
Am 28. August 2025 klassifizierte der staatliche Dienst der Ukraine für Ethnopolitik und Gewissensfreiheit die ukrainische orthodoxe Kirche unter dem Moskauer Patriarchat als einer ausländischen religiösen Organisation zugehörig, nämlich der russisch-orthodoxen Kirche, deren Tätigkeit in der Ukraine verboten ist. Die Entscheidung war eine Folge der Nichterfüllung der staatlichen Forderungen nach Abbruch der Verbindungen zu Russland und zu jener Kirche, die den russischen Krieg gegen die Ukraine rechtfertigt.
Diese Klassifizierung markiert einen bedeutenden Schritt im staatlichen Vorgehen gegen ausländische Einflussnahme. Die ukrainische orthodoxe Kirche unter dem Moskauer Patriarchat fungierte über Jahrzehnte als Instrument russischer politischer, ökonomischer und ideologischer Kriegführung. Ziel war die Manipulation der Geschichte, die Untergrabung der nationalen Identität sowie die Aufrechterhaltung der Abhängigkeit der Ukraine von Kreml.
Finanzierung der russisch-orthodoxen Kirche
Die historische Entwicklung der ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat belegt, dass Russland seit Jahrzehnten einen umfassenden Krieg gegen die Ukraine führt. Die russisch-orthodoxe Kirche und ihre ukrainische Filiale waren zentrale Instrumente dieser Aggression. Die Kirche diente als Kanal für die Verbreitung der Ideologie des „russischen Denkens“, manipulierte die Geschichte, schwächte ukrainische Identität und hielt die Ukraine unter Moskauer Einfluss.
Die Finanzierung der kirchlichen Tätigkeit erfolgte durch Oligarchen, lokale Unternehmen und kriminelle Gruppen. Diese Mittel ermöglichten den Bau von Kirchen, den Unterhalt von tausenden Gemeinden sowie die Förderung kirchlicher Interessen durch Medien und politische Kanäle. Der vorliegende Text systematisiert Informationen über die Akteure, die mit Geld und Ressourcen die „geistliche“ Feindseligkeit Russlands ermöglichten und Teil des Kriegsapparates gegen die Ukraine wurden.
Oligarchen und strategische Investoren
Oligarchen mit geschäftlichen Interessen und politischen Ambitionen in Verbindung zu Russland bildeten die Spitze der finanziellen Struktur der ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat. Ihre Unterstützung war pragmatisch und strategisch, nicht religiös. Der in Russland geborene Oligarch Vadym Nowynskyj fungierte als wichtigster Finanzdonator und politischer Lobbyist der Kirche. Durch ein weitreichendes Finanzierungssystem übte er direkten Einfluss auf die Kirchenhierarchie aus und bekämpfte aktiv die Gewährung des Tomos an die unabhängige ukrainische Kirche. Gegen Nowynskyj liegt inzwischen der Vorwurf des Landesverrats vor.
Die Medienunternehmer Dmytro Firtasch und Serhij Ljowotschkin nutzten ihren Fernsehsender Inter als Propagandainstrument zur Schaffung eines positiven Bildes der Kirche und zur Verbreitung der Idee einer „geistigen Einheit“ mit Moskau. Vor Beginn der russischen Invasion war Wiktor Medwedtschuk, Patenonkel des russischen Präsidenten, zentrale Figur bei der Bündelung politischer, finanzieller und medialer Strömungen zugunsten der Kirche. Sein Medienholding, darunter die Kanäle 112 Ukraina, ZIK und NewsOne, fungierte als Sprachrohr des Moskauer Patriarchats, gefüllt mit Beiträgen loyaler Priester, Experten und Politiker. Medwedtschuks Ehefrau Oksana Marttschenko nutzte ihren Status als Fernsehmoderatorin und später als Produzentin des pseudodokumentarischen Projekts „Pilgrim“ zur Förderung einer radikal orthodoxen russischen Richtung, wobei politische Propaganda als Wundergeschichten verkleidet wurde.
Regionale Finanziers und kirchliche Infrastruktur
Zur Unterstützung des Moskauer Patriarchats war nicht zwingend Oligarchenstatus erforderlich. Unternehmer und Politiker, die innerhalb der Partei der Regionen Ansehen gewinnen oder Verbindungen nach Moskau aufbauen wollten, konnten Kirchenbauten oder religiöse Aktivitäten finanzieren. Solches Engagement brachte gesellschaftliches Prestige, russische Loyalität und Unterstützung lokaler kirchlicher Anhänger.
In Kyjiw spielte Oleksij Omeljanenko, Banker, Bauunternehmer und Vorsitzender der Partei der Regionen im Stadtrat 2008–2014, eine Schlüsselrolle. Laut früherem Abgeordneten Oleksij Davydenko war er der wichtigste Lobbyist für die Zuteilung von Grundstücken für Kirchenbauten, oftmals unter Missachtung von Verfahren, was Proteste lokaler Gemeinschaften hervorrief. Omeljanenko war enger Freund des umstrittenen Vorstehers des Petschersk-Klosters Pawel Lebedew.
Sein Partner, Wasyĺ Horbal, ehemaliger Abgeordneter und Leiter der Gebietsverwaltung Lwiw, finanzierte ebenfalls Projekte im Zusammenhang mit der russisch-orthodoxen Kirche. Ab 2007 waren Horbal und Omeljanenko Mitglieder des Vorstands der Organisation „Den Chreschtschennja Rus“, die unter Schirmherrschaft der russischen Kirche religiöse Feste in Kyjiw organisierte. Sie holten auch den damals kremlfreundlichen Andrij Kurajew nach Kyjiw. Später verklagte Horbal Omeljanenko wegen Diebstahls von 25,9 Millionen Hrywnja.
