Erstellung einer Chronologie der Invasion der Artillerieabteilung der 136. SMSBr. der Streitkräfte Russlands in die Ukraine

Die internationale Aufklärungsgemeinschaft InformNapalm konnte durch Analyse öffentlich zugänglicher Quellen und den Einsatz von Algorithmen zur maschinellen Erstellung von grafischen Darstellungen der Profilverbindungen von russischen Militärangehörigen in sozialen Netzwerken sowie dank der Informationen, die uns von Hacktivisten der Ukrainischen Cyberallianz (UCA) exklusiv übergeben wurden, eine Chronologie der Invasion von Artilleristen der 136. selbstständigen motorisierten Schützenbrigade (SMSBr.) der Streitkräfte Russlands im August 2014 in die Ukraine wiederherstellen. Im Laufe der Untersuchung wurde bewiesen, dass der Transport von russischen Militärangehörigen an die ukrainische Staatsgrenze zur Durchführung von Kampfhandlungen entsprechend der Befehle der Heeresleitung Russlands in mehreren Schritten ablief. Später wurden diese Militärangehörigen schon auf dem besetzten Territorium der Ukraine gesichtet. Die Namen von Dutzenden von Soldaten und Offizieren, die schon zuvor in OSINT-Untersuchungen von InformNapalm und einzelnen Bloggern registriert wurden, wurden bestätigt.


Großangelegte Invasion russischer Truppenverbände in den Donbas im Sommer 2014

Die sogenannte Antiterroristische Organisation (ATO) in der Ukraine hätte noch im Sommer 2014 beendet werden können, aber Russland verübte eine Reihe von Militärschlägen, führte ganze bataillon-taktische Gruppen in die Ukraine ein, verwendete Panzer- und Artillerieverbände. Die wichtigsten Kämpfe fanden bei der Eroberung des Luhansker Flughafens und um Ilowajsk statt.

Die Datenbank der Registrierung russischer Kadermilitärangehöriger und regulärer Verbände von InformNapalm enthält Informationen über mindestens 28 russische Militäreinheiten, deren Angehörige in diesem Zeitraum an der Aggression gegen die Ukraine teilnahmen.

Die Listen von Militärangehörigen der 136. SMSBr. (M/E 63345 in Bujnaksk), die nach einer Kampfdirektive des Stabs des Südlichen Militärbezirks RF in die an die Ukraine angrenzenden Bezirke verlegt wurden, zeigen den zentralisierten Charakter der Aggression. Keine „Urlauber“ – sie alle führten Befehle aus.

Anhand der Analyse von Informationen aus der privaten Mailbox des Kapitäns der Streitkräfte Russlands Oleg Doroschenko wurden knapp 500 Wehrpflichtige  und Zeitsoldaten dieser Militäreinheit identifiziert, die zur Durchführung der Zielsetzung im Bestand der Kampaufstellung „Süd“ nach Rostow gereist sind. Der Befehlshabende Offizier der M/E 63345 der Streitkräfte Russlands ist seit 2013 Oberst Lebjodko Michail Borissowitsch

 Die Rostower „Dienstreise“ der 136. SMSBr. der Streitkräfte Russlands, deren Bezeichnung in den Direktiven zur „Durchführung der Zielsetzung im Bestand der Kampfaufstellung „Süd“ geändert wurde, fing mit der schrittweisen Verlegung der Strukturverbände der Militäreinheit aus Bujnaksk an.

Wegbereiter der Invasion waren die Soldaten des Versorgungsbataillons, die am 25. Juli 2014 aufgrund von Telegramme des Stabs des Südlichen Militärbezirks Russlands in die an die Ukraine angrenzende Gegend verlegt wurden. Die Fahrer der Nachschubkompanie für Kraftstoff, Munition, Verpflegung, Sach- und militärtechnischen Bestand sind als erste vom Stationierungsort losgefahren. Am 28. Juli 2014 rückten die Verbindungssoldaten aus, am 16. August 2014 die Division der Panzerartillerie und der Rückführungszug, am 17. August 2014 das Panzerbataillon und am 25. August 2014 die Militärangehörigen des Aufklärungsbataillons.

