Bedrohungen für die Ukraine in Form ihres Abdrängens vom ägyptischen Markt, endgültigem Verlust des libyschen Markts und der Bildung von Bedingungen zur Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen der EU und Russland.


    Dieses Material wurde von Anatoli Baronin exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Irina Schlegel. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich.

    CC BY 4.0

    Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

    Tags: AfrikaÄgyptenEULibyenMilitäroperationNaher OstenNordafrikaRussland

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    2 Responses to “Putins afrikanische Kampagne gegen die westlichen Sanktionen: Über die Wahrscheinlichkeit russischer Einmischung in den Bürgerkrieg in Libyen”

    1. 14/12/2017

      Perspectivas y pronósticos de fortalecimiento militar de las posiciones de Rusia en Sudán - InformNapalm.org (Español) Zum Antworten anmelden

      […] Por lo tanto, existe una tendencia de Rusia a utilizar conflictos locales extranjeros para expandir la presencia militar de la Federación Rusa en estos territorios a cambio de apoyo militar y garantías a los actuales regímenes autoritarios. Del mismo modo, Rusia está apoyando al líder libio Khalifa Haftar (que controla la parte oriental del país) para desplegar bases militares cerca de Benghazi. […]

    2. 16/12/2017

      Perspektiven und Prognosen für weitere Verstärkung russischer Militärpräsenz in Sudan - InformNapalm (Deutsch) Zum Antworten anmelden

      […] Somit sehen wir die Tendenz, dass Russland ausländische lokale Konflikte für die Ausweitung seiner Militärpräsenz auf diesen Territorien benutzt, im Austausch für militärische Unterstützung und Garantien für agierende autoritäre Regime. Auf analoge Weise erweist Russland auch Unterstützung für den libyschen Anführer Chalifa Haftar (der den östlichen Teil des Landes kontrolliert), um seine Militärbasen bei Bengasi zu platzieren. […]

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