
Der Artikel ist zwar schon vor über drei Monaten erschienen, der Text ist aber so herrlich, dass wir einen Ausschnitt daraus gern veröffentlichen! Viel Spaß beim Lesen!
Alexander Newsorow, russischer Publizist (Ausschnitt aus einem Artikel in snob.ru vom 9. Juli 2014):
Der verstorbene Boris Abramowitsch (Beresowski) sagte mal: „Großes Business braucht große Opfer, aber Idioten, die bereit sind, für ein fremdes Business zu sterben, lassen sich sehr schwer finden. Die Lösung liegt hier im Miteinbeziehen höherer Materien…“
Das Drama von Slowjansk wird ausschließlich unter der „militärisch-heroischen“ Sauce serviert, und wird in keinem anderen Kontext in Betracht gezogen.
Nehmen wir an, es stimmt alles.
Erinnern wir uns doch an die Fabel und die Fakten der Geschichte.
Alle Gestalten des Dramas legen permanent Eide ab und reden ausschließlich von „Ehre“, „Verpflichtung“, „Volk“, „Standhaftigkeit“, „Opferbereitschaft“ und dem „Heiligen Russland“.
Stündlich umarmen sie sich, bumsenihre Sturmhelme aneinander, und dabei verflechten sich ihre Schnurrbärte…
Sobald die Schnurrbärte entknotet sind, gehen sie zum pausenlosen Küssen von gestreiften Bändern, Fahnen und orthodoxen Ikonen über. Die restliche Zeit schießen sie ein bißchen irgendwohin und schwören „nie abzuziehen“, „nicht aufzugeben“ und „das Volk zu beschützen“.
Man muss auch erwähnen, dass sowohl die Hauptdarsteller als auch die Nebendarsteller wunderbar kostümiert sind, und die Statisten gut ausgebildet sind, um sehr eindrucksvoll zu sterben, und die Gefriergeräte oder auch simple Schützengräben mit ihren Leichen zu füllen.
Und dann ist da auch eine wilde Intrige. Bis zum Ende war es unklar, WOVOR DENN GENAU diese Helden die Stadt Slowjansk beschützen.
Einen Einblick haben wir erst im Finale bekommen, als endlich klar wurde, dass die Stadt gegen vier Tonnen Würstchen geschützt wurde.
Das Ende des Dramas kennzeichnet sich durch eine ungeheure, wahrlich shakespearehafte Spannung.
Leider Gottes, das Böse hat gewonnen.
Die Helden haben sich das mit dem Sterben anders überlegt und sind abgehauen, und ukrainische Lastwagen mit Würstchen sind auf den Hauptplatz der Stadt hereingeplatzt.
Die triumphierenden Monster haben Würstchen unter der Bevölkerung verteilt, unterwegens haben die den Leuten noch Brot, Medikamente und andere Schrecken der Zivilisation aufgezwungen.
Vorhang.
Schluchzer im Publikum.
Quelle: Alexander Newsorow in snob.ru; übersetzt von Irina Schlegel








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One Response to “Alexander Newsorow: Das Würstchendrama von Slowjansk”
24/12/2015
Boris Wischnewski: Wofür gekämpft? - InformNapalm.org (Deutsch)[…] Übrigens, heute können sich immer mehr Menschen in Donezk und Luhansk die natürlichste Frage stellen: wann haben sie besser gelebt – im Januar oder im Juli? Wann war das Leben in Slowjansk besser: unter der Leitung vom halbverrückten “Volksbürgermeister” Ponomarjew, oder nach der “Besetzung durch die Bestrafer”, die bösewichtig 4 Tonnen Würste in die Stadt geliefert haben? […]