Befehl des Kommandeurs der M/E 63345 No. 211 vom 4. September 2014

Die erste Untersuchung zur Invasion der 136. SMSBr. der Streitkräfte Russlands erschien im Oktober 2014 auf der Seite von InformNapalm. Schon damals haben wir gezeigt, dass Verbände aus Dagestan in die Nähe von Malaja Kamenka (Kamensk-Schachtinskij Bezirk, Rostower Gebiet) verlegt wurden. Diese Ortschaft (Koordinaten  48°19’10.8″N 40°05’43.3″E) liegt auf der anderen Seite der Fernstraße A-260 bei der in den Direktiven erwähnten Ortschaft Popowka des Rostower Gebietes. Bis August 2014 war der Lager menschenleer – im Gegensatz zu den anderen grenznahen Basen. Die Freiwilligen von InformNapalm meldeten die Anwesenheit von T-90-Panzern und 152-mm Selbstfahrlafetten vom Typ 2S3 „Akazija“. Näheres dazu können Sie in der Untersuchung  Panzer Т-90 und SFL „Akazija“ der 136. SMSBr aus Dagestan an der Grenze zur Ukraine erfahren.

Die Art und Weise, auf die der Transport von Militärangehörigen des Panzerbataillons geschah, haben wir im vorhergehenden Artikel „Den Haag wartet auf die Panzerfahrer der russischen 136. Brigade aus Bujnaksk: Listen, Unterlagen, Einsatzbefehle (OSINT+HUMINT)“ beschrieben.

Diese Untersuchung betrifft die Militärangehörigen der Artilleriedivision. Anhand der Befehle wurden Informationen über den Listenbestand der 136. SMSBr. gesammelt, die im Sommer 2014 in die an die Ukraine angrenzende Region verlegt wurde. Insgesamt wurden 82 Militärangehörige der Artilleriedivision identifiziert, 12 von ihnen wurden auch in den Untersuchungen des Bloggers sled-vzyat erwähnt.

Bei der Analyse der vorangehenden Untersuchung „Artilleristen der russischen 136. Brigade im Donbass identifiziert“ fanden wir unter den Direktiven Informationen über Sergej Schechowzow, der aufgrund von Fotos mit einem T-Shirt mit der Aufschrift „Flughafen Luhansk“ und Bildern in der zerstörten Ortschaft Nowoswitliwka im Gebiet Luhansk bekannt ist. In derselben Untersuchung wird Jegor Winkler erwähnt, der in den Befehlen als erster Kanonier des 5. Geschützes des 2. Feuerzuges der 5. Batterie der 2. Haubitzen-Artilleriedivision auftritt. Sergej Nikolajewitsch Schechowzew wurde durch den Befehl No. 233 vom 29.09.2014 rückwirkend zum 22.07.2014 als Granatwerfer-Aushilfsschütze der motorisierten Schützenabteilung der motorisierten Schützenkompanie des motorisierten Schützenbataillons der M/E 63345 angestellt.

  

Tabelle mit den Daten zu den Artilleristen der 136. SMSBr., die nach der Kampfdirektive des Stabs SMB RF abkommandiert wurden.

Die Angaben zu den Artilleristen, die in der Anfangsphase der Analyse ermittelt wurden, dienten als Ausgangsparameter beim Aufbau der digitalen Darstellung der Beziehungen. Die restlichen Namen wurden von Freiwilligen von InformNapalm automatisch durch den Vergleich von Kreuzbeziehungen ermittelt, wenn derselbe Militärangehörige bei mehreren Profilen als Freund auftritt. So wurde beispielsweise Dmitrij Dokschin gefunden. Link zur Graphiktabelle.

Wie die Erkundung von öffentlich zugänglichen Quellen die Angaben von Hacktivisten bestätigt.

