Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands

Vor einem Jahr, am 30. September 2015, begann Russland seine militärische Luftoperation in Syrien. Angeblich habe Russland dabei dem internationalen Terrorismus den Krieg erklärt, in Wirklichkeit aber – wird mit allen möglichen Mitteln versucht, sich an die Spitze davon zu stellen. Zunächst versuchte es seine schwerverständlichen und unserem Jahrhundert nicht mehr entsprechende geopolitischen Ambitionen zu befriedigen, indem es die ukrainische Krim und einen Teil des Donbass besetzte, dann schloss es sich Baschar al-Assad an und half ihm bei seiner massenhaften Vernichtung des syrischen Volkes. Entsprechend dem Bericht von SOHR (Syrian Observatory for Human Rights), sind allein in den ersten 9 Monaten der russischen Militäroperation in Syrien 3089 Zivilisten zum Opfer der russischen Luftwaffe gefallen, davon 743 – Kinder.

Die internationale Organisation Amnesty International beschuldigte die russischen Streitkräfte der Kriegsverbrechen in Syrien. Im Bericht der Organisation wurde darauf hingewiesen, dass viele zivile Infrastrukturobjekte russischen Bombardierungen ausgesetzt waren, darunter Wohnhäuser, Moscheen, Geschäfte und Krankenhäuser. Die internationalen Rechtsschutzorganisationen haben mehrmals Fakten dafür angeführt, dass Russlands Luftwaffe zielgerichtet die zivile Bevölkerung und Rettungskräfte angreift. Ferner setzte die russische Luftwaffe bei ihren Bombardierungen international geächtete Waffensysteme ein wie freifallende Bomben, Streumunition und selbst bunkerbrechende Bomben (Betab-500) ein. Im Lauf der letzten UN-Sitzung am 25. September 2016 in New York kritisierten die Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und anderer Ländern das Vorgehen der Russischen Föderation in Syrien scharf und wiesen darauf hin, dass die Bombardierungen der Zivilbevölkerung eine Barbarei sind.

Bloß Fakten aufzuzählen und diese als Kriegsverbrechen zu bezeichnen reicht aber nicht. Man kann noch so viel den UN-Sicherheitsrat zusammenrufen, Pressekonferenzen abhalten und seine tiefe Besorgnis ausdrücken – der Verbrecher wird solange keine Strafe tragen müssen, bis er nicht explizit genannt und sein Schuldgrad nicht genau festgestellt und bewiesen wird.

Die Verantwortung für Kriegsverbrechen und der Genozid am syrischen Volk können nicht unpersönlich bleiben, denn genau diese Anonymität erlaubt es dem Verbrecher, seiner Strafe zu entgehen. Gerechtigkeit kann nur in dem Fall erreicht werden, wenn jeder, der einen Befehl abgab, Waffen lieferte und Bomben abwarf, identifiziert und zur persönlichen Verantwortung gezogen wird.

Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm hat im Lauf eines ganzen Jahres Angaben zu Kriegsverbrechern erfasst – Piloten und Navigatoren der russischen Kampfgruppe in Syrien.

Erstmals hatte InformNapalm Angaben zu 11 Offizieren der russischen Luftwaffe noch im Oktober 2015 präsentiert, was große Resonanz in den russischen und internationalen Medien zur Folge hatte. Damals nannte der Pressesekretär des russischen Präsidenten Dmitry Peskow die Veröffentlichung von personenbezogenen Daten russischer Piloten ein „feindliches Vorgehen“ und versprach, dass russische Geheimdienste „Maßnahmen ergreifen werden“. Und tatsächlich, das russische Aussenministerium nutzte alle Möglichkeiten, um politischen Druck auf Länder auszuüben, in denen sich zu dem Zeitpunkt das Hosting von InformNapalm befand, und forderte eine unverzügliche Schließung unserer Webseite.

Aber weder die Cyberangriffe der russischen Geheimdienste, noch die Versuche, unser Projekt zu diskreditieren, noch der politische Druck konnten unsere Arbeit stoppen – die Erfassung und Veröffentlichung von Informationen wurden fortgesetzt. Im Februar 2016 hatte InformNapalm neue Daten, diesmal zu 32 Offizieren der russischen Luftwaffe bereitgestellt. Und im Mai – bereits zu 58 russischen Offizieren.

Nach Ablauf von einem Jahr der russischen Militäroperation in Syrien veröffentlicht InformNapalm Angaben zu 116 Besatzungsmitgliedern der russischen Luftwaffe in Syrien.