Förderung der ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat
In Saporischschja war Wjattscheslaw Bohuslajew jahrzehntelang wichtigster Förderer der ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat. Bohuslajew, langjähriger Leiter des strategischen Unternehmens Motor Sitsch, finanzierte Bau und Restaurierung von Kirchen, gewährte dem lokalen Klerus großzügige Spenden und nutzte seinen Einfluss zur Förderung moskowitischer Kircheninteressen in der Region. Seine Tätigkeit war so bedeutsam, dass er zahlreiche kirchliche Auszeichnungen direkt von der russisch-orthodoxen Kirche erhielt. Parallel erfolgte Zusammenarbeit mit Russland auch im militärischen Bereich.
In Charkiw förderten Mychajlo Dobkin und sein Geschäftsumfeld über viele Jahre die ukrainische orthodoxe Kirche unter dem Moskauer Patriarchat. Dobkin und seine engsten finanziellen Partner finanzierten Kirchenbauten, organisierten Prozessionen und luden russische Geistliche nach Charkiw ein. Auch nach Beginn der Invasion wurde Dobkin im April 2022 von Metropolit Onufrij in Charkiw zum Diakon geweiht. Dobkin nimmt weiterhin regelmäßig an Gottesdiensten dieser Kirche teil.
Lokale Unternehmer und kriminelle Elemente
Eine weitere Gruppe von Sponsoren bestand aus Geschäftsleuten, häufig mit kriminellem Hintergrund. Sie betrieben keine systematische Lobbyarbeit für die Kirche, sondern nutzten deren Einfluss zur Förderung eigener geschäftlicher Ziele. Dabei ging es oft um Beziehungen zu prorussischen Politikern oder russischen Akteuren.
Andrij Biba, Eigentümer der Tankstellenkette BRSM-Nafta, finanzierte Kirchenbauten. Er war mit der paramilitärischen Organisation „Myrjanki“ verbunden, die vom ukrainischen Sicherheitsdienst SBU der Zusammenarbeit mit dem russischen FSB verdächtigt wird.
Tetjana Sassucha, ehemalige Abgeordnete und Eigentümerin des Agrarholdings Switanok, verwandelte ihr Heimatdorf Kowaliwka in eine „orthodoxe Enklave“. Sie errichtete das Anastasija-Frauenkloster, in dem Metropolit Onufrij im Januar 2022 einen Gottesdienst abhielt.
Ein System des Verrats
Das Geld ukrainischer Oligarchen und Unternehmer wurde zum Treibstoff des Einflussystems der ukrainischen orthodoxen Kirche unter dem Moskauer Patriarchat. Es handelte sich um eine langfristige Investition in eine ideologische Basis russischer Aggression. Viele Sponsoren setzten die Finanzierung und den Schutz der Kirche auch nach 2014 fort, trotz der offenen Feindseligkeit Russlands gegenüber der Ukraine.
Es entstand eine Struktur, in der Moskau Ideologie und politische Unterstützung beisteuerte, während lokale Akteure Geld, mediale Reichweite und administrative Ressourcen lieferten. Im Gegenzug garantierte die Kirche Wählerloyalität und legitimierte den Status dieser Akteure. Dieses Netzwerk schwächte ukrainische Identität, verbreitete Lügen vom „Brudervolk“ und erzeugte eine alternative Realität im Bewusstsein von Millionen Ukrainern – zugunsten des Kreml. Die Handlungen dieser Akteure trugen unmittelbar zum Krieg bei, da Russland mit Unterstützung loyaler Priester und Gläubiger rechnen konnte. Der Kampf um geistige Unabhängigkeit besitzt dieselbe Bedeutung wie der Kampf an der Front. Eine Säuberung von Kollaborateuren und ihren Sponsoren ist notwendige Voraussetzung für den Sieg.
Schlussbemerkung
Die CYBINT-Untersuchungen FrolovLeaks, veröffentlicht von InformNapalm in Zusammenarbeit mit der Cyberallianz der Ukraine, beleuchten die Verbindungen zwischen der russisch-orthodoxen Kirche und dem Militär. Im Rahmen der Analyse des tiefgreifenden Einflusses der russisch-orthodoxen Kirche ist das folgende Foto zu berücksichtigen.
Am 8. November 2021, wenige Monate vor der umfassenden Invasion, verlieh Metropolit Artemij von Chabarowsk und Priamur dem Oberstleutnant Asatbek Omurbekow, damals Kommandeur der 64. motorisierten Schützenbrigade Russlands (Militäreinheit 51460), eine kirchliche Auszeichnung und segnete ihn für einen „Kreuzzug“ in die Ukraine. Nur wenige Monate später verübten Omurbekow und seine Soldaten schwerste Kriegsverbrechen in Butscha, Region Kyjiw. Nach Identifizierung durch InformNapalm erhielt er den Beinamen „Schlächter von Butscha“ in englischsprachigen Medien und wurde auf Sanktionslisten mehrerer Staaten gesetzt.
Nach seiner Rückkehr nach Chabarowsk wechselte Omurbekow mehrfach die Positionen, trat jedoch weiterhin an der Seite russischer Kirchenführer auf. Dies legt die moralische Haltung der russischen Kirche offen. Diese Fakten unterstreichen die Notwendigkeit, den Einfluss des Moskauer Patriarchats zu bekämpfen. Eine unabhängige ukrainische Kirche ist entscheidend für die Sicherung der geistigen und nationalen Zukunft des Landes.
Erarbeitet von Andrij Bohdanow, Serhij Wolskyj und Foma Kinjaew exklusiv für InformNapalm.
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