Kommen wir zur unmittelbaren Teilnahme von Artilleristen aus Bujnaksk an den Kriegshandlungen in der Ukraine zurück.

Betrachten wir zunächst das Foto der Beladung von Technik und Bewaffnung im August 2014.

Am 14. August 2014 lädt Ruslan Bakrejew ein Foto mit dem Kommentar „Beladen“ hoch und fügt ein Bild des Rapports über den Beginn des Dienstes als Zeitsoldat mit der Überschrift „Ich fahre nach Rostow“ hinzu.

 

Das Foto mit der Beladung sehen wir auch bei Artjom Below am 15. August 2014; der entsprechende Punkt der Direktive bestätigt seinen Dienst bei der 2. Haubitzen-Artilleriedivision.

Die Nummern und taktische Abzeichen, die die Zugehörigkeit zum Bujnaksker Truppenverband bestätigen würden, wurden mit grüner Farbe überstrichen. Entsprechende Fotos(1234) gibt es in Alben, die aufgrund von Informationen zu den Militärangehörigen in den Direktiven gefunden wurden. Andrej Dolgich bewahrt beispielsweise ein Album mit dem Namen „Ukr…“ auf, was indirekt auf den Ort und die Umstände der Fotoaufnahmen hindeutet.
Über den temporären Stationierungsort ist bekannt, dass das Lager der Artilleriedivision am oben angezeigten Punkt in der Nähe der Ortschaft Malaja Kamenka eingerichtet wurde, was durch Geolokalisierung einiger Fotos und das Landschaftsbild des gemeinsamen Fotos bestätigt wird.

Die Verlegung der in der Direktive erwähnten Militärangehörigen belegen gemeinsame Fotos. Dadurch, dass Informationen zu einigen Profilen gelöscht wurden, konnten wir leider nicht alle Militärangehörigen identifizieren (eine Infografik in ukrainischer Sprache ist ebenfalls verfügbar).

  • Liste der auf dem Foto markierten Militärangehörigen

  • In einer kleineren Anzahl haben sich die Artilleristen auf einem Foto mit dem Kommentar „Bruder Ukraine 2014 da haben wir’s den Ukropen gezeigt“ ablichten lassen.

     

    Am 24. Juli 2014 begann die Mission der OSZE, die Grenzübergänge Donezk und Gukowo zu überwachen. Beobachter der Mission lieferten wöchentliche Berichte über den Fahrzeugverkehr an den besagten Kontrollpunkten.

    In den Frontberichten vom August 2014 vermerkte InformNapalm den Anstieg der Verkehrsdichte auf den Straßen um die grenznahen Ortschaften Popowka (Bezirk Krasnodon), Piwnitschnyj und Welykyj Suchodil. Gemäß der Überwachung des Grenzübergangs in Iswaryne durch die Mission der OSZE überquerten Kolonnen russischer Militärtechnik die Grenze in der Nähe der Ortschaft Piwnitschnyj, wo dadurch neue Naturstraßen entstanden. Der Stabsoffizier der 6. Batterie der 2. Haubitzen-Artilleriedivision Timur Orasow markierte die Geolokalisierung auf seinem Foto vom 5. September 2014 unweit der ukrainischen Grenze in der Nähe der Ortschaft Stepnoj. Vermutlich bewegten sich auch die Militärangehörigen der 136. SMSBr. der Streitkräfte Russlands entlang dieser Marschrouten.

     

    Wo die Artilleristen der 136. SMSBr. ihre Spuren in der Ukraine hinterlassen haben

    Erstens bei Nowoswitliwka in der Nähe des Luhansker Flughafens. Videos und Fotos, die die Bewegung der Kolonne in den Donbas dokumentieren, zeigte InformNapalm im Artikel „Artilleristen der russischen 136. Brigade im Donbass identifiziert„.