Solange ein Kriegsverbrecher sich sicher ist, dass niemals jemand die Wahrheit erfährt, kann er sich hinter abstrakten Bezeichnungen wie „grünes Männchen“, „Luftwaffe Russlands“, „Russischer Offizier“ verstecken und glauben, dass seine Verbrechen unbestraft bleiben werden.

Wir hoffen, dass unsere Publikationen die russischen Offiziere dazu bringen, über die Folgen nachzudenken, das Blutvergießen zu stoppen und auf die Ausführung von verbrecherischen Befehlen zu verzichten. Der Verlust eines Jobs, der mit Morden an Zivilisten zu tun hat, ist nichts gegen den Erhalt von Tausenden Menschenleben und der eigenen Ehre.

 


Infografik nach Flugzeugtypen (Zur Vergrösserung bitte auf das Bild drauf klicken)

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Dieses Material wurde auf der Basis eigener OSINT-Untersuchungen exklusiv für InformNapalm vorbereitet. Beim Nachdruck und Verwenden des Materials ist ein Hinweis auf unsere Ressource erforderlich. 

Wir rufen unsere Leser dazu auf, unsere Publikationen aktiver in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Das Verbreiten der Untersuchungen in der Öffentlichkeit kann den Verlauf von Informationskampagnen und Kampfhandlungen tatsächlich brechen.

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10 Responses to “Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands”

  1. […] Wir möchten anmerken, dass InformNapalm auch einige OSINT-Untersuchungen zur Identifizierung von 116 Offizieren der russischen Luftwaffe durchgeführt hat, die sich an der russischen Militärkampagne in Syrien […]

  2. […] Die Gefahr des Einsatzes von Luftwaffe durch Russland gegen die Ukraine besteht seit Beginn des Konflikts im Donbass und der Annexion der Krim. Als im Oktober 2015 die Situation im Donbass sich wieder zuspitzte und zugleich die russische Luftwaffe begann, Syrien zu bombardieren und große Opfer unter Zivilisten zu fordern, setzte InformNapalm ein Ultimatum an die Militärführung Russlands: Im Gegenzug für Angriffe im Donbass veröffentlichte InformNapalm wöchentlich persönliche Angaben von Piloten russischer Luftwaffe in Syrien. Ein Jahr später haben wir alle unsere Informationen in einer Infografik zusammengefasst: „Wer bombardiert Syrien: Angaben zu 116 Piloten der Luftwaffe Russlands“. […]

  3. […] Aufrufe oder Beledigungen. Ich habe nur daran erinnert, dass die russischen Streitkräfte Aleppo bombardiert haben, ohne zwischen Zivilisten und Kämpfern zu unterscheiden, wobei zu Dutzenden Kinder starben. Dass […]

  4. […] möchten Sie daran erinnern, dass nach der Publikation von Angaben zu den Offizieren der Luftwaffe Russlands, die syrische Zivilisten vernichteten, der russische 5. Kanal einen ziemlich tölpelhaften Bericht […]

  5. […] Angaben zu 116 Besatzungsmitgliedern der Luftwaffe Russlands in Syrien – Kriegsverbrecher, die zielgerichtet die Zivilbevölkerung Syriens vernichteten und zur Bombardierung von Wohngegenden sogar die vom internationalen Recht verbotenen ungelenkten Geschosse, Streumunition und Bunkerbomben einsetzten, siehe: „Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands“. […]

  6. […] Lesen Sie zum Thema die Untersuchung von InformNapalm mit Identifizierung von Offizieren der russischen Luftwaffe, die an Luftangriffen auf Zivilisten Syriens beteiligt waren: „Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands (Infog… […]

  7. […] sich dessen bewusst geworden ist, dass bloß 2 Zerstörer der US-Marine in nur 15 Minuten die ganze Luftwaffe-Gruppierung Russlands auf der Basis Hmeimim vernichten können, im Falle weiterer Bombardierungen von Zivilisten und […]

  8. […] Zum „Highlight“ der heutigen Parade in Moskau soll eine Fluggruppe mit Piloten werden, die sich an den Kampfhandlungen in Syrien beteiligt haben. Und wir wissen ja alle, wieviel Leid und Tode diese sogenannten „hochpräzisen“ Luftangriffe der Luftwaffe Russlands den syrischen Zivilisten gebracht haben: „Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands“. […]

  9. […] Lesen Sie zum Thema: Wer bombardiert syrische Zivilisten: Angaben zu 116 Offizieren der Luftwaffe Russlands […]

  10. […] Publikationen aus und nur direkte und sehr konkrete Beschuldigungen machen den Kreml nervös, zwingen ihn Fehler zu machen, nach nicht überzeugenden Erklärungen zu suchen und „sein […]

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