    Zweitens in Samsoniwka (Bezirk Krasnodon). Der Oberoperateur der Führungsabteilung der 2. Haubitzen-Artilleriedivision der 136. SMSBr. Dmitrij Kirilow behielt auf seiner Profilseite im sozialen Netzwerk ein Video der russischen Besatzung. Durch einen Geländevergleich mit dem Video konnte der Blogger sled-vzyat die Bewegungsrichtung des Panzerfahrzeuges ermitteln.

    Auf der Route Krasnodon-Luhansk ließ sich der Maschinenwärter des Führungszuges der 2. Haubitzen-Artilleriedivision Ruslan Bukrejew mit der Ortstafel Prydoroschne im Hintergrund fotografieren.

    Achmadullin Ilnur, der zur Durchführung der Zielsetzung im Bestand der Formation „Süd“ als Vermessungssoldat der 2. Haubitzen-Artilleriedivision abkommandiert wurde, behielt ein Video mit der russischen Kolonne, das am 02. September 2014 in der Nähe von Krasnodon (Sorokyne) aufgenommen wurde.

    Nachdem die vom Stab des SMB RF gesetzten Ziele erfüllt waren, kehrten die Militärangehörigen nach Dagestan zurück. Der Rücktransport des Artilleriezuges zum Stationierungsort in Bujnaksk geschah über Rostow-am-Don. Der Kommandeur des 3. Geschützes der 2. Haubitzen-Artilleriedivision zog mit seinem Kommentar „Das kann man nicht vergessen“ einen Schlussstrich unter die Rostower Dienstreise.

    Die Kriegsverbrechen russischer Artilleristen blieben seitens der russischen Heeresführung nicht unbemerkt. Ein Jahr später (und in manchen Fällen – sogar drei Jahre später) wurden Auszeichnungen an einige Militärangehörige verliehen. Diese Tabelle von InformNapalm enthält Informationen über acht mit der Suworow-Medaille und zehn mit der Medaille „Für Tapferkeit“ ausgezeichnete Soldaten.

    Im Februar 2017 zeichnete der Gouverneur der Altaj-Region drei Artilleristen aus unserer Liste aus: Sergej Aleksinzew und Andrej Romlew mit der Medaille „Für Tapferkeit“, sowie Andrej Dolgich mit der Suworow-Medaille. Die lokalen Medien bestätigten sowohl den Dienstort als auch die Dienstgrade der Militärangehörigen und betonten die Geheimhaltung der erfüllten Aufgabe:

     

    „Die Unteroffiziere Sergej Aleksinzew, Andrej Komlew und der Soldat Andrej Dolgich leisteten in 2013-2014 ihren Wehrdienst bei derselben Batterie im Bestand der Raketentruppen und Artillerie in Dagestan. Sie bekamen hohe staatliche Auszeichnungen für die Durchführung einer Aufgabe, deren Details sie nicht preisgeben dürfen. Der Reservesoldat Andrej Dolgich sagt, dass er nur gute Erinnerungen an seine Dienstzeit hat. Das Wichtigste ist, dass er echte Freunde unter Dienstkollegen gefunden hat“.

    • Allgemeine Information zur 136. SMSBr.

    Journalisten und andere Interessenten können den kompletten Dump der bei der Arbeit an dieser Untersuchung verwendeten Dokumente bekommen, indem sie sich mithilfe des Feedbackformulars auf der offiziellen Seite von InformNapalm auf Facebook an uns wenden.


    Dieses Material wurde von Victory Krm exklusiv für InformNapalm vorbereitet; übersetzt von Volodymyr Cernenko; editiert von Klaus H. Walter. Infografik: Alex Alexidze.

    Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich (Creative Commons — Attribution 4.0 International — CC BY 4.0 )

    Die Angaben wurden von den Hackern der ukrainischen Cyberallianz exklusiv an InformNapalm zwecks Analyse und weiteren Veröffentlichung übergeben. Die Redaktion von InformNapalm trägt keine Verantwortung für die Erstquelle und die Herkunft der Angaben.

    Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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